Veröffentlicht in Tagebuch

Sozialfirma

Die schönsten Termine sind diejenigen, bei denen Früchte der Arbeit sichtbar und eingeweiht werden, wie heute in Engelskirchen. Wir haben das Projekt ein Jahr lang bei der Entwicklung beraten. Am Anfang stand eine Vision, ein Traum: die Schaffung von Arbeitsplätzen für Langzeitarbeitslose. Und nun ist sie Wirklichkeit gworden…

„Auf den ersten Blick scheint es, als ob die Zeit stehen geblieben wäre: Die massigen Grauwacke-Gebäude der ehemaligen Baumwollspinnerei Ermen & Engels säumen noch immer den früheren Fabrikhof. Auch der Schornstein des Dampfmaschinenhauses existiert noch. Und über die Eisenbahnschienen, die vom nahe gelegenen Bahnhof auf den Platz führen, könnte bald ein Güterzug mit einer Lieferung Baumwolle beim Alten Baumwoll-Lager vorfahren. Doch hier ist schon lange kein Faden mehr gesponnen worden. Heute steht das gesamte Gelände der alten Fabrik unter Denkmalschutz.“ heißt es auf der Webseite des Industriemuseums. Diesen Eindruck haben auch die Gäste, die der heutigen Feierstunde beiwohnen. Sie begeben sich in das Alte Baumwolllager, denn hier hat die Caritas ein neues Tagungshaus am Engelsplatz  eingerichtet. Das Besondere an dem Projekt: Es bietet Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Menschen. Dieser marktorientierte Ansatz mit sozialem Zweck wurde bereits von Herrn Landesarbeitsminister Schneider bemerkt, der es als eines von vier Leuchtturmprojekten in Bälde vor Ort besichtigen wird.





In diesen Räumen, in denen der Fabrikant Friedrich Engels  1837 eine Baumwollspinnerei gründete, da der Standort wirtschaftlich preiswerte Rahmenbedingungen wie kostenlose Wasserversorgung durch die Agger und billige Arbeitskräfte der umliegenden Dörfer bot, tagen jetzt Fach- und Führungskräfte von Unternehmen und sozialen Einrichtungen. Die Umgebung ist inspirierend, das Gemäuer mit dem rauschenden Fluss und die alten Fabrikfenster ein Tagungsort der anderen Art.
Dem Sohn des Fabrikanten, der uns vielleicht besser bekannte Friedrich Engels (Sozialtheoretiker), waren die väterlichen Arbeitsbedingungen, z.B. Kinderarbeit, Anlass sich soziologisch mit der Lage der arbeitenden Klasse zu befassen.

So würde es dem Junior sicher heute sehr gut gefallen, dass kommunale Größen, sich hier an diesem geschichtsträchtigen Platz zusammen gefunden haben, um ein Experiment zu wagen, das langzeitarbeitslosen Menschen menschenwürdige Arbeitsplätze verschafft. Der zur Feierstunde gelandene Urenkel strahlt jedenfalls über das ganze Gesicht. Weihbischof Ansgar Puff segnet in seiner Funktion als Vorsitzender des Diözesan – Caritasverbandes für das Erzbistum Köln e.V. die Räume und zitiert nachfolgende päpstlichen Worte, mit denen Friedrich Engels junior sicher nicht so unzufrieden gewesen wäre:

„Jede beliebige Gemeinschaft in der Kirche, die beansprucht, in ihrer Ruhe zu verharren, ohne sich kreativ darum zu kümmern und wirksam daran mitzuarbeiten, dass die Armen in Würde leben können und niemand ausgeschlossen wird, läuft Gefahr der Auflösung, auch wenn sie über soziale Themen spricht und die Regierung kritisiert. Sie wird schließlich leicht in einer mit religiösen Übungen, unfruchtbaren Versammlungen und leeren Reden heuchlerisch verborgenen spirituellen Weltlichkeit untergehen.“ 
 
(Papst Franziskus, „Evangelii Gaudium – Die Freude des Evangeliums)
 
 
 
Wenn Sie das Angebot die herrliche Lage und Räumlichkeiten sowie die ausgezeichnete Küche nutzen wollen, finden Sie hier die Leistungsbeschreibung.



Zum Weiterlesen:

Arbeiten hier vielleicht Engel?

Sozialer Arbeitsmarktmarkt der Zukunft










 

Autor:

Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit: Zeitzuteilen.blog & Reisekladde: aus meinen Reisetagebüchern.

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