Veröffentlicht in Soziale Arbeit

Acht Trends in der Familienpolitik (Teil 3)




Trend 7: Neue Gestaltungsräume von Kindheit

Seit der Pisa-Studie sprechen wir in Deutschland viel über Bildungsdefizite, führen G8 ein und überbieten uns in Angeboten, ob schulisch oder ausserschulisch, damit unsere Kinder und Jugendlichen auch noch die letzte mögliche Kompetenz erwerben. Aber tragen diese ambitionierten Bildungswünsche auch zum Wohlbefinden unserer Kinder und Jugendlichen bei? Und nehmen sie Kinder und Jugendliche in den Blick, deren soziale Herkunft gar nicht solche Möglichkeiten bieten?
Nein, sagt die Studie Vater, Mutter, Kind der Bertelsmannstiftung.

  • Familienpolitik muss sich von der einseitigen Erwachsenenperspektive lösen und Kinderrechte stärker in den Blick nehmen.
  • Das Wohlbefinden des Kindes muss im Mittelpunkt stehen. So antworten beispielsweise 33% der Zweit- und Drittklässler sie seien von der Schule gestresst.
  • Die Stärkung elterlicher Erziehungskompetenzen ermöglicht Teilhabe und damit Bildungsgerechtigkeit.
  • Der Bildungsbegriff muss wieder ganzheitlich gesehen werden. Es geht um die Befähigung des Kindes zu einem selbstbestimmten und selbständigen Leben und zur Entwicklung von Lebensführungskompetenzen. Und nicht um eine einseitige Betrachtung des Menschen in seiner Funktionsweise für den Arbeitsmarkt. Genau hier setzt auch das Bildungsprojekt der Caritas an: Bildung geht auch anders.

 Trend 8: Schwindende Passfähigkeit von Infrastrukturen für Familie

Das Vorhaben Kinderfreundliche Kommune zeigt, dass noch einiges getan werden muss, wenn Partizipation und Kinderrechte tatsächlich Ernst genommen werden sollen. Zeit, Geld und Infrastruktur Vorwerk Familienstudie 2013. Der Untersuchung zufolge gilt bei einer großen Mehrheit der Deutschen die Familie, die viel Zeit miteinander verbringt und gemeinsame Unternehmungen macht, als erstrebenswert – 83 Prozent bezeichnen dies als ihr Ideal. Tatsächlich gaben aber nur 28 Prozent an, viel Zeit für ihre Familie zu haben.

Aber natürlich gehört zu diesem Thema noch viel mehr:

  • Tatsächliche Betreuung und Betreuungsbedarf. In NRW gibt es beispielsweise eine Differenz von 15,8%. Dieser Wert liegt über dem Bundesdurchschnitt, der bei 11,9% liegt.
  • Die zeitliche Taktung von Beruf und Einrichtungen sollte besser aufeinander abgestimmt sein.
  • bezahlbarer Wohnraum und Grundversorgungsinfrastrukturen fehlen vor allem im ländlichen Raum.
  • Kinder und Jugendliche brauchen ein anregungsreiches und ihren individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechendes Angebot – schulisch und außerschulisch.

Insgesamt empfiehlt die Studie:

  • Nicht nur Familienfreundlichkeit sondern Kinderfreundlichkeit als Leitziel der Gesellschaft zu formulieren.
  • Der Vielfältigkeit der Familienformen wertzuschätzen und angemessen Rechnung zu tragen.
  • Der Erosion des Ernährermodells Rechnung zu tragen und Männern und Frauen eine partnerschaftliche Aufgabenteilung im Lebenslauf zu ermöglichen.
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern und existenzsichernde Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen.
  • Eltern den Druck zu nehmen, sie zu befähigen, ihre Kinder zu erziehen und das Wohlbefinden, die persönliche Entfaltung (auch von Eltern) sowie Zuwendung und Beziehungen in den Mittelpunkt zu stellen.
  • Familien unterschiedlicher Milieus gleichermaßen zu wertschätzen und sicherzustellen, dass ausreichen Angebote zur Verfügung stehen, damit Bildung und Ausbildung gelingt.
  • Eine kulturell diversifizierte Gesellschaft setzt voraus, dass es einen neuen Blick auf Fremdheit und Anderssein gibt und diese als Bereicherung und Horizonterweiterung betrachtet werden.

Zum Weiterlesen:

Acht Trends in der Familienpolitik (Teil 1)

Acht Trends in der Familienpolitik (Teil 2)

Autor:

Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit: Zeitzuteilen.blog & Reisekladde: aus meinen Reisetagebüchern.

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