Veröffentlicht in Tagebuch

Zukunftskongress der Aktion Mensch.

image Berlin-Tegel. Eiskalter Ostwind. Immerhin, der Weihnachtsbaum in den katholischen Höfen  leuchtet warm und hell, als ich das Hotel erreiche. Ich bin gespannt und neugierig auf den Zukunftskongress der Aktion Mensch. Warum ich hier hinfahre? Aus zwei Gründen: 1. Das Thema Inklusion beschäftigt uns in jeglicher Hinsicht. Wie erhalten Menschen mit Behinderung bessere Zugänge? Physisch und im übertragenen Sinne: zu Bildung, zur Gesellschaft etc. Das Thema Bildung, mit dem wir uns in unserem imageProjekt „Wir denken Bildung weiter“ in diesem Jahr intensiv befasst haben, ist ohne Inklusion nicht mehr zu denken. Und gleichzeitig sind Bildung und Inklusion nicht ohne Vielfalt zu denken. 2. Wir selbst planen für Februar 2015 den Kick-off zu einem Zukunftsdialog mit dem Titel „Inklusives Heranwachsen im Lebensraum“. Ich erhoffe mir einige Inspirationen. Der Veranstaltungsort, die Arena-Berlin, liegt ein Stück entfernt von den katholischen Höfen, aber mit S- und U-Bahn unterwegs zu sein, ist ja auch immer ein klein wenig Geschichtsstunde und so genoss ich die Fahrt und lernte wieder neue Ausblicke und Flecken in Berlin kennen. Die Arena – Berlin stellt sich als eine prima Location für diese Verantaltung heraus. Das liegt nicht nur daran, dass die große Halle barrierefrei ist, sondern auch, dass sie viel Platz und Raum für Austausch und Begegnung gestattet. Das Setting ist so gewählt, dass die Übergänge zwischen dem Plenum und der Begegnungshalle fließend sind und auch die Foren und Meetingpoints ansprechend integriert sind.

Was nehme ich mit?

Alles in allem werden die zwei Tage für mich zu einem Einblick in eine Welt, die längst imageGegenwart sein sollte. Ein Stück gelebte Inklusion. Ich empfinde, dass die Menschen, die sich begegnen, kaum mehr ihre gegenseitige Andersartigkeit empfinden, sondern mehr die Verschiedenheit als Bereicherung erleben. Menschen ausländischer und nichtausländischer Herkunft, mit Behinderung und ohne Behinderung – davon gibt es gar nicht so viele auf der Welt, wenn man die älterwerdende Generation – mich eingeschlossen – berücksichtigt, unterschiedliche Lerntypen etc.

Die Zukunft ist jetzt.

Inklusion ist, wenn wir uns selbstverständlicher begegnen und unsere Unterschiede als Bereicherung erleben. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und liebt Seinesgleichen. Inklusion ist, wenn die Seinesgleichen eine bunte Mischung von Menschen sind.

Eine inklusive Haltung führt zu inklusivem Denken.

Inklusives Denken ist die Voraussetzung für Inklusion. Begegnungsräume verändern sich. Unwillkürlich musste ich bei der Veranstaltungshalle des Kongresses an ein Google-Office denken. Die zunehmende Digitalisierung unserer Arbeitswelten verändert auch unsere Arbeits- und Freiräume. Sie werden barrierefreier. Im übertragenen Sinne und physisch.

Digitalisierung schafft Zugänge.

Allein zwei Foren haben sich mit der Digitalisierung der Lebenswelten befasst. Zum einen bieten technische Hilfen einen zunehmenden Fortschritt zur Erleichterung des Alltags und zum anderen erleichtern sie Kommunikation und Kreativität. eLearning und Blended Learning sind als Methoden schon länger in. Soziale Medien und Apps bieten ganz einfache Lernwege, Netzwerke und Beteiligungsformen. So wurde dann auch lustig losgezwitschert während des Kongresses und ich lernte via Twitter ein paar interessante Menschen kennen wie das @Rollstuhlfräulein oder Raul Krauthausen von den Sozialhelden. Auf Twitter wurde auch eine offene Liste eingerichtet und unter dem hashtag #zki2025 und #inklusion2025 wurde der Verlauf der Veranstaltung munter dokumentiert.

Fazit:

Inklusion leben. Tun wir es nicht, sperren wir uns selbst von dem Reichtum aus, den Vielfalt zu bieten hat. Die neuen medialen Methoden begrüßen. Sie bieten uns und anderen neue Zugänge zu Wissen, Bildung und Information. Neue und leichte Methoden den schwerfälligen Lernformen vorziehen. Warum muss Lernen und Bildung Mühe machen? Es sollte leicht sein und Erfüllung bescheren. Neue Lernorte gestalten. Lernen kann drinnen und draußen, in der Begegnung, im virtuellen Miteinander, im künstlerischen Schaffen, im Sport, auf Reisen und Zuhause geschehen. Keinesfalls ist ein Seminar- oder Schulraum immer die optimale Örtlichkeit. Impressionen: Film. Jetzt ab bitte!! image

Autor:

Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit (Zeitzuteilen) und aus meinen Reisetagebüchern (Reisekladde).

4 Kommentare zu „Zukunftskongress der Aktion Mensch.

  1. Ja, Sabine, ich erkenne in Deiner Sichtweise meine eigene wider. Und doch oder gerade weil inklusives Denken Zukunft hat, stellt uns die Pegida-Bewegung vor die Frage: wie kann eine Gesellschaft inklusiv werden, die offenbar Teile der Bevölkerung bereits verloren hat, die sich mit ihren Bedürfnissen unbeachtet und übergangen, in ihren Ängsten vor Vielfalt ignoriert und der globalisierten Welt hilflos ausgeliefert fühlen?

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    1. Lieber Kai, ich glaube, wir sind an dem Punkt eines Veränderungsprozesses angekommen, an dem die bunte Gesellschaft breiten, gesellschaftlichen Konsens gefunden hat. Solche Erkenntnisse lösen offensichtlich Ängste aus. Vor allem bei denen, denen die interkulturelle Erfahrung fehlt, wie in Dresden. In Köln ist -zum Glück – schon vieles selbstverständlicher. Ich glaube, die Ängstlichen müssen weniger darüber sprechen, sondern mehr interkulturelle Begegnungen suchen.

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  2. Ob die Ängstlichen interkulturelle Begegnungen suchen werden – so wünschenswert das auch wäre??? Die Lebende Bibliothek ist ein wunderbarer Türöffner für solche Begegnungen, und Sabine Kern wird in diesem Jahr einen Schwerpunkt auf Buch-Begegnungen mit Muslimen legen.
    Was Pegida und die inhaltlich damit Sympathisierenden betrifft, beschleicht mich kein gutes Gefühl, wenn die „Bewegung“ pauschal und emotional bekämpft wird. So wie zwischen Islam und Islamismus/Extremismus unterschieden werden muss, ist bei Pegida auch zu unterscheiden zwischen rechten Agents provocateurs und den Sympathisanten, sofern sie wg. ihres gesellschaftlichen „Abgehängt-Fühlens“ bzw. ihrer Skepsis gegenüber der Vielfaltgesellschaft motiviert sind. Nicht wundern würde mich, wenn Letztere auch mit Inklusion ihre Schwierigkeiten hätten. Das Heranführen der im Gestern Verhafteten ist ein mühsamer und langwieriger Prozess. Wichtig ist, den Dialogfaden nicht zu verlieren bzw. ihn wieder aufzunehmen, um ein Abdriften ins rechte politische Lager zu vermeiden.

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    1. Im Kern ging es mir darum, zu unterstreichen, dass das Inklusionsthema nicht auf die Gruppe Menschen mit Behinderungen reduziert werden kann, sondern Vielfalt die andere Seite der Medaille ist. Danke Dir, Kai, für Deinen differenzierten Kommentar und, dass Du meinen Bericht über den Zukunftskongress in Berlin in den aktuellen Kontext gestellt hast.

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