Veröffentlicht in Tagebuch

Fachtag Jugendhilfe.

Kinder und Jugendliche brauchen die bestmöglichen Rahmenbedingungen, um heranwachsen zu können, darüber ist man sich gesamtgesellschaftlich einig. Dazu gehören auch Bildung und Erziehung. Beides wird oft getrennt voneinander gedacht, weil wir Bildung häufig auf Schule reduzieren und Erziehung mit den Eltern bzw. außerschulischen Institutionen in Verbindung bringen.

Betrachtet man jedoch den Bildungsbegriff wie ihn bereits Wilhelm von Humboldt zugrunde legte, so geht es um einen ganzheitlichen Ansatz, um Persönlichkeitsbildung. In der englischen Sprache gibt es daher auch für Bildung und Erziehung nur einen Begriff: education.

10911246_1610931492497050_1429615418277674472_oIm Rahmen des Fachtages „Stationäre Erziehungshilfe neu denken“ lebte diese Diskussion wieder neu auf. Zumal der gesellschaftliche Trend, dass Kinder und Jugendliche ganztägig ihr Leben an außerfamiliären Lernorten verbringen, zunimmt. Die Hintergründe hierfür sind vielfältig. Gerade bei Kindern aus Familien mit wenig Einkommen sind beide Eltern darauf angewiesen, zu arbeiten, damit ausreichend Einkommen generiert werden kann und das hat zur Folge, dass Kinder tagsüber versorgt werden müssen.

In schulischen und außerschulischen Einrichtungen finden Bildungsprozesse statt, von denen gerade Kinder aus bildungsferneren Familien profitieren. 60 % der Heimkinder stammen aus Armutsfamilien, referierte Prof. Dr. Christian Schrapper gestern beim Fachtag.

60 % der Heimkinder stammen aus Armutsfamilien.

Diese Zahlen verwundern nicht, wenn man gleichzeitig die Diskussion um die „sogenannte“ Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung betrachtet und sich die gesellschaftliche Entwicklung der letzten zehn Jahre vor Auge führt. Eine aktuelle Studie der Bertelsmannstiftung zeigt, dass Mangel und Verzicht den Alltag von 2,6 Millionen Kindern unter 15 Jahren in Deutschland prägt. Wenn aber noch nicht einmal Grundbedürfnisse von Familien gestillt werden und der Mangel gesellschaftliche und kulturelle Teilhabechancen eklatant behindern, dann kommt Bildungseinrichtungen wie Kitas, Jugendhilfe, Schule und dem Offenen Ganztag eine hohe Bedeutung zu. Sie werden häufig zu Auffangbecken sozialpolitischer Versäumnisse.

Das trifft natürlich auch die öffentliche Seite. Der finanzielle Bedarf an Hilfeleistungen steigt. Bildung und Erziehung kosten Geld. Kita, Schule (inkl. OGS) und Jugendhilfe sind Akteure der Bildungs- und Erziehungsprozesse von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Und hier gibt es im Interesse aller eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.

Wie kann ganzheitliche Bildung gelingen?

  • Verbünde von Jugendhilfe & Schule schaffen.
  • Sich Bildung und Erziehung etwas kosten lassen – in der Kita, im Offenen Ganztag, der Heimerziehung und der ambulanten Erziehungshilfe.
  • Auf Qualität statt auf Einsparung setzen.
  • Mehr auf soziale Kompetenz setzen, weniger auf den Schulabschluss.
  • Bildungseinrichtungen aller Art (Jugendhilfe & Schule) medial auf den neusten Stand bringen. Das Internet bringt Zugänge zu Wissen und Bildung.

Zwei Seiten einer Medaille: Jugendhilfe & Schule gehören zusammen!

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Autor:

Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit: Zeitzuteilen.blog & Reisekladde: aus meinen Reisetagebüchern.

3 Kommentare zu „Fachtag Jugendhilfe.

  1. Hat dies auf Wünschen. Wollen. Tun. rebloggt und kommentierte:
    Ein riesig wichtiges Thema!
    Denn: wie sollte eine weniger gewalttätige, eine weniger ausbeuterische, eine weniger vertikale Gesellschaft entstehen ohne eine ganzheitliche und verantwortungsbewusste Bildung für Alle?

    Eines meiner Steckenpferde ist ja auch, dass eine Allgemeinbildung in Kommunikation, Sozialkompetenz und psychologischen Grundlagen entsteht. Mehr dazu hier:
    https://wuenschenwollentun.wordpress.com/2015/03/28/hassunproblemoderwatt-wir-brauchen-eine-allgemeinbildung-in-psychologie/

    Danke für deinen prima Artikel, Sabine!

    Gefällt 1 Person

  2. Hat dies auf mampel´s welt rebloggt und kommentierte:
    Wir sind im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf dicht an dem Thema dran. Im „Bündnis für Bildung“ (www.schule-jugend-sz.info) steuern wir den Prozess der Zusammenarbeit von Schule und Jugendhilfe. Sabine Depew hat in ihrem Beitrag wesentliche Argumente gut zusammengefasst – ein lesenswerter Beitrag!

    Gefällt 1 Person

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