Veröffentlicht in Arbeiten 4.0

Was ist eigentlich ein Traumjob oder was wir von Google lernen können.

„Wenn Du die Welt verändern willst, arbeitest Du an einer wirklich wichtigen Sache.
Dann freust Du Dich, früh aufzustehen und zur Arbeit zu gehen.“

Laszlo Bock

In diesen Tagen kurz vor den Sommerferien halten wieder viele Schulabgänger/innen ihre Abschlusszeugnisse in Händen und wissen möglicherweise auch schon, wie es danach weiter geht. Welche Ausbildung sie anschließen werden, welches Studium sie beginnen wollen.

Was ist eigentlich ein Traumjob?

Dabei ist das gar nicht so einfach, denn was ist eigentlich ein Traumjob? Ist es ein Beruf, in dem man möglichst viel Geld verdient? Oder möglichst viel Anerkennung erhält? Ich hielt kürzlich ein Buch von Elisabeth Malcolm in den Händen, das ich als Jugendliche gelesen habe. Es trägt den Titel „Ich möchte die Wüste grün machen“. Das Buch handelt von der 16jährigen Andrea, die sich im Laufe eines Sommers darüber klar wird, was sie vom Leben erwartet. Sie hat zu Beginn der Ferien einen Fernsehbericht über eine Frau gesehen, die ihr imponiert hat und deren Beruf es ist, als Biologin die Wüste zu erforschen.

Wie findet man das, was richtig für einen ist? Lapidar heißt es, den eigenen Interessen und Neigungen nachgehen. Sicher ein guter Anfang. Aber die können sich im Laufe des Lebens noch verändern. Ist nicht die wichtigste Frage, was will ich eigentlich bewirken? Was ist mir wichtig im Leben? Um dann meine Talente dafür einzusetzen?

Wenn das gelingt, kann aus dem Beruf eine Berufung werden.

Die Arbeitswelt von heute

Anders als zu Zeiten von Andrea in „Ich möchte die Wüste grün machen“, bedeutet eine Berufswahl aber heute nicht mehr unbedingt eine Wahl für´s Leben. Lebenslanges Lernen, veränderte Arbeitswelten und die zunehmende Digitalisierung verändern Berufsbilder. Experten, die über die Arbeitswelt der Zukunft diskutieren, gehen davon aus, dass

  • Hierarchien flacher werden
  • Arbeitsformen mobiler und digitaler
  • Unternehmensformen, auch im sozialen Bereich, werden unternehmerischer

Bei den 10 attraktivsten Arbeitgebern weltweit ist Google auf dem ersten Platz. Ok, können wir aus dem Sozialwesen sagen, prima, aber diese Internetfirmen haben mit uns ja überhaupt nichts zu tun. Ja, könnten wir sagen. Wir könnten aber auch sagen, wie kommen wir unter die ersten 10? Und was können wir von diesen Firmen lernen?

Was können Arbeitgeber im  Sozialwesen von Google lernen?

Isabelle Kürschner hat sich in ihrem Blog Zukunft der Arbeitswelt mit dem Buch „Work Rules“ von Lazlo Bock auseinandergesetzt. Hierbei geht es um den Arbeitgeber Google, der jährlich 2 Millionen Bewerbungen erhält. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, hat sich im Silikon Valley und hier vor allem bei Facebook und Google umgesehen:

„Man ist von der schieren Innovationskraft und Kreativität erschlagen und wird von einem Geist mitgerissen, der scheinbar keine Grenzen kennt. Eine bescheidenere Beschreibung fällt mir nicht ein – und wäre den Tatsachen wirtschaftlicher und innovativer Unternehmenskraft vielleicht auch nicht angemessen.“

Google Gründer Larry Page hat folgende Überzeugungen:

  • Mitarbeitende wollen an einer wirklich wichtigen Sache gerne mitarbeiten.
  • Die größte Aufgabe von Führungskräften ist es, den Mitarbeitenden eine bedeutungsvolle Aufgabe zu geben, an der sie wachsen und sich entfalten können.
  • alle Informationen im Unternehmen sollten allen Mitarbeitenden zugänglich sein.
  • Führungskräfte sollen führen können, bevor sie einen Titel dafür bekommen.
  • Bei guten Chefs werden die Mitarbeitenden besser, bei schlechten Chefs bringen gute Mitarbeitende weniger Leistung.

Diese Prinzipien gelten für den sozialen Bereich genauso oder erst recht. Wir bilden aus, weiter und fort. Wir sind Modelle für Jugendliche, für Familien, für die Gesellschaft. Müssen wir dann nicht erst recht auch zu den vorbildlichsten  Arbeitgebern gehören? Viele sind das vielleicht schon. Aber es ist auch noch Luft nach oben.

Wir wissen nicht genau, wohin es gehen wird. Wo die soziale Arbeit zukünftig statt finden wird. Wenn Internetfirmen wie Microsoft und Google durch Stiftungen und Initiativen bereits Aufgaben übernehmen, zeigt das, dass soziale Arbeit zukünftig andere Unternehmensformen haben kann als wir sie heute kennen. Unternehmenskooperationen sind da sicher ein guter Schritt in die richtige Richtung und können zu einer Win-Win Situation führen. Kulturen und Haltungen können sich gegenseitig prägen.

Was wollen die Studierenden?

Die vielleicht wichtigste Frage am Schluss: Da die Studierenden sich aufgrund des demographischen Wandels ihre Arbeitgeber und Jobs werden aussuchen können, wird sich die Arbeitswelt auf sie einstellen (müssen).

image

Quelle: http://blog.firefishsoftware.com/bid/76655/Generation-Y-Who-Are-They

Was also wollen die Studierenenden? Eine Befragung zeigt, was zukünftigen Mitarbeiter/innen im Sozialwesen wichtig ist:

  • Geld, nicht nur, aber auch,
  • eine kooperative Arbeitsatmosphäre,
  • eine erfüllende Arbeit,
  • Fortbildungsmöglichkeiten und
  • eine langfristige Anstellung.

Vor der größten Herausforderung stehen hierbei die Führungskräfte von heute. Sie kommen aus einer alten Kultur und müssen eine Neue gestalten. Dabei wird es wie eh und je auf die Persönlichkeit ankommen.

Und so weit weg sind sie vielleicht auch nicht von der Spaßkultur. Teresa von Avila, Gründerin und Führungskraft eines großen Unternehmens (17 Klöster), pflegte schon im 16. Jahrhundert zu sagen: „Gott will, dass der Mensch seinen Spaß hat.“

Also nicht so weit weg von der Generation Y und Arbeitgeber Google. Vielleicht liegt die Chance dieser neuen Führungskulturen darin, dass weniger das Betriebswirtschaftliche, sondern mehr der Mensch im Mittelpunkt steht.

Den einzelnen Mitarbeitenden sehen, seine Stärken und Talente, und ihn bestmöglich fördern, das ist dann sowieso zum Besten des Unternehmens. Dann kann die Arbeit zur Berufung und der Job zum Traumjob werden und jede/r kann ein wenig die Wüste grüner machen oder wie der Google Gründer sagen würde: to make the world a better place.

Autor:

Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit: Zeitzuteilen.blog & Reisekladde: aus meinen Reisetagebüchern.

21 Kommentare zu „Was ist eigentlich ein Traumjob oder was wir von Google lernen können.

  1. Hat dies auf rebloggt und kommentierte:
    Google und die Sozialwirtschaft? Passt das zusammen?

    In einem lesenswerten Beitrag macht Sabine Depew den Vergleich auf und fragt, was denn eigentlich ein Traumjob so bieten muss.

    Viel Spaß beim Lesen!!!

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  2. Eine der wichtigsten Erwartungen, meiner Meinung nach, ist es, dass man selber Verantwortung im Unternehmen übernehmen kann. Konzerne wie Google, aber auch 3M leben dies schon sehr gut vor. Dort gibt es unheimlich viele Freiheiten für die Arbeitnehmer, auf der anderen Seite wird aber auch erwartet, dass die Verantwortung für die eigenen Handlungen übernommen wird. Ich denke dies ist der richtige Weg um in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber zu werden. Ebenfalls ist es von elementarer Bedeutung, dass die „alten und starren“ Strukturen aufgebrochen werden und es viel mehr Austausch gibt. Unter den Mitarbeitern, aber auch unter den Abteilungen. Dies ist häufig noch ein Problem. Wie oft liest man von Unternehmen, dass Abteilung A nicht weiß, was Abteilung B macht und jeder Mitarbeiter sich nur in seinem kleinen Kosmos bewegt und nicht den Blick über den Tellerrand wagt.

    http://www.dersozialeunternehmer.de

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    1. Vielen Dank für Dein Feedback. Ich verstehe absolut, was Du meinst und hoffe auch, dass sich Organisationskulturen so ändern können. Ich mache die Erfahrung, dass es für Mitarbeitende manchmal sehr wichtig ist, genau zu wissen, was ihre Aufgabe ist, um sich abgrenzen zu können. Da weiß ich noch nicht genau wie das zu lösen ist. Klar, je eigenverantwortlicher jemand arbeitet, umso besser. Kann das wirklich jede/r schaffen, frage ich mich. Ich frage mich auch, werden bei Google auch Mitarbeitende beschäftigt, mit denen sich der Arbeitsmarkt normalerweise schwer tut.

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      1. Dein Problem mit der Abgrenzung der Tätigkeit kann ich nachvollziehen. Es gibt nunmal nicht den idealtypischen Mitarbeiter, da hinter jedem Mitarbeiter natürlich noch sein eigener Charakter, seine Fähigkeiten, Talente etc. steckt. Um dieses Problem zu lösen, habe ich bereits öfter von Unternehmen gelesen, welche ihren Mitarbeitern (freiwillig, kein Zwang) bspw. jede Woche 5 Stunden „Kreativzeit“ geben. In dieser Zeit können Sie die eigenen Projekte vorantreiben und für diese Verantwortung übernehmen. Im Idealfall ist das Endprodukt verwertbar für Unternehmen. Diese Kreativzeit ist aber kein Zwang. Den Rest der Arbeitszeit wird dann mit den normal beschriebenen Tätigkeiten der jeweiligen Position vollbracht. Ich denke auf diese Art und Weise lassen sich schon eine Vielzahl an unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Mitarbeiter lösen, so dass alle zufrieden sind.

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      2. Ja, das könnte eine Lösung sein. In der Verwaltung, in der ich arbeite, ginge das auf jeden Fall. In sozialen Diensten, Kinderheimen, Kitas, Offene Ganztagsschule reicht oft die Personaldecke nicht aus. Aber vielleicht ist es auch eine Frage der Einstellung und Kultur.

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    1. Oh ja sehr gerne! Passt gut, da Gamification in der sozialen Arbeit zunehmend als Methode erkannt wird. Außerdem schafft es eine Verbindung zwischen meinen beiden Blogs Zeitzuteilen und Reisekladde 🙂 Ich freue mich drauf und werde es auch auf der Facebookseite Bildung geht auch anders teilen. LG Sabine

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    1. Liebe Tanja, super interessant, dass Du das Thema Werte aufgegriffen hast und auch spannend, dass sie teilweise mit denen des Arbeitgebers google übereinstimmen. Vielen lieben für Deine Teilnahme!

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  3. Google macht das schon sehr intelligent! Ich habe dort mal für eine Zeit gearbeitet und mich sehr wohl gefühlt bis ich Familienzuwachs bekommen habe. Vor Ort fühlt man sich sehr wohl, aber man hat wenig Freizeit.

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