Veröffentlicht in Bildung 4.0

Bildung für alle. Mit #EdTech.

„Dies … ist ein Loblied auf die Schule,
 aber es ist möglich, dass die Schule es nicht merkt.“
Heinrich Spoerl – Feuerzangenbowle

Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge der Medienpädagogik zum Ende der 80er Jahre, als wir an der Universität zu Bonn voller Stolz unser neu eingerichtetes Videostudio begutachteten und gleichzeitig auf die drohenden Gefahren des Fernsehens und der Werbepsychologie hingewiesen wurden.

Irgendwie hat sich seitdem nicht all zuviel verändert, will mir scheinen. Erziehungsverantwortliche haben immer noch Angst vor Produktwerbung und zu viel Medienkonsum. Dabei hat die Wirkungsforschung heute wie damals bewiesen, es ist nicht das Medium selbst, das den Jungen und Älteren schadet, sondern der bewusste oder unbewusste Umgang damit.

Denn wegen all dieser Befürchtungen droht unsere (deutsche) Gesellschaft gerade den Anschluss zu verlieren und die Chancen zu verpassen, die in der technologiegestützten Bildung liegen. Welche Wirkung hier entfaltet werden kann und konnte, liess sich schon am Beispiel Sesamstrasse während meines Studiums nachweisen, die Kinder in der Bronx das Alphabet lehrte.

Bildung.

Was genau ist eigentlich Bildung? Bildung und Erziehung sind zwei Seiten einer Medaille. Die englische Sprache kennt auch nur ein Wort: „Education.“ Okay. Das ist also geklärt.

Das deutsche Wort Erziehung wird auch zunehmend vom Begriff Bildung abgelöst. Auch, um der Ganzheitlichkeit des Anliegens zu genügen. Das ist auch der Grund dafür, dass das Kindergarten Gesetz in NRW zuletzt Kinderbildungsgesetz (Kibiz) genannt wurde.

Das Wort Erziehung impliziert, dass ein Mensch gezogen werden muss. Die moderne Erziehungswissenschaft hingegen orientiert sich an den Talenten und Kompetenzen, die in Kindern schlummern und will sie fördern und hervor holen. Dieses ganzheitliche Verständnis von Bildung geht zurück auf das Humboldt’sche Bildungsideal.
Ein wichtiger Punkt in diesem Kontext ist die Kreativität, die schöpferische Kraft, die in jedem Menschen vorhanden ist. Und zu ihr gehört die Leidenschaft und Energie, die Menschen bei ihrem Engagement bestimmter Aktivitäten antreibt.
Bildung bedeutet also, den Einzelnen zur Entfaltung dessen zu führen, was bereits in ihm schlummert.

Langezeit beschränkte sich dieses Ideal jedoch hauptsächlich auf jene, die wegen oder trotz der Schule Leistungen erbringen können.

Kinder, die andere Rahmenbedingungen zum Lernen benötigen, wurden vernachlässigt.

Mediale Wege der Bildungsförderung wie Sesamstrasse blieben Ausnahmen.

Ein schöner Film, der zeigt, dass Bildung ohne Schule möglich ist, ist Alphabet.

Educational Technology (EdTech).

Educational Technology (Bildungstechnologie) ist der effektive Nutzen von neuen Technologien zum Lernen. Das Konzept beinhaltet ein Sortiment von Medien, Maschinen und Smartphones und analysiert die Grundlage der theoretischen Perspektive für deren effektive Anwendung.

„Bildungstechnologie beansprucht nicht, Lernprozesse zu verursachen oder zu kontrollieren, sondern Lernprozesse zu fördern. Bildungstechnologie gibt Hinweise darauf, wie eine Lernumgebung gestaltet werden kann, in der Lernprozesse optimiert werden. Die Förderung beinhaltet das Design der Umgebung, die Organisation der Ressourcen und die Bereitstellung von Werkzeugen. Die Lernprozesse finden in face-to-face-Settings oder in virtuellen Lernumgebungen statt (z. B. als Fernlernen).“ heisst es in Wikipedia.

Zu den mediengestützten Lernformen gehören eLearning und collaboratives Lernen. Aus diesem Gedanken heraus ist auch der Classroom 2.o entstanden bzw. das virtuelle Klassenzimmer, das grenzüberschreitend mit Blogs und Skype Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Schulen und Länder zusammen führt.

Audio und visuelle Medien werden ganz selbstverständlich im Unterricht eingesetzt. Neben YouTube hat sich inzwischen ein TeacherTube entwickelt, das Lehr- und Lernmaterialien bereit hält.

Computer, mobile Endgeräte und Tablets sind wichtige Voraussetzungen solcher Unterrichtsformen. Sie sind der Einstieg in das kreative Lernen und Arbeiten mit Wikis, Blogs und Twitter.

Tipp!

Jeden Dienstag gibt es auf Twitter einen Austausch zu Bildungstechnologien zu einem Schwerpunktthema unter dem Hashtag #EdChatDE. Mehr Infos gibt es hier.

 

Was bedeutet EdTech für die soziale Arbeit?

Auch, wenn sich Bildungstechnologien  in Deutschland nur langsam durchsetzen, stellt sich doch die Frage wie sie für die soziale Bildungsarbeit genutzt und weiterentwickelt werden können. Könnte Gamification hier eine Lösung sein?

Folgt man dem Bildungsbegriff müssen sich Lerntools und Bildungssettings an den individuellen Bedarfen der Kinder und Jugendlichen orientieren. Bei bildungsferneren Kindern sind erlebnispädagogische Angebote der ausserschulischen Jugendhilfe häufig besser geeignet als starre Schulformen. Technologieunterstützte Bildungsangebote wie beispielsweise Geocaching entfalten hier ihre Wirkung. In Social Media von A – Z findest Du eine Reihe von Tools und Möglichkeiten, bildungsfördernde Methoden in der sozialen Arbeit einzusetzen.  Und trotzdem steht die Bildungstechnologie gerade, was das Thema bildungsfernere Menschen betrifft, erst am Anfang.

Die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland gibt dem Thema eine neue Dynamik. Apps, online-Kurse und Netzwerke schießen wie Pilze aus dem Boden und zeigen gute Beispiele wie digitale Bildung Inklusion fördert.

In den USA und Großbritannien gibt es bereits seit einigen Jahren Ansätze, die dieses Ziel verfolgen. Projekte, die kostenlos Tablets und Computer an Menschen in einkommensschwachen Stadtteilen verteilen und darüber mit den Eltern und Kindern in Kontakt bleiben, wenn es etwa darum geht, Hausaufgaben zu machen. Eltern- und Bildungsarbeit läuft hier über das Tablet. Bildungsinhalte werden individuell auf Kinder zugeschnitten. Der Computer rechnet aus, welche nächste Leistungsstufe für das Kind sinnvoll ist.

 

Was ist zu tun?

  • In Einrichtungen der sozialen Arbeit und Schulen Bildungstechnologien zur Verfügung haben
  • In Schulungen und Workshops zum Experimentieren einladen
  • Barcamps anbieten, die zur Entwicklung neuer Technologien animieren

Gerade bei bildungsferneren Kindern droht die Gefahr, dass sie die kreativen Potentiale nicht zu nutzen lernen. Sie verlieren damit schon früh den Anschluss, den sie später nicht mehr aufholen werden.

Von daher: lasst uns anfangen!

Lust auf mehr? Praktische Beispiele und  Speziell für Flüchtlinge .

Das könnte Dich auch interessieren: Social Media in der sozialen Arbeit.

Autor:

Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit: Zeitzuteilen.blog & Reisekladde: aus meinen Reisetagebüchern.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s