Veröffentlicht in Bildung 4.0

Hat Snapchat das Potential, die neue Sesamstrasse zu sein?

Das ist ja mal eine ganz besonders „fromme“ Osterlektüre, die ich mir da ausgesucht habe.

Vor mir liegt das Buch „Silicon Valley“ von Christoph Keese. Als ich den Titel las, dachte ich, oh weia, wie will das Buch jemals diesem Titel gerecht werden.

Und es tut es doch. Das kann ich jetzt nach der Hälfte der Lektüre schon sagen.

Je mehr ich mich darin vertiefe, umso mehr begreife ich, was der Lesestoff mit Ostern zu tun.

Er bedeutet Aufbruch. Neuanfang. Zukunft.

So wie vielleicht das soziale Netzwerk Snapchat auch. Es steht für eine neue Generation von social media.

In Social Media in der sozialen Arbeit habe ich eine Einführung geschrieben wie soziale Netzwerke in der sozialen Arbeit genutzt werden können.

Sozialarbeit 4.0 gibt Beispiele wie das Digitale die soziale Arbeit verändern wird. Vielleicht fangen einige gerade an, sich an dieses Neue zu gewöhnen, da kommt das Nächste um die Ecke.

Bei dem Event Rock the Blog  im Rahmen der Cebit konnte ich erleben, dass Snapchat in der Szene in Deutschland als der neuste Hit schlechthin gewertet wird und youtube mittlerweile in den Schatten stellt. Youtube Stars und Sternchen wechseln bzw. haben längst zu snapchat gewechselt.

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Warum ist Snapchat so trendy?

Facebook, Instagram und Co. rücken ein wenig in den Hintergrund. Sie wirken im Vergleich wie starre Webseiten aus dem Zeitalter 1.0.

Snapchat hingegen ist leicht, lustig und unterhaltsam. Außerdem verschwinden die Snaps nach spätestens 24 Stunden wieder.

Andere sehen nicht die Anzahl Deiner Follower. Es gibt keine für alle sichtbaren Likes und Kommentare und Du selbst rückst ganz schön in den Fokus.

Ich war eigentlich überhaupt nicht der Selfietyp und wollte das gerne der jüngeren Generation überlassen, aber mit Snapchat habe ich gelernt, dass persönlich gesprochene Videos, in denen Du selbst zu sehen bist, einen Unterschied machen. Es wird ganz schön authentisch – noch mehr als im Blog.

Der Harvard Professor Clayton M.Christensen, Jahrgang 1952, dessen Hauptwerk „The Innovators Dilemma“ von 1997, das laut Christoph Keese (Silicon Valley) zu den einflussreichsten Wirtschaftsbüchern der Nachkriegszeit gehört, hat gesagt:

„Nicht die stärkste Art überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern die wandlungsfähigste.“

Was aber wird dies alles für die soziale Arbeit bedeuten?

Häh? Warum Sesamstraße?

Die Sesamstrasse ist ein Symbol für eine frühe Form medialer Lerntools für Kinder, die nur geringe Zugänge zu Bildung hatten.

Snapchat ist das Symbol für den Kulturbruch, der sich auch in Deutschland langsam Bahn bricht. Der Kultur des Silicon Valleys, die die neue Leitkultur des digitalen Zeitalters sein wird.

„Der freie, ungehemmte Austausch von Menschen auf kleinstem Raum“, so beschreibt Keese die Arbeits- und Lernkultur im Valley. Räumliche Distanz behindert Kreativität, ebenso steifer gesellschaftlicher Umgang oder soziale Konventionen.

Darin liegt das Potential von Snapchat & Co. für die soziale Bildungsarbeit. Wir brauchen in der Bildung neue Ansätze. Es scheint, dass sich seit den medienpädagogischen Anfängen wie der Sesamstraße die Tools und Konzepte für Kinder und Jugendliche, für die das System Schule nicht die geeigneten Bildungszugänge bereit hält, wenig getan hat.

Potentiale von Snapchat in Bildung & Erziehung.

Die Pflänzchen sind sicher noch zart, aber treiben doch schon ein paar schöne Blüten wie diese Beispiele und Anregungen zum Einsatz von Snapchat in der Bildung hier zeigen:

Das Blog Kulturfritzen hat mit einer Serie über berühmte Frauen eine Woche lang täglich eine berühmte Frau herausgestellt und am Ende einen Katalog verlost.

Die Firma REWE nutzt Snapchat als Instrument zur Fachkräftegewinnung, in dem es gerade die jungen Menschen ansprechen und interessieren will.

Per Snapchat-App live dabei im Duisburger Praktikanten-Alltag

Das Blog Medienpädagogik Praxisblog hat im Rahmen einer kleinen Serie den Nutzen beschrieben.

Im Englischen gibt es auch ein paar Beispiele z.B. Teachers Guide für Snapchat  und den Einsatz von Snapchat als Vokabeltrainer.

Das Bistum Münster nutzt als erstes Bistum Snapchat, um unter dem Nutzernamen ,BistumMS_digi‘ unkonventionell über Kirchenthemen zu plaudern, verfasst Rätsel und nimmt Nutzerinnen und Nutzer mit zu Veranstaltungen.

Unter dem Nutzername Presseschau geben Volontäre aktuelle Titelstorys der Tageszeitungen an und bewerten sie. Ziel: Den Followern kurz und einprägsam einen Überblick über die wichtigsten News des Tages zu geben. Sie geben auch hilfreiche Erfahrungswerte weiter.

Auch das europäische Parlament gibt interessante Infos über Snapchat, Benutzername europarl .

Sehr unterhaltsam auch die fundierten juristischen Ratschläge von Rechtsanwalt Thomas Schwenke auf Snapchat.

Fazit

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich mir für dieses Jahr so einiges vorgenommen habe, was das Thema Digitalisierung und soziale Arbeit betrifft.

Ich besuche mehr oder weniger systematisch Events der digitalen Szene und bekomme ein Gespür dafür, wie sehr analoge und digitale Welt noch getrennt von einander zu sein scheinen.

Ich möchte Konzepte entwickeln und diskutieren, wie der Transfer zwischen den beiden Welten gelingen kann, damit soziale Arbeit auch auf dem neusten Stand bleibt und das tut, was sie am besten kann: die Probleme derjenigen zu lösen, die in Not geraten sind.

Und mein Fazit: ja, absolut! Snapchat hat viel Potential, die neue Sesamstrasse zu werden.

Mehr noch, es steht symbolisch für eine neue Lern- und Arbeitskultur, die das Valley gewollt oder ungewollt auf uns überträgt.

 

Das könnte Dich auch interessieren: Snapchat – ein Selbstversuch.

Autor:

Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit: Zeitzuteilen.blog & Reisekladde: aus meinen Reisetagebüchern.

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