Veröffentlicht in Tagebuch

„LOVE OUT LOUD“ klingt irgendwie nach Caritas, oder? – rp17

Ich bin richtig stolz.

Dieses Mal will ich alles richtig machen.

Die VeranstaltungsApp ist downgeloaded, die Veranstaltungen sind favorisiert und terminiert (sogar mit Wecker) und so marschiere ich los. Zur Anmeldung.

Es ist der Vorabend der Re:Publica. Noch läuft kein Programm. Deswegen heißt es Pre:Publica.

Ich erhalte das Armband und ein Umhängeschild mit meinem Namen, der Firma (Caritas) und dem Namen meines Blogs. Und als ich mich gerade wegdrehen will, wird mir eine Umhängetasche mit einem schweren Buch in die Hand gedrückt. Eher Broschüre als Buch. Aber schwer.

Arbeiten 4.0. Das Weissbuch des Arbeitsministeriums.

Ganz haptisch soll der Ankommende wohl begreifen, dass das ein wichtiges Thema unserer Zeit ist. Ist es ja auch.

LOVE OUT LOUD.

LOL.

Nein, jetzt mal ernsthaft.

Zunächst musste ich das Thema auf mich wirken lassen.

Ein PR Gag? Ein Wortspiel? Aus Laugh wird love? Vielleicht doch ein Zusammenspiel?

Ich betrete den Hof der Station Berlin, wo die Re:Publica statt findet. Es ist wieder ein herrlicher Sommerabend. Und wie beim letzten Mal auch springt mir die katholische Community gleich ins Auge. Sie sammelt sich unter dem riesig pink leuchtenden Würfel mitten im Hof, auf dem das Motto in grossen Lettern prangt: LOVE OUT LOUD.

Wo auch sonst?

Die Re:Publica will ein Zeichen setzen gegen Hass. Darum haben die Veranstalter diesen Titel gewählt. Lachen, leben, lieben. Alles gehört zusammen.

Sie ist nicht nur Deutschlands größte Internetmesse, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis mit medialer Wirkung. Von welcher Veranstaltung wird soviel getwittert, gestreamt, gepostet und gebloggt?

Dafür sind dramatische Effekte, große Plakate, Lichtspektakel und Farben gut. Vor allem, weil Einfachheit gestaltet. Schlichtheit bei der Präsentation, beim Veranstaltungsort, bei den Mitteln überwiegt. Wohltuend.

Und zwischen Sprecher/innen und nicht offiziell Beitragenden wird kaum ein Unterschied gemacht. Denn alle sind ja aktiv. Und interaktiv.

Übrigens:

Und, wenn auch kein Unterschied gemacht wird, ist es doch gut, dass wir in diesem Jahr mit einem Programmpunkt dabei sind. Und der fällt auf.

Allein der Titel:

WTF – Katholische Kirche will Netzpolitik mitgestalten?!

Ganz ehrlich: als ich den Titel las, dachte ich zunächst: Was soll das? Das tun wir doch schon lange. Aber darum geht es nicht. Wenn es nicht auf der Re:Publica Thema ist, findet es nicht statt.

Nein, ernsthaft.

Es ist wichtig, dass wir dort mit Themen vertreten sind. Und wir haben auch echt etwas zu bieten. Denn die katholischen Bischöfe haben sich mit dem Thema Digitalisierung auseinander gesetzt und hierzu Impulse zu Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit verfasst.

Prof. Andreas Büsch, der die Clearingstelle der Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz leitet, weiss das Thema im Re:Publica Stil zu präsentieren. Auf großen Fotos wirken die Werte der katholischen Soziallehre, der digitale Lebenswelten standhalten müssen, nachhaltig in den gut gefüllten Sessionraum.

Die Auseinandersetzung mit Hatespeeches ist nicht nur ein Freudenfeuer aus Pink und Herzchen, auch, wenn hier musikalisch, visuell und im guten Miteinander wohltuende Gegenakzente gesetzt werden. Es ist auch eine Auseinandersetzung mit vielen dunklen Momenten, die es nicht wegen des Internets gibt, sondern auch dort.

Allein wegen der drei großartigen Vorträge von Carolin Emcke, Gunter Dueck und Sascha Lobo hat sich der Besuch der Re:Publica schon gelohnt.

„Liebe den Fremden wie Dich selbst und sag nicht Pack zu Deinem Nächsten.“  (Gunter Dueck)

Die Botschaft wirkt.

Darauf kommt es doch an.

Mit einfachen Sätzen „Das Internet geht nicht wieder weg.“ oder „Geisteswissenschaftler sind ein wenig netzphob. Wir brauchen euch.“ bringt er die Dinge auf den Punkt.

Laugh out loud. Mehr als einmal.

Mit dem Motto und der Wirkung, die sie entfaltet, ist die Re:Publica ein grosses Friedenscamp. Ich war nicht bei Woodstock und kenne auch keine Pfadfinderlager, aber so stelle ich es mir vor.

Einfach großartig.

Friedlich.

Mit Tiefgang.

Inspirierend.

Da wirken wir als Kirche mit ihrer Caritas doch gerne mit. Und es passt gut, dass mitten in das Geschehen die Nachricht flutet, dass die Caritas im Bistum Essen den 1. Preis der Deutschen Bischofskonferenz für ihr Projekt gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gewonnen hat. Genau!  „Sach wat! Tacheles für Toleranz“!

Es geht nicht um Arbeiten 4.0, es geht um eine (neue) Kultur des Miteinanders, die Früchte trägt, weil Menschen leidenschaftlich bei der Sache sind.

Inspiriert.

Fasziniert.

Engagiert.

Ganz ohne Weissbuch.

Re:Publica sortiert nacht Themen.

Viele Vorträge und Sessions lassen sich auch im Nachhinein noch anschauen und -hören.

Autor:

Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit: Zeitzuteilen.blog & Reisekladde: aus meinen Reisetagebüchern.

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