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Literarischer Jahresrückblick 2017 (2)

Der Mai war ein sehr sonniger Monat.

Und eine Mischung aus Abschied und Neubeginn.

In Köln galt es vieles zu Ende zu bringen und gleichzeitig standen auch verschiedene Dienstreisen an, bei denen ich auch schon zukünftige Kolleg/innen treffen konnte, zum Beispiel bei der Republica, beim Kongress der Sozialwirtschaft und beim Jahresempfang des Deutschen Caritasverbandes in Berlin, bei dem der erste weibliche Vorstand, Eva Welskop-Deffaa, eingeführt wurde.

Frauen gehen in Führung.

Wir schreiben das Jahr 2017.

Und es ist noch immer eine Besonderheit.

Der Weiberaufstand

(Christiane Florin/Maibuch)

In diesen Tagen fiel mir das Buch „Der Weiberaufstand“ von Christiane Florin in die Hände.

Ich fühlte mich an ein Buch von Franz Alt erinnert, das ich Anfang der 90er Jahre gelesen habe: Jesus, der erste neue Mann.

Die feministische Theologie der 1980er Jahre feierte das Gegenteil: einen Mann, der eine freie Frau an seiner Seite hat. Maria Magdalena folgt Jesus aus Überzeugung, weder aus Gehorsam noch aus Demut. Sie steht unter dem Kreuz, begegnet dem Auferstandenen und überbringt die Botschaft, nicht weil sie muss, sondern weil sie will. Mutig, willensstark, lasziv – so ist diese Maria.

schreibt Christiane Florin.

Auf den 172 Seiten geht es um Weiberalarm, Quenglerinnen, Pfefferminzprinzen, fröhliche Weihmächte und die Wucht der Wirklichkeit. Der beste Satz des Buches ist nicht der erste, sondern der letzte: Wo ein Wille, ist auch eine Weihe.

Was mich an dem Buch fasziniert, ist nicht nur die scharfgestochene Schreibe und die teils sehr humorvolle Analyse, sonder vor allem die Frage nach der Berufung.

Ich habe den Wunsch nie gespürt, aber was, wenn Frauen ihn haben und gerne Priesterinnen würden.

Christiane Florin spöttelt:

Ein solcher Ruf kann … nur ein Hörfehler sein, eine persönliche Neigung, ein Empfinden … keinesfalls eine echte Berufung.

Christsein ist keine einfache Angelegenheit

(Klaus Pfeffer/ Junibuch)

Passend zu 500 Jahre Reformation veröffentlicht der Essener Generalvikar ein Buch mit dem Untertitel „Mit Dietrich Bonhoeffer auf dem Weg zu einer erneuerten Kirche“.

(Bonhoeffer) räumt auf mit einer Kirche, die sich an konfessionelle Linien und dogmatische Festlegungen klammert und dabei die Lebensrealität der Menschen völlig aus dem Blick verliert.

Der Autor macht auf den rund 130 Seiten eine Reise durch die Lebensgeschichte  des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, gibt Anstösse für das Leben im Heute und entwirft am Schluss des Buches eine Zukunftsvision für die Kirche.

Was mich an Dietrich Bonhoeffer immer wieder fasziniert, ist seine Fähigkeit, inmitten alltäglicher Lebenserfahrungen Gott zu suchen und auch zu entdecken. Seine Briefe, persönliche Aufzeichnungen, Predigten, Vorträge und Ausarbeitungen offenbaren eine intensive Reflexion all dessen, was er erlebt und erfährt.

Am 30. Mai wurde das Buch der Öffentlichkeit vorgestellt. Ich selbst konnte leider nicht dabei sein, hatte aber später noch die Gelegenheit an einer Lesung teil zu nehmen.

Die Ehe

(Christiane Florin/Julibuch)

Niemand würde in einen Zug steigen, wenn laut Statistik 30, 40, 50 Prozent dieses Modells aus der Kurve fliegen.

schreibt Christiane Florin in einem weiteren Buch, das ich nach der Lektüre von „Warum unsere Studenten so angepasst sind“ und „Der Weiberaufstand“ ebenso gerne gelesen habe. Der Untertitel lautet: Das riskante Sakrament.

Die Liebe kann auf die Ehe verzichten, die Ehe aber auf die Liebe nicht … je tiefer ich in die Materie eintauche, desto mehr staunte ich darüber, dass auf so wenigen Bibelstellen ein gewaltiges Lehrgebäude fußt.

Und auch dieses Werk von Christiane Florin lohnt sich. Denn auf den 112 Seiten (ebook) zeugt sie nicht nur von fundierter Kenne, sondern auch von bereicherndem Esprit.

Gegenüber seiner Mutter schlägt der junge Jesus einen Ton an, der heutige Erziehungsberechtigte ans Ratgeberregal oder in pädagogische Coachings treiben würde … Jesus Verhältnis zur Familie ist ambivalent, stellenweise sogar feindlich. … Jesus geht als kinderloser Single in die Heilige Schrift ein. Er wird nie Vater, er bleibt Sohn. Er hat Nachfolger, keine Nachkommen. Das Christentum basiert auf Seelenverwandtschaft, nicht auf Blutsverwandtschaft.

Christiane Florin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie macht zu Beginn des Buches deutlich, dass sie auch verheiratet bleiben möchte.

Es geht ihr um eine nüchterne Betrachtung der Ehe und es ist eine spannende historische wie auch theologische Analyse.

Neue Freunde

(Björn Vedder/Augustbuch)

Facebook-Freunde sind nicht nur echte Freunde, sie sind sogar viel bessere Freunde als die, die wir üblicherweise dafür halten …

… lautet der provokante erste Satz des Buches und holt den Leser/die Leserin voller Spannung in die Lektüre. Der Untertitel „Über Freundschaft in Zeiten von Facebook“ gibt den entscheidenden Hinweis, dass es im Buch um mehr geht als um Facebook oder andere digitale Netzwerke, es geht darum, dass sich Freundschaften in der heutigen Zeit grundsätzlich verändern. So wie digitale Technologien unser Leben beeinflussen, beeinflusst eben auch die Online-Kommunikation unsere Wege, Beziehungen zu gestalten und Freundschaften zu pflegen.

Wenn „Interaktion mit dem anderen eine positive emotionale Wirkung“ hat, heißt es im Buch, dann bedeutet das eine Bestätigung des eigenen Selbstwertgefühls. Freundschaften werden insgesamt narzisstischer, lautet eine Grundthese des Buches.

Und auch, dass die Freundschaft aufhört, wenn die gemeinsame Sache wegfällt. Ist das tatsächlich so tragisch? Oder war das nicht eigentlich schon immer so? Tatsächlich hat ein Mensch doch nur wenige wirkliche echte Freunde, insbesondere, wenn wir die deutsche Definition von Freundschaft zugrunde legen. Zitate von Schopenhauer, Kant und Cicero werden hinzugezogen, um der wahren Freundschaft auf den Grund zu gehen. Ob es hilft? Denn Schopenhauer ist …

… das Schwanzwedeln eine ehrlichen Hundes hundertmal lieber als die Bekundung von Freundschaft.

Aber es ist Hoffnung! Denn wenn die Freunde gegenseitig echte Achtung empfinden, dann kann auch echte Freundschaft entstehen.

Freundschaften, das haben die vorangegangenen Kapitel vorgeführt, basieren auf einer wechselseitigen Anerkennung und einem gemeinsamen Verständnis der Welt.

Der Autor rückt die Entstehung einer Freundschaft in die Nähe der Entstehung einer Liebesbeziehung. Sie „macht schön, gibt dem anderen Raum, lässt ihn glänzen“. Er gibt der Freundschaft aber den Vorzug gegenüber einer Liebesbeziehung, denn …

… sie ist viel stärker von einem Gefühl der Übereinstimmung und Harmonie getragen als die Liebe, … ruhiger und milder. Im Gegensatz zur Liebe ist die Freundschaft eine allgemeine und umfassende Wärme … Sie ist gemäßigt und gleichbleibend, eine beständige und verlässliche Innigkeit und Zartheit.

Von daher mögen die Leser/innen enttäuscht sein, die in diesem Buch auf der Suche nach Tipps für gute Facebookfreundschaften sind.

Das Werk geht viel tiefer. Es ist eine gründliche Auseinandersetzung mit der Freundschaft in der heutigen Zeit.

 

Hier geht es zum

Literarischen Jahresrückblick 2017 (3)

 

Autor:

Digitaler Wandel in der sozialen Arbeit: Zeitzuteilen.blog & Reisekladde: aus meinen Reisetagebüchern.

2 Kommentare zu „Literarischer Jahresrückblick 2017 (2)

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