Veröffentlicht in Caritas

Zum Welttag der Armen: Caritas muss manchmal lästig sein.

Die katholische Kirche feiert morgen zum dritten Mal den Welttag der Armen. Der Tag wurde durch Papst Franziskus angeregt, denn tätige Nächstenliebe gehört zum Kernauftrag des Evangeliums. Der Platz der Caritas ist an der Seite der Armen.

„In den Armen finde ich Gott.“ sagte die heilige Elisabeth, deren Gedenktag wir am 19. November begehen. Elisabeth gab, was sie besass, um es mit den Bedürftigen zu teilen und erbaute bereits mit 21 Jahren ein Hospital.

„Elisabeth fiel auf. Was da in Marburg passierte, überstieg jedes Verständnis. Sie wollte die Forderungen der Heiligen Schrift, von Christus geboten, wörtlich erfüllen.“

Günter Berghaus

Sie war keine sanfte Heilige. Ihr wurde über die Zeit sogar vorgeworfen, dass sie eine Vorläuferin des Sozialismus sei. Ihre Tätigkeit hat sicher sozialreformatorische Bedeutung wie die vieler katholischer Männer und Frauen, die sich über die Jahrhunderte für bessere Bildungs- und Teilhabechancen engagierten.

Auch heute wird der Kirche manchmal vorgeworfen, sie mische sich zu sehr in politisches Geschehen ein. Aber das gehört zu ihrem Auftrag. Dabei ist sie jedoch nicht parteipolitisch. Aufgabe der Caritas ist es, darauf zu achten, dass sich der Auftrag des Evangeliums erfüllt. Umgekehrt ist es Aufgabe der Parteien zu bestimmen wie stark sie sich dem Auftrag des Evangeliums verpflichtet fühlen.

Elisabeths Vorbild steht dafür, dass Kirche sich einmischen muss. Es ist ihr Auftrag auf Missstände hinzuweisen und auf bessere Rahmenbedingungen für benachteiligte Menschen hinzuwirken.

Wenn die Lebensverhältnisse der Menschen existenzsicher sind, steigt auch das Interesse an Bildung und Demokratie. Deswegen legen wir als Caritas schonmal den Finger in die Wunden, wenn Gesetze für Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderung, arme, kranke und alte Menschen diesen Anforderungen nicht entsprechen.

Es stärkt den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft, dass wir Teil einer lebendigen Zivilgesellschaft sind und uns für die Megathemen unserer Zeit, die Zukunft der Pflege, der Arbeit, von der man leben kann, leistbaren Wohnraum, oder Anliegen wie Kinderarmut und Altersarmut engagieren.

“So ist es unsere Berufung, ein Feuer zu sein, das sich in kleinen Funken versprüht und alles anzündet, was ihm unterwegs an Brennbarem begegnet.”

Madeleine Delbrêl

Autor:

Caritasdirektorin im Bistum Essen.