Veröffentlicht in Führung

Wer führt in die neue Zeit?

Es gab beim SozialCamp noch nie so viele Sessions rund um das Thema Führung und es waren (gefühlt) noch nie so wenige Führungskräfte da.

In der letzten Session „Der Tanz geht weiter …“ mit @BenediktGeyer und @foulder haben wir Bilanz gezogen und festgestellt, dass wir vor dem ersten SozialCamp (ever) noch diskutiert haben, welche sozialarbeiterischen Themen denn nun wohl auf die Agenda kämen: Migration, Behindertenhilfe, junge Menschen … , um dann festzustellen, die Menschen wollten frickeln. Sie wollten programmieren, Codes entwickeln, Social Media ausprobieren. Beim nächsten Mal ging es dann um Alexa & co.

Aber jetzt sind wir einen Schritt weiter. Wir sprechen zwar noch über digitale Transformationsprozesse und diskutieren wie wir solche Prozesse am besten aufsetzen, gleichzeitig reift die Erkenntnis, es geht nicht (nur) um die Implementierung von Projekten, die eine IT-Abteilung hinter einander oder parallel für die nächsten 20 Jahre abwickelt.

Es geht um Kulturveränderung.

Weil die Welt sich ändert, müssen wir unsere Organisationskultur hacken. Agilität ist eine Frage der Haltung, der Sprache, der Formalitäten, der Organisationsgestaltung und -kultur.

Wohlfahrtsarbeit ist wieder eine Bewegung.

Die Themen liegen damals wie heute auf der Straße: zunehmende Armut, Naturschutz, Fremdenhass, Politikverdrossenheit. Und dennoch gelingt uns Wohlfahrtsverbänden kaum der Schulterschluss. Dabei sind wir ein Pfund in dieser Gesellschaft. In der Verfassung verankert konnten wir per Subsidiaritätsprinzip mit dazu beitragen, dass in der Wirtschafts- und Finanzkrise das Soziale die Marktwirtschaft und den sozialen Frieden stabilisierte.

Wohlfahrtsverbände sind mehr denn je gefordert, sich auf ihre Wurzeln zu besinnen, unkompliziert, also flexibel oder neudeutsch agil, auf gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren und innovative Wege zu gehen. Das hat Tradition und setzt doch ein grundsätzliches Umdenken voraus, denn die Zeit der Füsten-(tümer) ist vorbei.

Wie kann das gehen?

Grüne Wiese vs. traditionelle Wohlfahrt

Georg (@staebner) von helpteers und ich sind in unserer Session der Frage nachgegangen, ob eine Organisation auf der grünen Wiese neu aufgebaut werden muss oder ob ein interner Prozess ähnliche Wirkungen erzielen kann.

Im Beitrag über MeisterTask, CariEhre und unsere coolen Sekretärinnen habe ich schon darüber berichtet, warum ich froh bin, die Geschäftsstelle nicht auf der grünen Wiese neu aufstellen zu müssen.

Purpose.

Aber ein paar Aspekte sind uns sehr wichtig. So zum Beispiel die Frage, warum gibt es uns eigentlich? Was macht uns so einzigartig?

„Was können wir besonders gut und tun wir leidenschaftlich gerne? Für welche Überzeugungen stehen wir ein? Welche Probleme dieser Welt lösen wir?

Welche Werte schaffen wir für unsere Kunden?

Mit welchem Leitthema können wir Top-Talente für uns gewinnen?

Was gibt uns Entwicklungsspielraum in zukünftige Richtungen?

Steht der Purpose fest, kann er für alle unternehmerischen Entscheidungen als Filter dienen. Er zeigt dem Management und allen Beteiligten,

welche Rahmenbedingungen adäquat sind – und welche nicht, welche Art Vorgehen zu initiieren ist – und welches nicht, welchen Typ Mitarbeiter man haben will – und welchen nicht, welche Partner eine Bereicherung sind – und welche nicht, für welche Kunden man tätig sein will – und für welche nicht.“

(Quelle: Purpose statt Leitbild – wie Unternehmen sich neu erfinden müssen.)

In der Caritas im Bistum Essen haben wir uns zusammen mit unseren Mitgliedern auf drei inhaltliche Themen verständigt, die unser Profil beschreiben:

a) Ruhrgebietsstrategie: bessere Rahmenbedingungen für die Menschen in der Ruhrregion schaffen;

b) Digitalkompetenz: unsere Fach- und Führungskräfte im Verband digital kompetent zu machen und

c) Caritasorte als (neue) Kirchorte.

Neben den inhaltlichen strategischen Themen gibt es strukturelle Strategien:

d) Stärkung der Mitgliederbeteiligung und die

e) Entwicklung einer agilen Geschäftsstelle.

Wie kann das gehen, ohne alles auf den Kopf zu stellen? Ohne die gute Qualität und viele hervorragende Leistungen zu gefährden?

Agilität und Innovationen konsequent leben. Wenn Systeme erstarrt sind, Gremien keinen Sinn und Zweck mehr haben, bereit zu sein, zu hinterfragen. Was dient dem Purpose, was nicht.

Anpassung des Portfolios.

Es wird ein beständiger Aushandlungsprozess bleiben. Was sind unsere Kernkompetenzen und – aufgaben und was brauchen unsere Mitglieder? In diesem Jahr, im nächsten Jahr und in Zukunft. Es wird sich beständig anpassen müssen. Gleichzeitig muss es von den Beschäftigten auch leistbar sein, also gilt es kontinuierlich im Abgleich zu bleiben, mit den Beschäftigten und den Mitgliedern.

(Kreativ-) Räume schaffen.

Eigentlich muss es heißen, Freiräume zu schaffen. Räume, in denen wir experimentieren, lernen und entwickeln können. Ein Raum ist dafür extra als Lab eingerichtet und ein Format namens DenkRaum lädt zweiwöchentlich zu einem 2stündigen MiniBarCamp ein.

Wir kommunizieren mit Workplace, einem internen sozialen Netzwerk und Messengern. Über MeisterTask organisieren wir virtuell wie an einem Riesenboard alle gemeinsam unsere Öffentlichkeitsarbeit. Kompetenzzentren arbeiten als Matrixorganisation quer zur Ablaufstruktur. Und dennoch, wer glaubt, es geht ohne Führung, irrt. Vieles wird selbstorganisierter gehen, aber es wird weiterhin die Überblicker brauchen, nur, dass diese ihren Führungsstil verändern müssen. Sie geben Orientierung, sind Coaches, ermutigen, lassen Experimente zu. Sind Mitgestalter.

Im Einzelnen sind unsere Prozesse auch in unserem Jahresbericht nachzulesen.

Aber klar ist, Agilität ist kein Selbstläufer. Es muss gestaltet und vorgelebt werden. Es bedeutet Kulturwandel und die Verabschiedung von vielen alten Zöpfen.

Sehr geehrte Damen und Herren … sag mal, hallo?

Kommunikation und Zusammenhalt sind vielleicht der Schlüssel zum Erfolg. Schneidet die alten Zöpfe endgültig ab und kehrt den Staub aus Euren Amtsstuben. Informelle Ansprache, munteres Diskutieren im Intranet, verhaltet Euch nicht mächtig, sondern machtvoll, indem ihr eure Möglichkeiten für eine agile Zukunft einsetzt. Gesellt Euch unter die BarCamper und lernt von ihnen. Sie sind der Garant für Zukunftsfähigkeit.

Es kommt jetzt also auf Euch an, Leader der Wohlfahrt!

Weitere Infos zum SozialCamp

Autor:

Landesleitung der Caritas in Schleswig-Holstein.