Veröffentlicht in Tagebuch

Über die ersten 100 Tage, gesunde Arbeit & Auszeiten.

Es war ein richtig heißer Sommer.

Unser junges Social Media Team postet gestern anlässlich meiner 112 Tage im Amt ein Fotoshooting, das wir nicht lange nach meinem Amtsantritt im hübschen Park unseres katholischen Campus in Kiel hatten und trotz meiner Predigten, dass doch die jungen Leute zu sehen sein sollten, zeigt es mich, die Landesleitung, die just an dem Tag am wenigsten darüber nachgedacht hat, was sie denn tragen soll und einfach versuchte, mit einem schwarzen Outfit gegen die Hitze zu kämpfen, die uns den ganzen Sommer schweißnass hatte arbeiten lassen.

100 Tage im neuen Amt.

Schnell google ich mal, was die ersten 100 Tage im neuen Amt erwartet wird, und stelle fest, so daneben habe ich wohl bisher nicht gelegen.

https://www.haufe-akademie.de/blog/themen/fuehrung-und-leadership/leseproben-fuehrung/neu-als-fuehrungskraft-die-ersten-100-tage-gestalten/

Auch nachzulesen in Vom Sorgenkind zur Modellregion. Übrigens tolle Reaktionen, die ich darauf erhielt, u.a von Eva Walling: „Spannender Artikel mit einer sehr stimmig erscheinenden Umsetzungsstrategie und -arbeit. Ich wünsche viel Erfolg. In 6 Monaten und ca 1 Jahr würden mich Überprüfungsergebnisse interessieren und zwar aus Sicht der Leitung und von Mitarbeitenden.“ auf Linked in.

Gesundes Arbeiten.

Während ich mich hier pudelwohl fühle, in meinem Blogbeitrag „Neue Wohlfahrt, was wäre, wenn wir nochmal ganz neu anfangen könnten?“ klingt es an, und auf ein Team treffe, das voller Be-Geisterung mitgeht, und gleich eine Reihe eigener Ideen einbringt und umsetzt, beschäftigt mich doch gleichzeitig ein Aspekt, der mir in einem der Bücher begegnet, die mir unser Berater der Caritas in Schleswig-Holstein, Gerd Skorupka, empfahl: „Wirksam entscheiden“, ein Handbuch für Führungskräfte in der Sozialwirtschaft. Ich entdecke diesen Aspekt im letzten Teil, in dem es um die Balanced Score Card als strategisches Entscheidungsinstrument geht.

Werte, Adressaten, Prozesse und Strukturen – natürlich alles wichtig, aber sind nicht ein wesentliches Merkmal, gerade in diesem Corona-Jahr, unsere eigenen Mitarbeiter*innen? Insbesondere deren Gesundheit? An diesem isolierten Aspekt bleibe ich bei der Lektüre hängen und vergleiche ihn mit der Motivation, dem Engagement, dem Überstundenzettel und dem Allgemeinbefinden unseres Teams.

Der Mensch ist mehr als sein Arbeitsleben. Lebenslust, Familie, Freunde, Freizeit, Urlaub … all das gehört dazu. Manchmal hält uns die Arbeit über Wasser, aber manchmal sind es Freunde und Familie, die einen durch saure Arbeitszeiten tragen. Alles zusammen macht den ganzen Menschen aus.

Lieben, leiden, lachen … gehört zum Menschsein dazu. Die 3 großenLs lassen sich nicht ausklammern.

Sie sind Teil des Arbeitslebens. Kolleg*innen sind Familie. Sie teilen sich Dir nicht nur mit, sie teilen auch Deine Sorgen, Deine Freuden, Deine Schwächen, Deine Eigenheiten.

Ein Team besteht aus vielen einzelnen Charakteren, die voller guter Überraschungen sind, wenn wir es zulassen.

Auszeiten.

Eine neue Aufgabe bringt Energie und kostet gleichzeitig Kraft. Veränderungen brauchen Zeiten, in denen sie verarbeitet werden können.

Seit vielen Jahren mache ich jeden Herbst ein Retreat. Einen Rückzug. Darüber habe ich auch schon geschrieben: Meditation in Zeiten von Disruption. Dabei nehme ich mir kein größeres Programm vor, sondern begebe mich an einen Ort, der mir Kraft gibt. In diesem Jahr ist das Fehmarn. Erstmalig eine Insel. Eine Insel, die neuerdings mein erster Wohnsitz ist, und auf der ich noch ankommen muss. Aber Fehmarn macht es mir einfach. Die Touristen sind weitgehend verschwunden und die Herbststürme setzen ein. Ich lasse mein Hirn durchpusten und der Hund und ich genießen die Weite, die Einsamkeit, die Ruhe.

Ich stelle die meisten Kanäle ab. Gar nicht so einfach. Mein Leben besteht schon aus vielen Plings in meinem Alltag. Ist das gut? Ist das schlecht? Die Ruhe ist jetzt gut. Und ab und an spinkse ich dann doch in die Kanäle.

Ich mache sehr einfache Dinge. Ich gehe mit dem Hund durch die Felder und am Meer entlang. Wir spielen im Herbstlaub. Ich koche neue Gerichte. Ich reflektiere und meditiere. Ich denke über dieses gigantische Jahr nach, das viel von uns gefordert hat und mir gleichzeitig einen neuen Weg wies.

Ich denke an die vielen neuen Begegnungen, ans Loslassen, an die faszinierende Natur der neuen Heimat, die den Menschen so klein erscheinen lässt und uns auf unsere Plätze verweist.

Ich denke an die (göttliche) Kraft, die mich hier her geführt hat.

Und an die neuen Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind.

Autor:

Landesleitung der Caritas in Schleswig-Holstein.

Ein Kommentar zu „Über die ersten 100 Tage, gesunde Arbeit & Auszeiten.

  1. Liebe Sabine, Danke für Deine Gedanken; wie immer voller Zuversicht, selbstbewusst, reflektiert. Die Bedeutung der Mitarbeiter:innen als Kolleg:innen und Nächste an den Werktagen kann nach meiner Erfahrung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Je weiter an der Spitze, umso größer die Gefahr, als Kollg:in zu vereinsamen. Ich bin sicher, Dir ist das bewusst und Du bedenkst Vorsorgemaßnahmen. Gruß nach Fehmarn und an Dich und Mark, Kai

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