Philosophierend aus dem Fediversum.

Die digitale Revolution ist Geschichte.

Zumindestens, wenn man durch die Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn geht, wo sie zwischen der Wiedervereinigung, dem Klimawandel und den Fluchtbewegungen im Jahr 2015 zu finden ist. Genauer gesagt ein Roboter namens CareRob, der einen Beitrag leisten soll beim Leben im Alter.

Mein Einstieg in das Thema Digitalisierung gelang über Social Media. Über die Erkenntnis, dass Wissen einfach zu teilen ist. Dass Bildung neu gedacht wird und Kinder durch spielerische Tools Zugänge erhalten können.

Von Beginn an gab es kritische Stimmen ob der Kommerzialisierung der Medien. Wem gehören die Inhalte, die sichtbaren Inhalte bestimmt ein Algorithmus oder Zuckerberg gar selbst.

Diese Stimmen haben mich nicht abgehalten, die Medien zu nutzen. Langezeit galt Twitter auch gerade als Vorzeigemedium, weil hier Schlichtheit und Diskurs gepflegt wurden.

Diese Zeit ist zu einem Ende gekommen. Ich habe mich 2x von Facebook verabschiedet, von WhatsApp und ganz neu jetzt auch von Twitter.

Es gibt Alternativen, in denen das, was ich mir ursprünglich von Social Media gewünscht hatte, noch oder gerade zu finden ist: Zeit nachzudenken und die Möglichkeit zu einem sachlichen Diskurs.

Das Fediversum.

Das Fediversum bzw. Fediverse ist ein Zusammenschluss, eine Föderation, verschiedener Microblogging Dienste und kann etwa über die App Mastodon genutzt werden. Es gleicht in seiner Schlichtheit den Anfängen von Twitter und hat mittlerweile eine Reihe ähnlicher Funktionen. Hier gibt es eine Kurzanleitung für den Gebrauch der Twitteralternative.

Dieses für mich neue „Universum“ ist mehr als eine weitere Social Media App.

Es lässt mich nach- und umdenken.

Mir fällt auf, dass ich die Polarisierung, das Marketing und die individuell zugeschnittenen Themen nicht mehr ertrage.

Warum?

Weil wir nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre an einem Punkt stehen, wo das alles nicht mehr zeitgemäß ist.

Philosophieren.

Früher saß ich mit meiner besten Freundin manchmal auf der Schaukel und wir haben in den Nachthimmel über Gott und die Welt philosophiert. Vielleicht steht das wieder an.

Also, wo stehen wir?

Wir stehen an einem Punkt, wo die Ereignisse uns überrollen: die nicht enden wollende Pandemie, die Klimakrise, der Krieg, eine neue Armut.

Was tun? Einfach weiter machen? Polarisieren, dramatisieren, vermarkten?

Nein. Stopp! Aufhören!

Ich möchte (nach-) denken.

Welche Welt braucht es? Wie muss das gesellschaftliche Miteinander organisiert sein? Welche Institutionen müssen wie finanziert sein?

Das sind Fragen, die können wir nicht heute und morgen beantworten. Hierfür brauchen wir Zeit, nachzudenken. Wir brauchen einen Diskurs. Einen Diskurs, der frei ist von Sachzwängen und Marketingstrategien.

Wir brauchen eine neue Qualität der Kommunikation. Es geht mir nicht darum, das Fediversum zu hypen. Es geht mir darum, Plattformen zu finden, die das Nachdenkliche erlauben, die nicht nach Marktwerten filtern und einen Diskurs ermöglichen, bei dem Polarisierung keinen eigenen Wert darstellt.

Irgendwo dort hinten ist der Wendepunkt.

Noch ist nicht deutlich, wohin wir uns bewegen.

Aber ein paar Puzzlestücke deuten sich schon an. Es geht um eine neue Lebensqualität, die mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Noch ist die Kurzatmigkeit der Politik hierfür hinderlich. Aber manche zeigen auch die notwendige Weitsicht.

Die Pandemie lehrt uns, das Thema Wohlbefinden und Gesundheit neu zu betrachten. Kann das ein Oberbegriff für unser gesellschaftliches Miteinander werden? Fairer Umgang? Neue Zugänge? Das 9 Euro Ticket zeigt hierfür beispielhaft Wege auf.

Was brauchen wir in unserer Gesellschaft, damit die einzelnen Gruppe sich wohl befinden? Familien, junge Menschen, die Alten? Was ist gesund?

Ein paar Fragen, die nicht beantwortet sind. Und nicht alles abdecken, was zur Zeit gedacht werden sollte.

Aber die digitale Revolution ist vielleicht tatsächlich auch irgendwann in Deutschland Geschichte und hat den Wendepunkt hinter sich gebracht. So dass der Hype, der die nötige Stoßkraft brachte, abklingen kann und eine neue Lebensqualität gelingen kann.

Philosophierend. Im Fediverse. Oder anderswo.

3 Kommentare zu „Philosophierend aus dem Fediversum.

  1. Liebe Freunde des philosophierens – meine Zeit des Nachdenkens ist zu Ende gegangen mit der Erkenntnis :

    Schenken üben wie ein Apfelbaum der Wildnis – und wie Buddha sagen – dem Kind des Waldes was auch so ein Baum werden will – Schatten spenden auch wenn es einen abholzen muss um zu wachsen –

    Um wie Jesus zu sagen : schon ist die Axt an den Baum gelegt – und ein Baum der keine Früchte bringt wird umgehauen – und sei es nur dass er Schatten spendet .

    Ich sage so : viele wollen ewig auf einem grünen Zweig sitzen – sorry das ist kein Leben – das Leben ist ein grüner Zweig und Dir grüne Jugend muss dringend unter die kalte Dusche und beschnitten werden – so maßlos fahren sie an die wand – so mit dem Kopf dich die Wand wie habeck –

    Sorry das Leben ist Freud und Leid – krieg und Frieden – Genie und Wahnsinn – du musst es lieb gewinnen so wie dich selbst – und was du tun musst – sagt dir nur dein Herz – auch nicht Frau Merkel – Punkt .

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  2. In meinem Bereich ist Barrierefreiheit ein Gradmesser für den Sinn eines „Werkzeuges“. Das Schöne am Fediversium ist der direkte Zugang zu allen auf Augenhöhe – also auch zu den IT-lern. Ich kann Kontakt aufnehmen, Probleme ansprechen, finde oft direkt Hilfe und Anleitung. Wenn was wirklich nicht klappt, wird es gemeldet, dann gibt es Foren, Arbeitslisten (codeberg ) , … . Ich selber lerne im Fediversum die Sprachfähigkeit und kann ermutigen, sich dort zu bewegen, weil schlicht jeder Mensch dort eine Stimme haben kann. Beispiel: Wenn ich nicht klar komme und eine Frage stelle, fragt ein Experte zurück, so dass ich meine Frage immer neu formulieren kann, bis der ITler mich versteht.

    Ich nenne es Augenhöhe, du nennst es an anderer Stelle flache Hierarchie. Aber Hierarchien bilden sich je nach Rahmen neu, es gibt keine absoluten Hierarchien. Das fordert von allen Beteiligten ein Mitdenken und Mitmachen – aber bitte immer so, wie es für mich und dich gut geht. Erinnert an Gewaltfreie Kommunikation und kommt meiner Vorstellung von Christsein nahe.

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  3. Liebe Sabine, Dein Beitrag macht mich richtig neugierig; deshalb schon mal Danke dafür. Was das Fediversum ist, muss und will ich noch herausfinden. Erst mal bewegt mich, dass Du Dich nun schon zum wiederholten Mal von einem der dominierenden Medien verabschiedet hast. Du warst diesbezüglich immer sehr viel intensiver und mit deutlich mehr Nutzenüberzeugung unterwegs. Das war/ist gut so, denn sonst wären die „gemeinen Medien“ noch stärker nur gemein statt gemeinschaftsfördernd. Ich muss mich zügeln, um nicht meinen heftigen Ärger über die traditionellen Medien zur Schau zu stellen, die m.E. wegen der massiven Konkurrenz unprofessioneller Meinungsverbreitung offenbar glauben, nur durch immer größere Anpassung an Sensations- und Emotionsheischerei überleben zu können. Und leider können sich auch die politischen Akteur:innen dem Sog der emotionsgeleiteten Öffentlichkeit nicht entziehen. Mit welchem Elan für eine andere Art der Koalitionskultur ist die Ampel angetreten? Und wie schnell sind sie in den Wahlkampfmodus zurückgefallen? Ja, liebe Sabine, echter Diskurs der überlegten Gedanken tut not. 100% agree. Sollte das Fediversum da wirklich Abhilfe schaffen können? Schön wär’s. Allerdings dürfte es in diesem Fall ein Nischen-Medium bleiben – was meiner Meinung nach nicht verkehrt, ja, vielleicht nicht einmal schlimm wäre sondern in der Natur der Sache läge. Die zentralen Fragen einer Gesellschaft können am ehesten von bodenständigen Intellektuellen durchdacht, erörtert und Antworten/Lösungen praxistauglich vorbereitet werden. Allein, der denkenden Klasse fehlt das Durchsetzungsgen, um auf Politik und Öffentlichkeit wirklich auszustrahlen. – Nun aber bin erst mal gespannt auf das Fediversum. Bis demnächst herzliche Grüße aus dem Kölner Süden

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