Wer Personalverantwortung hat, sollte ein guter Feminist sein.

Frauen gehören überall dorthin,

wo Entscheidungen getroffen werden.

Ruth Bader Ginsburg
US-amerikanische Juristin und Richterin am Supreme Court

Wer einen Beitrag zum Thema Feminismus schreibt, kann damit rechnen, dass die Hälfte der Leser nach den ersten Zeilen abschaltet.

Dabei ist dieser Begriff schlicht der Oberbegriff für Bewegungen, die sich für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung einsetzen. Laut Wikipedia beschäftigen sich in diesem Kontext politische Philosophien mit der „Gesamtheit gesellschaftlicher Verhältnisse, einem grundlegenden Wandel der sozialen und symbolischen Ordnung und der Geschlechterverhältnisse.“

Zunächst möchte man meinen, dass hiergegen doch eigentlich niemand etwas haben kann. Und doch ist für viele der Begriff negativ besetzt.

Bei manchen mag das Bild einer kampflustigen Suffragette vor Augen erscheinen. Suffragetten, die ersten Frauenrechtlerinnen Anfang des 20. Jahrhunderts, waren frühe Aktivistinnen, die Veranstaltungen gestört haben, um sich für das Frauenwahlrecht einzusetzen.

Und so ist es bis heute geblieben: Das Thema Gleichberechtigung wird als Störung empfunden. Besonders in der Welt jener, die sich eingerichtet haben in bestehenden Seilschaften, oberhalb von gläsernen Decken und festgefahrenen Haltungen.

Ich beobachte in der Arbeitswelt eher einen Kampf gegen Frauen als ein Engagement für mehr Gleichstellung.

Die fortdauernde Diskriminierung von Frauen ist menschenunwürdig.

Dabei ist unsere Gesellschaft darauf angewiesen, dass Frauen arbeiten. Die Einschränkungen des Arbeitskräftemangels beeinflussen mittlerweile unseren Alltag. Einrichtungen des täglichen Bedarfs und der Daseinsvorsorge wie Kliniken, öffentlicher Nahverkehr, Kitas, Schulen, Restaurants oder der Handel reduzieren ihre Öffnungszeiten und Angebote, weil es nicht genügend Beschäftigte gibt.

Betrachtet man verschiedene Studien, die sich mit der Arbeitszeit von Frauen (und Männern) in Deutschland befassen, wird deutlich, dass viele Frauen ihre Erwerbstätigkeit erhöhen möchten. Männer hingegen arbeiten fast immer in Vollzeit (plus Überstunden) und wollen ihre Arbeitszeit häufig reduzieren.

Quelle: Was junge Frauen wollen, Berlin 2016

Durch die Pandemie hat sich die Situation drastisch verschlechtert: Frauen stecken beruflich zurück und werden in alte Rollenbilder gedrängt.

Welche Rahmenbedingungen brauchen Frauen, damit sie erwerbstätig sein können? Um das zu entwickeln, braucht es Frauen in Entscheidungspositionen, die sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf engagieren und den erforderlichen Rahmen schaffen.

Es ist auffällig, dass in allen Schichten und Milieus das Thema „Frauen in Führungspositionen“ eine hohe symbolische Bedeutung aufweist. Obwohl die meisten Frauen von dem Quotengesetz selbst nicht betroffen sind und keinen eigenen Nutzen davon haben, ist es für sie ein Ausweis dafür, wie ernsthaft die Politik, die Parteien und der Gesetzgeber bestrebt sind, die Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen, die gleich gut wie Männer qualifiziert sind, aufzulösen

Quelle: Was junge Frauen wollen, Berlin 2016

Gleichzeitig braucht es Männer, die sich mit Gleichstellungsstrategien befassen. Im Schnitt wollen Frauen und Männer 30 bis 35 Stunden arbeiten. Sie verschaffen sich selbst damit wertvolle Zeit mit der Familie und der Gesellschaft eine sinnvolle Lösung für mehr Arbeitskräfte. Die gesteigerte Zufriedenheit mit der Familienarbeitszeit könnte zusätzlich zu einer Steigerung der Geburtenrate führen.

3 Kommentare zu „Wer Personalverantwortung hat, sollte ein guter Feminist sein.

  1. Liebe Sabine, hab‘s bis zum Ende gelesen. Würde mich interessieren, ob sich die Hälfte derer, die beim Thema Feminismus nach den ersten Zeilen abschalten, auf alle Lesenden bezieht oder ‚nur‘ auf die männlichen (Leser = hier generisches Maskulinum oder geschlechtsspezifisch? Und die Queeren lesen weiter?). 😂 Nix für ungut: auch Minister Heil sieht ja in der Beschäftigungsquote von Frauen noch ordentlich Potenzial, das es zu heben gilt.

    1. Lieber Kai, danke für die Rückmeldung! Dann hat mein stilistisches Mittel ja Wirkung entfaltet. Es sollte zum „Drüberstolpern“ einladen. Frohes neues Jahr nach Köln!

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