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Neue Wohlfahrt: Was wäre, wenn wir nochmal ganz neu anfangen könnten?

Wenn man (oder frau) alle Tradition, alles bisher Bekannte & Vertraute einfach über Bord werfen würde und nochmal ganz neu anfangen könnte, was würde dann geschehen?

Ein wenig geht es uns doch gerade so nach den Lock & Shut Downs. Wir philosophieren und reflektieren darüber, was uns diese (ungewollte) Auszeit gebracht hat.

  • Was haben wir gelernt?
  • Auf was wollen wir für immer verzichten?
  • Was ist eigentlich das Wesentliche?

Gestrandet. Auf der grünen Wiese.

Auch mir persönlich geht es so. Eben noch mitten in den Ballungsräumen finde ich mich mit Beginn der Lockerungen in der Pandemie auf der grünen Wiese in den schönen Landschaften Schleswig-Holsteins wieder und darf nochmal ganz neu anfangen. Und zwar mit allem: wohnen, leben, arbeiten.

Als wir beim letzten #SozialCamp über die Grüne Wiese diskutiert haben, wusste ich noch nicht, dass sie mir bald so ganz real begegnen würde.

Dazu passt, dass wir letztlich, ohne es zunächst beabsichtigt zu haben, auf der Insel Fehmarn beheimatet sind, einer Insel, die wir vorher nicht kannten und die uns durch ihre unberührte Natur und ihre gigantische Landwirtschaft fasziniert.

Auch der Maler Ernst Ludwig Kirchner war von dem einfachen und sinnlichen Leben auf Fehmarn angezogen und schuf im Zeitraum von 1908 bis 1914 mehr als 120 Ölbilder. Bezeichnend ist, dass Kirchner zur Lebensreformbewegung gehörte, ein Oberbegriff, der für verschiedene soziale Reformbewegungen steht, die sich gegen Industrialisierung, Materialismus und Urbanisierung wandten.

Bezeichnend deswegen, weil dieses Umdenken auch dem Leben mit Corona gut täte. Das Soziale ist ohne das Nachhaltige, ohne Natur- und Umweltschutz, das Ökonomische ohne das Ökologische, nicht mehr zu denken. Hier auf Fehmarn, wo die Windräder leise surren und gleichzeitig ungeachtet jeglichen Artenschutzes durch den Bau des Fehmarnbelttunnels nach Dänemark ganze Wasserlebenswelten zerstört werden sollen, eröffnen sich die Zusammenhänge ganz unmittelbar.

Was ist wirklich wesentlich in Kirche, Gesellschaft, Caritas, Wohlfahrt? Eine Frage, die mich immer mehr beschäftigt. Nah an der Natur beim Hahnenschrei erwachend, in die Sonne blinzelnd, den Blick über die weiten Kornfelder streifend, in der kristallklaren Ostsee schwimmend Kirchner nur zu gut verstehend, der hier ähnlich glücklich gewesen und sich frei gefühlt haben muss.

Wohlfahrt neu denken.

Wo stehen wir nach dem Lock down mit Kirche, Caritas & co.? Wo stehen wir hier in Schleswig-Holstein? Wir stehen vor wenig. Es ist nicht nichts. Aber es ist wenig.

Es liegt nicht nur daran, dass die Caritas hier im Norden ein kleiner Player ist. Es liegt daran, dass das Geld knapp ist und durch die Coronakrise noch knapper geworden ist. Und es liegt daran, dass noch unklar ist, ob wir auf die aktuellen Zeiten die richtigen Antworten haben.

Und darin besteht gleichzeitig auch die Chance.

Der kleine katholische Campus in Kiel im Krusenrotter Weg mit der Liebfrauenkirche, dem Haus Damiano, einer franziskanischen Weggemeinschaft, dem katholischen Büro, der katholischen Jugend und dem Caritasverband eingebettet in einen hübschen Park mit sehr alten Bäumen und einem großen Teich scheint eine kleine Welt für sich.

Hier wie auch an den örtlichen Caritasstandorten im Land wirft der Lock down die Frage auf, was braucht es eigentlich (noch) an Wohlfahrt in der heutigen Gesellschaft gerade auch mit der aktuellen Pandemieerfahrung.

Was ist zu tun?

Ich bin ohne Agenda nach Kiel gekommen. Ohne Vision. Ich wollte offen sein für alles Neue. Ich wollte mich neu einfädeln in das Bestehende.

Wie gehe ich vor? In meinen ersten knappen vier Wochen erkunde ich im wahrsten Sinne des Wortes die Umgebung. Ich habe die Menschen um mich herum, das Team, die Einrichtungen und unsere Caritasstandorte, gefragt:

  • Was war bislang gut?
  • Was ist reformbedürftig?
  • Was macht die Caritas in Schleswig-Holstein aus?
  • Was braucht sie?
  • Was brauchen die Regionen?

Ich habe gelernt, unser Portfolio besteht aus:

  • Pflege (ambulant und stationär)
  • Kurkliniken
  • einem differenzierten Beratungsangebot bis hin zur Onlineberatung
  • Kitas, Jugendhilfe (stationär) und Eingliederungshilfe (stationär)
  • Fachverbände

Die Caritas im Norden ist Einrichtungsträger, Gesellschafter und Mitgliederverband.

Ich bin jetzt knapp vier Wochen da und habe viele Informationen gesammelt. Ich habe eine Reihe von Einrichtungen besucht, mit vielen Menschen gesprochen, mir ein Bild gemacht, erste Entscheidungen getroffen, die Finanzen studiert.

Konsequent von der Praxis her denken.

Haben die alten Gründer und Gründerinnen der Wohlfahrt am Reißbrett gestanden und die Praxis geplant? Ganz klar: nein! Die Initiativen, Projekte, Vereine entstanden, um Not in ihrer unmittelbare Umgebung zu lindern. Sie entstanden, weil ein Bedarf da war und, weil ein paar Engagierte, häufig Ehrenamtliche, sich zusammen taten, um den Bedarf zu decken. Das Netzwerk vor Ort ist entscheidend. Der Bügermeister, der Kommunalpolitiker, der Unternehmer, der Pastor (oder die Bürgermeisterin, Politikerin, Unternehmerin, Pastorin … )

Was ist der Bedarf in Schleswig-Holstein? Die aktuelle Kinderarmutsstudie der Bertelsmannstiftung hat gerade ein paar alarmierende Zahlen veröffentlicht.

Demnach liegt die Quote in manchen Ballungsräumen doppelt so hoch als der Landesdurchschnitt. Der Bedarf ist also da.

Not sehen und handeln, was tun und was nicht lassen?

Die Antwort ist: wir müssen konsequent von der Praxis her denken. Was braucht die Praxis, damit sie gut arbeiten kann. Was müssen andere Ebenen bereit halten und was auch nicht?

Es ist wieder wie zu den Gründerzeiten der Verbände: Die Aufgabe wird sein, der örtlichen Praxis den bestmöglichen Rahmen zu schaffen und auf der höheren Ebene exakt die Dienstleistungen bereit zu halten, die sie benötigen. Für alles andere ist kein Geld da.

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Verbandliches Handeln neu denken.

Am Vorabend meines Geburtstages Anfang Februar begegnete mir die Stelle „Landesleitung Schleswig-Holstein“ in den sozialen Medien (Instagram).

Da mein Mann und ich schon länger mit dem Gedanken spielen, an die Ostsee umzusiedeln, finden dortige Angebote schon mal meine Aufmerksamkeit.

Diese Ausschreibung weckt auch deswegen mein Interesse, weil wir in der Caritas im Rahmen eines Projektes „Verbandliches Handeln neu denken“ festgestellt haben, dass der Landesebene neben der Bundes- und kommunalen Ebene, eine wichtige Bedeutung zu kommt. Die Caritas als kirchlicher Wohlfahrtsverband ist jedoch auf Bistumsebene organisiert und Bistumsgrenzen decken sich, historisch gewachsen, nicht mit den Grenzen der Bundesländer.

Die Länderebene organisieren.

Die Diözesanen Caritasverbände (DiCVe) haben in den Bundesländern unterschiedliche Lösungen entwickelt, ihre Arbeit auf Landesebene zu organisieren. So gibt es in Bayern einen Landescaritasverband, in Niedersachsen ein gemeinsames Landesbüro und in NRW thematisch organisierte Konferenzstrukturen.

Hinzu kommt, dass die DiCVe bundesweit selbst auch unterschiedlich organisiert sind. Es gibt klassische Dachverbände und damit Mitgliederverbände wie es beispielsweise in NRW der Fall ist. Andere sind selbst Einrichtungsträger und bewegen sich dabei sowohl auf kommunaler als auch Landesebene, so in Bayern.

Der Verband in Essen ist ein klassischer Dachverband. Meine Aufgabe in Essen habe ich darin gesehen, ihn zu einem guten Dienstleister für unsere Mitglieder weiter zu entwickeln. Entsprechend haben auch diese strategischen Themen die Agenda bestimmt.

Die ehemaligen Ortscaritasverbände und Diözesan-Caritasverbände im Erzbistum Hamburg sind 2018 fusioniert und unter einem Dach, der Caritas im Norden, zusammengeführt worden. Heute ist der DiCV Hamburg mit Sitz in Schwerin in 3 Bundesländern tätig. Er ist Träger von 180 Einrichtungen und Diensten in 9 Regionen (früher Ortscaritasverbände). 5 davon sind in Schleswig-Holstein: Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster und Itzehoe. Die Übrigen sind Hamburg, Schwerin, Rostock und Neubrandenburg.

Das Erzbistum Hamburg erstreckt sich also über drei Bundesländer: Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Flächenmäßig ist es mit 32.520 Quadratkilometern das größte Bistum. Die Katholikenzahl beläuft sich auf knapp 400.000 und damit ist es im Ranking der 27 Bistümer das siebtkleinste Bistum. In Schleswig-Holstein macht die Zahl der Katholiken 6% an der Gesamtbevölkerung aus.

Von der örtlichen Praxis her denken.

Die übergeordneten Ebenen sollen Dienstleister der örtlichen Praxis sein. Klassisches Subsidiaritätsprinzip: die prinzipielle Nachrangigkeit der nächst höheren Ebene. In der Caritas ist die Verinnerlichung dieser Erkenntnis eine kleine Revolution, denn noch denkt und atmet der Verband wie seine katholische Kirche an vielen Stellen streng hierarchisch. Top Down sticht Bottom up.

Dabei sind die Wohlfahrtsverbände Bottom up entstanden. Kleine, häufig ehrenamtlich organisierte, Initiativen bildeten sich, um Menschen in Not zu helfen. Da diese kleinen Vereine aber oft nicht die Struktur, Ressource und Power hatten, um sich für geeignete Rahmenbedingungen einzusetzen, entstanden Verbandsstrukturen.

Gerade die Coronakrise hat gezeigt, dass die unmittelbare Praxis in den Krankenhäusern, der Pflege, den Kitas und Einrichtungen der Jugend- und Eingliederungshilfe im Mittelpunkt stehen muss. Die Aufgabe der höheren Ebenen ist hier eine dienende Funktion: sich um Schutzmaterialien zu kümmern, Rettungsschirme zu organisieren und mit Partnern auf Land- und Bundesebene Lösungen für jeweils tagesaktuelle Herausforderungen zu entwickeln.

Agil, digital, experimentierfreudig sein!

Mich persönlich hat diese neue Struktur neugierig gemacht und die Verantwortung für die Landesebene, die gleichzeitig auch für die Ortsebene im jeweiligen Bundesland zuständig ist, angesprochen.

Im Projekt gab es noch weitere zentrale Erkenntnisse:

  • Es braucht neue Formen der Themen-Identifizierung und -Bearbeitung: Es gilt zwischen verbandlichen Akteuren schneller, unmittelbarer und intensiver zu kommunizieren. Digitale Instrumente und virtuelle Plattformen sollen systematisch und gezielt eingesetzt werden.
  • Das eine bedingt das andere: Die Erkenntnis, dass die alten Gremien- und Konferenzstrukturen nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen führt zu der Empfehlung, Konferenzstrukturen in Hinblick auf Wirksamkeit und Effizienz zu überarbeiten. Dies wiederum kann mit digitalen Tools unterstützt werden. Gleichzeitig ist es aber auch der Hinweis, Teams ebenenübergreifend und nach Kompetenzen zu besetzen.
  • Last but not least und das Gegenteil von abschließend: Verbandliche Entwicklung ist ein permanenter Prozess: Mut zum Experiment haben!

Es geht also darum, Wohlfahrt bzw. Caritas insgesamt agiler, praxisorientierter und digitaler zu entwickeln.

Die Coronakrise hat die Umsetzung der Erkenntnisse beschleunigt: Videokonferenzen gehören nun zu den obligatorischen Tools, die zügige Bearbeitungen ermöglichen. Externe Gesprächspartner können leicht und einfach dazu geschaltet werden.

Es geht im Kleinen wie im Grossen darum wie verbandliche Arbeit sich entwickelt. Die traditionelle Wohlfahrtspflege entwickelt sich weiter. Sparzwänge verändern die traditionelle Arbeit, aber in ihnen liegt auch eine Chance, weil es gilt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Neue Abenteuer wagen.

Wir waren mit Geburtstagsgästen auf der Insel und gegen Mittag brachen meine Freundin und ich mit den Hunden zu einem längeren Spaziergang auf. Wir kehrten in einer Strandbar am Meer ein und philosophierten am Kaminofen in tiefen Ledersesseln über das Leben.

„Was wäre für Dich ein echtes Abenteuer? Ich wurde letztens gefragt, aber mir fiel nichts ein. Fällt Dir etwas ein?“

Ohne zu zögern antwortete ich: „Nach Kiel zu gehen.“ Und dann erzählte ich von der Stelle und plötzlich reifte in mir der Gedanke, dass es interessant sein könnte, diese neue Aufgabe mitzugestalten und zu entwickeln.

Kiel ist nicht Essen. Die oben beschriebenen Herausforderungen sind andere. Der Verband ist in einem Prozess. Ich werde viel zu lernen haben. Vor allem von der Praxis, um zu verstehen, wo meine Kompetenzen und meine Erfahrungen gebraucht werden.

Darauf freue ich mich!

Zum Weiterlesen:

Was ist eigentlich ein Traumjob?

Große Fußstapfen – so ein Quatsch!

Wer führt in die neue Zeit?

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Krisenmodus: Die Konzentration auf das Wesentliche.

Seit gut drei Wochen arbeiten wir nun im Krisenmodus. Seit gut 2 1/2 Wochen überwiegend von zuhause.

Plötzlich funktioniert all das, was wir seit Monaten theoretisch diskutieren:

  • Wir fokussieren uns auf das absolut Wesentliche.
  • Im Mittelpunkt des Handelns stehen die Anforderungen der Praxis vor Ort.
  • Neue Technologien sind selbstverständliches Handwerkszeug.

Vieles fällt weg:

  • Lange Wegstrecken
  • Redundanzen
  • Ergebnislose Sitzungen
  • Endlose Terminsuche

Es ist wie eine Skulptur, bei der der Bildhauer alles Überflüssige weghaut, damit die Schönheit, das Wesentliche, sichtbar wird.

Insbesondere gilt das für unsere Gesellschaft. Es werden diejenigen und das sichtbar, das (System-) relevant ist.

  • Berufsgruppen
  • Institutionen
  • Gesundheit
  • Werte
  • Grundrechte
  • Sozialschutz
  • Umwelt

Krisenmanagement.

Der Tag beginnt mit einer Videokonferenz … würde jetzt stilistisch gut klingen. Stimmt in meinem Fall aber nicht.

Mein Tag beginnt mit einer Tasse Tee und Nachdenken. Es ist früh und die Zeit des Tages, in der ich gedanklich sortiere und ordne, Pläne mache und Ideen entwickle.

Das ist nicht anders als sonst.

Später ist aber der Weg zum Schreibtisch deutlich kürzer und die Meetings knapper. Über den Tag verteilt summieren sich 4- 5 Videokonferenzen. Manche dauern nur eine halbe oder 3/4 Stunde. Andere gehen über den ganzen Nachmittag. Jede dieser Konferenzen hat konkrete Ergebnisse und orientiert sich unmittelbar an dem, was die Praxis braucht. Ein Thema, das immer auf der Tagesordnung stand, sind Schutzmaterialien, denn die fehlen an allen Ecken und Enden. Vor allem in Einrichtungen, die ohne Schutzmaterialien gar nicht arbeiten dürfen.

Die Not fördert den Zusammenhalt. Sie fördert zügige politische Entscheidungen und erfordert ein agiles Agieren wie es für manche von uns eher immer noch ungewohnt ist. Der lange Diskurs entfällt. Das ist nicht nur gut, denn schnelle Entscheidungen sind nicht immer perfekt. Aber jetzt müssen sie sein.

Jede Videokonferenz ist eigentlich ein Krisenstab. Kern ist der Krisenstab, der Unterstützung für unsere Mitglieder organisiert und täglich zur gleichen Zeit zu einem kurzen Meeting zusammen kommt, um die Tätigkeiten im Zeitraum bis zum nächsten Tag zu teilen, zu planen und mögliche Hindernisse im Team zu kommunizieren, um notwendige Aktionen möglichst sofort einzuleiten.Fester Bestandteil ist ebenfalls ein tägliches Videoangebot für unsere Mitglieder zu einem bestimmten Thema.

Hinzu kommt 1-2x die Woche die Videokonferenz mit dem Hauptausschuss der Freien Wohlfahrt NRW, um Aktivitäten auf Landesebene zu bündeln und anzugehen.

Neu ist jetzt ein interministerieller Krisenstab mit dem Land NRW, um Querschnittsthemen zu besprechen.

Unser Corona-Mitgliederservice.

Der Krisenstab für unsere Mitglieder ist ein Arbeitsstab der Geschäftsleitung, der eingerichtet wurde, um Mitgliederbedarfe, die durch die Coronakrise entstehen, zeitnah bearbeiten und lösen zu können. Er unterscheidet sich damit vom internen Krisenstab, der Coronathemen, die die Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle betreffen, bearbeitet.

Der Arbeitsstab setzt sich durch die Leitungen der Kompetenzzentren zusammen. Kompetenzzentren arbeiten in der Geschäftsstelle im Sinne einer Matrixorganisation abteilungsübergreifend an Produkten, Dienstleistungen und Angeboten, um Mitgliederbedarfe effizient zu bedienen. 

Die Leitungen der Kompetenzzentren können zur Bearbeitung von Aufgaben auf Teams zurückgreifen. So sollen Themen und Fragen, die durch die Coronakrise aufgeworfen werden, zügig gebündelt bearbeitet werden. 

Formate und Strukturen der Arbeit orientieren sich an dem, was gebraucht wird. Es ist ein lernender Prozess, da die Unmittelbarkeit des Handelns bisher in dieser Weise ungewohnt ist.

Methoden & Arbeitsweise 

  • tägliche Videokonferenzen, die sich an der Daily-Scrum* Methode orientieren
  • Bearbeitung von Einzelanfragen
  • Identifikation von relevanten Themen (z.B. Schutzmaterialien, Kurzarbeit, Liquidität)
  • Transport der Mitgliederanfragen an Entscheidungsträger
  • Feedback & Bedarfsumfragen via Workplace
  • Produkte & Projekte, die Mitglieder in der Krise unterstützen
  • Begleitende Social Media Arbeit (Social Media Team*)

Das Social Media Team ist eine Workplacegruppe, in der Social Media Aktivitäten koordiniert werden. Für die Social Media Arbeit während der Coronakrise wurden 3 Ziele verabredet: 

  • Information (Hilfesuchende)
  • Sozialpolitische Öffentlichkeitsarbeit (Politik, Kostenträger, Stakeholder)
  • Emotionaler Content (Dank aussprechen, Mitgefühl, Seelsorge)

 

Bisherige Ergebnisse & Produkte

  • zeitnahe Information / Echtzeitkommunikation über Lobbyletter & Workplace
  • Hotline für unsere Mitglieder
  • Sicherung des Fortbestands der Dienste & Einrichtungen durch Rettungsschirme auf Bund- und Länderebene durch Lobbyarbeit & Social Media
  • gezielte Einzelberatung
  • Gruppenberatungen/VideoChats zu Kurzarbeit, Liquidität, Werkstätten, Onlineberatung, Schutzmaterialien & Quarantäne, Arbeitsrecht, Betreutes Wohnen, Bundes- und Landesgesetze
  • Übersicht über die Liquidität einzelner Dienste und Einrichtungen
  • Arbeitshilfe Krisenmanagement für die örtliche Pressearbeit 

Was der Arbeitsstab nicht leisten kann:

  • Längere fachliche Diskurse
  • Entwicklung von Produkten & Dienstleistungen, das ist Aufgabe der Kompetenzzentren.

Wie wird die (Arbeits-) Welt nach Corona aussehen?

Um im Bild zu bleiben: wie kann die Schönheit der Skulptur erhalten bleiben?

Die schöne neue Homeoffice-Welt kann und darf nicht romantisiert werden. Denn für viele Menschen sieht die Welt deutlich anders aus. Auch für die Dienste und Einrichtungen der Wohlfahrt, die insbesondere gerade jetzt vor gravierenden täglichen Herausforderungen stehen. Für viele Menschen wird diese Krise einschneidende wirtschaftliche Folgen haben.

Aber vielleicht lehrt uns dieser Shut down im Auge zu behalten, was wesentlich ist. Welche Berufsgruppen existentiell notwendige Dienste für die Gesellschaft tun. Dass es Institutionen braucht wie Krankenhäuser, Pflegeheime, soziale Einrichtungen, die nicht unter dem Druck der Gewinnorientierung stehen, sondern frei und gemeinnützig ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachkommen.

Vielleicht ist dieser Shut Down ein neuer Aufbruch für gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Sozial- und Gesundheitsschutz, für elementare Grundrechte, Solidarität und Umweltfragen.

Denn diese gesellschaftliche Form, Skulptur, wird es brauchen, um die Folgen der Krise bearbeiten zu können.

Schön wär’s. Allemal.

Veröffentlicht in Tagebuch

Agiles Krisenmanagement. #Corona

Die Vögel zwitschern und die Forsythien blühen. Nach wochenlangem Regen drängt es die Menschen auf die Strasse. Kinder wollen sich mal so richtig austoben.

Und dann das.

Etwas nie dagewesenes passiert.

Ein Ausnahmezustand.

Die Bedrohung ist ein Virus. Ein unsichtbares Etwas, das gerade der globalen Gesellschaft größter Feind wird.

Ende Januar war man in Deutschland noch der Auffassung, dass es kein besonders Risiko für die Bevölkerung gibt, das sieht Stand heute deutlich anders aus.

Die Bevölkerung sitzt überwiegend im Home-Office, die Grenzen werden geschlossen, selbst die Bundesländergrenzen sind nicht mehr freizügig zu passieren und je nach Verlauf, könnte es sogar zu einer Ausgehsperre kommen.

Was ist zu tun?

Es fängt damit an, dass man sich nicht mehr die Hand reicht und beim Händewaschen Happy Birthday singt. Noch gehe ich zu den verschiedenen Events, aber schon mit einem gewissen Abstand.

Es wird unheimlicher.

Aber noch planen wir größere Veranstaltungen, können uns gar nicht vorstellen, dass das Leben stehen bleibt.

Und dann beinahe von einem Tag auf den anderen ist klar:

Das ist ein richtiges fettes Ding, das da unsichtbar auf uns zu rast.

Interner Krisenstab.

Als erstes richten wir einen internen Krisenstab ein. Unser Haus der Caritas im Bistum Essen ist ein Haus der Begegnung. Hier treffen sich gerne viele Gremien, weil es zentral ist. Außerdem sind wir ein Fort- und Weiterbildungszentrum.

Alles steht still.

Abgesagt.

Wird abgesagt das Unwort des Jahres 2020? Auf jeden Fall wird dieser Frühling als der Coronafrühling in die Geschichte eingehen.

Wir Deutschen haben zum Glück immer so einfache Begriffe, wenn wir irgendetwas ordentlich regeln. Zum Beispiel das schöne Wort „Organisationsverfügung“. Das jedenfalls erarbeiten wir und regeln damit die notwendigen Dinge, die unsere Geschäftsstelle betreffen.

Service für unsere Mitglieder.

Die größere Herausforderung ist die Begleitung unserer Mitglieder. Unsere Mitglieder stehen vor enormen Herausforderungen. Es geht darum, die Mitarbeitenden und die Klienten oder Bewohner zu schützen. Es geht um gesellschaftliche Verantwortung. Und um schnöde, aber existentiell wirtschaftliche Fragen.

Wie organisieren wir uns?

Wir wenden (einfach) an, worauf wir uns jetzt schon eine ganze Weile vorbereitet haben: digitale Tools und agile Arbeitsweisen.

Zum Glück sind viele Mitarbeitende entsprechend geschult. Ganz klar ist:

Der Corona-Virus ist ein Beschleuniger digitaler Transformationsprozesse.

Nachdem die internen Dinge fürs erste geregelt sind, mobiles Arbeiten und Homeofficeregelungen, richten wir einen Krisenstab_Mitglieder ein und gehen am

Montagfrüh mit unseren Mitarbeitenden in unseren „DenkRaum“.

Der DenkRaum.

Der DenkRaum ist ein Format, das wir anwenden, um kreativ Probleme zu lösen.

Wir stellen uns drei Fragen:

– Was sind aktuell die größten Herausforderungen für unsere Mitglieder?

– Was sind mögliche Lösungen?

– Was sind die nächsten ganz konkreten Schritte?

MeisterTask.

Mit der App MeisterTask, einer Projektmanagement App, dokumentieren wir die Ergebnisse und richten eine Projektgruppe Kristenstab_Mitglieder ein.

Hier werden wir Mitgliederanfragen abarbeiten: „Offen – in Arbeit – Fertig.“

Workplace.

In Workplace organisieren wir inzwischen das Netz der Caritas im Bistum Essen, um schnelle Kommunikationskanäle zu haben und verschiedene Arbeitsgruppen sowie unsere Diözesanen Arbeitsgemeinschaften in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern.

Hier können Gruppen auch unkompliziert Videochats durchführen. Und so richten wir für unseren Krisenstab eine entsprechende Gruppe ein, die unsere Arbeit kommunikativ begleiten wird.

Hotline, Corona-Mail und thematische Videokonferenzen.

Seit heute bieten wir auch eine Hotline für unsere Mitglieder an, das heißt unter einer speziellen Rufnummer oder per Mail können Mitglieder ihre Fragen an uns adressieren. Wir bearbeiten die Anfragen in unserer MeisterTask Gruppe und veröffentlichen die Ergebnisse in unserem Lobbyletter, damit alle daran teilhaben können.

Neu anbieten werden wir themenbezogene Videokonferenzen zu aktuellen Fragestellungen.

Zusammengefasst:

So weit, so gut.

Ich bin gespannt wie alles die nächsten Tage laufen wird. Die gesellschaftliche Herausforderung vor der wir stehen, ist jedenfalls enorm.

Wir lesen uns!

Und bis dahin: Bleibt gesund!

Veröffentlicht in Bücher

Meine Top Influencer 2019.

Erst ist es eine Aneinanderreihung von Buchstaben,

dann bildet Dein Hirn Sätze daraus,

wenig später stimulieren die Sätze Deine Phantasie,

Bilder entstehen in Deinem Kopf, die Gefühle erzeugen.

Die Gefühle berühren Dein Herz.

Du denkst darüber nach

und lange nachdem Du das Buch schon weggelegt hast,

wirkt es noch in Geist und Seele nach.

Das Gelesene macht etwas mit Dir, es bildet Dich.

Und dann muss es wohl ein gutes Buch gewesen sein.

6 solcher Bücher habe ich in diesem Jahr gelesen. Sie waren meine Top Influencer, um es  neudeutsch auszudrücken.

Die Bücher.

Anni und Alois
– Arm sind wir nicht. Ein Bauernleben.
(Julia Seidl, Stefan Rosenboom)

Anni und Alois sind Bauern. Sie leben seit über 50 Jahren auf einem kleinen Hof im Bayrischen Wald. Sie haben fast nie etwas verändert in ihrem Heim. Sie haben kein Bad, keine Toilette, keine Heizung und keine gepflasterten Wege. Sie haben kein Auto, fahren nicht in Urlaub und leben von monatlich 550 Euro Rente. Nach Abzug der Ausgaben für Telefon, Strom, Versicherungen und Fernsehen verbleiben ihnen 50 Euro für Kleidung und Essen.
Ihr Leben richtet sich ganz nach dem Jahreskreis und so ist auch das Buch aufgebaut. Der Lesende begleitet die beiden auf 204 Seiten durch das Jahr. 

Anni und Alois sind zufrieden, wenngleich der Arbeitsalltag mit zunehmendem Alter eine echte Herausforderung für die Beiden ist.

Noch bevor Greta am Rand meines Horizonts erschien, hat dieses Buch zu Beginn dieses Jahres erste Spuren unterlegt, sensibler zu werden im Umgang mit Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen und mehr auf die Einfachheit der Dinge zu schauen.

Wir brauchen die Kälte, sonst erfriert das ganze Ungeziefer nicht und geht kaputt, dann haben wir im Sommer den Schlamassel.

 

 

Mensch und Maschine
– Wie künstliche Intelligenz und Roboter unser Leben verändern. 
(Thomas Ramge)

Seit Aldous Huxleys „Schöner neuen Welt“ oder noch länger fürchtet die Menschheit die Übermacht der Künstlichen Intelligenz.

Dabei haben wir sie selbst geschaffen, so wie wir auch Flugzeuge geschaffen haben, die im Krieg zu verhängnisvollen Auswirkungen beitrugen. 

Die Lektüre verhilft zu einer sachlichen Auseinandersetzung zwischen den übermütigen und den eher ängstlichen Positionen und führt in eine gründliche Befassung mit der Geschichte der KI, die es schon viel länger gibt als mancher glaubt.
Besonders erhellend war mir der Kulturvergleich:

In Europa sind Roboter Feinde, in Amerika Diener, in China Kollegen.

Unterm Strich die elementare Erkenntnis, der Mensch entscheidet, wo er die Assistenz der KI haben möchte und was der Computer ihm niemals abnehmen wird, ist Mensch zu sein.
Was das aber ist, diese Interpretation bleibt uns überlassen und die große Herausforderung es zu leben. Jedenfalls lehrt uns Weihnachten gerade wieder: Der Mensch ist ein göttliches Wesen und der Computer eben nur ein von Menschenhand Geschaffenes. Aber eben manchmal ganz brauchbar.

Network Thinking

– Was kommt nach dem Brockhaus-Denken?
(Ulrich Weinberg)

Meine Begeisterung für dieses Werk habe ich schon in New Welfare: Coole Lern- und Arbeitsorte der Zukunft!   zum Ausdruck gebracht.

Als Erziehungswissenschaftlerin habe ich mich immer wieder mit dem Bildungsbegriff auseinandergesetzt. Dieses Blog ist so entstanden. Bildung anders denken, ist das möglich? Wie können bildungsfernere Kinder Zugänge zu Bildung erhalten? Wie müssen Bildungssysteme gestaltet sein? Das neuseeländische Schulsystem scheint hier gerade ein paar interessante Veränderungen anzugehen wie der Artikel „Bildung: Gebt den Kindern einen Grund zu lernen“ deutlich macht. Feiert Eure Fehler! ist nur einer dieser Maxime, die unserer Lern- und Arbeitskultur gut tun würde.

Wow! Und ungefähr das tut die vernetzte Lernkultur eben gleichermaßen. In unseren Schul- und Arbeitssystemen lernen wir eher Ellenbogen zu benutzen, statt Wissen zu teilen. Vernetzung ja gerne, wenn wir uns dadurch Vorteile verschaffen können.

Wir sind in unseren Brockhaus Schubladen verhaftet. Statt bei A, gleich Z mitzudenken und G auch nicht außer acht zu lassen, sitzen wir im Schächtelchen und arbeiten alles systematisch nacheinander ab, bis wir irgendwann bei Z angekommen sind.

Aber dann hat sich die Enzyklopädie schon aufgelöst, sie wird nicht mehr gebraucht. Und wer von uns hätte das mal geglaubt, dass das passieren könnte? Dass dieses Geschäftsmodell nicht mehr funktionieren wird, ja, dass eine Plattform es ablösen kann?

Entscheidend wird (aber) sein wie gut es uns gelingt, die festgelegten Grenzen im Denken zu überwinden, Fachdisziplinen, Abteilungen, Spezialisten und Experten aus der Abschottung zu holen.

 

Die bessere Geschichte
(Anselm Neft)

 

Missbrauch ist zum Kotzen! Das zeigt uns dieses Buch von Anselm Neft.

Wann und wie liest man ein solches Buch? Genüsslich im Urlaub? Gar am Strand?

Ich habe es im Strandkorb gelesen. Tut es nicht.

Und trotzdem: lest es.

Es ist eine Meisterleistung.

Denn aus der Perspektive des Opfers als Lesender mit zu erleben wie das Kind zu verarbeiten versucht, was für eine zutiefst traumatisierende Tat ihm da von einem Menschen passiert, von dem es nichts anderes erwünscht als endlich anerkannt zu sein.

Und dann in dem Innenleben dieses erwachsen werdenden Menschen zu verbleiben und zu erfahren, wie er die Kindheitserlebnisse verarbeitet.

Mir ist bei der Lektüre mehr als einmal schlecht geworden. Denn Missbrauch ist zum Kotzen.

Theodor Fontane
Die Biographie.
(Regina Dieterle)

 

Noch bevor ich begreife, dass wir in diesem Jahr den 200. Geburtstag von Theodor Fontane begehen, um genau zu sagen, gestern, springt mir auf einem Büchertisch seine Biographie ins Auge, die just zu diesem Anlass heraus gegeben wird 

Was weiß ich eigentlich über Theodor Fontane? Effi Briest, Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Der Stechlin fällt mir so auf Anhieb ein, aber viel mehr dann auch nicht mehr.

Das 700 Seiten starke Buch wird zu meiner Haupturlaubslektüre im Sommer und ich bin fasziniert von dem Werdegang des Schriftstellers, dessen Meisterleistung und sein ganzes Können in seinem letzten Werk seine Vollendung finden.

Eine ausgezeichnet recherchierte Biographie, der es gelingt, Fontane selbst zu widerlegen, der in seinen Erinnerungen das eine oder andere Mal falsch liegt. Fake News würde man wohl heute sagen.

Aber auch die Einordnung des Menschen in die damalige Zeit, das Zeitgeschehen selbst oder die detaillierte Entwicklung seiner Schreibkunst sind hervorragend gelungen, so dass ich es von der ersten bis zu letzten Seite spannend fand.

Die Erkenntnis, dass die Eisenbahn die erste globale Vernetzungsmöglichkeit bedeutete und weitreichende Zugänge ermöglicht, ist selten so gut beschrieben, weil gerade die Mark Brandenburg darunter litt, dass Orte dort spät oder gar nicht angebunden wurden.

Im fortgeschrittenen Alter erkennt Fontane, dass die alte Welt im Verschwinden begriffen ist und eine junge, liberal denkende Generation dabei ist, das Zepter zu übernehmen. Mit seinen späten Werken findet er sich im Kreise jüngerer und junger Autoren und gilt als Spitze der Erneuerer.

Die Welt war im Umbruch, das zeigte sich in allen Bereichen, in Politik und Wirtschaft, Technik und Verkehr, Wissenschaft und Bildung sowie in der Kultur.

 

Die Welt von gestern
(Stefan Zweig)

Hier knüpft das Werk von Stefan Zweig quasi nahtlos an. Stefan Zweig war 16 Jahre alt als Theodor Fontane starb. Das Bildungssystem lehnt er bereits als zu einengend ab.

„Kein Lehrer fragte ein einziges Mal in acht Jahren, was wir persönlich zu lernen begehrten.“ Die Meinung des Lehrers galt als unfehlbar, unter der Schulbank wurde verschlungen, was wir heute als Weltliteratur bezeichnen (und damals als nicht kontrollierbares Wissen galt), weil der Unterricht so langweilig war. Und die Schüler brachten sich quasi selbstorganisiert im Diskurs lernend voran.

Das Jahrhundert, in dem er geboren wurde, bezeichnet er als eine „geordnete Welt mit klaren Schichtungen und gelassenen Übergängen, eine Welt ohne Hast. Der Rhythmus der neuen Geschwindigkeiten hatte sich noch nicht von den Maschinen, von dem Auto, dem Telefon, dem Radio, dem Flugzeug auf den Menschen übertragen.“ … „Es war das goldene Zeitalter der Sicherheit.“

Und die Hoffnung auf ein geeintes Europa war vielleicht in dieser Zeit realistisch gewesen als er von Wien als einer Metropole sprach, die „alle sprachlichen Gegensätze in sich harmonisierte, seine Kultur eine Synthese aller abendländischen Kulturen; wer dort lebte fühlte sich frei von Enge und Vorurteil.“

Wir konnten reisen, ohne Pass und Erlaubnisschein, wohin es uns beliebte, niemand examinierte uns auf Gesinnung, auf Herkunft, Rasse und Religion.“

Mein persönliches Fazit.

In den zufällig zusammen gewürfelten Büchern zeigt sich, dass Bildung ein Kernthema unseres menschlichen Daseins ist.

Lebensnotwendige Ökosysteme wie (nicht nur) Anni und Alois sie brauchen, um ihre Existenz zu sichern, sind eine Frage von Kompetenz, Bildung und Wissen.

Digitales Lernen und Künstliche Intelligenz stellt uns vor neue Herausforderungen, das alte Brockhausdenken zu verlassen und quer zu denken, Wissen zu teilen, sich zu vernetzen und gemeinsame Lernkulturen zu fördern.

„Die bessere Geschichte“ zeigt, wie Systeme (macht-) missbräuchlich genutzt werden, um krankhafte Neigungen auszuleben.

Fortschritt bringt Veränderungsnotwendigkeiten und viele Vorteile. Die Eisenbahn bedeutete Vernetzung, Zugänge, Mobilität und Globalisierung. Das Eisenbahnnetz ist symbolhaft mit dem digitalen Netz, dem Internet, zu vergleichen.

Die Welt von gestern, die schon mal ziemlich fortschrittlich war, haben wir durch technischen Fortschritt in zwei Weltkriegen als Menschheit ganz schön zerstört. Stefan Zweig war zu müde, sie ein zweites Mal wieder mit aufzubauen und beging in Brasilien Selbstmord.

Jetzt sind wir dran. Uns für den Zusammenhalt und ein geeintes Europa und Weltgeschehen zu engagieren und dabei unseren Planeten nicht zugrunde zu richten.

Die Weihnachtsbotschaft fordert uns auf: Machs wie Gott, werde Mensch.

Das ist doch mal ein guter Vorsatz für das neue Jahr.

Weitere Bücherlisten.