Veröffentlicht in Soziale Arbeit

NRW 2017 – 2022 Das Soziale bildet das Schlusslicht. #Koalitionsvertrag

Die neue Koalition hat einen Vertragsentwurf vorgelegt, der jetzt noch von den Parteitagen abzustimmen ist. Es ist jedoch kaum davon auszugehen, dass es hier noch zu großen Überraschungen kommt. Armin Laschet wird am 27. Juni zum Ministerpräsidenten gewählt werden und die Ministerien werden gemäß der verabredeten Vorschlagsrechte (FDP: Familie, Schule, Integration, Wirtschaft und Digitalisierung; CDU: Finanzen, Arbeit, Gesundheit, Inneres, Justiz, Umwelt, Landwirtschaft, Verkehr, Bau, Wissenschaft, Kommunales, Bundes- und Europaangelegenheiten) besetzt werden. Die wenigen Ministerinnen werden sich um Familie, Schule und Umwelt kümmern, die Minister um die restlichen Themen.

Da sich dieses Blog im Schwerpunkt mit dem digitalen Wandel (in der sozialen Arbeit) befasst, ist grundsätzlich zu begrüßen, dass das Thema Digitalisierung als Querschnittsthema nicht nur im Blick, sondern mit Strategien hinterlegt, ist.

NRW war auch bereits unter der Vorgängerregierung Vorreiter bei diesem Thema. Der erste Kongress zum Thema dieser Art unter der Überschrift Bildung 4.0 wurde im vergangen Jahr unter Beteiligung des halben Kabinetts veranstaltet.

Die Programmatik der neuen Koalition erschließt sich bereits aus den Überschriften. Die Reihenfolge könnte auch eine Prioritätensetzung sein. Das würde bedeuten, dass Gesundheit und Soziales das Schlusslicht bilden.

  • Bildung
  • Innovation und starke Wirtschaft
  • Sicherheit und Freiheit
  • Vielfältige Regionen
  • Sozialer und gesellschaftlicher Zusammenhalt

 

Bildung

Es fragt sich schon, warum die Familienpolitik unter Bildung subsumiert wird. Geht es hier in erster Linie, um die Heranziehung neuer Kräfte für den Arbeitsmarkt?

Das ist zu begrüssen:

  • die in Aussicht gestellten zusätzlichen Landesmittel und gehobenen Qualitätsstandards für Kitas und den Offenen Ganztag (Sofortprogramme)
  • die Entbürokratisierung der Beantragung der Mittel im Bildungs- und Teilhabepaket
  • die vernetzten Beratungs- und Bildungsangebote in Familienzentren sollen weiterentwickelt werden
  • die (200) Schwangerschaftsberatungsstellen werden wie gehabt gefördert werden
  • niedrigschwellige Familienbildung und -beratungsangebote sollen gefördert werden
  • Schulen sollen sich im Sozialraum mit ausserschulischen Partnern vernetzen
  • Programme wie Teachfirst sollen ausgebaut werden (informelles Lernen/ Praxislernen)
  • Es sollen 30 Talentschulen in Stadtteilen mit den größten sozialen Herausforderungen auf hohem (technologischem) Niveau eingerichtet werden
  • Das Förderschulkonzept bleibt erhalten. Kann aber mit allgemeinbildenden Schule kombiniert werden. (Förderschulgruppen)
  • Sonderklassen für Flüchtlinge und spezielle Ausbildungsplatzangebote sowie die Schulpflicht für nicht mehr schulpflichtige Flüchtlinge
  • Kinder sollen Grundkenntnisse im Programmieren erlernen
  • Digitales Lernen wird Bestandteil der Lehrerausbildung
  • Digitale Lernzentren (Smart Factorys) werden eingerichtet.
  • das Fachkräftgebot wird gelockert: für Leitungskräfte im Kitabereich und Lehrer/innen
  • In der Fort- undWeiterbildung wird ein Schwerpunkt bei der Digitalisierung gelegt. Die Förderung durch den Bildungsscheck bleibt.

 

Innovation und Wirtschaft

Hier will ich ein paar Aspekte kritisch herausheben:

  • Die Hoffnung, dass NRW zum Land der Entwicklung der Industrie 4.0 wird, ist schön und gut, aber zu kurz gegriffen. Industrie 4.0 geht nicht ohne Soziale Arbeit 4.0. Das gilt insbesondere für das Ruhrgebiet, wo die neue Regierung (zurecht!) einen Schwerpunkt legen will. Da hätten wir auch gleich gute Konzepte.
  • Es ist zu begrüßen, dass die Digitalstrategie mit den Zielen des Europäischen Strukturfonds verbunden werden soll und zu hoffen, dass damit die Verknüpfung der sozialen Ziele gelingt.
  • Arbeit und Soziales wird unter Innovation und Wirtschaft subsumiert. Nicht unter sozialem Zusammenhalt. Das birgt die Gefahr, (langzeit-) arbeitslose Menschen nur nach ihrem Mehrwert für den Arbeitsmarkt abzustempeln.
  • Es ist zu begrüßen, dass Arbeitsmarktpolitik, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe besser miteinander verzahnt werden sollen, solange es dabei nicht zu einer Aushöhlung der einzelnen Gesetze kommt.

Vielfältige Regionen

Das Wort Vielfalt bezieht sich auf die Unterschiedlichkeit der Ballungsgebiete und des ländlichen Raums, nicht auf die Vielfalt der Menschen, die dort leben.

  • Das Kapitel „ländlicher Raum“ ist ähnlich dimensioniert wie vorher das Kapitel „Ruhrgebiet“. Wenn nicht sogar etwas größer. Es soll ja sogar ggf. ein eigenes Landwirtschaftsministerium geben. Da macht sich doch bemerkbar, dass die Federführenden aus den Rändern NRWs kommen.
  • Es geht in diesem Teil u.a. um die überregionale Zusammenarbeit der Kommunen, die von der Wohlfahrtsarbeit nachvollzogen werden müsste.
  • Zu begrüßen sind die Weiterentwicklung der sozialen Wohnraumförderung und der Städtebauförderung.

Sozialer und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Das Kapitel beginnt mit Kultur und Medien.

Aber dann kommen die gesellschaftlich wichtigen Themen dann doch noch.

  • Sofortprogramm für Krankenhäuser: Investitionsprogramm
  • Altersmedizin und Gerontopsychiatrie sollen besondere Schwerpunkte werden
  • Telemedizin/Digitalisierung soll wohnortnahe Versorgung sicher stellen
  • Weiterentwicklung nicht-akademischer Gesundheitsberufe
  • Hebammen sollen gestärkt werden
  • Pflegestärkungsgesetz soll umgesetzt werden
  • Das Alten- und Pflegegesetz NRW und die Durchführungsverordnung im Hinblick auf die Benachteiligung stationärer Einrichtungen soll überarbeitet werden.
  • Die Assistenzausbildung in der Pflege soll gestärkt und weiterentwickelt werden.
  • Der Kinder- und Jugenförderplan soll dauerhaft verbessert werden.
  • Es soll ein direkt gewähltes Jugendparlament geben.
  • Schul- und Jugendhilfeentwicklung sollen miteinander verknüpft werden. (Kann Auswirkungen auf die örtlichen Schul- und  Jugendhilfeausschüsse haben)
  • Ehrenamtliche, besonders junge Menschen, sollen gestärkt werden.
  • Für Senioren sollen Zugänge zur digitalen Welt geschaffen werden.
  • Familienzentren sollen mit Seniorenpolitik verknüpft werden.
  • Fortführung des Bundes-Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser ab 2020
  • Spezielle Förderung älterer und alter Migranten
  • Das Bundesteilhabegesetz soll zügig und im Zeitrahmen umgesetzt werden.
  • Solide Finanzierung für Frauenhäuser
  • Kultursensible Alten- und Gesundheitspflege
  • Förderung des interrelligiösen Dialogs / Ethikkurse in Schulen
  • Spezielle Programme für Flüchtlinge (Sprache, Bildung, Arbeitsmarkt, Ehrenamtliche)
  • Ausbau der nordrhein-westfälischen Landespolitik in Brüssel zur Mitgestaltung der europäischen Angelegenheiten

 

Soweit die Liste der Vorhaben der Regierung 2017 bis 2022. Ich bin gespannt, was davon wie umgesetzt wird.

Weitere Infos:

Der Koalitionsvertrag (Gesamttext)

Interview mit dem Leiter des katholischen Büros NRW 

 

Veröffentlicht in Spiritualität

Zusammen sind wir Heimat.

Manches versteht man erst, wenn man es am eigenen Leib erfährt.

So wie ich jetzt.

Ich wechsle die Heimat.

Die Heimat wechseln?

Geht das denn überhaupt?

„Ja,“ erzählte eine Vertreterin einer Migrantenorganisation anlässlich einer Fachtagung des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn e.V. „Das geht.“ Sie habe ihren Kindern von Anfang erzählt, dass da wo sie ihre Wurzeln hätten, aber auch an anderen Orten Heimat sein kann. Es könne mehrere Wahlheimaten geben.

Und tatsächlich regte mich dieser Gedanke an, darüber nachzudenken, wo ich mich bereits im Leben beheimatet gefühlt habe. An welchen Orten, bei welchen Menschen, in unterschiedlichen Wohnungen und Häusern.

Ich war eingeladen worden, etwas über digitale Lebenswelten zu erzählen. Viele Familien und Freunde überbrücken regionale Räume mittlerweile mit digitalen Netzwerken und bleiben so in Kontakt. Großeltern skypen, netzwerken und chatten ebenso fleißig mit. Grenzen lassen sich also einfach überwinden in einer globalen Welt. Der oder das Fremde ist gar nicht mehr so fremd.

Es ist weiss Gott etwas völlig anderes, ob ich aus freien Stücken während des Studiums, wegen einer Berufstätigkeit oder aus anderen Gründen, jedenfalls freiwillig, den Ort verlasse, wo ich mich bisher beheimatet fühlte und den Wohnort wechsle.

Menschen, die aus welchen Gründen auch immer auf der Flucht sind, haben es da viel schwerer. Sie treibt häufig über lange Zeit eine tiefe Sehnsucht dort hin zurück, wo sie sich einst beheimatet fühlten.

Und ich erinnere mich auch an frühere Kolleginnen und Kollegen, die aus anderen Herkunftsländern kamen und darunter litten, dass zwei Herzen in ihrer Brust schlagen und sie sich hin und her gerissen fühlten. Es war dann wie ein Zwang mal in beiden Heimaten gelebt zu haben, um für sich heraus zu finden, wo die gefühlte Heimat ist. Wenn das überhaupt möglich ist.

Ich erinnere mich aber auch daran, dass ich in den neunziger Jahre bei Reisen in die Türkei überrascht war, dass es dort Stadtteile gab, in denen nur Deutsch gesprochen wurde. So wie das in den USA bei den unterschiedlichsten Communities aus Polen, China und Deutschland auch üblich ist.

Meine eigene Familie war sehr bodenständig und heimatverbunden. Als Bauern buddelten sie quasi täglich in ihren eigenen Wurzeln. Mein Großvater hatte das Dorf lediglich verlassen, um im ersten Weltkrieg in die Marneschlacht zu ziehen und erzählte trotz der Leiden, denen er dort begegnet war, häufig von dieser einzigen „Auslandserfahrung“. Obwohl der Ort aus dem ich stamme, nur noch wenig mit dem Ursprungsdorf zu tun hat, ist er doch in meiner Seele meine Heimat.

In den letzten Jahren galt aber auch „Home is where the dog is“, umso mehr überraschte es mich, dass ausgerechnet dieser in den Turbulenzen des Stellenwechsels verstarb. Mein erster Gedanke war eine kleine Überraschung: „Aha, er soll also nicht mitgehen.“ bevor mich die Traurigkeit um diesen Verlust überkam.

Durch meine Berufstätigkeit und auch privat hatte ich das Glück viele schöne Reisen zu machen und unterschiedlichste Länder kennen zu lernen. Ich bin vielen Menschen und Kulturen begegnet, um zum einen festzustellen, dass Menschen überall auf der Welt ähnlich ticken und dann aber kulturell wieder ganz unterschiedlich sein können.

Und, dass auch ein Verband Heimat bedeutet. Ein Netzwerk von Menschen, denen man sich über Jahrzehnte im Engagement um die gemeinsame Sache verbunden fühlt.

Wie die Caritas, für die ich seit über zwanzig Jahren leidenschaftlich gerne arbeite, weil das, was die Dienste und Einrichtungen tun, für unsere Gesellschaft elementar wichtig ist.

Ich tue jetzt nur den kleinen Sprung vom Rhein an die Ruhr. Aus dem Rheinland in den Pott. Mitten ins Herz der alten Dame North Rhine-Westphalia.

Nun denn:

Glück auf!

Denn hier gilt insbesondere:

Zusammen sind wir Heimat.

Materialien zum Thema gibt es hier.

Veröffentlicht in Spiritualität

Über Amt, Aufgabe & Beruf.

Wie einige wissen, befinde ich mich in einem Übergang von einer Aufgabe zu einer anderen, von einer Organisation in eine andere, von einer Region zu einer anderen.

Viele, viele Menschen haben mir gratuliert. Ich wurde sehr herzlich willkommen geheißen und erntete auch viel Bedauern, dass ich die alte Funktion verlasse.

Das ist außerordentlich wohltuend.

Und gibt starken Rückenwind.

Die Zahl hat mich überrascht  und überwältigt und gab mir gleichzeitig eine Bestätigung, dass ich die richtige Wahl getroffen habe.

In einem Kommentar hieß es:

„Da bist Du ja genau richtig.“

Und je mehr ich mich in die Rolle bewege, um so mehr erkenne ich:

Ja…

…genau da bin ich richtig.

Warum eigentlich?

Und die schlichte Antwort ist:

Weil die Aufgabe passt.

„Bist Du denn nicht furchtbar aufgeregt angesichts der Verantwortung?“

Und ich musste feststellen:

Nein.

Bin ich nicht.

Warum?

Weil die Aufgabe passt.

Die Aufgabe passt zu dem, was ich gelernt habe und zu meinen Erfahrungen und zu dem, was ich gerne tue.

Karrieresprung, sagen einige.

Ja, klar, ist es auch und freut natürlich ebenso.

Und gleichzeitig weiß ich, dass ich nicht in irgendetwas springen würde, nur der Karriere wegen.

Die Aufgabe muss spannend sein.

Und warum dann genau das?

Einfache Antwort:

weil sie jemanden gesucht haben.

Vor dem Hintergrund meines Glaubens aber auch:

es ist offensichtlich mein Weg.

Caritasarbeit im Ruhrbistum.

Wenn nicht dort…,

…wo dann?

Und das Amt?

Ein Amt ist nicht nur einfach so ein Wort. Ein Amt ist eine Verantwortung.

Alle getroffenen Entscheidungen haben Auswirkungen. Vor allem auf Menschen.

In erster Linie. Ein Amt ist eine große Verantwortung.

Davor habe ich Respekt.

Aber keine Angst.

Ist es also mehr als ein Beruf?

Sollte man tatsächlich das große Wort Berufung bemühen?

Nein.

Aber…

…wenn ein Weg stimmig ist, stimmt, ist es wirklich eine göttliche Fügung.

Es sind diese Momente,

wo man aufschaut und denkt:

„Ach,

…das sollte es sein…“

Veröffentlicht in Tagebuch

„LOVE OUT LOUD“ klingt irgendwie nach Caritas, oder? – rp17

Ich bin richtig stolz.

Dieses Mal will ich alles richtig machen.

Die VeranstaltungsApp ist downgeloaded, die Veranstaltungen sind favorisiert und terminiert (sogar mit Wecker) und so marschiere ich los. Zur Anmeldung.

Es ist der Vorabend der Re:Publica. Noch läuft kein Programm. Deswegen heißt es Pre:Publica.

Ich erhalte das Armband und ein Umhängeschild mit meinem Namen, der Firma (Caritas) und dem Namen meines Blogs. Und als ich mich gerade wegdrehen will, wird mir eine Umhängetasche mit einem schweren Buch in die Hand gedrückt. Eher Broschüre als Buch. Aber schwer.

Arbeiten 4.0. Das Weissbuch des Arbeitsministeriums.

Ganz haptisch soll der Ankommende wohl begreifen, dass das ein wichtiges Thema unserer Zeit ist. Ist es ja auch.

LOVE OUT LOUD.

LOL.

Nein, jetzt mal ernsthaft.

Zunächst musste ich das Thema auf mich wirken lassen.

Ein PR Gag? Ein Wortspiel? Aus Laugh wird love? Vielleicht doch ein Zusammenspiel?

Ich betrete den Hof der Station Berlin, wo die Re:Publica statt findet. Es ist wieder ein herrlicher Sommerabend. Und wie beim letzten Mal auch springt mir die katholische Community gleich ins Auge. Sie sammelt sich unter dem riesig pink leuchtenden Würfel mitten im Hof, auf dem das Motto in grossen Lettern prangt: LOVE OUT LOUD.

Wo auch sonst?

Die Re:Publica will ein Zeichen setzen gegen Hass. Darum haben die Veranstalter diesen Titel gewählt. Lachen, leben, lieben. Alles gehört zusammen.

Sie ist nicht nur Deutschlands größte Internetmesse, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis mit medialer Wirkung. Von welcher Veranstaltung wird soviel getwittert, gestreamt, gepostet und gebloggt?

Dafür sind dramatische Effekte, große Plakate, Lichtspektakel und Farben gut. Vor allem, weil Einfachheit gestaltet. Schlichtheit bei der Präsentation, beim Veranstaltungsort, bei den Mitteln überwiegt. Wohltuend.

Und zwischen Sprecher/innen und nicht offiziell Beitragenden wird kaum ein Unterschied gemacht. Denn alle sind ja aktiv. Und interaktiv.

Übrigens:

Und, wenn auch kein Unterschied gemacht wird, ist es doch gut, dass wir in diesem Jahr mit einem Programmpunkt dabei sind. Und der fällt auf.

Allein der Titel:

WTF – Katholische Kirche will Netzpolitik mitgestalten?!

Ganz ehrlich: als ich den Titel las, dachte ich zunächst: Was soll das? Das tun wir doch schon lange. Aber darum geht es nicht. Wenn es nicht auf der Re:Publica Thema ist, findet es nicht statt.

Nein, ernsthaft.

Es ist wichtig, dass wir dort mit Themen vertreten sind. Und wir haben auch echt etwas zu bieten. Denn die katholischen Bischöfe haben sich mit dem Thema Digitalisierung auseinander gesetzt und hierzu Impulse zu Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit verfasst.

Prof. Andreas Büsch, der die Clearingstelle der Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz leitet, weiss das Thema im Re:Publica Stil zu präsentieren. Auf großen Fotos wirken die Werte der katholischen Soziallehre, der digitale Lebenswelten standhalten müssen, nachhaltig in den gut gefüllten Sessionraum.

Die Auseinandersetzung mit Hatespeeches ist nicht nur ein Freudenfeuer aus Pink und Herzchen, auch, wenn hier musikalisch, visuell und im guten Miteinander wohltuende Gegenakzente gesetzt werden. Es ist auch eine Auseinandersetzung mit vielen dunklen Momenten, die es nicht wegen des Internets gibt, sondern auch dort.

Allein wegen der drei großartigen Vorträge von Carolin Emcke, Gunter Dueck und Sascha Lobo hat sich der Besuch der Re:Publica schon gelohnt.

„Liebe den Fremden wie Dich selbst und sag nicht Pack zu Deinem Nächsten.“  (Gunter Dueck)

Die Botschaft wirkt.

Darauf kommt es doch an.

Mit einfachen Sätzen „Das Internet geht nicht wieder weg.“ oder „Geisteswissenschaftler sind ein wenig netzphob. Wir brauchen euch.“ bringt er die Dinge auf den Punkt.

Laugh out loud. Mehr als einmal.

Mit dem Motto und der Wirkung, die sie entfaltet, ist die Re:Publica ein grosses Friedenscamp. Ich war nicht bei Woodstock und kenne auch keine Pfadfinderlager, aber so stelle ich es mir vor.

Einfach großartig.

Friedlich.

Mit Tiefgang.

Inspirierend.

Da wirken wir als Kirche mit ihrer Caritas doch gerne mit. Und es passt gut, dass mitten in das Geschehen die Nachricht flutet, dass die Caritas im Bistum Essen den 1. Preis der Deutschen Bischofskonferenz für ihr Projekt gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gewonnen hat. Genau!  „Sach wat! Tacheles für Toleranz“!

Es geht nicht um Arbeiten 4.0, es geht um eine (neue) Kultur des Miteinanders, die Früchte trägt, weil Menschen leidenschaftlich bei der Sache sind.

Inspiriert.

Fasziniert.

Engagiert.

Ganz ohne Weissbuch.

Re:Publica sortiert nacht Themen.

Viele Vorträge und Sessions lassen sich auch im Nachhinein noch anschauen und -hören.

Veröffentlicht in Soziale Arbeit

re:publica 2017 & Soziale Arbeit #Rp17

re:publica und soziale Arbeit – hat das etwas miteinander zu tun? Das habe ich mich letztes Jahr schon gefragt.

Dieses Jahr bin ich etwas schlauer. Und auch meine Vorbereitungen laufen gezielter. Zumal ich genauer weiß, wofür ich das Gehörte und Erlebte anschließend einsetzen möchte.

Grundsätzlich wird man aus allem, was dort präsentiert wird, etwas ziehen können.
Aber ein paar Themen bieten sich natürlich direkt an.

Interessant ist auch, was nicht mehr im Programm ist. Was noch immer und was neu ist.

Muss jede/r dort hin? Nein. Müssen nur die Öffentlichkeitsarbeiter/innen hin? Nein. Das wäre eine vertane Chance.

Aber: die re:publica ist gewöhnungsbedürftig.

Das fängt schon beim Programm an. Eine Fülle von Speakern und Sessions werden präsentiert. Alleine die Begriffe schon. Und die Hälfte auf Englisch.

Also, was passt denn nun?

Wer auf Programm und dann auf Sessions klickt, kommt zu einer großen Auswahl unterschiedlicher Themen (Tracks). Dort gilt es nun zu erschließen, was für die Sozial- und Gesundheitswirtschaft von Interesse sein kann.

Politik & Gesellschaft

Im Programmteil Politics & Society ist die Auswahl groß. Über 100 Angebote habe ich zu diesem Thema bis heute gezählt. Es geht um Datenschutzverordnungen in Europa, um den Umgang mit Hassreden, um eine Internet Gesundheitsklinik, um Lobbyarbeit für das Gute und auch die katholische Kirche bietet ein Forum zu der Fragestellung: Katholische Kirche will Netzpolitik gestalten?! Es geht um digitalen Nachlass und digitalen Kapitalismus im Kontext digitalen Grundeinkommens.

Business & Work

Bei Business & Work  gibt es rund 20 Angebote bis heute. Die Auswahl reicht von der Frage „Sind die Algorithmen die neuen Chefs?“ über „Wie passen Makerspace und Traditionsunternehmen zusammen?“ bis zu der Frage: „Wie kann Deutschland die Führung in der digitalen Wirtschaft übernehmen?“ und die damit verbundene Frage der Zukunft der Arbeit.

Bildung

Das Thema Bildung firmiert unter dem Begriff re:learn . Hier geht es um neue Lernformen, die Frage, ob Kinder schon früh das Programmieren lernen sollten. Neue Bildungsformate für generationsübergreifendes Lernen. Natürlich darum wie Schulen das Lernen in digitalen Lebenswelten gestalten.

Gesundheit

Bei Re:Health geht es um Apps als Hilfen für sehbehinderte Menschen, um e-Health, um digitale Therapiemodelle und Gesundheitsversorgung in Echtzeit.

Recht & Gesetz

Das sogenannte lawLab hält Themen wie Medienstrafrecht, Social Media Recht und ein Meet up für Juristen bereit. Hier begegnet uns im Besonderen Dr. Thomas Schwenke, der Medienanwalt, dessen blauer Pinguin auf Snapchat bei der Erklärung komplizierter juristischer Zusammenhänge hilft.

Generell ist nochmal nach Veranstaltungsformaten zu unterscheiden: Es gibt die Vorträge, die Workshops, die Meet ups und die Ligthning Talks. Nach meinen Erfahrungen im letzten Jahr sind die Vorträge und Workshops inhaltsreich, unterhaltsam und inspirierend. Die Meet ups und Ligthning Talks (Blitzvorträge) sind eher zum Mitmachen und spontanen Austausch gedacht.

Es lohnt einen Blick auf die Speaker zu werfen: Auch hier eine Fülle und einige echte Highlights.

Das Motto der diesjährigen re:publica ist Love out loud . Auch hier gibt es ein buntes Programm. Und es ist gleichzeitig eine Programmatik. Es soll ein Zeichen setzen gegen Hass und Tiraden im Netz.

Bei aller Vorplanung lohnt es sich aber auch, sich einfach treiben zu lassen. Sich von der Atmosphäre inspirieren und vernetzen zu lassen.

Ich wünsche viel Vergnügen!