Veröffentlicht in Bücher

Literarischer Jahresrückblick & Ausblick

 

Noch beklagenswerter, als Worte es ausdrücken können, sind die armen Juden, deren verzweifelte Bitten um Visa und Einreiseerlaubnis hierhin und dahin ich jeden Tag lese. Ewig entwurzelt und heimatlos irren sie um den Erdball, soweit ich verstehe.

schreibt Astrid Lindgren am 13. Oktober 1940 in ihr Tagebuch.

Ihre Tagebücher, die sie im Zeitraum 1939 bis 1945 verfasste, wurden erst kürzlich herausgegeben. Der Titel entstammt ebenfalls einem Zitat der Tagebücher:

Die Menschheit hat den Verstand verloren

– von Astrid Lindgren

Die Tagebücher lesen sich erschreckend zeitgemäss angesichts der Kriege, die unsere Gegenwart erschüttern. Damals war Schweden ein Land, das der Krieg aussparte. Fast eine Insel der Glückseligkeit, so wie wir uns in Deutschland heutzutage auch manchmal vorkommen mögen angesichts des Terrors, der in der Welt geschieht.

Ich glaube,…dass es eine reine, unverdiente und unerhörte Gnade ist, das Fest in Ruhe und Frieden im eigenen Zuhause feiern zu dürfen… Wir haben uns wie üblich voll gefuttert, bis wir platzten. Wahrscheinlich sind wir das einzige Volk in Europa, das diese Möglichkeit hat, jedenfalls in dem Ausmaß. (28. Dezember 1940)

Es ist ein beeindruckendes Buch! Nicht nur wegen des Zeitraums über den sie schreibt, sondern auch wegen des Stils. Was für eine begabte Schreiberin Astrid Lindgren schon war bevor sie mit ihren Kinderbüchern Berühmtheit erlangte, merkt man daran, dass ihre Notizen so gut wie gar nicht überarbeitet werden mussten, um sie zu veröffentlichen. Besonders wegen der Parallelen zur heutigen Zeit, in der man auch immer wieder kopfschüttelnd wie Astrid Lindgren bemerken könnte:

Aber die Menschheit hat nun einmal komplett den Verstand verloren. (12. Mai 1942)

Unterm Rad

– von Hermann Hesse

Ein Schulmeister hat lieber einige Esel als ein Genie in seiner Klasse…seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heraus zu bilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner. (S. 90)

Dieser Bildungsroman von Hermann Hesse wurde im Jahr 1906 erstmals veröffentlicht. Arthur Eloesser kommentiert die Erstausgabe mit den Worten: „Der Roman enthält ungefähr eine Anleitung für Eltern, Vormünder und Lehrer, wie man einen begabten jungen Menschen am zweckmässigsten zugrunde richtet.“

Ein vergleichsweise dünnes Buch von knapp 170 Seiten, das die Seele berührt und erschreckt angesichts dessen, was Kindern damals (und heute?) angetan wurde, um sie von dem fern zu halten, wonach sie sich sehnten: freies Spiel in der Natur.

So müssen Sommerferien sein! Über den Bergen ein enzianblauer Himmel. Wochenlang ein strahlend heisser Tag am anderen, nur zuweilen ein heftiges, kurzes Gewitter. Der Fluss … war so erwärmt, dass man noch spät am Abend baden konnte. (S. 32)

Silicon Valley

– von Christoph Keese

Die Kundschaft..gibt, begeistert vom Ipod, die alte Treuebeziehung zum Plattenladen um die Ecke von einem auf den anderen Tag auf…Was heute der Plattenladen erlebt, widerfährt morgen (anderen) … Wir werden früher aus der Komfortzone verstoßen als wir denken. (S. 112)

Der Wirtschaftswissenschaftler und Journalist Christoph Keese war 2013 ein halbes Jahr im Silicon Valley. Er beschreibt seinen Eindruck, der unterm Strich in der Aussage enden wird: Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden (Carly Fiorina). Mit einer erschreckenden Erkenntnis: Die sozialen Gegensätze werden offensichtlicher.

Die Zahl der Empfänger von Lebensmittelmarken hat ein neues Zehn-Jahres-Hoch erreicht, die Zahl der Wohnungslosen ist in zwei Jahren um 20 Prozent angestiegen, das Durchschnittseinkommen der spanischen Bevölkerung, ein Viertel der Bürger des Silikon Valley, ist mit 19000 Dollar im Jahr auf ein Tief gefallen. (S. 85)

In Deutschland macht sich ein Trend bemerkbar, der von der Süddeutschen mit „Wer Internet kann, ist privilegiert“ getitelt wird. Torsten Larbig von EdChat twittert dazu: „Internet muss man können. Wenn nicht, dann ist man schnell Bildungsverlierer. Smartphone allein reicht nicht.“

Ein spannendes Buch, das sehr dazu verhilft zu verstehen, vor welchen technologischen Zukunftsherausforderungen wir stehen und wie sehr sich unsere Organisations- und Kommunikationsstrukturen verändern werden.

Die Auflehnung

– von Siegfried Lenz

Und Willy erzählte aus einer anderen Welt, beschrieb ein komfortables, hölzernes Hotel, in dem die Teekoster aus Europa wohnten und schilderte einen Abend, an dem die empfindlichen Spezialisten, gutgelaunt nach zufriedenstellenden Abschlüssen, einen scherzhaften Wettbewerb veranstalteten… Mich jedenfalls konnte keiner reinlegen, sagte Willy…

Siegfried Lenz schreibt über zwei Brüder, die sich älter werdend der Frage stellen: Unterwerfung oder Auflehnung? Frank ist ein erfahrener Teichwirt und Willy ein international bekannter Teekoster. Beide sehen ihr Lebenswerk bedroht. Beide suchen nach Auswegen.

Virginia und Leonard Woolf

– von George Spater und Ian Parsons

So war fast über Nacht ein Hobby zum Geschäft geworden. Das muss auch Leonard so empfunden haben, denn er bestellte ein kupfernes Firmenschild für die Tür zu einem Preis von 10 Schilling 10 Pence.(S.151)

Was damals niemand voraussehen konnte, waren die Größe ihres späteren Erfolges und die Entwicklung der Hogarth Press, die 1917 in aller Stille gegründet wurde.    (S. 143)

Leonard und Virginia Woolf  haben 1917 quasi ein Startup, ihren eigenen Verlag, gegründet. Ganz einfach, in dem sie eine Druckmaschine gekauft haben, die Hogarth Press, so bezeichnet, weil die Maschine im Hogarth House stand. Der Verlag wurde zu einem der bedeutensten britischen Verlage für Belletristik.

Hierum geht es und um den Lebensstil des Intellektuellenpaars, das einzeln und zusammen als Schriftsteller, Verleger, Modernisierer und zentrale Gestalter der Bloomsbury Gruppe  Berühmtheit erlangte.

 

Bücherliste 2017

Deutschland digital

Unsere Antwort auf das Silikon Valley

– von Marc Beise und Ulrich Schäfer

Vertrauen: Genau darum geht es im Internet der Dinge – und ausgerechnet die Deutschen könnten dieses neue Gut schaffen, dessen Wert man im Silicon Valley nicht wirklich versteht. Nur wem die Kunden vertrauen, dass er ihre Daten sicher verwahrt, dem gehört auf Dauer die Zukunft. Und dafür haben die ängstlichen Deutschen einfach ein Händchen. Die Angst als Geschäftsmodell – ja, das kann funktionieren. (Berlin Valley)

Das Glasperlenspiel

– von Hermann Hesse

Hermann Hesses letztes großes Werk spielt in einer Zukunftswelt, in welcher er das Leben seines Helden Magister Ludi Josef Knecht ansiedelt. Auf die wesentlichen Charakteristika dieser Welt verweist der Namenszusatz ‚Magister Ludi‘, ein Wortspiel, da das lateinische Wort ‚ludus‘ sowohl ‚Schule‘ (ein magister ludi ist historisch ein Schulmeister) als auch Spiel (der Titel würde dann „Meister des Spiels“ heißen) bedeutet. (Wikipedia)

Armut in Deutschland

– von Georg Cremer

Armut in Deutschland“ heißt das Buch, in dem Cremer all seinen Frust über die falschen Zahlen und schiefen Vergleiche niedergeschrieben hat und seine Lösungsvorschläge aufzeigt. „Es hat mich mehr und mehr geärgert, dass wir eben über Armut nur in Form dieser folgenlosen Empörung sprechen“, sagt Cremer. Aus kleinen statistischen Schwankungen ein Riesenbohei machen, aber nicht darüber reden, was wir denn ganz konkret machen können, um die Armut einzugrenzen. (FAZ)

Die Fahrt zum Leuchtturm

– von Virginia Woolf

1925 vermerkte sie in ihrem Tagebuch: „… er wird ziemlich kurz werden; soll Vaters Figur völlig enthalten; und die Mutters; und die Kindheit; und all die üblichen Dinge, die ich hinein zu tun versuche, Leben, Tod, etc. Aber der Mittelpunkt ist die Figur Vaters …

In dieser anspruchslosen privaten Notiz kündigte sich die ganze Spannung des Romans schon an, der viel mehr geworden ist als eine Biographie der Eltern…Der Roman spielt in der gleichen Umgebung, in der Virginia Woolfs Jugenderinnerung das Bild der Eltern aufbewahrt hat: im Ferienhaus an der Küste, während der langen. Sommermonate. (Die Zeit)

Das Buch meines Lebens

– von Teresa von Avila

In ihrer Autobiographie gibt Teresa von Avila Einblick in ihren inneren Werdegang, ihre außerordentlichen geistigen Erfahrungen und ihren Weg in Gesellschaft und Kirche. (Klappentext)

 

Zum Weiterlesen:

Bücherliste 2015

Bücherliste 2016

 

 

 

Veröffentlicht in Tagebuch

Warum BarCamps das Lernen & Arbeiten revolutionieren können. #SozialCamp

Ein BarCamp macht sichtbar, was im Netz passiert.

An zwei Tagen verknüpfen sich Menschen zu bestimmten Themen und Interessen, twittern und bloggen darüber, verwenden Stichwörter namens #hashtags und vernetzen sich hierarchie- und organisationsunabhängig miteinander, um in einem bestimmten Themenfeld neue Entwicklungen zu diskutieren, zu bewerten und weiter zu entwickeln.

Als ich mir den Sessionplan ansah, wurde mir deutlich, dass die Themen den Kern der Herausforderungen für die soziale Arbeit getroffen haben.

BarCamp als neue Lernform?

Lernprozesse sind komplexe Vorgänge mit denen sich die unterschiedlichsten Fachrichtungen auseinandergesetzt haben. Lernen enthält neurobiologische, psychologische, soziologische, kulturelle, physische und andere Aspekte.

Auch die Pädagogik befasst sich mit der Frage, wie müssen die Rahmenbedingungen sein, damit Menschen lernen, gebildet und ausgebildet werden.

Die Methoden und Ansichten haben sich über die Jahrhunderte sehr geändert. Weg von der starren Disziplin für alle hin zu einem Lernansatz, der sich am Individuum orientiert.

Das BarCamp ist eine Lern- und Arbeitsform, die sich an den Themen orientiert, die den Menschen auf der Seele brennen. An ihren Leidenschaften, ihren Talenten. Sie sind motiviert, begeistert, wollen daran arbeiten.

Beste Voraussetzungen für Weiterkommen, Hinzulernen, Fortschritt.

Bildung anders.

Dieses Blog ist im Rahmen des Projektes Bildung geht auch anders entstanden, das aufgezeigt hat, dass Bildung an vielen unterschiedlichen Lernorten geschehen kann. Gerald Hüter  hat in dem Film Alphabet gezeigt, dass Lernen außerhalb von den üblichen Systemen beeindruckende Ergebnisse zu verzeichnen hat.

Und während unsere Kinder und Jugendlichen trotzdem weiterhin in eher starren Schulsystemen verharren müssen, entwickelt sich in der digitalen Welt eine neue Form des Informations- und Wissensmanagements, eine neue Form des kollaborativen Lernens und Arbeitens. Eine Form, die Spass macht, die  frei ist von Zwängen und sich an den Interessen und Fähigkeiten des Einzelnen orientiert.

Kollaboratives Lernen.

Kollaboratives Lernen ist ein Synonym für rechnergestütztes Gruppenlernen. Nichts anderes ist ein BarCamp.

Neues Wissen wird in der Interaktion miteinander verknüpft.

Das setzt voraus, dass Computer/Smartphones zum Einsatz kommen. Erst dann, so meine These, kann der Teilnehmende vom Wissensmanagement, das ein BarCamp bereit hält, profitieren.

Unter dem Stichwort #sozialcamp wird in den digitalen Netzwerken (Facebook, Twitter, Instagram u.ä.) Material gesammelt (z.B. Folien, Links u.ä.) diskutiert und ja, auch herumgealbert. Wie im wirklichen Leben.

In dem fünfjährigen Projekt „Das Ipad im Unterricht – Mobiles Lernen in der Schule“ hat André Spang im gleichnamigen Blog immer wieder deutlich gemacht, wie sehr sich Lernen und Bildung durch den Einsatz digitaler Medien verändern. Die qualifizierte Handhabung der digitalen Medien verschafft dem Individuum Zugänge und Eintritt in eine neue Form des Lernens, der Teilhabe und der Zusammenarbeit.

BarCamp: So werden wir lernen & arbeiten.

Das BarCamp ist das Sinnbild dafür wie zukünftig unsere Lern- und Arbeitswelten funktionieren werden.

  • interessenorientiert
  • in Netzwerken
  • interaktiv
  • organisationsübergreifend
  • digital
  • in kreativen Lern- und Arbeitsräumen (Makerspaces)
  • ergebnisoffen
  • kollaborativ

Nachhaltigkeit.

Was faszinierend ist, nach dem BarCamp geht es erst so richtig los. Inspirationen, Konzepte und neue Ideen bahnen sich ihren Weg. In digitalen Arbeitsgruppen kommen Menschen zusammen und arbeiten an den Themen weiter.

Das Gehörte und Erlebte wird in Blogbeiträgen verarbeitet. Die Erkenntnisse fließen in die Arbeit ein.

BarCamps sind eine Inspiration. Das SozialCamp war eine Inspiration für die soziale Arbeit.

Fatal wäre, wenn jetzt Arbeitsgruppen pflichtbewusst die Ergebnisse abarbeiten würden.

Wie bei jeglichem Lernen: Der Spaß, die Leidenschaft gilt es zu erhalten.

Dann kann die Arbeit Früchte tragen. Vielleicht nicht messbar für denjenigen, der sie bezahlt hat.

Aber erkennbar für das Arbeitsfeld, das es beflügeln möchte.

Weitere Blogbeiträge zum BarCamp der sozialen Arbeit – #SozialCamp gibt es hier:

Mein Rückblick auf das #SozialCamp in Bonn – Stephanie Braun

Ein SozialCamp ist auch ein BarCamp – Reiner Knudsen

BarCamps als gelebte soziale Agilität – Hendrik Epe 

War ja doch viel Digitales dabei – Das Team vom CareCamp

Wie ich digital helfen wollte und keiner es verstand – Annette Schwindt

1. BarCamp der sozialen Arbeit – Kreativer Austausch auf dem SozialCamp -Christian Müller

Das BarCamp soziale Arbeit 2016 – Johannes Mirus

Digitalisierung in der sozialen Arbeit – es bewegt sich was! – Prof. Dr. Thomas Münch

Randbegegnung – Anna Schmidt

Mein Social Rückblick zum BarCamp soziale Arbeit – von Christian Müller

#Caritas in NRW veranstaltet das BarCamp soziale Arbeit #sozialCamp

A post shared by Sabine Depew (@sabine_depew) on

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht in Soziale Arbeit

Was die soziale Arbeit in Deutschland auszeichnet.

Hier im Blog geht es um den digitalen Wandel in der sozialen Arbeit. Um Veränderung, soziale Innovationen und Kulturwandel.

Da klingen Namen wie Wärmestuben, Armenküchen und Fürsorge vergleichsweise altmodisch.

Für den Menschen, der frierend auf der Straße lebt, aber nicht.

Für den jungen Flüchtling ohne Eltern auch nicht.

Für den Menschen, dessen Schulden ihm über den Kopf wachsen, nicht.

Für sie bedeuten sie das, was sie brauchen: Wärme, Beheimatung, Verständnis.

Viele wissen nicht, dass die Hilfen der sozialen Dienste, die soziale Marktwirtschaft in Deutschland auszeichnen.

Daher ein kurzer Blick in die Geschichte.

Die großen Social Entrepreneure des 19. Jahrhunderts

„Der Wunsch, als Social Entrepreneur aktiv zu werden, gründet sich nicht in den Unterstützungsmöglichkeiten, sondern vielmehr in dem wachsenden Bewusstsein für gesellschaftliche Missstände und das persönliche Bedürfnis nach sozialer Veränderung und sinngebender Beschäftigung.“ (Fachartikel Social Entrepreneurschip)

Es waren damals wie heute jung-dynamische Persönlichkeiten wie beispielsweise Lorenz Werthmann, der Gründer des Deutschen Caritasverbandes, die Vereine gründeten, um der Not begegnen zu können.

Was den Jungunternehmern damals gelungen ist, ist die Verknüpfung der sozialen Arbeit mit der Sozialgesetzgebung und der Verankerung in der Verfassung.

Dieses Modell kennt in Europa kein anderes Land in einer vergleichbaren Form. Es ist ein Garant für sozialen Frieden, für hohe Qualität und eine vergleichsweise geringe Armutsquote.

Katholische Sozialpolitiker fanden sich Ende des 19. Jahrhunderts zusammen und waren der festen Überzeugung, dass man für „Saisonarbeiter, Seeleute, Tippelbrüder, Trinker, Körper- und geistig behinderte Menschen, Geschlechtskranke ebenso wie für Kindergärten, Fürsorgeerziehung, Mädchenschutz, Krankenpflege und Frauenfragen“ (Geschichte der Caritas) dringend etwas tun müsse.

„Diese organisatorische Zusammenfassung von privaten Einzelhilfen geschah in einer Zeit, die auch geprägt war durch Massennotstände und Kriege, vor allem aber durch die negativen sozialen Folgen der ersten Industrialisierungsphase. In dieser Zeit entwickelte sich die staatliche Armenpflege (kein Rechtsanspruch) hin zur Fürsorge (gesetzlich geregelt). Die Freie Wohlfahrtspflege trug in erheblichem Maße zur Herausbildung eines demokratischen Gesellschaftsbewusstseins bei. In der Weimarer Verfassungswirklichkeit ist folgerichtig die Freie Wohlfahrtspflege Grundbestandteil freiheitlicher Sozialordnung.“ (aus: Geschichte der Freien Wohlfahrtspflege)

Grundlegender Baustein ist hierbei das Subsidiaritätsprinzip (Artikel 23 GG), das zentrales Element und Garant des ordnungspolitischen Konzepts der sozialen Marktwirtschaft ist.

Es trug uns durch die Wiedervereinigung, durch die Wirtschafts- und Finanzkrise und durch die Flüchtlingszuwanderung. Die soliden Strukturen der freien Träger mit ihrer Personalkontinuität leisteten hier einen wesentlichen Beitrag.

Im Artikel 23 des Grundgesetzes ist nicht nur das Subsidiaritätsprinzip verankert, sondern auch der ausdrückliche Wille, in der Europäischen Union darauf hinzu wirken, dass diese Standards dort auch Anwendung finden. Dafür setzen sich Caritas und andere Verbände der Freien Wohlfahrtspflege ein, in dem sie europaweit für das sozialrechtliche Dreiecksverhältnis werben.

Die soziale Arbeit wird sich verändern, wandeln, weiter entwickeln.

So wie sie es schon immer getan hat.

Schon seit mehr als 100 Jahren.

Neue Ideen, Formen und Techniken tun da gut. Sie werden sie inspirieren und

nötige Veränderungen beschleunigen.

Die verfassungsrechtliche Verankerung darf dabei nicht verloren gehen. Sie ist eine wesentliche Säule unserer Demokratie.

Veröffentlicht in Social Media

Warum Twitter so wertvoll für die soziale Arbeit ist.

Vor ein paar Monaten haben wir auf Instagram das Projekt Caritasjobs gestartet.

Das soziale Netzwerk Instagram arbeitet hauptsächlich mit Fotos und neuerdings auch ähnlich wie Snapchat mit Videos.

Fotos und Videos, das zeigen die neusten Social Media Trends , erreichen die meisten Nutzer und insbesondere junge Menschen fühlen sich durch sie angesprochen.

Dabei geht es weniger darum, Stellenanzeigen zu posten, als vielmehr aus dem Berufsalltag zu berichten und zu vermitteln wie es sich anfühlt, wenn man bei der Caritas arbeitet.

Mir gefallen persönliche Kleinigkeiten am Arbeitsplatz! #sozialearbeit #Arbeiten #Arbeitsplatz #caritas #caritasjobs

A post shared by Jobs im Erzbistum Köln (@caritasjobs) on

Die Unterhaltsamkeit weckt die Kreativität und macht Freude. Wir arbeiten in einem kleinen Team von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe, das in unterschiedlichen Einrichtungen unterwegs ist. Jedes Teammitglied hat einen festen Tag, an dem er oder sie fotografiert und filmt.

Wenn die Technik funktioniert, lässt sich die Arbeit fast nebenbei erledigen. Ein neues Smartphone mit guter Kamera sollte es schon sein.

Twitter

Bei unserem letzten Meeting haben wir festgestellt, dass es Sinn macht, ein weiteres digitales Netzwerk mit ein zu beziehen, damit wir auch konkrete Stellenanzeigen verlinken können, was in Instagram nicht möglich ist.

Wir haben uns für Twitter entschieden, weil sich hier viele User aus dem Kontext soziale Arbeit tummeln. Was mich gleichzeitig zu der Frage geführt hat, warum Twitter für die soziale Arbeit so wertvoll ist.

Aber wie funktioniert Twitter eigentlich genau und wie lässt es sich sinnvoll einsetzen?

… für Anfänger

1. Registrieren

Wie bei allen Netzwerken besteht der erste Schritt darin, dass man sich anmeldet.

Also: Mailadresse, Nutzernamen und Passwort eingeben. Der Nutzername will gut gewählt sein, damit jede/r sogleich versteht, worum es geht. Zum Beispiel Caritasjobs.

2. Bio einrichten

Das Kürzel Bio steht für Biographie und meint eine Kurzbeschreibung des Profils. Dazu gehört das Profilfoto, ein Hintergrundbild und die Verlinkung zur Webseite.

Es können Hashtags auf spezielle Themen hinweisen, die die Auffindbarkeit deutlich erleichtern.

3. Folgen

Twitter lebt wie andere Netzwerke von der Kommunikation und der Interaktion. Hier kommt es besonders darauf an, nicht im eigenen Dunstkreis zu verharren, sondern Kontakte auszumachen, mit denen sich eine thematische Vernetzung lohnt.

4. Teilen

Twitter ist dafür bekannt, dass es die 140 Zeichen Begrenzung eingebaut hat, was viele abschreckt. Es ist wirklich nicht ganz einfach in 140 Zeichen auf den Punkt zu bringen, was gesagt werden soll.

Es ist jedoch nicht zwingend nötig eigene Inhalte zu produzieren, sondern gerade auf Twitter lassen sich besonders gut auch Links teilen. Sogar direkt vom Web aus. Vom Smartphone oder Tablet aus gibt es häufig eine Weiterleitungsfunktion nicht nur per mail, sondern auch per Twitter oder in andere soziale Netzwerke.

Das Teilen anderer Tweets gehört bei Twitter mehr als bei allen anderen sozialen Netzwerken zur Essenz. Es heißt bei Twitter „retweet“ und wird über die Funktion unter dem Tweet neben dem Herzchen/Stern bedient.

img_3321

5. Liken

Was dem einen die Herzen sind, sind den anderen die Sterne. Unterschiedliche Twitter Apps bieten da verschiedene Varianten an.

Seit den Anfängen von Facebook wird die Funktion des Likens kontrovers diskutiert. Es gibt dem Nutzer aber wertvolle Hinweise, ob eine Information brauchbar ist oder nicht, daher bitte beherzt mittun.

6. Hashtags

Ein Markenzeichen von Twitter sind die hashtags, die dadurch entstehen, dass man die Raute vor ein Stichwort setzt. Darüber ist es möglich alle Informationen zu einem Thema  zu sammeln, z.B. #sozialeArbeit oder #Flüchtlinge.

Die Hashtags setzen sich zwar auch langsam in anderen Netzwerken durch, sie machen aber gerade Twitter zu einem hervorragenden Instrument des Wissensmanagements, da hier eine Fülle von unterschiedlichen Texten, Links, Studien u.ä. zum Thema recherchiert werden kann.

Ein Beispiel ist aktuell der hashtag #SGBVIII, der Informationen und Aktionen zur SGB VIII Novelle bündelt.

…. für Fortgeschrittene

1. Listen anlegen (öffentlich & privat)

Twitter erlaubt das Anlegen von Listen. Zu welchem Thema ich die Liste anlege, bleibt mir selbst überlassen. Der Liste kann ich Nutzern, denen ich folge, hinzufügen.

Ich muss den Nutzern gar nicht offiziell folgen, wenn ich sie der Liste hinzugefügt habe, lese ich ihre Tweets, wenn ich die Liste öffne. Listen lassen sich öffentlich oder privat anlegen. Die öffentlichen Listen sind von anderen einsehbar und sie könnten sie auch abonnieren.

Die Listen sind neben den hashtags eine zweite gute Möglichkeit Themen zu sortieren und sind im Unterschied zu Facebook, das diese Funktion vor einiger Zeit auch nachgerüstet hat, deutlich übersichtlicher.

2. Zitieren

Wenn ich den Tweet eines anderen Nutzers retweete, habe ich die Wahl zwischen reinem Retweet und dem Hinzufügen eines Kommentars. Der Kommentar ermöglicht mir die Ergänzung von Bewertungen oder einem hashtag, z.B. #sozialeArbeit, damit andere das Thema leichter finden können.

3. Diskutieren

Die digitalen Medien leben wie andere sozialen Netzwerke von Beteiligung. Gerade Twitter lebt von der Interaktion und vom Diskurs, der ja auch ein Garant für die Qualität der sozialen Arbeit ist..

4. Gemeinsamer Account

Organisationen arbeiten häufig mit mehreren Personen unter einem Profil wie wir das mit Caritasjobs auch machen. Ich empfehle mit Kürzeln vor dem Tweet zu arbeiten, damit man erkennt, wer gerade kommuniziert.

Digitale Medien leben von der persönlichen Kommunikation. Es kann nicht oft genug gesagt werden.

5. Mehrere Profile benutzen

Jedes Profil hat eine eigene Mail-Adresse. Wer mehrere Mailadressen nutzt, kann auch mehrere Profile anlegen. In der App lässt sich im Unterschied zum Browser einfach zwischen den verschiedenen Profilen hin und her wechseln, wenn sie einmal angelegt sind.

6. Tweets in den Blog integrieren

Wer einen WordPress – Blog nutzt, die software ist auf wordpress.com kostenlos, kann mit Hilfe eines Widgets Tweets in den Seitenrand integrieren. Es werden automatisch die letzten Tweets angezeigt.

7. Gruppenarbeit

Ähnlich wie bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken gibt es bei Twitter die Möglichkeit, Direktnachrichten zu schreiben. Wenn man verschiedene User gleichzeitig anschreibt, bildet sich ein Gruppenchat.

8. Statistiken

Jeder Tweet hält eine Statistik bereit, der durch ein Diagramm kenntlich gemacht ist. Die Statistik gibt Aufschluss darüber, wie häufig der Tweet angeschaut wurde, ob und welche Art von Interaktionen es gab. Neben den Herzchen/Sternen ist das eine weitere Evaluationsmöglichkeit.

9. Storify

Manche Events bieten so viel Stoff, dass es sich lohnt, live zu twittern. Dann kommen unter einem hashtag viele Informationen zusammen. Wer sie bündeln und sortieren will, kann Storify benutzen.

 

10. Stammtisch

Ein Stammtisch auf Twitter scheint mir noch Seltenheitswert zu haben. Beim Stammtisch twittern User 1x wöchentlich zu einer bestimmten Uhrzeit eine Stunde lang zu einem bestimmten Thema. Strukturiert wird das Thema durch 5 – 6 Fragen. F plus Nummer wird der Frage vorangestellt, so dass der User weiß, um welche Frage es sich handelt. Mit A plus Nummer wird geantwortet.

Ich kenne bisher zwei: #RN8 (Reisenacht) montags zwischen 20 Uhr & 21 Uhr und für die soziale Arbeit interessanter der #EdchatDE (Education Chat Deutschland) dienstags zwischen 20 Uhr & 21 Uhr.

Sie werden beide gut vorbereitet und moderiert, das macht ihre Qualität aus.

Ich hätte Lust, einen Stammtisch zur sozialen Arbeit einzurichten, wenn sich ein Team aus 5 – 6 Leuten findet, das mitmachen will. Ich denke, ich werde beim BarCamp soziale Arbeit hierzu eine Session anbieten.

Mein Fazit: Es geht um gute Inhalte, wertvolle Informationen & Interaktion, reines Marketing ist absolutes NoGo auf Twitter. Auch eine Standardweiterleitung von Facebook. Nichts ist so ermüdend wie 10 Tweets hintereinander mit der Aussage: „Ich habe ein Foto auf Facebook gepostet.“

Twitter wird so samt der hashtags und unterschiedlichsten User aus Wissenschaft, Politik und Praktikern zu einem Fundus an relevanten Informationen.

Jetzt Du! Was gefällt Dir an Twitter? Was nicht? Was fehlt hier im Beitrag? Schreibt Eure Meinung gleich unten in die Kommentare!

 

 

Das könnte Dich auch interessieren: Social Media in der sozialen Arbeit.

Veröffentlicht in SozialCamp

Who is Who des BarCamps (Teil III)

 

Roland Knillmann

roland-knillmann-ausschnit_webt„Wenn ich als Öffentlichkeitsarbeiter eines Caritasverbandes von Digitalisierung rede, dann wollen sich viele mit mir über Social Media, WhatsApp oder Employer Branding bei YouTube unterhalten.

Digitalisierung bedeutet jedoch viel mehr. Die Caritas definiert sich als Dienstleisterin, Anwältin und Solidaritätsstifterin. Der digitale Wandel betrifft diese drei Dimensionen im Kern.

Ein paar Spots: Wir werden unsere Dienste anders, auch in den digitalen Medien, organisieren müssen. Die Hilfesuchenden werden mit ganz neuen Problemlagen zu uns kommen. Wir werden langfristig vor ganz neuen sozial-und gesellschaftspolitischen Fragestellungen stehen und zu allem müssen wir eine kompetente Haltung haben. Medienkompetenz gehört sicher dazu, genauso aber die Frage, ob wir zum Beispiel Geschäftsmodelle auf der Basis von Big Data entwickeln wollen oder Fachkräftemangel im Bereich der Pflege über intelligente Haushaltstechnik (also „Smart Homes“) oder den Einsatz von Robotern auffangen wollen.

Ein Riesenprogramm! Und ein unglaublich spannendes dazu. Wir stehen am Beginn einer Zeitenwende und haben die Möglichkeit mit zu gestalten. Wenn wir uns trauen, zu experimentieren, Neues zu denken, alte Raster zu verlassen – und auch Fehler zu machen –, dann haben wir eine Riesenchance, dem Wandel etwas hinzuzufügen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir das können.

Und ich glaube, dass wir das als Caritas auch müssen. Das Barcamp hilft, nicht vor Ehrfurcht und Schrecken zu erstarren, sondern sich Schritt für Schritt mit der ein oder anderen Frage zu befassen. Wir werden dabei Spaß haben! Ich freue mich schon sehr auf interessante Diskussionen, Impulse, neue Bekanntschaften und auf das Wiedersehen mit lieben KollegInnen.“

Roland Knillmann leitet die Stabsstelle Verbandskommunikation beim Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V. U.a. hat er auf dem Blog Caritas-digital.de eine Artikelserie zum digitalen Wandel veröffentlicht.

Sandra Prüfer

sandra-prufer-bw„Seit Mitte der 90er Jahre beschäftige ich mich intensiv mit der digitalen Medienwirtschaft und Internet Industrie.  Ich habe für diverse Startups in der San Francisco Bay Area und Europa, deutsche und amerikanische Medienunternehmen und im non-profit Bereich gearbeitet.

Mein Interesse gilt der digitalen, sozialen und wirtschaftlichen Teilhabe, Chancengleichheit, Diversity, Civic & Social Tech und Social Entrepreneurship. Ich habe bei einer Reihe von social startups und Entrepreneurship Initiativen mitarbeitet, darunter als Senior Advisor für Ampion , eine von der Bundesregierung (BMZ, BWE) und GIZ geförderte Pan-Afrikanische non-profit Initiative.

Derzeit arbeite ich als freiberufliche Journalistin (u.a. für NewsDeeply) und Beraterin (media & digital relations) für Organisationen, die sich mit internationaler Zusammenarbeit und nachhaltiger Entwicklung beschäftigen. NewsDeeply ist eine new media company mit Sitz in New York, die online Plattformen mit vertiefter Berichterstattung zu globalen Themen betreibt (z.B. RefugeesDeeply, Women & Girls Hub).

Zuvor war ich für Rotary International in den USA und der Schweiz tätig als Senior Media Relations Specialist für Europa, Afrika und dem Mittleren Osten.

Ich bin Mutter zweier Kinder, engagiere mich ehrenamtlich bei V-Day (globale Bewegung zum Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen), für gender equality (UN SDG5) und in der lokalen Flüchtlingshilfe.

Zusammen mit einer Gruppe von Neuankömmlingen und Einheimischen (mit und ohne Migrationshintergrund) habe ich Anfang des Jahres die Bonnections Initiative gegründet. Sie beinhaltet einen interkulturellen Buchclub und einen mehrsprachigen Blog.

Unser Ziel ist, Neu- und Altbonner und die analoge und digitale Welt miteinander zu verbinden und einen interkulturellen Austausch auf Augenhöhe zu fördern. Wir verfolgen dabei einen partizipatorischen Ansatz und organisieren gemeinsam kulturelle Veranstaltungen.

Zudem entwickeln wir Projektideen zur digitalen Bildung und Integration in den Arbeitsmarkt durch mentoring und on-the-job training in Kooperation mit Partnern (z.B. Kiron).“

Sandra Prüfer ist  Journalistin, Kommunikationswissenschaftlerin (M.A.) und internationale PR und digital media Expertin, die über 15 in den USA gelebt hat. Vor vier Jahren ist sie mit ihrer Familie nach Bonn gezogen.

Wer sonst noch kommt, lest ihr hier:

WHO is WHO des BarCamp Soziale Arbeit Teil I

Hier geht es zur Anmeldung!