Veröffentlicht in Bewegte Frauen

Die heitere Elisabeth. #Caritas

Als Mädchen und junge Frau fand ich es immer unglaublich schwer, diese mittelalterlichen Frauen zu verstehen, ganz besonders, weil sie schon von Geburt an heilig schienen, während ich ständig mit meinen ganzen Unzulänglichkeiten und Fragen zu kämpfen hatte. Mit einigen von ihnen geht es mir auch heute noch so, zum Beispiel mit der Schutzpatronin der Caritas, der heiligen Elisabeth, deren Namenstag wir heute am 19. November feiern. 

Der nachfolgende Film zeichnet ein sehr schönes Bild von ihr und es wird deutlich, dass sie besondere Stärken hatte, ein ausgesprochen fröhlicher Mensch war und konsequent ihren Weg gegangen ist. Ähnlich wie Katharina von Bora, der Lutherin, lebte sie ein sehr partnerschaftliches Verhältnis mit ihrem Mann, was für die damalige Zeit ungewöhnlich war. 


Elisabeth engagierte sich für die Armen und gab alles, was sie besaß, her, um es mit ihnen zu teilen. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie von ihrer Burg hinunter ins Dorf zu ihnen, wo sie bereits mit 21 Jahren ein Hospital hatte bauen lassen.

Sie starb im Alter von 24 Jahren, aber sie hatte wohl ein erfülltes Leben. Wenn es Young Caritas damals schon gegeben hätte, wäre Elisabeth vielleicht ein Teil der Bewegung gewesen. Die Botschaft, die sie uns mitgibt, ist, dass es darum geht, die Menschen heiter zu machen.

„Seht, ich habe es immer gesagt,
man muss die Menschen froh machen.“
Elisabeth Landgräfin von Thüringen,
deutsche Nonne und katholische Heilige.

 

 

 

Veröffentlicht in Bewegte Frauen, Kirche

Was Martin Luther uns für das Zeitalter des digitalen Wandels lehrt. #Reformation

Dieser Tage jährt sich der 500. Jahrestag, an dem Luther seine Thesen in Wittenberg angeschlagen haben soll. Die Medien, das Fernsehen, die Buchläden sind voll von Neuigkeiten über diesen ehemaligen Mönch, der über Jahre grübelnd in seinem Turmzimmer verbracht hat, weil ihm nichts wichtiger war als seiner römisch-katholischen Kirche zu dienen.

Muss es da also tatsächlich auch noch einen Blogbeitrag geben in einem Blog, der thematisch scheinbar doch so gar nichts mit der Zeit zu tun hat, in der Luther gelebt hat?

Nein, muss es nicht.

Bis vor einen paar Tagen wäre mir das auch nicht in den Sinn gekommen. Denn unsere heutige Zeit ist ja überhaupt nicht mit dem Mittelalter zu vergleichen.

Oder vielleicht doch?

Europa und die Welt.

Martin Luther lebte in einer Zeit, die sich in einem Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit befand. Einem Epochenwechsel, an dem er maßgeblich beteiligt war, ohne es jemals gewollt zu haben oder es in seiner Tragweite Zeit seines Lebens zu erfassen.

Dabei war Martin Luther ein Gelehrter. Ein Professor an der neuen Universität zu Wittenberg. Das Zusammenwirken verschiedener Ereignisse und zeitgenössischer Strömungen hat seine Mission gefördert und die Reformation beschleunigt. Eine Veränderung, die bis heute unser Menschenbild, Gottesbild, unsere Bildungssysteme und das christliche Europa prägen. Das Bild des liebenden Gottes, dessen Sehnsucht Nächstenliebe ist. Unsere europäischen Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit resultieren aus diesem für damalige Verhältnisse grundlegenden anderen Verständnis von Kirche. Einer Kirche, die sich wieder auf ihre Ursprünge konzentriert. Auf Jesus Christus.

Auch Martin Luther lebte bereits in europäischen Strukturen: im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (allerdings ohne einheitliche Währung). Nationalstaatlichkeit war den Deutschen zu jenem Zeitpunkt eher noch fremd. Und ähnlich wie heute gab es viele Krisenthemen in diesem großen Reich zu beackern, Probleme, die häufig mit Kriegen gelöst wurden.

Der Kontinent Europa stand zu jenem Zeitpunkt vor einem epochalen Wandel, der aber noch nicht abzusehen war.

 

Schreiben, Bildung und einfache Sprache.

Gleichzeitig mit Martin Luther lebten drei andere Männer, die mit ihren Forschungen und Erfindungen einen entscheidenden Einfluss auf den Wandel gehabt haben: Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, Christoph Kolumbus, der Entdecker Amerikas und Nikolaus Kopernikus, Lehrer des heliozentrischen Weltbildes.

Martin Luther soll sich für die Entdeckung Amerikas und die Erfindung des Buchdrucks wenig interessiert haben und doch haben diese Entwicklungen seine Reformation verbreitet und ihm sogar wohl den Hals gerettet, denn als Ketzer sollte er eigentlich getötet werden. Aber zu dem Zeitpunkt war die neue Idee schon so verbreitet, dass sie nicht mehr aufzuhalten war.

Er konzentrierte sich auf sein Lebensthema, die Verbreitung des Wortes und seiner Überzeugungen. Er schrieb seine Überzeugungen konsequent auf. Hätte es damals schon das Internet gegeben, wäre er sicher einer der ersten Blogger geworden.

Er traf dabei auf ein Volk, das hungrig war nach Veränderung. Dass diese alte mittelalterliche Welt nicht länger ertragen wollte, in dem der überwiegende Teil der Menschheit in unsäglichen Verhältnissen lebte.

Er erreichte das Volk deswegen, weil es ihm gelang, eine Sprache zu sprechen, die das Volk verstand. Zum einen, weil er die Texte der Bibel in die deutsche Sprache übersetzte und, weil er eine einfache Sprache benutzte.

Auf diese Weise revolutionierte Martin Luther die Welt. Er wählte zielgruppengerechte Methoden, um Bildung zu vermitteln. Und brachte die Menschheit zu einem neuen Bild von Wirklichkeit. Die neuen Bilder bildeten den Geist und formten damit die Menschheit neu. Was wiederum Auswirkungen auf gesellschaftliche Veränderungen und Strukturen hatte.

Der erste Bestsellerautor Martin Luther bewegte durch sein Wort und die Sprache die Welt in einer durch Buchdruck beschleunigten Schnelligkeit, die an den vielen vorhandenen alten Strukturen, so auch der römisch-katholischen Kirche, vorbeieilten, ohne von dieser wahrgenommen zu werden oder deren Auswirkungen im Entferntesten zu erahnen.

Wenn Du die Welt verändern willst, nimm einen Stift und schreib.

Martin Luther

Glauben, Gott und die Rolle der Kirche.

Martin Luther war der festen Überzeugung, dass es auf Gott allein ankommt.

Aufgrund der mittelalterlichen Erfahrungen seiner Zeit mit Ablasshandel und der Verweltlichung der Kirche, die sich nur um Macht, Geld und Gier zu drehen schien, war ihm diese Erkenntnis heilsrettend für seinen Glauben. Seine Erkenntnis, dass allein das Wort (Evangelium) entscheidend war und es keine Autoritäten brauchte, die es dem Glaubenden auslegten, wenn er es selbst zu lesen verstand, führte letztlich zu den Auswirkungen der Reformation, die in blutigen Glaubenskriegen ausgefochten wurden.

Es hat aber auch viele Mystiker/innen inspiriert und so auch im katholischen „Lager“ seinen Weg gefunden.

In einer Zeit wie heute, in der wieder die Rolle der Kirche(n) gesellschaftlich stark in Frage gestellt wird, ist ein Umdenken angesagt. In der Nähe des Geburtsortes von Martin Luther sprach der zuständige Bischof des Bistums Magdeburg kürzlich davon, dass heutzutage nur noch wenige Menschen Gott in den Köpfen hätten, geschweige denn im Herzen, was Luther ein Anliegen gewesen ist. Gott sei einfach in Vergessenheit geraten.

Das sind die Fragen der heutigen Zeit. Und das, obwohl das neue Gottes- und Menschenbild, das von Luther im Sinne der Urkirche wieder ans Tageslicht geholt wurde, massgeblich die Werte Europas mitbestimmt und bewirkt hat.

Heutzutage steht Kirche also wieder vor gravierenden Veränderungen. Heute wie damals ist es wieder wichtig, den Menschen zuzuhören, sich auseinanderzusetzen, mit den Zeichen der Zeit zu gehen. Das Bistum Essen arbeitet hierfür an einem neuen Zukunftsbild. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer publizierte hierzu gerade einen Beitrag in der Herder Korrespondenz.

Die Rolle der Frau.

Katharina von Bora, besser bekannt als die Lutherin, war die Ehefrau von Martin Luther. Ein ehemaliger Mönch und eine entflohene Nonne heiraten. Das war natürlich damals mehr als eine Schlagzeile wert und der Skandal schlechthin.

Martin Luther ging sehr offensiv mit diesem Thema um. Er ließ ein Gemälde von sich und seiner Frau anfertigen, das sie als Ehepaar zeigte. Martin Luther und seine Frau Katharina pflegten ein für damalige Verhältnisse ausgesprochen partnerschaftliches Miteinander. Sie saß mit am Tisch, wenn diskutiert wurde. Er hörte auf ihre Meinung und musste sich nachsagen lassen, dass sie ihn zu stark beeinflusste. Sie leitete das häusliche Wirtschaftsunternehmen, das ihnen die Existenzgrundlage sicherte. Übersetzte ebenfalls Bibeltexte und in seinen Briefen nannte er sie in der Anrede liebevoll Herr Käthe, Doktorin, Lutherin, Predigerin zu Wittenberg.

Luther: „Einem freundlichen, lieben Herrn, Frau Katherinen Lutherin von Bora, Doktorin, Predigerin, Brauerin, Gärtnerin, und was sie mehr sein kann. Gnade und Friede, liebe Käthe. Wie reich hat mich Gott beschenkt. Nicht mit irdischen Gütern, nicht mit Geld und Land und Hausrat. Denn wenn ich in der Welt nichts hätte, besäße ich doch den größten Reichtum. Meine Frau und meine Kinder … denn ich liebe Euch mehr als mich selbst. Du, Katharina, wurdest mir von Gott gesandt, zum Vorbild und zum Wegweiser. Dein Glaube wurzelt tief im Leben. Deine tätige Liebe trägt reiche Früchte. Was du für mich getan hast, und für die Kinder, darin steckt mehr Glaube als in jedem Gebet. Andere beten um Gottes Hilfe. Du aber bist Gottes Hilfe. In Liebe, dein Martinus Luther.“

Katharina von Bora (Film)

Und dennoch verlor sie nach seinem Tod alle Rechte. Auf das Erbe, auf ihre selbständige Existenz und ihren Status.

In der heutigen Zeit haben wir spätestens (oder erst!) seit den 1970er Jahren gesetzliche Regelungen in Deutschland und in der westlichen Welt, die eine Gleichstellung von Mann und Frau sichern. Die Frau muss ihren Mann etwa nicht mehr fragen, wenn sie einen Beruf ergreifen will u.ä.

Und dennoch bleibt die Frage der Rolle der Frau ein kontinuierliches gesellschaftliches Thema. Manche würden es am liebsten ganz vom Tisch fegen, da sie um ihre eigenen Entwicklungsoptionen fürchten, wenn zu viele Frauen in die gesellschaftlich spannenden öffentlichen Aufgaben drängen.

Auch in der öffentlichen Wahrnehmung sind es häufig weiterhin Männer, die Themen voran bringen. Das liegt teilweise an der medialen Darstellung oder einfach daran, dass andere Rollen zugedacht werden: Assistentinnen, Moderatorinnen, Back office.

Bei diesem Post handelt es sich natürlich um eine rhetorische Frage, denn gerade Frauen sind in der Online-Kommunikation kompetent vertreten. Wenn es aber offiziell wird, tritt das namentlich noch zu selten in Erscheinung.

Das partnerschaftliche Zusammenwirken von Martin Luther und Katharina von Bora, der Lutherin, war für die damalige Zeit mehr als ungewöhnlich. Es ist also zu hoffen, dass man 500 Jahre später in deutschen Landen hier ein entsprechendes partnerschaftliches Bewusstsein entwickelt, das nicht nur, aber auch medial, deutlich wird.

Die Reform(ation).

Der digitale Wandel, das spüren allmählich viele, wird unsere Welt auf den Kopf stellen. Das Lernen und damit die Bildung verändern, vielleicht auch das Menschenbild, wenn wir an den Einsatz von Robotern (Alexa, Siri & Co.) denken, die schon jetzt ganz selbstverständlich zu unserem Alltag dazu gehören.

Die Reformation setzte sich durch, weil bestimmte Bedingungen zusammen kamen: Martin Luther lehrte an einer neugegründeten, jungen Universität, es gab keine verkrusteten Strukturen, alles war noch offen, formbar. Keine Platzhirsche, die das Feld bereits beherrschten.

Der gerade erfundene Buchdruck beschleunigte die Verbreitung des Wissens und diente der Volksbildung und freien Meinungsäußerung.

Die Epoche der Reformation lehrt uns, dass Innovationen bestimmte Rahmenbedingungen brauchen, Förderer, kreative Räume, vielleicht auch eine Unbeobachtetheit in der Pionierphase.

Gleichzeitig zeigt die blutige Seite der Reformation aber auch, welche Auswirkungen Veränderungen haben können, wenn sie nicht ordentlich gemanaget oder begleitet werden.

Was uns die Epoche Martin Luthers lehrt:

  • Wie unmerklich klein die großen Dinge begonnen haben.
  • Die Welt, die im Wandel ist, ahnt häufig selbst nicht, dass eine neue Zeit anbricht.
  • Reformer sind selten die Selbsternannten, sondern die, die sich mit aller Kraft für Themen eingesetzt, sich darauf konzentriert und damit letztlich etwas bewegt haben.
  • Es braucht Zweifler, die plötzlich die Regeln in Frage stellen und etwas Neues ausprobieren.
  • Er war ein mittelalterlicher Blogger, denn sein Leitsatz war: „Durch Schreiben kann man etwas bewegen.“
  • Wenn man die Menschen erreichen will, muss man ihre Sprache sprechen.
  • Der Buchdruck war damals, was heute die Online-Kommunikation ist. Ein Beschleuniger des Wortes und ein wesentlicher Zugang zu freier und einfacher Bildung.
  • Bildung besteht aus Bildern. Neue Bilder formen den Geist um. Der umgebildete Geist bildet neue gesellschaftliche Strukturen.
  • Aus einem ängstlichen eher schüchternen Menschen kann ein Starker werden, wenn die Berufung stimmt.
  • Rückzüge, Natur und Stillezeiten (Offline-Zeiten) fördern Fortschritt, Kreativität und Qualität.
  • Verkrustete Strukturen verhindern eher, während neue, offene, noch formbare Lernstätten innovatives Denken und Arbeiten fördern.

 

Inspiriert zu diesem Beitrag wurde ich durch die Lektüre des Buches „Martin Luther und Katharina von Bora“ von Petra Gerster und Christian Nürnberger.

 

 

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Frauen.Macht.Caritas.

Happy Birthday!!

Am 27. Februar 2016 wurde der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. 100 Jahre alt!

Als wir vor ein paar Monaten Vorschläge sammelten, wie dieses besondere Ereignis begangen werden könnte, sprachen wir darüber, dass in den vergangenen 100 Jahren zwar weit aus mehr Frauen als Männer bei der verbandlichen Caritas  beschäftigt sind und waren, in den Chroniken aber eher Männer auftauchen. So entstand die Idee, Frauen der letzten 100 Jahre sichtbar werden zu lassen und deren Arbeit in Ehrenamt oder Beruf zu würdigen, mit der sie viele Menschen im Namen der Caritas inspiriert und begeistert haben.

Im Jubiläumsjahr 2016 wollen wir daher hundert dieser Frauen ein Gesicht geben.

Frauen und Männer sind also aufgerufen, Frauen vorzuschlagen, die Eurer Meinung nach die Arbeit der Caritas im Erzbistum Köln maßgeblich inspiriert und gestaltet haben.

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Wenn Ihr Interesse habt teil zu nehmen, dann macht auf http://www.frauen-macht-caritas.de einen Vorschlag. Die Seite geht zum Weltfrauentag am 8. März online! Und auf Facebook könnte ihr jetzt schon täglich aktuelle Infos zum Thema mitverfolgen.

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„Ich bin ein Weib und obendrein kein Gutes.“ – Teresa von Avila

„Gott will, dass der Mensch seinen Spaß hat.“

Eine Frau, die Sprüche sagt wie  „Gott will, dass der Mensch seinen Spaß hat“ oder „Vor albernen Andachten behüte uns Gott.“ ist mir spontan sympathisch. Erst recht, wenn ich höre, dass es sich um eine katholische Ordensschwester aus dem Mittelalter handelt.

Teresa von Avila. Eine große Mystikerin. Das Buch meines Lebens, ihre Autobiographie, und Ich bin ein Weib und obendrein kein Gutes, ihr spirituelles Ringen, sind wichtige Werke.

Sie muss eine unglaublich selbstbewusste Frau gewesen sein, die den innerkirchlichen Widerständen entgegentrat und 17 Frauenklöster gründete, weil sie ein tiefes Gottvertrauen hatte.

„Gott und ich zusammen, wir sind immer die Mehrheit.“

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Gertrud Luckner

In diesen Tagen, in denen Staatschefs aus Frankreich, Russland, den USA, England und Deutschland in der Normandie der Greueltaten des zweiten Weltkriegs gedenken, ein aktueller Konflikt in der Ukraine das europäische Friedensprojekt bedroht und ein  Wahlergebnis der Europawahl rechtsgerichteten Kräften Aufwind gibt, ist es gut, sich an Gertrud Luckner zu erinnern, die sich mutig allem Terror und Kriegsgehabe widersetzte.

Ich begegnete Getrud Luckner das erste Mal, nachdem sie bereits verstorben war. Das war im Jahr 2006. Die damalige Geschäftsführerin der Jury, die heutige Diözesan-Caritasdirektorin von Berlin, Frau Prof. Dr. Ulrike Kostka, fragte mich, ob ich Interesse hätte, den Vorsitz des  Gertrud-Luckner-Preises zu übernehmen. Ich habe gerne zugestimmt und mich mit Interesse mit den eingereichten Arbeiten und mit der Person Gertrud Luckner beschäftigt. Ihre Biographie habe ich verschlungen. Sie ist leider vergriffen. Ich fände es wert, dass sie nachgedruckt wird.

Nach Auskunft von Zeitzeugen muss Gertrud Luckner wohl Haare auf den Zähnen gehabt haben, aber die brauchte sie wohl auch, um die Aufgabe wahr zu nehmen, zu der sie berufen war. Sie schleuste Juden aus Nazideutschland heraus und sicherte zahlreichen Menschen das Überleben. 

Gertrud Luckner wurde am 26. September 1900 in der Nähe von Liverpool in England unter dem Namen Jane Hartmann geboren. Sie wuchs als Pflegekind bei deutschen Eltern auf, die sie im Alter von 22 Jahren adoptierten. 
Sie studierte in den zwanziger Jahren Volkswirtschaft in Freiburg. Dabei verdiente sie ihren Lebensunterhalt mit Familienfürsorge, Mütterberatung, Sprachkursen und Berufsberatung. 
 „Eine kleine, hübsche, temperamentvolle Person, immer mit dem Fahrrad unterwegs“ – so charakterisierte sie ein Freiburger Weggefährte. 
Als überzeugte Pazifistin wurde sie 1934 römisch-katholisch getauft und begann1935, nach der Verabschiedung der Nürnberger Gesetze, verfolgten Juden bei der Flucht zu helfen. Um sie hierbei zu unterstützen, richtete der Deutsche Caritasverband 1936 ein eigenes Referat für ausserordentliche Seelsorge ein. Hier konnte sie geschützt durch den Freiburger Erzbischof ihre Arbeit fortsetzen.