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Digitale Teilhabe durch Innovations -Labore

Aktuell wird im Landtag in Nordrhein-Westfalen darüber beraten wie Chancen der Digitalisierung genutzt werden können.

Hier sind soziale Innovationen noch nicht hinreichend im Blick.

Sie werden – gemeinsam mit technischen und wirtschaftlichen Innovationen – darüber entscheiden, wie lebenswert unser Land im nächsten Jahrzehnt sein wird. 

Gerade in Regionen mit hohem demographischen Anpassungsdruck können soziale Innovationen, insbsondere auch Innovationen zur Lösung sozialer Probleme im engeren Sinne, als zentrale Voraussetzung gelingenden Strukurwandels und neuer Prosperität angesehen werden. Die Initiierung von sozialen Innovationen darf nicht dem Zufall überlassen werden. Es sind dafür all jene Formate zu nutzen, die sich aktuell als state of the art der Innovationsförderung bewährt haben. 

Damit dies gelingt, empfehlen wir die Einrichtung eines tragfähigen Innovationslabs mit Ausstrahlungswirkung.

Was ist ein Innovationslab?

Innovations- und Kreativlabs sind physische oder virtuelle Räume, in denen der Austausch von Wissen, Ideen und Informationen im Mittelpunkt steht. Es handelt sich um Experimentierorte, die sowohl langfristig als auch zeitlich befristet genutzt werden können. 

InnovationsLabore sind eine digitale Drehscheibe für soziale Innovationen.

Kreative und innovative Prozesse werden in LABs durch die Bereitstellung entsprechender Infrastrukturen, Services und Methoden der (gemeinschaftlichen) Wissensgenerierung unterstützt. 

Sie zeichnen sich in der Regel durch einen Cross-Innovation-Ansatz aus. Das bedeutet, dass in LABs branchenübergreifend und in interdisziplinären Konstellationen gearbeitet wird. 

Ebenfalls schließt der Cross-Innovation-Ansatz die Beteiligung von Kreativschaffenden bzw. Unternehmern, Freelancern oder Freischaffenden aus der Kreativwirtschaft an gemeinschaftlichen Arbeiten in LABs ein.

So lautet die Definition des Projekts Zukunft der Initiative für Wirtschaft, Technologie und Forschung LABs als neue Treiber von Innovation“.

Wesentliche Defizite bei den Versuchen soziale Innovationslabs zu schaffen, können darin gesehen werden, dass

a) die Initiatoren (innovative consulting-Firmen, start ups etc.) keinen strukturierten Kontakt zu den Trägern sozialer Dienstleistungen (Wohlfahrtsverbände etc.) hatten 

b) die öffentliche Förderung von LABs stark auf die o.a. Kategorien zugeschnitten waren, die für soziale Innovationen nicht gut passen

c) soziale Dienstleistungsunternehmen weniger Spielräume haben in start-ups und (digitale) Innovationen zu investieren, weil das hohe Risiko des Scheiterns (von 10 Start-ups heben zwei ab) und die Notwendigkeit bei der Entwicklung und für die Anlaufphase in Vorleistung zu treten, die sozialen Akteure im Vergleich zu Konzernen mit industrieller Fertigung überfordert.

Es erscheint uns als  Caritas daher dringend überfällig, ein „unternehmenseigenes“ Lab zu schaffen und damit einerseits die Innovationsbereitschaft der Caritas zu stärken und den Caritasverband als Treiber sozialer Innovationen zu nutzen, andererseits die o.a. Defizite modellhaft zu überwinden und damit Impulse über die Caritas hinaus zu setzen.

Ein LAB der Caritas müsste, um erfolgreich zu sein, Elemente eines Grassroot Lab und eines Coworking-Lab aufnehmen, – innovative Start-ups, regionale Akteure und Betroffene müssten von Anfang an in die Entwicklung eingebunden sein. Ohne eine enge Kooperation mit Hochschulen ist ein CaritasLAB nicht vorstellbar. 

Es bedarf für den Erfolg einer Anschubfinanzierung der öffentlichen Hand, die – als Strukturförderung verstanden – auf 5 Jahre angelegt sein sollte.

Das CaritasLAB braucht idealerweise eine regionale Umgebung, in der es sich als Treiber eines regionalen Strukturwandels bewährt und in der die Dringlichkeit sozialer Innovationen als Motivator täglich spürbar ist.

Das in der Ruhrregion geplante CaritasLab des Diözesan-Caritasverband für das Bistum Essen kennzeichnet sich dadurch aus, dass für drängende soziale Fragen ein Raum geschaffen wird, der Innovationsprozesse durch die gezielte Einbindung externer Experten und Expertinnen (u.a. Kreative, Unternehmen, Forschungs- und Entwicklungs-Einrichtungen) unterstützt. Den externen Partnern werden Leistungen und Programme angeboten, die Resultate ihrer Arbeit fließen wiederum in die Umsetzung von Unternehmenszielen ein.

Damit entsteht gleichzeitig ein Ort, der neue Form des Lernens online und offline erprobt und gleichzeitig als LAB Academy Basisseminare für Einsteiger anbieten wird.

Organisationsform

Das CARITASLAB ist ein Kooperationsverbund, der getragen vom DiCV Essen für weitere interessierte Caritasorganisationen offen ist. Sein Standort ist Essen – im Herzen des Ruhrgebiets. Während Berlin und München sich als Zentren einer auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgerichteten Start-up Szene etabliert haben, besteht die Chance im Ruhrgebiet ein Zentrum des „Tech4Good“ zu schaffen. Im Mittelpunkt der Start-up- und Innovationsszene, die vom CaritasLAB angelockt und initiiert werden soll, stehen Fragen sozialen Wandels und Zusammenhalts. 

Da es innerhalb der Caritas bereits eine kleine Szene von Digitalexpert/innen gibt, die u.a. bereits gemeinsam ein BarCamp der sozialen Arbeit verantworten, das jährlich innovative Ideen hervor bringt, könnte diese in Form eines Projektbeirats eingebunden werden.

Finanzierung

Das LAB braucht Mittel für Räume, Projektmitarbeiter/innen, Sachmittel und den Einkauf von Dienstleistungen von externen Partnern, z.B. zur Durchführung von Hackathons und Entwicklung von neuen Technologien. 

Das LAB wird fünf Jahre lang über eine Anschubfinanzierung finanziert, um im Rahmen einer Experimentierphase zu ergründen, wie das LAB nachhaltig organisiert sein sollte.

Neben der Ausstattung und Einbindung der Partner könnte eine Innovationsförderung lokale Aktivitäten, neue Geschäftsmodelle, start ups etc. anschieben.

Für Ausstattung und Fonds sollten für den Gesamtzeitraum insgesamt 10 Mio. Euro zur Verfügung gestellt werden.

Parallel zu dieser Phase wird eine nachhaltige Finanzierung entwickelt, die sich aus Crowdfunding, Erlösen, Sponsoren und Mitgliedsbeiträgen zusammensetzen wird.

Mit dem CariLab werden wegweisende Innovationen, Strukturefekte für die Region und neue Organisationsformen der sozialen Arbeit entstehen.

 Most people are really those who save a specific problem 

they want to solve and know 

that they find the tools with us and then they stick around.“

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Hat Snapchat das Potential, die neue Sesamstrasse zu sein?

Das ist ja mal eine ganz besonders „fromme“ Osterlektüre, die ich mir da ausgesucht habe.

Vor mir liegt das Buch „Silicon Valley“ von Christoph Keese. Als ich den Titel las, dachte ich, oh weia, wie will das Buch jemals diesem Titel gerecht werden.

Und es tut es doch. Das kann ich jetzt nach der Hälfte der Lektüre schon sagen.

Je mehr ich mich darin vertiefe, umso mehr begreife ich, was der Lesestoff mit Ostern zu tun.

Er bedeutet Aufbruch. Neuanfang. Zukunft.

So wie vielleicht das soziale Netzwerk Snapchat auch. Es steht für eine neue Generation von social media.

In Social Media in der sozialen Arbeit habe ich eine Einführung geschrieben wie soziale Netzwerke in der sozialen Arbeit genutzt werden können.

Sozialarbeit 4.0 gibt Beispiele wie das Digitale die soziale Arbeit verändern wird. Vielleicht fangen einige gerade an, sich an dieses Neue zu gewöhnen, da kommt das Nächste um die Ecke.

Bei dem Event Rock the Blog  im Rahmen der Cebit konnte ich erleben, dass Snapchat in der Szene in Deutschland als der neuste Hit schlechthin gewertet wird und youtube mittlerweile in den Schatten stellt. Youtube Stars und Sternchen wechseln bzw. haben längst zu snapchat gewechselt.

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Warum ist Snapchat so trendy?

Facebook, Instagram und Co. rücken ein wenig in den Hintergrund. Sie wirken im Vergleich wie starre Webseiten aus dem Zeitalter 1.0.

Snapchat hingegen ist leicht, lustig und unterhaltsam. Außerdem verschwinden die Snaps nach spätestens 24 Stunden wieder.

Andere sehen nicht die Anzahl Deiner Follower. Es gibt keine für alle sichtbaren Likes und Kommentare und Du selbst rückst ganz schön in den Fokus.

Ich war eigentlich überhaupt nicht der Selfietyp und wollte das gerne der jüngeren Generation überlassen, aber mit Snapchat habe ich gelernt, dass persönlich gesprochene Videos, in denen Du selbst zu sehen bist, einen Unterschied machen. Es wird ganz schön authentisch – noch mehr als im Blog.

Der Harvard Professor Clayton M.Christensen, Jahrgang 1952, dessen Hauptwerk „The Innovators Dilemma“ von 1997, das laut Christoph Keese (Silicon Valley) zu den einflussreichsten Wirtschaftsbüchern der Nachkriegszeit gehört, hat gesagt:

„Nicht die stärkste Art überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern die wandlungsfähigste.“

Was aber wird dies alles für die soziale Arbeit bedeuten?

Häh? Warum Sesamstraße?

Die Sesamstrasse ist ein Symbol für eine frühe Form medialer Lerntools für Kinder, die nur geringe Zugänge zu Bildung hatten.

Snapchat ist das Symbol für den Kulturbruch, der sich auch in Deutschland langsam Bahn bricht. Der Kultur des Silicon Valleys, die die neue Leitkultur des digitalen Zeitalters sein wird.

„Der freie, ungehemmte Austausch von Menschen auf kleinstem Raum“, so beschreibt Keese die Arbeits- und Lernkultur im Valley. Räumliche Distanz behindert Kreativität, ebenso steifer gesellschaftlicher Umgang oder soziale Konventionen.

Darin liegt das Potential von Snapchat & Co. für die soziale Bildungsarbeit. Wir brauchen in der Bildung neue Ansätze. Es scheint, dass sich seit den medienpädagogischen Anfängen wie der Sesamstraße die Tools und Konzepte für Kinder und Jugendliche, für die das System Schule nicht die geeigneten Bildungszugänge bereit hält, wenig getan hat.

Potentiale von Snapchat in Bildung & Erziehung.

Die Pflänzchen sind sicher noch zart, aber treiben doch schon ein paar schöne Blüten wie diese Beispiele und Anregungen zum Einsatz von Snapchat in der Bildung hier zeigen:

Das Blog Kulturfritzen hat mit einer Serie über berühmte Frauen eine Woche lang täglich eine berühmte Frau herausgestellt und am Ende einen Katalog verlost.

Die Firma REWE nutzt Snapchat als Instrument zur Fachkräftegewinnung, in dem es gerade die jungen Menschen ansprechen und interessieren will.

Per Snapchat-App live dabei im Duisburger Praktikanten-Alltag

Das Blog Medienpädagogik Praxisblog hat im Rahmen einer kleinen Serie den Nutzen beschrieben.

Im Englischen gibt es auch ein paar Beispiele z.B. Teachers Guide für Snapchat  und den Einsatz von Snapchat als Vokabeltrainer.

Das Bistum Münster nutzt als erstes Bistum Snapchat, um unter dem Nutzernamen ,BistumMS_digi‘ unkonventionell über Kirchenthemen zu plaudern, verfasst Rätsel und nimmt Nutzerinnen und Nutzer mit zu Veranstaltungen.

Unter dem Nutzername Presseschau geben Volontäre aktuelle Titelstorys der Tageszeitungen an und bewerten sie. Ziel: Den Followern kurz und einprägsam einen Überblick über die wichtigsten News des Tages zu geben. Sie geben auch hilfreiche Erfahrungswerte weiter.

Auch das europäische Parlament gibt interessante Infos über Snapchat, Benutzername europarl .

Sehr unterhaltsam auch die fundierten juristischen Ratschläge von Rechtsanwalt Thomas Schwenke auf Snapchat.

Fazit

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich mir für dieses Jahr so einiges vorgenommen habe, was das Thema Digitalisierung und soziale Arbeit betrifft.

Ich besuche mehr oder weniger systematisch Events der digitalen Szene und bekomme ein Gespür dafür, wie sehr analoge und digitale Welt noch getrennt von einander zu sein scheinen.

Ich möchte Konzepte entwickeln und diskutieren, wie der Transfer zwischen den beiden Welten gelingen kann, damit soziale Arbeit auch auf dem neusten Stand bleibt und das tut, was sie am besten kann: die Probleme derjenigen zu lösen, die in Not geraten sind.

Und mein Fazit: ja, absolut! Snapchat hat viel Potential, die neue Sesamstrasse zu werden.

Mehr noch, es steht symbolisch für eine neue Lern- und Arbeitskultur, die das Valley gewollt oder ungewollt auf uns überträgt.

 

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Bildung für alle. Mit #EdTech.

„Dies … ist ein Loblied auf die Schule,
 aber es ist möglich, dass die Schule es nicht merkt.“
Heinrich Spoerl – Feuerzangenbowle

Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge der Medienpädagogik zum Ende der 80er Jahre, als wir an der Universität zu Bonn voller Stolz unser neu eingerichtetes Videostudio begutachteten und gleichzeitig auf die drohenden Gefahren des Fernsehens und der Werbepsychologie hingewiesen wurden.

Irgendwie hat sich seitdem nicht all zuviel verändert, will mir scheinen. Erziehungsverantwortliche haben immer noch Angst vor Produktwerbung und zu viel Medienkonsum. Dabei hat die Wirkungsforschung heute wie damals bewiesen, es ist nicht das Medium selbst, das den Jungen und Älteren schadet, sondern der bewusste oder unbewusste Umgang damit.

Denn wegen all dieser Befürchtungen droht unsere (deutsche) Gesellschaft gerade den Anschluss zu verlieren und die Chancen zu verpassen, die in der technologiegestützten Bildung liegen. Welche Wirkung hier entfaltet werden kann und konnte, liess sich schon am Beispiel Sesamstrasse während meines Studiums nachweisen, die Kinder in der Bronx das Alphabet lehrte.

Bildung.

Was genau ist eigentlich Bildung? Bildung und Erziehung sind zwei Seiten einer Medaille. Die englische Sprache kennt auch nur ein Wort: „Education.“ Okay. Das ist also geklärt.

Das deutsche Wort Erziehung wird auch zunehmend vom Begriff Bildung abgelöst. Auch, um der Ganzheitlichkeit des Anliegens zu genügen. Das ist auch der Grund dafür, dass das Kindergarten Gesetz in NRW zuletzt Kinderbildungsgesetz (Kibiz) genannt wurde.

Das Wort Erziehung impliziert, dass ein Mensch gezogen werden muss. Die moderne Erziehungswissenschaft hingegen orientiert sich an den Talenten und Kompetenzen, die in Kindern schlummern und will sie fördern und hervor holen. Dieses ganzheitliche Verständnis von Bildung geht zurück auf das Humboldt’sche Bildungsideal.
Ein wichtiger Punkt in diesem Kontext ist die Kreativität, die schöpferische Kraft, die in jedem Menschen vorhanden ist. Und zu ihr gehört die Leidenschaft und Energie, die Menschen bei ihrem Engagement bestimmter Aktivitäten antreibt.
Bildung bedeutet also, den Einzelnen zur Entfaltung dessen zu führen, was bereits in ihm schlummert.

Langezeit beschränkte sich dieses Ideal jedoch hauptsächlich auf jene, die wegen oder trotz der Schule Leistungen erbringen können.

Kinder, die andere Rahmenbedingungen zum Lernen benötigen, wurden vernachlässigt.

Mediale Wege der Bildungsförderung wie Sesamstrasse blieben Ausnahmen.

Ein schöner Film, der zeigt, dass Bildung ohne Schule möglich ist, ist Alphabet.

Educational Technology (EdTech).

Educational Technology (Bildungstechnologie) ist der effektive Nutzen von neuen Technologien zum Lernen. Das Konzept beinhaltet ein Sortiment von Medien, Maschinen und Smartphones und analysiert die Grundlage der theoretischen Perspektive für deren effektive Anwendung.

„Bildungstechnologie beansprucht nicht, Lernprozesse zu verursachen oder zu kontrollieren, sondern Lernprozesse zu fördern. Bildungstechnologie gibt Hinweise darauf, wie eine Lernumgebung gestaltet werden kann, in der Lernprozesse optimiert werden. Die Förderung beinhaltet das Design der Umgebung, die Organisation der Ressourcen und die Bereitstellung von Werkzeugen. Die Lernprozesse finden in face-to-face-Settings oder in virtuellen Lernumgebungen statt (z. B. als Fernlernen).“ heisst es in Wikipedia.

Zu den mediengestützten Lernformen gehören eLearning und collaboratives Lernen. Aus diesem Gedanken heraus ist auch der Classroom 2.o entstanden bzw. das virtuelle Klassenzimmer, das grenzüberschreitend mit Blogs und Skype Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Schulen und Länder zusammen führt.

Audio und visuelle Medien werden ganz selbstverständlich im Unterricht eingesetzt. Neben YouTube hat sich inzwischen ein TeacherTube entwickelt, das Lehr- und Lernmaterialien bereit hält.

Computer, mobile Endgeräte und Tablets sind wichtige Voraussetzungen solcher Unterrichtsformen. Sie sind der Einstieg in das kreative Lernen und Arbeiten mit Wikis, Blogs und Twitter.

Tipp!

Jeden Dienstag gibt es auf Twitter einen Austausch zu Bildungstechnologien zu einem Schwerpunktthema unter dem Hashtag #EdChatDE. Mehr Infos gibt es hier.

 

Was bedeutet EdTech für die soziale Arbeit?

Auch, wenn sich Bildungstechnologien  in Deutschland nur langsam durchsetzen, stellt sich doch die Frage wie sie für die soziale Bildungsarbeit genutzt und weiterentwickelt werden können. Könnte Gamification hier eine Lösung sein?

Folgt man dem Bildungsbegriff müssen sich Lerntools und Bildungssettings an den individuellen Bedarfen der Kinder und Jugendlichen orientieren. Bei bildungsferneren Kindern sind erlebnispädagogische Angebote der ausserschulischen Jugendhilfe häufig besser geeignet als starre Schulformen. Technologieunterstützte Bildungsangebote wie beispielsweise Geocaching entfalten hier ihre Wirkung. In Social Media von A – Z findest Du eine Reihe von Tools und Möglichkeiten, bildungsfördernde Methoden in der sozialen Arbeit einzusetzen.  Und trotzdem steht die Bildungstechnologie gerade, was das Thema bildungsfernere Menschen betrifft, erst am Anfang.

Die aktuelle Flüchtlingssituation in Deutschland gibt dem Thema eine neue Dynamik. Apps, online-Kurse und Netzwerke schießen wie Pilze aus dem Boden und zeigen gute Beispiele wie digitale Bildung Inklusion fördert.

In den USA und Großbritannien gibt es bereits seit einigen Jahren Ansätze, die dieses Ziel verfolgen. Projekte, die kostenlos Tablets und Computer an Menschen in einkommensschwachen Stadtteilen verteilen und darüber mit den Eltern und Kindern in Kontakt bleiben, wenn es etwa darum geht, Hausaufgaben zu machen. Eltern- und Bildungsarbeit läuft hier über das Tablet. Bildungsinhalte werden individuell auf Kinder zugeschnitten. Der Computer rechnet aus, welche nächste Leistungsstufe für das Kind sinnvoll ist.

 

Was ist zu tun?

  • In Einrichtungen der sozialen Arbeit und Schulen Bildungstechnologien zur Verfügung haben
  • In Schulungen und Workshops zum Experimentieren einladen
  • Barcamps anbieten, die zur Entwicklung neuer Technologien animieren

Gerade bei bildungsferneren Kindern droht die Gefahr, dass sie die kreativen Potentiale nicht zu nutzen lernen. Sie verlieren damit schon früh den Anschluss, den sie später nicht mehr aufholen werden.

Von daher: lasst uns anfangen!

Lust auf mehr? Praktische Beispiele und  Speziell für Flüchtlinge .

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Der, die das – wieso, weshalb, warum… – Von der Sesamstrasse zur EdTech.

In unserem Projekt Bildung geht auch anders zielen wir darauf ab, bildungsferneren Kindern und Jugendlichen Zugänge zu Bildung zu schaffen. Dabei bezweckt das Projekt in erster Linie zu verdeutlichen, dass Bildung bei weitem nicht nur in der Schule, sondern an ganz vielen Lebens- und Lernorten passiert. Allein innerhalb der Jugendhilfe haben wir hierfür  50 gute Beispiele gefunden. Kinder- und Jugendhilfeträger sind neben Schule und Elternhaus wichtige Lebens- und Lernwelten.

In der außerschulischen Welt erleben Kinder und Jugendliche in der Regel eine wohltuende andere Erlebniswelt, die sich von den Methoden der Schulwelt häufig erheblich unterscheidet. Unter anderem auch darin, dass sie mit weit aus mehr Spiel, Spaß und Abenteuer und mit weit aus weniger Druck arbeitet. Noten und Abschlüsse spielen eine untergeordnete Rolle. Ausprobieren, Kreativität und soziale Kompetenzen stehen im Vordergrund.

Neben den Methoden der Erlebnispädagogik, Gruppenarbeit und dem sozialen Lernen, das in der Jugendarbeit von jeher eine Rolle spielt und erst langsam nach und nach auch im Schulalltag Einzug hält, spielt sei dem standardmäßigen Einzug des Fernsehers in die Haushalte, das Thema „Neue Medien“ eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Lernprozessen. Schon Ende der 60er Jahre wurde die Sesamstraße zunächst in den USA und später in Deutschland als eine Sendung mit pädagogischen Inhalten entwickelt, um bildungsferneren Kindern, von denen angenommen wurde, dass sie viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, Bildung zu vermitteln bzw. schlicht zu alphabetisieren. Die Mischung von Videos, Animationen, Humor und kulturellen Inhalten sollte die Kinder bei der Stange halten. Dabei galt die Sesamstraße als ein Symbol für einen sonnigen und coolen Lernort, wo jede/r gerne sein wollte. Viele ähnliche Konzepte sind danach entstanden, die wir aus Kindertagen kennen.

Auch in der Medienpädagogik wuchs die Erkenntnis, dass Fernsehen nicht nur eine böse Droge ist, sondern auch pädagogische Vorteile haben bzw. pädagogische Methode sein kann.

Mittlerweile haben weltweit viele Menschen tagtäglich non-stop kleine Geräte in ihren Händen und probieren sich im Herunterladen von Apps, schauen sich Videos an, lesen, schreiben (wann haben Schüler/innen je so viel geschrieben wie zur heutigen Zeit?) und kreieren neue Filme, Audios etc. Das gleiche Prinzip wie Sesamstraße nur viel interaktiver.

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Die alte Lernpyramide hat sich ein Stück überholt, da Lernen nicht mehr nacheinander sondern interagierend geschieht.

Lerninhalte, auch wenn sie teilweise gar nicht als solche wahrgenommen werden, werden sofort verarbeitet, weitergeleitet, reflektiert und damit auch begriffen. Und in der Schnelligkeit sind uns die jungen Menschen in vielem voraus. Die Technologie stellt für sie überhaupt kein Problem mehr dar. Sie bedienen und durchdringen sie nahezu blind. Ein miliueübergreifendes Phänomen.

Während die ältere Generation noch damit beschäftigt ist, vor den Gefahren zu warnen, hat die jüngere Generation schon wieder etwas dazu gelernt.

Für manchen Menschen mit Behinderung bietet die digitale Unterstützung Zugänge, Kommunikationsfreiheit und Socialising.

EdTech Cheat Sheet

Die Methodenvielfalt wächst von Tag zu Tag. Das Prinzip Sesamstraße ist multikomplex in unserer heutigen digitalen Welt vorhanden und erleichtert bei richtigem Einsatz gerade den Kindern und Jugendlichen, für die Lernen auf althergebrachte Weise nicht die geeignete Form darstellt, spielerisch und über individuelles Lernen weiter zu kommen.

Schule, Jugendhilfe und Internetwelt können voneinander lernen und Bildungsprozesse miteinander gestalten, wenn sie Menschen haben, die entsprechende Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang besitzen. Nur auf die Gefahren hinzuweisen, wie es viele Lehrer/innen heute tun, weil sie selbst den Umgang scheuen, hilft hier nicht weiter, sondern verhindert Chancen.

Pädagog/innen sind Gestalter/innen und Entwickler/innen. Lehrer/innen sind mehr denn je gefordert, mit den anderen Akteur/innen in der Lebenswelt des Kindes zusammen zu arbeiten und den Bildungsprozess zu begleiten und nicht nur den Wissenstrichter aufzufüllen.

Dieser Artikel ist ein Beitrag zur Blogparade Mit digitalen Medien besser lernen? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? der Bertelsmann-Stiftung, mit dem ich gerne auch eine Brücke zwischen unterschiedlichen Lernwelten schlagen möchte, damit sie zusammen gesehen und zusammengeführt werden.

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Digitale vs. non-digitale Bildung?

Heute zelebriert die USA den German-American Day, einen Feiertag, der jährlich am 6. Oktober begangen wird. Der Feiertag soll an das deutsche Erbe erinnern und nimmt Bezug auf den 6. Oktober 1683, als 13 deutsche Familien, die aus Krefeld in die Nähe von Philadelphia übersiedelten, dort Germantown gründeten. 

Auch bei den Themen Bildung und Erziehung gibt es ein deutsches Erbe:  der erste englischsprachige Kindergarten in den USA war ein Exportschlager aus Deutschland. Elizabeth P. Peabody, die ihn 1860  einrichtete, orientierte sich am Konzept des deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel. Umgekehrt orientieren wir Deutschen uns gerne an amerikanischen Langzeitstudien, z.B.  NICHD Study of Early Child Care, wenn es um die Überprüfung der Wirksamkeit von unterstützenden frühen Hilfen bei Kindern, insbesondere Kleinkindern, geht.


Aktuell greift eine amerikanische Entwicklung tiefgreifend in unseren Alltag ein: die Digitalisierung der Bildungs- und Sozialarbeit. Im Gleichschritt mit dem rasanten technologischen Wandel müssen Bildungsinstitutionen mit ihr leben lernen und Kinder und Jugendliche begleiten, für die sie schon tagtägliche Realität sind.

So stellt sich natürlich die Frage, welche Vor- und Nachteile die Digitalisierung auf Erziehung und Bildung hat. Einerseits lesen wir, dass viele Mitarbeiter/innen von IT Branchen ihre Kinder auf einer Waldorfschule im Silikon Valley anmelden, weil deren Charme darin besteht, dass Computer, Smartphones & Co. verboten sind. Andererseits hören wir von einem  New Classroom Konzept, das ganz auf individuelles Lernen in kleinen digitalen Lernsettings setzt, damit besonders Schüler/innen, die in regulären Schulsettings nicht mitkommen würden, gute Bildungschancen erhalten.  

Die Wahrheit liegt sicher in der Mitte. Solange die Technik unterstützt und nicht beherrscht und das Leben einfacher macht und nicht komplexer, ist ein Gewinn darin zu sehen. Andererseits braucht der Mensch eine Erziehung, die ihn ganzheitlich fördert. Hierfür steht besonders Rudolf Steiner ´s Waldorfpädagogik. Hier verfolgen Waldorfpädagogik und New Classroom Konzepte vergleichbare Ziele: das Individuum steht im Mittelpunkt der Erziehung.