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Vernetzte Gesellschaft: Lobbyarbeit digital.

Interessenverbände stehen wie alle anderen Organisationen vor großen Herausforderungen, wenn sie sich dem digitalen Wandel stellen wollen.

Alle Arbeitsbereiche sind davon betroffen. Die Praxis erreicht ihre Klienten mittlerweile besser über das Internet als über klassisches Streetwork und bietet Chatberatung für Schwangere, mobile Straßenzeitungen oder Fachkräfteportale für Pflegeberufe an.

Aber auch und besonders die Spitzenverbände sind gefordert, nicht nur Vorreiter/innen zu sein, sondern auch ihre Kernarbeit zu verändern.

Zu den Kernaufgaben von Spitzenverbänden gehören: Information und Beratung ihrer Mitglieder, Fördermittelakquise und Fundraising, Fort- und Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit und in erster Linie sozialpolitische Interessenvertretung.

Paradigmenwechsel.

Und genau hier, in der sozialpolitischen Interessenvertretung, zeichnet sich gerade ein Paradigmenwechsel ab.

Sozialpolitische Interessenvertretung geschieht in Verbänden seit ihrer Entstehung in Gremien. Analog den Strukturen, die wir auch aus der Politik kennen, stimmen sich Menschen in Landes- und Bundesarbeitsgemeinschaften ab und bearbeiten in aufwändigen Prozessen wichtige Positionen.

Die Schnelllebigkeit der Zeit bewirkt gleichzeitig, das macht uns die Politik vor, dass politische Entscheidungsprozesse mittlerweile auch auf anderen Kanälen zustande kommen.

Die amerikanischen Wahlkämpfe belegen das mit guten und schlechten Beispielen wie Wahlkämpfe überhaupt. Aber nicht nur das. Auch Koalitionsverhandlungen und Gesetzgebungsverfahren finden mittlerweile im Internet statt.

Beispiel Kinder- und Jugendhilfereform.

Im Jahr 2016 stand eine große Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (Sozialgesetzbuch VIII) auf der politischen Agenda, die sogenannte „große Lösung“, die darauf abzielte, dass Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung in das Sozialgesetzbuch VIII aufgenommen werden. Endlich eine Gleichbehandlung aller Kinder und Jugendlicher! Dafür waren wir auch als Verbände der Freien Wohlfahrtspflege. Aber nicht zu den Rahmenbedingungen, die damals politisch gewollt waren.

Das Gesetzgebungsverfahren rollte interessanterweise auch gar nicht im klassischen Sinne an, heißt, es gab keinen „Referentenentwurf“, der dann wie immer, den Interessenverbänden hätte vorgelegt werden müssen. Es gab ein Diskussionspapier. Hört sich unverfänglich an. Manche Vertreter/innen von Wohlfahrtsverbänden verweisen daher darauf, dass sie warten würden, bis der Referentenentwurf da wäre.

Zu befürchten war, dass das Gesetz in einem Eilverfahren durchgesetzt würde, damit es noch in der aktuellen Legislaturperiode als Ergebnis gewertet würde. Solche Schnellschüsse vergleichbar der Arbeitsmarktreform im Jahr 2002, die unmittelbar vor Weihnachten am 23.12. durch den Bundestag eilte und im Nachgang erhebliche Mängel zeigte, sollten vermieden werden.

Daher hatte sich im Netz eine Gruppe gefunden, die sich zügig zu den SGB VIII Reformen ausgetauscht hatte – ich hatte u.a. über die Knackpunkte des Vorhabens gebloggt – und wir haben mit darauf hin gewirkt, dass noch vor dem möglichen Referentenentwurf eine Einladung an die Interessenverbände ins Ministerium erfolgte und das Gesetz in der Tragweite, die befürchtet wurde, verhinderte.

Ein aktuelles Beispiel ist das Bundesteilhabegesetz:

Lobbyarbeit 4.0.

Wie sieht sie denn dann nun aus, die Lobbyarbeit 4.0? Sind die alten Gremien vollständig out? Nein, sind sie nicht. Sie sind neben einer Reihe anderer Maßnahmen wertvolle Instrumente.

Aber die Meinungsbildung hat sich verändert. Auch in der klassischen Verbandsarbeit finden und fanden, genau wie in jeder Politik, Seitengespräche statt, die Meinungsbildungen befördern. Diese Meinungsbildungsprozesse finden mittlerweile auch im Internet statt und es ist hier sehr viel schneller möglich, sich mit Entscheidungsträgern zu vernetzen. Ganz unkompliziert diskutieren hier Expert/innen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft miteinander und fördern damit auch Prozesse.

Arbeiten 4.0.

Mobiles Arbeiten verlangt andere Abstimmungsformen. Eine neue Zeitsouveränität ist gefragt. Für Führungskräfte ist in Bezug auf Ihre Mitarbeitende die Stärkung von Netzwerk- und Dialogkompetenz und Ermutigung statt Kontrolle angesagt.

Quelle: Telekom

Twitter.

Nicht nur der amerikanische Wahlkampf auch die deutschen Politiker/innen wissen mittlerweile um die Bedeutung von Twitter, wenn es um Kommunikation, Austausch von Papieren aus Koalitionsverhandlungen und Meinungsbildung geht. Aber nicht nur die Politik – unterm Strich tummeln sich die deutschen Intellektuellen aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft in diesem Netzwerk, weil es in Bezug auf Themen, Wissensmanagement und Kommunikation deutlich bessere Voraussetzungen als andere Netzwerke bietet und damit auch gerne für die Pressearbeit und den Fernsehjounrnalismus genutzt wird. Häufig heißt es ja in den Nachrichten mittlerweile: XY hat getwittert.., Facebookposts werden dagegen eher in Promimagazinen gezeigt.

Da ich selbst eine Weile gebraucht habe, das Netzwerk zu ergründen, habe ich meine Erfahrungen in einer Anleitung für Twitter aufgeschrieben.

Wissensmanagement.

Während wir gefühlt gerade unser Ablagesystem in Papierform in unsere EDV-Ablage umorganisieren, ohne dabei wesentliche innovative Strukturen zu entwickeln, erfordert Lobbyarbeit 4.0 ganz neue Wege des Wissensmangagement.

Ich organisiere meine Dateien mittlerweile hauptsächlich über E-Mails und Clouds. Das geht nicht in allen Arbeitsbereichen. Aber je mobiler wir werden, umso notwendiger ist es.

So sehr ich die Tageszeitung aus Papier immer noch liebe, benutze ich sie nicht mehr, weil ihre Information weit hinter den Aktualitäten her hinkt. Ich organisiere Onlineartikel über einen RSS Reader, aus denen heraus ich auch sofort twittern kann. Und Twitter selbst ist eine wesentliche Informationsquelle. Besonders die Hashtags bieten gute Sortierungsmöglichkeiten und neue Quellen und Expert/innen, denen ich folge.

Vernetzung & Kommunikation.

Was eigentlich genau bedeutet Vernetzung? Vernetzung ist so alt wie die Verbandsarbeit selbst und noch viel älter. Freundschaften, Seilschaften und Interessengruppen gab es schon immer. Von daher gilt das auch für digitale Netzwerke.

Ungewohnt für unsere deutsche Mentalität ist der öffentliche Diskurs. Hier ist gute Kommunikation und ein Stück Medienkompetenz erforderlich. Als Kompetenzprofil der Verbandsarbeit zukünftig nicht mehr weg zu denken.

Die digitale und analoge Vernetzung greift ineinander. Das digital soziale Netzwerk ist mittlerweile eine Art Adrema. Begegnungen und Kontakte mit denen ich auch über Netzwerke beständig in Verbindung sein kann, sind mental eher präsent als andere.

Agile Organisation.

Befasst man sich mit den Megatrends einer zukünftigen Organisationskultur, so gibt es Szenarien, die von der Peer-to-Peer Arbeit statt Hierarchiearbeit bis hin zu Auflösungen von Organisationsstrukturen denken. Klar ist, dass sich die Organisationsstruktur der neuen Arbeitskultur anpassen muss. Für eine gelingende Lobbyarbeit 4.0 bedeutet das eine Qualifizierung der Informations- und Kommunikationsarbeit quer durch die Organisation.

Unterm Strich.

Menschen, die sich überwiegend ausserhalb der digitalen sozialen Netzwerke bewegen, verpassen die Chance einer modernen digital sozialen Lobbyarbeit, die nicht nur den Vorteil hat, wirkungsvoll Meinungsbildungsprozesse mitgestalten zu können, sondern auch den damit einhergehenden Modernisierungsbedarf für ihre Organisationen zu erkennen.

Lobbyarbeit 4.0 bedeutet einen Kulturbruch mit der bisherigen klassischen Verbändearbeit und einen Paradigmenwechsel für die Zukunft der Arbeit von Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege.

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Digitale Transformation.

Aus.

Zu Ende.

Vorbei.

Die soziale Arbeit von wohlfahrtsverbandlichen Organisationen in Deutschland wird keine Zukunft haben.

Es sei denn, wir läuten einen grundlegenden Veränderungsprozess ein. Die digitale Transformation.

Bei Wikepdia heißt es:

„Digitale Transformation verändert langfristig durch die Möglichkeiten und Potentiale digitaler Medien und des Internets das Fundament jedes Unternehmens in seiner Strategie, Kultur und seinen Prozessen.“

Wollen wir wirklich, dass das einfach so geschieht?

Oder wollen wir mit gestalten?

Aber welche Alternativen gibt es?

Keine.

Struktur, Prozesse und Kultur werden sich verändern. Und zwar nicht in langwierigen Prozessen wie wir das aus den 90er Jahren kennen, sondern zügig, neben uns oder ohne uns.

Aber das Digitale?

Das wird uns doch total verändern.

Ja, wird es.

Schon als ich das Programm zur re:publica las, dachte ich, ein Glück, dass ich schon ein wenig „digital transformiert“ bin. Ich hätte sonst kein Wort verstanden, geschweige denn, irgendetwas interessant gefunden. Und so geht es uns eigentlich gerade gesamtgesellschaftlich.

Und warum?

  • Das Programm ist englisch oder hat viele Anglizismen.
  • Die Überschriften der Vorträge sind Bloggerjargon. Provozierend. Konträr. Aufregend anregend.
  • Der Teilnehmer ist Teil eines Prozesses. Ein Entwickler/eine Entwicklerin. Es gibt keine fertigen Konzepte oder Rezepte. Was heute in ist, ist morgen vielleicht schon wieder überholt. .

Friedmann Karig hat das bei der Re:Publica „Die pubertäre Gesellschaft“ genannt. Seine Kurzthese ist: „Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft so grundlegend wie die Pubertät einen Menschen. Wachstumsschmerzen sind völlig normal. Aber was kommt danach?“

Was ich an seinem Vortrag so grundlegend fand, war der Ruf nach dem Diskurs.

Es braucht einen Diskurs.

Eine erstaunliche Erkenntnis. Für uns Deutsche gar nicht mal so sehr, aber für die Internetszene vielleicht schon. Vor allem die Pioniere. Denn diese besteht doch vor allem aus Ausprobieren, hacken, basteln, Pionierarbeit leisten, einfach mal machen.

Eine Erhebung hat gezeigt, dass höhere Bildungsschichten in den meisten Ländern das Social Web dominieren – außer in Deutschland.

Infografik: Höhere Bildungsschichten dominieren Social Web - außer in Deutschland | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Ich persönlich glaube, dass das kulturelle Hintergründe hat. Neben Datenschutzgründen. Zur deutschen Kultur gehört es, Texte und Veröffentlichungen bis auf´s letzte I-Pünktchen geprüft haben zu müssen. Texte für die Presse, Reden werden lange und gründlich vorbereitet. Authentizität wie das Internet und die sozialen Netzwerke sie fordern, bleiben dabei häufig auf der Strecke.

Der Kultursprung, der statt finden muss, damit die neue Kultur verstanden wird, ist riesig. Aber diese Kultur wird unsere Arbeitswelt bestimmen, neue Geschäftsmodelle kreieren und Kooperationen beflügeln, ob wir, die traditionellen deutschen Organisationen, dabei sind oder nicht.

Den Diskurs werden die führen können, die bereits erprobt sind. Diejenigen, die Kind, Jugendlicher und Pubertierender in der Internetwelt gewesen sind. Nichts war in der Vergangenheit fataler als derjenige, der über soziale Netzwerke sprach und deren Kommunikationskultur nicht kannte.

Die Netzkultur darf nicht verloren gehen, denn sie bietet enormes Potential für eine gelingende Gesellschaft.

Es braucht eine sozialdigitale Utopie.

Da ich lange für europäische Projekte und europäische Sozialpolitik zuständig war, sehe ich einen Zusammenhang zwischen der verlorenen Chance einer Transformationen, die der europäische Einigungsprozess hätte leisten können und der digitalen Transformation. Es geht mir nicht darum, die deutsche Kultur zu ohrfeigen, wir können auf Vieles was wir leisten, stolz sein. Aber wir haben einfach kulturell und vor allem interkulturell unsere Grenzen.

Wir haben uns lange Jahre für zu perfekt gehalten und wollten gerne unsere Systeme übertragen. Wir lernen ungern von anderen und lassen neue Entwicklungen ungern ins Land. Nur ein Beispiel: Steve Jobs hat in den 80er Jahren Heinz Nixdorf den Vertrieb von Personal Computern in Europa angeboten.

So respektiert und anerkannt waren wir damals in der Computerbranche. Aber die Devise ist nicht vernetzen, sondern im eigenen Brei weiter agieren. Auch, wenn dieser keine Updates mehr bereit hält.

Teilen ist nicht immer heilen (Der Circel von Dave Eggers), aber es ist die Zukunft. Wissen wird geteilt und muss gemanaget werden. Unsere alten Methoden und Arbeitsweisen greifen da nicht mehr.

Es braucht eine sozialdigitale Transformation.

„Vernetzt und autonom – die Mobilität der Zukunft wird das Reisen grundlegend verändern. Die Deutsche Bahn hat erkannt, dass sie sich wandeln muss, um Innovationen Raum zu geben und treibende Kraft auf dem Weg in die Zukunft der Mobilität zu sein. Die DB Labs sind der Motor dieser Entwicklung: durch agile Arbeitsmethoden, Kooperationen mit Start-ups und den Austausch mit der Open-Data-Community treiben sie die Digitalisierung im Konzern voran und helfen dabei, Themen neu zu denken.“

Diesen Eingangstext für die Vorstellung der Unternehmenslabs der DB bei der Re:Publica
ist übertragbar auf die soziale Arbeit und ihre Organisationen.

Alle DB LABs auf einen Blick.

Makerspaces, Labs oder welche innovativen Räume auch immer, wo frei und unabhängig agiert werden kann, wo geschult, gelernt und verworfen werden kann.

Indem wir neue Geschäftsmodelle erproben, neue Kooperationen eingehen und mit unserer hohen Kompetenz, die wir als Mitarbeitende der sozialen Arbeit haben, den Prozess mit gestalten.

„Ohne Simplifizierung, also die radikale Vereinfachung von Strukturen, Verantwortungen und Prozessen, kann die digitale Transformation nicht gelingen.“ lautet der Titel einer Session und die Devise für das Arbeiten 4.0.

Solche Orte ziehen junge Menschen und Kooperationen an.

Struktur, Prozesse und Kultur werden leicht und zügig wandelbar.

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Die Zeit ist reif: Gründen wir doch einfach ein #lab!

Im Rahmen einer Blogparade der Bertelsmannstiftung habe ich letztes Jahr über das Thema „Von der Sesamstraße zur EdTech“ gebloggt und dabei die alte Lernpyramide, die aktives und passives Lernen auf verschiedenen Stufen hintereinander schaltet, in Frage gestellt.

Weil Social Media den Lernenden völlig neue Zugänge zu Wissen und Wissenschaft in der gleichzeitigen Verarbeitung und des Experimentierens erlaubt.

Und so muss sich auch die Arbeitswelt in sozialen Organisationen weiter entwickeln. Damit der Kulturwandel aber gelingt, gilt es eine Organisationsform zu kreieren, die ihn schon lebt.

Learning by doing. Zum Beispiel meine Herangehensweise an Snapchat: Habe ich zuerst das Handbuch im Trockenen studiert und dann das Smartphone eingeschaltet?

Nein. Ich hätte ewig gebraucht, um die neue App zu begreifen. Ich habe zuerst eingeschaltet, als ich nicht weiter wusste, im Internet recherchiert und wieder probiert, dann vertieft, wieder probiert und Details kennen gelernt.

Diese Chance haben Menschen jeden Alters. Aber Kinder tun sich hier ganz besonders leicht und daher müssen Lernkonzepte sich an ihnen ausrichten, denn wenn sie im berufstätigen Alter sind, wird die (Arbeits-) Welt gar nicht mehr anders zu bewältigen sein.

Für die mittelalterlichen Lehrenden eine echte Herausforderung.

Und hier an dieser Stelle passiert damit auch genau der Kulturbruch – von einem Wandel ist leider immer noch nicht zu sprechen.

Lebenslanges Lernen heißt gleichzeitig auch lebenslanges Experimentieren. Wie wir von den klügsten Köpfen der Welt wissen, auch sie haben sich geirrt. Neue Erkenntnisse können zu neuen Konsequenzen führen und alles Bisherige in Frage stellen. Damit müssen wir in immer kürzeren Zyklen leben lernen.

Im Internetzeitalter geht vieles sehr viel schneller.

Gleichzeitig führt das prozesshafte Lernen auch zu einer neuen Verhaltenskultur.

  • Menschen verbinden sich aus Interesse an einem Thema.
  • Communities bilden sich digital und analog.
  • Wissen wird geteilt.
  • Wissen ist in Fülle und für alle vorhanden.
  • Sozial- und Medienkompetenz sind Schlüsselvoraussetzungen für den Zugang zur digitalen Welt.
  • Kollaboratives Lernen und Arbeiten ersetzt Wissenshoheit.

 

Digitales Lernen in der Bildung und Wissenschaft.

Digitales Lernen oder Bildung 4.0 ist mehr als der Einsatz von Social Media im Unterricht, aber es ist ein erfolgsversprechender Weg kollaboratives Lernen und Arbeiten zu praktizieren.

Das hat zum Beispiel André Sprang mit seinem Ipad-Projekt an der Kaiserin-Augusta-Schule in Köln bewiesen. Das Blog zum Unterrichtseinsatz der iPads an der Schule startete bereis am 17. Januar 2011.

Insgesamt hat das Projekt fünf Jahre gedauert und hat eine enorme Breitenwirkung entfaltet. Das Blog diente dabei als Bericht aus den Erfahrungen und Möglichkeiten des Einsatzes, gab aber auch Anleitungen und Hilfestellungen.

Die Liste dessen, was sich in dieser Zeit entwickelte, ist lang:

Apps, Wikis, Open sources für Education, Makerspaces, iBooks und mehr. Die Produkte entwickelten sich aus dem Lernen heraus.

Die Lehrenden haben, initiiert durch André Spang, eine Art Twitter Stammtisch eingerichtet, wo sie sich dienstags abends zwischen 20 Uhr und 21 Uhr immer zu einem anderen Thema virtuell treffen.

Und auch in der Wissenschaft sind die User von Social Media auf dem Vormarsch. Dennis Fink hat gerade die Plattform Snap4Science eingerichtet.

 

 

Gründen wir doch einfach ein #LAB!

Die Einführung neuer Technologien in die soziale Arbeit (Sozialarbeit 4.0) bedeutet mehr als nur neue hard- oder software für den Arbeitsplatz. Es bedeutet einen kulturellen Wandel zu gestalten, dessen Fahrt nicht mehr aufzuhalten ist.

Das Anhängsel Lab wie etwa bei Betterplace lab kommt vom englischen Begriff Labor. Es ist vielleicht die Antwort auf die Frage, die ich vor ein paar Monaten hier gestellt habe:

Ist es nicht Zeit für einen Club of Rome der sozialen Arbeit?

Es braucht digital und analog einen Ort, wo Trends beobachtet, neue Technologien entwickelt und soziale Innovationen erprobt und erforscht werden.

Erste Eckpunkte könnten sein:

  • ein Ort, der als Raum für Austausch, Schulungen, Experimente, Beratung, Probierstätte zur Verfügung steht. Vielleicht eine Art Co-Working Space, wo sich Menschen treffen und austauschen können.
  • ein regelmäßiger Chat-Stammtisch mit abwechselnden Themen.
  • ein Barcamp veranstalten, das erste Projekte und Ideen einbringt und der Vernetzung der Szene dient.
  • Kooperationsparter/innen finden und Sponsoren.
  • einen Think-Tank gründen, der die Initiative begleitet.

Die Initiative könnte zunächst virtuell starten und dann eine Organisationsform und Räumlichkeiten finden. Idealerweise wird es von verschiedenen Kooperationspartnern getragen.

Das neue Institut muss nach neuen Regeln arbeiten können, damit es in der digitalen Welt, in der es hauptsächlich agieren wird, erfolgreich wird.

Plan ist, das Vorhaben in unterschiedlichen Kontexten zu diskutieren und zu planen. So soll es auf dem Caritas Kongress im März in Berlin vorgestellt werden. Auch die Re:Publica im Mai ist ein Ort, der der Weiterentwicklung dienen kann.

Es braucht digital und analog einen Ort, wo Trends beobachtet, neue Technologien entwickelt und soziale Innovationen erprobt und erforscht werden. Die Zeit ist reif.

Packen wir es an!

 

Links & Tools

The ten common mistakes in setting up a social lab

 

 

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Ein Blick in die Zukunft: Verbandsarbeit 2020.

tricornsIn den Anfängen war es eine kleine Community, die sich in den sozialen Netzwerken tummelte. Alle waren von einer Art Goldfieber gepackt. Neugierde und Abenteuerlust, die neue Welt zu entdecken, überflügelten Hierarchien und Barrieren. Die Pioniere ließen sich von denen draußen nicht aufhalten, denn einmal dabei, witterten sie die Chancen, die in den neuen Kommunikationsformen lagen. Es wurde geliket, gescherzt, kommentiert, diskutiert, gelacht. Allmählich kehren die Akteur/innen nun zur gewohnten professionellen Tagesordnung zurück. Die Profile werden profilierter. Die sozialen Medien vielfältiger. Der Einzelne überlegt gezielter, wo er oder sie etwas veröffentlicht.

Die Pionierphase ist abgeschlossen. Die Grenzen von Facebook sind erreicht. Und war ich früher von google+ wegen seiner vermeintlichen Rückständigkeit gelangweilt, weiß ich es heute wegen seiner eher nüchternen Sachlichkeit mehr zu schätzen.

Und dennoch weigere ich mich vor Festlegungen. Denn die sozialen Medien sind in Bewegung. Was heute hipp ist, kann morgen out sein oder anderen Zwecken dienen. Aktuell gefällt mir neben Twitter Instagram am besten. Warum? Instagram verkörpert eine leichte, moderne Art der Kommunikation, die durch die Beschränkung auf eine einziges Bild doch einen starken Ausdruck haben kann. Ähnlich wie Twitter. Du hast nur 140 Zeichen. Genial! Kampagnenfähig. Und profiliert.

Eine wirkliche Zukunft schreibe ich dem Blog zu. In den USA hat es normale Zeitungen längst abgelöst. Und wenn Zeitung, dann bitte im Blogstil, wofür die Huffington Post ein gutes Beispiel ist.

Wohin also geht es für uns Non-Profits? Insbesondere für die Verbändearbeit?

Wissensarbeit.

“Wissensarbeiter arbeiten zumeist problembezogen. Sie finden neuartige Lösungen für bekannte Probleme und/oder behandeln bislang unbekannte Fragestellungen. Dafür benötigen sie eine erhöhte Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit, mit Komplexität umzugehen. Es kann aber durchaus auch bei Wissensarbeit der Fall eintreten, dass ein Problem als solches noch gar nicht erkannt oder definiert wäre. Gerade in kreativen und explorativen Bereichen wird der Problemraum erst durch die Arbeit erschlossen.“ Manfred Kofranek

Zum Weiterlesen:  Blog Wissensarbeiter .

Im Rahmen einer Blogparade ist ein lesenswertes eBook zu den notwendigen Rahmenbedingungen von Wissensarbeit entstanden.

 

Interessenvertretung 2.0

Die Aufgabe von Verbänden ist es, ihren Mitglieder  für ihre Arbeit nützliche Trends und Informationen aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen. Dafür gibt es landläufige (elektronische) Infodienste, Printmedien und Webseiten. Zieht man die neuen Medien hinzu, ist das Potential bei Weitem noch nicht ausgeschöpft, denn die traditionellen Dienste sind a) bereits zu langsam und b) in den seltensten Fällen interaktiv. Das Web 2.0 aber ist interaktiv. Der Nutzer ist es gewohnt, zu teilen, zu verlinken, Politikern und Kirchenvertreter/innen bis hin zum Papst zu folgen und ist so teilweise näher am Geschehen dran als wir. Ausserdem: Allgemeine Informationen sind gar nicht so interessant. Viel interessanter ist, was geschieht im Prozess? Im politischen Prozess? Wo ist die Diskussion um ein Gesetz gerade? Wo kann man und frau noch mit diskutieren? Sich einmischen? Die Auswirkungen auf die Praxis als Kommentar beschreiben?

Es braucht eloquente Akteur/innen, die in den neuen Medien unterwegs sind, informieren, diskutieren, sich einmischen, mit Politikern twittern, Infos zeitnah weitergeben, in Gruppen (Xing, Facebook, google+) Themen wiedergeben und diskutieren, Blogs schreiben und Kampagnen auf Instagram begleiten.

Online-Beratung.

Die konzeptionelle Beratung spielt eine Rolle. Wie werden Beratungsdienste finanziert? Welche Professionen brauchen die Beschäftigten? Wie muss die Einrichtung räumlich gestaltet sein etc. Soweit so gut. Jedoch, die Klienten finden ihre Wege, je jünger sie sind, umso weniger durch eine reale Aufsuchstruktur, sie werden auch nicht lange im Internet recherchieren, sie finden sie durch Empfehlung oder, weil sie dort sind, wo sie selbst auch sind. In der virtuellen Welt. Was steht also an Aufgabe an?

Auf- und Ausbau der Onlineberatung, Auf- und Ausbau der Chatangebote, Entwicklung von Kampagnen zur Werbung für die Angebote in den verschiedenen Netzwerken, Nutzung unterschiedlichster Kanäle zur Verbreitung der Angebote, Schulung von Peergroups, die direkt mit den Nutzern in Kontakt treten können.

eLearning & EdTech

Die Fort- und Weiterbildung ist ein Kerngeschäft der Verbändearbeit. Wo geht es mit ihr hin? Begriffe wie Blended Learning und eLearning weisen den Weg. Menschen sind mobil. Unterwegs. Universitäten, Bibliotheken, Blogger richten sich darauf ein. Es ist gar nicht mehr unbedingt die Institution selbst, das Gebäude, in dem Bildung stattfindet. Es ist die Kompetenz, die zählt. Und das passgenauen Medium: eBook, der online-Kurs, das Lerntool, das Klassenzimmer via Skype. Lern- und Arbeitsräume werden vielfältiger. Flexibler. Können drinnen und draußen sein.

Fundraising via Internet.

Soziales Netzwerken gehört (bald) so selbstverständlich zu unseren Kommunikationsformen wie Telefonieren, Briefe schreiben und eMailen. Medienkompetentes Verhalten wird zu einer Kernkompetenz und sollte in jedem kleineren oder größeren Team vorhanden sein.

Fundraisern ist dies schon seit längerem bewusst. Fundraising, eine Aufgabe, die älter als ihr Name ist, ist ohnehin nicht ohne Medien ausgekommen. 

Ob es die Aquise von Stiftungsmitteln, die Beantragung von EU-Geldern oder Corporate Social Responsibility ist, eine Sensibilität für Öffentlichkeitsarbeit, soziales Netzwerken und gute Verbindungen spielen hier eine wichtige Rolle. Also, die Aktivitäten, die sich durch das soziale Vernetzen beschleunigen und verbessern lassen. 

Social Recruiting.

Die Not in Deutschland wird größer, das zeigt die Arbeit in unseren Diensten und Einrichtungen tagtäglich. Der 14. Kinder- und Jugendbericht wies nach, dass ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland unter schlechten Rahmenbedingungen heranwachsen. Keine ausreichende Bildung. Sozial schwierige Verhältnisse.

Gleichzeitig wird bis Mitte 2025  die Zahl der jungen Heranwachsenden, die dann unsere zukünftigen Mitarbeitenden sein werden, drastisch weniger werden.

Die Zahl der Interessierten für den Sozial- und Gesundheitssektor müsste sich verdoppeln, wollten wir genug Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Diensten und Einrichtungen haben.

Was also tun? Dort unterwegs sein, wo sich junge Menschen aufhalten. Online. Und zwar mit Menschen, die diese Altersgruppe verstehen und anzusprechen wissen. Ein gutes Beispiel hierfür sind Young Caritas Deutschland und Soziale Berufe kann nicht jede/r.

Zum Weiterlesen: Social Media Recruiting Studie 2015.

Trendscouting.

Wohin geht es in Zukunft? Da bieten die sozialen Medien tagtäglich eine Fülle an Informationen. Hier die Nase in die Luft zu halten, zu wittern, was angesagt sein wird, zu prüfen, ob es ein Weg ist, der einzuschlagen ist, ist mit eine zentrale Aufgabe.

Die traditionellen Verbändeaufgaben gehen online. Die erforderlichen Kompetenzen ändern sich. 

Karrierebibel nennt 8 Eigenschaften, die Mitarbeitende im Jahr 2020 haben müssen. Heißt also jetzt schulen, weiterbilden, fündig werden. Denn die Zukunft beginnt heute.

 

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Praxisbeispiele

und

Social Media A – Z.

 

 

 

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Nichts wird mehr wie vorher sein: Wie die aktuelle Krise die soziale Arbeit verändert.

Oh Gott, sie hat das Wort Krise in den Mund genommen. Das soll man doch nicht, ist doch nicht politisch korrekt. Wie konnte sie das nur tun! Aber was bedeutet das Wort Krise eigentlich? „Höhepunkt, Wendepunkt einer gefährlichen Lage; entscheidender Abschnitt einer schwierigen Situation“ steht im Duden. Also, alles ist gut. Denn jetzt befinden wir uns wahrscheinlich, hoffentlich, am Wendepunkt. Krisenhaft sind nicht die Zuwanderer, die in unser Land kommen. Krisenhaft sind unsere gesellschaftlichen Voraussetzungen und unsere gesellschaftlichen Systeme, die nicht ausreichend schnell auf die Veränderungen reagieren können.

Was ist passiert? Täglich erreichen viele tausend Menschen das Land. Menschen auf der Flucht. Zuwanderer. Junge Menschen und ihre Familien. Angesichts der Demografie Deutschlands eigentlich gar nicht so schlecht. Und Deutschlands junge Menschen zeigen ein wohltuendes Gesicht einer freundlichen Willkommenskultur! Denn sie sind engagiert, gebildet, kennen sich durch Auslandsaufenthalte in der Welt aus. Sie sind neugierig und offen und die vermeintlichen Fremden sind gar nicht so fremd, da die Welt globaler, näher aneinander gerückt, schlicht bekannt ist.

Diese jungen Menschen zeigen uns, wo es lang geht. Die ganze Theorie über die Generation Y wird plötzlich zur erfolgreichen Praxis.

Das aber hat Auswirkungen auf unsere Systeme, denn die schleppen da noch etwas hinterher. Die Unkompliziertheit des jugendlichen Welcomes, der damit einhergehende Schwung, hat die Systeme, die die Krise zu bewältigen haben, noch nicht erreicht. Hier herrschen noch andere Kulturen. Aber von einem Tag auf den anderen müssen wir, schon länger in Deutschland Lebenden, uns umstellen, insbesondere die Systeme, die gerade dabei sind, in der aktuellen Notsituation professionelle Hilfe zu leisten, und die Systeme, die dabei sind, den Inklusionsprozess vorzubereiten. Gerade in der Kinder- und Jugendhilfe sind hier gute Gelingenschancen. Denn Kinder- und Jugendliche betrachten einander als Kinder- und Jugendliche ungeachtet ihrer kulturellen Herkunft.

Von jungen Menschen lernen

Jetzt müssen nur noch die Systeme hinter her kommen. Und wie? Tja, da gilt es wohl ein paar Versäumnisse auf zu holen.

  • Sich thematisch real und virtuell vernetzen.
  • Interreligiöse und interkulturelle Kompetenzen ausbilden.
  • Arbeitsfeldübergreifend zusammen arbeiten.
  • Neue Formen von adhoc Treffen beflügeln
  • Menschen zusammen bringen, die zusammen arbeiten wollen.

Soziale Arbeit der (nahen) Zukunft

Und wie wird also die Zukunft aussehen? So wie es manche Experten schon länger voraussagen, aber alles wird ein wenig schneller gehen.

  • Bildung wird modularer, digitaler und individueller.
  • Organisationen werden bunter.
  • Soziale Arbeit wird vernetzter und projektierter.
  • Qualitätssicherung wird eine Renaissence erleben.
  • Kreative Lernende Organisationen werden Change Maker.

Die deutschen Jugendhilfe- und Bildungsstrukturen sind gerade jetzt der Garant und der Erfolgsfaktor. Ohne sie wird der notwendige Inklusionsprozess nicht gelingen. Die erfahrenen Mitarbeitenden werden gebraucht, die mit einer gewissen Ruhe Ordnung hereinbringen können und, wenn sie sich gleichzeitig dem Schwung der Jüngeren öffnen, wird ein frischer Wind durch die Organisationen wehen, der aus der Krise eine gelingende Zukunft, anders, moderner und wohlmöglich noch effizienter, wachsen lässt.