Veröffentlicht in Soziale Arbeit 4.0

Lobbyarbeit 4.0

Interessenverbände stehen wie alle anderen Organisationen vor großen Herausforderungen, wenn sie sich dem digitalen Wandel stellen wollen.

Alle Arbeitsbereiche sind davon betroffen. Die Praxis erreicht ihre Klienten mittlerweile besser über das Internet als über klassisches Streetwork und bietet Chatberatung für Schwangere, mobile Straßenzeitungen oder Fachkräfteportale für Pflegeberufe an.

Aber auch und besonders die Spitzenverbände sind gefordert, nicht nur Vorreiter/innen zu sein, sondern auch ihre Kernarbeit zu verändern.

Zu den Kernaufgaben von Spitzenverbänden gehören: Information und Beratung ihrer Mitglieder, Fördermittelakquise und Fundraising, Fort- und Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit und in erster Linie sozialpolitische Interessenvertretung.

Paradigmenwechsel.

Und genau hier, in der sozialpolitischen Interessenvertretung, zeichnet sich gerade ein Paradigmenwechsel ab.

Sozialpolitische Interessenvertretung geschieht in Verbänden seit ihrer Entstehung in Gremien. Analog den Strukturen, die wir auch aus der Politik kennen, stimmen sich Menschen in Landes- und Bundesarbeitsgemeinschaften ab und bearbeiten in aufwändigen Prozessen wichtige Positionen.

Die Schnelllebigkeit der Zeit bewirkt gleichzeitig, das macht uns die Politik vor, dass politische Entscheidungsprozesse mittlerweile auch auf anderen Kanälen zustande kommen.

Die amerikanischen Wahlkämpfe belegen das mit guten und schlechten Beispielen wie Wahlkämpfe überhaupt. Aber nicht nur das. Auch Koalitionsverhandlungen und Gesetzgebungsverfahren finden mittlerweile im Internet statt.

Beispiel Kinder- und Jugendhilfereform.

Im Jahr 2016 stand eine große Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (Sozialgesetzbuch VIII) auf der politischen Agenda, die sogenannte „große Lösung“, die darauf abzielte, dass Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung in das Sozialgesetzbuch VIII aufgenommen werden. Endlich eine Gleichbehandlung aller Kinder und Jugendlicher! Dafür waren wir auch als Verbände der Freien Wohlfahrtspflege. Aber nicht zu den Rahmenbedingungen, die damals politisch gewollt waren.

Das Gesetzgebungsverfahren rollte interessanterweise auch gar nicht im klassischen Sinne an, heißt, es gab keinen „Referentenentwurf“, der dann wie immer, den Interessenverbänden hätte vorgelegt werden müssen. Es gab ein Diskussionspapier. Hört sich unverfänglich an. Manche Vertreter/innen von Wohlfahrtsverbänden verweisen daher darauf, dass sie warten würden, bis der Referentenentwurf da wäre.

Zu befürchten war, dass das Gesetz in einem Eilverfahren durchgesetzt würde, damit es noch in der aktuellen Legislaturperiode als Ergebnis gewertet würde. Solche Schnellschüsse vergleichbar der Arbeitsmarktreform im Jahr 2002, die unmittelbar vor Weihnachten am 23.12. durch den Bundestag eilte und im Nachgang erhebliche Mängel zeigte, sollten vermieden werden.

Daher hatte sich im Netz eine Gruppe gefunden, die sich zügig zu den SGB VIII Reformen ausgetauscht hatte – ich hatte u.a. über die Knackpunkte des Vorhabens gebloggt – und wir haben mit darauf hin gewirkt, dass noch vor dem möglichen Referentenentwurf eine Einladung an die Interessenverbände ins Ministerium erfolgte und das Gesetz in der Tragweite, die befürchtet wurde, verhinderte.

Ein aktuelles Beispiel ist das Bundesteilhabegesetz:

Lobbyarbeit 4.0.

Wie sieht sie denn dann nun aus, die Lobbyarbeit 4.0? Sind die alten Gremien vollständig out? Nein, sind sie nicht. Sie sind neben einer Reihe anderer Maßnahmen wertvolle Instrumente.

Aber die Meinungsbildung hat sich verändert. Auch in der klassischen Verbandsarbeit finden und fanden, genau wie in jeder Politik, Seitengespräche statt, die Meinungsbildungen befördern. Diese Meinungsbildungsprozesse finden mittlerweile auch im Internet statt und es ist hier sehr viel schneller möglich, sich mit Entscheidungsträgern zu vernetzen. Ganz unkompliziert diskutieren hier Expert/innen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft miteinander und fördern damit auch Prozesse.

Arbeiten 4.0.

Mobiles Arbeiten verlangt andere Abstimmungsformen. Eine neue Zeitsouveränität ist gefragt. Für Führungskräfte ist in Bezug auf Ihre Mitarbeitende die Stärkung von Netzwerk- und Dialogkompetenz und Ermutigung statt Kontrolle angesagt.

Quelle: Telekom

Twitter.

Nicht nur der amerikanische Wahlkampf auch die deutschen Politiker/innen wissen mittlerweile um die Bedeutung von Twitter, wenn es um Kommunikation, Austausch von Papieren aus Koalitionsverhandlungen und Meinungsbildung geht. Aber nicht nur die Politik – unterm Strich tummeln sich die deutschen Intellektuellen aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft in diesem Netzwerk, weil es in Bezug auf Themen, Wissensmanagement und Kommunikation deutlich bessere Voraussetzungen als andere Netzwerke bietet und damit auch gerne für die Pressearbeit und den Fernsehjounrnalismus genutzt wird. Häufig heißt es ja in den Nachrichten mittlerweile: XY hat getwittert.., Facebookposts werden dagegen eher in Promimagazinen gezeigt.

Da ich selbst eine Weile gebraucht habe, das Netzwerk zu ergründen, habe ich meine Erfahrungen in einer Anleitung für Twitter aufgeschrieben.

Wissensmanagement.

Während wir gefühlt gerade unser Ablagesystem in Papierform in unsere EDV-Ablage umorganisieren, ohne dabei wesentliche innovative Strukturen zu entwickeln, erfordert Lobbyarbeit 4.0 ganz neue Wege des Wissensmangagement.

Ich organisiere meine Dateien mittlerweile hauptsächlich über E-Mails und Clouds. Das geht nicht in allen Arbeitsbereichen. Aber je mobiler wir werden, umso notwendiger ist es.

So sehr ich die Tageszeitung aus Papier immer noch liebe, benutze ich sie nicht mehr, weil ihre Information weit hinter den Aktualitäten her hinkt. Ich organisiere Onlineartikel über einen RSS Reader, aus denen heraus ich auch sofort twittern kann. Und Twitter selbst ist eine wesentliche Informationsquelle. Besonders die Hashtags bieten gute Sortierungsmöglichkeiten und neue Quellen und Expert/innen, denen ich folge.

Vernetzung & Kommunikation.

Was eigentlich genau bedeutet Vernetzung? Vernetzung ist so alt wie die Verbandsarbeit selbst und noch viel älter. Freundschaften, Seilschaften und Interessengruppen gab es schon immer. Von daher gilt das auch für digitale Netzwerke.

Ungewohnt für unsere deutsche Mentalität ist der öffentliche Diskurs. Hier ist gute Kommunikation und ein Stück Medienkompetenz erforderlich. Als Kompetenzprofil der Verbandsarbeit zukünftig nicht mehr weg zu denken.

Die digitale und analoge Vernetzung greift ineinander. Das digital soziale Netzwerk ist mittlerweile eine Art Adrema. Begegnungen und Kontakte mit denen ich auch über Netzwerke beständig in Verbindung sein kann, sind mental eher präsent als andere.

Agile Organisation.

Befasst man sich mit den Megatrends einer zukünftigen Organisationskultur, so gibt es Szenarien, die von der Peer-to-Peer Arbeit statt Hierarchiearbeit bis hin zu Auflösungen von Organisationsstrukturen denken. Klar ist, dass sich die Organisationsstruktur der neuen Arbeitskultur anpassen muss. Für eine gelingende Lobbyarbeit 4.0 bedeutet das eine Qualifizierung der Informations- und Kommunikationsarbeit quer durch die Organisation.

Unterm Strich.

Menschen, die sich überwiegend ausserhalb der digitalen sozialen Netzwerke bewegen, verpassen die Chance einer modernen digital sozialen Lobbyarbeit, die nicht nur den Vorteil hat, wirkungsvoll Meinungsbildungsprozesse mitgestalten zu können, sondern auch den damit einhergehenden Modernisierungsbedarf für ihre Organisationen zu erkennen.

Lobbyarbeit 4.0 bedeutet einen Kulturbruch mit der bisherigen klassischen Verbändearbeit und einen Paradigmenwechsel für die Zukunft der Arbeit von Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege.

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Nichts wird mehr wie vorher sein: Wie die aktuelle Krise die soziale Arbeit verändert.

Oh Gott, sie hat das Wort Krise in den Mund genommen. Das soll man doch nicht, ist doch nicht politisch korrekt. Wie konnte sie das nur tun! Aber was bedeutet das Wort Krise eigentlich? „Höhepunkt, Wendepunkt einer gefährlichen Lage; entscheidender Abschnitt einer schwierigen Situation“ steht im Duden. Also, alles ist gut. Denn jetzt befinden wir uns wahrscheinlich, hoffentlich, am Wendepunkt. Krisenhaft sind nicht die Zuwanderer, die in unser Land kommen. Krisenhaft sind unsere gesellschaftlichen Voraussetzungen und unsere gesellschaftlichen Systeme, die nicht ausreichend schnell auf die Veränderungen reagieren können.

Was ist passiert? Täglich erreichen viele tausend Menschen das Land. Menschen auf der Flucht. Zuwanderer. Junge Menschen und ihre Familien. Angesichts der Demografie Deutschlands eigentlich gar nicht so schlecht. Und Deutschlands junge Menschen zeigen ein wohltuendes Gesicht einer freundlichen Willkommenskultur! Denn sie sind engagiert, gebildet, kennen sich durch Auslandsaufenthalte in der Welt aus. Sie sind neugierig und offen und die vermeintlichen Fremden sind gar nicht so fremd, da die Welt globaler, näher aneinander gerückt, schlicht bekannt ist.

Diese jungen Menschen zeigen uns, wo es lang geht. Die ganze Theorie über die Generation Y wird plötzlich zur erfolgreichen Praxis.

Das aber hat Auswirkungen auf unsere Systeme, denn die schleppen da noch etwas hinterher. Die Unkompliziertheit des jugendlichen Welcomes, der damit einhergehende Schwung, hat die Systeme, die die Krise zu bewältigen haben, noch nicht erreicht. Hier herrschen noch andere Kulturen. Aber von einem Tag auf den anderen müssen wir, schon länger in Deutschland Lebenden, uns umstellen, insbesondere die Systeme, die gerade dabei sind, in der aktuellen Notsituation professionelle Hilfe zu leisten, und die Systeme, die dabei sind, den Inklusionsprozess vorzubereiten. Gerade in der Kinder- und Jugendhilfe sind hier gute Gelingenschancen. Denn Kinder- und Jugendliche betrachten einander als Kinder- und Jugendliche ungeachtet ihrer kulturellen Herkunft.

Von jungen Menschen lernen

Jetzt müssen nur noch die Systeme hinter her kommen. Und wie? Tja, da gilt es wohl ein paar Versäumnisse auf zu holen.

  • Sich thematisch real und virtuell vernetzen.
  • Interreligiöse und interkulturelle Kompetenzen ausbilden.
  • Arbeitsfeldübergreifend zusammen arbeiten.
  • Neue Formen von adhoc Treffen beflügeln
  • Menschen zusammen bringen, die zusammen arbeiten wollen.

Soziale Arbeit der (nahen) Zukunft

Und wie wird also die Zukunft aussehen? So wie es manche Experten schon länger voraussagen, aber alles wird ein wenig schneller gehen.

  • Bildung wird modularer, digitaler und individueller.
  • Organisationen werden bunter.
  • Soziale Arbeit wird vernetzter und projektierter.
  • Qualitätssicherung wird eine Renaissence erleben.
  • Kreative Lernende Organisationen werden Change Maker.

Die deutschen Jugendhilfe- und Bildungsstrukturen sind gerade jetzt der Garant und der Erfolgsfaktor. Ohne sie wird der notwendige Inklusionsprozess nicht gelingen. Die erfahrenen Mitarbeitenden werden gebraucht, die mit einer gewissen Ruhe Ordnung hereinbringen können und, wenn sie sich gleichzeitig dem Schwung der Jüngeren öffnen, wird ein frischer Wind durch die Organisationen wehen, der aus der Krise eine gelingende Zukunft, anders, moderner und wohlmöglich noch effizienter, wachsen lässt.

 

 

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Ist es Zeit für einen Club of Rome der sozialen Arbeit?

Hendrik Epe hat in seinem Blog einen grundlegenden Beitrag über die Risiken des Wandels der Arbeitswelt geschrieben und veröffentlicht, in dem er gleich zu Beginn auf die wesentlichen Merkmale hinweist:

  • Leere Kassen?
  • Noch mehr befristete Verträge, wenn überhaupt?
  • Arbeitsnomaden in der Sozialwirtschaft?
  • Qualitätsverfall?
  • Nur noch digital?

Ich empfehle jeder/jedem den Artikel zu lesen und will hier die fünf Punkte benennen, die Hendrik Epe problematisiert, weil sie Ausgangspunkte weiterer Überlegungen sind:

  1. Die Ausbildung für soziale Arbeit ist nicht zeitgemäß.
  2. Organisationen der Sozialwirtschaft sind nicht auf die Bearbeitung von Komplexität ausgelegt.
  3. Die Finanzierung sozialer Arbeit ist nicht auf Innovation ausgelegt.
  4. Der Fachkräftemangel existiert real.
  5. Die Ökonomisierung sozialer Arbeit wird nicht abnehmen, wenn wir nichts dagegen tun.

Mir ist durch diesen Beitrag die Dimension der Entwicklungen deutlich geworden und ich habe mich gefragt, ob wir uns diese Entwicklung als Gesellschaft leisten wollen und können. Durch meine langjährige Europaarbeit habe ich Gesellschaftssysteme erlebt, die aufgrund einer unzureichenden Sozialpolitik ganze Bevölkerungsgruppen abgehängt haben, was volkswirtschaftlich betrachtet eine Katastrophe ist, da es mittel- und langfristig die ganze Gesellschaft betrifft. Im Großen erleben wir das gerade an der Europäischen Union selbst.

Diese Überlegungen vor Augen dachte ich spontan darüber nach, ob es nicht an der Zeit ist, einen Club of Rome für die soziale Arbeit zu gründen.

Was tut der Club of Rome eigentlich?

Der Club of Rome wurde ursprünglich 1968 als ein informeller Zusammenschluss von unabhängigen Führungspersönlichkeiten aus der Politik, Unternehmen und Wissenschaft gegründet, Männer und Frauen, die mittels einer Denkfabrik (Think Tank) zur Zukunftsfähigkeit unseres Planeten beitragen wollten.

Die Ziele sind:

  • die massivsten Probleme, die die Zukunft der Menschheit bestimmen, zu identifizieren
  • Prognosen zu liefern
  • Sie evaluieren alternative Szenarien der Zukunft und ihre Risiken, Chancen und Möglichkeiten.
  • Sie entwickeln und empfehlen praktische Lösungen bezogen auf die identifizierten Herausforderungen.
  • Sie kommunizieren die neuen Einsichten und das Wissen dieser Analysen zu Entscheidungsträgern im öffentlichen und privaten Sektor sowie zur Öffentlichkeit
  • und regen eine öffentliche Debatte und effiziente Aktionen an, um die Aussichten für die Zukunft zu verbessern.

Während der Club of Rome sich in seinen Anfangsjahren mit Umweltfragen und Nachhaltigkeit befasst hat, fokussiert er heute in seinen neuen Programmen auf neue Formen des Wirtschaftens, die realen Wohlstand und Wohlbefinden produzieren, die nicht unsere natürlichen Ressourcen angreifen und sinnstiftende Arbeitsplätze bieten sowie ausreichendes Einkommen für alle.

Der Club of Rome besteht heute aus  100 Mitgliedern; über 30 nationalen and regionalen Verbänden; Internationalen und europäischen Zentren und einer Stiftung, die Individuen und Projekte des Clubs unterstützt.

Und warum für die soziale Arbeit?

Die von Hendrik Epe problematisierten Punkte beschreiben eine Entwicklung, die beschleunigt die Gesellschaft betrifft, aber nicht zusammen gesehen oder gesteuert wird. Es geschieht einfach. Es gibt zwar eine Reihe Institute, die sich mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts beschäftigen, aber bisher kann ich nicht erkennen, dass die oben beschriebenen Entwicklungen: leere Kassen, Ausbildung, Arbeit und Digitalisierung an einer Stelle zusammen gesehen und beschrieben bzw. Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt beachtet werden.

Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist die große Herausforderung für unsere aktuelle und zukünftige Daseinsvorsorge.

Aufgrund der aktuellen technologischen und sozialen Entwicklungen ist zur Zeit davon auszugehen, dass Menschen aufgrund ihrer sozialen Lebenssituation von der Gesellschaft ausgegrenzt, ausgeschlossen und letztlich abgehängt werden. Bildung ist die Grundvoraussetzung für gute Lebensstandards. Und dennoch lässt unsere Gesellschaft es zu, dass junge Menschen aus einkommensschwachen Haushalten schlechtere Schulabschlüsse haben als andere.

Wie wird soziale Arbeit zukünftig organisiert?

Wenn man sich die Entwicklungen in der Sozialwirtschaft so anschaut, dann stellt sich die Frage in welcher Form soziale Arbeit in Zukunft erbracht werden wird. Dafür gibt es heutzutage schon eine Reihe exzellenter Beispiele. Projekte wie etwa von Raul Krauthausen mit seinen Sozialhelden und wheelmap.org. Übrigens gleichzeitig ein gutes Beispiel wie Internetfirmen, social media, Apps und Projekte zusammen wirken, sich vernetzten.

Bei der europäischen Union wurde lange dafür gekämpft, dass die sozialen Dienste als reguläre Dienste der Daseinsvorsorge gesehen werden. In einer Studie des Wirtschafts- und Sozialauschusses der Europäischen Union mit dem Titel Die Sozialwirtschaft in der Europäischen Union, die 2012 veröffentlicht wurde, wird zwischen vier Formen unterschieden:

1. Der dritte Sektor als Synonym für Sozialwirtschaft,

2. das Konzept der Non-Profit-Organisationen,

3. das Konzept der Solidarwirtschaft und

4. das Konzept der Sozialunternehmen.

Wie arbeiten Menschen zukünftig (zusammen)?

Wir können zusehen wie sich die Arbeitswelt verändert. Es scheint darauf hinaus zu laufen, dass im sozialen Bereich Projekte, Start ups, Initiativen und social entrepreneurs gleichberechtigt neben traditionellen Einrichtungen existieren, diese möglicherweise beflügeln und eine Art Innovationsgarantie darstellen.

10394129_10203198861366898_7842365026040623767_nDiese Verbindungen können sogar enorm fruchtbar sein, wenn sie Unternehmenskooperationen eingehen. Vielleicht wird es sogar darauf hinaus laufen, dass traditionelle Organisationen, die Teil einer für die Gesellschaft existentiell wichtigen Daseinsvorsorge sind, hierzu zählen Kitas, Schulen, Offener Ganztag, außerschulische Jugendhilfe, ambulante, (teil-) und stationäre Jugendhilfe – im Grunde alle Einrichtungen, in denen Bildung und Erziehung statt findet – , neue Arbeitsformen entwickeln, die sich an den oben genannten orientieren.

Eine kürzlich abgeschlossene Blogparade hat zum Thema Wissensarbeit eine gute Zusammenschau des Arbeitsstils- und -bedarfs von Wissensarbeitern zusammengestellt.

Auf welche Kernkompetenzen wird es zukünftig ankommen?

  • Innovationsfreude
  • Flexibilität
  • (digitale) Vernetzung
  • (individuelles) Wissensmanagement
  • (digitale) Kommunikationsfähigkeiten
  • Social Media Arbeit (nicht nur Kompetenz)
  • Projekte (zielorientiert, experimentierfreudig, leicht umsetzbar)
  • Start up Projekte initiieren
  • Unternehmenskooperationen verhandeln und eingehen können
  • Barcamps  als neuen Konferenzstil praktizieren
  • (öffentlichkeitswirksamer) Botschafter für bestimmte Themen zu sein

 Fazit

Was heißt das nun für die von Hendrik Epe beschriebenen Ausgangspunkte?

Ja, es braucht Leute, die das Digitale und das Soziale zusammen denken, weil sich hieraus der größte Fortschritt ergeben wird. Das Digitale und Soziale zusammen zu denken ist einer der neuen Bildungsaufträge, genauso wie die Integration der sozialen Arbeit in Bildung.

Es braucht eine Instanz, die Ausbildung, Organisationsformen, Finanzierungsmodalitäten und Auswirkungen der Ökonomisierung im Blick hält und Impulse gibt, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.

Was denkt ihr?

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Soziale Arbeit 4.0

Wie häufig setzt die CeBIT starke Impulse und hat sich in diesem Jahr mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigt. Da könnten wir uns im sozialen Bereich ja erstmal entspannt zurücklehnen und sagen: „Ja klar, verständlich, aber was hat das mit uns zu tun?“ Falsch. Ganz falsch. Es hat alles mit uns zu tun. Zum einen, weil sich die Arbeitswelt so verändern wird, dass das Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und die gesellschaftlichen Gruppen haben wird, mit denen wir tagtäglich zusammen arbeiten und, weil die Konsequenz von Industrie 4.0 die Arbeitswelt bzw. das Arbeiten 4.0 in Gänze ist. Die Frage ist viel mehr, können wir es uns überhaupt noch leisten, uns nicht damit zu beschäftigen?

In „Work in Progress“ wird beschrieben, wie der amerikanische Soziologe Jeremy Rifkins die digitale Revolution als die dritte große industrielle Revolution bezeichnet, die das menschliche Zusammenleben maßgeblich verändern wird. Und die Tatsache, dass wir Deutschen uns aus lauter Sorge vor Datenmissbrauch lieber gar nicht damit befassen, sorgt dafür, dass wir uns auf Dauer auch selbst abhängen werden.

Wir haben eine digitale Verantwortung.

Dabei ist es unsere Aufgabe als Bildungsverantwortliche in der sozialen Arbeit, Menschen und Mitarbeitende darauf vorzubereiten, mit der Digitalisierung umzugehen. Tun wir das nicht, tragen wir mit dazu bei, dass wir nicht nur wirtschaftliche Nachteile haben werden, sondern gerade auch, dass Menschen auf Dauer aus der Gesellschaft ausgegrenzt und abgehängt werden.

 „Die digitale Spaltung ist vielleicht heute schon Realität. Es gibt ganz viele Menschen, die sich ausgeschlossen fühlen, weil sie gar nicht begreifen, wie stark der digitale Wandel auch ihren Alltag durchdringt. Und diese Idee, dass man auch offline sein könnte, ist einfach nicht mehr durchführbar. Es betrifft nicht nur eine Altersspaltung, sondern auch Zugang zu Technologien beispielsweise: Viele haben gar keinen Rechner zuhause oder haben keinen Internetzugang auf dem Lande.“ (Gesche Joost, Berliner Professorin)

Unsere Aufgabe als soziale Verbände, Organisationen und Bildungseinrichtungen ist es, in einem ersten Schritt unsere Bedenken zu überwinden, weil wir sonst dafür verantwortlich sind, dass die nachfolgende jüngere, aber auch die noch nicht angeschlossene ältere Generation, abgehängt wird.

Nichtstun oder draußen zu bleiben ist unverantwortlich. Wir haben eine digitale Verantwortung. Auch, damit die Technologien nicht uns, sondern wir sie bestimmen.

In der Digitalisierung stecken gute Chancen der technologischen Unterstützung, die das Leben vereinfachen können, die jungen und alten Menschen dazu verhelfen können, beteiligt zu bleiben. Warum das wichtig ist und die menschliche Zuwendung bereichern kann? Zeigt unter anderem dieses Beispiel: Engagement älterer Menschen in der digitalen Gesellschaft. 

Wissensgesellschaft ist over.

Dabei geht es nicht nur um das Internet. Es geht um einen neuen Umgang mit Wissen und Informationen. Und zwar in allen Bereichen und das fängt bei den ganz Kleinen an. Wie lernen Kinder und Jugendliche mit Wissen und Informationen umzugehen, sie zu organisieren, sie zu verwerten und kompetent anzuwenden?

Auch das Arbeitsministerium und das Wissenschaftsministerium  sind an diesem Thema dran. Wie verändert sich unsere Lern- und Arbeitswelt? Wie wir zukünftig unser Wissen organisieren, hat natürlich unmittelbare Auswirkungen auf unsere Arbeit(-splätze). Durch die zunehmende Mobilität sicher auch zunehmend spürbar.

Eine entscheidende kulturelle Veränderung ist hierbei: Wissensarbeiter/innen sitzen nicht länger auf ihrem Wissen. Sie teilen es.

Dabei gilt es, sich zu vernetzen, um Zugänge zu Wissen zu erhalten, das Wissen intellektuell sicher priorisieren, einordnen und verarbeiten zu können und es denen zugänglich zu machen, die es brauchen. Bedeutet auch: Anforderungsprofile von zukünftigen Wissensarbeiter/innen ändern sich. Das nachfolgende Video zeigt am Beispiel Personalgewinnung, welche neuen Möglichkeiten der Informations- und Wissensvernetzung sich allein durch soziale Medien ergeben.

Lufthansa hat hier übrigens bereits vor drei Jahren eine ganz einfache Strategie ausgerufen. Lasst die Leute sich vernetzen und kommunizieren. Wenn wir gute Arbeitgeber sind, werden sie positiv über uns erzählen, für Stellenangebote werben und selber Botschafter/innen für eine gute Sache sein.

Der Blogger Lars Hahn  hat in seinem Artikel „Wissensgesellschaft ist over“ beschrieben, welche Kompetenzen zukünftig erforderlich sein werden.

Soziale Arbeit 4.0

Wenn die Industrie ein Konzept 4.0 ausruft, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das ist heute nicht anders als bei der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Heute haben wir technologisch und kommunikativ die Chancen besser vorbereitet zu sein. Gehen wir es an!

  • Bildung 4.0
    Wie sehen unsere Fort- und Weiterbildungsangebote aus? Wie die medienpädagogischen Angebote unserer Kitas, Schulen und Dienste und Einrichtungen? Wie schulen wir selbst uns in dieser Frage weiter?
  • Wissensmanagement 4.0
    Horten wir Wissen oder verbreiten wir es? Erkennen wir, dass gehortetes Wissen keinen Vorteil bringt, sondern das Mitteilen und Verbreiten von adressatengerechten Informationen neue Vorteile des Miteinanders bringt?
  • Projekt- und Organisationskultur 4.0
    Inwiefern unterstützt die Arbeitswelt und Umgebung Vernetzung und kreatives Miteinander, den Austausch von Wissen und Innovationen?
  • Personalsuche 4.0
    Nutzen wir die sozialen Netzwerke als Kommunikator für Stellenangebote in Gruppen, auf Seiten, twittern darüber, sprechen wir gezielt potentielle Kandidaten an?
  • Public Relations 4.0
    Sehen wir in Öffentlichkeitsarbeit mehr als die Bewerbung des eigenen Unternehmens? Fassen wir hierunter auch die Kommunikation und Gestaltung von Beziehungen zu Verbündeten, Kooperationspartnern, Stakeholdern und zukünftigen Mitarbeiter/innen?

Ob es eine App für die Obdachlosenzeitung, ein Netzwerk für Flüchtlingsinitiativen oder eine Landkarte für Rollstuhlzugänge ist: Soziale Arbeit 4.0 bedeutet mit der Zeit zu gehen, damit diejenigen, für die wir bessere Chancen und Zugänge erreichen wollen, nicht abgehängt werden.

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