Veröffentlicht in Soziale Arbeit

#SozialChat – der Twitterchat für die Soziale Arbeit

Die Idee zum SozialChat wurde beim ersten SozialCamp – BarCamp der sozialen Arbeit geboren und in einer Facebookgruppe weiterentwickelt. Beispielgebend für diese Form des Austauschs war der EdChatDE – herzlichen Dank hierfür!

Was ist der #SozialChat?

#SozialChat ist ein Twitterchat unter dem „hashtag“ #SozialChat.

Engagierte Menschen der sozialen Arbeit (Studierende, Fachkräfte, Ehrenamtliche, Wissenschaftler & Co.) treffen sich am letzten Freitag im Monat von 20-21 Uhr auf Twitter und diskutieren über 7-8 Fragen, die von Moderator/innen  im 10 Minuten-Takt getwittert werden.

Die Teilnehmenden antworten auf eine Frage: F1 Welche digitalen Hilfen nutzt ihr in der sozialen Arbeit? mit A1: Onlineberatung (Beispiel).

Entwickelt und gegründet wurde der #SozialChat bis heute von Hendrik Epe, Christian Müller, Reiner Knudsen, Stephanie BraunBenjamin Wockenfuss und mir. Monika Heusinger hat ihre Erfahrung eingebracht. Herzlichen Dank dafür!

Termin: 31.3.2017 20 Uhr bis 21 Uhr

Die Fragen.

F1: Welche digitalen Hilfen nutzt ihr in der sozialen Arbeit?

F2: Wie kann digitale Inklusion gelingen?

F3: Wie können digital fitte Fachfrauen und -männer für die soziale Arbeit gewonnen werden?

F4: Welche digitalen Hilfen gibt es bei der Arbeit mit Flüchtlingen?

F5: Wie kann Twitter der sozialen Arbeit dienen?

F6: Welche Auswirkungen hat das Internet der Dinge für die Arbeit mit alten Menschen?

F7: Wie lassen sich Verantwortliche in den Organisationen für digitale Transformation sensibilisieren?

Was wird benötigt?

Einen Twitteraccount, den du hier anlegen kannst.

Wie das mit Twitter funktioniert, findest Du hier.

Füge den Hashtag #SozialChat zu deinen Tweets hinzu, damit sie im Chat erscheinen.

Wenn du auf die Antworten anderer Chatteilnehmer antworten willst, nutze die „Replyfunktion“ von Twitter.

Viel Spaß beim Twittern!!

Veröffentlicht in Soziale Arbeit

Agile Prinzipien – warum das agile Manifest der Softwareentwicklung auch der Sozialwirtschaft den Weg weist

Ich stelle schon seit längerem fest, dass die Digitalisierung in der sozialen Arbeit einen Kulturwandel beschleunigt, der anhand der Prinzipien der Softwareentwicklung von Thomas Michel toll beschrieben ist. Historisch hat sich die soziale Arbeit genauso entwickelt: selbstorganisiert. Mit dem Begriff der Sozialwirtschaft tue ich mich etwas schwer, weil er in der europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik zu einer Reduzierung der sozialen Arbeit auf ökonomisches Handeln führt. Der andere Teil nennt sich zivilgesellschaftliches Handeln. Die deutsche Sozialpolitik bzw. Soziale Arbeit kennt mehr Facetten. Persönlich schätze ich die hier beschriebene agile Methode sehr.

IdeeQuadrat

Gastbeitrag von Thomas Michl


Vor einigen Wochen bat mich Hendrik Epe einen Gastbeitrag zum Thema Agiltät und Sozialwirtschaft zu schreiben.

Als begeisterter Agilist, der selbst immer wieder auch über dieses Thema bloggt, habe ich spontan zugesagt, ohne zu ahnen, auf welche Herausforderung ich mich dabei eingelassen habe. Ich selbst bin nicht in der Sozialwirtschaft tätig, sondern bewege mich in der öffentlichen Verwaltung. Auch besitze ich keine sozialwirtschaftliche Ausbildung. Zwar hat mein Aufgabengebiet zahlreich Schnittstellen in diese Richtung, aber es sind doch zwei verschiedene Schuhe.

Da mir Hendrik es offenbar zutraut, diesen Spagat zu meistern, hoffe ich den geneigten Leser auch tatsächlich nicht zu enttäuschen.

Im Folgenden werde ich versuchen, ausgehend von der Definition, was Sozialwirtschaft überhaupt ist, zu zeigen, dass die agilen Prinzipien – ursprünglich formuliert im „Agilen Manifest der Softwareentwicklung“ – nahezu perfekt auch auf die Sozialwirtschaft übertragbar sind und diese befördern.

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Veröffentlicht in Soziale Arbeit

Was die soziale Arbeit in Deutschland auszeichnet.

Hier im Blog geht es um den digitalen Wandel in der sozialen Arbeit. Um Veränderung, soziale Innovationen und Kulturwandel.

Da klingen Namen wie Wärmestuben, Armenküchen und Fürsorge vergleichsweise altmodisch.

Für den Menschen, der frierend auf der Straße lebt, aber nicht.

Für den jungen Flüchtling ohne Eltern auch nicht.

Für den Menschen, dessen Schulden ihm über den Kopf wachsen, nicht.

Für sie bedeuten sie das, was sie brauchen: Wärme, Beheimatung, Verständnis.

Viele wissen nicht, dass die Hilfen der sozialen Dienste, die soziale Marktwirtschaft in Deutschland auszeichnen.

Daher ein kurzer Blick in die Geschichte.

Die großen Social Entrepreneure des 19. Jahrhunderts

„Der Wunsch, als Social Entrepreneur aktiv zu werden, gründet sich nicht in den Unterstützungsmöglichkeiten, sondern vielmehr in dem wachsenden Bewusstsein für gesellschaftliche Missstände und das persönliche Bedürfnis nach sozialer Veränderung und sinngebender Beschäftigung.“ (Fachartikel Social Entrepreneurschip)

Es waren damals wie heute jung-dynamische Persönlichkeiten wie beispielsweise Lorenz Werthmann, der Gründer des Deutschen Caritasverbandes, die Vereine gründeten, um der Not begegnen zu können.

Was den Jungunternehmern damals gelungen ist, ist die Verknüpfung der sozialen Arbeit mit der Sozialgesetzgebung und der Verankerung in der Verfassung.

Dieses Modell kennt in Europa kein anderes Land in einer vergleichbaren Form. Es ist ein Garant für sozialen Frieden, für hohe Qualität und eine vergleichsweise geringe Armutsquote.

Katholische Sozialpolitiker fanden sich Ende des 19. Jahrhunderts zusammen und waren der festen Überzeugung, dass man für „Saisonarbeiter, Seeleute, Tippelbrüder, Trinker, Körper- und geistig behinderte Menschen, Geschlechtskranke ebenso wie für Kindergärten, Fürsorgeerziehung, Mädchenschutz, Krankenpflege und Frauenfragen“ (Geschichte der Caritas) dringend etwas tun müsse.

„Diese organisatorische Zusammenfassung von privaten Einzelhilfen geschah in einer Zeit, die auch geprägt war durch Massennotstände und Kriege, vor allem aber durch die negativen sozialen Folgen der ersten Industrialisierungsphase. In dieser Zeit entwickelte sich die staatliche Armenpflege (kein Rechtsanspruch) hin zur Fürsorge (gesetzlich geregelt). Die Freie Wohlfahrtspflege trug in erheblichem Maße zur Herausbildung eines demokratischen Gesellschaftsbewusstseins bei. In der Weimarer Verfassungswirklichkeit ist folgerichtig die Freie Wohlfahrtspflege Grundbestandteil freiheitlicher Sozialordnung.“ (aus: Geschichte der Freien Wohlfahrtspflege)

Grundlegender Baustein ist hierbei das Subsidiaritätsprinzip (Artikel 23 GG), das zentrales Element und Garant des ordnungspolitischen Konzepts der sozialen Marktwirtschaft ist.

Es trug uns durch die Wiedervereinigung, durch die Wirtschafts- und Finanzkrise und durch die Flüchtlingszuwanderung. Die soliden Strukturen der freien Träger mit ihrer Personalkontinuität leisteten hier einen wesentlichen Beitrag.

Im Artikel 23 des Grundgesetzes ist nicht nur das Subsidiaritätsprinzip verankert, sondern auch der ausdrückliche Wille, in der Europäischen Union darauf hinzu wirken, dass diese Standards dort auch Anwendung finden. Dafür setzen sich Caritas und andere Verbände der Freien Wohlfahrtspflege ein, in dem sie europaweit für das sozialrechtliche Dreiecksverhältnis werben.

Die soziale Arbeit wird sich verändern, wandeln, weiter entwickeln.

So wie sie es schon immer getan hat.

Schon seit mehr als 100 Jahren.

Neue Ideen, Formen und Techniken tun da gut. Sie werden sie inspirieren und

nötige Veränderungen beschleunigen.

Die verfassungsrechtliche Verankerung darf dabei nicht verloren gehen. Sie ist eine wesentliche Säule unserer Demokratie.

Veröffentlicht in Jugendhilfe, Soziale Arbeit

Starke Rolle der Jugendämter im Sozialraum Sommerserie: #SGBVIII Reform

„Kindheit und Jugend erweisen sich als entscheidende Lebensphase, in denen die Grundlage für gute Entfaltungsbedingungen und für eine erfolgreiche Integration in die moderne Gesellschaft gelegt wird.“

so heißt es schon im 14. Kinder- und Jugendbericht.

Gleichzeitig wird darauf hin gewiesen, dass Kinderschutz, Bildung und Teilhabe nur dann gelingen kann, wenn die Institutionen, die das Heranwachsen des Kindes und Jugendlichen begleiten, kooperativ zusammen arbeiten.

Zukünftig: Infrastrukturelle Angebote im Sozialraum

Gemäß des afrikanischen Sprichworts „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ beobachten die Expert/innen des 14. Kinder- und Jugendberichts, dass die Institutionen im Sozialraum sich zunehmend vernetzen, um die Schnittstellen des Heranwachsens zu begleiten: Frühe Hilfen, KiTa, Ganztagsschule, Übergang Schule-Beruf u.ä.

Die Sozialraumorientierung wird daher im Gesetzesvorhaben aufgegriffen und betont.

Wie wird Sozialraum definiert?

„Sozialraum ist dabei als Quartier unterhalb der Stadt- bzw. Kreisebene zu verstehen, das über die Herstellung sozialer Bezüge und Milieus, identitätsstiftend wirken und Fokus für soziales oder politisches Handeln ist.“

Dabei werden vier verschiedene Akteur/innen genannt: Nahraum (hierzu zählt die Familie bzw. enge Bezugspersonen des Kindes), Zivilgesellschaft (Ehrenamt, Wohlfahrt, Vereine), Markt und Staat.

„Regelsysteme oder Angebote sind in diesem Kontext als infrastrukturelle Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, der sozialen Daseinsvorsorge, der kulturellen, sport- und bildungsbezogenen Angebote und Einrichtungen zu verstehen. Von dem Begriff erfasst sind grundsätzlich auch die Schulen.“

Einzelne Hilfen und Angebote sollen sich zukünftig infrastrukturellen Angeboten unterordnen. Sie erhalten im Hilfeplanverfahren den Vorrang. Hierüber erhofft man sich eine höhere Effizienz und Effektivität und damit nichtzuletzt auch Kosteneinsparung.

Der individuelle Rechtsanspruch des Kindes wird zukünftig damit auch durch Infrastrukturangebote im Sozialraum, Gruppenleistungen und die Kombinierbarkeit dieser Leistungsformen mit Individualleistungen erfüllbar.

Damit infrastrukturelle Leistungen dem Niveau von Individualleistungen entsprechen, wird es eine Verpflichtung zur Qualitätsentwicklung und – sicherung geben.

Und es wird eine Finanzierungsart ins SGB VIII aufgenommen, die es bislang noch nicht gab: über Effektivität und Effizienz von infrastrukturellen Leistungen sollen zukünftig Ausschreibungen mittels Vergaberecht als eine dritte Finanzierungsart im SGB VIII (neben Entgeltfinanzierung und gegenseitige Leistungsverträge sowie Finanzierung mittels Zuschüsse) geben.

Steuerungsrolle der Jugendämter

„Bund, Ländern und Kommunen kommt eine besondere Bedeutung zu. Der Staat ist nicht nur ein Akteur neben anderen, sondern der hoheitliche Staat ist zugleich in der Pflicht und in der Lage, als Regulierungsinstanz die Rahmenbedingungen für die pluralistische Produktion von Bildungs-, Hilfe- und Unterstützungsleistungen zu setzen und dafür Sorge zu tragen, dass die unterschiedlichen Instanzen der Wohlfahrtsproduktion zu diesem Zweck in geeigneter Weise kooperieren und sich wechselseitig ergänzen.“

Die Begriffe Effektivität und Effizienz werden in diesem Kontext auch erwähnt, da aus der Kostenexplosion in der Jugendhilfe (siehe Teil 1)  fiskalische Konsequenzen gezogen werden. Es ist nunmehr von vier Partnern die Rede: Privater Nahraum (zudem auch die Familie zählt), Zivilgesellschaft (z.B. Wohlfahrtsverbände und andere Vereine), Markt und Staat.

In der Gesetzesbegründung wird daher darauf verwiesen, dass die Jugendämter zukünftig noch mehr als in der Vergangenheit die Aufgabe haben, an den Übergängen und Schnittstellen zu anderen Leistungssystemen (z.B. SGB XII und Schulträger) zu agieren. Die Steuerungsinstrumente der Jugendämter sollen deutlich verbessert werden.

„Von entscheidender Bedeutung für die Sicherstellung der Bedarfsgerechtigkeit ist eine deutliche Qualifizierung der Steuerung der Leistungsprozesse durch den örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe.“

Man erhofft sich dadurch auch eine Verbesserung des Kindesschutzes.

Die Steuerungs- und Gesamtverantwortung für den gelingenden Prozess des Heranwachsens der Kinder und Jugendlichen in einer Kommune wird dem örtlichen Jugendamt vielfach im neuen Gesetz bescheinigt.

„Mehr und mehr ist der Staat dabei in eine Art „Garantenrolle“ gelangt, zumindest die erforderlichen Rahmenbedingungen für ein gelingendes Aufwachsen vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels zu schaffen.“ 14. KiJuBericht

 

Teil 3: SGB VIII Reform – die Knackpunkte

Veröffentlicht in Soziale Arbeit

Teufelskreis der Sozialwirtschaft: Warum Ehrlichkeit eine echte Alternative ist!

Wieder ein treffsicherer Beitrag von Hendrik Epe über Fachkräftesicherung, Unternehmensblogs und ehrliche Unternehmenskultur. Sehr anregend!

IdeeQuadrat

photo-1432821596592-e2c18b78144fTeufelskreis klingt ja ziemlich übel.

Als Teufelskreis wird ein System bezeichnet, in dem mehrere Faktoren sich gegenseitig verstärken (positive Rückkopplung) und so einen Zustand immer weiter verschlechtern.

Was bitte soll so dramatisch sein, dass es als Teufelskreis bezeichnet werden kann?

Fachkräftemangel: ein echter Teufelskreis!

Ganz klar: Es ist der Fachkräftemangel, der viele Organisationen aktuell schon betrifft und zukünftig verstärkt betreffen wird.

Das ist nicht neu:  „Pseudo-Bewerbungsgespräche“ werden geführt, da es niemanden auszuwählen gibt. Einrichtungen müssen schließen, da es einfach keine Menschen mehr gibt, die entsprechend ausgebildet sind. Vor allem aber sinken die Qualitätsstandards, weil es nicht mehr um Professionalität geht, sondern einzig um Sicherstellung der gesetzlichen Pflichtaufgaben. 

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