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Vom Sorgenkind zur Modellregion.

Erinnert ihr Euch noch an den Paradigmenwechsel als aus der Aktion Sorgenkind die Aktion Mensch wurde? An dem Punkt stehen wir gerade bei der Caritas in Schleswig-Holstein.

Was gebraucht wird.

In meinen ersten Wochen habe ich mit vielen Menschen gesprochen und Einrichtungen besucht, um ein Gefühl für den Bedarf zu bekommen. Dabei haben sich zentrale Herausforderungen heraus kristallisiert:

Sichtbarkeit. Wer oder was ist eigentlich die Caritas in Schleswig-Holstein? Welches Profil ergibt sich aus den Diensten und Angeboten? Ein Sammelsurium oder eine Strategie? Vielfalt oder Kernkompetenz? Was auch immer: das Profil ist auch deswegen nicht erkennbar, weil das Angebot der Caritas in Schleswig-Holstein nicht sichtbar ist.

Kommunikation & Information. Eine dezentrale Organisation wie die Caritas in Schleswig-Holstein und die Caritas im Norden insgesamt leidet rein strukturell an Informationsdefiziten und einer unzureichenden Kommunikationskultur.

Schnelle Problemlösungen. Die Menschen vor Ort in der Praxis haben wenig bis gar keine Ressource sich um Aufgaben zu kümmern, die ausserhalb ihrer unmittelbaren Tätigkeit am Menschen liegen. Wenn Probleme auftauchen, sind sie darauf angewiesen, dass sie zügig gelöst werden.

Geld. Nicht nur durch Corona: die Mittel werden knapper. Der Bedarf an zusätzlichen Einnahmen steigt.

Angebote in der Fläche. Schleswig-Holstein ist ein Flächenland. Es ist das Land zwischen den Meeren. Während an der Ostsee bis hin nach Hamburg in den Ballungsräumen Angebote zu finden sind, tut sich an der Nordseeküste bisher wenig bis nichts.

Gezielte Interessenvertretung. Diskurs ja, Labergremien nein. Knappe Ressourcen erfordern Zielgenauigkeit. Und direkte Ansprache der Personen, die unterstützen können bzw gute Partner/innen sind.

Erste Schritte.

Social Media. Die Kanäle sind schnell eingerichtet. Die Wahl fiel auf Instragram (für die Jungen), Facebook (für die Älteren) und Twitter für die sozialpolitische Öffentlichkeitsarbeit. Wichtig ist, dass die Kanäle bespielt werden. Klasse daher, dass wir hier im Team begeisterte Menschen haben, die Lust haben, sich etwas auszudenken und zu befüllen. Ergebnis: Die Caritas Schleswig-Holstein wird sichtbarer.

Workplace und Newsletter. Die interne Kommunikation wird teilweise digitalisiert, um den Informationsaustausch zu fördern und zu vereinfachen. Das erfordert die Entwicklung neuer Kompetenzen im Umgang mit digitaler Technik, Social Media, und Informationsmanagement.

Agile Problemlösungen. Die Praxis braucht direkte Hilfe. Um die Arbeit gezielt hierauf auszurichten, braucht es noch mehr Praxiskenntnis, um flexibel auf die Anforderungen zu reagieren. Die Arbeit mit agilen Methoden wie dem Daily wird dieses Anliegen unterstützen.

Quelle: https://www.digitales-kompetenzzentrum-kiel.de/aktuelles/information/agile-projekttools-daily.html

Finanzkompetenz stärken und organisieren. Ein Schwerpunkt unserer Aufgaben in der Landesstelle sind Finanzen: Buchhaltung für unsere Einrichtungen und Zuschusswesen. Das werden wir ausbauen, um die Praxis vor Ort gezielt bei der Beschaffung von Geldern zu unterstützen.

Und was ist eigentlich die Aufgabe einer Landesleitung?

Da wir uns in Neu- und Umstrukturierungen befinden, ist auch das Aufgabenprofil meiner Stelle als Landesleitung zu überdenken. Gerade im Sanierungsprozess, in dem viele Aufgaben neu bewertet und überdacht werden müssen, habe ich mir die Frage gestellt: Braucht es überhaupt eine Landesleitung und wenn ja, welche Aufgaben fallen an? Stand heute: es braucht sie und sie hat fünf Kernaufgaben.

Den roten Faden im Blick behalten. Aufgaben beschreiben, bewerten, umsortieren, Besprechungen, Einzelgespräche, strategische Themen angehen, den Weg skizzieren, kommunizieren, korrigieren. Kurz: Leitung und Strategie.

Trüffel suchen und finden. Die Mittel werden knapper. Erträge müssen gesteigert werden. Als Landesleitung gehört es daher klar zu den Aufgaben, neue Gelder zu akquirieren und alternative Wege zu gehen, um Erträge zu steigern. Kurz: Mittelakquise.

Dem Wind of Change folgen. Wir leben in schnelllebigen Zeiten. Das einzige was bleibt, ist die Veränderung. Es gilt daher Trends zu erkennen und einzuordnen, um sie in erträglichem Maße für die Organisation nutzbar zu machen. Kurz: Veränderungsmanagement und Organisationsentwicklung.

Aus der Tradition heraus das Neue entwickeln. Not sehen und handeln halte ich auch nach all den Jahren für den besten Slogan und das exakte Leitbild, dem die Caritas folgen sollte. Er beschreibt ihren Kern. Gleichzeitig gilt es mit der Zeit zu gehen und die traditionellen Angebote upzudaten. Stichwort: Onlineberatung. Gerade eine Modellregion wird sich das Neue auf die Fahne schreiben. Das gilt es zu fördern und zu integrieren. Kurz: Innovationsmanagement

Kollaborieren. Traditionell besteht Verbandsarbeit aus Gremienarbeit. Auch diese gehören auf den Prüfstand. Welche sind wirksam? Wie lassen sich Ressourcen und Wege effektiver gestalten? Kurz: Netzwerken, verbandspolitische Öffentlichkeitsarbeit, gezielte Interessenvertretung.

Die grüne Wiese ist mein Symbol für Neuanfang, Experimente und Innovationen. Das Bild passt zum Flächenland Schleswig-Holstein. Wir werden hier Neues erproben, manches verwerfen und hoffentlich vieles optimieren. Adieu Sorgenkind! Welcome Modellregion. Die Veränderung beginnt mit dem Mindset oder schlicht: im Kopf!

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Neue Wohlfahrt: Was wäre, wenn wir nochmal ganz neu anfangen könnten?

Wenn man (oder frau) alle Tradition, alles bisher Bekannte & Vertraute einfach über Bord werfen würde und nochmal ganz neu anfangen könnte, was würde dann geschehen?

Ein wenig geht es uns doch gerade so nach den Lock & Shut Downs. Wir philosophieren und reflektieren darüber, was uns diese (ungewollte) Auszeit gebracht hat.

  • Was haben wir gelernt?
  • Auf was wollen wir für immer verzichten?
  • Was ist eigentlich das Wesentliche?

Gestrandet. Auf der grünen Wiese.

Auch mir persönlich geht es so. Eben noch mitten in den Ballungsräumen finde ich mich mit Beginn der Lockerungen in der Pandemie auf der grünen Wiese in den schönen Landschaften Schleswig-Holsteins wieder und darf nochmal ganz neu anfangen. Und zwar mit allem: wohnen, leben, arbeiten.

Als wir beim letzten #SozialCamp über die Grüne Wiese diskutiert haben, wusste ich noch nicht, dass sie mir bald so ganz real begegnen würde.

Dazu passt, dass wir letztlich, ohne es zunächst beabsichtigt zu haben, auf der Insel Fehmarn beheimatet sind, einer Insel, die wir vorher nicht kannten und die uns durch ihre unberührte Natur und ihre gigantische Landwirtschaft fasziniert.

Auch der Maler Ernst Ludwig Kirchner war von dem einfachen und sinnlichen Leben auf Fehmarn angezogen und schuf im Zeitraum von 1908 bis 1914 mehr als 120 Ölbilder. Bezeichnend ist, dass Kirchner zur Lebensreformbewegung gehörte, ein Oberbegriff, der für verschiedene soziale Reformbewegungen steht, die sich gegen Industrialisierung, Materialismus und Urbanisierung wandten.

Bezeichnend deswegen, weil dieses Umdenken auch dem Leben mit Corona gut täte. Das Soziale ist ohne das Nachhaltige, ohne Natur- und Umweltschutz, das Ökonomische ohne das Ökologische, nicht mehr zu denken. Hier auf Fehmarn, wo die Windräder leise surren und gleichzeitig ungeachtet jeglichen Artenschutzes durch den Bau des Fehmarnbelttunnels nach Dänemark ganze Wasserlebenswelten zerstört werden sollen, eröffnen sich die Zusammenhänge ganz unmittelbar.

Was ist wirklich wesentlich in Kirche, Gesellschaft, Caritas, Wohlfahrt? Eine Frage, die mich immer mehr beschäftigt. Nah an der Natur beim Hahnenschrei erwachend, in die Sonne blinzelnd, den Blick über die weiten Kornfelder streifend, in der kristallklaren Ostsee schwimmend Kirchner nur zu gut verstehend, der hier ähnlich glücklich gewesen und sich frei gefühlt haben muss.

Wohlfahrt neu denken.

Wo stehen wir nach dem Lock down mit Kirche, Caritas & co.? Wo stehen wir hier in Schleswig-Holstein? Wir stehen vor wenig. Es ist nicht nichts. Aber es ist wenig.

Es liegt nicht nur daran, dass die Caritas hier im Norden ein kleiner Player ist. Es liegt daran, dass das Geld knapp ist und durch die Coronakrise noch knapper geworden ist. Und es liegt daran, dass noch unklar ist, ob wir auf die aktuellen Zeiten die richtigen Antworten haben.

Und darin besteht gleichzeitig auch die Chance.

Der kleine katholische Campus in Kiel im Krusenrotter Weg mit der Liebfrauenkirche, dem Haus Damiano, einer franziskanischen Weggemeinschaft, dem katholischen Büro, der katholischen Jugend und dem Caritasverband eingebettet in einen hübschen Park mit sehr alten Bäumen und einem großen Teich scheint eine kleine Welt für sich.

Hier wie auch an den örtlichen Caritasstandorten im Land wirft der Lock down die Frage auf, was braucht es eigentlich (noch) an Wohlfahrt in der heutigen Gesellschaft gerade auch mit der aktuellen Pandemieerfahrung.

Was ist zu tun?

Ich bin ohne Agenda nach Kiel gekommen. Ohne Vision. Ich wollte offen sein für alles Neue. Ich wollte mich neu einfädeln in das Bestehende.

Wie gehe ich vor? In meinen ersten knappen vier Wochen erkunde ich im wahrsten Sinne des Wortes die Umgebung. Ich habe die Menschen um mich herum, das Team, die Einrichtungen und unsere Caritasstandorte, gefragt:

  • Was war bislang gut?
  • Was ist reformbedürftig?
  • Was macht die Caritas in Schleswig-Holstein aus?
  • Was braucht sie?
  • Was brauchen die Regionen?

Ich habe gelernt, unser Portfolio besteht aus:

  • Pflege (ambulant und stationär)
  • Kurkliniken
  • einem differenzierten Beratungsangebot bis hin zur Onlineberatung
  • Kitas, Jugendhilfe (stationär) und Eingliederungshilfe (stationär)
  • Fachverbände

Die Caritas im Norden ist Einrichtungsträger, Gesellschafter und Mitgliederverband.

Ich bin jetzt knapp vier Wochen da und habe viele Informationen gesammelt. Ich habe eine Reihe von Einrichtungen besucht, mit vielen Menschen gesprochen, mir ein Bild gemacht, erste Entscheidungen getroffen, die Finanzen studiert.

Konsequent von der Praxis her denken.

Haben die alten Gründer und Gründerinnen der Wohlfahrt am Reißbrett gestanden und die Praxis geplant? Ganz klar: nein! Die Initiativen, Projekte, Vereine entstanden, um Not in ihrer unmittelbare Umgebung zu lindern. Sie entstanden, weil ein Bedarf da war und, weil ein paar Engagierte, häufig Ehrenamtliche, sich zusammen taten, um den Bedarf zu decken. Das Netzwerk vor Ort ist entscheidend. Der Bügermeister, der Kommunalpolitiker, der Unternehmer, der Pastor (oder die Bürgermeisterin, Politikerin, Unternehmerin, Pastorin … )

Was ist der Bedarf in Schleswig-Holstein? Die aktuelle Kinderarmutsstudie der Bertelsmannstiftung hat gerade ein paar alarmierende Zahlen veröffentlicht.

Demnach liegt die Quote in manchen Ballungsräumen doppelt so hoch als der Landesdurchschnitt. Der Bedarf ist also da.

Not sehen und handeln, was tun und was nicht lassen?

Die Antwort ist: wir müssen konsequent von der Praxis her denken. Was braucht die Praxis, damit sie gut arbeiten kann. Was müssen andere Ebenen bereit halten und was auch nicht?

Es ist wieder wie zu den Gründerzeiten der Verbände: Die Aufgabe wird sein, der örtlichen Praxis den bestmöglichen Rahmen zu schaffen und auf der höheren Ebene exakt die Dienstleistungen bereit zu halten, die sie benötigen. Für alles andere ist kein Geld da.

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Verbandliches Handeln neu denken.

Am Vorabend meines Geburtstages Anfang Februar begegnete mir die Stelle „Landesleitung Schleswig-Holstein“ in den sozialen Medien (Instagram).

Da mein Mann und ich schon länger mit dem Gedanken spielen, an die Ostsee umzusiedeln, finden dortige Angebote schon mal meine Aufmerksamkeit.

Diese Ausschreibung weckt auch deswegen mein Interesse, weil wir in der Caritas im Rahmen eines Projektes „Verbandliches Handeln neu denken“ festgestellt haben, dass der Landesebene neben der Bundes- und kommunalen Ebene, eine wichtige Bedeutung zu kommt. Die Caritas als kirchlicher Wohlfahrtsverband ist jedoch auf Bistumsebene organisiert und Bistumsgrenzen decken sich, historisch gewachsen, nicht mit den Grenzen der Bundesländer.

Die Länderebene organisieren.

Die Diözesanen Caritasverbände (DiCVe) haben in den Bundesländern unterschiedliche Lösungen entwickelt, ihre Arbeit auf Landesebene zu organisieren. So gibt es in Bayern einen Landescaritasverband, in Niedersachsen ein gemeinsames Landesbüro und in NRW thematisch organisierte Konferenzstrukturen.

Hinzu kommt, dass die DiCVe bundesweit selbst auch unterschiedlich organisiert sind. Es gibt klassische Dachverbände und damit Mitgliederverbände wie es beispielsweise in NRW der Fall ist. Andere sind selbst Einrichtungsträger und bewegen sich dabei sowohl auf kommunaler als auch Landesebene, so in Bayern.

Der Verband in Essen ist ein klassischer Dachverband. Meine Aufgabe in Essen habe ich darin gesehen, ihn zu einem guten Dienstleister für unsere Mitglieder weiter zu entwickeln. Entsprechend haben auch diese strategischen Themen die Agenda bestimmt.

Die ehemaligen Ortscaritasverbände und Diözesan-Caritasverbände im Erzbistum Hamburg sind 2018 fusioniert und unter einem Dach, der Caritas im Norden, zusammengeführt worden. Heute ist der DiCV Hamburg mit Sitz in Schwerin in 3 Bundesländern tätig. Er ist Träger von 180 Einrichtungen und Diensten in 9 Regionen (früher Ortscaritasverbände). 5 davon sind in Schleswig-Holstein: Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster und Itzehoe. Die Übrigen sind Hamburg, Schwerin, Rostock und Neubrandenburg.

Das Erzbistum Hamburg erstreckt sich also über drei Bundesländer: Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Flächenmäßig ist es mit 32.520 Quadratkilometern das größte Bistum. Die Katholikenzahl beläuft sich auf knapp 400.000 und damit ist es im Ranking der 27 Bistümer das siebtkleinste Bistum. In Schleswig-Holstein macht die Zahl der Katholiken 6% an der Gesamtbevölkerung aus.

Von der örtlichen Praxis her denken.

Die übergeordneten Ebenen sollen Dienstleister der örtlichen Praxis sein. Klassisches Subsidiaritätsprinzip: die prinzipielle Nachrangigkeit der nächst höheren Ebene. In der Caritas ist die Verinnerlichung dieser Erkenntnis eine kleine Revolution, denn noch denkt und atmet der Verband wie seine katholische Kirche an vielen Stellen streng hierarchisch. Top Down sticht Bottom up.

Dabei sind die Wohlfahrtsverbände Bottom up entstanden. Kleine, häufig ehrenamtlich organisierte, Initiativen bildeten sich, um Menschen in Not zu helfen. Da diese kleinen Vereine aber oft nicht die Struktur, Ressource und Power hatten, um sich für geeignete Rahmenbedingungen einzusetzen, entstanden Verbandsstrukturen.

Gerade die Coronakrise hat gezeigt, dass die unmittelbare Praxis in den Krankenhäusern, der Pflege, den Kitas und Einrichtungen der Jugend- und Eingliederungshilfe im Mittelpunkt stehen muss. Die Aufgabe der höheren Ebenen ist hier eine dienende Funktion: sich um Schutzmaterialien zu kümmern, Rettungsschirme zu organisieren und mit Partnern auf Land- und Bundesebene Lösungen für jeweils tagesaktuelle Herausforderungen zu entwickeln.

Agil, digital, experimentierfreudig sein!

Mich persönlich hat diese neue Struktur neugierig gemacht und die Verantwortung für die Landesebene, die gleichzeitig auch für die Ortsebene im jeweiligen Bundesland zuständig ist, angesprochen.

Im Projekt gab es noch weitere zentrale Erkenntnisse:

  • Es braucht neue Formen der Themen-Identifizierung und -Bearbeitung: Es gilt zwischen verbandlichen Akteuren schneller, unmittelbarer und intensiver zu kommunizieren. Digitale Instrumente und virtuelle Plattformen sollen systematisch und gezielt eingesetzt werden.
  • Das eine bedingt das andere: Die Erkenntnis, dass die alten Gremien- und Konferenzstrukturen nicht mehr den aktuellen Anforderungen entsprechen führt zu der Empfehlung, Konferenzstrukturen in Hinblick auf Wirksamkeit und Effizienz zu überarbeiten. Dies wiederum kann mit digitalen Tools unterstützt werden. Gleichzeitig ist es aber auch der Hinweis, Teams ebenenübergreifend und nach Kompetenzen zu besetzen.
  • Last but not least und das Gegenteil von abschließend: Verbandliche Entwicklung ist ein permanenter Prozess: Mut zum Experiment haben!

Es geht also darum, Wohlfahrt bzw. Caritas insgesamt agiler, praxisorientierter und digitaler zu entwickeln.

Die Coronakrise hat die Umsetzung der Erkenntnisse beschleunigt: Videokonferenzen gehören nun zu den obligatorischen Tools, die zügige Bearbeitungen ermöglichen. Externe Gesprächspartner können leicht und einfach dazu geschaltet werden.

Es geht im Kleinen wie im Grossen darum wie verbandliche Arbeit sich entwickelt. Die traditionelle Wohlfahrtspflege entwickelt sich weiter. Sparzwänge verändern die traditionelle Arbeit, aber in ihnen liegt auch eine Chance, weil es gilt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Neue Abenteuer wagen.

Wir waren mit Geburtstagsgästen auf der Insel und gegen Mittag brachen meine Freundin und ich mit den Hunden zu einem längeren Spaziergang auf. Wir kehrten in einer Strandbar am Meer ein und philosophierten am Kaminofen in tiefen Ledersesseln über das Leben.

„Was wäre für Dich ein echtes Abenteuer? Ich wurde letztens gefragt, aber mir fiel nichts ein. Fällt Dir etwas ein?“

Ohne zu zögern antwortete ich: „Nach Kiel zu gehen.“ Und dann erzählte ich von der Stelle und plötzlich reifte in mir der Gedanke, dass es interessant sein könnte, diese neue Aufgabe mitzugestalten und zu entwickeln.

Kiel ist nicht Essen. Die oben beschriebenen Herausforderungen sind andere. Der Verband ist in einem Prozess. Ich werde viel zu lernen haben. Vor allem von der Praxis, um zu verstehen, wo meine Kompetenzen und meine Erfahrungen gebraucht werden.

Darauf freue ich mich!

Zum Weiterlesen:

Was ist eigentlich ein Traumjob?

Große Fußstapfen – so ein Quatsch!

Wer führt in die neue Zeit?

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Krisenmodus: Die Konzentration auf das Wesentliche.

Seit gut drei Wochen arbeiten wir nun im Krisenmodus. Seit gut 2 1/2 Wochen überwiegend von zuhause.

Plötzlich funktioniert all das, was wir seit Monaten theoretisch diskutieren:

  • Wir fokussieren uns auf das absolut Wesentliche.
  • Im Mittelpunkt des Handelns stehen die Anforderungen der Praxis vor Ort.
  • Neue Technologien sind selbstverständliches Handwerkszeug.

Vieles fällt weg:

  • Lange Wegstrecken
  • Redundanzen
  • Ergebnislose Sitzungen
  • Endlose Terminsuche

Es ist wie eine Skulptur, bei der der Bildhauer alles Überflüssige weghaut, damit die Schönheit, das Wesentliche, sichtbar wird.

Insbesondere gilt das für unsere Gesellschaft. Es werden diejenigen und das sichtbar, das (System-) relevant ist.

  • Berufsgruppen
  • Institutionen
  • Gesundheit
  • Werte
  • Grundrechte
  • Sozialschutz
  • Umwelt

Krisenmanagement.

Der Tag beginnt mit einer Videokonferenz … würde jetzt stilistisch gut klingen. Stimmt in meinem Fall aber nicht.

Mein Tag beginnt mit einer Tasse Tee und Nachdenken. Es ist früh und die Zeit des Tages, in der ich gedanklich sortiere und ordne, Pläne mache und Ideen entwickle.

Das ist nicht anders als sonst.

Später ist aber der Weg zum Schreibtisch deutlich kürzer und die Meetings knapper. Über den Tag verteilt summieren sich 4- 5 Videokonferenzen. Manche dauern nur eine halbe oder 3/4 Stunde. Andere gehen über den ganzen Nachmittag. Jede dieser Konferenzen hat konkrete Ergebnisse und orientiert sich unmittelbar an dem, was die Praxis braucht. Ein Thema, das immer auf der Tagesordnung stand, sind Schutzmaterialien, denn die fehlen an allen Ecken und Enden. Vor allem in Einrichtungen, die ohne Schutzmaterialien gar nicht arbeiten dürfen.

Die Not fördert den Zusammenhalt. Sie fördert zügige politische Entscheidungen und erfordert ein agiles Agieren wie es für manche von uns eher immer noch ungewohnt ist. Der lange Diskurs entfällt. Das ist nicht nur gut, denn schnelle Entscheidungen sind nicht immer perfekt. Aber jetzt müssen sie sein.

Jede Videokonferenz ist eigentlich ein Krisenstab. Kern ist der Krisenstab, der Unterstützung für unsere Mitglieder organisiert und täglich zur gleichen Zeit zu einem kurzen Meeting zusammen kommt, um die Tätigkeiten im Zeitraum bis zum nächsten Tag zu teilen, zu planen und mögliche Hindernisse im Team zu kommunizieren, um notwendige Aktionen möglichst sofort einzuleiten.Fester Bestandteil ist ebenfalls ein tägliches Videoangebot für unsere Mitglieder zu einem bestimmten Thema.

Hinzu kommt 1-2x die Woche die Videokonferenz mit dem Hauptausschuss der Freien Wohlfahrt NRW, um Aktivitäten auf Landesebene zu bündeln und anzugehen.

Neu ist jetzt ein interministerieller Krisenstab mit dem Land NRW, um Querschnittsthemen zu besprechen.

Unser Corona-Mitgliederservice.

Der Krisenstab für unsere Mitglieder ist ein Arbeitsstab der Geschäftsleitung, der eingerichtet wurde, um Mitgliederbedarfe, die durch die Coronakrise entstehen, zeitnah bearbeiten und lösen zu können. Er unterscheidet sich damit vom internen Krisenstab, der Coronathemen, die die Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle betreffen, bearbeitet.

Der Arbeitsstab setzt sich durch die Leitungen der Kompetenzzentren zusammen. Kompetenzzentren arbeiten in der Geschäftsstelle im Sinne einer Matrixorganisation abteilungsübergreifend an Produkten, Dienstleistungen und Angeboten, um Mitgliederbedarfe effizient zu bedienen. 

Die Leitungen der Kompetenzzentren können zur Bearbeitung von Aufgaben auf Teams zurückgreifen. So sollen Themen und Fragen, die durch die Coronakrise aufgeworfen werden, zügig gebündelt bearbeitet werden. 

Formate und Strukturen der Arbeit orientieren sich an dem, was gebraucht wird. Es ist ein lernender Prozess, da die Unmittelbarkeit des Handelns bisher in dieser Weise ungewohnt ist.

Methoden & Arbeitsweise 

  • tägliche Videokonferenzen, die sich an der Daily-Scrum* Methode orientieren
  • Bearbeitung von Einzelanfragen
  • Identifikation von relevanten Themen (z.B. Schutzmaterialien, Kurzarbeit, Liquidität)
  • Transport der Mitgliederanfragen an Entscheidungsträger
  • Feedback & Bedarfsumfragen via Workplace
  • Produkte & Projekte, die Mitglieder in der Krise unterstützen
  • Begleitende Social Media Arbeit (Social Media Team*)

Das Social Media Team ist eine Workplacegruppe, in der Social Media Aktivitäten koordiniert werden. Für die Social Media Arbeit während der Coronakrise wurden 3 Ziele verabredet: 

  • Information (Hilfesuchende)
  • Sozialpolitische Öffentlichkeitsarbeit (Politik, Kostenträger, Stakeholder)
  • Emotionaler Content (Dank aussprechen, Mitgefühl, Seelsorge)

 

Bisherige Ergebnisse & Produkte

  • zeitnahe Information / Echtzeitkommunikation über Lobbyletter & Workplace
  • Hotline für unsere Mitglieder
  • Sicherung des Fortbestands der Dienste & Einrichtungen durch Rettungsschirme auf Bund- und Länderebene durch Lobbyarbeit & Social Media
  • gezielte Einzelberatung
  • Gruppenberatungen/VideoChats zu Kurzarbeit, Liquidität, Werkstätten, Onlineberatung, Schutzmaterialien & Quarantäne, Arbeitsrecht, Betreutes Wohnen, Bundes- und Landesgesetze
  • Übersicht über die Liquidität einzelner Dienste und Einrichtungen
  • Arbeitshilfe Krisenmanagement für die örtliche Pressearbeit 

Was der Arbeitsstab nicht leisten kann:

  • Längere fachliche Diskurse
  • Entwicklung von Produkten & Dienstleistungen, das ist Aufgabe der Kompetenzzentren.

Wie wird die (Arbeits-) Welt nach Corona aussehen?

Um im Bild zu bleiben: wie kann die Schönheit der Skulptur erhalten bleiben?

Die schöne neue Homeoffice-Welt kann und darf nicht romantisiert werden. Denn für viele Menschen sieht die Welt deutlich anders aus. Auch für die Dienste und Einrichtungen der Wohlfahrt, die insbesondere gerade jetzt vor gravierenden täglichen Herausforderungen stehen. Für viele Menschen wird diese Krise einschneidende wirtschaftliche Folgen haben.

Aber vielleicht lehrt uns dieser Shut down im Auge zu behalten, was wesentlich ist. Welche Berufsgruppen existentiell notwendige Dienste für die Gesellschaft tun. Dass es Institutionen braucht wie Krankenhäuser, Pflegeheime, soziale Einrichtungen, die nicht unter dem Druck der Gewinnorientierung stehen, sondern frei und gemeinnützig ihrem gesellschaftlichen Auftrag nachkommen.

Vielleicht ist dieser Shut Down ein neuer Aufbruch für gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Sozial- und Gesundheitsschutz, für elementare Grundrechte, Solidarität und Umweltfragen.

Denn diese gesellschaftliche Form, Skulptur, wird es brauchen, um die Folgen der Krise bearbeiten zu können.

Schön wär’s. Allemal.

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Agiles Krisenmanagement. #Corona

Die Vögel zwitschern und die Forsythien blühen. Nach wochenlangem Regen drängt es die Menschen auf die Strasse. Kinder wollen sich mal so richtig austoben.

Und dann das.

Etwas nie dagewesenes passiert.

Ein Ausnahmezustand.

Die Bedrohung ist ein Virus. Ein unsichtbares Etwas, das gerade der globalen Gesellschaft größter Feind wird.

Ende Januar war man in Deutschland noch der Auffassung, dass es kein besonders Risiko für die Bevölkerung gibt, das sieht Stand heute deutlich anders aus.

Die Bevölkerung sitzt überwiegend im Home-Office, die Grenzen werden geschlossen, selbst die Bundesländergrenzen sind nicht mehr freizügig zu passieren und je nach Verlauf, könnte es sogar zu einer Ausgehsperre kommen.

Was ist zu tun?

Es fängt damit an, dass man sich nicht mehr die Hand reicht und beim Händewaschen Happy Birthday singt. Noch gehe ich zu den verschiedenen Events, aber schon mit einem gewissen Abstand.

Es wird unheimlicher.

Aber noch planen wir größere Veranstaltungen, können uns gar nicht vorstellen, dass das Leben stehen bleibt.

Und dann beinahe von einem Tag auf den anderen ist klar:

Das ist ein richtiges fettes Ding, das da unsichtbar auf uns zu rast.

Interner Krisenstab.

Als erstes richten wir einen internen Krisenstab ein. Unser Haus der Caritas im Bistum Essen ist ein Haus der Begegnung. Hier treffen sich gerne viele Gremien, weil es zentral ist. Außerdem sind wir ein Fort- und Weiterbildungszentrum.

Alles steht still.

Abgesagt.

Wird abgesagt das Unwort des Jahres 2020? Auf jeden Fall wird dieser Frühling als der Coronafrühling in die Geschichte eingehen.

Wir Deutschen haben zum Glück immer so einfache Begriffe, wenn wir irgendetwas ordentlich regeln. Zum Beispiel das schöne Wort „Organisationsverfügung“. Das jedenfalls erarbeiten wir und regeln damit die notwendigen Dinge, die unsere Geschäftsstelle betreffen.

Service für unsere Mitglieder.

Die größere Herausforderung ist die Begleitung unserer Mitglieder. Unsere Mitglieder stehen vor enormen Herausforderungen. Es geht darum, die Mitarbeitenden und die Klienten oder Bewohner zu schützen. Es geht um gesellschaftliche Verantwortung. Und um schnöde, aber existentiell wirtschaftliche Fragen.

Wie organisieren wir uns?

Wir wenden (einfach) an, worauf wir uns jetzt schon eine ganze Weile vorbereitet haben: digitale Tools und agile Arbeitsweisen.

Zum Glück sind viele Mitarbeitende entsprechend geschult. Ganz klar ist:

Der Corona-Virus ist ein Beschleuniger digitaler Transformationsprozesse.

Nachdem die internen Dinge fürs erste geregelt sind, mobiles Arbeiten und Homeofficeregelungen, richten wir einen Krisenstab_Mitglieder ein und gehen am

Montagfrüh mit unseren Mitarbeitenden in unseren „DenkRaum“.

Der DenkRaum.

Der DenkRaum ist ein Format, das wir anwenden, um kreativ Probleme zu lösen.

Wir stellen uns drei Fragen:

– Was sind aktuell die größten Herausforderungen für unsere Mitglieder?

– Was sind mögliche Lösungen?

– Was sind die nächsten ganz konkreten Schritte?

MeisterTask.

Mit der App MeisterTask, einer Projektmanagement App, dokumentieren wir die Ergebnisse und richten eine Projektgruppe Kristenstab_Mitglieder ein.

Hier werden wir Mitgliederanfragen abarbeiten: „Offen – in Arbeit – Fertig.“

Workplace.

In Workplace organisieren wir inzwischen das Netz der Caritas im Bistum Essen, um schnelle Kommunikationskanäle zu haben und verschiedene Arbeitsgruppen sowie unsere Diözesanen Arbeitsgemeinschaften in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern.

Hier können Gruppen auch unkompliziert Videochats durchführen. Und so richten wir für unseren Krisenstab eine entsprechende Gruppe ein, die unsere Arbeit kommunikativ begleiten wird.

Hotline, Corona-Mail und thematische Videokonferenzen.

Seit heute bieten wir auch eine Hotline für unsere Mitglieder an, das heißt unter einer speziellen Rufnummer oder per Mail können Mitglieder ihre Fragen an uns adressieren. Wir bearbeiten die Anfragen in unserer MeisterTask Gruppe und veröffentlichen die Ergebnisse in unserem Lobbyletter, damit alle daran teilhaben können.

Neu anbieten werden wir themenbezogene Videokonferenzen zu aktuellen Fragestellungen.

Zusammengefasst:

So weit, so gut.

Ich bin gespannt wie alles die nächsten Tage laufen wird. Die gesellschaftliche Herausforderung vor der wir stehen, ist jedenfalls enorm.

Wir lesen uns!

Und bis dahin: Bleibt gesund!