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Agile Wohlfahrt? Kein Widerspruch.

Hinter mir liegen fünf bis zum Rand gefüllte erste Wochen im neuen Amt.

Ich lerne viel.

Ich lerne das Team kennen.

Unsere Mitglieder.

Die Mitglieder der Hauptabteilungsleiterkonferenz im Bistum.

Viele, viele Einzelgespräche, die mir wertvolle Hinweise für meine Arbeit geben.

Ich mache meine täglichen Erfahrungen als Vorstandsvorsitzende.

Und meine Erfahrungen als Diözesan-Caritasdirektorin.

Zwei verschiedene Ämter, die jeweils ihre Bedeutung haben.

Die Geschäftsstelle.

Die Geschäftsstelle eines Spitzenverbandes der Freien Wohlfahrtspflege ist eine organisatorische Einheit. Sie ist das Zentrum der Aktivitäten eines Verbandes im jeweiligen Einzugsgebiet. In diesem Fall des Ruhrbistums.

Dabei ist das Ruhrbistum eine Region mit besonderen Herausforderungen.

Als Freie Wohlfahrtspflege stehen wir heutzutage vor besonderen Herausforderungen.

Wir haben es mit knapper werdenden Mitteln zu tun, mit Strukturen, die sich fragen müssen, ob sie auf aktuelle Entwicklungen noch zeitgemäss agieren. Mit Kulturen, die tradiert sind und sich nicht von heute auf morgen ändern wollen. Mit technologischen Entwicklungen, die eine mittelalte Belegschaft älter aussehen lassen als sie ist.

Wir haben satzungsgemäße Anforderungen zu erfüllen, deren Prioritäten uns unsere Mitglieder vorgeben und deren erstes Anliegen berechtigterweise die sozialpolitische Interessenvertretung ist und qualifizierte Beratung.

Darüber hinaus ist es aber auch unser Anspruch, neue Entwicklungen vorzudenken und entsprechende Projekte und Fortbildungen anzubieten.

Das Team.

Um hier eine gründliche Kenntnis der Menschen und Kompetenzen in unserem Haus zu erhalten, führe ich Kennenlerngespräche. Sie dauern in der Regel bis zu 2 1/2 Stunden und folgen einem Leitfaden. Sie bringen tatsächlich das, was der Name sagt: sich kennenzulernen.

Zu sprechen. Zuzuhören. Fragen zu klären. Vertrauen herzustellen. Es ist ein Mammutprogramm, das sich absolut lohnt.

Wir müssen gegenseitig wissen, mit wem wir es zu tun haben.

Ein wenig vergleichbar mit einer Mannschaft in einem U-Boot. Man muss sich gegenseitig aufeinander verlassen können, wenn man zusammen auf große Fahrt geht.

Ich lerne bei diesen Gesprächen am meisten. Ein besseres Einarbeitungsprogramm ist wohl kaum denkbar.

Und die Gespräche sind echte Begegnungen, die mir gleichzeitig zeigen, wieviel Kompetenz in der Geschäftsstelle sitzt.

Unsere Mitglieder.

Das Gleiche gilt für die Vor-Ort-Besuche.

Mir hilft es am meisten, wenn ich die praktischen Herausforderungen unmittelbar erlebe und weiss, wofür wir uns einsetzen müssen.

Hier gab es dieser Tage eine sehr anschauliche Begegnung in einem Arbeitsprojekt von Menschen mit psychischer Behinderung, das nach der sogenannten Teachmethode arbeitet und die Beschäftigten in sehr kleinschrittigen Prozessen Aufträge von Wirtschaftsunternehmen erledigen lässt.

Ich war beeindruckt, wie viel Zeit sich der Vorstand für meinen Besuch genommen hat und zu welchen guten Kooperationsvereinbarungen der zukünftigen Zusammenarbeit wir gekommen sind.

 

Kirche vor Ort.

Dort wo Menschen in Suppenküchen, im Arbeitsprojekt für Psychisch Kranke, in der Bahnhofsmission zusammen kommen und Nächstenliebe erfahren, erlebt Kirche ein hohes Ansehen wie eine Studie jüngst wieder zeigte.

Gerade die Dienste, wo wir als Kirche mit ihrer Caritas besonders gebraucht werden, erhalten die wenigsten staatlichen Zuschüsse: allgemeine Sozialberatung, Kleiderkammern, Arbeitsprojekte, Suppenküchen.

Ein wichtiges Anliegen ist uns daher, dafür Sorge zu tragen, dass Kirchensteuermittel, die der Caritas zugewiesen werden, insbesondere diese Angebote unterstützen.

Innovationen.

Einerseits bietet die solide Struktur der Geschäftsstelle ein gutes Gerüst, um die täglichen Anforderungen zu bearbeiten, andererseits erlebe ich bei den Gesprächen Engagement und Eifer auch neue Wege zu gehen, weil die aktuellen Formate nicht immer den aktuellen Herausforderungen genügen. Wir müssen schneller und agiler handeln. Es gibt bald ständig neue Themen, die anzugehen sind.

Das Leitungsteam kommt wöchentlich zusammen, um die aktuellen Herausforderungen zu benennen, zu diskutieren und anzugehen. Hierbei arbeiten wir mit neuen Formaten, in denen u.a. Teams gebildet werden, um anstehende Fragen zu beantworten bzw. zu bearbeiten.

Wo digitale Medien helfen können, werden virtuelle Gruppen gebildet. Die Erfahrung zeigt, dass sozialpolitische Interessenvertretung längst nicht mehr ausschließlich über Gremien läuft, sondern vielfältige Wege sucht. So hat sich Twitter hierfür als ein mögliches Instrument herausgebildet, da sich Politik hier auch gerne aufhält.

Ein Organisationsnetzwerk ähnlich Facebook soll zeitnah eingeführt werden und die verbandsinterne Netzwerkarbeit unterstützen.

Das InnovationsLAB ist Kür und Pflicht, da es Kernstück unserer Fort- und Weiterbildung werden soll und gleichzeitig die Heranführung an digitale Entwicklungen in der sozialen Arbeit sicher stellt, ohne die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege heutzutage nicht mehr auskommen.

Als Vorstandsvorsitzende unserer Geschäftsstelle trage ich Verantwortung dafür, dass wir zeitgemäß und gut aufgestellt auf die Anfragen unserer Mitglieder reagieren.

Als Diözesan-Caritasdirektorin ist es mir ein Anliegen, die Entwicklung der caritativen Arbeit in Verbindung mit der Kirchenentwicklung insgesamt im Blick zu haben, zu fördern und mit zu entwickeln.

Beides wirkt aufeinander ein.

Und ist mehr als spannend.

 

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„LOVE OUT LOUD“ klingt irgendwie nach Caritas, oder? – rp17

Ich bin richtig stolz.

Dieses Mal will ich alles richtig machen.

Die VeranstaltungsApp ist downgeloaded, die Veranstaltungen sind favorisiert und terminiert (sogar mit Wecker) und so marschiere ich los. Zur Anmeldung.

Es ist der Vorabend der Re:Publica. Noch läuft kein Programm. Deswegen heißt es Pre:Publica.

Ich erhalte das Armband und ein Umhängeschild mit meinem Namen, der Firma (Caritas) und dem Namen meines Blogs. Und als ich mich gerade wegdrehen will, wird mir eine Umhängetasche mit einem schweren Buch in die Hand gedrückt. Eher Broschüre als Buch. Aber schwer.

Arbeiten 4.0. Das Weissbuch des Arbeitsministeriums.

Ganz haptisch soll der Ankommende wohl begreifen, dass das ein wichtiges Thema unserer Zeit ist. Ist es ja auch.

LOVE OUT LOUD.

LOL.

Nein, jetzt mal ernsthaft.

Zunächst musste ich das Thema auf mich wirken lassen.

Ein PR Gag? Ein Wortspiel? Aus Laugh wird love? Vielleicht doch ein Zusammenspiel?

Ich betrete den Hof der Station Berlin, wo die Re:Publica statt findet. Es ist wieder ein herrlicher Sommerabend. Und wie beim letzten Mal auch springt mir die katholische Community gleich ins Auge. Sie sammelt sich unter dem riesig pink leuchtenden Würfel mitten im Hof, auf dem das Motto in grossen Lettern prangt: LOVE OUT LOUD.

Wo auch sonst?

Die Re:Publica will ein Zeichen setzen gegen Hass. Darum haben die Veranstalter diesen Titel gewählt. Lachen, leben, lieben. Alles gehört zusammen.

Sie ist nicht nur Deutschlands größte Internetmesse, sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis mit medialer Wirkung. Von welcher Veranstaltung wird soviel getwittert, gestreamt, gepostet und gebloggt?

Dafür sind dramatische Effekte, große Plakate, Lichtspektakel und Farben gut. Vor allem, weil Einfachheit gestaltet. Schlichtheit bei der Präsentation, beim Veranstaltungsort, bei den Mitteln überwiegt. Wohltuend.

Und zwischen Sprecher/innen und nicht offiziell Beitragenden wird kaum ein Unterschied gemacht. Denn alle sind ja aktiv. Und interaktiv.

Übrigens:

Und, wenn auch kein Unterschied gemacht wird, ist es doch gut, dass wir in diesem Jahr mit einem Programmpunkt dabei sind. Und der fällt auf.

Allein der Titel:

WTF – Katholische Kirche will Netzpolitik mitgestalten?!

Ganz ehrlich: als ich den Titel las, dachte ich zunächst: Was soll das? Das tun wir doch schon lange. Aber darum geht es nicht. Wenn es nicht auf der Re:Publica Thema ist, findet es nicht statt.

Nein, ernsthaft.

Es ist wichtig, dass wir dort mit Themen vertreten sind. Und wir haben auch echt etwas zu bieten. Denn die katholischen Bischöfe haben sich mit dem Thema Digitalisierung auseinander gesetzt und hierzu Impulse zu Medienbildung und Teilhabegerechtigkeit verfasst.

Prof. Andreas Büsch, der die Clearingstelle der Medienkompetenz der Deutschen Bischofskonferenz leitet, weiss das Thema im Re:Publica Stil zu präsentieren. Auf großen Fotos wirken die Werte der katholischen Soziallehre, der digitale Lebenswelten standhalten müssen, nachhaltig in den gut gefüllten Sessionraum.

Die Auseinandersetzung mit Hatespeeches ist nicht nur ein Freudenfeuer aus Pink und Herzchen, auch, wenn hier musikalisch, visuell und im guten Miteinander wohltuende Gegenakzente gesetzt werden. Es ist auch eine Auseinandersetzung mit vielen dunklen Momenten, die es nicht wegen des Internets gibt, sondern auch dort.

Allein wegen der drei großartigen Vorträge von Carolin Emcke, Gunter Dueck und Sascha Lobo hat sich der Besuch der Re:Publica schon gelohnt.

„Liebe den Fremden wie Dich selbst und sag nicht Pack zu Deinem Nächsten.“  (Gunter Dueck)

Die Botschaft wirkt.

Darauf kommt es doch an.

Mit einfachen Sätzen „Das Internet geht nicht wieder weg.“ oder „Geisteswissenschaftler sind ein wenig netzphob. Wir brauchen euch.“ bringt er die Dinge auf den Punkt.

Laugh out loud. Mehr als einmal.

Mit dem Motto und der Wirkung, die sie entfaltet, ist die Re:Publica ein grosses Friedenscamp. Ich war nicht bei Woodstock und kenne auch keine Pfadfinderlager, aber so stelle ich es mir vor.

Einfach großartig.

Friedlich.

Mit Tiefgang.

Inspirierend.

Da wirken wir als Kirche mit ihrer Caritas doch gerne mit. Und es passt gut, dass mitten in das Geschehen die Nachricht flutet, dass die Caritas im Bistum Essen den 1. Preis der Deutschen Bischofskonferenz für ihr Projekt gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gewonnen hat. Genau!  „Sach wat! Tacheles für Toleranz“!

Es geht nicht um Arbeiten 4.0, es geht um eine (neue) Kultur des Miteinanders, die Früchte trägt, weil Menschen leidenschaftlich bei der Sache sind.

Inspiriert.

Fasziniert.

Engagiert.

Ganz ohne Weissbuch.

Re:Publica sortiert nacht Themen.

Viele Vorträge und Sessions lassen sich auch im Nachhinein noch anschauen und -hören.

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Warum BarCamps das Lernen & Arbeiten revolutionieren können. #SozialCamp

Ein BarCamp macht sichtbar, was im Netz passiert.

An zwei Tagen verknüpfen sich Menschen zu bestimmten Themen und Interessen, twittern und bloggen darüber, verwenden Stichwörter namens #hashtags und vernetzen sich hierarchie- und organisationsunabhängig miteinander, um in einem bestimmten Themenfeld neue Entwicklungen zu diskutieren, zu bewerten und weiter zu entwickeln.

Als ich mir den Sessionplan ansah, wurde mir deutlich, dass die Themen den Kern der Herausforderungen für die soziale Arbeit getroffen haben.

BarCamp als neue Lernform?

Lernprozesse sind komplexe Vorgänge mit denen sich die unterschiedlichsten Fachrichtungen auseinandergesetzt haben. Lernen enthält neurobiologische, psychologische, soziologische, kulturelle, physische und andere Aspekte.

Auch die Pädagogik befasst sich mit der Frage, wie müssen die Rahmenbedingungen sein, damit Menschen lernen, gebildet und ausgebildet werden.

Die Methoden und Ansichten haben sich über die Jahrhunderte sehr geändert. Weg von der starren Disziplin für alle hin zu einem Lernansatz, der sich am Individuum orientiert.

Das BarCamp ist eine Lern- und Arbeitsform, die sich an den Themen orientiert, die den Menschen auf der Seele brennen. An ihren Leidenschaften, ihren Talenten. Sie sind motiviert, begeistert, wollen daran arbeiten.

Beste Voraussetzungen für Weiterkommen, Hinzulernen, Fortschritt.

Bildung anders.

Dieses Blog ist im Rahmen des Projektes Bildung geht auch anders entstanden, das aufgezeigt hat, dass Bildung an vielen unterschiedlichen Lernorten geschehen kann. Gerald Hüter  hat in dem Film Alphabet gezeigt, dass Lernen außerhalb von den üblichen Systemen beeindruckende Ergebnisse zu verzeichnen hat.

Und während unsere Kinder und Jugendlichen trotzdem weiterhin in eher starren Schulsystemen verharren müssen, entwickelt sich in der digitalen Welt eine neue Form des Informations- und Wissensmanagements, eine neue Form des kollaborativen Lernens und Arbeitens. Eine Form, die Spass macht, die  frei ist von Zwängen und sich an den Interessen und Fähigkeiten des Einzelnen orientiert.

Kollaboratives Lernen.

Kollaboratives Lernen ist ein Synonym für rechnergestütztes Gruppenlernen. Nichts anderes ist ein BarCamp.

Neues Wissen wird in der Interaktion miteinander verknüpft.

Das setzt voraus, dass Computer/Smartphones zum Einsatz kommen. Erst dann, so meine These, kann der Teilnehmende vom Wissensmanagement, das ein BarCamp bereit hält, profitieren.

Unter dem Stichwort #sozialcamp wird in den digitalen Netzwerken (Facebook, Twitter, Instagram u.ä.) Material gesammelt (z.B. Folien, Links u.ä.) diskutiert und ja, auch herumgealbert. Wie im wirklichen Leben.

In dem fünfjährigen Projekt „Das Ipad im Unterricht – Mobiles Lernen in der Schule“ hat André Spang im gleichnamigen Blog immer wieder deutlich gemacht, wie sehr sich Lernen und Bildung durch den Einsatz digitaler Medien verändern. Die qualifizierte Handhabung der digitalen Medien verschafft dem Individuum Zugänge und Eintritt in eine neue Form des Lernens, der Teilhabe und der Zusammenarbeit.

BarCamp: So werden wir lernen & arbeiten.

Das BarCamp ist das Sinnbild dafür wie zukünftig unsere Lern- und Arbeitswelten funktionieren werden.

  • interessenorientiert
  • in Netzwerken
  • interaktiv
  • organisationsübergreifend
  • digital
  • in kreativen Lern- und Arbeitsräumen (Makerspaces)
  • ergebnisoffen
  • kollaborativ

Nachhaltigkeit.

Was faszinierend ist, nach dem BarCamp geht es erst so richtig los. Inspirationen, Konzepte und neue Ideen bahnen sich ihren Weg. In digitalen Arbeitsgruppen kommen Menschen zusammen und arbeiten an den Themen weiter.

Das Gehörte und Erlebte wird in Blogbeiträgen verarbeitet. Die Erkenntnisse fließen in die Arbeit ein.

BarCamps sind eine Inspiration. Das SozialCamp war eine Inspiration für die soziale Arbeit.

Fatal wäre, wenn jetzt Arbeitsgruppen pflichtbewusst die Ergebnisse abarbeiten würden.

Wie bei jeglichem Lernen: Der Spaß, die Leidenschaft gilt es zu erhalten.

Dann kann die Arbeit Früchte tragen. Vielleicht nicht messbar für denjenigen, der sie bezahlt hat.

Aber erkennbar für das Arbeitsfeld, das es beflügeln möchte.

Weitere Blogbeiträge zum BarCamp der sozialen Arbeit – #SozialCamp gibt es hier:

Mein Rückblick auf das #SozialCamp in Bonn – Stephanie Braun

Ein SozialCamp ist auch ein BarCamp – Reiner Knudsen

BarCamps als gelebte soziale Agilität – Hendrik Epe 

War ja doch viel Digitales dabei – Das Team vom CareCamp

Wie ich digital helfen wollte und keiner es verstand – Annette Schwindt

1. BarCamp der sozialen Arbeit – Kreativer Austausch auf dem SozialCamp -Christian Müller

Das BarCamp soziale Arbeit 2016 – Johannes Mirus

Digitalisierung in der sozialen Arbeit – es bewegt sich was! – Prof. Dr. Thomas Münch

Randbegegnung – Anna Schmidt

Mein Social Rückblick zum BarCamp soziale Arbeit – von Christian Müller

#Caritas in NRW veranstaltet das BarCamp soziale Arbeit #sozialCamp

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Warum Bürgermedien so wichtig sind. #BIG16

Unter strahlend blauem Himmel türmt sich die futuristische Architektur im Medienhafen in Düsseldorf auf, als ich dort meinen Weg zur Landesanstalt für Medien in NRW suche. Ich bin eingeladen, in einem Podium zum Thema Bürgermedien über meine Erfahrungen als Bloggerin zu sprechen.

Was sind eigentlich Bürgermedien?

„Die grundsätzliche Idee der Bürgermedien ist ganz einfach: Bürger/innen haben ein Thema, greifen selbst zu Kamera und Mikrofon, produzieren einen Radio- oder Fernsehbeitrag und gestalten so ihr eigenes Programm. Kinder, Jugendliche, Studierende, Senioren und viele andere Gruppen haben mit den Bürgermedien eine Plattform für ihre Themen und Geschichten – sie erhalten praktische Einblicke hinter die Kulissen von Medienproduktionen und lernen dabei viel über die Mechanismen der Medienwelt.“ (Quelle: Medienkompetenzportal NRW)

Im Vortrag von Herrn Prof. Dr. Leif heisst es später:

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Blogger, Podcaster und YouTuber und co. würden jetzt erstaunt aufsehen und sagen, ja, das machen wir doch die ganze Zeit.

Genau! Zuspruch!

Bürger produzieren heute selbst.

Ganz leicht per Smartphone, Tablet und Laptop.

Möglicherweise ist das mit ein Grund dafür, dass (Rundfunk-) Journalismus diese Form der Einbeziehung aus den Augen verloren hat und sich auch sonst nicht so gerne mit dem digitalen Wandel befasst.

Die gestrige Veranstaltung Bürgermedien im Gespräch sollte daher dazu beitragen, das Phänomen Bürgermedien zu beleuchten und eine Renaissance einzuläuten.

Landesanstalt für Medien NRW

Veranstalter war die Landesanstalt für Medien NRW (LfM).

„Sie ist die Aufsichtsinstitution für den privaten Rundfunk in Nordrhein-Westfalen. Die LfM ist eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts, also keine staatliche Einrichtung. Die Arbeit der LfM wird nach dem Rundfunkstaatsvertrag aus einem Anteil des in NRW erhobenen Rundfunkbeitrags finanziert. Dies soll Unabhängigkeit, Staatsferne und ihr Wirken für einen unabhängigen Rundfunk sichern.“ (Quelle: Wikipedia)

Empfehlungen von Prof. Dr. Thomas Leif

Der Beitrag von Prof. Dr. Thomas Leif war ein inspirierender Input, der mit Empfehlungen für die Zuhörer abschloss. Es ging in erster Linie darum, dort hinein zu gehen, wo die großen Medienanstalten nicht hinkommen. O-Töne z.B. in Flüchtlingsheimen und hinter den Kulissen aufzuschnappen. Nicht namhafte Persönlichkeiten, sondern junge Expertinnen und Experten wie beispielsweise Doktoranden zu interviewen.

Zwei Aspekte sind mir dabei allerdings aufgefallen: die digitalen Medien spielten bei den Empfehlungen keine Rolle und wurden nur einmal beiläufig erwähnt mit der These, dass sie zu einer Bildungsverwahrlosung führen würden.

Zu Letzterem: Das Gegenteil ist der Fall. Der Prozess Bildung 4.0 und seine frisch heraus gegebenen Leitlinien zeigen, dass digitale Netzwerke und Medien einen wichtigen Beitrag zu Bildung für alle leisten.

Podiumsdiskussion

Eigentlich hätte hier die anschließende Diskussion ansetzen müssen, an der neben mir Jürgen Mickley (Bürgermedienvertreter in der Medienkommission), Prof. Dr. Leif, Abteilungsleiterin LfM Mechthild Appelhoff und der Landtagsabgeordnete Ernst-Wilhelm Rahe beteiligt waren.

Denn solange sich diese Haltung nicht ändert, wird auch das Vorurteil nicht abgelegt und die Öffnung hin zur Nutzung der digitalen Welt kann nicht geschehen. Ohne die Nutzung fehlt die Erfahrung und die Anwendungskompetenz.

Somit geschieht nicht, was die Zukunft der herkömmlichen Bürgermedien sichert: dem Neuen einen geeigneten Rahmen zu geben.

Meine Empfehlungen an Medienmacher/innen im Rundfunk:

  1. Digitale Netzwerke und Medien  aktiv nutzen
  2. Sich fit machen im kompetenten Umgang mit digitalen Medien
  3. Das Potential von Twitter als Recherche und Wissensmanagementtool verwenden
  4. (Lokalen) Facebookgruppen beitreten
  5. Blogs als Recherchetool einbeziehen
  6. Blogger, Youtuber und Podcaster interviewen
  7. Die digitalen Bürgermedien in Szene setzen

Bürgermedien der Vergangenheit und digitale Bürgermedien müssen zusammengehen, dann gelingt ihnen ein entscheidender Beitrag zur Erhaltung der Demokratie.

 

 

 

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Was #Cybervolunteering in Europa mit der sozialen Arbeit zu tun hat.. #EUV2016

Anfang Oktober fand die Europäische Freiwilligenuniversität statt. Für manche Mitarbeitende in der sozialen Arbeit ein großes Fragezeichen.

Was soll das?

Eine Akademie für Freiwillige mag ja sinnvoll sein, aber auf europäischer Ebene?

Es kam sogar noch „schlimmer“.

Diese 8. Zusammenkunft von Expertinnen und Experten der Freiwilligenarbeit auf europäischer Ebene hatte sich den Schwerpunkt „Digitalisierung“ vorgenommen und entpuppte sich dank technischer Möglichkeiten als eine internationale Konferenz mit Referenten aus Hongkong, Australien und Brasilien.

Damit kamen zwei Themenkreise zusammen, die in der sozialen Arbeit lieber ignoriert als integriert werden:

  • europäische Zusammenarbeit und
  • die Digitalisierung der sozialen Arbeit.

Ich gebe zu, es ist gewöhnungsbedürftig.

Was?

Beides.

Und gleichzeitig ist Beides für die soziale Arbeit ein Muss.

Zum einen: Sich auf das europäische Parkett zu begeben, in fremden Sprachen um Begriffe ringen, kulturelle Unterschiede zu verstehen und das Andere als Bereicherung zu erleben.

Eine Aufgabe, in der sich junge Menschen durch EU-Programme wie Erasmus auskennen, und daher auch eine Welle der Hilfsbereitschaft entwickeln, wenn Menschen anderer Nationen unser Land erreichen, um hier Zuflucht zu finden.

Zum anderen: Sich von Russen den Nutzen von Facebook erklären zu lassen. Die beispielhaften Ansätze aus Brasilien anzuhören und als Anregung mit nach Hause zu nehmen. Sich von einem IBM Experten sagen zu lassen, soziale Medien? Damit seid ihr 10 Jahre zu spät. Jetzt haben wir ganz andere Themen. Er meinte Roboter & Co.

Wir lernen den Begriff des Cybervolunteering kennen. Freiwilligenarbeit im Netz. Wie kann sie aussehen? Beispiele werden vorgestellt. Je mehr soziale Arbeit im Internet stattfindet, umso mehr verlagert sich natürlich auch die Freiwilligenarbeit dort hin.

Wir beobachten dieser Tage, dass Grundfesten der sozialen Arbeit ins Straucheln geraten:  Reform der Jugendhilfe. Wir arbeiten an Bildungssystemen, die Chancengleichheit bewirken und wollen daher eine deutliche Verbesserung des Offenen Ganztags.

Und sehen manchmal nicht wie alles zusammen hängt. Die deutsche Jugendhilfe ist ein Exportschlager, der uns davor schützt, eine weitere „lost Generation“ in Europa zu produzieren. Sie ist ein Garant für Frieden und soziale Sicherheit.

Lassen wir ihn im Austausch weiterentwickeln – nicht zurückfahren. Lassen wir umgekehrt von den Ganztagskonzepten anderer Länder lernen, da sind viele europäische Länder viel weiter.

Ideal war, dass die Konferenz zu einem Zeitpunkt, in dem Europa strauchelt, in Straßburg statt gefunden hat. Mitten im EU-Viertel.

Europäische Zusammenarbeit ist Völkerverständigung. Die „neuen“ technologischen Möglichkeiten können den Austausch fördern und unterstützen. Aber niemals ersetzen.

Beides ist gut: für Freiwillige und gerade eben auch für Fachkräfte.

Zum Weiterlesen:

Blog des Deutschen Caritasverbandes:

Sozial muss digital werden.

2016_10_04_eu_parlament