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Ein Zimmer auf der Straße.

Wohnen, ein Dach über dem Kopf zu haben, ist für jeden Menschen ein existentiell wichtiges Thema. Wenn wir alltäglich in unser Zuhause zurückkehren, dann ist das keine Selbstverständlichkeit. Allein schon, wenn wir mal umziehen, machen wir die Erfahrung, dass es eine Weile dauert bis alles wieder seinen Platz gefunden hat und wir in eine neue Routine kommen und uns wohl fühlen.

Für Menschen, für die es keine Selbstverständlichkeit ist, ein Zuhause zu haben, machen wir als verbandliche Caritas in diesem Jahr die Kampagne „Ein Zuhause für jeden.“   Im Bistum Essen haben wir hierfür am Caritassonntag in Gladbeck ein Zimmer auf der Straße aufgebaut. Mitten in der Stadt im Wochenmarkt und Samstagsgeschehen haben wir mit einer Runde von Menschen aus Kommunalpolitik, Immobilienwirtschaft und Wohnungslosenhilfe auf der Straße gesessen und diskutiert wie es uns gelingen kann, dass jeder ein adäquates Zuhause hat: auskömmlichen Wohnraum zu bezahlbaren Preisen. Denn Gutes Wohnen ist ein Menschenrecht!

Garant für einen guten Zusammenhalt in der Gesellschaft.

Derartige Aktionen zu organisieren, ist ein wichtiger Bestandteil unserer spitzenverbandlichen Arbeit, weil sie Raum geben mit Menschen, Entscheidungsträgern und Politik im Gespräch zu bleiben und auch über Rahmenbedingungen zu sprechen, die das Leben der Menschen verbessern. Es gibt zum Beispiel immer noch zuviel Wohnungslose, also Menschen, die keinen privaten Wohnraum ihr eigen nennen, sondern in Einrichtungen untergebracht sind.

Bei einem Termin im Landtag mit den Fraktionsspitzen haben wir diese Woche die positive Erfahrung machen können, dass unser langjähriges Wirken als Wohlfahrt als Garant  für den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft geschätzt wird. Eine Anerkennung dieser Art ist im alltäglichen „Weiter So“ wichtig und wohltuend.

Spitzenverband der Zukunft.

Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass wir als Wohlfahrt nicht stehen bleiben dürfen. Und gerade auch die Spitzenverbände stehen vor der beständigen Frage wie sie für ihre Mitgliedsorganisationen hilfreich und ein guter Dienstleister sein können.

Im Rahmen eines kleinen Organisationsentwicklungsprozesses versuchen wir die Herausforderung zu lösen, mit einem vergleichbar kleinen Team, unseren Mitgliedern qualitative und wirksame Unterstützung anzubieten.

Wir sind in der Geschäftsstelle dabei, Kernthemen, Projekte und Arbeitspakete zu identifizieren, die das Portfolio schärfen werden. Der Schlüssel liegt dabei in der übergreifenden Zusammenarbeit, um Kompetenzen zu bündeln.

Die klassische Versäulung wird dadurch aufgebrochen, auch, wenn die Mitarbeitenden weiterhin Abteilungen zugeordnet bleiben.

Dieser erste Wurf wurde diese Woche unserem Caritasrat vorgestellt und wird jetzt in die Diskussion und Konkretisierung gehen.

Die Zeitschrift ist gelb markiert, weil sie eine Kooperation der Caritasverbände in NRW darstellt. So könnten auch zukünftig noch andere Kooperationen ergänzt oder andersfarbig werden.

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Kinder, Küche, Kirche.

Grüss Gott!

Ich komme gerade aus Bayern. Einmal im Jahr tagt die Bundesdirektor(inn)enkonferenz der Diözesan-Caritasverbände in Würzburg.

Als ich aus dem Zug ausstieg, kam ich mit einem Bayer über Seehofer, die Landtagswahl und die drängenden Fragen der Zeit ins Gespräch. Dabei streifte mein Blick über die sonnigen Weinhänge der lieblichen Gegend.

Der Bayer fragte, ob ich aus dem Norden stamme. Ich musste lächeln. Früher hätte ich die Frage als Bonnerin mit Nein beantwortet. Als Essenerin habe ich sie mit ja beantwortet. North & South – passend zu dem Film, den ich die Tage mal wieder gesehen habe.

Das Gespräch zeigte schnell, dass Seehofer keine Angst um die Stimme dieses Wählers haben muss.

Manchmal fragen Politiker/innen, warum wir uns als Kirche und Wohlfahrtsverbände politisch engagieren.

Darum.

Der katholische Studentenseelsorger Burkhard Hose schreibt in seinem Buch „Seid laut!“ dazu: „Man kann nicht Suppe an Arme ausschenken, ohne irgendwann die Frage zu stellen, warum die Armen eigentlich arm sind.“

Gute OGS.

Wir hatten diese Woche gute Gespräche mit dem Jugend- und Schulministerium in Nordrhein-Westfalen. Beide Minister wollen gemeinsam an einer guten Zukunft der Offenen Ganztagsschule arbeiten. Die Freie Wohlfahrtspflege in NRW hat hierzu eine Online-Petition gestartet, denn wir sehen vor allem in den Ballungsgebieten den dringenden Bedarf die Bildungskette nach der Kita fortzuführen und gerade Kindern aus einkommensschwächeren Elternhäusern gute Zukunftschancen zu sichern. Hierzu streben wir eine auskömmliche Finanzierung im Offenen Ganztag und den Rechtsanspruch an.

Gute Wohlfahrt.

Dieser Tage fragte mich ein Journalist im Rahmen der Pressefahrt der Caritas in NRW, in einer auf der Straße aufgebauten Küche, zum Jahresthema „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“,  ob der Begriff „Wohlfahrt“ überholt sei.

Ich bin klar der Meinung: Nein! Weder das System der Freien Wohlfahrtspflege noch die Wohlfahrt als Teil der christlichen Nächstenliebe ist überholt. Es ist ein wichtiger Bestandteil unseres demokratischen Systems in Deutschland. Sich um den Nächsten zu sorgen, ist nicht nur eine wesentliche Säule der Kirche und des christlichen Verständnisses, sondern eine wesentliche Voraussetzung eines funktionierenden Gesellschaftssystems.

Gute Kirche.

Wir gehen als Kirche auf die Straße: Wir sind mehr, die auf den Hass mit Liebe antworten. Darauf bin ich stolz. Ich habe das Gefühl, dass unsere Kirche auf einem guten Weg ist, weil sie sich einsetzt, laut wird, wo Menschen Unrecht geschieht.

Dann werden die Zahlen zur Missbrauchsstudie der katholischen Kirche veröffentlicht. Und ich spüre, dass viele zutiefst erschreckt sind. Im Rahmen eines Studientages zur Prävention habe ich die Möglichkeit meine eigenen Fragen und Unsicherheiten mit meiner Kirche, die doch seit so vielen Jahrzehnte meine Heimat ist, zu hinterfragen.

Diese Fragen werden uns gründlich beschäftigen. Unser Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck bringt die Widersprüche in seiner Predigt anlässlich unseres Betriebsausflugs ausgezeichnet auf den Punkt. Die Quintessenz seiner Predigt ist, es braucht gründliche Erneuerung und zwar mit tiefgreifenden Konsequenzen.

An dieser Kirche mitzubauen, ist spannend. Auch, wenn es Unsicherheiten in sich birgt. Aber es bietet die einmalige Chance, grundlegende Fragen zu beantworten: Macht, Hierarchie, Sexualmoral und last but not least die Rolle der Frau in der Kirche.

Auch die Frage, wo wir uns als Caritas hin entwickeln, bleibt dabei spannend. Caritas ist Kirchort.

Bunt, vielfältig, modern.

Diese Zuschreibung hätte meinen bayrischen Gesprächspartner sicher irritiert.

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Digitale Teilhabe für alle! #Ruhrgebietstag2018

Grusswort anlässlich des Ruhrgebietstages 2018.

Wichtige Partner aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft haben am vergangenen Freitag den Weg zum Ruhrgebietstag der nordrhein-westfälischen Caritas nach Mülheim in die Akademie „Die Wolfsburg“ gefunden, um über angemessene Digitalkonzepte für eine von sozialen Problemlagen gedrückte Region nachzudenken.

„Sie, die Sie heute hier nach Mülheim in die Akademie „Die Wolfsburg“ gekommen sind, und sich damit ausdrücklich die Zeit nehmen, sind wichtige Bündnispartner in der Solidarität um eine besonders liebenswerte, aber auch von sozialen Sorgen gedrückte, Region Deutschlands.

Ich darf Sie heute im Namen meiner Direktoren-Kollegen der Diözesan-Caritasverbände Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn hier in der Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim zu unserem Ruhrgebietstag begrüßen.

Wir kommen hier zusammen zeitgleich mit der Eröffnung der NRW-Tage des Landes Nordrhein-Westfalen in Essen (dazu laden wir Sie morgen herzlich an den Stand unseres Ortscaritasverbandes neben dem Dom ein) und zum Auftakt der Ruhrkonferenz von Herrn Ministerpräsident Armin Laschet.

Die Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Sehen Sie, im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld. Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten, um uns selbst zu verbessern – und den Rest der Menschlichkeit.

Es ist mehr als zwanzig Jahre her, dass Captain Jean-Luc Picard, Kommandant der USS-Enterprise aus der Zukunft des Jahres 2373 prognostizierte, was auf die Menschheit zukommt.

Diese Menschlichkeit, von der Picard spricht, brauchen wir schon heute im Jahr 2018.

In der Ruhrregion herrscht echte existentielle Not. Die Armutszahlen – und hier besonders die Daten zur Kinderarmut – sind rot markiert und wirken daher wie das, was sie auch sind: ein Flächenbrand!

Die (Kinder-)Armutsquote liegt in Gelsenkirchen bei 43%! Die Brutto-Jahreseinkommen liegen zwischen 16.000 Euro und 23.000 Euro – im Schnitt! Die Arbeitslosenquote ist doppelt so hoch wie durchschnittlich in Nordrhein-Westfalen und liegt bei 13%.  

Jedes dritte Kind des Ruhrgebietes (in NRW ist es jedes fünfte Kind) wächst in ökonomischen Verhältnissen auf, die seine Chancen im Vergleich zu anderen Kindern senken. Dabei bedingt das eine das andere. Geringes Familieneinkommen, Arbeitslosigkeit der Eltern, finanzschwächere Kommunen, geringere Bildungsstandards in Schulen und Kitas, fehlende Schwimmbäder und Bibliotheken, zu enger oder
gar kein Wohnraum und mehr. Wer als Kind und Jugendlicher in der Ruhrregion heranwächst, ist häufig strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt. Die Akteure der Hilfesysteme hier bei Kommunen, in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden tun ihr Bestes, um das Blatt zu wenden. Aber es braucht mehr.

Gleichzeitig sind wir aber auch zu Recht stolz auf diese Region! Der Strukturwandel vom Bergbau zum Dienstleistungssektor hat an einigen Stellen gegriffen, und die Metropole Ruhr gilt als ein kreativer Raum, in dem Universitäten, junge Menschen und Start ups experimentieren und neue Existenzen gründen.

Wirtschaftsminister Pinkwart wies beim sozialpolitischen Aschermittwoch der beiden Kirchen in diesem Jahr darauf hin, dass die Ruhrregion das Potential habe, das deutsche Silicon Valley zu werden.

Diese Herausforderungen wollen wir als Diözesan-Caritasverbände in NRW annehmen, denn der digitale Wandel birgt neben allen wirtschaftlichen Chancen die Gefahr, die Spaltung zwischen Arm und Reich zu vertiefen.

Wir brauchen einen Digital-Pakt für die Sozialwirtschaft, um neben der produzierenden Wirtschaft soziale Innovationen und digitale Teilhabe in Kitas, der Jugendhilfe, Altenheimen, im Ehrenamt, der Stadtteilarbeit und der Arbeit mit bildungsferneren Familien zu fördern und einen Beitrag zu einer inklusiven Gesellschaft zu leisten.

Nun freuen wir uns auf einen interessanten Tag, gute Begegnungen und ein gemeinsames „Pack an“ für eine Region, die es braucht, und für die es sich absolut lohnt!

Ein herzliches Glück auf!

Weitere links:

Caritas fordert Digitalpakt für die Sozialwirtschaft

Caritas fordert bessere Digitalisierung im sozialen Bereich

Play Kahoot it! 

Medienkompetenzrahmen

Von der Sesamstrasse zur Edtech!

 

 

 

 

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Digitale Teilhabe durch Innovations -Labore

Aktuell wird im Landtag in Nordrhein-Westfalen darüber beraten wie Chancen der Digitalisierung genutzt werden können.

Hier sind soziale Innovationen noch nicht hinreichend im Blick.

Sie werden – gemeinsam mit technischen und wirtschaftlichen Innovationen – darüber entscheiden, wie lebenswert unser Land im nächsten Jahrzehnt sein wird. 

Gerade in Regionen mit hohem demographischen Anpassungsdruck können soziale Innovationen, insbsondere auch Innovationen zur Lösung sozialer Probleme im engeren Sinne, als zentrale Voraussetzung gelingenden Strukurwandels und neuer Prosperität angesehen werden. Die Initiierung von sozialen Innovationen darf nicht dem Zufall überlassen werden. Es sind dafür all jene Formate zu nutzen, die sich aktuell als state of the art der Innovationsförderung bewährt haben. 

Damit dies gelingt, empfehlen wir die Einrichtung eines tragfähigen Innovationslabs mit Ausstrahlungswirkung.

Was ist ein Innovationslab?

Innovations- und Kreativlabs sind physische oder virtuelle Räume, in denen der Austausch von Wissen, Ideen und Informationen im Mittelpunkt steht. Es handelt sich um Experimentierorte, die sowohl langfristig als auch zeitlich befristet genutzt werden können. 

InnovationsLabore sind eine digitale Drehscheibe für soziale Innovationen.

Kreative und innovative Prozesse werden in LABs durch die Bereitstellung entsprechender Infrastrukturen, Services und Methoden der (gemeinschaftlichen) Wissensgenerierung unterstützt. 

Sie zeichnen sich in der Regel durch einen Cross-Innovation-Ansatz aus. Das bedeutet, dass in LABs branchenübergreifend und in interdisziplinären Konstellationen gearbeitet wird. 

Ebenfalls schließt der Cross-Innovation-Ansatz die Beteiligung von Kreativschaffenden bzw. Unternehmern, Freelancern oder Freischaffenden aus der Kreativwirtschaft an gemeinschaftlichen Arbeiten in LABs ein.

So lautet die Definition des Projekts Zukunft der Initiative für Wirtschaft, Technologie und Forschung LABs als neue Treiber von Innovation“.

Wesentliche Defizite bei den Versuchen soziale Innovationslabs zu schaffen, können darin gesehen werden, dass

a) die Initiatoren (innovative consulting-Firmen, start ups etc.) keinen strukturierten Kontakt zu den Trägern sozialer Dienstleistungen (Wohlfahrtsverbände etc.) hatten 

b) die öffentliche Förderung von LABs stark auf die o.a. Kategorien zugeschnitten waren, die für soziale Innovationen nicht gut passen

c) soziale Dienstleistungsunternehmen weniger Spielräume haben in start-ups und (digitale) Innovationen zu investieren, weil das hohe Risiko des Scheiterns (von 10 Start-ups heben zwei ab) und die Notwendigkeit bei der Entwicklung und für die Anlaufphase in Vorleistung zu treten, die sozialen Akteure im Vergleich zu Konzernen mit industrieller Fertigung überfordert.

Es erscheint uns als  Caritas daher dringend überfällig, ein „unternehmenseigenes“ Lab zu schaffen und damit einerseits die Innovationsbereitschaft der Caritas zu stärken und den Caritasverband als Treiber sozialer Innovationen zu nutzen, andererseits die o.a. Defizite modellhaft zu überwinden und damit Impulse über die Caritas hinaus zu setzen.

Ein LAB der Caritas müsste, um erfolgreich zu sein, Elemente eines Grassroot Lab und eines Coworking-Lab aufnehmen, – innovative Start-ups, regionale Akteure und Betroffene müssten von Anfang an in die Entwicklung eingebunden sein. Ohne eine enge Kooperation mit Hochschulen ist ein CaritasLAB nicht vorstellbar. 

Es bedarf für den Erfolg einer Anschubfinanzierung der öffentlichen Hand, die – als Strukturförderung verstanden – auf 5 Jahre angelegt sein sollte.

Das CaritasLAB braucht idealerweise eine regionale Umgebung, in der es sich als Treiber eines regionalen Strukturwandels bewährt und in der die Dringlichkeit sozialer Innovationen als Motivator täglich spürbar ist.

Das in der Ruhrregion geplante CaritasLab des Diözesan-Caritasverband für das Bistum Essen kennzeichnet sich dadurch aus, dass für drängende soziale Fragen ein Raum geschaffen wird, der Innovationsprozesse durch die gezielte Einbindung externer Experten und Expertinnen (u.a. Kreative, Unternehmen, Forschungs- und Entwicklungs-Einrichtungen) unterstützt. Den externen Partnern werden Leistungen und Programme angeboten, die Resultate ihrer Arbeit fließen wiederum in die Umsetzung von Unternehmenszielen ein.

Damit entsteht gleichzeitig ein Ort, der neue Form des Lernens online und offline erprobt und gleichzeitig als LAB Academy Basisseminare für Einsteiger anbieten wird.

Organisationsform

Das CARITASLAB ist ein Kooperationsverbund, der getragen vom DiCV Essen für weitere interessierte Caritasorganisationen offen ist. Sein Standort ist Essen – im Herzen des Ruhrgebiets. Während Berlin und München sich als Zentren einer auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgerichteten Start-up Szene etabliert haben, besteht die Chance im Ruhrgebiet ein Zentrum des „Tech4Good“ zu schaffen. Im Mittelpunkt der Start-up- und Innovationsszene, die vom CaritasLAB angelockt und initiiert werden soll, stehen Fragen sozialen Wandels und Zusammenhalts. 

Da es innerhalb der Caritas bereits eine kleine Szene von Digitalexpert/innen gibt, die u.a. bereits gemeinsam ein BarCamp der sozialen Arbeit verantworten, das jährlich innovative Ideen hervor bringt, könnte diese in Form eines Projektbeirats eingebunden werden.

Finanzierung

Das LAB braucht Mittel für Räume, Projektmitarbeiter/innen, Sachmittel und den Einkauf von Dienstleistungen von externen Partnern, z.B. zur Durchführung von Hackathons und Entwicklung von neuen Technologien. 

Das LAB wird fünf Jahre lang über eine Anschubfinanzierung finanziert, um im Rahmen einer Experimentierphase zu ergründen, wie das LAB nachhaltig organisiert sein sollte.

Neben der Ausstattung und Einbindung der Partner könnte eine Innovationsförderung lokale Aktivitäten, neue Geschäftsmodelle, start ups etc. anschieben.

Für Ausstattung und Fonds sollten für den Gesamtzeitraum insgesamt 10 Mio. Euro zur Verfügung gestellt werden.

Parallel zu dieser Phase wird eine nachhaltige Finanzierung entwickelt, die sich aus Crowdfunding, Erlösen, Sponsoren und Mitgliedsbeiträgen zusammensetzen wird.

Mit dem CariLab werden wegweisende Innovationen, Strukturefekte für die Region und neue Organisationsformen der sozialen Arbeit entstehen.

 Most people are really those who save a specific problem 

they want to solve and know 

that they find the tools with us and then they stick around.“

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Geglückte Sichtbarkeit.

Ich wollte mit diesem Thema eigentlich noch nie etwas zu tun haben, mein ganzes Leben nicht.

Und doch lässt es mich nicht los.

Auch, weil ich wirklich gerne wissen würde, warum das so ist, dass Deutschland Schlusslicht ist?

Woran liegt das nur??

Dabei ist die Lösung ganz einfach.

1. Wendet europäische Grundwerte an!

2. Bringt Frauen zur Geltung!

3. Beachtet bei Fotos und Podien schlicht die Quote!

4. Männer – seid Vorbilder!

5. Nutzt die Sprache!

 

Worum geht es?

Es geht um die Frauenfrage.

Bevor sich jetzt einige augenrollend wegdrehen, müssen wir feststellen, dass es eine Frage ist, die uns alle angeht!

Denn eine ganz aktuelle Studie „Deutschland ist bei weiblichen Vorständen Schlusslicht“ belegt, dass es sich um ein deutsches Phänomen zu handeln scheint.

Was ist nur los mit uns Deutschen?

„Kommt der Vorschlag, dass wir eine männliche und weibliche Doppelspitze brauchen, dann machen wir das vielleicht … bei meinem Nachfolger“ war gestern von Christian Lindner auf dem FDP Parteitag zu hören. Ein Ausspruch, der tatsächlich Saalgelächter bringt.

Warum nur?

Gerade bei einer Partei, die einen echten Frauenmangel hat, nicht nachvollziehbar. Und auch sonst nicht.

Warum sollte eine Frau nicht besser sein bzw. gleichermaßen die Aufgabe tun können?

Ein Phänomen, das nicht einfach vom Tisch zu fegen ist, ist die Angst.

Männer haben Angst.

Und diese Angst ist gar nicht unbegründet. Denn tatsächlich nehmen ihnen Frauen, wenn sie so richtig ernst machen, bis mindestens 50 % der Chancen auf einen tollen, interessanten Job.

Bei einer unserer Konferenzen, ein Kreis von ca. 27 Führungskräften, darunter 3 Frauen, formulierte das ein männlicher Vertreter auch. Bestimmte Funktionärspöstchen könnten ja zukünftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Was passiert? Männer verbünden sich in der Frage wie sie die Frauenquote umgehen können.

Als die 3 Frauen dann spiegelten, dass dies ja bisher umgekehrt gewesen sei, gab es dafür wenig Verständnis.

Was hat das mit ihnen zu tun?

Viel.

Die Beschäftigungsquote von Frauen mit Kindern gegenüber Männern mit Kindern ist in Deutschland deutlich geringer als in unseren Nachbarländern.

Die Chancengleichheit von Männern und Frauen hat viel mit der Haltung von Männern zu tun.

Ein Mann als Arbeitgeber zum Beispiel: Fragt er einen Bewerber mit vier Kindern, ob dieser die Betreuung seiner Familie sicher stellen könne?

Oder ein Ehemann: Macht er wirklich ernst mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zwar zugunsten seiner Familie? Oder wird sein Sohn wieder mit Modellen aufwachsen, dass der Vater abwesend bei der Arbeit ist und seine Mutter sicherstellt, dass das „Höhlenfeuer“ nicht ausgeht?

„Die selbstverständlichen Benachteiligungen, die Ignoranz, die Arroganz, das Nicht-Ernstnehmen, weil das Gegenüber eine Frau ist.“beschreibt Christiane Florin in ihrem Buch „Der Weiberaufstand.“

Der ZDF Korrespondent Stefan Liefert twittert nachfolgendes Zitat:

Herausragend ist, dass er eine solche Wahrnehmung twittert! Als Mann!

Durch meine langjährige Europaarbeit weiss ich wie ernst Europa das Anliegen der Chancengleichheit ist. Dort sind Frauen ganz selbstverständlich genauso viele Kommissarinnen oder andere Amtsinhaberinnen wie Männer, weil es selbstverständlich ist.

Ohne Geschlechtergleichheit gibt es schlicht kein Geld!

Bringt Frauen zur Geltung!

Es war Prof. Dr Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der in seiner Abschlussrede beim Katholikentag bemerkt hat, was Anja Pfeffermann dann als tweet absetzte:

Wer sich Fotos, Settings und Podien anschaut, wird sehr häufig feststellen, dass keine einzige Frau dabei ist. Das Bild von Seehofers frauenloser Führungsmannschaft hat wohl immer noch nicht ausreichend sensibilisiert, dass verantwortlichen Organisatoren gar nicht auffällt, wenn Frauen nicht ins Licht gerückt werden, zu Wort kommen oder gar auf einem Foto als die Agierende, die Handelnde und nicht nur die lieblich Lächelnde bebildert werden.

Dank eines Katholikentagteilnehmers, Gerd Wittka, gibt es dieses Foto der Inputgeberin des Bistums Essens „Frauen im Mentoring“, Frau Dr. Qualbrink, die zudem noch eine preisgekrönte Promotion geschrieben hat: Über Frauen in Leitungspositionen, die die Kirche stören.

Wenige weitere Beispiele sind:

Sozialpolitischer Vorstand des Deutschen Caritasverbandes, Eva-Maria Welskop-Deffaa.

Das sind die drei Fotos, die ich im Fundus des Katholikentages sammelte, die Frauen in führenden und ernstzunehmenden Rollen präsentieren. Möglicherweise gibt es noch ein paar mehr. Aber nicht viele. Das ist ein durchaus übliches deutsches Ergebnis.

Immerhin kam die re:publica, Deutschlands große Gesellschafts- und Internetkonferenz, nach 12 Jahren auf eine Überzahl an  Speakerinnen genüber Speakern.

Beachtet bei Fotos und Podien schlicht die Frauenquote!

Eine Bebilderung ohne aktive Frauen sollte eigentlich als politisch unkorrekt gelten!

Es scheint, dass auch viele Öffentlichkeitsarbeiter und -arbeiterinnen noch nicht ausreichend dafür sensibilisiert sind.

Manchmal liegt es aber auch schlicht daran, dass viel zu wenig Frauen in den entsprechenden Settings zu finden sind.

Das ist eine Verantwortung, der sich Veranstalter stellen müssen! Und nein. Ausreden gelten nicht!

Männer – Seid Vorbilder!

In all euren Rollen habt ihre die große Chance dafür zu sorgen, dass Frauen zur Geltung kommen. Etwa als Väter: ein Sohn, der seinen Vater nur als familienabwesendend erlebt, wird nicht lernen, das mit der Familie zu sein, für den Vater etwas Beglückendes ist.

Nutzt die Sprache!

Selbst, wenn in einem Laden 97 % Erzieherinnen arbeiten, wird häufig noch von Erziehern gesprochen.

Ich fühle mich nicht mehr angesprochen, wenn die weibliche Form nicht verwendet wird! Und so geht es vielen mittlerweile.

Und ich bin mir nicht sicher, welche Auswirkungen es gehabt hätte, wenn es allen Helferinnen beim Katholikentag so gegangen wäre, aber dank Kurt C. Hose wurde dem abgeholfen.