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Literarischer Jahresrückblick 2017 (2)

Der Mai war ein sehr sonniger Monat.

Und eine Mischung aus Abschied und Neubeginn.

In Köln galt es vieles zu Ende zu bringen und gleichzeitig standen auch verschiedene Dienstreisen an, bei denen ich auch schon zukünftige Kolleg/innen treffen konnte, zum Beispiel bei der Republica, beim Kongress der Sozialwirtschaft und beim Jahresempfang des Deutschen Caritasverbandes in Berlin, bei dem der erste weibliche Vorstand, Eva Welskop-Deffaa, eingeführt wurde.

Frauen gehen in Führung.

Wir schreiben das Jahr 2017.

Und es ist noch immer eine Besonderheit.

Der Weiberaufstand

(Christiane Florin/Maibuch)

In diesen Tagen fiel mir das Buch „Der Weiberaufstand“ von Christiane Florin in die Hände.

Ich fühlte mich an ein Buch von Franz Alt erinnert, das ich Anfang der 90er Jahre gelesen habe: Jesus, der erste neue Mann.

Die feministische Theologie der 1980er Jahre feierte das Gegenteil: einen Mann, der eine freie Frau an seiner Seite hat. Maria Magdalena folgt Jesus aus Überzeugung, weder aus Gehorsam noch aus Demut. Sie steht unter dem Kreuz, begegnet dem Auferstandenen und überbringt die Botschaft, nicht weil sie muss, sondern weil sie will. Mutig, willensstark, lasziv – so ist diese Maria.

schreibt Christiane Florin.

Auf den 172 Seiten geht es um Weiberalarm, Quenglerinnen, Pfefferminzprinzen, fröhliche Weihmächte und die Wucht der Wirklichkeit. Der beste Satz des Buches ist nicht der erste, sondern der letzte: Wo ein Wille, ist auch eine Weihe.

Was mich an dem Buch fasziniert, ist nicht nur die scharfgestochene Schreibe und die teils sehr humorvolle Analyse, sonder vor allem die Frage nach der Berufung.

Ich habe den Wunsch nie gespürt, aber was, wenn Frauen ihn haben und gerne Priesterinnen würden.

Christiane Florin spöttelt:

Ein solcher Ruf kann … nur ein Hörfehler sein, eine persönliche Neigung, ein Empfinden … keinesfalls eine echte Berufung.

Christsein ist keine einfache Angelegenheit

(Klaus Pfeffer/ Junibuch)

Passend zu 500 Jahre Reformation veröffentlicht der Essener Generalvikar ein Buch mit dem Untertitel „Mit Dietrich Bonhoeffer auf dem Weg zu einer erneuerten Kirche“.

(Bonhoeffer) räumt auf mit einer Kirche, die sich an konfessionelle Linien und dogmatische Festlegungen klammert und dabei die Lebensrealität der Menschen völlig aus dem Blick verliert.

Der Autor macht auf den rund 130 Seiten eine Reise durch die Lebensgeschichte  des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, gibt Anstösse für das Leben im Heute und entwirft am Schluss des Buches eine Zukunftsvision für die Kirche.

Was mich an Dietrich Bonhoeffer immer wieder fasziniert, ist seine Fähigkeit, inmitten alltäglicher Lebenserfahrungen Gott zu suchen und auch zu entdecken. Seine Briefe, persönliche Aufzeichnungen, Predigten, Vorträge und Ausarbeitungen offenbaren eine intensive Reflexion all dessen, was er erlebt und erfährt.

Am 30. Mai wurde das Buch der Öffentlichkeit vorgestellt. Ich selbst konnte leider nicht dabei sein, hatte aber später noch die Gelegenheit an einer Lesung teil zu nehmen.

Die Ehe

(Christiane Florin/Julibuch)

Niemand würde in einen Zug steigen, wenn laut Statistik 30, 40, 50 Prozent dieses Modells aus der Kurve fliegen.

schreibt Christiane Florin in einem weiteren Buch, das ich nach der Lektüre von „Warum unsere Studenten so angepasst sind“ und „Der Weiberaufstand“ ebenso gerne gelesen habe. Der Untertitel lautet: Das riskante Sakrament.

Die Liebe kann auf die Ehe verzichten, die Ehe aber auf die Liebe nicht … je tiefer ich in die Materie eintauche, desto mehr staunte ich darüber, dass auf so wenigen Bibelstellen ein gewaltiges Lehrgebäude fußt.

Und auch dieses Werk von Christiane Florin lohnt sich. Denn auf den 112 Seiten (ebook) zeugt sie nicht nur von fundierter Kenne, sondern auch von bereicherndem Esprit.

Gegenüber seiner Mutter schlägt der junge Jesus einen Ton an, der heutige Erziehungsberechtigte ans Ratgeberregal oder in pädagogische Coachings treiben würde … Jesus Verhältnis zur Familie ist ambivalent, stellenweise sogar feindlich. … Jesus geht als kinderloser Single in die Heilige Schrift ein. Er wird nie Vater, er bleibt Sohn. Er hat Nachfolger, keine Nachkommen. Das Christentum basiert auf Seelenverwandtschaft, nicht auf Blutsverwandtschaft.

Christiane Florin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie macht zu Beginn des Buches deutlich, dass sie auch verheiratet bleiben möchte.

Es geht ihr um eine nüchterne Betrachtung der Ehe und es ist eine spannende historische wie auch theologische Analyse.

Neue Freunde

(Björn Vedder/Augustbuch)

Facebook-Freunde sind nicht nur echte Freunde, sie sind sogar viel bessere Freunde als die, die wir üblicherweise dafür halten …

… lautet der provokante erste Satz des Buches und holt den Leser/die Leserin voller Spannung in die Lektüre. Der Untertitel „Über Freundschaft in Zeiten von Facebook“ gibt den entscheidenden Hinweis, dass es im Buch um mehr geht als um Facebook oder andere digitale Netzwerke, es geht darum, dass sich Freundschaften in der heutigen Zeit grundsätzlich verändern. So wie digitale Technologien unser Leben beeinflussen, beeinflusst eben auch die Online-Kommunikation unsere Wege, Beziehungen zu gestalten und Freundschaften zu pflegen.

Wenn „Interaktion mit dem anderen eine positive emotionale Wirkung“ hat, heißt es im Buch, dann bedeutet das eine Bestätigung des eigenen Selbstwertgefühls. Freundschaften werden insgesamt narzisstischer, lautet eine Grundthese des Buches.

Und auch, dass die Freundschaft aufhört, wenn die gemeinsame Sache wegfällt. Ist das tatsächlich so tragisch? Oder war das nicht eigentlich schon immer so? Tatsächlich hat ein Mensch doch nur wenige wirkliche echte Freunde, insbesondere, wenn wir die deutsche Definition von Freundschaft zugrunde legen. Zitate von Schopenhauer, Kant und Cicero werden hinzugezogen, um der wahren Freundschaft auf den Grund zu gehen. Ob es hilft? Denn Schopenhauer ist …

… das Schwanzwedeln eine ehrlichen Hundes hundertmal lieber als die Bekundung von Freundschaft.

Aber es ist Hoffnung! Denn wenn die Freunde gegenseitig echte Achtung empfinden, dann kann auch echte Freundschaft entstehen.

Freundschaften, das haben die vorangegangenen Kapitel vorgeführt, basieren auf einer wechselseitigen Anerkennung und einem gemeinsamen Verständnis der Welt.

Der Autor rückt die Entstehung einer Freundschaft in die Nähe der Entstehung einer Liebesbeziehung. Sie „macht schön, gibt dem anderen Raum, lässt ihn glänzen“. Er gibt der Freundschaft aber den Vorzug gegenüber einer Liebesbeziehung, denn …

… sie ist viel stärker von einem Gefühl der Übereinstimmung und Harmonie getragen als die Liebe, … ruhiger und milder. Im Gegensatz zur Liebe ist die Freundschaft eine allgemeine und umfassende Wärme … Sie ist gemäßigt und gleichbleibend, eine beständige und verlässliche Innigkeit und Zartheit.

Von daher mögen die Leser/innen enttäuscht sein, die in diesem Buch auf der Suche nach Tipps für gute Facebookfreundschaften sind.

Das Werk geht viel tiefer. Es ist eine gründliche Auseinandersetzung mit der Freundschaft in der heutigen Zeit.

 

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Literarischen Jahresrückblick 2017 (3)

 

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Literarischer Jahresrückblick (1)

Es ist schon fast eine liebgewordene Gewohnheit in den Tagen zwischen den Jahren über die gelesenen Bücher nachzudenken und wie jedes Jahr feststellen zu müssen, dass sie wieder einmal von der geplanten Liste abweichen.

Kann ich mich einfach nicht an meine guten Vorsätze halten? Oder ist das Leben manchmal nicht so planbar wie wir es uns gerne wünschen?

„Wenn Du Gott zum Lachen bringen willst, dann mache einen Plan.“ sagt eine Lebensweisheit. Das Leben ist ein Abenteuer!

Manch eine/r wird sich vielleicht fragen, was diese Bücher mit dem digitalen Wandel zu tun haben. Nur wenige beziehen sich direkt auf neue Technologien. Aber es war gerade Steve Jobs, dem die Verbindung zwischen Kunst, Literatur und Technologie ein hoher Wert war, der durch sie zu seinen Innovationen inspiriert wurde.

Jedenfalls hatte ich mir im letzten Jahr fest vorgenommen, für jeden Monat ein neues Buch auszuwählen.

Das Januarbuch war eine echte Herausforderung. Aber es stand schon ziemlich lange auf meiner Bucketlist und so habe ich wacker durchgehalten.

Das Glasperlenspiel

(Hermann Hesse / Januarbuch)

 … das alt gewordene Kleid durfte abgelegt werden, es lag ein Neues für ihn bereit …

Was mich am Glasperlenspiel fasziniert hat und vielleicht musste ich deswegen so alt werden, um es zu lesen (und zu verstehen), ist, dass es einem das ganze Leben spiegelt. Die Erfahrungen, die Bemühungen, die Anstrengungen, um dann am Ende festzustellen, dass die Loslösung von allem die tatsächliche Freiheit (und Weisheit) bedeutet.

Knechts Gedanken über einen drohenden Niedergang des kastalischen Wesens waren seinen Freunden längst bekannt.

Während ich Seite um Seite umblättere, wandle ich mich und mein Leben wandelt sich mit. Es schlägt eine neue Richtung ein. „Nun, er ging seinen Weg.“ heißt es im Buch. Ich auch. Ich begebe mich nach Essen, wo Mitte des Monats mein erstes Vorstellungsgespräch für einen Stellenwechsel statt findet.

Knechts Wunsch, irgendwann einmal seine jetzige Lebensform abzulegen und den Sprung in eine neue zu wagen, nahm schon den Rang eines Entschlusses an.

Die Fahrt zum Leuchtturm

(Virginia Woolf / Februarbuch)

Das zweite Gespräch findet im schon fortgeschrittenen Monat Februar statt. Da mich das Januarbuch mehr Zeit als angenommen gekostet hat, wartet das Februarbuch noch im Regal.

Gleich im Anschluss an das Gespräch geht es nämlich auf Reisen.

Auf die Insel Texel.

Hier ist Zeit und Muße für „Die Fahrt zum Leuchtturm“.

Wenn das Leben einen Augenblick Ruhe gab, schien die Reichweite der Erfahrungen grenzenlos.

So war es auf Texel dann auch die Ruhe vor dem Sturm. Letzte glückliche Stunden, von denen nicht klar war, dass es letzte glückliche Stunden sind: Lange Strandspaziergänge mit dem geliebten Hund.

Im Nu, ohne ersichtlichen Grund, wurde Mrs. Ramsey zu einem zwanzigjährigen Mädchen, voller Fröhlichkeit.

Das Bezaubernde an „Zum Leuchtturm“ ist der Aufbau, die Dramaturgie und insbesondere die Sprache.

Das Haus war verlassen; das Haus war verwaist. Es blieb zurück wie eine Muschelschale auf einem Sandhügel, die sich mit körnigem Salz füllt, jetzt, da das Lebens sie verlassen hat.

1925 vermerkte Virginia Woolf  in ihrem Tagebuch: „… er (der Roman) wird ziemlich kurz werden; soll Vaters Figur völlig enthalten; und die Mutters; und die Kindheit; und all die üblichen Dinge, die ich hinein zu tun versuche, Leben, Tod, etc. Aber der Mittelpunkt ist die Figur Vaters …“

Der Roman spielt in der gleichen Umgebung, in der Virginia Woolfs Jugenderinnerung das Bild der Eltern aufbewahrt hat: im Ferienhaus an der Küste, während der langen Sommermonate.

Konnte das sein, dass dies selbst für ältere Menschen, das Leben war? – verblüffend, unerwartet, unbekannt? … Und während sie sich ausruhte und dabei unschlüssig von einem zum anderen schaute, stand die alte Frage, die dazu angetan war, in Augenblicken wie diesem zu einer besonderen zu werden, wenn sie Fähigkeiten frei setzte … Was war der Sinn des Lebens?

In Reisekladde habe ich die Reise mit dem Literarischen verbunden.

März

Der schönste und zugleich der traurigste Monat des Jahres 2017 war der März. Er blieb lektürefrei.

Am 10. März starb unser Hund. Der kleine spanische Mischling war keine sieben Jahre alt geworden und sein Tod liess das Leben plötzlich stehen bleiben.

Das Lesevergnügen nach langen Waldspaziergängen mit dem Hund vor dem Kaminfeuer war erloschen.

Gleichzeitig waren die letzten Tage des Monats ausgesprochene Glückstage. Ich erhielt die Zusage für Essen, was mich veranlasste, den Beitrag „Über Amt, Aufgabe und Beruf“ zu schreiben.

 

Hab´Mut zur Lockerheit!

(Klaus Pfeffer / Aprilbuch)

Im April gratulierte mir ein Kollege in Köln zu meinem neuen Generalvikar im Bistum Essen. Er hatte seinen Beitrag im Radio gehört. Da ich zu dieser Sendezeit noch nicht besonders aufnahmefähig bin, freute es mich, als ich erfuhr, dass Klaus Pfeffer ein Buch mit dem muntermachenden Titel „Hab´Mut zur Lockerheit!“ veröffentlicht hatte, in dem seine Beiträge zusammen gefasst waren. Dabei geht es um Karneval und Fastenzeit, die Zukunft der Kirche und das Glücklichsein.

Glücklich macht allein schon, dass die Texte mit Zeichnungen von Thomas Plaßmann geschmückt sind. Aber auch die Texte haben es in sich. Zum Beispiel wenn Pfeffer Dietrich Bonhoeffer zitiert:

„Unsere Verantwortung ist nicht eine unendliche, sondern eine begrenzte!“

Und der Autor führt dazu aus:

(Es braucht) … den Glauben, dass es einen Gott gibt, dem ich das überlassen kann, was mir nicht möglich ist. Wer so glauben kann, der resigniert nicht. Er weiß ja, dass er nur tun muss, was für ihn geht, nicht mehr und nicht weniger.

 

Zum Titelthema Lockerheit heißt es im Buch:

Es ist kein Wunder, dass der Karneval in Gegenden entstanden ist, die vom Glauben an Gott geprägt waren. Menschen, die mit Gott rechnen, können das Leben einfach lockerer sehen. Sie können auch lustvoll feiern und den Alltag mal an die Seite schieben.

Na, da kann ich als Rheinländerin doch leicht und locker an die Ruhr wechseln …

 

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Literarischen Jahresrückblick 2017 (Teil 2)

 

Veröffentlicht in Bewegte Frauen

Die heitere Elisabeth. #Caritas

Als Mädchen und junge Frau fand ich es immer unglaublich schwer, diese mittelalterlichen Frauen zu verstehen, ganz besonders, weil sie schon von Geburt an heilig schienen, während ich ständig mit meinen ganzen Unzulänglichkeiten und Fragen zu kämpfen hatte. Mit einigen von ihnen geht es mir auch heute noch so, zum Beispiel mit der Schutzpatronin der Caritas, der heiligen Elisabeth, deren Namenstag wir heute am 19. November feiern. 

Der nachfolgende Film zeichnet ein sehr schönes Bild von ihr und es wird deutlich, dass sie besondere Stärken hatte, ein ausgesprochen fröhlicher Mensch war und konsequent ihren Weg gegangen ist. Ähnlich wie Katharina von Bora, der Lutherin, lebte sie ein sehr partnerschaftliches Verhältnis mit ihrem Mann, was für die damalige Zeit ungewöhnlich war. 


Elisabeth engagierte sich für die Armen und gab alles, was sie besaß, her, um es mit ihnen zu teilen. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie von ihrer Burg hinunter ins Dorf zu ihnen, wo sie bereits mit 21 Jahren ein Hospital hatte bauen lassen.

Sie starb im Alter von 24 Jahren, aber sie hatte wohl ein erfülltes Leben. Wenn es Young Caritas damals schon gegeben hätte, wäre Elisabeth vielleicht ein Teil der Bewegung gewesen. Die Botschaft, die sie uns mitgibt, ist, dass es darum geht, die Menschen heiter zu machen.

„Seht, ich habe es immer gesagt,
man muss die Menschen froh machen.“
Elisabeth Landgräfin von Thüringen,
deutsche Nonne und katholische Heilige.

 

 

 

Veröffentlicht in Bewegte Frauen, Kirche

Was Martin Luther uns für das Zeitalter des digitalen Wandels lehrt. #Reformation

Dieser Tage jährt sich der 500. Jahrestag, an dem Luther seine Thesen in Wittenberg angeschlagen haben soll. Die Medien, das Fernsehen, die Buchläden sind voll von Neuigkeiten über diesen ehemaligen Mönch, der über Jahre grübelnd in seinem Turmzimmer verbracht hat, weil ihm nichts wichtiger war als seiner römisch-katholischen Kirche zu dienen.

Muss es da also tatsächlich auch noch einen Blogbeitrag geben in einem Blog, der thematisch scheinbar doch so gar nichts mit der Zeit zu tun hat, in der Luther gelebt hat?

Nein, muss es nicht.

Bis vor einen paar Tagen wäre mir das auch nicht in den Sinn gekommen. Denn unsere heutige Zeit ist ja überhaupt nicht mit dem Mittelalter zu vergleichen.

Oder vielleicht doch?

Europa und die Welt.

Martin Luther lebte in einer Zeit, die sich in einem Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit befand. Einem Epochenwechsel, an dem er maßgeblich beteiligt war, ohne es jemals gewollt zu haben oder es in seiner Tragweite Zeit seines Lebens zu erfassen.

Dabei war Martin Luther ein Gelehrter. Ein Professor an der neuen Universität zu Wittenberg. Das Zusammenwirken verschiedener Ereignisse und zeitgenössischer Strömungen hat seine Mission gefördert und die Reformation beschleunigt. Eine Veränderung, die bis heute unser Menschenbild, Gottesbild, unsere Bildungssysteme und das christliche Europa prägen. Das Bild des liebenden Gottes, dessen Sehnsucht Nächstenliebe ist. Unsere europäischen Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit resultieren aus diesem für damalige Verhältnisse grundlegenden anderen Verständnis von Kirche. Einer Kirche, die sich wieder auf ihre Ursprünge konzentriert. Auf Jesus Christus.

Auch Martin Luther lebte bereits in europäischen Strukturen: im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (allerdings ohne einheitliche Währung). Nationalstaatlichkeit war den Deutschen zu jenem Zeitpunkt eher noch fremd. Und ähnlich wie heute gab es viele Krisenthemen in diesem großen Reich zu beackern, Probleme, die häufig mit Kriegen gelöst wurden.

Der Kontinent Europa stand zu jenem Zeitpunkt vor einem epochalen Wandel, der aber noch nicht abzusehen war.

 

Schreiben, Bildung und einfache Sprache.

Gleichzeitig mit Martin Luther lebten drei andere Männer, die mit ihren Forschungen und Erfindungen einen entscheidenden Einfluss auf den Wandel gehabt haben: Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, Christoph Kolumbus, der Entdecker Amerikas und Nikolaus Kopernikus, Lehrer des heliozentrischen Weltbildes.

Martin Luther soll sich für die Entdeckung Amerikas und die Erfindung des Buchdrucks wenig interessiert haben und doch haben diese Entwicklungen seine Reformation verbreitet und ihm sogar wohl den Hals gerettet, denn als Ketzer sollte er eigentlich getötet werden. Aber zu dem Zeitpunkt war die neue Idee schon so verbreitet, dass sie nicht mehr aufzuhalten war.

Er konzentrierte sich auf sein Lebensthema, die Verbreitung des Wortes und seiner Überzeugungen. Er schrieb seine Überzeugungen konsequent auf. Hätte es damals schon das Internet gegeben, wäre er sicher einer der ersten Blogger geworden.

Er traf dabei auf ein Volk, das hungrig war nach Veränderung. Dass diese alte mittelalterliche Welt nicht länger ertragen wollte, in dem der überwiegende Teil der Menschheit in unsäglichen Verhältnissen lebte.

Er erreichte das Volk deswegen, weil es ihm gelang, eine Sprache zu sprechen, die das Volk verstand. Zum einen, weil er die Texte der Bibel in die deutsche Sprache übersetzte und, weil er eine einfache Sprache benutzte.

Auf diese Weise revolutionierte Martin Luther die Welt. Er wählte zielgruppengerechte Methoden, um Bildung zu vermitteln. Und brachte die Menschheit zu einem neuen Bild von Wirklichkeit. Die neuen Bilder bildeten den Geist und formten damit die Menschheit neu. Was wiederum Auswirkungen auf gesellschaftliche Veränderungen und Strukturen hatte.

Der erste Bestsellerautor Martin Luther bewegte durch sein Wort und die Sprache die Welt in einer durch Buchdruck beschleunigten Schnelligkeit, die an den vielen vorhandenen alten Strukturen, so auch der römisch-katholischen Kirche, vorbeieilten, ohne von dieser wahrgenommen zu werden oder deren Auswirkungen im Entferntesten zu erahnen.

Wenn Du die Welt verändern willst, nimm einen Stift und schreib.

Martin Luther

Glauben, Gott und die Rolle der Kirche.

Martin Luther war der festen Überzeugung, dass es auf Gott allein ankommt.

Aufgrund der mittelalterlichen Erfahrungen seiner Zeit mit Ablasshandel und der Verweltlichung der Kirche, die sich nur um Macht, Geld und Gier zu drehen schien, war ihm diese Erkenntnis heilsrettend für seinen Glauben. Seine Erkenntnis, dass allein das Wort (Evangelium) entscheidend war und es keine Autoritäten brauchte, die es dem Glaubenden auslegten, wenn er es selbst zu lesen verstand, führte letztlich zu den Auswirkungen der Reformation, die in blutigen Glaubenskriegen ausgefochten wurden.

Es hat aber auch viele Mystiker/innen inspiriert und so auch im katholischen „Lager“ seinen Weg gefunden.

In einer Zeit wie heute, in der wieder die Rolle der Kirche(n) gesellschaftlich stark in Frage gestellt wird, ist ein Umdenken angesagt. In der Nähe des Geburtsortes von Martin Luther sprach der zuständige Bischof des Bistums Magdeburg kürzlich davon, dass heutzutage nur noch wenige Menschen Gott in den Köpfen hätten, geschweige denn im Herzen, was Luther ein Anliegen gewesen ist. Gott sei einfach in Vergessenheit geraten.

Das sind die Fragen der heutigen Zeit. Und das, obwohl das neue Gottes- und Menschenbild, das von Luther im Sinne der Urkirche wieder ans Tageslicht geholt wurde, massgeblich die Werte Europas mitbestimmt und bewirkt hat.

Heutzutage steht Kirche also wieder vor gravierenden Veränderungen. Heute wie damals ist es wieder wichtig, den Menschen zuzuhören, sich auseinanderzusetzen, mit den Zeichen der Zeit zu gehen. Das Bistum Essen arbeitet hierfür an einem neuen Zukunftsbild. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer publizierte hierzu gerade einen Beitrag in der Herder Korrespondenz.

Die Rolle der Frau.

Katharina von Bora, besser bekannt als die Lutherin, war die Ehefrau von Martin Luther. Ein ehemaliger Mönch und eine entflohene Nonne heiraten. Das war natürlich damals mehr als eine Schlagzeile wert und der Skandal schlechthin.

Martin Luther ging sehr offensiv mit diesem Thema um. Er ließ ein Gemälde von sich und seiner Frau anfertigen, das sie als Ehepaar zeigte. Martin Luther und seine Frau Katharina pflegten ein für damalige Verhältnisse ausgesprochen partnerschaftliches Miteinander. Sie saß mit am Tisch, wenn diskutiert wurde. Er hörte auf ihre Meinung und musste sich nachsagen lassen, dass sie ihn zu stark beeinflusste. Sie leitete das häusliche Wirtschaftsunternehmen, das ihnen die Existenzgrundlage sicherte. Übersetzte ebenfalls Bibeltexte und in seinen Briefen nannte er sie in der Anrede liebevoll Herr Käthe, Doktorin, Lutherin, Predigerin zu Wittenberg.

Luther: „Einem freundlichen, lieben Herrn, Frau Katherinen Lutherin von Bora, Doktorin, Predigerin, Brauerin, Gärtnerin, und was sie mehr sein kann. Gnade und Friede, liebe Käthe. Wie reich hat mich Gott beschenkt. Nicht mit irdischen Gütern, nicht mit Geld und Land und Hausrat. Denn wenn ich in der Welt nichts hätte, besäße ich doch den größten Reichtum. Meine Frau und meine Kinder … denn ich liebe Euch mehr als mich selbst. Du, Katharina, wurdest mir von Gott gesandt, zum Vorbild und zum Wegweiser. Dein Glaube wurzelt tief im Leben. Deine tätige Liebe trägt reiche Früchte. Was du für mich getan hast, und für die Kinder, darin steckt mehr Glaube als in jedem Gebet. Andere beten um Gottes Hilfe. Du aber bist Gottes Hilfe. In Liebe, dein Martinus Luther.“

Katharina von Bora (Film)

Und dennoch verlor sie nach seinem Tod alle Rechte. Auf das Erbe, auf ihre selbständige Existenz und ihren Status.

In der heutigen Zeit haben wir spätestens (oder erst!) seit den 1970er Jahren gesetzliche Regelungen in Deutschland und in der westlichen Welt, die eine Gleichstellung von Mann und Frau sichern. Die Frau muss ihren Mann etwa nicht mehr fragen, wenn sie einen Beruf ergreifen will u.ä.

Und dennoch bleibt die Frage der Rolle der Frau ein kontinuierliches gesellschaftliches Thema. Manche würden es am liebsten ganz vom Tisch fegen, da sie um ihre eigenen Entwicklungsoptionen fürchten, wenn zu viele Frauen in die gesellschaftlich spannenden öffentlichen Aufgaben drängen.

Auch in der öffentlichen Wahrnehmung sind es häufig weiterhin Männer, die Themen voran bringen. Das liegt teilweise an der medialen Darstellung oder einfach daran, dass andere Rollen zugedacht werden: Assistentinnen, Moderatorinnen, Back office.

Bei diesem Post handelt es sich natürlich um eine rhetorische Frage, denn gerade Frauen sind in der Online-Kommunikation kompetent vertreten. Wenn es aber offiziell wird, tritt das namentlich noch zu selten in Erscheinung.

Das partnerschaftliche Zusammenwirken von Martin Luther und Katharina von Bora, der Lutherin, war für die damalige Zeit mehr als ungewöhnlich. Es ist also zu hoffen, dass man 500 Jahre später in deutschen Landen hier ein entsprechendes partnerschaftliches Bewusstsein entwickelt, das nicht nur, aber auch medial, deutlich wird.

Die Reform(ation).

Der digitale Wandel, das spüren allmählich viele, wird unsere Welt auf den Kopf stellen. Das Lernen und damit die Bildung verändern, vielleicht auch das Menschenbild, wenn wir an den Einsatz von Robotern (Alexa, Siri & Co.) denken, die schon jetzt ganz selbstverständlich zu unserem Alltag dazu gehören.

Die Reformation setzte sich durch, weil bestimmte Bedingungen zusammen kamen: Martin Luther lehrte an einer neugegründeten, jungen Universität, es gab keine verkrusteten Strukturen, alles war noch offen, formbar. Keine Platzhirsche, die das Feld bereits beherrschten.

Der gerade erfundene Buchdruck beschleunigte die Verbreitung des Wissens und diente der Volksbildung und freien Meinungsäußerung.

Die Epoche der Reformation lehrt uns, dass Innovationen bestimmte Rahmenbedingungen brauchen, Förderer, kreative Räume, vielleicht auch eine Unbeobachtetheit in der Pionierphase.

Gleichzeitig zeigt die blutige Seite der Reformation aber auch, welche Auswirkungen Veränderungen haben können, wenn sie nicht ordentlich gemanaget oder begleitet werden.

Was uns die Epoche Martin Luthers lehrt:

  • Wie unmerklich klein die großen Dinge begonnen haben.
  • Die Welt, die im Wandel ist, ahnt häufig selbst nicht, dass eine neue Zeit anbricht.
  • Reformer sind selten die Selbsternannten, sondern die, die sich mit aller Kraft für Themen eingesetzt, sich darauf konzentriert und damit letztlich etwas bewegt haben.
  • Es braucht Zweifler, die plötzlich die Regeln in Frage stellen und etwas Neues ausprobieren.
  • Er war ein mittelalterlicher Blogger, denn sein Leitsatz war: „Durch Schreiben kann man etwas bewegen.“
  • Wenn man die Menschen erreichen will, muss man ihre Sprache sprechen.
  • Der Buchdruck war damals, was heute die Online-Kommunikation ist. Ein Beschleuniger des Wortes und ein wesentlicher Zugang zu freier und einfacher Bildung.
  • Bildung besteht aus Bildern. Neue Bilder formen den Geist um. Der umgebildete Geist bildet neue gesellschaftliche Strukturen.
  • Aus einem ängstlichen eher schüchternen Menschen kann ein Starker werden, wenn die Berufung stimmt.
  • Rückzüge, Natur und Stillezeiten (Offline-Zeiten) fördern Fortschritt, Kreativität und Qualität.
  • Verkrustete Strukturen verhindern eher, während neue, offene, noch formbare Lernstätten innovatives Denken und Arbeiten fördern.

 

Inspiriert zu diesem Beitrag wurde ich durch die Lektüre des Buches „Martin Luther und Katharina von Bora“ von Petra Gerster und Christian Nürnberger.

 

 

Veröffentlicht in Soziale Arbeit

BarCamp als Beitrag zur Organisationsentwicklung – #SozialCamp 2017

Einen Raum schaffen, um eine Brutstätte für (soziale) Innovationen zu ermöglichen.

Einen Raum schaffen, um die nötigen Kulturbrüche zur Weiterentwicklung der sozialen Arbeit zu bewirken.

Eine Vision haben und sehen, dass sie … einfach … so … Wirklichkeit … wird.

Das waren meine Gefühle beim SozialCamp der sozialen Arbeit.

In Essen gibt es nach meinem Amtsantritt ganz viel zu tun. Meine Stimme versagt ab und an, weil ich so viel spreche. Kommunikation ist (gerade) die Führungsaufgabe Nr. 1. Kennenlerngespräche mit dem Team der Geschäftsstelle, Besuche bei den Mitgliedern vor Ort, Kirchenpolitik, akute gesellschaftliche Herausforderungen der sozialen Arbeit …

Die Digitalisierung der sozialen Arbeit ist die Kür all dessen, was ich tue. Immer mal zwischendurch, wenn Zeit ist. Und so habe ich mir ausnahmsweise mal drei Tage abgezweigt und auf Einladung des DiCV Osnabrück Netzpolitik.org und den Digitalverband BitCom in Berlin besucht.

Und das SozialCamp. Bei dem wir als Caritasverband im Bistum Essen Sponsor sind zusammen mit den Diözesan-Caritasverbänden Aachen, Köln, Limburg, Münster, Osnabrück, Paderborn und Speyer. 8 Diözesan-Caritasverbände, die sich die Digitalisierung der sozialen Arbeit auf die Fahne geschrieben haben. Grasrootarbeit. Wie früher zu Zeiten der Gründung der ersten Caritasverbände.

Ich komme als Gast. Als Gast ins Erzbistum Köln. Als Gast in ein Tagungshaus, das gerade erst von einem Ort an einen anderen transferiert wurde, den ich noch ganz anders in Erinnerung habe.

Veränderung. Dafür steht dieser Ort. Und dafür steht auch das Veranstaltungsformat.

Kulturbrüche geschehen lassen.

Beim BarCamp duzt man (und frau) sich. Das ist nichts weltbewegendes und nur wir Deutschen und ein paar andere verkomplizieren unser Leben mit einer Runde Du`s oder einem formalen Sie, wobei die Anrede keinen Hinweis darauf gibt, wem ich wirklich nahe bin. Aber darum geht es ja auch gar nicht.

Beim BarCamp duzt man sich. Diese Tatsache gibt einen Hinweis auf den Charakter der Veranstaltung. Das „Du“ ist ein Hinweis auf die Art und Weise wie wir zusammen arbeiten wollen. Augenhöhe. Das Du ist ein Symbol für Augenhöhe, daher passt es gut.

Es ist eine Freude zu sehen wie Start ups, Wissenschaft, eine kreuz und quer Mischung von Qualifikationen und Kompetenzen geschieht und dabei neue Kooperationen, Produkte und Geschäftsmodelle entstehen.

Ein BarCamp ist Organisationsentwicklung.

DiCV Essen vollzählig angetreten? twittert Stephanie Braun kess am ersten Tag in meine Richtung. An dieser Stelle ein tausendfaches Danke schön an Stephanie, ohne sie wäre der Hashtag #sozialCamp auf Twitter sicher unter gegangen, mein storify nur halb gefüllt und die Fleißige hat auch dafür gesorgt, dass blitzschnell der erste Blogbeitrag plus Folgebeiträge veröffentlicht war.

Aber nun die Antwort auf die Frage: Vollzählig nicht. Aber mit Fachkräften quer durch alle Arbeitsfelder.

Für uns Essener war das BarCamp ein kleiner Organisationsentwicklungsprozess nebenher. Synergieeffekt(e). Vernetzung. Ausrichtung. Strategie.

Hinzu kam, dass ich eigentlich selbst gar keine Session anbieten wollte, dann aber durch Hannes Jähnert vom Deutschen Roten Kreuz und Benedikt Gyer von IWMM eingeladen wurde, unsere Bloggeraktivitäten zu vermitteln. Wir waren kürzlich als Blogger/innen für die Sozialwirtschaft in „Wohlfahrt intern“ publiziert worden.

Dass ich damit auch Teil eines „Frauenförderprogramms“ wurde, will ich kurz erzählen, weil es mich bei dem Veranstaltungsformat überraschte. Denn die Sessiongeber waren sehr vielfältig: Menschen mit Behinderung, Migrationserfahrung etc. Nur Frauen trauten sich am ersten Tag nicht so recht an den Pitch wie man die Präsentation der eigenen Sessionidee nennt. Und so war die lange Schlange überwiegend männlich.

Nach dem ersten Abend als Hannes und ich beim Bier unsere Session für den nächsten Tag vorbereiteten, ergab sich ein Gespräch zum Thema, in dem ich erwähnte, dass es mir unverständlich sei, dass auch die zuletzt anstehenden höheren Positionen (Direktorenstellen bei der Caritas) in schöner Selbstverständlichkeit mit Männern besetzt worden sind. Ich hatte eine wage Hoffnung, dass nach Essen nun auch andere sich ein Beispiel nehmen würden. Sozialpolitik, das traut man den Frauen noch zu, aber, wenn es kaufmännisch wird, dann doch besser ein männlicher Vorstandsvorsitzender oder Generalsekretär.

Und so kam es, dass ich unsere Session mit dem schönen Titel „Einladung zum Tanz …“ präsentieren (musste).

Was hat das mit dem BarCamp zu tun? Nun, das sind Themen, die aufploppen und vielleicht auch gerade, weil die Caritas nicht in ihrem Brei campt, sondern aufmerksame Kooperationspartner anderer Organisationen mitmischen. Eine echte Bereicherung in vielerlei Hinsicht.

Warum sich der zweite Tag eines BarCamps so sehr lohnt.

Klar ist der erste Tag schön. Wir treffen uns auf der weitläufigen Terrasse des KSI mit atemberaubenden Blick über Siegburg wahlweise nach Bonn oder Köln. Es ist ein fröhliches Wiedersehen oder Erkennen, weil man und frau sich ja schon eine Weile auf Twitter oder anderen Kanälen folgen.

Es ist Neugierde. Welche Themen werden wohl angeboten. Was wird entstehen?

Meine Erfahrung vom letzten BarCamp ist, dass am zweiten Tag eigentlich das Große entsteht. Die Verknüpfung des Gehörten. Die Bewegung. Eine soziale Bewegung für die Digitalisierung in der Sozialwirtschaft.

Auch, wenn ich selbst nicht an vielen weiteren Sessions teil genommen habe, da ich am nächsten Tag ungeplant (aber so ist ein BarCamp) und spontan selbst zwei anbot, war das Kribbeln in der Luft. Das Flimmern. Das Zusammenführen und Kommen der neuen Ideen.

In meiner zweiten Session ging es um das InnovationsLabor. Ein Thema, das ich bereits beim ersten SozialCamp vorgestellt hatte, allerdings mit deutlich weniger Konzept. Jetzt ist die Vision klarer, zu Mal wir in Essen bereits Raum dafür gefunden haben. Und auch eine Strategie dahinter steht. Wir wollen den Fortschritt in der Digitalisierung der sozialen Arbeit mit unserem Fort- und Weiterbildungszentrum verknüpfen.

Die Ideen sprudelten. Und die FlipChart Seiten füllten sich schnell. Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammen setzen und beschließen, welche Schritte wir nun konkret angehen. Eines ist sicher: Wir machen es nicht alleine, sondern mit den Partnern, die wir hierfür beim SozialCamp gefunden haben. Auf diese (neuen) Freunde /Kooperationen für die Sozialwirtschaft freue ich mich.

Was möchte ich vom BarCamp mit in den Alltag nehmen?

Die kreative, quirlige Atmosphäre.

Die Begeisterung und Leidenschaft für Themen.

Den wertschätzenden, respektvollen Umgang.

Das vielfältige Miteinander.

Die neuen Netzwerke für soziale Innovationen.

 

Weitere Rückblicke und Eindrücke findet ihr hier.