Veröffentlicht in Geld

Wir müssen reden. Über Geld.

Das macht man doch nicht!

Schon in der Überschrift über Geld zu sprechen.

Sie sollte sich schämen.

Um es klar zu sagen: Nein, ich schäme mich nicht.

Warum nicht?

Weil hier in dieser liebenswerten Region jedes 2. Kind in einer armen Familie lebt.

Da brauchen wir Deine Hilfe!

Denn Kinder aus armen Familien …

  • sind weniger gebildet.
  • sind seltener im Sportverein, bei Kulturangeboten, in der Jugendgruppe.
  • haben weniger Freunde.
  • sind weniger gesund.
  • schätzen ihre Zukunft schlechter ein!

Deswegen brauchen wir Geld.

Und Du kannst dabei helfen.

Was genau kannst Du tun?

Werde Stifter/in!

Unsere Caritas-Stiftung hat schon eine Reihe wichtiger Projekte in der Vergangenheit gefördert. Aber das Stiftungsvermögen reicht bei weitem nicht aus. Daher sind wir auf der Suche nach neuen Zustiftern.

Ruf mich an: Caritas-Stiftung im Bistum Essen 

Mache eine Online – Spende!

Du kannst bei uns ganz bequem online spenden. Damit Du sicher sein kannst, dass Dein Geld auch dem Zweck zugute kommt, für den Du spenden willst, kannst Du den Zweck angeben.

Für 50 Euro versorgst Du einen Obdachlosen mit einem Winterpaket oder ein Kind mit Lernmitteln für die Schule.

Du kannst auch regelmässig jeden Monat spenden oder zu Deinem Geburtstag für die Caritas im Ruhrbistum Geld sammeln.

Spende online: gleich jetzt und hier

Schenke uns Deine Zeit!

Zeit ist Geld. Wir suchen Leute, die uns bei Spendenaktionen helfen. Dafür musst Du nicht in unserer Region leben. Wir freuen uns auch über Engagement in unseren Online-Projekten!

Schreibe uns an info@caritas-essen.de

Erzähle von uns!

Teile diesen Beitrag! Wenn Du Menschen kennst, die gerne etwas Gutes tun wollen, dann erzähle von uns. Folge uns auf Facebook , Twitter und Instagram und erlebe live wie wir Menschen helfen!

Schon jetzt ganz herzlichen Dank für Deine Unterstützung!

Deine

Sabine Depew

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht in Gelesen

Lese-Glücksmomente.

Da fehlt doch noch was?

Habt ihr sie schon vermisst?

Ja, genau!

Meine Bücherliste 2018!

Lesen war schön im letzten Jahr.

Ich erinnere mich gerne an die Orte, an denen ich gelesen habe.

Am Meer mit einer kleinen Ostseebrise um die Nase,

in den Bergen,

in der tiefen Eifel,

im Bett, im Liegestuhl, im Ohrensessel, vergnügt, gespannt, entspannt, erschreckt, verstört, versponnen, versonnen, vergnügt, verliebt, bedacht, verlacht … und welche Gefühle Bücher sonst noch so auslösen können.

Bücher sind etwas Feines!

Allein der Einband, der Geruch, das kleine Bändchen, das über die Seite fällt, die ersten Seiten, die letzten Seiten und überhaupt!

Aber nun genug der Schwärmerei!

Hier ist meine Bücherliste 2018.

Transit (Anna Seghers, 1944)

Erst ist es das gestrandete Boot,

das mit dem Buch gepostet wird,

das mich anspricht.

Urlaub.

Transit.

Verreisen.

Dann der Perspektivwechsel.

Die Erschütterung.

Die Not, die ein leeres Boot am Ufer des Mittelmeers bedeuten kann.

Der zeitaktuelle Roman „Transit“ handelt von Menschen auf der Flucht. In Marseille versammeln sich 1940 die von den Nazis Verfolgten. Sie hetzen nach Visa, Bescheinigungen und Stempeln, um nach Übersee ins rettende Exil zu entkommen. Im Roman kreuzen sich die Wege von Menschen, die ähnliche Schicksale teilen.

All diese alten, schönen Städte wimmelten von verwilderten Menschen. Doch es war eine andere von Verwilderung als ich geträumt hatte. Eine Art Stadtbann beherrschte diese Städte, eine Art mittelalterliches Stadtrecht, jede ein anderes. Eine unermüdliche Schar von Beamten war Tag und Nacht unterwegs wie Hundefänger, um verdächtige Menschen aus den durchziehenden Haufen herauszulangen, sie in Stadtgefängnisse einzusperren, woraus sie dann in Lager verschleppt wurden, sofern das Lösegeld nicht zur Stelle war oder ein fuchsschlauer Rechtsgelehrter, der bisweilen seinen unmäßigen Lohn für die Befreiung mit dem Hundefänger selbst teilte. Daher gebärdeten sich die Menschen, zumal die ausländischen, um ihre Pässe und ihre Papiere wie Seelenheil.

 

Die Freiheit, frei zu sein (Hannah Arendt, 1967)

Die Tatsache, dass das Wort Revolution ursprünglich Restauration bedeutete, ist mehr als nur eine semantische Kuriosität. (Hannah Arendt)

In dem Essay philosophiert Hannah Arendt über den Begriff Freiheit und was sie für den Einzelnen bedeutet. Sie fragt danach, ob es es um die Abwesenheit von Angst und Zwängen geht oder darum, sich an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen, die eigene Stimme zu erheben? Und sie fragt: Haben wir diese Freiheit einfach oder wer gibt sie uns? Und kann man sie uns auch wieder weg nehmen?

Kein Vorhaben ist schwieriger in der Ausführung, unsicherer hinsichtlich seines Erfolges und gefährlicher bei seiner Verwirklichung, als eine neue Ordnung einzuführen.

Heisser Sommer (Uwe Timm, 1974)

„In Heisser Sommer geht es um die Unruhen der 68er Jahre, die Tendenzen zur Radikalisierung, die Notwendigkeit zum Aufbrechen der alten autoritären (Universitäts-) Strukturen und dem kleinbürgerlichen Mief.“, schreibe ich am 13. August in mein Tagebuch, während ich aus dem Strandkorb heraus dem Kreischen der Möwe lausche und die kühle Ostseebrise genieße.

Auch dieser Sommer 2018 war geprägt von einer wochen-, ja monatelangen trockenen Dürre- und Hitzewelle. Das Laub an den Bäumen verdörrt sehenden Auges. Große Stücke von Baumrinde brechen von den Stämmen. Und was die politischen Verwirrungen und Verdörrungen betrifft erst recht.

Ediths Tagebuch  (Patricia Highsmith, 1977) 

Edith notiert in ihrem Tagebuch Tagträume, eine Wunschwelt. Die im Tagebuch notierten Erlebnisse haben mit der Realität immer weniger zu tun. Je unerträglicher ihre reale Welt wird, umso phantasiereicher wird die Erlebniswelt in ihrem Tagebuch. Sie kompensiert damit ein Leben, dessen Schicksalsschlägen sie mit Gleichmut und freundlichem Lächeln zusieht.

Erst am Ende spricht sie ihre Meinung aus, was dann als Krankheitswahn bezeichnet wird:

Alle macht ihr schlechte Politik – Ausflüchte, Lügenmärchen, bloß nicht die einfache, nackte Wahrheit.

 

Seid laut! (Burkhard Hose, 2018)

„Für ein politisch engagiertes Christentum“ lautet der Untertitel.

Der Blick die Geschichte lehrt, dass Schweigen und sich Heraus-Halten mindestens genauso verheerende politische Folgen haben können wie ein Sich-Einmischen.

Wenn ich auf das Jahr 2018 zurück schaue, dann zähle ich den Abend als wir in Essen als Kirchen und Sozialverbände auf die Straße gegangen sind, unsere „Sach wat“ Fahne hoch gehalten haben zu eines der Highlights 2018. Es ist immer schwierig, etwas Besonderes heraus zu greifen, weil es so viele wichtige und gute Ereignisse in einem Jahr gibt und gerade die Scheinwerfer oft auch verblenden können vor dem, was an alltäglicher Kleinarbeit viel wichtiger ist. Mehr dazu findet ihr auch hier im Blog in Kinder, Küche, Kirche.

Man kann nicht Suppe an Arme ausschenken, ohne irgendwann die Frage zu stellen, warum die Armen eigentlich arm sind. (Burkhard Hose)

Wir Kirchen müssen politisch sein, das macht er in seinem Buch mehr als klar. Es gibt dafür tausend Gründe und viele gute Beispiele wie etwa die friedliche Revolution zum Ende des DDR-Regimes.

Ob wir wirklich ein christlich geprägtes Land sind, würde sich daran zeigen, dass die Solidarität mit den Schwachen als leitendes Prinzip im gesellschaftlichen Zusammenleben erkennbar ist und nicht an den Grenzen eines Nationalstaates aufhört.  (Burkhard Hose)

„Es ist Zeit, das Christentum nicht länger mit Konservativsein oder Bravsein zu übersetzen, sondern mit Erneuerung und Umdenken. Es ist Zeit, den prophetischen Auftrag Jesu ernst zu nehmen, Partei zu ergreifen und lauf zu werden, wo Menschen in ihrer Würde verletzt werden.“

Die beiden Bücher mit den Ausrufungszeichen (Seid laut! und Steht auf!) sind in Zeiten, in denen in Kirche (hoffentlich!) so viel im Umbruch ist, wohltuende Bücher für die Seele, weil sie sich auf das Evangelium berufen.

Ist Jesus ein Linker? lautet die Überschrift eines seiner Kapitel. Ist jemand, der das Evangelium ernst nimmt und sich als Anwalt der Schwachen versteht ein Linker? Sind Menschen, gerade die junge Generation, die sich für die Aufnahme Geflüchteter einsetzt Linksextreme? Oder geht es um eine Generation, die für sich erkannt hat, dass die Aufnahme Geflüchteter nicht Wohltätigkeit, sondern Solidarität verlangt. Ist Menschlichkeit und Empathie nicht einfach eine Aufgabe der Nächstenliebe?

Die Überschrift über Kapitel 5 lautet gar „Welcome to the revolution“.

Ich wünsche mir so sehr, dass sich diese neue Generation ihre „revolutionäre“ Haltung bewahrt, … , aus der tatsächlich ein neuer Politikstil entstehen kann. Aber woher wird diese Revolution ihre positive Kraft beziehen? Es braucht Menschen und Orte, es braucht Quellen, aus denen sich die Energie gewinnen lässt, die nötig sind, um nicht bei sich selbst stehen zu bleiben.

schreibt Burkhard Hose in diesem Kapitel. Es wird unsere Aufgabe sein, den Rahmen zu schaffen, um das Neue werden zu lassen. Neue Orte zu gestalten, Freiheit zu gewähren, Quellen zur Verfügung zu stellen oder selbst zu sein.

Jenny Marx (Angelika Limmroth, 2018)

Linke, Revolutionäre – diese Zuschreibungen gelten für Karl Marx, Friedrich Engels und seine Frau mehr als für viele andere. Der rote Kopf im Garten des Karl Marx Hauses in Trier ist dafür leuchtendes Beispiel. Und dabei geht es nach Hannah Arendt bei Revolution doch „nur“ um Restauration.

Die Lektüre des Lebens der Familie Marx fand ich mehr als faszinierend. Unfassbar wieviel Kraft, Engagement, Leidenschaft es bedeutet haben muss, die großen Ideen zu fördern und voran zu treiben.

Im Leben der Jenny Marx, Ehefrau von Karl Marx, sind Sprache und Schreiben der Schlüssel der Reform und Revolution. Der Aufstand auf der Straße gelingt nicht, da die Deutschen „Kulturpatrioten“ sind. Die Revolution von 1848 hat nicht die gewünschten politischen Verhältnisse gebracht also wurde geschrieben (!).

Jenny und Karl griffen beim Schreiben auf ein globales Netzwerk zurück. Sie schrieben regelmässig zahlreiche Briefe an zig Verbündete und schufen somit einen weitreichenden Verbund zur Förderung ihrer Ideen.

Wer wir sein könnten (Robert Habeck, 2018)

Im Oktober habe ich während der LitRuhr einer Diskussion zwischen Thea Dorn und Robert Habeck beigewohnt.

Was mich beeindruckt hat, war die Nachdenklichkeit mit der diskutiert wurde. Es gab nicht vorgefertigte Politikersprüche, sondern überlegte und während der Diskussion entwickelte Gedanken. Zuhören, mit einander reden, beteiligen könnte ein neuer Politikstil werden, den unsere Gesellschaft angesichts der rasanten und radikalen Veränderungen dringend brauchen wird. Es braucht eine gedankliche Verlangsamung. Wir müssen uns Zeit zum Nachdenken nehmen.

Zu dieser Nachdenklichkeit lädt auch das Buch ein.

Sprache schafft die Welt.

In diesem ersten Satz steckt die ganze Philosophie der Gedanken, die Habeck in der Folge entwickelt. Und lädt dazu ein, über die eigene Verwendung von Sprache nachzudenken und der Verrohung entgegen zu wirken.

Steht auf! (Johannes Eckert, 2018)

„Die Frauen im Markusevangelium waren für ihre Mitmenschen eine echte Provokation: Sie ergriffen selbstbewusst das Wort, korrigierten ihren Meister und vertrauten und glaubten bedingungslos. Und dennoch: Ihre Namen sind nicht überliefert. Das bewegt Abt Johannes Eckert zu einer biblische Spurensuche. Das Evangelium liest er als Ouvertüre zu unserem Leben, dem eigentlichen Ort der Frohen Botschaft. So entdeckt er provozierende Botschaften für uns als Gläubige und für die katholische Kirche. Abt Johannes Eckert schreckt dabei auch nicht vor den heißen Eisen Kirchensteuer, Zölibat und Kardinalat der Frauen zurück.“ (Herder)

Fazit

Bücher, die in mein Leben eingreifen, an denen mein Leben weiterschiebt, so dass ich sie alle paar Jahre zur Hand nehmen muss, um zu sehen, was inzwischen mit mir und mit ihnen passiert. (Christa Wolf über das Buch „Transit“)

An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Sätze & Schätze, die mir im letzten Jahr auch wieder Anregungen und Lektüretipps gegeben haben.

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Bücherliste 2015

 

 

 

Veröffentlicht in Tagebuch

Grosse Fußstapfen … so ein Quatsch!

Vor ein paar Jahren sagte mal jemand zu mir:

„ Sie treten in große Fußstapfen.“

Ich halte dieses Gerede über große Fußstapfen, mit Verlaub gesagt, für Quatsch. Denn jeder prägt seine Arbeit auf seine Weise. Es wird Menschen geben, die das großartig finden und welche, die es kritisieren.

Der Termin ist mitten rein gepurzelt.

Eine junge Frau möchte mit mir ein Interview für ihre Masterarbeit führen. Es geht um Erwerbsbiographien, Karrieren und den Begriff der Elite.

Ich soll einfach mal los plaudern.

Über die Kindheit, die Eltern, meinen Lebensweg.

Die Kunst, den eigenen (Führungs-)Stil zu finden.

Ich plaudere los und erinnere mich mit Erstaunen, dass ich mindestens über die ersten zehn Jahre meines Lebens sagen kann, dass ich ein sehr schüchternes, eher ängstliches, Kind gewesen bin. Das hatte ich schon beinahe vergessen.

Später war ich dann Klassen- und Schülersprecherin, ein Hinweis, dass ich Lust hatte, Führungsaufgaben zu übernehmen.

Aber auch mit 28 Jahren bei meinem Eintritt in die Caritas, hatte ich sehr viel Respekt vor der Institution, der Kirche, dem Umfeld.

Wohin es gehen sollte, wusste ich damals absolut nicht.

Und es war auch nicht wichtig.

Dann in den Folgejahren die Erfahrung: die Organisation braucht Leute wie mich, die quer denken, anders sind, das Establishment in Frage stellen.

So haben wir uns gegenseitig geprägt.

Ich kam damals für drei Jahre und blieb fast ein Vierteljahrhundert.

Die junge Frau fragt „Welche Charaktereigenschaften haben Sie?“

und „Welche Menschen haben Sie geprägt?“

Ist laut und gerne lachen eine Charaktereigenschaft? Manche wird es wahrscheinlich eher irritieren oder schockieren.

Irgendjemand hat über mich gesagt: „Ich mag Menschen.“ Ja, stimmt. Nicht alle. Aber fast.

Weitere Eigenschaften: Gestaltungsfreudig. Neugierig. Zukunftsorientiert.

Mich haben eine Hand voll Menschen geprägt und tun es bis heute. Menschen, die ich respektiere, weil sie authentisch ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen, weil ich ihren Führungsstil großartig finde. Weil sie Herz haben und Menschlichkeit ausstrahlen. Dazu gehörten und gehören Frauen und Männer.

Wir lernen etwas zu tun, indem wir es tun.

John Holt, Pädagoge

Die erste Figur, die mich zutiefst und bis heute beeindruckt, war Pippi Langstrumpf. Dieses freche unabhängige Wesen, der ein Spaß mehr wert war als Disziplin und Ordnung. Auch, wenn ich glaube, dass ich eher eine Mischung aus Anika, ihrer Freundin, und Pippi Langstrumpf bin, hat sie die Entwicklung meines (Führungs-) Stils sehr gefördert.

Manchmal ermahne ich mich selbst ein bisschen: „Nun werde mal die Respektsperson, die Deinem Amt entspricht.“ Aber es hält meistens nicht lange an. Und allmählich scheine ich auch in der Zeit angekommen zu sein, wo dieser eher unübliche (Führungs-) Stil zeitgemäß geworden ist.

Die Interviewerin kommt mit dem Begriff Elite. Ob ich mich in meiner Position zur Elite zählen würde. Wow! So ein Begriff ist in der Caritas unüblich.

Eher ein Unwort.

Aber was ist Elite? Was bedeutet Elite für mich? Als ich über den Begriff nachdenke, kommt mir etwas ganz Altmodisches in den Sinn, was vielleicht zu dem Vorhergeschriebenen im Kontrast zu stehen scheint.

Elite bedeutet für mich: Gutes Benehmen.

Ein Mensch, der eine hohe Postion hat, hat eine besondere Verantwortung. Er ist ein Vorbild. Sein Verhalten hat Wirkung. Er sollte fair, höflich und achtsam im Umgang mit anderen sein.

Arbeiten ist, Kunstwerke zu schaffen.

Für mich war und ist meine Arbeit ein Kunstwerk. Ich knete, gestalte, werke und wirke und versuche das Bestmögliche aus dem heraus zu holen, das mir zur Verfügung steht.

Wie kann das sein? wird vielleicht mancher jetzt denken. Es geht doch um Geld, um Ressourcen, um Sicherheit und eben um all diese lauter ernsthaften Dinge.

Ja, geht es.

Und es geht um Zukunft. Und alle Komponenten gilt es qualifiziert zu verbinden. Es braucht Ideen, Leidenschaften und Kooperationen. Viele denken heute, wir könnten immer so weiter machen wie früher.

Aber die Zeiten sind vorbei.

Wir müssen etwas Neues schaffen. Und wie ein Künstler gibt es vielleicht eine Vision oder ein Bild wie das Neue aussehen kann, aber der Weg dorthin scheint noch unklar. Daher probieren wir eine Weile das Alte, das Bewährte. Aber das ist nicht die Lösung.

Wir müssen den Mut zum Neuen haben.

Wir müssen und dürfen Neues schaffen.

Jeder macht seine eigenen Fußstapfen und das ist gut so.

Auf das Gerede mit den großen Fußstapfen

habe ich damals geantwortet:

„Meine Nachfolger/innen auch.“

Meine Nachfolger/innen treten auch in große Fußstapfen, denn ich habe etwas Eigenes geschaffen, das meinem Stil entspricht. So wie andere das nach mir auch wieder tun und getan haben.

Denn irgendwann erschöpft sich auch der Stil des Besten/der Besten und dann braucht es einen anderen, einen neuen, Stil. Dann, wenn sich das Alte im Kreis dreht. Das habe ich bisher selten in meinem Leben gespürt, weil es in der jeweiligen Aufgabe immer viel zu tun gab. Aber mindestens 1x kam es vor, dass ich eine Aufgabe beendet habe und zwar ohne etwas Neues anzufangen.

Weil es einfach zu Ende war.

Ich konnte dieser Aufgabe keinen fruchtbaren Impuls mehr geben.

Die junge Frau erzählt mir am Schluss, dass sie selbst noch auf der Suche ist. Wieviel Beruf verkraftet eine Familie? Wie soll das Leben organisiert werden, wenn es doch so viele Möglichkeiten bereit hält?

Sie wird eigene Fußstapfen hinterlassen.

Und dann wird vielleicht eines Tages jemand zu ihr sagen: „Du hinterlässt große Fußstapfen …“

Aber das ist eigentlich Unsinn.

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Veröffentlicht in Europa

Warum Europa das Zeug hat, sich sozialdigital zu profilieren.

Schnell ist der dicke Geschichtsband gezückt, auf dem in großen Lettern Europa steht und der Blick fällt auf bunte Bilder einer illustren Zeit.

Sie machen verstehend, warum die tausend Jahre alten Ruinen und Kulturgüter heute noch so gerne von Touristen weltweit besucht werden.

Der Grand Place in Brüssel gilt als einer der schönsten Plätze Europas und ist Sinnbild für das feudale und traditionsreiche Leben, das Europa über viele Jahrhunderte ausgemacht hat.

Die Geschichte der Europäischen Union ist deutlich jünger. Mit dem Beginn der Montanunion in den 50er Jahren über die Wirtschafts- und Währungsunion mit dem europäischen Binnenmarkt entwickelte sich ab den 90er Jahren auch die Soziale Union.

Die Sozialpolitik der EU.

Zunächst war die europäische Sozialpolitik sehr arbeitsmarkt- und wirtschaftsnah orientiert.

Aber die Mitgestaltung der Wohlfahrt und anderer Sozialverbände hat dazu beigetragen, dass europäische Förderprogramme und Politiken vielfältige soziale Themen in den Blick nehmen. Die kürzlich veröffentlichte Europäische Säule sozialer Rechte fasst diese unter drei Überschriften zusammen:

  • Chancengleichheit und Arbeitsmarktzugang
  • Faire Arbeitsbedingungen
  • Sozialschutz und soziale Inklusion

Unter Sozialschutz und soziale Inklusion werden erstmals die für Wohlfahrt und soziale Arbeit wichtigen Themenfelder benannt:

Betreuung und Unterstützung von Kindern (11)
Kinder haben das Recht auf hochwertige, bezahlbare frühkindliche Bildung und Betreuung.

Kinder haben das Recht auf Schutz vor Armut. Kinder aus benachteiligten Verhältnissen haben das Recht auf besondere Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit.

Sozialschutz (12)
Unabhängig von Art und Dauer ihres Beschäftigungsverhältnisses haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und unter vergleichbaren Bedingungen Selbstständige das Recht auf angemessenen Sozialschutz.

Gesundheitsversorgung (16)
Jede Person hat das Recht auf rechtzeitige, hochwertige und bezahlbare Gesundheitsvorsorge und Heilbehandlung.

Inklusion von Menschen mit Behinderungen (17)
Menschen mit Behinderungen haben das Recht auf Einkommensbeihilfen, die ein würdevolles Leben sicherstellen, Dienstleistungen, die ihnen Teilhabe am Arbeitsmarkt und am gesellschaftlichen Leben ermöglichen, und ein an ihre Bedürfnisse angepasstes Arbeitsumfeld.

Langzeitpflege (18)
Jede Person hat das Recht auf bezahlbare und hochwertige Langzeitpflegedienste, insbesondere häusliche Pflege und wohnortnahe Dienstleistungen.

Wohnraum und Hilfe für Wohnungslose (19)
a. Hilfsbedürftigen wird Zugang zu Sozialwohnungen oder Unterstützung bei der Wohnraumbeschaffung von guter Qualität gewährt.

b. Sozial schwache Personen haben das Recht auf angemessene Hilfe und Schutz gegen Zwangsräumungen.

c. Wohnungslosen werden angemessene Unterkünfte und Dienste bereitgestellt, um ihre soziale Inklusion zu fördern.

Zugang zu essenziellen Dienstleistungen (20)
Jede Person hat das Recht auf den Zugang zu essenziellen Dienstleistungen wie Wasser-, Sanitär- und Energieversorgung, Verkehr, Finanzdienste und digitale Kommunikation. Hilfsbedürftigen wird Unterstützung für den Zugang zu diesen Dienstleistungen gewährt.

Der Zugang zur digitalen Kommunikation wird als essentiell notwendig eingefordert.

Aber wie ist es um diesen Zugang in der Europäischen Union bestellt?

Die Digital Agenda der EU.

Die Kommission konzipierte die Digital Agenda für Europa als eine der sieben Leitinitiativen der Strategie Europa 2020 und knüpfte damit an die Lissabon-Strategie an.

Damit ein faires, offenes und sicheres digitales Umfeld geschaffen wird, baute die Kommission ihre Strategie für einen digitalen Binnenmarkt auf drei Säulen auf.:

  • verbesserter Zugang für Verbraucher und Unternehmen zu digitalen Waren und Dienstleistungen in ganz Europa
  • die Schaffung der richtigen Bedingungen, damit sich digitale Netze und innovative Dienste entwickeln können und
  • die optimale Ausschöpfung des Wachstumspotenzials der digitalen Wirtschaft.

Quelle: http://www.designbysoap.co.uk/portfolio/european-commission-digital-agenda-scoreboard/

Europas Zukunft muss sozialdigital sein.

Die Scorecard der Digital Agenda zeigt, dass in 2015 85% der Menschen in Europa das Internet nutzten. 60% Nutzer zählten zu Personengruppen, die sozial benachteiligt sind.

Manche europäischen Länder gelten bei der Umsetzung der Digital Agenda als besonders fortschrittlich. Estland ist so ein Beispiel. Eine kleine Republik wird zum digitalen Vorzeigestaat.

Noch werden Digital Agenda und Sozial Agenda losgelöst von einander betrachtet. Das lässt sich auch an der Budgetplanung erkennen.

Quelle: https://www.digitalsme.eu/the-negotiations-of-the-eu-budget-2021-2027-take-aways-for-digital-smes/eu-budget-1/

Aber das muss sich zwingend ändern. Die Digitalisierung der sozialen Arbeit kann nicht an nationalen Grenzen halt machen, da Netzpolitik wie sozialer Zusammenhalt europäische Themen sind. Sie müssen integriert gedacht werden, gerade um allen Menschen Zugänge zu verschaffen.

Die Zeit dafür ist jetzt. Denn  jetzt laufen die Planungen für die Förderphase 2021 bis 2027.

Europa hat den Vorteil, dass es anders als andere global Player eine Wertegemeinschaft ist, die sich zu differenzierten sozialen Grundrechten bekennt. Das war eine entscheidende und notwendige Vorarbeit auf die nun eine sozial-digitale Agenda aufbauen kann.

Wenn das gelingt, hat Europa gegenüber anderen global Playern den Vorteil ethisch integrierter Prinzipien, die eine einzigartige Qualität bedeuten können und Vorreiter sein können.

Europa hat und hatte das Zeug für Innovationen, wenn es sich nicht durch Grenzen und Mauern fesseln ließ.

Mach Dich also auf, good old thing!

You will make it!

Weiterführende Links:

Booklet Europäische Säule sozialer Rechte

Von Estland lernen: Wie ein kleine Republik zum digitalen Vorzeigestaat wird.  

Veröffentlicht in Führung

Wie das Bundesteilhabegesetz und der digitale Wandel die soziale Arbeit gerade auf den Kopf stellen.

Die Grundsätze der UN-Behindertenrechtskonvention, die 2008 beschlossen wurden, setzen eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung voraus.

Um die in der Konvention beschlossenen Grundsätze in Deutschland umzusetzen, hat die Bundesregierung am 29.12.2016 das Bundesteilhabegesetz beschlossen. Das Ausführungsgesetz in NRW wurde am 11. Juli 2018 verabschiedet.

Im gleichen Zeitraum, seit der Einführung des ersten Smartphones im Januar 2007, halten neue Technologien beschleunigt Einzug in unseren Alltag und damit in die soziale Arbeit insgesamt, sei es, dass sie von Klient/innen genutzt werden oder, dass sie die Arbeit erleichtern, unterstützen, verändern.

Angebote reichen von Sensoren in Wohngemeinschaften für an Demenz erkrankte Menschen bis hin zu Online- und Chatberatungsangeboten im Netz.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Im Mittelpunkt steht der Mensch, aber anders.

Die UN-Behindertenrechtskonvention und in ihrer Umsetzung das Bundesteilhabegesetz stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Das, so werden viele jetzt behaupten, hat die soziale Arbeit doch schon immer getan.

Ja, aber anders.

Bisher ist die Behindertenhilfe wie die soziale Arbeit insgesamt noch stark von einem Fürsorgegedanken geprägt. Diese Grundhaltung ist auch die Motivation für viele Studierende der sozialen Arbeit. Das ändert sich gerade.

Im Mittelpunkt steht fortan nachwievor der Mensch. Aber anders. Als Anwender, Nutzer, Kunde der sozialen Arbeit.

Diese Blickrichtung wurde bereits Mitte der 2000er im Zuge der Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik versucht. Angelehnt an die englische JobCenterphilosophie und den damit verbundenen Dienstleistungsgedanken wurde erstmalig ein Kundenbegriff in der sozialen Arbeit eingeführt, der in Deutschland kläglich gescheitert ist.

Weder die öffentliche Hand noch die Träger der sozialen Arbeit waren bereit, der neuen Philosophie in ihrer ganzen Tragweite zu folgen.

Die Methoden der digitalen Transformation wie beispielsweise  Scrum stellen ebenfalls den Anwender und damit den Menschen in den Mittelpunkt.

Diesmal muss uns der Wandel gelingen.

Was Führungskräfte können müssen.

Sowohl die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes als auch die Anforderungen des digitalen Wandels lösen Irritationen bis hin zu Ängsten bei Führungskräften auf allen Ebenen aus. Denn es ist nicht im Detail genau vorhersehbar, was zukünftig an Anforderungen zu erfüllen ist und welche Veränderungen genau bevorstehen.

Gerade aber die Behindertenhilfe wie einige andere Felder der sozialen Arbeit gleichermaßen hatte bisher die komfortable Ausgangssituation, dass die Systeme geordnet, die Finanzierungsströme geregelt und die Abläufe hierarchisch sortiert waren.

Veränderungen zu managen, bedeutet vor allem diejenigen mitzunehmen, die es betrifft. Das ist kein leichtes Unterfangen, weil weder die Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes noch die Auswirkungen des digitalen Wandels in Gänze zu überblicken sind.

Hinzu kommt, dass auch die Führungskräfte betroffen sind, das heißt, sie müssen die Notwendigkeit der Organisations- und Kulturveränderung nicht nur erkennen, sondern selbst reflektiert auch auf sich anwenden, umsetzen und ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen, den Organisations- und Kulturwandel zu meistern.

Aktuell konzentrieren sich viele Führungskräfte noch auf die technischen und technologischen Lösungen wie im Bundesteilhabegesetz die neue Finanzierungssystematik und die damit verbundene Förderplanung, Fördergewährung und Fördererfüllung. Im Kontext des digitalen Wandels prüfen sie effiziente Softwarelösungen und Hardwaremodelle.

Die Veränderungen werden tiefgreifend sein und Neuerungen auf allen Ebenen bedeuten.

Das Anforderungsprofil an die Führungskräfte ist daher:

  • Bereitschaft zu Organisations- und Kulturveränderung
  • Transparenz
  • Agilität und Flexibilität
  • Veränderungsfähigkeit
  • offen für Innovationen
  • Veränderungsprozesse managen
  • Menschen mitnehmen
  • gute Kommunikationsfähigkeit
  • Fähigkeit zur Selbstreflexion

Wohlfahrt muss sich neu erfinden.

Das Bundesteihabegesetz bietet aufgrund seiner deutlich besseren Ausstattung hier die Möglichkeit ein echter Vorreiter in Sachen neue Wohlfahrt zu leisten. Der technologische Wandel wird keine Rücksicht auf Veränderungsresistenz legen. Organisationen, die nicht fähig sind, den Wandel zu managen, werden zukünftig keine Abnehmer/innen mehr haben und vom Markt verschwinden. Neue Organisationsformen und -typen werden an ihre Stelle treten.

  • Entsäult statt versäult
  • Offene Strukturen
  • Synergien zwischen den Geschäftsbereichen
  • Experimentierräume
  • flache Hierarchien
  • Neue Kooperationen
  • Social Entrepreneure

Auch und gerade die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege sind von diesen Veränderungen betroffen, denn ihre Aufgabe ist es, die Veränderungsprozesse ihrer Mitglieder zu begleiten und auch selbst in einer ähnlich agilen und flexiblen Weise den Wandel zu gestalten.

Beide Entwicklungen bedeuten einen Paradigmenwechsel für die soziale Arbeit. Das hat Auswirkungen auf Organisations- und Personalentwicklungskonzepte, auf Führungs- und Hierarchiefragen sowie auf Organisationsstrukturen, -prozesse und -kulturen.

Letztlich werden die Notwendigkeiten der Veränderung Wohlfahrt transformieren und neue Organisationstypen schaffen, die neue Qualifikationen und Kompetenzen der Fach- und Führungskräfte erfordern.

Zum Weiterlesen:

BTHG und Führung: Die Mitarbeitenden qualifizieren, die Organisation entwickeln

Digitale Transformation