#WerkraumZukunft.

Wie entstehen neue Projekte?

Manchmal auf Zuruf.

So wie der WerkraumZukunft.

Wie es dazu kam.

Eine lange Geschichte kurz erzählt?

Wir führen seit Jahren einen Diskurs über die Weiterentwicklung der sozialen Arbeit. Die Formate wechseln, kriegen Updates, erneuern sich. Die Konstante ist das Blog. In den 2015ern entstand die Idee zu einem BarCamp der sozialen Arbeit, dem SozialCamp, das 2016 erstmalig stattfand und letztes Jahr sogar digital.

Wir trafen uns dort im digitalen Kaffeeraum und waren gleich wieder in einem kleinen Kreis von Leuten mitten im Diskurs.

Hendrik kam dann ein paar Wochen später auf die Idee, ein digitales Format zu finden, das einen kontinuierlichem Austausch ermöglicht. Uns war dabei wichtig, dass nicht eine Organisation oder ein Verband im Fokus steht, sondern die Freude am Thema, an der Weiterentwicklung der sozialen Arbeit und einer zukünftigen Gesellschaft.

Was der WerkraumZukunft ist.

Der WerkraumZukunft ist ein virtueller Raum, den Hendrik Epe und ich moderieren, und in dem wir alle drei Monate interessierte Menschen aus der Sozialwirtschaft und darüber hinaus digital und niederschwellig zu zukunftsrelevanten Themen zusammenbringen. So können wir gemeinsam neue Ideen hören, gemeinsam lernen, diskutieren und Zukunft bauen.

Der Name ist Programm.

Mit anderen gemeinsam die Zukunft bauen, dafür braucht es einen Werkraum, wo Experimente möglich sind, Learning by Doing erlaubt ist und Prototypen entwickelt werden.

Auch Hendrik und ich wollen mit dem Format und der Weiterentwicklung experimentieren und gleichzeitig unseren Lernprozess mit Euch teilen.

Entscheidend ist, der WerkraumZukunft ist ein Raum, den jede/r nutzen kann.

Es geht los!

Und dann gingen wir an den Start. Am 17. Dezember um 20 Uhr trafen wir uns bei Glühwein und Spekulatius mit rund 40 Interessierten und hörten einen spannenden Vortrag von Prof. Peter Stepanek zum Thema „Nachhaltigkeit in der Sozialwirtschaft“.

Aus meiner Sicht war es ein gelungener Einstieg. Die hohe Teilnehmer*innenzahl und das Engagement, sich kurz vor Weihnachten abends nach 20 Uhr noch mit Sach- und Fachfragen zu beschäftigen, war beeindruckend, gerade in einer Zeit, in der eine Videokonferenz die andere jagt und den Alltag bestimmt.

Der Vortrag war ein spannender Einstieg, weil es ja gerade im neuen Jahrzehnt darum gehen wird, den Blick zu öffnen, das Digitale als das Normale zu betrachten und gerade auch in Folge der Pandemie darüber nachzudenken, wie wir Gesellschaft zukünftig deutlich anders gestalten können. Das Stichwort des Abends war für mich das Thema „Soziale Transformation.“

An diesem Abend haben wir noch länger zusammen gehockt, den Auftakt bei einem weiteren Bier und Glühwein gefeiert und auch ein wenig reflektiert. Was wir noch besser machen können? Ansprechender für Frauen als Speaker*innen sein!! Denn die Inputgeber, die sich bisher in unsere Liste eingetragen haben, sind bisher alle männlich.

InstaTalk – Unser Frühstücksfernsehen.

Und schwups entstand das nächste Format. Und zwar als Hendrik und ich darüber nachdachten wie und wann wir den ersten WerkraumZukunft reflektieren wollen.

Übriges „nachdenken“ läuft bei uns via Twitternachricht mit wenigen Stichworten. An der Stelle ein dickes Danke schön an Hendrik für die unkomplizierte Zusammenarbeit. Es geht locker leicht ohne viel Aufwand nebenher und lässt sich daher gut in den aktuellen Workload, der nicht ohne ist, integrieren. Und es macht Spaß und fördert Kreativität und Innovationskraft, was ein prima Ausgleich ist.

Zurück zur Reflexion: Ich wollte schon immer mal gerne den Instatalk ausprobieren und so war die Überlegung, ob wir die Reflektion nicht einfach öffentlich machen und somit andere einladen, sich daran zu beteiligen.

Zack. Das Datum für das erste Mal war auch hier gesetzt. Für viele vielleicht etwas früh am Tag, für andere gerade richtig, und so haben wir etwas für Eulen und Lerchen und gleichzeitig noch eine Möglichkeit ein paar Themen kurz und knackig zu diskutieren. Außerdem ist alles auch crossmedial nach zu sehen und zu hören.

Auch hier sind noch ein paar Sachen verbesserungsfähig, aber insgesamt bin ich zufrieden und fand interessant zu sehen, wer teilnimmt und freue mich demnächst über noch mehr Kommentare.

Mitmachen!

Hier könnt ihr Euch eintragen, wenn ihr ein Thema habt, das ihr im WerkraumZukunft disktutieren oder vorstellen wollt. Es muss auch kein Vortrag sein, sondern es kann auch ein Dialog oder Interview sein. Wir oder die Zuschauer können Euch zentrale Fragen zum Thema stellen.

Falls ihr kurz und knackig über ein Thema sprechen wollt, kommt gerne freitags um 7:30 Uhr zu uns ins Frühstücksfernsehen via InstaTalk.

Führen in Zeiten der Pandemie – Coronatagebuch (Teil 3)

Ach, was war ich froh, als es wieder möglich war, in einer Bürogemeinschaft zu arbeiten!

Die Qualität des analogen Zusammenseins mit Menschen lässt sich bei aller Affinität zur Technologie nicht ersetzen.

Es war wundervoll und ich habe es sehr genossen.

Und obwohl die Virologen auch damals schon vor einer zweiten Welle im Winter gewarnt haben, war es in dieser Zeit wirklich schwer zu glauben, dass sie wirklich kommen würde.

Lockerungen.

An meinem ersten Arbeitstag in Kiel fuhr ich mit der Bahn zur Arbeit. Ich war neugierig auf die Erfahrung, in einer Region zu arbeiten, die man nur als Urlaubsregion kannte. Und wie es werden würde, wenn hier der Alltag anbricht.

Sich einen Lebenstraum zu erfüllen und mit der Realität abzugleichen, ist vielleicht nochmal ein eigenes Thema, aber dieser Morgen, an dem ich die tiefblaue Ostsee überbrückte, an den Strandbädern entlang fuhr und die holsteinische Schweiz und ihre Seen durchquerte, war es eine traumhafte Ouvertüre für eine neu anbrechende Zeit.

Ich hatte mir gleich zu Anfang ein intensives Programm vorgenommen. Ich wollte so viele Einrichtungen wie möglich kennen lernen. Und das war dank der Lockerungen auch ohne Weiteres möglich.

Mitten in einer Pandemie die Arbeit in einer neuen Organisation aufzunehmen, hat Vor- und Nachteile. Der Nachteil ist, dass Netzwerke noch nicht vorhanden sind. Dass mir das Bundesland fremd war und ich Informationskanäle nicht auf Anhieb identifizieren konnte, da die Strukturen unterschiedlich sind.

Der Vorteil ist, dass es einen frischen Blick auf eine Organisation gibt und Verbesserungen auf der Basis vorheriger Erfahrungen eingeführt werden können.

Ein trügerischer Sommer.

In Schleswig-Holstein kletterte das Thermometer über 30 Grad. Und gefühlt blieb es dort bis Ende Oktober. Viele Aktivitäten werden nach draußen verlagert, so dass sich – trotz aufwändiger Hygienemaßnahmen – ein Gefühl der Normalität einstellt.

Wie sehr die Bevölkerung dieses Gefühl auslebte, zeigte sich in Schleswig-Holstein auch um uns herum. Viele Touristen wählten aufgrund der Pandemie keine Fernziele, sondern verbrachten ihren Urlaub wegen des schönen Wetters gerne an der Ostsee. Strände, Restaurants und Marktplätze waren überfüllt und mussten teilweise geschlossen werden.

Die Erleichterung über die Aufhebung der Isolation ist auch für Führungskräfte verführerisch. Wird doch die oftmals ungewohnte Technologie als Barriere guter Kommunikation erlebt. Und gerade, wenn es darum geht, Vertrauen aufzubauen, stört der Mund-Nasenschutz.

Doch gerade das hat mich andererseits dazu veranlasst später im Jahr auch innerhalb der Bürogemeinschaft wieder zu Videokonferenzen überzugehen.

Die Betriebe können ihren Dienst mit Hilfe der Schutzkonzepte fortsetzen, aber der Aufwand, der durch Hygienemaßnahmen entsteht, ist nicht zu unterschätzen. Alle arbeiten am Limit.

Vorbereitung auf die 2. Welle

Am 27. August diskutieren vier Wissenschaftler*innen im Corona-Update des NDR über die Frage: Wie kommen wir ohne Lockdown durch den Winter?

Es ist ein Wettrennen um die Organisation von Testungen und die Entwicklung des Impfstoffes und gleichzeitig zeichnet sich ab, dass die Lockerungen über den Winter nicht zu halten sind, weil die Ansteckungsquelle in vielen Fällen nicht mehr zu ermitteln ist.

Meine Aufgabe war nun, einerseits die Caritas in Schleswig-Holstein zu formieren und zu organisieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass wir auf die zweite Welle vorbereitet waren.

Und so galt es Vorsorge zu treffen mit Blick auf:

  • Technologische Ausstattung
  • Hygienekonzepte
  • Kommunikation
  • Krisenmanagement
  • Kultur / Mentalität
  • Möglichkeiten zum Home Office

Häufiger habe ich mir die Frage gestellt, ob ich zu vorsichtig bin. Und es kam hinzu, dass ich mich selbst disziplinieren musste. Aber das Verhalten des Vorgesetzten wirkt und hat Vorbildfunktion. Hinzu kommt, dass die Belastung der Krankenhäuser zunahm, Intensivbetten und Atemgeräte wurden knapp. Die Arbeit der Gesundheitsämter gerieten an ihre Belastungsgrenzen. Jede verhinderte Ansteckung war ein Beitrag zur Stabilisierung der Gesamtlage.

Die steigenden Inzidenzwerte machten deutlich, dass der eingeschlagene Weg richtig war.

Führen in Zeiten der Pandemie – Coronatagebuch (Teil 2)

Wer wusste schon genau, was während einer Pandemie zu tun ist. Wie wir alle wissen, viele wussten es nicht. Und keiner wusste, wie lange es dauern würde.

Meine wichtigste Lernerfahrung ist, dass alle wieder zu Lernenden werden mussten. Dass auch Wissenschaft und Politik keine fertigen Antworten hatte.

Dass wir nicht sicher sein konnten, dass ein Experte den richtigen Weg wies. Und wir doch gleichzeitig viel Verantwortung für unsere Beschäftigten, Bewohner und Einrichtungen hatten.

Was ich plötzlich erkannte, dass deutlich wurde, wer seriös handelte und wer nicht. Umsicht, Vorsicht und Zuhören war besonders gefragt. Die meiste Ahnung hatten diejenigen, die Fragen stellten und nicht diejenigen, die mit fertigen Antworten performen wollten.

Am 28. März notiere ich im Tagebuch: „2 harte Arbeitswochen liegen hinter uns allen.

Neu ist, dass wir uns auf das absolut Wesentliche konzentrieren.

Der Arbeitsalltag besteht aus aneinandergereihten Videokonferenzen – von 9 Uhr bis 19 Uhr. Es kommt zu einem sogenannten Shut Down des wirtschaftlichen Handels.“

Es gibt keine Wochenenden. Wie nie zuvor gibt es Direktschalten zwischen Wohlfahrt und Ministerien, um Erlasse zu verstehen und zu revidieren. Alle paar Tage gibt es einen Krisenstab mit dem Land, um die Probleme der Praxis zurück zu melden. Das Hauptproblem war die Beschaffung von Schutzmaterial. Es wurden diverse Anbieter geprüft, die Schutzmaterial beschaffen konnten. Die Sorge um die Risikogruppen war groß.

Schutzkonzepte.

Schutzkonzepte mussten erarbeitet werden. Dann stellten sich neue Fragen. Was ist mit den Diensten, die geschlossen werden? Ist hier Kurzarbeit möglich? Wie können sie langfristig abgesichert werden? Gibt es hierfür Rettungsschirme?

Alles wird systematisch mit den Behörden durchgesprochen. Immer wieder treten neue Fragen auf. Das Thema digitale Infrastruktur kam auf den Tisch. Denn wenn Dienste nicht Face to Face arbeiten konnten, mussten sie auf Online-Konzepte umgestellt werden, falls nicht schon geschehen. Aber Digitalisierung kostet Geld.

Wir hatten wochenlang durchgearbeitet. Irgendwann war Ostern und zum ersten Mal bot sich etwas Zeit zum durchatmen.

Wir nutzen die Zeit, nach Kiel zu reisen, um auf Wohnungssuche zugehen, was zu dem Zeitpunkt nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt war. Die Autobahnen und Raststätten waren verwaist. Die Küstenorte und die Innenstadt von Kiel schienen leer gefegt.

Als wir zurück waren, ging die Arbeit im selben Tempo wie vorher weiter.

Ab dem 27. April wird der Mund-Nasenschutz verpflichtend eingeführt.

Lockerungen.

Bis Mitte Mai dauerten die Sitzungsmarathons an. Nachdem die Einschränkungen Mitte bis Ende April wieder gelockert wurden und auch Kitas und Schulen wieder geöffnet hatten, gab es neue Erlasse, die diskutiert, revidiert, kommuniziert und umgesetzt wurden. Und das zügig.

Um den 18. Mai stiegen nach einigen Wochen Kälte die Temperaturen an. Plötzlich waren es dann nur noch wenige Tage bis zum Ausscheiden in Essen.

Eine unwirkliche Zeit, in der wir gleichzeitig losließen und unendlich viel zu tun hatten: arbeiten, packen, auflösen, verabschieden.

Tagebuchnotiz am 30. Mai: „Möwengeschrei. Die Sonne geht über der Ostsee auf.“

Learning Lessons.

Und während der Juni von Urlaub, Umzug und Übergang geprägt war, war Zeit nachzudenken und zu reflektieren. Was lehrt uns die erste Phase der Pandemie? Vor welchen besonderen Herausforderungen stehen Führungskräfte?

  • Gut informiert sein, z.B. regelmässig das Coronavirus-Update hören und auf Twitter seriösen Quellen folgen. Erlasse lesen.
  • Die Digitale Infrastruktur spätestens jetzt auf den neusten Stand bringen.
  • Ein passendes Krisenmanagement einrichten.
  • Voneinander lernen. Zusammenarbeiten.
  • Auf die Sache konzentrieren.
  • Pragmatismus üben.
  • Die Lage ernst nehmen.
  • Möglichst ein Vorbild sein.
  • Virtuelle Zusammenarbeit fördern und ausbauen.
%d Bloggern gefällt das: