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Literarischer Jahresrückblick & Ausblick

 

Noch beklagenswerter, als Worte es ausdrücken können, sind die armen Juden, deren verzweifelte Bitten um Visa und Einreiseerlaubnis hierhin und dahin ich jeden Tag lese. Ewig entwurzelt und heimatlos irren sie um den Erdball, soweit ich verstehe.

schreibt Astrid Lindgren am 13. Oktober 1940 in ihr Tagebuch.

Ihre Tagebücher, die sie im Zeitraum 1939 bis 1945 verfasste, wurden erst kürzlich herausgegeben. Der Titel entstammt ebenfalls einem Zitat der Tagebücher:

Die Menschheit hat den Verstand verloren

– von Astrid Lindgren

Die Tagebücher lesen sich erschreckend zeitgemäss angesichts der Kriege, die unsere Gegenwart erschüttern. Damals war Schweden ein Land, das der Krieg aussparte. Fast eine Insel der Glückseligkeit, so wie wir uns in Deutschland heutzutage auch manchmal vorkommen mögen angesichts des Terrors, der in der Welt geschieht.

Ich glaube,…dass es eine reine, unverdiente und unerhörte Gnade ist, das Fest in Ruhe und Frieden im eigenen Zuhause feiern zu dürfen… Wir haben uns wie üblich voll gefuttert, bis wir platzten. Wahrscheinlich sind wir das einzige Volk in Europa, das diese Möglichkeit hat, jedenfalls in dem Ausmaß. (28. Dezember 1940)

Es ist ein beeindruckendes Buch! Nicht nur wegen des Zeitraums über den sie schreibt, sondern auch wegen des Stils. Was für eine begabte Schreiberin Astrid Lindgren schon war bevor sie mit ihren Kinderbüchern Berühmtheit erlangte, merkt man daran, dass ihre Notizen so gut wie gar nicht überarbeitet werden mussten, um sie zu veröffentlichen. Besonders wegen der Parallelen zur heutigen Zeit, in der man auch immer wieder kopfschüttelnd wie Astrid Lindgren bemerken könnte:

Aber die Menschheit hat nun einmal komplett den Verstand verloren. (12. Mai 1942)

Unterm Rad

– von Hermann Hesse

Ein Schulmeister hat lieber einige Esel als ein Genie in seiner Klasse…seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heraus zu bilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner. (S. 90)

Dieser Bildungsroman von Hermann Hesse wurde im Jahr 1906 erstmals veröffentlicht. Arthur Eloesser kommentiert die Erstausgabe mit den Worten: „Der Roman enthält ungefähr eine Anleitung für Eltern, Vormünder und Lehrer, wie man einen begabten jungen Menschen am zweckmässigsten zugrunde richtet.“

Ein vergleichsweise dünnes Buch von knapp 170 Seiten, das die Seele berührt und erschreckt angesichts dessen, was Kindern damals (und heute?) angetan wurde, um sie von dem fern zu halten, wonach sie sich sehnten: freies Spiel in der Natur.

So müssen Sommerferien sein! Über den Bergen ein enzianblauer Himmel. Wochenlang ein strahlend heisser Tag am anderen, nur zuweilen ein heftiges, kurzes Gewitter. Der Fluss … war so erwärmt, dass man noch spät am Abend baden konnte. (S. 32)

Silicon Valley

– von Christoph Keese

Die Kundschaft..gibt, begeistert vom Ipod, die alte Treuebeziehung zum Plattenladen um die Ecke von einem auf den anderen Tag auf…Was heute der Plattenladen erlebt, widerfährt morgen (anderen) … Wir werden früher aus der Komfortzone verstoßen als wir denken. (S. 112)

Der Wirtschaftswissenschaftler und Journalist Christoph Keese war 2013 ein halbes Jahr im Silicon Valley. Er beschreibt seinen Eindruck, der unterm Strich in der Aussage enden wird: Alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden (Carly Fiorina). Mit einer erschreckenden Erkenntnis: Die sozialen Gegensätze werden offensichtlicher.

Die Zahl der Empfänger von Lebensmittelmarken hat ein neues Zehn-Jahres-Hoch erreicht, die Zahl der Wohnungslosen ist in zwei Jahren um 20 Prozent angestiegen, das Durchschnittseinkommen der spanischen Bevölkerung, ein Viertel der Bürger des Silikon Valley, ist mit 19000 Dollar im Jahr auf ein Tief gefallen. (S. 85)

In Deutschland macht sich ein Trend bemerkbar, der von der Süddeutschen mit „Wer Internet kann, ist privilegiert“ getitelt wird. Torsten Larbig von EdChat twittert dazu: „Internet muss man können. Wenn nicht, dann ist man schnell Bildungsverlierer. Smartphone allein reicht nicht.“

Ein spannendes Buch, das sehr dazu verhilft zu verstehen, vor welchen technologischen Zukunftsherausforderungen wir stehen und wie sehr sich unsere Organisations- und Kommunikationsstrukturen verändern werden.

Die Auflehnung

– von Siegfried Lenz

Und Willy erzählte aus einer anderen Welt, beschrieb ein komfortables, hölzernes Hotel, in dem die Teekoster aus Europa wohnten und schilderte einen Abend, an dem die empfindlichen Spezialisten, gutgelaunt nach zufriedenstellenden Abschlüssen, einen scherzhaften Wettbewerb veranstalteten… Mich jedenfalls konnte keiner reinlegen, sagte Willy…

Siegfried Lenz schreibt über zwei Brüder, die sich älter werdend der Frage stellen: Unterwerfung oder Auflehnung? Frank ist ein erfahrener Teichwirt und Willy ein international bekannter Teekoster. Beide sehen ihr Lebenswerk bedroht. Beide suchen nach Auswegen.

Virginia und Leonard Woolf

– von George Spater und Ian Parsons

So war fast über Nacht ein Hobby zum Geschäft geworden. Das muss auch Leonard so empfunden haben, denn er bestellte ein kupfernes Firmenschild für die Tür zu einem Preis von 10 Schilling 10 Pence.(S.151)

Was damals niemand voraussehen konnte, waren die Größe ihres späteren Erfolges und die Entwicklung der Hogarth Press, die 1917 in aller Stille gegründet wurde.    (S. 143)

Leonard und Virginia Woolf  haben 1917 quasi ein Startup, ihren eigenen Verlag, gegründet. Ganz einfach, in dem sie eine Druckmaschine gekauft haben, die Hogarth Press, so bezeichnet, weil die Maschine im Hogarth House stand. Der Verlag wurde zu einem der bedeutensten britischen Verlage für Belletristik.

Hierum geht es und um den Lebensstil des Intellektuellenpaars, das einzeln und zusammen als Schriftsteller, Verleger, Modernisierer und zentrale Gestalter der Bloomsbury Gruppe  Berühmtheit erlangte.

 

Bücherliste 2017

Deutschland digital

Unsere Antwort auf das Silikon Valley

– von Marc Beise und Ulrich Schäfer

Vertrauen: Genau darum geht es im Internet der Dinge – und ausgerechnet die Deutschen könnten dieses neue Gut schaffen, dessen Wert man im Silicon Valley nicht wirklich versteht. Nur wem die Kunden vertrauen, dass er ihre Daten sicher verwahrt, dem gehört auf Dauer die Zukunft. Und dafür haben die ängstlichen Deutschen einfach ein Händchen. Die Angst als Geschäftsmodell – ja, das kann funktionieren. (Berlin Valley)

Das Glasperlenspiel

– von Hermann Hesse

Hermann Hesses letztes großes Werk spielt in einer Zukunftswelt, in welcher er das Leben seines Helden Magister Ludi Josef Knecht ansiedelt. Auf die wesentlichen Charakteristika dieser Welt verweist der Namenszusatz ‚Magister Ludi‘, ein Wortspiel, da das lateinische Wort ‚ludus‘ sowohl ‚Schule‘ (ein magister ludi ist historisch ein Schulmeister) als auch Spiel (der Titel würde dann „Meister des Spiels“ heißen) bedeutet. (Wikipedia)

Armut in Deutschland

– von Georg Cremer

Armut in Deutschland“ heißt das Buch, in dem Cremer all seinen Frust über die falschen Zahlen und schiefen Vergleiche niedergeschrieben hat und seine Lösungsvorschläge aufzeigt. „Es hat mich mehr und mehr geärgert, dass wir eben über Armut nur in Form dieser folgenlosen Empörung sprechen“, sagt Cremer. Aus kleinen statistischen Schwankungen ein Riesenbohei machen, aber nicht darüber reden, was wir denn ganz konkret machen können, um die Armut einzugrenzen. (FAZ)

Die Fahrt zum Leuchtturm

– von Virginia Woolf

1925 vermerkte sie in ihrem Tagebuch: „… er wird ziemlich kurz werden; soll Vaters Figur völlig enthalten; und die Mutters; und die Kindheit; und all die üblichen Dinge, die ich hinein zu tun versuche, Leben, Tod, etc. Aber der Mittelpunkt ist die Figur Vaters …

In dieser anspruchslosen privaten Notiz kündigte sich die ganze Spannung des Romans schon an, der viel mehr geworden ist als eine Biographie der Eltern…Der Roman spielt in der gleichen Umgebung, in der Virginia Woolfs Jugenderinnerung das Bild der Eltern aufbewahrt hat: im Ferienhaus an der Küste, während der langen. Sommermonate. (Die Zeit)

Das Buch meines Lebens

– von Teresa von Avila

In ihrer Autobiographie gibt Teresa von Avila Einblick in ihren inneren Werdegang, ihre außerordentlichen geistigen Erfahrungen und ihren Weg in Gesellschaft und Kirche. (Klappentext)

 

Zum Weiterlesen:

Bücherliste 2015

Bücherliste 2016

 

 

 

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Meine Bücherliste 2016.

Erinnert Ihr Euch noch an letztes Jahr? An meine

Bücherliste 2015?

Was soll ich Euch sagen?

Ich bin kläglich gescheitert.

Ich habe nur drei von den angekündigten fünf Büchern gelesen.

Aber die drei waren echt toll!

Gelesen: “Warum unsere Studenten so angepasst sind“

Ein schmales Büchlein. Es gleicht eher einer Reclamausgabe, ist aber im Rowohltverlag erschienen und: hat es in sich! Die Analyse des deutschen Bildungssystems ist ausgezeichnet vorgenommen und ich möchte am liebsten das Buch zur Pflichtlektüre aller Bildungsverantwortlichen machen.

Gelesen: Der Circle.

Dem Autor ist es gut gelungen, den Stress und die Dynamik, die durch die vielfältige Kommunikation der sozialen Medien und eMail-Fluten entsteht, atmosphärisch darzustellen. Die Sehnsucht des Menschen nach Fortschritt ist auch gleichzeitig oft seine größte Gefahr. Machtmissbrauch und totalitäres Machtstreben drohen der Menschheit immer wieder auf neue Art und Weise. Die fließenden Übergänge zwischen Privatem und Beruflichen ohne, dass der oder die Einzelne es noch spürt, führen zu einer totalen Vereinnahmung, die sich auf die Psyche auswirkt. Je weiter ich das Buch las, umso gruseliger und angespannter fühlte ich mich und geriet innerlich in einen Strudel der Gefühle und vor allem in Panik. Gut gemacht!

Mein Fazit: Wir müssen den digitalen Wandel mitgestalten, damit nicht er uns steuert.

Gelesen: Dachdecker wollte ich eh nicht werden.

Raúl Krauthausen beschreibt in seinem Buch seinen Lebens- und Lernprozess. Er macht durch seine Geschichte deutlich wie er seinen Lebenssinn gefunden hat. Dabei gibt es einige Überraschungen. Zum Beispiel, dass Raúl gar nicht vorhatte, ein Aktivist für Menschen mit Behinderung zu werden. Im Gegenteil!

Mehr möchte ich aber nicht verraten. Nur soviel, dass die spannende Lektüre zu einem besseren Verständnis von Inklusion führt und sie dem Leser sehr viel Mut mit auf den Weg gibt.

Was ich nicht gelesen habe und sehr bedaure, da es gerade in diesen Tagen wieder an Aktualität gewonnen hat:

Weil ein Aufschrei nicht reicht von Anne Wizorek

Anne Wizorek löste mit ihrem Twitter-Hashtag einen riesigen Sturm im Netz aus. Tausende Frauen nutzen #aufschrei als Ventil, um ihren Erfahrungen mit dem alltäglichen Sexismus Luft zu machen. Der Erfolg der Aktion macht deutlich: Von Geschlechtergerechtigkeit sind wir noch weit entfernt, sexuelle Belästigung und Diskriminierung bleiben ein brennendes Problem. Erfrischend unakademisch zeigt Anne Wizorek, warum unsere Gesellschaft dringend eine neue feministische Agenda braucht. Sehr persönlich beschreibt sie ihren Weg zur Aktivistin und ermutigt dazu, selbst aktiv zu werden – im Großen wie im Kleinen.

Und leider auch nicht gelesen:

Wunder muss man selber machen von Sina Trinkwalder

Denn eine Botschaft muss haben, wer entgegen landläufiger Annahme überzeugt ist, dass in Deutschland Textilien zu konkurrenzfähigen Preisen hergestellt werden können. Sina Trinkwalder ist keine Unternehmerin, die an eine Steigerung der Rendite durch Verlagerung der Jobs nach Asien glaubt – sondern an die fundamentale Bedeutung eines selbstverdienten Lebensunterhalts für Menschen, die dadurch mit Stolz an der Gesellschaft teilhaben können.

Asche über mein Haupt!! Ich nehmen es mir auf jeden Fall weiter vor, wenn auch nicht mehr öffentlich :-)).

Tipp!!

Aber dafür habe ich immerhin ein anderes wichtiges Buch gelesen: Think Content von Miriam Löffler. Hier eine gute Rezession.

Nun aber, tatata –

Meine Bücherliste für 2016!

Wieder war es Einfachbewusst´s famose Bücherliste, die mich zu dem nachfolgenden Buch inspiriert hat:

Hermann Hesse – Unterm Rad.

Schulroman Unterm Rad über das Schicksal eines begabten Kindes, das am Erwartungsdruck seines Vaters und der Umwelt zerbricht.

Ausserdem:

Silicon Valley – Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt.

Der Autor traf Erfinder, Gründer, Wagniskapitalgeber und Professoren in Stanford und Berkeley – auf der Suche nach Erfolgsmustern und Treibern der boomenden Internetwirtschaft. Wie funktioniert dieses »Einfach tun, was sonst keiner wagt«? Warum fällt traditionellen Firmen die »disruptive Innovation« so schwer? Wächst uns Google über den Kopf? Was ist der Netzwerkeffekt? Schafft das Internet wirklich Geld, Banken, Einzelhandel, Zeitungen, Bücher und Verkehrsampeln ab? Was muss Deutschland unternehmen, um den Anschluss nicht zu verpassen?

Gerald Hüther: Mit Freude lernen – ein Leben lang

„»Hurra, Ferien!«, Endlich Urlaub!« – Wir alle kennen das.
Weshalb wollen eigentlich die meisten Kinder spätestens nach der ersten Klasse vom Lernen nichts mehr wissen? Weshalb nutzt der Knirps, der als Baby lustvoll die Welt entdeckt hat, spätestens jetzt seine Kreativität nur noch, um dem Lernen möglichst zu entfliehen? Weshalb empfindet kaum ein Erwachsener Lernen als Bereicherung des eigenen Lebens und als zutiefst lustvoll und beglückend?
Gerald Hüthers Antwort: Weil unser Verständnis von „Lernen“ historisch und gesellschaftlich verkrüppelt wurde.

Die Entdeckung der Langsamkeit von Sten Nadolny

Über den englischen Kapitän und Polarforscher John Franklin, der wegen seiner Langsamkeit immer wieder Schwierigkeiten hat, mit der Schnelllebigkeit seiner Zeit Schritt zu halten, aber schließlich doch aufgrund seiner Beharrlichkeit zu einem großen Entdecker wird.

Astrid Lindgren – Die Menschheit hat den Verstand verloren.

„Astrid Lindgren hat unsere Kindheit geprägt. Mit Pippi Langstrumpf und Wir Kinder aus Bullerbü hat sie unseren Blick auf die Welt verändert. Ihre Geschichten handeln von Mut, Hoffnung, Liebe und Widerstand. Noch bevor diese Bücher entstanden, schrieb sie ihre Gedanken über das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts nieder: den Zweiten Weltkrieg. Nachdenklich und betroffen, aber auch mit dem so unverwechselbaren Tonfall stellt Astrid Lindgren in ihren Tagebüchern wichtige Fragen, die heute wieder von erschreckender Aktualität sind: Was ist gut und was ist böse?“

Ja, Ihr dürft mit verfolgen, wieviel ich dieses Mal schaffen werde.

Und was steht auf Eurer Bücherliste 2016?

Zum Weiterlesen:

Bücherliste 2015

Bücherliste 2017

Veröffentlicht in Bewegte Frauen

„Ich bin ein Weib und obendrein kein Gutes.“ – Teresa von Avila

„Gott will, dass der Mensch seinen Spaß hat.“

Eine Frau, die Sprüche sagt wie  „Gott will, dass der Mensch seinen Spaß hat“ oder „Vor albernen Andachten behüte uns Gott.“ ist mir spontan sympathisch. Erst recht, wenn ich höre, dass es sich um eine katholische Ordensschwester aus dem Mittelalter handelt.

Teresa von Avila. Eine große Mystikerin. Das Buch meines Lebens, ihre Autobiographie, und Ich bin ein Weib und obendrein kein Gutes, ihr spirituelles Ringen, sind wichtige Werke.

Sie muss eine unglaublich selbstbewusste Frau gewesen sein, die den innerkirchlichen Widerständen entgegentrat und 17 Frauenklöster gründete, weil sie ein tiefes Gottvertrauen hatte.

„Gott und ich zusammen, wir sind immer die Mehrheit.“

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Veröffentlicht in Bücher

Gelesen: „Dachdecker wollte ich eh nicht werden.“

Normalerweise sitze ich mit Blei- und Buntstiften ausgerüstet über Büchern und so ähnlich war es auch als ich mir Raul Krauthausens biographische Lektüre vornahm. Sie ist Teil meiner Bücherliste 2015.

Ich steckte das Buch in meine Tasche als ich mich vom Büro auf den Heimweg machte und holte es heraus, nachdem ich in der S-Bahn Platz genommen habe. Ich wollte eigentlich nur ein wenig darin blättern, um es dann später richtig zu lesen. Aber nachdem ich angefangen habe, legte ich es nicht mehr aus der Hand und hatte in Windeseile die ersten 50 Seiten und bis zum darauf folgenden Abend das ganze Buch gelesen. So fesselnd und gut geschrieben ist es! Für Blei- und Buntstifte war keine Zeit.

Bevor ich das Buch kannte, lernte ich Raul Krauthausen beim Zukunftskongress der Aktion Mensch persönlich kennen. Und wir haben wenig später im Rahmen unseres Zukunftsdialogs 2015 zusammen gearbeitet.

Wir sind über Twitter in Kontakt gekommen, ein Medium, das im Rahmen des Zukunftskongresses gezielt parallel zur Veranstaltung eingesetzt wurde, um Menschen miteinander zu verbinden. Für mich interessant zu erleben, dass die neuen Medien auch eine neue Form der Barrierefreiheit darstellen, in denen munter miteinander gewitzt, brilliert und schwadroniert wird. Esprit, Charme, Humor und Umgangsformen erhalten eine ganz neue Dimension.

Ein paar Stunden später sind wir uns im Rahmen der Veranstaltung dann persönlich begegnet. Er ist ein interessanter, eloquenter Mensch, der viel zu sagen hat. Durch seine Projekte und sein Tun als Aktivist hat er einen hohen Grad an Popularität gewonnen, ohne dabei die Bodenhaftung verloren zu haben.

In seinem Buch beschreibt er seinen Lebens- und Lernprozess. Er macht durch seine Geschichte sehr deutlich wie er seinen Lebenssinn gefunden hat. Dabei gibt es einige Überraschungen. Zum Beispiel, dass Raul gar nicht vorhatte, ein Aktivist für Menschen mit Behinderung zu werden. Im Gegenteil!

Mehr möchte ich aber nicht verraten. Nur soviel, dass die spannende Lektüre zu einem besseren Verständnis von Inklusion führt und sie dem Leser sehr viel Mut mit auf den Weg gibt.

Mut, den eigenen Weg zu finden und zu leben!

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Gelesen: Der Circle.

Green Apple on Books
Ha, erwischt! gerade noch habe ich den letzten Blogartikel  mit dem vielsagenden Titel die Zukunft ist online veröffentlicht, da lese ich mein erstes Buch aus meiner Bücherliste 2015, the Circle, in einem Zug durch. Und bin entsetzt!

Dem Autor ist es gut gelungen, den Stress und die Dynamik, die durch die vielfältige Kommunikation der sozialen Medien und eMail-Fluten entsteht, atmosphärisch darzustellen. Die Sehnsucht des Menschen nach Fortschritt ist auch gleichzeitig oft seine größte Gefahr. Machtmissbrauch und totalitäres Machtstreben drohen der Menschheit immer wieder auf neue Art und Weise. Die fließenden Übergänge zwischen Privatem und Beruflichen ohne, dass der oder die Einzelne es noch spürt, führen zu einer totalen Vereinnahmung, die sich auf die Psyche auswirkt. Je weiter ich das Buch las, umso gruseliger und angespannter fühlte ich mich und geriet innerlich in einen Strudel der Gefühle und vor allem in Panik. Gut gemacht!

Vor allem die wohltuende Gegensätzlichkeit der Ruheoasen, etwa des Paares, das auf dem Wasser lebt oder der Kanufahrten, erscheinen wie verloren gegangene Sehnsüchte. Die Phänomene, die das Buch beschreibt, gab es auch schon vor der Erfindung des Internets. Daher, gerade weil die Zukunft zunehmend online stattfindet, gilt es besonders achtsam zu sein.