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Die neue Caritas: Streetworker & Tweetworker.

Mein Eindruck ist, dass die soziale Arbeit eine Renaissance erlebt. Und das ist gut so. Denn in einer zunehmend digitalisierten Welt wird die Sozialwirtschaft zum Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält.

Wir brauchen Fachkräfte für den sozialen Zusammenhalt.

Eines der gravierendsten und damit auch ein gesamtgesellschaftliches Problem sind fehlende Fachkräfte in Erziehung, Bildung, Sozialpädagogik und Pflege. Während ein größerer Teil der Arbeit möglicherweise zukünftig automatisiert und technologisch getan werden kann, ist das in der sozialen Arbeit nicht möglich. Sie lebt von personenbezogenen Beziehungen.

Diese Fachkräfte sind nicht nur wichtig, weil damit Arbeitgeber befriedet werden. Sie sind wichtig, weil sie der Kitt sind, der die Gesellschaft zusammen hält.

Familien brauchen Erzieher/innen, Lehrer/innen, Pflegekräfte und besonders arme Menschen brauchen Unterstützung beim Heranwachsen ihrer Kinder und Enkel oder der Versorgung ihrer Eltern. Auch, weil sie dann wieder unsere zukünftigen Fachkräfte sind.

Daher haben wir uns in der Freien Wohlfahrtspflege Anfang der Woche getroffen, um an Lösungen zu arbeiten. Wir haben analysiert, was sich ändern muss, damit der soziale Bereich (wieder) an Attraktivität gewinnt.

Sozial wird Digital.

Neue Technologien können die soziale Arbeit unterstützen. Genau darum ging es bei der 18. Delegiertenversammlung des Deutschen Caritasverbandes. Wir wollen Onlineberatung, Chatforen und ähnliches anbieten, um Menschen in Not auch im Netz erreichen zu können.

Das Thema wird innerhalb der Caritas seit geraumer Zeit diskutiert und es gibt schon heute eine Reihe guter Ansätze. Jetzt gilt es, die Arbeitsebenen zu koordinieren und auch sozialpolitisch zu fragen, was ist zu tun?

In Gesetzgebungsverfahren müssen neue Technologien geplant und budgetiert werden.  So ist beispielsweise im Bundesteilhabegesetz das Assistent Living als verhandelbar vorgesehen.

Selbsthilfe und Partizipation zur Strategie machen.

Zwei Aktivisten, die selbst Armut erfahren haben, sprechen vor dem vollen Haus der Delegiertenversammlung. Respekt. Ein Impuls, der einen unserer Ortscaritasdirektoren inspiriert, dass wir uns hier als Caritasverband im Bistum Essen mehr engagieren sollten. Eine ausgezeichnete Idee! Die Einbeziehung von Menschen wie es der Kreuzbund beispielhaft tut, ist ein wichtiger Beitrag zu einem gesellschaftlichen Miteinander.

Die 18. Delegiertenversammlung des Deutschen Caritasverbandes hat entscheidende Impulse gebracht. Gegen Rechtspopulismus, für den Einsatz von Technologie in der sozialen Arbeit, über den langen Kampf des Verbandes gegen Armut, für eine Erneuerung der Kirche und hier war vielleicht ein (sehr) guter Anfang, dass wir eine gendergerechtere Satzung beschlossen haben.

Von Osnabrück, der Friedensstadt, geht Aufbruchstimmung und Zuversicht aus. Die aktuelle Situation in der Kirche braucht Bistümer wie Osnabrück oder Essen, die Freiheit atmen, die Kirche nach vorne bringen und alte Zöpfe und Unkulturen in der katholischen Kirche und ihrer Caritas abschneiden.

Weiterführende Links:

Soziale & digitale Teilhabe stärken.

Wie funktioniert Twitter?

Verbändearbeit 2020

Soziale Arbeit 4.0

… und eine Fülle weiterer Beiträge in diesem Blog, die sich zu diesem Thema in den letzten Jahren angesammelt haben.

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Digitale Teilhabe für alle! #Ruhrgebietstag2018

Grusswort anlässlich des Ruhrgebietstages 2018.

Wichtige Partner aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft haben am vergangenen Freitag den Weg zum Ruhrgebietstag der nordrhein-westfälischen Caritas nach Mülheim in die Akademie „Die Wolfsburg“ gefunden, um über angemessene Digitalkonzepte für eine von sozialen Problemlagen gedrückte Region nachzudenken.

„Sie, die Sie heute hier nach Mülheim in die Akademie „Die Wolfsburg“ gekommen sind, und sich damit ausdrücklich die Zeit nehmen, sind wichtige Bündnispartner in der Solidarität um eine besonders liebenswerte, aber auch von sozialen Sorgen gedrückte, Region Deutschlands.

Ich darf Sie heute im Namen meiner Direktoren-Kollegen der Diözesan-Caritasverbände Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn hier in der Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim zu unserem Ruhrgebietstag begrüßen.

Wir kommen hier zusammen zeitgleich mit der Eröffnung der NRW-Tage des Landes Nordrhein-Westfalen in Essen (dazu laden wir Sie morgen herzlich an den Stand unseres Ortscaritasverbandes neben dem Dom ein) und zum Auftakt der Ruhrkonferenz von Herrn Ministerpräsident Armin Laschet.

Die Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Sehen Sie, im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld. Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten, um uns selbst zu verbessern – und den Rest der Menschlichkeit.

Es ist mehr als zwanzig Jahre her, dass Captain Jean-Luc Picard, Kommandant der USS-Enterprise aus der Zukunft des Jahres 2373 prognostizierte, was auf die Menschheit zukommt.

Diese Menschlichkeit, von der Picard spricht, brauchen wir schon heute im Jahr 2018.

In der Ruhrregion herrscht echte existentielle Not. Die Armutszahlen – und hier besonders die Daten zur Kinderarmut – sind rot markiert und wirken daher wie das, was sie auch sind: ein Flächenbrand!

Die (Kinder-)Armutsquote liegt in Gelsenkirchen bei 43%! Die Brutto-Jahreseinkommen liegen zwischen 16.000 Euro und 23.000 Euro – im Schnitt! Die Arbeitslosenquote ist doppelt so hoch wie durchschnittlich in Nordrhein-Westfalen und liegt bei 13%.  

Jedes dritte Kind des Ruhrgebietes (in NRW ist es jedes fünfte Kind) wächst in ökonomischen Verhältnissen auf, die seine Chancen im Vergleich zu anderen Kindern senken. Dabei bedingt das eine das andere. Geringes Familieneinkommen, Arbeitslosigkeit der Eltern, finanzschwächere Kommunen, geringere Bildungsstandards in Schulen und Kitas, fehlende Schwimmbäder und Bibliotheken, zu enger oder
gar kein Wohnraum und mehr. Wer als Kind und Jugendlicher in der Ruhrregion heranwächst, ist häufig strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt. Die Akteure der Hilfesysteme hier bei Kommunen, in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden tun ihr Bestes, um das Blatt zu wenden. Aber es braucht mehr.

Gleichzeitig sind wir aber auch zu Recht stolz auf diese Region! Der Strukturwandel vom Bergbau zum Dienstleistungssektor hat an einigen Stellen gegriffen, und die Metropole Ruhr gilt als ein kreativer Raum, in dem Universitäten, junge Menschen und Start ups experimentieren und neue Existenzen gründen.

Wirtschaftsminister Pinkwart wies beim sozialpolitischen Aschermittwoch der beiden Kirchen in diesem Jahr darauf hin, dass die Ruhrregion das Potential habe, das deutsche Silicon Valley zu werden.

Diese Herausforderungen wollen wir als Diözesan-Caritasverbände in NRW annehmen, denn der digitale Wandel birgt neben allen wirtschaftlichen Chancen die Gefahr, die Spaltung zwischen Arm und Reich zu vertiefen.

Wir brauchen einen Digital-Pakt für die Sozialwirtschaft, um neben der produzierenden Wirtschaft soziale Innovationen und digitale Teilhabe in Kitas, der Jugendhilfe, Altenheimen, im Ehrenamt, der Stadtteilarbeit und der Arbeit mit bildungsferneren Familien zu fördern und einen Beitrag zu einer inklusiven Gesellschaft zu leisten.

Nun freuen wir uns auf einen interessanten Tag, gute Begegnungen und ein gemeinsames „Pack an“ für eine Region, die es braucht, und für die es sich absolut lohnt!

Ein herzliches Glück auf!

Weitere links:

Caritas fordert Digitalpakt für die Sozialwirtschaft

Caritas fordert bessere Digitalisierung im sozialen Bereich

Play Kahoot it! 

Medienkompetenzrahmen

Von der Sesamstrasse zur Edtech!

 

 

 

 

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Agile Prinzipien – warum das agile Manifest der Softwareentwicklung auch der Sozialwirtschaft den Weg weist

Ich stelle schon seit längerem fest, dass die Digitalisierung in der sozialen Arbeit einen Kulturwandel beschleunigt, der anhand der Prinzipien der Softwareentwicklung von Thomas Michel toll beschrieben ist. Historisch hat sich die soziale Arbeit genauso entwickelt: selbstorganisiert. Mit dem Begriff der Sozialwirtschaft tue ich mich etwas schwer, weil er in der europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik zu einer Reduzierung der sozialen Arbeit auf ökonomisches Handeln führt. Der andere Teil nennt sich zivilgesellschaftliches Handeln. Die deutsche Sozialpolitik bzw. Soziale Arbeit kennt mehr Facetten. Persönlich schätze ich die hier beschriebene agile Methode sehr.

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Digitale Transformation.

Aus.

Zu Ende.

Vorbei.

Die soziale Arbeit von wohlfahrtsverbandlichen Organisationen in Deutschland wird keine Zukunft haben.

Es sei denn, wir läuten einen grundlegenden Veränderungsprozess ein. Die digitale Transformation.

Bei Wikepdia heißt es:

„Digitale Transformation verändert langfristig durch die Möglichkeiten und Potentiale digitaler Medien und des Internets das Fundament jedes Unternehmens in seiner Strategie, Kultur und seinen Prozessen.“

Wollen wir wirklich, dass das einfach so geschieht?

Oder wollen wir mit gestalten?

Aber welche Alternativen gibt es?

Keine.

Struktur, Prozesse und Kultur werden sich verändern. Und zwar nicht in langwierigen Prozessen wie wir das aus den 90er Jahren kennen, sondern zügig, neben uns oder ohne uns.

Aber das Digitale?

Das wird uns doch total verändern.

Ja, wird es.

Schon als ich das Programm zur re:publica las, dachte ich, ein Glück, dass ich schon ein wenig „digital transformiert“ bin. Ich hätte sonst kein Wort verstanden, geschweige denn, irgendetwas interessant gefunden. Und so geht es uns eigentlich gerade gesamtgesellschaftlich.

Und warum?

  • Das Programm ist englisch oder hat viele Anglizismen.
  • Die Überschriften der Vorträge sind Bloggerjargon. Provozierend. Konträr. Aufregend anregend.
  • Der Teilnehmer ist Teil eines Prozesses. Ein Entwickler/eine Entwicklerin. Es gibt keine fertigen Konzepte oder Rezepte. Was heute in ist, ist morgen vielleicht schon wieder überholt. .

Friedmann Karig hat das bei der Re:Publica „Die pubertäre Gesellschaft“ genannt. Seine Kurzthese ist: „Die Digitalisierung verändert unsere Gesellschaft so grundlegend wie die Pubertät einen Menschen. Wachstumsschmerzen sind völlig normal. Aber was kommt danach?“

Was ich an seinem Vortrag so grundlegend fand, war der Ruf nach dem Diskurs.

Es braucht einen Diskurs.

Eine erstaunliche Erkenntnis. Für uns Deutsche gar nicht mal so sehr, aber für die Internetszene vielleicht schon. Vor allem die Pioniere. Denn diese besteht doch vor allem aus Ausprobieren, hacken, basteln, Pionierarbeit leisten, einfach mal machen.

Eine Erhebung hat gezeigt, dass höhere Bildungsschichten in den meisten Ländern das Social Web dominieren – außer in Deutschland.

Infografik: Höhere Bildungsschichten dominieren Social Web - außer in Deutschland | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Ich persönlich glaube, dass das kulturelle Hintergründe hat. Neben Datenschutzgründen. Zur deutschen Kultur gehört es, Texte und Veröffentlichungen bis auf´s letzte I-Pünktchen geprüft haben zu müssen. Texte für die Presse, Reden werden lange und gründlich vorbereitet. Authentizität wie das Internet und die sozialen Netzwerke sie fordern, bleiben dabei häufig auf der Strecke.

Der Kultursprung, der statt finden muss, damit die neue Kultur verstanden wird, ist riesig. Aber diese Kultur wird unsere Arbeitswelt bestimmen, neue Geschäftsmodelle kreieren und Kooperationen beflügeln, ob wir, die traditionellen deutschen Organisationen, dabei sind oder nicht.

Den Diskurs werden die führen können, die bereits erprobt sind. Diejenigen, die Kind, Jugendlicher und Pubertierender in der Internetwelt gewesen sind. Nichts war in der Vergangenheit fataler als derjenige, der über soziale Netzwerke sprach und deren Kommunikationskultur nicht kannte.

Die Netzkultur darf nicht verloren gehen, denn sie bietet enormes Potential für eine gelingende Gesellschaft.

Es braucht eine sozialdigitale Utopie.

Da ich lange für europäische Projekte und europäische Sozialpolitik zuständig war, sehe ich einen Zusammenhang zwischen der verlorenen Chance einer Transformationen, die der europäische Einigungsprozess hätte leisten können und der digitalen Transformation. Es geht mir nicht darum, die deutsche Kultur zu ohrfeigen, wir können auf Vieles was wir leisten, stolz sein. Aber wir haben einfach kulturell und vor allem interkulturell unsere Grenzen.

Wir haben uns lange Jahre für zu perfekt gehalten und wollten gerne unsere Systeme übertragen. Wir lernen ungern von anderen und lassen neue Entwicklungen ungern ins Land. Nur ein Beispiel: Steve Jobs hat in den 80er Jahren Heinz Nixdorf den Vertrieb von Personal Computern in Europa angeboten.

So respektiert und anerkannt waren wir damals in der Computerbranche. Aber die Devise ist nicht vernetzen, sondern im eigenen Brei weiter agieren. Auch, wenn dieser keine Updates mehr bereit hält.

Teilen ist nicht immer heilen (Der Circel von Dave Eggers), aber es ist die Zukunft. Wissen wird geteilt und muss gemanaget werden. Unsere alten Methoden und Arbeitsweisen greifen da nicht mehr.

Es braucht eine sozialdigitale Transformation.

„Vernetzt und autonom – die Mobilität der Zukunft wird das Reisen grundlegend verändern. Die Deutsche Bahn hat erkannt, dass sie sich wandeln muss, um Innovationen Raum zu geben und treibende Kraft auf dem Weg in die Zukunft der Mobilität zu sein. Die DB Labs sind der Motor dieser Entwicklung: durch agile Arbeitsmethoden, Kooperationen mit Start-ups und den Austausch mit der Open-Data-Community treiben sie die Digitalisierung im Konzern voran und helfen dabei, Themen neu zu denken.“

Diesen Eingangstext für die Vorstellung der Unternehmenslabs der DB bei der Re:Publica
ist übertragbar auf die soziale Arbeit und ihre Organisationen.

Alle DB LABs auf einen Blick.

Makerspaces, Labs oder welche innovativen Räume auch immer, wo frei und unabhängig agiert werden kann, wo geschult, gelernt und verworfen werden kann.

Indem wir neue Geschäftsmodelle erproben, neue Kooperationen eingehen und mit unserer hohen Kompetenz, die wir als Mitarbeitende der sozialen Arbeit haben, den Prozess mit gestalten.

„Ohne Simplifizierung, also die radikale Vereinfachung von Strukturen, Verantwortungen und Prozessen, kann die digitale Transformation nicht gelingen.“ lautet der Titel einer Session und die Devise für das Arbeiten 4.0.

Solche Orte ziehen junge Menschen und Kooperationen an.

Struktur, Prozesse und Kultur werden leicht und zügig wandelbar.

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re:publica & soziale Arbeit #rpTEN

Ich bin eine von 4000, die noch nie bei der re:publica waren.

Insgesamt sind 8000 Menschen im Raum als Deutschlands größte Internetmesse am Montagmorgen eröffnet wird.

Die Moderatorin trägt ein funkelndes Glitzerkleid.

Es wird Geburtstag gefeiert. Die re:publica wird zehn Jahre alt.

Es wird darüber gesprochen wie damals alles so war.

Beim ersten Mal waren es mal gerade 700 Teilnehmer/innen.

Facebook war im zarten Alter von drei Jahren und Twitter gerade erst geboren. Es gab kein Internet und es war auch keine Internetmesse, sondern eine Blogger/innenkonferenz.

Das Programm.

Das Programm ist gigantisch. Und man muss es auch erstmal verstehen.

„Bereits seit ihrer ersten Ausgabe in 2007 wird der mediale Wandel und seine Themen in einem Rahmen von drei Konferenztagen diskutiert.Bei den Besucher_innen der ersten re:publica handelte es sich insbesondere um Blogger_innen, Internetaktivist_innen und Netz-Intellektuelle und 80 Prozent der insgesamt 700 Teilnehmer_innen gaben an, selbst Inhalte im Netz zu publizieren.

Seit ihren Anfängen als ‚Klassentreffen von Blogger_innen‘ hat sich die re:publica jedoch zu einer ‚Gesellschaftskonferenz‘ mit zuletzt 7000 Teilnehmer_innen im Mai 2015 entwickelt: „Hier vermitteln die VertreterInnen der digitalen Gesellschaft Wissen und Handlungskompetenz und diskutieren die Weiterentwicklung der Wissensgesellschaft. Sie vernetzen sich mit einem heterogenen Mix aus AktivistInnen, WissenschaftlerInnen, HackerInnen, UnternehmerInnen, NGOs, JournalistInnen, BloggerInnen, Social Media- und Marketing-ExpertInnen und vielen mehr. Dadurch entstehen Innovationen und Synergien zwischen Netzpolitik, digitalem Marketing, Netz-Technologie, der digitalen Gesellschaft und (Pop-)Kultur.“

heißt es in Neue Konferenzformate im digitalen Zeitalter.

Ich bin hin- und hergerissen zwischen Programmplanung und Treibenlassen. Die re:publica bietet so viel – vom praktischen Ausprobieren über prominente Keynotespeaker hin zu Networkingmöglichkeiten.

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Als ich das Programm studiere, begebe ich mich auf die Suche nach Themen, die den sozialen Bereich betreffen. Und werde schnell fündig.

Gesundheit (Health)

Bei Gesundheit geht es um mehr als nur Telemedizin. Aber auch. Es geht um Depressionen und Social Media. Es geht um Apps, die Therapien unterstützen. Es geht um Spiele, die die emotionale und mentale Gesundheit fördern.

Bildung (Learn)

Natürlich geht es um digitale Bildung. Es geht aber zunächst vor allem darum, was Jugendliche wollen, wie Bildung sich weiterentwickeln und verändern soll. Diese Veranstaltung ist total überlaufen. Es geht darum wie Spiele das Lernen vereinfachen. Es geht um Medienprojekte mit jungen Flüchtlingen und wie Spiele Politik gestalten.

Flüchtlinge (Refugees)

Es verwundert nicht, dass bei einer Konferenz, die sich zentralen digitalen Themen in der Gesellschaft widmet, das Thema Flüchtlinge einen breiten Raum einnimmt. Hier ergibt sich die größte Schnittmenge zwischen der klassischen sozialen Arbeit und der Re:Publica. Was auch daran liegt, dass die Kompetenz der Flüchtlinge im Umgang mit digitalen Medien deren Einzug in die soziale Arbeit beschleunigt hat.

Das sind die Programmpunkte, die offensichtlich etwas mit sozialer Arbeit zu tun haben. Aber auch in den anderen „Tracks“ stecken viele Zusammenhänge. So etwa bei „Hate it“, wo es um den Umgang mit Hasstiraden geht. Bei FinTECH, wo es um neue Finanzmodelle geht (z.B. hacking the Fördersystem). Bei Call it work, wo es um das Thema „Arbeiten 4.0“ geht. Letztlich in allen Themen (z.B. Virtuelle Realität), denn sie alle haben mit der Veränderung der Gesellschaft in einem digitalen Zeitalter zu tun.

Veranstaltungsort.

Als ich am Tag Zero die Re:Publica erreiche und den Veranstaltungsort sehe, denke ich: Bingo! Genauso muss es sein. Dabei findet die Re:Publica erst seit 2012 auf diesem Gelände statt.

„Damit ein Event glaubhaft ist und Interaktion entstehen kann, müssen Thema und Veranstaltungsziele auch räumlich erfahrbar werden.“ heißt es bei Neue Konferenzformate im digitalen Zeitalter.

Die Station Berlin ist der ehemalige Postbahnhof Luckenwalder Straße im Berliner Bezirk Kreuzberg.

Der Vorteil an diesem Veranstaltungsort: Es gibt Platz für viele Foren. Eine Halle für Ausstellungen. Und es ist doch nicht so weitläufig wie auf manchen riesigen Messen, sondern irgendwie ist auch alles nah beieinander. Unschlagbar ist der Innenhof, der bei diesem schönen Wetter prima zu nutzen ist.

„Die Entwicklung von innovativen Formaten, die Interaktion und Partizipation ermöglichen, ist zentral, um bedeutungsvolle Events im digitalen Zeitalter zu gestalten. Um nachhaltig Communities zu bestimmten Themen im Umfeld eines Events zu entwickeln, müssen neben diesen physischen Räumen jedoch auch die entsprechenden digitalen Räume entstehen.“ (aus: Neue Konferenzformate im digitalen Zeitalter)

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Praktische Tipps

Das Programm studieren.

Es macht Sinn, sich im Vorfeld mit dem Programm zu beschäftigen. Auch, wenn man sich nachher nicht sklavisch dran hält. Das Programm verschafft einen Eindruck über die Thematiken und auch die Formate (Makerspace etc.)

Sich treiben lassen.

Steht nicht im Widerspruch: Es lohnt, sich treiben zu lassen und nicht von einem Forum zum anderen zu hetzen. Das Gesamtformat der Konferenz gibt einen Eindruck von modernen Veranstaltungsorten: Viel Raum für Begegnung. Sammelpunkte mit ausreichend Steckdosen, Relaxzonen, Speakerscorner.

Hashtags, Hashtags, Hashtags.

Sich über Themen verbünden. Twittern. Hashtags nutzen: #rpTEN vor allem. Aber auch andere, z.B. #SozialeArbeit, damit Themen gefunden werden.

Fremdgehen.

Innovationen entstehen dadurch, dass sich neue Verknüpfungen ergeben. Das passiert schon allein dadurch, dass sich das Thema Soziale Arbeit und Digitales miteinander verknüpfen. Es lohnt sich aber bei anderen Institutionen ausserhalb der sozialen Arbeit zu lernen. Einen interessanten Eindruck gab beispielsweise die Deutsche Bahn und ihre Innovationslabs. Räume, in denen kreativ, lustvoll und unabhängig quergedacht werden kann.

Umdenken.

Allein das Studium des Programms setzt schon ein Andersdenken voraus, um die Themen zu identifizieren, die für die Soziale Arbeit von Interesse sind. Dieses Umdenken ist gleichbedeutend mit der Kulturveränderung, die eingeleitet werden muss, um die Digitalisierung tatsächlich in der sozialen Arbeit einziehen zu lassen. Es sind viele kleine Kulturbrüche, die hier gewagt werden müssen, damit ein  digitaler Transformationsprozess gelingen kann.

Fazit.

re:publica und soziale Arbeit gehören zusammen. Denn re:publica als Gesellschaftskonferenz ist soziale Arbeit. Und die Digitalisierung ist in der sozialen Arbeit angekommen.

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