Veröffentlicht in Europa

Warum Europa das Zeug hat, sich sozialdigital zu profilieren.

Schnell ist der dicke Geschichtsband gezückt, auf dem in großen Lettern Europa steht und der Blick fällt auf bunte Bilder einer illustren Zeit.

Sie machen verstehend, warum die tausend Jahre alten Ruinen und Kulturgüter heute noch so gerne von Touristen weltweit besucht werden.

Der Grand Place in Brüssel gilt als einer der schönsten Plätze Europas und ist Sinnbild für das feudale und traditionsreiche Leben, das Europa über viele Jahrhunderte ausgemacht hat.

Die Geschichte der Europäischen Union ist deutlich jünger. Mit dem Beginn der Montanunion in den 50er Jahren über die Wirtschafts- und Währungsunion mit dem europäischen Binnenmarkt entwickelte sich ab den 90er Jahren auch die Soziale Union.

Die Sozialpolitik der EU.

Zunächst war die europäische Sozialpolitik sehr arbeitsmarkt- und wirtschaftsnah orientiert.

Aber die Mitgestaltung der Wohlfahrt und anderer Sozialverbände hat dazu beigetragen, dass europäische Förderprogramme und Politiken vielfältige soziale Themen in den Blick nehmen. Die kürzlich veröffentlichte Europäische Säule sozialer Rechte fasst diese unter drei Überschriften zusammen:

  • Chancengleichheit und Arbeitsmarktzugang
  • Faire Arbeitsbedingungen
  • Sozialschutz und soziale Inklusion

Unter Sozialschutz und soziale Inklusion werden erstmals die für Wohlfahrt und soziale Arbeit wichtigen Themenfelder benannt:

Betreuung und Unterstützung von Kindern (11)
Kinder haben das Recht auf hochwertige, bezahlbare frühkindliche Bildung und Betreuung.

Kinder haben das Recht auf Schutz vor Armut. Kinder aus benachteiligten Verhältnissen haben das Recht auf besondere Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit.

Sozialschutz (12)
Unabhängig von Art und Dauer ihres Beschäftigungsverhältnisses haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und unter vergleichbaren Bedingungen Selbstständige das Recht auf angemessenen Sozialschutz.

Gesundheitsversorgung (16)
Jede Person hat das Recht auf rechtzeitige, hochwertige und bezahlbare Gesundheitsvorsorge und Heilbehandlung.

Inklusion von Menschen mit Behinderungen (17)
Menschen mit Behinderungen haben das Recht auf Einkommensbeihilfen, die ein würdevolles Leben sicherstellen, Dienstleistungen, die ihnen Teilhabe am Arbeitsmarkt und am gesellschaftlichen Leben ermöglichen, und ein an ihre Bedürfnisse angepasstes Arbeitsumfeld.

Langzeitpflege (18)
Jede Person hat das Recht auf bezahlbare und hochwertige Langzeitpflegedienste, insbesondere häusliche Pflege und wohnortnahe Dienstleistungen.

Wohnraum und Hilfe für Wohnungslose (19)
a. Hilfsbedürftigen wird Zugang zu Sozialwohnungen oder Unterstützung bei der Wohnraumbeschaffung von guter Qualität gewährt.

b. Sozial schwache Personen haben das Recht auf angemessene Hilfe und Schutz gegen Zwangsräumungen.

c. Wohnungslosen werden angemessene Unterkünfte und Dienste bereitgestellt, um ihre soziale Inklusion zu fördern.

Zugang zu essenziellen Dienstleistungen (20)
Jede Person hat das Recht auf den Zugang zu essenziellen Dienstleistungen wie Wasser-, Sanitär- und Energieversorgung, Verkehr, Finanzdienste und digitale Kommunikation. Hilfsbedürftigen wird Unterstützung für den Zugang zu diesen Dienstleistungen gewährt.

Der Zugang zur digitalen Kommunikation wird als essentiell notwendig eingefordert.

Aber wie ist es um diesen Zugang in der Europäischen Union bestellt?

Die Digital Agenda der EU.

Die Kommission konzipierte die Digital Agenda für Europa als eine der sieben Leitinitiativen der Strategie Europa 2020 und knüpfte damit an die Lissabon-Strategie an.

Damit ein faires, offenes und sicheres digitales Umfeld geschaffen wird, baute die Kommission ihre Strategie für einen digitalen Binnenmarkt auf drei Säulen auf.:

  • verbesserter Zugang für Verbraucher und Unternehmen zu digitalen Waren und Dienstleistungen in ganz Europa
  • die Schaffung der richtigen Bedingungen, damit sich digitale Netze und innovative Dienste entwickeln können und
  • die optimale Ausschöpfung des Wachstumspotenzials der digitalen Wirtschaft.

Quelle: http://www.designbysoap.co.uk/portfolio/european-commission-digital-agenda-scoreboard/

Europas Zukunft muss sozialdigital sein.

Die Scorecard der Digital Agenda zeigt, dass in 2015 85% der Menschen in Europa das Internet nutzten. 60% Nutzer zählten zu Personengruppen, die sozial benachteiligt sind.

Manche europäischen Länder gelten bei der Umsetzung der Digital Agenda als besonders fortschrittlich. Estland ist so ein Beispiel. Eine kleine Republik wird zum digitalen Vorzeigestaat.

Noch werden Digital Agenda und Sozial Agenda losgelöst von einander betrachtet. Das lässt sich auch an der Budgetplanung erkennen.

Quelle: https://www.digitalsme.eu/the-negotiations-of-the-eu-budget-2021-2027-take-aways-for-digital-smes/eu-budget-1/

Aber das muss sich zwingend ändern. Die Digitalisierung der sozialen Arbeit kann nicht an nationalen Grenzen halt machen, da Netzpolitik wie sozialer Zusammenhalt europäische Themen sind. Sie müssen integriert gedacht werden, gerade um allen Menschen Zugänge zu verschaffen.

Die Zeit dafür ist jetzt. Denn  jetzt laufen die Planungen für die Förderphase 2021 bis 2027.

Europa hat den Vorteil, dass es anders als andere global Player eine Wertegemeinschaft ist, die sich zu differenzierten sozialen Grundrechten bekennt. Das war eine entscheidende und notwendige Vorarbeit auf die nun eine sozial-digitale Agenda aufbauen kann.

Wenn das gelingt, hat Europa gegenüber anderen global Playern den Vorteil ethisch integrierter Prinzipien, die eine einzigartige Qualität bedeuten können und Vorreiter sein können.

Europa hat und hatte das Zeug für Innovationen, wenn es sich nicht durch Grenzen und Mauern fesseln ließ.

Mach Dich also auf, good old thing!

You will make it!

Weiterführende Links:

Booklet Europäische Säule sozialer Rechte

Von Estland lernen: Wie ein kleine Republik zum digitalen Vorzeigestaat wird.  

Veröffentlicht in Führung

Wie das Bundesteilhabegesetz und der digitale Wandel die soziale Arbeit gerade auf den Kopf stellen.

Die Grundsätze der UN-Behindertenrechtskonvention, die 2008 beschlossen wurden, setzen eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung voraus.

Um die in der Konvention beschlossenen Grundsätze in Deutschland umzusetzen, hat die Bundesregierung am 29.12.2016 das Bundesteilhabegesetz beschlossen. Das Ausführungsgesetz in NRW wurde am 11. Juli 2018 verabschiedet.

Im gleichen Zeitraum, seit der Einführung des ersten Smartphones im Januar 2007, halten neue Technologien beschleunigt Einzug in unseren Alltag und damit in die soziale Arbeit insgesamt, sei es, dass sie von Klient/innen genutzt werden oder, dass sie die Arbeit erleichtern, unterstützen, verändern.

Angebote reichen von Sensoren in Wohngemeinschaften für an Demenz erkrankte Menschen bis hin zu Online- und Chatberatungsangeboten im Netz.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

Im Mittelpunkt steht der Mensch, aber anders.

Die UN-Behindertenrechtskonvention und in ihrer Umsetzung das Bundesteilhabegesetz stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Das, so werden viele jetzt behaupten, hat die soziale Arbeit doch schon immer getan.

Ja, aber anders.

Bisher ist die Behindertenhilfe wie die soziale Arbeit insgesamt noch stark von einem Fürsorgegedanken geprägt. Diese Grundhaltung ist auch die Motivation für viele Studierende der sozialen Arbeit. Das ändert sich gerade.

Im Mittelpunkt steht fortan nachwievor der Mensch. Aber anders. Als Anwender, Nutzer, Kunde der sozialen Arbeit.

Diese Blickrichtung wurde bereits Mitte der 2000er im Zuge der Neuausrichtung der Arbeitsmarktpolitik versucht. Angelehnt an die englische JobCenterphilosophie und den damit verbundenen Dienstleistungsgedanken wurde erstmalig ein Kundenbegriff in der sozialen Arbeit eingeführt, der in Deutschland kläglich gescheitert ist.

Weder die öffentliche Hand noch die Träger der sozialen Arbeit waren bereit, der neuen Philosophie in ihrer ganzen Tragweite zu folgen.

Die Methoden der digitalen Transformation wie beispielsweise  Scrum stellen ebenfalls den Anwender und damit den Menschen in den Mittelpunkt.

Diesmal muss uns der Wandel gelingen.

Was Führungskräfte können müssen.

Sowohl die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes als auch die Anforderungen des digitalen Wandels lösen Irritationen bis hin zu Ängsten bei Führungskräften auf allen Ebenen aus. Denn es ist nicht im Detail genau vorhersehbar, was zukünftig an Anforderungen zu erfüllen ist und welche Veränderungen genau bevorstehen.

Gerade aber die Behindertenhilfe wie einige andere Felder der sozialen Arbeit gleichermaßen hatte bisher die komfortable Ausgangssituation, dass die Systeme geordnet, die Finanzierungsströme geregelt und die Abläufe hierarchisch sortiert waren.

Veränderungen zu managen, bedeutet vor allem diejenigen mitzunehmen, die es betrifft. Das ist kein leichtes Unterfangen, weil weder die Auswirkungen des Bundesteilhabegesetzes noch die Auswirkungen des digitalen Wandels in Gänze zu überblicken sind.

Hinzu kommt, dass auch die Führungskräfte betroffen sind, das heißt, sie müssen die Notwendigkeit der Organisations- und Kulturveränderung nicht nur erkennen, sondern selbst reflektiert auch auf sich anwenden, umsetzen und ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen, den Organisations- und Kulturwandel zu meistern.

Aktuell konzentrieren sich viele Führungskräfte noch auf die technischen und technologischen Lösungen wie im Bundesteilhabegesetz die neue Finanzierungssystematik und die damit verbundene Förderplanung, Fördergewährung und Fördererfüllung. Im Kontext des digitalen Wandels prüfen sie effiziente Softwarelösungen und Hardwaremodelle.

Die Veränderungen werden tiefgreifend sein und Neuerungen auf allen Ebenen bedeuten.

Das Anforderungsprofil an die Führungskräfte ist daher:

  • Bereitschaft zu Organisations- und Kulturveränderung
  • Transparenz
  • Agilität und Flexibilität
  • Veränderungsfähigkeit
  • offen für Innovationen
  • Veränderungsprozesse managen
  • Menschen mitnehmen
  • gute Kommunikationsfähigkeit
  • Fähigkeit zur Selbstreflexion

Wohlfahrt muss sich neu erfinden.

Das Bundesteihabegesetz bietet aufgrund seiner deutlich besseren Ausstattung hier die Möglichkeit ein echter Vorreiter in Sachen neue Wohlfahrt zu leisten. Der technologische Wandel wird keine Rücksicht auf Veränderungsresistenz legen. Organisationen, die nicht fähig sind, den Wandel zu managen, werden zukünftig keine Abnehmer/innen mehr haben und vom Markt verschwinden. Neue Organisationsformen und -typen werden an ihre Stelle treten.

  • Entsäult statt versäult
  • Offene Strukturen
  • Synergien zwischen den Geschäftsbereichen
  • Experimentierräume
  • flache Hierarchien
  • Neue Kooperationen
  • Social Entrepreneure

Auch und gerade die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege sind von diesen Veränderungen betroffen, denn ihre Aufgabe ist es, die Veränderungsprozesse ihrer Mitglieder zu begleiten und auch selbst in einer ähnlich agilen und flexiblen Weise den Wandel zu gestalten.

Beide Entwicklungen bedeuten einen Paradigmenwechsel für die soziale Arbeit. Das hat Auswirkungen auf Organisations- und Personalentwicklungskonzepte, auf Führungs- und Hierarchiefragen sowie auf Organisationsstrukturen, -prozesse und -kulturen.

Letztlich werden die Notwendigkeiten der Veränderung Wohlfahrt transformieren und neue Organisationstypen schaffen, die neue Qualifikationen und Kompetenzen der Fach- und Führungskräfte erfordern.

Zum Weiterlesen:

BTHG und Führung: Die Mitarbeitenden qualifizieren, die Organisation entwickeln

Digitale Transformation 

Veröffentlicht in Tagebuch

Die neue Caritas: Streetworker & Tweetworker.

Mein Eindruck ist, dass die soziale Arbeit eine Renaissance erlebt. Und das ist gut so. Denn in einer zunehmend digitalisierten Welt wird die Sozialwirtschaft zum Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält.

Wir brauchen Fachkräfte für den sozialen Zusammenhalt.

Eines der gravierendsten und damit auch ein gesamtgesellschaftliches Problem sind fehlende Fachkräfte in Erziehung, Bildung, Sozialpädagogik und Pflege. Während ein größerer Teil der Arbeit möglicherweise zukünftig automatisiert und technologisch getan werden kann, ist das in der sozialen Arbeit nicht möglich. Sie lebt von personenbezogenen Beziehungen.

Diese Fachkräfte sind nicht nur wichtig, weil damit Arbeitgeber befriedet werden. Sie sind wichtig, weil sie der Kitt sind, der die Gesellschaft zusammen hält.

Familien brauchen Erzieher/innen, Lehrer/innen, Pflegekräfte und besonders arme Menschen brauchen Unterstützung beim Heranwachsen ihrer Kinder und Enkel oder der Versorgung ihrer Eltern. Auch, weil sie dann wieder unsere zukünftigen Fachkräfte sind.

Daher haben wir uns in der Freien Wohlfahrtspflege Anfang der Woche getroffen, um an Lösungen zu arbeiten. Wir haben analysiert, was sich ändern muss, damit der soziale Bereich (wieder) an Attraktivität gewinnt.

Sozial wird Digital.

Neue Technologien können die soziale Arbeit unterstützen. Genau darum ging es bei der 18. Delegiertenversammlung des Deutschen Caritasverbandes. Wir wollen Onlineberatung, Chatforen und ähnliches anbieten, um Menschen in Not auch im Netz erreichen zu können.

Das Thema wird innerhalb der Caritas seit geraumer Zeit diskutiert und es gibt schon heute eine Reihe guter Ansätze. Jetzt gilt es, die Arbeitsebenen zu koordinieren und auch sozialpolitisch zu fragen, was ist zu tun?

In Gesetzgebungsverfahren müssen neue Technologien geplant und budgetiert werden.  So ist beispielsweise im Bundesteilhabegesetz das Assistent Living als verhandelbar vorgesehen.

Selbsthilfe und Partizipation zur Strategie machen.

Zwei Aktivisten, die selbst Armut erfahren haben, sprechen vor dem vollen Haus der Delegiertenversammlung. Respekt. Ein Impuls, der einen unserer Ortscaritasdirektoren inspiriert, dass wir uns hier als Caritasverband im Bistum Essen mehr engagieren sollten. Eine ausgezeichnete Idee! Die Einbeziehung von Menschen wie es der Kreuzbund beispielhaft tut, ist ein wichtiger Beitrag zu einem gesellschaftlichen Miteinander.

Die 18. Delegiertenversammlung des Deutschen Caritasverbandes hat entscheidende Impulse gebracht. Gegen Rechtspopulismus, für den Einsatz von Technologie in der sozialen Arbeit, über den langen Kampf des Verbandes gegen Armut, für eine Erneuerung der Kirche und hier war vielleicht ein (sehr) guter Anfang, dass wir eine gendergerechtere Satzung beschlossen haben.

Von Osnabrück, der Friedensstadt, geht Aufbruchstimmung und Zuversicht aus. Die aktuelle Situation in der Kirche braucht Bistümer wie Osnabrück oder Essen, die Freiheit atmen, die Kirche nach vorne bringen und alte Zöpfe und Unkulturen in der katholischen Kirche und ihrer Caritas abschneiden.

Weiterführende Links:

Twitter für Einsteiger

Verbändearbeit 2020

Soziale Arbeit 4.0

Pressemeldung Deutscher Caritasverband

Veröffentlicht in Tagebuch

Digitale Teilhabe für alle! #Ruhrgebietstag2018

Grusswort anlässlich des Ruhrgebietstages 2018.

Wichtige Partner aus Kirche, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft haben am vergangenen Freitag den Weg zum Ruhrgebietstag der nordrhein-westfälischen Caritas nach Mülheim in die Akademie „Die Wolfsburg“ gefunden, um über angemessene Digitalkonzepte für eine von sozialen Problemlagen gedrückte Region nachzudenken.

„Sie, die Sie heute hier nach Mülheim in die Akademie „Die Wolfsburg“ gekommen sind, und sich damit ausdrücklich die Zeit nehmen, sind wichtige Bündnispartner in der Solidarität um eine besonders liebenswerte, aber auch von sozialen Sorgen gedrückte, Region Deutschlands.

Ich darf Sie heute im Namen meiner Direktoren-Kollegen der Diözesan-Caritasverbände Aachen, Essen, Köln, Münster und Paderborn hier in der Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim zu unserem Ruhrgebietstag begrüßen.

Wir kommen hier zusammen zeitgleich mit der Eröffnung der NRW-Tage des Landes Nordrhein-Westfalen in Essen (dazu laden wir Sie morgen herzlich an den Stand unseres Ortscaritasverbandes neben dem Dom ein) und zum Auftakt der Ruhrkonferenz von Herrn Ministerpräsident Armin Laschet.

Die Wirtschaft der Zukunft funktioniert ein bisschen anders. Sehen Sie, im 24. Jahrhundert gibt es kein Geld. Der Erwerb von Reichtum ist nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben. Wir arbeiten, um uns selbst zu verbessern – und den Rest der Menschlichkeit.

Es ist mehr als zwanzig Jahre her, dass Captain Jean-Luc Picard, Kommandant der USS-Enterprise aus der Zukunft des Jahres 2373 prognostizierte, was auf die Menschheit zukommt.

Diese Menschlichkeit, von der Picard spricht, brauchen wir schon heute im Jahr 2018.

In der Ruhrregion herrscht echte existentielle Not. Die Armutszahlen – und hier besonders die Daten zur Kinderarmut – sind rot markiert und wirken daher wie das, was sie auch sind: ein Flächenbrand!

Die (Kinder-)Armutsquote liegt in Gelsenkirchen bei 43%! Die Brutto-Jahreseinkommen liegen zwischen 16.000 Euro und 23.000 Euro – im Schnitt! Die Arbeitslosenquote ist doppelt so hoch wie durchschnittlich in Nordrhein-Westfalen und liegt bei 13%.  

Jedes dritte Kind des Ruhrgebietes (in NRW ist es jedes fünfte Kind) wächst in ökonomischen Verhältnissen auf, die seine Chancen im Vergleich zu anderen Kindern senken. Dabei bedingt das eine das andere. Geringes Familieneinkommen, Arbeitslosigkeit der Eltern, finanzschwächere Kommunen, geringere Bildungsstandards in Schulen und Kitas, fehlende Schwimmbäder und Bibliotheken, zu enger oder
gar kein Wohnraum und mehr. Wer als Kind und Jugendlicher in der Ruhrregion heranwächst, ist häufig strukturellen Benachteiligungen ausgesetzt. Die Akteure der Hilfesysteme hier bei Kommunen, in Kirchen und Wohlfahrtsverbänden tun ihr Bestes, um das Blatt zu wenden. Aber es braucht mehr.

Gleichzeitig sind wir aber auch zu Recht stolz auf diese Region! Der Strukturwandel vom Bergbau zum Dienstleistungssektor hat an einigen Stellen gegriffen, und die Metropole Ruhr gilt als ein kreativer Raum, in dem Universitäten, junge Menschen und Start ups experimentieren und neue Existenzen gründen.

Wirtschaftsminister Pinkwart wies beim sozialpolitischen Aschermittwoch der beiden Kirchen in diesem Jahr darauf hin, dass die Ruhrregion das Potential habe, das deutsche Silicon Valley zu werden.

Diese Herausforderungen wollen wir als Diözesan-Caritasverbände in NRW annehmen, denn der digitale Wandel birgt neben allen wirtschaftlichen Chancen die Gefahr, die Spaltung zwischen Arm und Reich zu vertiefen.

Wir brauchen einen Digital-Pakt für die Sozialwirtschaft, um neben der produzierenden Wirtschaft soziale Innovationen und digitale Teilhabe in Kitas, der Jugendhilfe, Altenheimen, im Ehrenamt, der Stadtteilarbeit und der Arbeit mit bildungsferneren Familien zu fördern und einen Beitrag zu einer inklusiven Gesellschaft zu leisten.

Nun freuen wir uns auf einen interessanten Tag, gute Begegnungen und ein gemeinsames „Pack an“ für eine Region, die es braucht, und für die es sich absolut lohnt!

Ein herzliches Glück auf!

Weitere links:

Caritas fordert Digitalpakt für die Sozialwirtschaft

Caritas fordert bessere Digitalisierung im sozialen Bereich

Play Kahoot it! 

Medienkompetenzrahmen

Von der Sesamstrasse zur Edtech!

 

 

 

 

Veröffentlicht in Zusammenhalt

Agile Prinzipien – warum das agile Manifest der Softwareentwicklung auch der Sozialwirtschaft den Weg weist

Ich stelle schon seit längerem fest, dass die Digitalisierung in der sozialen Arbeit einen Kulturwandel beschleunigt, der anhand der Prinzipien der Softwareentwicklung von Thomas Michel toll beschrieben ist. Historisch hat sich die soziale Arbeit genauso entwickelt: selbstorganisiert. Mit dem Begriff der Sozialwirtschaft tue ich mich etwas schwer, weil er in der europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik zu einer Reduzierung der sozialen Arbeit auf ökonomisches Handeln führt. Der andere Teil nennt sich zivilgesellschaftliches Handeln. Die deutsche Sozialpolitik bzw. Soziale Arbeit kennt mehr Facetten. Persönlich schätze ich die hier beschriebene agile Methode sehr.