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Geglückte Sichtbarkeit.

Ich wollte mit diesem Thema eigentlich noch nie etwas zu tun haben, mein ganzes Leben nicht.

Und doch lässt es mich nicht los.

Auch, weil ich wirklich gerne wissen würde, warum das so ist, dass Deutschland Schlusslicht ist?

Woran liegt das nur??

Dabei ist die Lösung ganz einfach.

1. Wendet europäische Grundwerte an!

2. Bringt Frauen zur Geltung!

3. Beachtet bei Fotos und Podien schlicht die Quote!

4. Männer – seid Vorbilder!

5. Nutzt die Sprache!

 

Worum geht es?

Es geht um die Frauenfrage.

Bevor sich jetzt einige augenrollend wegdrehen, müssen wir feststellen, dass es eine Frage ist, die uns alle angeht!

Denn eine ganz aktuelle Studie „Deutschland ist bei weiblichen Vorständen Schlusslicht“ belegt, dass es sich um ein deutsches Phänomen zu handeln scheint.

Was ist nur los mit uns Deutschen?

„Kommt der Vorschlag, dass wir eine männliche und weibliche Doppelspitze brauchen, dann machen wir das vielleicht … bei meinem Nachfolger“ war gestern von Christian Lindner auf dem FDP Parteitag zu hören. Ein Ausspruch, der tatsächlich Saalgelächter bringt.

Warum nur?

Gerade bei einer Partei, die einen echten Frauenmangel hat, nicht nachvollziehbar. Und auch sonst nicht.

Warum sollte eine Frau nicht besser sein bzw. gleichermaßen die Aufgabe tun können?

Ein Phänomen, das nicht einfach vom Tisch zu fegen ist, ist die Angst.

Männer haben Angst.

Und diese Angst ist gar nicht unbegründet. Denn tatsächlich nehmen ihnen Frauen, wenn sie so richtig ernst machen, bis mindestens 50 % der Chancen auf einen tollen, interessanten Job.

Bei einer unserer Konferenzen, ein Kreis von ca. 27 Führungskräften, darunter 3 Frauen, formulierte das ein männlicher Vertreter auch. Bestimmte Funktionärspöstchen könnten ja zukünftig nicht mehr zur Verfügung stehen. Was passiert? Männer verbünden sich in der Frage wie sie die Frauenquote umgehen können.

Als die 3 Frauen dann spiegelten, dass dies ja bisher umgekehrt gewesen sei, gab es dafür wenig Verständnis.

Was hat das mit ihnen zu tun?

Viel.

Die Beschäftigungsquote von Frauen mit Kindern gegenüber Männern mit Kindern ist in Deutschland deutlich geringer als in unseren Nachbarländern.

Die Chancengleichheit von Männern und Frauen hat viel mit der Haltung von Männern zu tun.

Ein Mann als Arbeitgeber zum Beispiel: Fragt er einen Bewerber mit vier Kindern, ob dieser die Betreuung seiner Familie sicher stellen könne?

Oder ein Ehemann: Macht er wirklich ernst mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und zwar zugunsten seiner Familie? Oder wird sein Sohn wieder mit Modellen aufwachsen, dass der Vater abwesend bei der Arbeit ist und seine Mutter sicherstellt, dass das „Höhlenfeuer“ nicht ausgeht?

„Die selbstverständlichen Benachteiligungen, die Ignoranz, die Arroganz, das Nicht-Ernstnehmen, weil das Gegenüber eine Frau ist.“beschreibt Christiane Florin in ihrem Buch „Der Weiberaufstand.“

Der ZDF Korrespondent Stefan Liefert twittert nachfolgendes Zitat:

Herausragend ist, dass er eine solche Wahrnehmung twittert! Als Mann!

Durch meine langjährige Europaarbeit weiss ich wie ernst Europa das Anliegen der Chancengleichheit ist. Dort sind Frauen ganz selbstverständlich genauso viele Kommissarinnen oder andere Amtsinhaberinnen wie Männer, weil es selbstverständlich ist.

Ohne Geschlechtergleichheit gibt es schlicht kein Geld!

Bringt Frauen zur Geltung!

Es war Prof. Dr Thomas Sternberg, der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der in seiner Abschlussrede beim Katholikentag bemerkt hat, was Anja Pfeffermann dann als tweet absetzte:

Wer sich Fotos, Settings und Podien anschaut, wird sehr häufig feststellen, dass keine einzige Frau dabei ist. Das Bild von Seehofers frauenloser Führungsmannschaft hat wohl immer noch nicht ausreichend sensibilisiert, dass verantwortlichen Organisatoren gar nicht auffällt, wenn Frauen nicht ins Licht gerückt werden, zu Wort kommen oder gar auf einem Foto als die Agierende, die Handelnde und nicht nur die lieblich Lächelnde bebildert werden.

Dank eines Katholikentagteilnehmers, Gerd Wittka, gibt es dieses Foto der Inputgeberin des Bistums Essens „Frauen im Mentoring“, Frau Dr. Qualbrink, die zudem noch eine preisgekrönte Promotion geschrieben hat: Über Frauen in Leitungspositionen, die die Kirche stören.

Wenige weitere Beispiele sind:

Sozialpolitischer Vorstand des Deutschen Caritasverbandes, Eva-Maria Welskop-Deffaa.

Das sind die drei Fotos, die ich im Fundus des Katholikentages sammelte, die Frauen in führenden und ernstzunehmenden Rollen präsentieren. Möglicherweise gibt es noch ein paar mehr. Aber nicht viele. Das ist ein durchaus übliches deutsches Ergebnis.

Immerhin kam die re:publica, Deutschlands große Gesellschafts- und Internetkonferenz, nach 12 Jahren auf eine Überzahl an  Speakerinnen genüber Speakern.

Beachtet bei Fotos und Podien schlicht die Frauenquote!

Eine Bebilderung ohne aktive Frauen sollte eigentlich als politisch unkorrekt gelten!

Es scheint, dass auch viele Öffentlichkeitsarbeiter und -arbeiterinnen noch nicht ausreichend dafür sensibilisiert sind.

Manchmal liegt es aber auch schlicht daran, dass viel zu wenig Frauen in den entsprechenden Settings zu finden sind.

Das ist eine Verantwortung, der sich Veranstalter stellen müssen! Und nein. Ausreden gelten nicht!

Männer – Seid Vorbilder!

In all euren Rollen habt ihre die große Chance dafür zu sorgen, dass Frauen zur Geltung kommen. Etwa als Väter: ein Sohn, der seinen Vater nur als familienabwesendend erlebt, wird nicht lernen, das mit der Familie zu sein, für den Vater etwas Beglückendes ist.

Nutzt die Sprache!

Selbst, wenn in einem Laden 97 % Erzieherinnen arbeiten, wird häufig noch von Erziehern gesprochen.

Ich fühle mich nicht mehr angesprochen, wenn die weibliche Form nicht verwendet wird! Und so geht es vielen mittlerweile.

Und ich bin mir nicht sicher, welche Auswirkungen es gehabt hätte, wenn es allen Helferinnen beim Katholikentag so gegangen wäre, aber dank Kurt C. Hose wurde dem abgeholfen.

 

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Frauenquote?! Ja, vielleicht. Aber bitte auch die Haltung ändern!

Frauenquote, ja oder nein? Ich habe einfach keine abgeschlossene Meinung zu diesem Thema. Ursprünglich wollte ich mich mit der ganzen Thematik einfach gar nicht befassen, aber irgendwie holt es mich immer wieder ein. Warum? Wohl, weil das Thema einfach dran ist. Neulich las ich im Blog von Modepraline eine starke Gegenposition. Ist das Mainstream? Es ist kaum 100 Jahre her, dass Frauen das Recht zu wählen erhielten. Bis 1977 musste eine Frau die schriftliche Erlaubnis ihres Mannes einholen, wenn sie berufstätig sein wollte. Und bis heute ist das Vorurteil, dass Mütter nach der Geburt des ersten Kindes nicht mehr so leistungsfähig sind wie männliche Kollegen fest in den Köpfen verankert, während ein Familienvater einer mehrköpfigen Familie nicht in Frage gestellt wird. 1974 veröffentlicht in der ersten Ausgabe von Psychologie Heute wurde über das  Tagesmütterprojekt berichtet. Die Haltung, die der Leserbrief „Tagesmütter, eine gefährliche Notlösung“  hierzu wiedergibt, ist auch heute noch in vielen Köpfen verankert. Vor ein paar Jahren haben wir im EU-Projekt Flisso (Female leadership in social serviceorganisations) zu dem Thema gearbeitet. Die Ergebnisse flossen in das Projekt „Gleichgestellt in Führung gehen“ des Deutschen Caritasverbandes mit ein. Letzte Woche saßen wir in Berlin zusammen, um darüber nachzudenken, wie das Thema „Gleiche Chancen für Frauen und Männer in Familie und Beruf“ Unternehmenskultur werden kann. Eine Zertifizierung als familienfreundlicher Betrieb ist hier ein guter Anfang, aber führt  nicht immer zu einer grundsätzlich anderen (Unternehmens-) Haltung. Ulrike Achmann hat in „Mehr Frauen in Führungspositionen“ schon 2011 beschrieben, dass die Richtungsänderung in den Köpfen passieren muss. Die Gewinnung von Frauen und Männern ist eine Schlüsselfrage der zukünftigen Fachkräftesicherung. Dabei kommt es nicht nur auf die jungen Menschen an, sondern auch wie wir sie in ihren jeweiligen Lebensbiographien begleiten. Wenn richtig ist, was über die sogenannte Generation Y gesagt wird, geht es nicht mehr so sehr darum, in althergebrachter Weise Karriere zu machen, sondern themenbezogen Projekte zu bearbeiten, Familie und Beruf zu vereinbaren und Freude an dem zu haben, was man oder frau tut. Der gerade erschienene Zeitartikel Wider die Wutmütter  macht hierbei den jungen Familien Mut, dass durch Aushandeln und Ausprobieren vieles gelingen kann. Dennoch ist in den Unternehmen noch viel Arbeit an einer grundsätzlichen Haltungsänderung zu tun, damit Organisationsstrukturen für Familien und zukünftige Generationen vorbereitet sind.   image

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Gleichgestellt.

Partizipation. Beteiligung. Das Wort ist in aller Munde. Auch beim Zukunftsdialog des DCV war es Thema. Wie beteiligen wir Betroffene? Schon in unserem Projekt Ensi haben wir uns darüber den Kopf zermartert. Wer oder was ist eigentlich ein Betroffener, eine Betroffene? Jede/r hat ein anderes Bild im Kopf. In der Wohnungslosenarbeit ist es ein Obdachloser. In der Jugendhilfe ein Jugendlicher. In der Kita Eltern und Kinder. Im Altenheim ein Bewohner. Im Krankenhaus ein Patient. Betroffene sind: pflegende Angehörige, Migrant/innen, Menschen mit Behinderung, Menschen ohne Arbeit, Alleinerziehende, Stadtteilbewohner/innen etc., etc. Na, haben Sie sich wiedergefunden? Ja, klar. Denn betroffen sind wir alle. Weil wir alle in unserem Leben in unterschiedlichen Rollen auf besondere Lebenslagen stoßen. Was maßen wir uns eigentlich an? Wer maßt sich etwas an? Wer will eigentlich wen beteiligen? Beteiligung ist gelungen, wenn das Wort nicht mehr im Sprachgebrauch auftaucht. Beteiligung ist out, wenn Inklusion selbstverständlich ist. Inklusion – wieder so ein Modewort. Will ich hier auch gar nicht drüber schreiben. Aber über eine inklusive Gesellschaft. Eine inklusive Gesellschaft braucht keine Beteiligung. Eine inklusive Gesellschaft braucht Gleichstellung. Es ist das selbstverständliche Zusammenleben verschiedener Kulturen, Religionen, Altersgruppen, Lebenslagen. Mich irritieren zunehmend gesellschaftliche Gruppen, wo Gleichstellung fehlt. Homogene Gruppen, z.B. nur Männer, nur Menschen über 50, nur Menschen ohne Behinderung, nur Menschen gleicher Hautfarbe, nur Menschen ohne Probleme, nur Reiche, nur Arme. Solche Gruppen irritieren mich.

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Female Leadership in Social Service Organisations

Europäisches Programm: Grundtvig Lernpartnerschaft

Female Leadership in Social Service Organisations – heißt das europäische Caritas-Netzwerk, das im Rahmen einer GRUNDTVIG-Lernpartnerschaft im Dezember 2009 in München gegründet wurde.

Im Rahmen des FLISSO-Netzwerkes sollten die Rahmenbedingungen erforscht werden, die Führungsaufgaben von Frauen in sozialen Dienstleitungsorganisationen europaweit attraktiver machen, um so einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit dieser Nichtregierungsorganisationen in Europa sowie der Stärkung der Sozialwirtschaft zu leisten. Das Netzwerk untersuchte die biographischen Hintergründe erfolgreicher Frauen in Führungspositionen und sammelt gute Beispiele für attraktive Arbeitsbedingungen von Frauen in sozialen Organisationen.

Die Projektprodukte (Trainingsmodule/Broschüre) wurden unter den teilnehmenden Organisationen, Caritas Europa und verschiedenen Frauennetzen verteilt.

Hier finden Sie die Ergebnisse im Detail beschrieben. Das Projekt entfaltete Breitenwirkung als die Ergebnisse in das Nachfolgeprojekt „Gleichgestellt in Führung gehen“ des Deutschen Caritasverbandes einflossen.