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„Dachdecker wollte ich eh nicht werden.“

Normalerweise sitze ich mit Blei- und Buntstiften ausgerüstet über Büchern und so ähnlich war es auch als ich mir Raul Krauthausens biographische Lektüre vornahm. Sie ist Teil meiner Bücherliste 2015.

Ich steckte das Buch in meine Tasche als ich mich vom Büro auf den Heimweg machte und holte es heraus, nachdem ich in der S-Bahn Platz genommen habe. Ich wollte eigentlich nur ein wenig darin blättern, um es dann später richtig zu lesen. Aber nachdem ich angefangen habe, legte ich es nicht mehr aus der Hand und hatte in Windeseile die ersten 50 Seiten und bis zum darauf folgenden Abend das ganze Buch gelesen. So fesselnd und gut geschrieben ist es! Für Blei- und Buntstifte war keine Zeit.

Bevor ich das Buch kannte, lernte ich Raul Krauthausen beim Zukunftskongress der Aktion Mensch persönlich kennen. Und wir haben wenig später im Rahmen unseres Zukunftsdialogs 2015 zusammen gearbeitet.

Wir sind über Twitter in Kontakt gekommen, ein Medium, das im Rahmen des Zukunftskongresses gezielt parallel zur Veranstaltung eingesetzt wurde, um Menschen miteinander zu verbinden. Für mich interessant zu erleben, dass die neuen Medien auch eine neue Form der Barrierefreiheit darstellen, in denen munter miteinander gewitzt, brilliert und schwadroniert wird. Esprit, Charme, Humor und Umgangsformen erhalten eine ganz neue Dimension.

Ein paar Stunden später sind wir uns im Rahmen der Veranstaltung dann persönlich begegnet. Er ist ein interessanter, eloquenter Mensch, der viel zu sagen hat. Durch seine Projekte und sein Tun als Aktivist hat er einen hohen Grad an Popularität gewonnen, ohne dabei die Bodenhaftung verloren zu haben.

In seinem Buch beschreibt er seinen Lebens- und Lernprozess. Er macht durch seine Geschichte sehr deutlich wie er seinen Lebenssinn gefunden hat. Dabei gibt es einige Überraschungen. Zum Beispiel, dass Raul gar nicht vorhatte, ein Aktivist für Menschen mit Behinderung zu werden. Im Gegenteil!

Mehr möchte ich aber nicht verraten. Nur soviel, dass die spannende Lektüre zu einem besseren Verständnis von Inklusion führt und sie dem Leser sehr viel Mut mit auf den Weg gibt.

Mut, den eigenen Weg zu finden und zu leben!

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Zukunftsdialog – Inklusives Heranwachsen im Lebensraum.

imageIch erinnere mich noch an meine erste Zukunftswerkstatt in den neunziger Jahren. Ach, war ich stolz, dabei sein zu dürfen. Wir haben Zettel an endlose Wäscheleinen gehangen. Wandpapierzeitungen gebastelt. Und uns in Gruppenräumen die Haare gerauft, über all das, was uns die Zukunft bringen wird und wie wir damit umgehen.  Heutzutage gibt es ein neues Format, habe ich letztes Jahr gelernt. Das nennt sich Zukunftskonferenz und lebt davon, dass man das System, also alle, in einen Raum holt und miteinander in den Dialog treten lässt. Wir haben das Ganze „Zukunftsdialog“ genannt und ein Thema gesetzt: Inklusives Heranwachsen im Lebensraum. Zusammen mit unserem Projekt Wir denken Bildung weiter und YoungCaritas im Erzbistum Köln.

Megatrends:

Der Zukunftsdialog wurde eingeleitet durch die Trendforscherin Cornelia Daheim, die im Mix mit einzelnen Videoeinspielungen Prognosen und Einschätzungen abgab.

→ Die Zukunft des Arbeitslebens

→ Bildung

→ Familie und Gesellschaftimage

→ Technologischer Wandel

Film ab! Mit Hilfe eines Power-Votings wurden die Teilnehmer/innen gefragt, zu welchen Einschätzungen sie selbst kommen. Gehen alle Schüler/innen 2020 in eine Ganztagsschule? Wird die Online-Beratung stark zunehmen? Wird es 2020 viel mehr bunt zusammengesetzte Teams (Alter, Professionen, kultureller Hintergrund) geben als heute? Die Ergebnisse des Power Votings haben mich persönlich am meisten überrascht. Sie entsprachen so gut wie gar nicht den Trends. So war das zunächst als Spielerei eingesetzte Instrument, ein wichtiger Indikator für die Veränderungsbereitschaft angesichts wachsender Herausforderungen.

Aktuelle Themen & Trends in der Jugendhilfe:

Ein Trendrad auf dem Boden der Kleingruppen, die bunt durcheinander gewürfelt in sechser Stuhlkreisen zusammen fanden, konkretisierte die Trends für die Kinder- und Jugendhilfe:

  • Inklusion & Vielfalt
  • Familie & Gesellschaft
  • Jugendhilfe & Schule
  • Neue Medien & Onlineberatung
  • Junge Menschen & die Caritas
  • Geld & Lobbyarbeit

imageNach der Mittagspause brachte Poetry Slamer Younes Al – Amayra seine Sicht auf Inklusion und Integration mit einem I-Slam zum Ausdruck und erweiterte damit den Begriff „Inklusives Heranwachsen“ um den Aspekt Vielfalt. Bei den Ergebnissen war die überraschende Erkenntnis, dass sich die meisten Arbeitsgruppen auf das Thema „Jugendhilfe & Schule“ fokussiert hatten, da sich die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass der Ausbau zur Ganztagsschule entscheidende Auswirkungen auf die Lebens- und Lernorte von Kindern und Familien haben werden. Die konkreten Vorschläge werden nun gesichtet und überprüft werden und dann zur Weiterarbeit aufbereitet werden. Abschließend formulierte Raul Krauthausen vor dem Hintergrund des Gehörten und der Ergebnisse des Tages seine Thesen zur Inklusion und in einer munteren Abschlussrunde in Form eines Fishbowles diskutierten die Teilnehmenden über ihre Ansprüche und Wünsche. Der Kreis hatte sich geschlossen. War am Morgen noch mit Frontalunterricht gestartet worden, waren die Stühle nun in drei Reihen ringförmig um die Mitte gestellt, in deren Mitte ein Riesentrendrad und große Sitzwürfel zum Mitdiskutieren einluden. Leitungsebene, Jugendliche, Menschen mit und ohne Behinderung, mit und ohne kulturelle Erfahrung, Frauen und Männer, Alte und Junge diskutierten inklusiv und gaben, wie sie da waren, schon ein Bild davon ab, was in Zukunft normal für Arbeitswelt und Gesellschaft sein könnte.   image

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Wer kommt? – z.B. Gilles Reckinger

Ex-/Inklusion und Jugendsozialarbeit

Der Luxemburger Gilles Reckinger, Professor am Institut für Europäische Ethnologie der Uni Innsbruck, untersuchte unter dem Stichwort „Perspektive Prekarität“ die Wegen benachteiligter Jugendlicher in den Arbeitsmarkt. Bei der Tagung diskutiert er Paradoxien der Selbstmobilisierung Jugendlicher. Zugleich bringt er eine grenzüberschreitende Perspektive ein, denn er hat über Jahre die Situation auf der Insel Lampedusa erforscht und verfolgt derzeit die Arbeitsbedingungen einst auf Lampedusa gelandeter Flüchtlinge in der süditalienischen Landwirtschaft.

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Zukunftskongress der Aktion Mensch.

image Berlin-Tegel. Eiskalter Ostwind. Immerhin, der Weihnachtsbaum in den katholischen Höfen  leuchtet warm und hell, als ich das Hotel erreiche. Ich bin gespannt und neugierig auf den Zukunftskongress der Aktion Mensch. Warum ich hier hinfahre? Aus zwei Gründen: 1. Das Thema Inklusion beschäftigt uns in jeglicher Hinsicht. Wie erhalten Menschen mit Behinderung bessere Zugänge? Physisch und im übertragenen Sinne: zu Bildung, zur Gesellschaft etc. Das Thema Bildung, mit dem wir uns in unserem imageProjekt „Wir denken Bildung weiter“ in diesem Jahr intensiv befasst haben, ist ohne Inklusion nicht mehr zu denken. Und gleichzeitig sind Bildung und Inklusion nicht ohne Vielfalt zu denken. 2. Wir selbst planen für Februar 2015 den Kick-off zu einem Zukunftsdialog mit dem Titel „Inklusives Heranwachsen im Lebensraum“. Ich erhoffe mir einige Inspirationen. Der Veranstaltungsort, die Arena-Berlin, liegt ein Stück entfernt von den katholischen Höfen, aber mit S- und U-Bahn unterwegs zu sein, ist ja auch immer ein klein wenig Geschichtsstunde und so genoss ich die Fahrt und lernte wieder neue Ausblicke und Flecken in Berlin kennen. Die Arena – Berlin stellt sich als eine prima Location für diese Verantaltung heraus. Das liegt nicht nur daran, dass die große Halle barrierefrei ist, sondern auch, dass sie viel Platz und Raum für Austausch und Begegnung gestattet. Das Setting ist so gewählt, dass die Übergänge zwischen dem Plenum und der Begegnungshalle fließend sind und auch die Foren und Meetingpoints ansprechend integriert sind.

Was nehme ich mit?

Alles in allem werden die zwei Tage für mich zu einem Einblick in eine Welt, die längst imageGegenwart sein sollte. Ein Stück gelebte Inklusion. Ich empfinde, dass die Menschen, die sich begegnen, kaum mehr ihre gegenseitige Andersartigkeit empfinden, sondern mehr die Verschiedenheit als Bereicherung erleben. Menschen ausländischer und nichtausländischer Herkunft, mit Behinderung und ohne Behinderung – davon gibt es gar nicht so viele auf der Welt, wenn man die älterwerdende Generation – mich eingeschlossen – berücksichtigt, unterschiedliche Lerntypen etc.

Die Zukunft ist jetzt.

Inklusion ist, wenn wir uns selbstverständlicher begegnen und unsere Unterschiede als Bereicherung erleben. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und liebt Seinesgleichen. Inklusion ist, wenn die Seinesgleichen eine bunte Mischung von Menschen sind.

Eine inklusive Haltung führt zu inklusivem Denken.

Inklusives Denken ist die Voraussetzung für Inklusion. Begegnungsräume verändern sich. Unwillkürlich musste ich bei der Veranstaltungshalle des Kongresses an ein Google-Office denken. Die zunehmende Digitalisierung unserer Arbeitswelten verändert auch unsere Arbeits- und Freiräume. Sie werden barrierefreier. Im übertragenen Sinne und physisch.

Digitalisierung schafft Zugänge.

Allein zwei Foren haben sich mit der Digitalisierung der Lebenswelten befasst. Zum einen bieten technische Hilfen einen zunehmenden Fortschritt zur Erleichterung des Alltags und zum anderen erleichtern sie Kommunikation und Kreativität. eLearning und Blended Learning sind als Methoden schon länger in. Soziale Medien und Apps bieten ganz einfache Lernwege, Netzwerke und Beteiligungsformen. So wurde dann auch lustig losgezwitschert während des Kongresses und ich lernte via Twitter ein paar interessante Menschen kennen wie das @Rollstuhlfräulein oder Raul Krauthausen von den Sozialhelden. Auf Twitter wurde auch eine offene Liste eingerichtet und unter dem hashtag #zki2025 und #inklusion2025 wurde der Verlauf der Veranstaltung munter dokumentiert.

Fazit:

Inklusion leben. Tun wir es nicht, sperren wir uns selbst von dem Reichtum aus, den Vielfalt zu bieten hat. Die neuen medialen Methoden begrüßen. Sie bieten uns und anderen neue Zugänge zu Wissen, Bildung und Information. Neue und leichte Methoden den schwerfälligen Lernformen vorziehen. Warum muss Lernen und Bildung Mühe machen? Es sollte leicht sein und Erfüllung bescheren. Neue Lernorte gestalten. Lernen kann drinnen und draußen, in der Begegnung, im virtuellen Miteinander, im künstlerischen Schaffen, im Sport, auf Reisen und Zuhause geschehen. Keinesfalls ist ein Seminar- oder Schulraum immer die optimale Örtlichkeit. Impressionen: Film. Jetzt ab bitte!! image

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#Inklusion14 (19./20.3.2014)

Der Inklusionsgipfel der UNESCO in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn ist deswegen so interessant, weil er verbindet, was zusammen gehört: Kunst, Bildung, Vielfalt und Internationalität. Und alles macht das Thema Inklusion aus. Wer hier aber gähnend denkt, wie akademisch langweilig, Museumsgeschichte, der wird bald eines Besseren belehrt, wenn der Poetry Slammer Younes Al-Amyra mit  I’Slam überzeugt, dass Tun besser ist als Reden.

Natürlich steht am Anfang aller inklusiven Fragestellungen das Thema Zugänge und hier stellen bereits die Stufen zur Bühne eine erste Barriere dar. Aber Zugänge sind auch in den Köpfen zu finden.

„Es sind die Herzen, die uns verbinden.“ endet DEFA Slammer Dabei Ni.

„Papiere veröffentlichen ist ja schön und gut…“, meint Mrs. Mmantsetsa Marope in ihrem Beitrag. „Aber ernst ist ja nur, was auch tatsächlich gelebt wird. Also lasst die Papiere weg und macht es zu Eurem Arbeits- und Lebensstil!“ Als sie gefragt wird, wann Deutschland seine Ziele umgesetzt haben könnte, sagt sie 2015. „Ihr habt doch alles, was nötig ist.“

Wenn ich eins mitnehme aus dieser Veranstaltung, ist es, dass es auf die Zwischentöne derjenigen ankam, die eingeladen waren, uns musikalisch zu unterhalten. So zum Beispiel auch der Gruppe FEEL SOUNDS. Diese künstlerischen Einlagen sind nicht nur gute Unterhaltung, sondern auch beste Beispiele wie Lernen heute funktioniert.

Eine hervorragende Keynote von Dr. Gordon L. Porter verrät den Schlüssel zum Erfolg: „Die Kinder selbst. Gebt Ihnen die Möglichkeit zusammen zu sein.“

Wie kann inklusive Bildung gelingen?

– Das Kind in den Mittelpunkt stellen.

– Die Eltern einbeziehen. Sie sind die besten Partner in der Frage, was ihr Kind braucht.

– Den Lehrer/innen kompetente Partner/ Pädagogen zur Seite stellen.

– Räume schaffen, die allen Kindern das Lernen leicht macht. Neue Lernorte kreieren.

– Bildung für alle leben. Alle meint alle. Exklusiv oder inklusiv ist keine Frage der Zugänge.
Es ist  eine Frage der Haltung. Auch der Ressourcen.

– Inklusion und Vielfalt zusammen sehen.

– Ein neues Bildungsverständnis entwickeln. Hören, sehen, schmecken, fühlen, sehen. Bildung ist viel  mehr als Wissensvermittlung. Es ist Ausdruck und kreativer Akt, was jedes Kind von Anfang an schafft. Wir müssen sie nur lassen. Der Film Alphabet bringt das eindrucksvoll zum Ausdruck.

Zum Weiterlesen: Bonner Erklärung zur inklusiven Bildung