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Vernetzte Gesellschaft: Lobbyarbeit digital.

Interessenverbände stehen wie alle anderen Organisationen vor großen Herausforderungen, wenn sie sich dem digitalen Wandel stellen wollen.

Alle Arbeitsbereiche sind davon betroffen. Die Praxis erreicht ihre Klienten mittlerweile besser über das Internet als über klassisches Streetwork und bietet Chatberatung für Schwangere, mobile Straßenzeitungen oder Fachkräfteportale für Pflegeberufe an.

Aber auch und besonders die Spitzenverbände sind gefordert, nicht nur Vorreiter/innen zu sein, sondern auch ihre Kernarbeit zu verändern.

Zu den Kernaufgaben von Spitzenverbänden gehören: Information und Beratung ihrer Mitglieder, Fördermittelakquise und Fundraising, Fort- und Weiterbildung, Öffentlichkeitsarbeit und in erster Linie sozialpolitische Interessenvertretung.

Paradigmenwechsel.

Und genau hier, in der sozialpolitischen Interessenvertretung, zeichnet sich gerade ein Paradigmenwechsel ab.

Sozialpolitische Interessenvertretung geschieht in Verbänden seit ihrer Entstehung in Gremien. Analog den Strukturen, die wir auch aus der Politik kennen, stimmen sich Menschen in Landes- und Bundesarbeitsgemeinschaften ab und bearbeiten in aufwändigen Prozessen wichtige Positionen.

Die Schnelllebigkeit der Zeit bewirkt gleichzeitig, das macht uns die Politik vor, dass politische Entscheidungsprozesse mittlerweile auch auf anderen Kanälen zustande kommen.

Die amerikanischen Wahlkämpfe belegen das mit guten und schlechten Beispielen wie Wahlkämpfe überhaupt. Aber nicht nur das. Auch Koalitionsverhandlungen und Gesetzgebungsverfahren finden mittlerweile im Internet statt.

Beispiel Kinder- und Jugendhilfereform.

Im Jahr 2016 stand eine große Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (Sozialgesetzbuch VIII) auf der politischen Agenda, die sogenannte „große Lösung“, die darauf abzielte, dass Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung in das Sozialgesetzbuch VIII aufgenommen werden. Endlich eine Gleichbehandlung aller Kinder und Jugendlicher! Dafür waren wir auch als Verbände der Freien Wohlfahrtspflege. Aber nicht zu den Rahmenbedingungen, die damals politisch gewollt waren.

Das Gesetzgebungsverfahren rollte interessanterweise auch gar nicht im klassischen Sinne an, heißt, es gab keinen „Referentenentwurf“, der dann wie immer, den Interessenverbänden hätte vorgelegt werden müssen. Es gab ein Diskussionspapier. Hört sich unverfänglich an. Manche Vertreter/innen von Wohlfahrtsverbänden verweisen daher darauf, dass sie warten würden, bis der Referentenentwurf da wäre.

Zu befürchten war, dass das Gesetz in einem Eilverfahren durchgesetzt würde, damit es noch in der aktuellen Legislaturperiode als Ergebnis gewertet würde. Solche Schnellschüsse vergleichbar der Arbeitsmarktreform im Jahr 2002, die unmittelbar vor Weihnachten am 23.12. durch den Bundestag eilte und im Nachgang erhebliche Mängel zeigte, sollten vermieden werden.

Daher hatte sich im Netz eine Gruppe gefunden, die sich zügig zu den SGB VIII Reformen ausgetauscht hatte – ich hatte u.a. über die Knackpunkte des Vorhabens gebloggt – und wir haben mit darauf hin gewirkt, dass noch vor dem möglichen Referentenentwurf eine Einladung an die Interessenverbände ins Ministerium erfolgte und das Gesetz in der Tragweite, die befürchtet wurde, verhinderte.

Ein aktuelles Beispiel ist das Bundesteilhabegesetz:

Lobbyarbeit 4.0.

Wie sieht sie denn dann nun aus, die Lobbyarbeit 4.0? Sind die alten Gremien vollständig out? Nein, sind sie nicht. Sie sind neben einer Reihe anderer Maßnahmen wertvolle Instrumente.

Aber die Meinungsbildung hat sich verändert. Auch in der klassischen Verbandsarbeit finden und fanden, genau wie in jeder Politik, Seitengespräche statt, die Meinungsbildungen befördern. Diese Meinungsbildungsprozesse finden mittlerweile auch im Internet statt und es ist hier sehr viel schneller möglich, sich mit Entscheidungsträgern zu vernetzen. Ganz unkompliziert diskutieren hier Expert/innen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft miteinander und fördern damit auch Prozesse.

Arbeiten 4.0.

Mobiles Arbeiten verlangt andere Abstimmungsformen. Eine neue Zeitsouveränität ist gefragt. Für Führungskräfte ist in Bezug auf Ihre Mitarbeitende die Stärkung von Netzwerk- und Dialogkompetenz und Ermutigung statt Kontrolle angesagt.

Quelle: Telekom

Twitter.

Nicht nur der amerikanische Wahlkampf auch die deutschen Politiker/innen wissen mittlerweile um die Bedeutung von Twitter, wenn es um Kommunikation, Austausch von Papieren aus Koalitionsverhandlungen und Meinungsbildung geht. Aber nicht nur die Politik – unterm Strich tummeln sich die deutschen Intellektuellen aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft in diesem Netzwerk, weil es in Bezug auf Themen, Wissensmanagement und Kommunikation deutlich bessere Voraussetzungen als andere Netzwerke bietet und damit auch gerne für die Pressearbeit und den Fernsehjounrnalismus genutzt wird. Häufig heißt es ja in den Nachrichten mittlerweile: XY hat getwittert.., Facebookposts werden dagegen eher in Promimagazinen gezeigt.

Da ich selbst eine Weile gebraucht habe, das Netzwerk zu ergründen, habe ich meine Erfahrungen in einer Anleitung für Twitter aufgeschrieben.

Wissensmanagement.

Während wir gefühlt gerade unser Ablagesystem in Papierform in unsere EDV-Ablage umorganisieren, ohne dabei wesentliche innovative Strukturen zu entwickeln, erfordert Lobbyarbeit 4.0 ganz neue Wege des Wissensmangagement.

Ich organisiere meine Dateien mittlerweile hauptsächlich über E-Mails und Clouds. Das geht nicht in allen Arbeitsbereichen. Aber je mobiler wir werden, umso notwendiger ist es.

So sehr ich die Tageszeitung aus Papier immer noch liebe, benutze ich sie nicht mehr, weil ihre Information weit hinter den Aktualitäten her hinkt. Ich organisiere Onlineartikel über einen RSS Reader, aus denen heraus ich auch sofort twittern kann. Und Twitter selbst ist eine wesentliche Informationsquelle. Besonders die Hashtags bieten gute Sortierungsmöglichkeiten und neue Quellen und Expert/innen, denen ich folge.

Vernetzung & Kommunikation.

Was eigentlich genau bedeutet Vernetzung? Vernetzung ist so alt wie die Verbandsarbeit selbst und noch viel älter. Freundschaften, Seilschaften und Interessengruppen gab es schon immer. Von daher gilt das auch für digitale Netzwerke.

Ungewohnt für unsere deutsche Mentalität ist der öffentliche Diskurs. Hier ist gute Kommunikation und ein Stück Medienkompetenz erforderlich. Als Kompetenzprofil der Verbandsarbeit zukünftig nicht mehr weg zu denken.

Die digitale und analoge Vernetzung greift ineinander. Das digital soziale Netzwerk ist mittlerweile eine Art Adrema. Begegnungen und Kontakte mit denen ich auch über Netzwerke beständig in Verbindung sein kann, sind mental eher präsent als andere.

Agile Organisation.

Befasst man sich mit den Megatrends einer zukünftigen Organisationskultur, so gibt es Szenarien, die von der Peer-to-Peer Arbeit statt Hierarchiearbeit bis hin zu Auflösungen von Organisationsstrukturen denken. Klar ist, dass sich die Organisationsstruktur der neuen Arbeitskultur anpassen muss. Für eine gelingende Lobbyarbeit 4.0 bedeutet das eine Qualifizierung der Informations- und Kommunikationsarbeit quer durch die Organisation.

Unterm Strich.

Menschen, die sich überwiegend ausserhalb der digitalen sozialen Netzwerke bewegen, verpassen die Chance einer modernen digital sozialen Lobbyarbeit, die nicht nur den Vorteil hat, wirkungsvoll Meinungsbildungsprozesse mitgestalten zu können, sondern auch den damit einhergehenden Modernisierungsbedarf für ihre Organisationen zu erkennen.

Lobbyarbeit 4.0 bedeutet einen Kulturbruch mit der bisherigen klassischen Verbändearbeit und einen Paradigmenwechsel für die Zukunft der Arbeit von Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege.

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Ein Blick in die Zukunft: Verbandsarbeit 2020.

tricornsIn den Anfängen war es eine kleine Community, die sich in den sozialen Netzwerken tummelte. Alle waren von einer Art Goldfieber gepackt. Neugierde und Abenteuerlust, die neue Welt zu entdecken, überflügelten Hierarchien und Barrieren. Die Pioniere ließen sich von denen draußen nicht aufhalten, denn einmal dabei, witterten sie die Chancen, die in den neuen Kommunikationsformen lagen. Es wurde geliket, gescherzt, kommentiert, diskutiert, gelacht. Allmählich kehren die Akteur/innen nun zur gewohnten professionellen Tagesordnung zurück. Die Profile werden profilierter. Die sozialen Medien vielfältiger. Der Einzelne überlegt gezielter, wo er oder sie etwas veröffentlicht.

Die Pionierphase ist abgeschlossen. Die Grenzen von Facebook sind erreicht. Und war ich früher von google+ wegen seiner vermeintlichen Rückständigkeit gelangweilt, weiß ich es heute wegen seiner eher nüchternen Sachlichkeit mehr zu schätzen.

Und dennoch weigere ich mich vor Festlegungen. Denn die sozialen Medien sind in Bewegung. Was heute hipp ist, kann morgen out sein oder anderen Zwecken dienen. Aktuell gefällt mir neben Twitter Instagram am besten. Warum? Instagram verkörpert eine leichte, moderne Art der Kommunikation, die durch die Beschränkung auf eine einziges Bild doch einen starken Ausdruck haben kann. Ähnlich wie Twitter. Du hast nur 140 Zeichen. Genial! Kampagnenfähig. Und profiliert.

Eine wirkliche Zukunft schreibe ich dem Blog zu. In den USA hat es normale Zeitungen längst abgelöst. Und wenn Zeitung, dann bitte im Blogstil, wofür die Huffington Post ein gutes Beispiel ist.

Wohin also geht es für uns Non-Profits? Insbesondere für die Verbändearbeit?

Wissensarbeit.

“Wissensarbeiter arbeiten zumeist problembezogen. Sie finden neuartige Lösungen für bekannte Probleme und/oder behandeln bislang unbekannte Fragestellungen. Dafür benötigen sie eine erhöhte Problemlösungskompetenz und die Fähigkeit, mit Komplexität umzugehen. Es kann aber durchaus auch bei Wissensarbeit der Fall eintreten, dass ein Problem als solches noch gar nicht erkannt oder definiert wäre. Gerade in kreativen und explorativen Bereichen wird der Problemraum erst durch die Arbeit erschlossen.“ Manfred Kofranek

Zum Weiterlesen:  Blog Wissensarbeiter .

Im Rahmen einer Blogparade ist ein lesenswertes eBook zu den notwendigen Rahmenbedingungen von Wissensarbeit entstanden.

 

Interessenvertretung 2.0

Die Aufgabe von Verbänden ist es, ihren Mitglieder  für ihre Arbeit nützliche Trends und Informationen aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen. Dafür gibt es landläufige (elektronische) Infodienste, Printmedien und Webseiten. Zieht man die neuen Medien hinzu, ist das Potential bei Weitem noch nicht ausgeschöpft, denn die traditionellen Dienste sind a) bereits zu langsam und b) in den seltensten Fällen interaktiv. Das Web 2.0 aber ist interaktiv. Der Nutzer ist es gewohnt, zu teilen, zu verlinken, Politikern und Kirchenvertreter/innen bis hin zum Papst zu folgen und ist so teilweise näher am Geschehen dran als wir. Ausserdem: Allgemeine Informationen sind gar nicht so interessant. Viel interessanter ist, was geschieht im Prozess? Im politischen Prozess? Wo ist die Diskussion um ein Gesetz gerade? Wo kann man und frau noch mit diskutieren? Sich einmischen? Die Auswirkungen auf die Praxis als Kommentar beschreiben?

Es braucht eloquente Akteur/innen, die in den neuen Medien unterwegs sind, informieren, diskutieren, sich einmischen, mit Politikern twittern, Infos zeitnah weitergeben, in Gruppen (Xing, Facebook, google+) Themen wiedergeben und diskutieren, Blogs schreiben und Kampagnen auf Instagram begleiten.

Online-Beratung.

Die konzeptionelle Beratung spielt eine Rolle. Wie werden Beratungsdienste finanziert? Welche Professionen brauchen die Beschäftigten? Wie muss die Einrichtung räumlich gestaltet sein etc. Soweit so gut. Jedoch, die Klienten finden ihre Wege, je jünger sie sind, umso weniger durch eine reale Aufsuchstruktur, sie werden auch nicht lange im Internet recherchieren, sie finden sie durch Empfehlung oder, weil sie dort sind, wo sie selbst auch sind. In der virtuellen Welt. Was steht also an Aufgabe an?

Auf- und Ausbau der Onlineberatung, Auf- und Ausbau der Chatangebote, Entwicklung von Kampagnen zur Werbung für die Angebote in den verschiedenen Netzwerken, Nutzung unterschiedlichster Kanäle zur Verbreitung der Angebote, Schulung von Peergroups, die direkt mit den Nutzern in Kontakt treten können.

eLearning & EdTech

Die Fort- und Weiterbildung ist ein Kerngeschäft der Verbändearbeit. Wo geht es mit ihr hin? Begriffe wie Blended Learning und eLearning weisen den Weg. Menschen sind mobil. Unterwegs. Universitäten, Bibliotheken, Blogger richten sich darauf ein. Es ist gar nicht mehr unbedingt die Institution selbst, das Gebäude, in dem Bildung stattfindet. Es ist die Kompetenz, die zählt. Und das passgenauen Medium: eBook, der online-Kurs, das Lerntool, das Klassenzimmer via Skype. Lern- und Arbeitsräume werden vielfältiger. Flexibler. Können drinnen und draußen sein.

Fundraising via Internet.

Soziales Netzwerken gehört (bald) so selbstverständlich zu unseren Kommunikationsformen wie Telefonieren, Briefe schreiben und eMailen. Medienkompetentes Verhalten wird zu einer Kernkompetenz und sollte in jedem kleineren oder größeren Team vorhanden sein.

Fundraisern ist dies schon seit längerem bewusst. Fundraising, eine Aufgabe, die älter als ihr Name ist, ist ohnehin nicht ohne Medien ausgekommen. 

Ob es die Aquise von Stiftungsmitteln, die Beantragung von EU-Geldern oder Corporate Social Responsibility ist, eine Sensibilität für Öffentlichkeitsarbeit, soziales Netzwerken und gute Verbindungen spielen hier eine wichtige Rolle. Also, die Aktivitäten, die sich durch das soziale Vernetzen beschleunigen und verbessern lassen. 

Social Recruiting.

Die Not in Deutschland wird größer, das zeigt die Arbeit in unseren Diensten und Einrichtungen tagtäglich. Der 14. Kinder- und Jugendbericht wies nach, dass ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland unter schlechten Rahmenbedingungen heranwachsen. Keine ausreichende Bildung. Sozial schwierige Verhältnisse.

Gleichzeitig wird bis Mitte 2025  die Zahl der jungen Heranwachsenden, die dann unsere zukünftigen Mitarbeitenden sein werden, drastisch weniger werden.

Die Zahl der Interessierten für den Sozial- und Gesundheitssektor müsste sich verdoppeln, wollten wir genug Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in den Diensten und Einrichtungen haben.

Was also tun? Dort unterwegs sein, wo sich junge Menschen aufhalten. Online. Und zwar mit Menschen, die diese Altersgruppe verstehen und anzusprechen wissen. Ein gutes Beispiel hierfür sind Young Caritas Deutschland und Soziale Berufe kann nicht jede/r.

Zum Weiterlesen: Social Media Recruiting Studie 2015.

Trendscouting.

Wohin geht es in Zukunft? Da bieten die sozialen Medien tagtäglich eine Fülle an Informationen. Hier die Nase in die Luft zu halten, zu wittern, was angesagt sein wird, zu prüfen, ob es ein Weg ist, der einzuschlagen ist, ist mit eine zentrale Aufgabe.

Die traditionellen Verbändeaufgaben gehen online. Die erforderlichen Kompetenzen ändern sich. 

Karrierebibel nennt 8 Eigenschaften, die Mitarbeitende im Jahr 2020 haben müssen. Heißt also jetzt schulen, weiterbilden, fündig werden. Denn die Zukunft beginnt heute.

 

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Praxisbeispiele

und

Social Media A – Z.

 

 

 

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Nichts wird mehr wie vorher sein: Wie die aktuelle Krise die soziale Arbeit verändert.

Oh Gott, sie hat das Wort Krise in den Mund genommen. Das soll man doch nicht, ist doch nicht politisch korrekt. Wie konnte sie das nur tun! Aber was bedeutet das Wort Krise eigentlich? „Höhepunkt, Wendepunkt einer gefährlichen Lage; entscheidender Abschnitt einer schwierigen Situation“ steht im Duden. Also, alles ist gut. Denn jetzt befinden wir uns wahrscheinlich, hoffentlich, am Wendepunkt. Krisenhaft sind nicht die Zuwanderer, die in unser Land kommen. Krisenhaft sind unsere gesellschaftlichen Voraussetzungen und unsere gesellschaftlichen Systeme, die nicht ausreichend schnell auf die Veränderungen reagieren können.

Was ist passiert? Täglich erreichen viele tausend Menschen das Land. Menschen auf der Flucht. Zuwanderer. Junge Menschen und ihre Familien. Angesichts der Demografie Deutschlands eigentlich gar nicht so schlecht. Und Deutschlands junge Menschen zeigen ein wohltuendes Gesicht einer freundlichen Willkommenskultur! Denn sie sind engagiert, gebildet, kennen sich durch Auslandsaufenthalte in der Welt aus. Sie sind neugierig und offen und die vermeintlichen Fremden sind gar nicht so fremd, da die Welt globaler, näher aneinander gerückt, schlicht bekannt ist.

Diese jungen Menschen zeigen uns, wo es lang geht. Die ganze Theorie über die Generation Y wird plötzlich zur erfolgreichen Praxis.

Das aber hat Auswirkungen auf unsere Systeme, denn die schleppen da noch etwas hinterher. Die Unkompliziertheit des jugendlichen Welcomes, der damit einhergehende Schwung, hat die Systeme, die die Krise zu bewältigen haben, noch nicht erreicht. Hier herrschen noch andere Kulturen. Aber von einem Tag auf den anderen müssen wir, schon länger in Deutschland Lebenden, uns umstellen, insbesondere die Systeme, die gerade dabei sind, in der aktuellen Notsituation professionelle Hilfe zu leisten, und die Systeme, die dabei sind, den Inklusionsprozess vorzubereiten. Gerade in der Kinder- und Jugendhilfe sind hier gute Gelingenschancen. Denn Kinder- und Jugendliche betrachten einander als Kinder- und Jugendliche ungeachtet ihrer kulturellen Herkunft.

Von jungen Menschen lernen

Jetzt müssen nur noch die Systeme hinter her kommen. Und wie? Tja, da gilt es wohl ein paar Versäumnisse auf zu holen.

  • Sich thematisch real und virtuell vernetzen.
  • Interreligiöse und interkulturelle Kompetenzen ausbilden.
  • Arbeitsfeldübergreifend zusammen arbeiten.
  • Neue Formen von adhoc Treffen beflügeln
  • Menschen zusammen bringen, die zusammen arbeiten wollen.

Soziale Arbeit der (nahen) Zukunft

Und wie wird also die Zukunft aussehen? So wie es manche Experten schon länger voraussagen, aber alles wird ein wenig schneller gehen.

  • Bildung wird modularer, digitaler und individueller.
  • Organisationen werden bunter.
  • Soziale Arbeit wird vernetzter und projektierter.
  • Qualitätssicherung wird eine Renaissence erleben.
  • Kreative Lernende Organisationen werden Change Maker.

Die deutschen Jugendhilfe- und Bildungsstrukturen sind gerade jetzt der Garant und der Erfolgsfaktor. Ohne sie wird der notwendige Inklusionsprozess nicht gelingen. Die erfahrenen Mitarbeitenden werden gebraucht, die mit einer gewissen Ruhe Ordnung hereinbringen können und, wenn sie sich gleichzeitig dem Schwung der Jüngeren öffnen, wird ein frischer Wind durch die Organisationen wehen, der aus der Krise eine gelingende Zukunft, anders, moderner und wohlmöglich noch effizienter, wachsen lässt.

 

 

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Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft (Interview)

Hendrik Epe hat in seinem Blog eine Interviewreihe zur Zukunft der Arbeit in sozialen Organisationen gestartet. Spannende Fragen, denen ich mich gerne gestellt habe. Lest selbst!

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Ist es Zeit für einen Club of Rome der sozialen Arbeit?

Hendrik Epe hat in seinem Blog einen grundlegenden Beitrag über die Risiken des Wandels der Arbeitswelt geschrieben und veröffentlicht, in dem er gleich zu Beginn auf die wesentlichen Merkmale hinweist:

  • Leere Kassen?
  • Noch mehr befristete Verträge, wenn überhaupt?
  • Arbeitsnomaden in der Sozialwirtschaft?
  • Qualitätsverfall?
  • Nur noch digital?

Ich empfehle jeder/jedem den Artikel zu lesen und will hier die fünf Punkte benennen, die Hendrik Epe problematisiert, weil sie Ausgangspunkte weiterer Überlegungen sind:

  1. Die Ausbildung für soziale Arbeit ist nicht zeitgemäß.
  2. Organisationen der Sozialwirtschaft sind nicht auf die Bearbeitung von Komplexität ausgelegt.
  3. Die Finanzierung sozialer Arbeit ist nicht auf Innovation ausgelegt.
  4. Der Fachkräftemangel existiert real.
  5. Die Ökonomisierung sozialer Arbeit wird nicht abnehmen, wenn wir nichts dagegen tun.

Mir ist durch diesen Beitrag die Dimension der Entwicklungen deutlich geworden und ich habe mich gefragt, ob wir uns diese Entwicklung als Gesellschaft leisten wollen und können. Durch meine langjährige Europaarbeit habe ich Gesellschaftssysteme erlebt, die aufgrund einer unzureichenden Sozialpolitik ganze Bevölkerungsgruppen abgehängt haben, was volkswirtschaftlich betrachtet eine Katastrophe ist, da es mittel- und langfristig die ganze Gesellschaft betrifft. Im Großen erleben wir das gerade an der Europäischen Union selbst.

Diese Überlegungen vor Augen dachte ich spontan darüber nach, ob es nicht an der Zeit ist, einen Club of Rome für die soziale Arbeit zu gründen.

Was tut der Club of Rome eigentlich?

Der Club of Rome wurde ursprünglich 1968 als ein informeller Zusammenschluss von unabhängigen Führungspersönlichkeiten aus der Politik, Unternehmen und Wissenschaft gegründet, Männer und Frauen, die mittels einer Denkfabrik (Think Tank) zur Zukunftsfähigkeit unseres Planeten beitragen wollten.

Die Ziele sind:

  • die massivsten Probleme, die die Zukunft der Menschheit bestimmen, zu identifizieren
  • Prognosen zu liefern
  • Sie evaluieren alternative Szenarien der Zukunft und ihre Risiken, Chancen und Möglichkeiten.
  • Sie entwickeln und empfehlen praktische Lösungen bezogen auf die identifizierten Herausforderungen.
  • Sie kommunizieren die neuen Einsichten und das Wissen dieser Analysen zu Entscheidungsträgern im öffentlichen und privaten Sektor sowie zur Öffentlichkeit
  • und regen eine öffentliche Debatte und effiziente Aktionen an, um die Aussichten für die Zukunft zu verbessern.

Während der Club of Rome sich in seinen Anfangsjahren mit Umweltfragen und Nachhaltigkeit befasst hat, fokussiert er heute in seinen neuen Programmen auf neue Formen des Wirtschaftens, die realen Wohlstand und Wohlbefinden produzieren, die nicht unsere natürlichen Ressourcen angreifen und sinnstiftende Arbeitsplätze bieten sowie ausreichendes Einkommen für alle.

Der Club of Rome besteht heute aus  100 Mitgliedern; über 30 nationalen and regionalen Verbänden; Internationalen und europäischen Zentren und einer Stiftung, die Individuen und Projekte des Clubs unterstützt.

Und warum für die soziale Arbeit?

Die von Hendrik Epe problematisierten Punkte beschreiben eine Entwicklung, die beschleunigt die Gesellschaft betrifft, aber nicht zusammen gesehen oder gesteuert wird. Es geschieht einfach. Es gibt zwar eine Reihe Institute, die sich mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts beschäftigen, aber bisher kann ich nicht erkennen, dass die oben beschriebenen Entwicklungen: leere Kassen, Ausbildung, Arbeit und Digitalisierung an einer Stelle zusammen gesehen und beschrieben bzw. Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt beachtet werden.

Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist die große Herausforderung für unsere aktuelle und zukünftige Daseinsvorsorge.

Aufgrund der aktuellen technologischen und sozialen Entwicklungen ist zur Zeit davon auszugehen, dass Menschen aufgrund ihrer sozialen Lebenssituation von der Gesellschaft ausgegrenzt, ausgeschlossen und letztlich abgehängt werden. Bildung ist die Grundvoraussetzung für gute Lebensstandards. Und dennoch lässt unsere Gesellschaft es zu, dass junge Menschen aus einkommensschwachen Haushalten schlechtere Schulabschlüsse haben als andere.

Wie wird soziale Arbeit zukünftig organisiert?

Wenn man sich die Entwicklungen in der Sozialwirtschaft so anschaut, dann stellt sich die Frage in welcher Form soziale Arbeit in Zukunft erbracht werden wird. Dafür gibt es heutzutage schon eine Reihe exzellenter Beispiele. Projekte wie etwa von Raul Krauthausen mit seinen Sozialhelden und wheelmap.org. Übrigens gleichzeitig ein gutes Beispiel wie Internetfirmen, social media, Apps und Projekte zusammen wirken, sich vernetzten.

Bei der europäischen Union wurde lange dafür gekämpft, dass die sozialen Dienste als reguläre Dienste der Daseinsvorsorge gesehen werden. In einer Studie des Wirtschafts- und Sozialauschusses der Europäischen Union mit dem Titel Die Sozialwirtschaft in der Europäischen Union, die 2012 veröffentlicht wurde, wird zwischen vier Formen unterschieden:

1. Der dritte Sektor als Synonym für Sozialwirtschaft,

2. das Konzept der Non-Profit-Organisationen,

3. das Konzept der Solidarwirtschaft und

4. das Konzept der Sozialunternehmen.

Wie arbeiten Menschen zukünftig (zusammen)?

Wir können zusehen wie sich die Arbeitswelt verändert. Es scheint darauf hinaus zu laufen, dass im sozialen Bereich Projekte, Start ups, Initiativen und social entrepreneurs gleichberechtigt neben traditionellen Einrichtungen existieren, diese möglicherweise beflügeln und eine Art Innovationsgarantie darstellen.

10394129_10203198861366898_7842365026040623767_nDiese Verbindungen können sogar enorm fruchtbar sein, wenn sie Unternehmenskooperationen eingehen. Vielleicht wird es sogar darauf hinaus laufen, dass traditionelle Organisationen, die Teil einer für die Gesellschaft existentiell wichtigen Daseinsvorsorge sind, hierzu zählen Kitas, Schulen, Offener Ganztag, außerschulische Jugendhilfe, ambulante, (teil-) und stationäre Jugendhilfe – im Grunde alle Einrichtungen, in denen Bildung und Erziehung statt findet – , neue Arbeitsformen entwickeln, die sich an den oben genannten orientieren.

Eine kürzlich abgeschlossene Blogparade hat zum Thema Wissensarbeit eine gute Zusammenschau des Arbeitsstils- und -bedarfs von Wissensarbeitern zusammengestellt.

Auf welche Kernkompetenzen wird es zukünftig ankommen?

  • Innovationsfreude
  • Flexibilität
  • (digitale) Vernetzung
  • (individuelles) Wissensmanagement
  • (digitale) Kommunikationsfähigkeiten
  • Social Media Arbeit (nicht nur Kompetenz)
  • Projekte (zielorientiert, experimentierfreudig, leicht umsetzbar)
  • Start up Projekte initiieren
  • Unternehmenskooperationen verhandeln und eingehen können
  • Barcamps  als neuen Konferenzstil praktizieren
  • (öffentlichkeitswirksamer) Botschafter für bestimmte Themen zu sein

 Fazit

Was heißt das nun für die von Hendrik Epe beschriebenen Ausgangspunkte?

Ja, es braucht Leute, die das Digitale und das Soziale zusammen denken, weil sich hieraus der größte Fortschritt ergeben wird. Das Digitale und Soziale zusammen zu denken ist einer der neuen Bildungsaufträge, genauso wie die Integration der sozialen Arbeit in Bildung.

Es braucht eine Instanz, die Ausbildung, Organisationsformen, Finanzierungsmodalitäten und Auswirkungen der Ökonomisierung im Blick hält und Impulse gibt, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.

Was denkt ihr?