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Zukunft der Arbeit in Organisationen der Sozialwirtschaft (Interview)

Hendrik Epe hat in seinem Blog eine Interviewreihe zur Zukunft der Arbeit in sozialen Organisationen gestartet. Spannende Fragen, denen ich mich gerne gestellt habe. Lest selbst!

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Ist es Zeit für einen Club of Rome der sozialen Arbeit?

Hendrik Epe hat in seinem Blog einen grundlegenden Beitrag über die Risiken des Wandels der Arbeitswelt geschrieben und veröffentlicht, in dem er gleich zu Beginn auf die wesentlichen Merkmale hinweist:

  • Leere Kassen?
  • Noch mehr befristete Verträge, wenn überhaupt?
  • Arbeitsnomaden in der Sozialwirtschaft?
  • Qualitätsverfall?
  • Nur noch digital?

Ich empfehle jeder/jedem den Artikel zu lesen und will hier die fünf Punkte benennen, die Hendrik Epe problematisiert, weil sie Ausgangspunkte weiterer Überlegungen sind:

  1. Die Ausbildung für soziale Arbeit ist nicht zeitgemäß.
  2. Organisationen der Sozialwirtschaft sind nicht auf die Bearbeitung von Komplexität ausgelegt.
  3. Die Finanzierung sozialer Arbeit ist nicht auf Innovation ausgelegt.
  4. Der Fachkräftemangel existiert real.
  5. Die Ökonomisierung sozialer Arbeit wird nicht abnehmen, wenn wir nichts dagegen tun.

Mir ist durch diesen Beitrag die Dimension der Entwicklungen deutlich geworden und ich habe mich gefragt, ob wir uns diese Entwicklung als Gesellschaft leisten wollen und können. Durch meine langjährige Europaarbeit habe ich Gesellschaftssysteme erlebt, die aufgrund einer unzureichenden Sozialpolitik ganze Bevölkerungsgruppen abgehängt haben, was volkswirtschaftlich betrachtet eine Katastrophe ist, da es mittel- und langfristig die ganze Gesellschaft betrifft. Im Großen erleben wir das gerade an der Europäischen Union selbst.

Diese Überlegungen vor Augen dachte ich spontan darüber nach, ob es nicht an der Zeit ist, einen Club of Rome für die soziale Arbeit zu gründen.

Was tut der Club of Rome eigentlich?

Der Club of Rome wurde ursprünglich 1968 als ein informeller Zusammenschluss von unabhängigen Führungspersönlichkeiten aus der Politik, Unternehmen und Wissenschaft gegründet, Männer und Frauen, die mittels einer Denkfabrik (Think Tank) zur Zukunftsfähigkeit unseres Planeten beitragen wollten.

Die Ziele sind:

  • die massivsten Probleme, die die Zukunft der Menschheit bestimmen, zu identifizieren
  • Prognosen zu liefern
  • Sie evaluieren alternative Szenarien der Zukunft und ihre Risiken, Chancen und Möglichkeiten.
  • Sie entwickeln und empfehlen praktische Lösungen bezogen auf die identifizierten Herausforderungen.
  • Sie kommunizieren die neuen Einsichten und das Wissen dieser Analysen zu Entscheidungsträgern im öffentlichen und privaten Sektor sowie zur Öffentlichkeit
  • und regen eine öffentliche Debatte und effiziente Aktionen an, um die Aussichten für die Zukunft zu verbessern.

Während der Club of Rome sich in seinen Anfangsjahren mit Umweltfragen und Nachhaltigkeit befasst hat, fokussiert er heute in seinen neuen Programmen auf neue Formen des Wirtschaftens, die realen Wohlstand und Wohlbefinden produzieren, die nicht unsere natürlichen Ressourcen angreifen und sinnstiftende Arbeitsplätze bieten sowie ausreichendes Einkommen für alle.

Der Club of Rome besteht heute aus  100 Mitgliedern; über 30 nationalen and regionalen Verbänden; Internationalen und europäischen Zentren und einer Stiftung, die Individuen und Projekte des Clubs unterstützt.

Und warum für die soziale Arbeit?

Die von Hendrik Epe problematisierten Punkte beschreiben eine Entwicklung, die beschleunigt die Gesellschaft betrifft, aber nicht zusammen gesehen oder gesteuert wird. Es geschieht einfach. Es gibt zwar eine Reihe Institute, die sich mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts beschäftigen, aber bisher kann ich nicht erkennen, dass die oben beschriebenen Entwicklungen: leere Kassen, Ausbildung, Arbeit und Digitalisierung an einer Stelle zusammen gesehen und beschrieben bzw. Folgen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt beachtet werden.

Der gesellschaftliche Zusammenhalt ist die große Herausforderung für unsere aktuelle und zukünftige Daseinsvorsorge.

Aufgrund der aktuellen technologischen und sozialen Entwicklungen ist zur Zeit davon auszugehen, dass Menschen aufgrund ihrer sozialen Lebenssituation von der Gesellschaft ausgegrenzt, ausgeschlossen und letztlich abgehängt werden. Bildung ist die Grundvoraussetzung für gute Lebensstandards. Und dennoch lässt unsere Gesellschaft es zu, dass junge Menschen aus einkommensschwachen Haushalten schlechtere Schulabschlüsse haben als andere.

Wie wird soziale Arbeit zukünftig organisiert?

Wenn man sich die Entwicklungen in der Sozialwirtschaft so anschaut, dann stellt sich die Frage in welcher Form soziale Arbeit in Zukunft erbracht werden wird. Dafür gibt es heutzutage schon eine Reihe exzellenter Beispiele. Projekte wie etwa von Raul Krauthausen mit seinen Sozialhelden und wheelmap.org. Übrigens gleichzeitig ein gutes Beispiel wie Internetfirmen, social media, Apps und Projekte zusammen wirken, sich vernetzten.

Bei der europäischen Union wurde lange dafür gekämpft, dass die sozialen Dienste als reguläre Dienste der Daseinsvorsorge gesehen werden. In einer Studie des Wirtschafts- und Sozialauschusses der Europäischen Union mit dem Titel Die Sozialwirtschaft in der Europäischen Union, die 2012 veröffentlicht wurde, wird zwischen vier Formen unterschieden:

1. Der dritte Sektor als Synonym für Sozialwirtschaft,

2. das Konzept der Non-Profit-Organisationen,

3. das Konzept der Solidarwirtschaft und

4. das Konzept der Sozialunternehmen.

Wie arbeiten Menschen zukünftig (zusammen)?

Wir können zusehen wie sich die Arbeitswelt verändert. Es scheint darauf hinaus zu laufen, dass im sozialen Bereich Projekte, Start ups, Initiativen und social entrepreneurs gleichberechtigt neben traditionellen Einrichtungen existieren, diese möglicherweise beflügeln und eine Art Innovationsgarantie darstellen.

10394129_10203198861366898_7842365026040623767_nDiese Verbindungen können sogar enorm fruchtbar sein, wenn sie Unternehmenskooperationen eingehen. Vielleicht wird es sogar darauf hinaus laufen, dass traditionelle Organisationen, die Teil einer für die Gesellschaft existentiell wichtigen Daseinsvorsorge sind, hierzu zählen Kitas, Schulen, Offener Ganztag, außerschulische Jugendhilfe, ambulante, (teil-) und stationäre Jugendhilfe – im Grunde alle Einrichtungen, in denen Bildung und Erziehung statt findet – , neue Arbeitsformen entwickeln, die sich an den oben genannten orientieren.

Eine kürzlich abgeschlossene Blogparade hat zum Thema Wissensarbeit eine gute Zusammenschau des Arbeitsstils- und -bedarfs von Wissensarbeitern zusammengestellt.

Auf welche Kernkompetenzen wird es zukünftig ankommen?

  • Innovationsfreude
  • Flexibilität
  • (digitale) Vernetzung
  • (individuelles) Wissensmanagement
  • (digitale) Kommunikationsfähigkeiten
  • Social Media Arbeit (nicht nur Kompetenz)
  • Projekte (zielorientiert, experimentierfreudig, leicht umsetzbar)
  • Start up Projekte initiieren
  • Unternehmenskooperationen verhandeln und eingehen können
  • Barcamps  als neuen Konferenzstil praktizieren
  • (öffentlichkeitswirksamer) Botschafter für bestimmte Themen zu sein

 Fazit

Was heißt das nun für die von Hendrik Epe beschriebenen Ausgangspunkte?

Ja, es braucht Leute, die das Digitale und das Soziale zusammen denken, weil sich hieraus der größte Fortschritt ergeben wird. Das Digitale und Soziale zusammen zu denken ist einer der neuen Bildungsaufträge, genauso wie die Integration der sozialen Arbeit in Bildung.

Es braucht eine Instanz, die Ausbildung, Organisationsformen, Finanzierungsmodalitäten und Auswirkungen der Ökonomisierung im Blick hält und Impulse gibt, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern.

Was denkt ihr?

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Traumjob – Ein ewiger Traum?!

Der erste Beitrag zur Blogparade ist da! Freut mich sehr. Unterm Strich: Selbstbestimmung scheint ein hoher Wert zu sein. Alle Beiträge werden im Ursprungsbeitrag gelistet. Die Regeln lest ihr hier. Die Blogparade läuft noch bis zum 1. August. Macht mit!

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Was ist eigentlich ein Traumjob oder was wir von Google lernen können.

„Wenn Du die Welt verändern willst, arbeitest Du an einer wirklich wichtigen Sache.
Dann freust Du Dich, früh aufzustehen und zur Arbeit zu gehen.“

Laszlo Bock

In diesen Tagen kurz vor den Sommerferien halten wieder viele Schulabgänger/innen ihre Abschlusszeugnisse in Händen und wissen möglicherweise auch schon, wie es danach weiter geht. Welche Ausbildung sie anschließen werden, welches Studium sie beginnen wollen.

Was ist eigentlich ein Traumjob?

Dabei ist das gar nicht so einfach, denn was ist eigentlich ein Traumjob? Ist es ein Beruf, in dem man möglichst viel Geld verdient? Oder möglichst viel Anerkennung erhält? Ich hielt kürzlich ein Buch von Elisabeth Malcolm in den Händen, das ich als Jugendliche gelesen habe. Es trägt den Titel „Ich möchte die Wüste grün machen“. Das Buch handelt von der 16jährigen Andrea, die sich im Laufe eines Sommers darüber klar wird, was sie vom Leben erwartet. Sie hat zu Beginn der Ferien einen Fernsehbericht über eine Frau gesehen, die ihr imponiert hat und deren Beruf es ist, als Biologin die Wüste zu erforschen.

Wie findet man das, was richtig für einen ist? Lapidar heißt es, den eigenen Interessen und Neigungen nachgehen. Sicher ein guter Anfang. Aber die können sich im Laufe des Lebens noch verändern. Ist nicht die wichtigste Frage, was will ich eigentlich bewirken? Was ist mir wichtig im Leben? Um dann meine Talente dafür einzusetzen?

Wenn das gelingt, kann aus dem Beruf eine Berufung werden.

Die Arbeitswelt von heute

Anders als zu Zeiten von Andrea in „Ich möchte die Wüste grün machen“, bedeutet eine Berufswahl aber heute nicht mehr unbedingt eine Wahl für´s Leben. Lebenslanges Lernen, veränderte Arbeitswelten und die zunehmende Digitalisierung verändern Berufsbilder. Experten, die über die Arbeitswelt der Zukunft diskutieren, gehen davon aus, dass

  • Hierarchien flacher werden
  • Arbeitsformen mobiler und digitaler
  • Unternehmensformen, auch im sozialen Bereich, werden unternehmerischer

Bei den 10 attraktivsten Arbeitgebern weltweit ist Google auf dem ersten Platz. Ok, können wir aus dem Sozialwesen sagen, prima, aber diese Internetfirmen haben mit uns ja überhaupt nichts zu tun. Ja, könnten wir sagen. Wir könnten aber auch sagen, wie kommen wir unter die ersten 10? Und was können wir von diesen Firmen lernen?

Was können Arbeitgeber im  Sozialwesen von Google lernen?

Isabelle Kürschner hat sich in ihrem Blog Zukunft der Arbeitswelt mit dem Buch „Work Rules“ von Lazlo Bock auseinandergesetzt. Hierbei geht es um den Arbeitgeber Google, der jährlich 2 Millionen Bewerbungen erhält. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, hat sich im Silikon Valley und hier vor allem bei Facebook und Google umgesehen:

„Man ist von der schieren Innovationskraft und Kreativität erschlagen und wird von einem Geist mitgerissen, der scheinbar keine Grenzen kennt. Eine bescheidenere Beschreibung fällt mir nicht ein – und wäre den Tatsachen wirtschaftlicher und innovativer Unternehmenskraft vielleicht auch nicht angemessen.“

Google Gründer Larry Page hat folgende Überzeugungen:

  • Mitarbeitende wollen an einer wirklich wichtigen Sache gerne mitarbeiten.
  • Die größte Aufgabe von Führungskräften ist es, den Mitarbeitenden eine bedeutungsvolle Aufgabe zu geben, an der sie wachsen und sich entfalten können.
  • alle Informationen im Unternehmen sollten allen Mitarbeitenden zugänglich sein.
  • Führungskräfte sollen führen können, bevor sie einen Titel dafür bekommen.
  • Bei guten Chefs werden die Mitarbeitenden besser, bei schlechten Chefs bringen gute Mitarbeitende weniger Leistung.

Diese Prinzipien gelten für den sozialen Bereich genauso oder erst recht. Wir bilden aus, weiter und fort. Wir sind Modelle für Jugendliche, für Familien, für die Gesellschaft. Müssen wir dann nicht erst recht auch zu den vorbildlichsten  Arbeitgebern gehören? Viele sind das vielleicht schon. Aber es ist auch noch Luft nach oben.

Wir wissen nicht genau, wohin es gehen wird. Wo die soziale Arbeit zukünftig statt finden wird. Wenn Internetfirmen wie Microsoft und Google durch Stiftungen und Initiativen bereits Aufgaben übernehmen, zeigt das, dass soziale Arbeit zukünftig andere Unternehmensformen haben kann als wir sie heute kennen. Unternehmenskooperationen sind da sicher ein guter Schritt in die richtige Richtung und können zu einer Win-Win Situation führen. Kulturen und Haltungen können sich gegenseitig prägen.

Was wollen die Studierenden?

Die vielleicht wichtigste Frage am Schluss: Da die Studierenden sich aufgrund des demographischen Wandels ihre Arbeitgeber und Jobs werden aussuchen können, wird sich die Arbeitswelt auf sie einstellen (müssen).

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Quelle: http://blog.firefishsoftware.com/bid/76655/Generation-Y-Who-Are-They

Was also wollen die Studierenenden? Eine Befragung zeigt, was zukünftigen Mitarbeiter/innen im Sozialwesen wichtig ist:

  • Geld, nicht nur, aber auch,
  • eine kooperative Arbeitsatmosphäre,
  • eine erfüllende Arbeit,
  • Fortbildungsmöglichkeiten und
  • eine langfristige Anstellung.

Vor der größten Herausforderung stehen hierbei die Führungskräfte von heute. Sie kommen aus einer alten Kultur und müssen eine Neue gestalten. Dabei wird es wie eh und je auf die Persönlichkeit ankommen.

Und so weit weg sind sie vielleicht auch nicht von der Spaßkultur. Teresa von Avila, Gründerin und Führungskraft eines großen Unternehmens (17 Klöster), pflegte schon im 16. Jahrhundert zu sagen: „Gott will, dass der Mensch seinen Spaß hat.“

Also nicht so weit weg von der Generation Y und Arbeitgeber Google. Vielleicht liegt die Chance dieser neuen Führungskulturen darin, dass weniger das Betriebswirtschaftliche, sondern mehr der Mensch im Mittelpunkt steht.

Den einzelnen Mitarbeitenden sehen, seine Stärken und Talente, und ihn bestmöglich fördern, das ist dann sowieso zum Besten des Unternehmens. Dann kann die Arbeit zur Berufung und der Job zum Traumjob werden und jede/r kann ein wenig die Wüste grüner machen oder wie der Google Gründer sagen würde: to make the world a better place.

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Jung und vernetzt

hinsehen.net

Foto: dpa/ picture-allianceAllen Unkenrufen zum Trotz belegen die neusten Studien, dass Facebook nach wie vor das beliebteste soziale Netzwerk von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland ist. Auch wenn die Anzahl der aktiven Nutzern im Alter von 16 bis 19 Jahren sinkt und die Zahl der älteren Nutzer steigt.

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