Veröffentlicht in Handwerkszeug

Twitter für Einsteiger

Viele Profis aus Wissenschaft, Praxis und Politik tummeln sich auf Twitter.

Aber wie funktioniert Twitter eigentlich genau und wie lässt es sich sinnvoll einsetzen?

… für Einsteiger

Registrieren

Wie bei allen Netzwerken besteht der erste Schritt darin, dass man sich anmeldet.

Also: Mailadresse, Nutzernamen und Passwort eingeben. Der Nutzername will gut gewählt sein, damit jede/r sogleich versteht, worum es geht.

Bio einrichten

Das Kürzel Bio steht für Biographie und meint eine Kurzbeschreibung des Profils. Dazu gehört das Profilfoto, ein Hintergrundbild und die Verlinkung zur Webseite.

Es können Hashtags auf spezielle Themen hinweisen, die die Auffindbarkeit deutlich erleichtern.

Folgen

Twitter lebt wie andere Netzwerke von der Kommunikation und der Interaktion. Hier kommt es besonders darauf an, nicht im eigenen Dunstkreis zu verharren, sondern Kontakte auszumachen, mit denen sich eine thematische Vernetzung lohnt.

Teilen

Twitter ist dafür bekannt, dass es die 140 Zeichen (inzwischen sind 280 Zeichen möglich) Begrenzung eingebaut hat. Es ist wirklich nicht ganz einfach in wenigen Zeichen auf den Punkt zu bringen, was gesagt werden soll.

Es ist jedoch nicht zwingend nötig eigene Inhalte zu produzieren, sondern gerade auf Twitter lassen sich besonders gut auch Links teilen. Sogar direkt vom Web aus. Vom Smartphone oder Tablet aus gibt es häufig eine Weiterleitungsfunktion nicht nur per mail, sondern auch per Twitter oder in andere soziale Netzwerke.

Liken

Was dem einen die Herzen sind, sind den anderen die Sterne. Unterschiedliche Twitter Apps bieten da verschiedene Varianten an.

Hashtags anwenden

Die Hashtags sind ein Markenzeichen von Twitter. Sie entstehen dadurch, dass man die Raute vor ein Stichwort setzt. Darüber ist es möglich, alle Informationen zu einem Thema  zu sammeln, z.B. #sozialeArbeit.

Die Hashtags setzen sich zwar auch langsam in anderen Netzwerken durch, sie machen aber gerade Twitter zu einem Instrument des Wissensmanagements, da hier unterschiedliche Texte, Links, Studien u.ä. zum Thema recherchiert werden können.

Ein Beispiel ist aktuell der hashtag #BTHG, der Informationen und Aktionen zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes bündelt.

…. für Profis

Listen

Twitter erlaubt das Anlegen von Listen. Der Liste kann ich Nutzern, denen ich folge, hinzufügen.

Ich muss den Nutzern gar nicht offiziell folgen, wenn ich sie der Liste hinzugefügt habe, lese ich ihre Tweets, wenn ich die Liste öffne. Listen lassen sich öffentlich oder privat anlegen. Die öffentlichen Listen sind von anderen einsehbar und sie könnten sie auch abonnieren.

Zitieren

Wenn man den Tweet eines anderen Nutzers teilt, hat man die Wahl zwischen reinem Retweet und dem Hinzufügen eines Kommentars. Der Kommentar ermöglicht die Ergänzung von Bewertungen oder einem hashtag, z.B. #sozialeArbeit, damit andere das Thema leichter finden können.

Kommentieren

Die digitalen Medien leben wie andere sozialen Netzwerke von Beteiligung. Gerade Twitter lebt von der Interaktion und vom Diskurs.

Unternehmensaccount anlegen

Organisationen arbeiten häufig mit mehreren Personen unter einem Profil wie wir das mit @caritasessen auch machen.

Mehrere Profile benutzen

Jedes Profil hat eine eigene Mail-Adresse. Wer mehrere Mailadressen nutzt, kann auch mehrere Profile anlegen. In der App lässt sich im Unterschied zum Browser einfach zwischen den verschiedenen Profilen hin und her wechseln, wenn sie einmal angelegt sind.

Tweets in den Blog integrieren

Wer einen WordPress – Blog nutzt, die software ist auf wordpress.com kostenlos, kann mit Hilfe eines Widgets Tweets in den Seitenrand integrieren. Es werden automatisch die letzten Tweets angezeigt.

Direktnachrichten nutzen

Ähnlich wie bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken gibt es bei Twitter die Möglichkeit, Direktnachrichten zu schreiben. Wenn man verschiedene User gleichzeitig anschreibt, bildet sich ein Gruppenchat.

Tweet-Aktivitäten

Jeder Tweet hält eine Statistik bereit, die Tweet-Aktivität. Die Statistik gibt Aufschluss darüber, wie häufig der Tweet angeschaut wurde, und ob und welche Art von Interaktionen es gab.

An TwitterChats teilnehmen

Hier twittern User 1x wöchentlich zu einer bestimmten Uhrzeit zu einem bestimmten Thema. Strukturiert wird das Thema durch 5 – 6 Fragen. F plus Nummer wird der Frage vorangestellt, so dass der User weiß, um welche Frage es sich handelt. Mit A plus Nummer wird geantwortet.

Zum Beispiel: #EdchatDE (Education Chat Deutschland) dienstags zwischen 20 Uhr & 21 Uhr und unser SozialChat, der twitterchat der sozialen Arbeit, freitags mittags.

Sie werden vorbereitet und moderiert, das macht ihre Qualität aus

NoGo’s

https://twitter.com/sabinedepew/status/888993754975260672

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Mein Fazit: Es geht um gute Inhalte, Informationen & Interaktion, für reine Selbstdarstellung ist Twitter weniger geeignet.

Hier gibt es noch weitere hilfreiche Tipps: 3 Weeks on twitter.

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Veröffentlicht in Tagebuch

Warum Bürgermedien so wichtig sind. #BIG16

Unter strahlend blauem Himmel türmt sich die futuristische Architektur im Medienhafen in Düsseldorf auf, als ich dort meinen Weg zur Landesanstalt für Medien in NRW suche. Ich bin eingeladen, in einem Podium zum Thema Bürgermedien über meine Erfahrungen als Bloggerin zu sprechen.

Was sind eigentlich Bürgermedien?

„Die grundsätzliche Idee der Bürgermedien ist ganz einfach: Bürger/innen haben ein Thema, greifen selbst zu Kamera und Mikrofon, produzieren einen Radio- oder Fernsehbeitrag und gestalten so ihr eigenes Programm. Kinder, Jugendliche, Studierende, Senioren und viele andere Gruppen haben mit den Bürgermedien eine Plattform für ihre Themen und Geschichten – sie erhalten praktische Einblicke hinter die Kulissen von Medienproduktionen und lernen dabei viel über die Mechanismen der Medienwelt.“ (Quelle: Medienkompetenzportal NRW)

Im Vortrag von Herrn Prof. Dr. Leif heisst es später:

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Blogger, Podcaster und YouTuber und co. würden jetzt erstaunt aufsehen und sagen, ja, das machen wir doch die ganze Zeit.

Genau! Zuspruch!

Bürger produzieren heute selbst.

Ganz leicht per Smartphone, Tablet und Laptop.

Möglicherweise ist das mit ein Grund dafür, dass (Rundfunk-) Journalismus diese Form der Einbeziehung aus den Augen verloren hat und sich auch sonst nicht so gerne mit dem digitalen Wandel befasst.

Die gestrige Veranstaltung Bürgermedien im Gespräch sollte daher dazu beitragen, das Phänomen Bürgermedien zu beleuchten und eine Renaissance einzuläuten.

Landesanstalt für Medien NRW

Veranstalter war die Landesanstalt für Medien NRW (LfM).

„Sie ist die Aufsichtsinstitution für den privaten Rundfunk in Nordrhein-Westfalen. Die LfM ist eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts, also keine staatliche Einrichtung. Die Arbeit der LfM wird nach dem Rundfunkstaatsvertrag aus einem Anteil des in NRW erhobenen Rundfunkbeitrags finanziert. Dies soll Unabhängigkeit, Staatsferne und ihr Wirken für einen unabhängigen Rundfunk sichern.“ (Quelle: Wikipedia)

Empfehlungen von Prof. Dr. Thomas Leif

Der Beitrag von Prof. Dr. Thomas Leif war ein inspirierender Input, der mit Empfehlungen für die Zuhörer abschloss. Es ging in erster Linie darum, dort hinein zu gehen, wo die großen Medienanstalten nicht hinkommen. O-Töne z.B. in Flüchtlingsheimen und hinter den Kulissen aufzuschnappen. Nicht namhafte Persönlichkeiten, sondern junge Expertinnen und Experten wie beispielsweise Doktoranden zu interviewen.

Zwei Aspekte sind mir dabei allerdings aufgefallen: die digitalen Medien spielten bei den Empfehlungen keine Rolle und wurden nur einmal beiläufig erwähnt mit der These, dass sie zu einer Bildungsverwahrlosung führen würden.

Zu Letzterem: Das Gegenteil ist der Fall. Der Prozess Bildung 4.0 und seine frisch heraus gegebenen Leitlinien zeigen, dass digitale Netzwerke und Medien einen wichtigen Beitrag zu Bildung für alle leisten.

Podiumsdiskussion

Eigentlich hätte hier die anschließende Diskussion ansetzen müssen, an der neben mir Jürgen Mickley (Bürgermedienvertreter in der Medienkommission), Prof. Dr. Leif, Abteilungsleiterin LfM Mechthild Appelhoff und der Landtagsabgeordnete Ernst-Wilhelm Rahe beteiligt waren.

Denn solange sich diese Haltung nicht ändert, wird auch das Vorurteil nicht abgelegt und die Öffnung hin zur Nutzung der digitalen Welt kann nicht geschehen. Ohne die Nutzung fehlt die Erfahrung und die Anwendungskompetenz.

Somit geschieht nicht, was die Zukunft der herkömmlichen Bürgermedien sichert: dem Neuen einen geeigneten Rahmen zu geben.

Meine Empfehlungen an Medienmacher/innen im Rundfunk:

  1. Digitale Netzwerke und Medien  aktiv nutzen
  2. Sich fit machen im kompetenten Umgang mit digitalen Medien
  3. Das Potential von Twitter als Recherche und Wissensmanagementtool verwenden
  4. (Lokalen) Facebookgruppen beitreten
  5. Blogs als Recherchetool einbeziehen
  6. Blogger, Youtuber und Podcaster interviewen
  7. Die digitalen Bürgermedien in Szene setzen

Bürgermedien der Vergangenheit und digitale Bürgermedien müssen zusammengehen, dann gelingt ihnen ein entscheidender Beitrag zur Erhaltung der Demokratie.

 

 

 

Veröffentlicht in Social Media

Snapchat – Ein Selbstversuch.

Ich konnte mal wieder meinen Mund nicht halten und twitterte  munter: „Muss man denn jetzt jeden Snapchat mitmachen?“

Und ein paar Tage später war ich drin.

Ich hätte es mir ja denken können. Es war eigentlich genau wie damals als ich 2010 diesen „Unsinn“ mit diesem Facebook & Co. nicht mitmachen wollte. Dafür bin doch jetzt wirklich eigentlich zu alt, dachte ich.

Ich fand heraus, dass die sozialen Medien eine prima Möglichkeit sind, das Bildungswesen interessanter zu machen. Und seit uns die neu zugewanderten Menschen zeigen wie sie mittels digitaler Medien ihre Reise, ihre Zugänge und ihre Sprachbarrieren meistern, gehören sie, die sozialen Netzwerke, nun (fast) zu den gesellschaftlichen Gepflogenheiten.

Und immer denkt man ja, jetzt hat man endlich die Hürde zum nächsten Medium genommen, zum Beispiel Instagram, da kommt schon wieder etwas Neues daher.

Ja, so ist es.

Und so kam auch snapchat.

Was ist Snapchat?

„Snapchat ist ein sog. Instant-Messaging-Dienst, bei dem man Fotos oder 10-sekündige Videos an seine Freunde schicken kann.

Man kann diese Fotos/Videos gestalten, in dem man einen kleinen Text (meist nur kurze Sätze oder Wörter), Smileys, einen Filter oder die derzeitige Uhrzeit hinzufügt.

Man bestimmt, wie lange der Freund, der das Foto erhalten wird es sehen kann (zwischen 1 und 10 Sekunden). Man kann ein Foto/Video aber auch für alle Kontakte sichtbar machen, indem man dieses zu seiner “Geschichte” hinzufügt. Dann können alle Kontakte 24 Stunden lang dieses Foto/Video so oft anschauen, wie sie möchten.“ (aus: Snapchat & Co. – Ein Interview.)

Ich gebe zu, es war schwer gewöhnungsbedürftig. Es erfordert fast eine gewisse soical media Vorerfahrung, denn die Benutzeroberfläche lässt sich am besten spielerisch erschließen. Es gibt auch ein sehr brauchbares eBook hierfür, das ich gelesen und aus dem ich ein paar sehr gute Tipps entnommen habe.

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Was bringt Snapchat für die soziale Arbeit?

Es ist das Medium, das gemäß Statistiken derzeit am meisten von jungen Menschen genutzt wird, weil es einfach witzig und unterhaltsam, aber eben auch privater als andere sozialen Medien ist. Die Eltern oder Erzieher/innen lesen nicht mehr mit.

Gerade weil es so beliebt ist, macht es Sinn, das Medium auszuprobieren und bestenfalls selbst Spaß daran zu finden, damit es einem nicht so suspekt erscheint bzw. ungeprüfte Vorurteile darüber entstehen.

Abgesehen davon bietet es viel Potential für den Einsatz im Unterricht. Es lassen sich kleine Filme drehen und bearbeiten.

Es weckt die Kreativität. Es können kleinere oder größere Drehbücher entwickelt werden und ähnlich wie Instagram kann sich Snapchat in bewegten, bemalten und besprochenen Bildern, die sich auch speichern lassen, in der Bildungsarbeit einsetzen lassen.

Ich selbst konnte das zum Beispiel beim Barcamp Bonn feststellen, das gestern statt gefunden hat und bei dem ich nicht teil genommen habe.

Durch Snapchat habe ich verlebendigt mitbekommen, was dort passiert ist. Natürlich auch durch Twitter und Instagram. Aber Snapchat bringt es auf den Punkt.

Mich begeistert, dass Du eine Geschichte erzählst. Die clips, die Du Deinen Followern zeigst, heißen: „Meine Geschichte.“

Die kann jeden Tag anders sein. Mal von einer Kampagne, mal von einem Ausflug. Es kann so eine Art Geschichte hinter der Geschichte sein. Es kann ein gefilmtes Reisetagebuch sein.

Und daher lautet die Antwort auf die Frage:

Muss man denn jeden Snapchat mitmachen?

Ja, ich zumindestens mache auch diesen nächsten Social Media Schritt.Und nicht nur von Berufs wegen.

Und, wenn ihr wissen wollt, wie mein Selbstversuch weitergeht, folgt mir doch einfach auf Snapchat. Das hier ist mein Code.

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Links & Tools

Snapchat in Deutschland mit mehr aktiven Nutzern als Twitter 

Snapchat & Co. – Ein Interview

eBook: snap me if you can

Snapchat für Bildung und Wissenschaft

Das Bistum Münster auf Snapchat.

Museen, die bei Snapchat sind.

Snapchat – So gelingt der Einstieg garantiert. 

 

 

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Hat Snapchat das Potential, die neue Sesamstrasse zu sein?

Social Media in der sozialen Arbeit.

 

 

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Social Media & Kirche? (Interview)

Heute für Euch im Interview: Tobias, der Initiator von Dreifachglauben, das Blog einer jungen Theologengruppe!

Tobias, Du bist der Initiator des Blogs Dreifachglauben. Wie bist Du auf die Idee gekommen ein Blog zu schreiben? Was treibt Euch? Warum gerade als Theologiestudierende?

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit beschäftigt mich die Frage des persönlichen Glaubens und Gemeindebildung. So hat sich der Wunsch entwickelt, mich mit Theologen und Theologinnen zu vernetzen, die auch an neuen Pastoralenprojekten und neuen Wegen zu Gott interessiert sind.

Wir wollen mit eigenen Worten erzählen, wer dieser (abstrakte) Gott eigentlich für uns ist.

Im Studium lerne ich rational Gott zu erklären. Zusagen, was wer über ihn gesagt hat. Aber für Existentielles wie die Frage nach meiner eigenen Beziehung zu Gott, meine eigenen Worte über Gott, dafür gab es keinen Raum.

Unser erster Artikel „Ich weiß nicht was Gott ist“, den wir am 5. Juli 2015 veröffentlicht haben, stieß auf hohe Resonanz! Er wurde bis heute über 700 mal gelesen. Und so ging es weiter:  Seitdem wird jeder Artikel am ersten Tag 100 mal gelesen.

Unsere Facebookseite erreicht im Durchschnitt 2000 Menschen. Und bei allem ist die Tendenz steigend.

Wir wissen nicht was Gott ist, aber wir können darüber schreiben und davon erzählen wie wir ihn erleben. Welche Splitter sich in unserem Leben zeigen.

Wir arbeiten in einem Team von 11 Autoren und einem Kolumnisten ab 2016. Eifel, Freiburg, Trier, Mainz, Marpingen – wir sind verteilt. Ein virtuelles Netzwerk: Keiner von uns kennt alle Autoren persönlich. Und trotzdem klappt die Zusammenarbeit und interne Kommunikation.

In Zukunft wollen wir das Blog als Inqubator für weitere Projekte nutzen, so haben wir am 27. November unseren Shop eröffnet in dem wir tragbare(!) TShirts und Umhängetaschen anbieten.

Welche Wirkung wollt ihr mit Eurem Blog erzielen?

Ich kann nicht sagen, welche Wirkung unser Blog erzielen soll. Wir haben keinen Auftraggeber und sind deswegen von der Last befreit, irgendwelche Ziele, Quoten oder Meilensteine zu definieren. Ich schätze an unserem Projekt sehr, dass wir unverkrampft schreiben können.

Aber ich kann sagen, welche Wirkungen wir bisher erreicht haben: Unsere einfache Sprache und die Nähe zum Leben wird gelobt. Außerdem zeigt die Statistik, dass unsere Leserschaft vor allem jungen Erwachsenen (18 – 34 Jahre) sind. Eine Generationen, die klassischer Weise schon als Glaubensferne gilt!

Wie schätzt Du das Thema Kirche & Social Media im Allgemeinen ein? Kennst Du gute Beispiele?

Ich glaube, dass die Geschichte von Sozialen Medien und Kirche vor allem durch gegenseitige Ignoranz geprägt ist. Die Subventionierung von Kirchenzeitungen scheint vielen Bistümern immer noch näher zu liegen als eine Investition in neue Medien. Kardinal Marx berühmter Ausspruch „Verbloggung führt zu Verblödung“ und denen um diese Phrase gemachten Aussagen, zeigt, dass man dem Medium sehr undifferenziert gegenüber steht.

Dabei verkennt man meiner Meinung nach absolut das Potential. Hohe Reichweite zu niedrigen Betriebskosten. Ein Server, ist er auch noch so gut, kostetet immer weniger als eine gedruckte Zeitung. Unser Blog kostet 25€ pro Jahr Serverkosten. Zum Jahreswechsel haben wir aufgerüstet auf 120€ pro Jahr (Alles aus eigener Tasche). Bei einer generierten Reichweite von ungefähr 2000 Personen pro Beitrag. Von dem eingesparten Geld können gute Medienarbeiter eingestellt werden.

Bei der Kritik an der publizierten Meinung sollte man auch nicht vergessen, dass man eine Meinung eines Mediums nur mitbestimmen kann, wenn man selber in diesem Medium aktiv ist. Deswegen gibt es ja auch die KNA. Radio Vatican. Die Kirchenzeitungen der Bistümer. Kirche hat sehr viele fähige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Der Schritt ins Digitale ist gar nicht so schwierig.

Dass solche Schritte funktionieren, hat sich zu letzt am Relaunch von katholisch.de gezeigt. Hier finden wir exzellente Social Mediaarbeit. Gut geplant und für verschiedene Kanäle angepasst. Jeder Kanal bekommt nach seinen Spielregeln den jeweils passenden Inhalt. Damit hat es katholisch.de geschafft (nach sehr, sehr langer Zeit) ein Nachrichtenportal jenseits von kath.net aufzubauen.

Wie wollen Deiner Meinung nach, junge Menschen heute angesprochen werden – zum Thema Glauben, aber auch von potentiellen Arbeitgebern oder auch diejenigen, die Unterstützung und Hilfe brauchen?

Jeder Mensch mag Geschichten. Ich glaube, das ist damals wie heute gleich. Ich glaube auch nicht, dass sich viel an den Inhalten geändert hat, die Menschen ansprechen.

Der christliche Glaube zieht seit mehreren tausend Jahren Leute an. Der Glaube an einen Gott sogar noch länger. Die Frage ist nur, welche Form gerade gebraucht wird, um den Inhalt zu transportieren. Dieser Wandel der Form zeigt sich schon in der Bibel. Mal waren es Geschichten. Mal Psalmen. Mal Briefe. Mal Sprichwörter. Mal Gleichnisse. Jede Zeit hat ihre Form. Jede Gruppe hat ihre Form.

Da sehe ich eher das Manko im Moment. Wir haben kein Glaubensproblem, sondern ein Vermittlungsproblem, weil wir Leuten antworten, ohne dass sie fragen, auf Kanälen, die sie nicht empfangen. Und dann konstruieren wir daraus eine glaubensferne Gesellschaft, in der wir eine unverstandene kleine Herde sind. Eine fatale Fehleinschätzung, die uns isoliert.

Denkst Du, dass Social Media ein Hype ist, der bald wieder vorbei ist oder geht es um die gelungene Verbindung von digitalen Medien mit dem Alltagsleben? Was kann Deiner Meinung nach hier helfen?

Es ist schwierig etwas als Hype zu bezeichnen, was schon einige Zeit existiert und so elementar im Leben der Menschen angekommen ist. Die Frage nach der Beurteilung eines Mediums sollte sich für uns nur sekundär stellen. Denn Verkündigung sollte da geschehen, wo die Menschen sind. Und Menschen sind (u.a.) bei Facebook, WhatsApp, SnapChat und Co. Die Frage, die uns leitet, sollte sein: Wie transportiere ich, was ich zu sagen habe,  für den  jeweiligen Kanal passend.

Vielen Dank Tobias für das Interview! Und viel Erfolg weiterhin mit Euren Projekten rund um Dreifachglauben!!

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Social Media in der sozialen Arbeit?

Mitarbeitende in der sozialen Arbeit wissen häufig nicht, wie sie digitale Arbeitsmethoden vernünftig in ihrem Alltag einsetzen können. Manche benutzen vielleicht privat Facebook, aber damit hat es sich auch häufig schon. Vielen Älteren sind die digitalen Medien suspekt, gerade weil sie einen Kommunikationsstil pflegen, der ihrer Alltagskommunikation so gar nicht entspricht. Damit sollen sich Öffentlichkeitsarbeiter beschäftigen, wenn überhaupt.

Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Kommunikations- und Arbeitskultur wie sie in digitalen sozialen Netzwerken praktiziert wird, häufig dem Alltag in sozialen Organsitionen, wenn sie nicht Betterplace oder Changer heißen, noch so wenig entspricht.

Es ist auch nicht damit getan, einen Kurs zu besuchen, der einem zeigt wie Twitter oder Instagram funktioniert, sondern es ist Learning by doing. Und dieses Learning by doing führt zu einer neuen Kommunkationskultur und diese dann zu einer neuen Organisationskultur. Die Garage, in der Steve Jobs seinen ersten Computer entwickelte, ist in jedem Haushalt denkbar und Internetaktivisten sind kleinere oder größere Erfinder.

Dieser Gedanke muss in der sozialen Arbeit Einzug halten. Sozialarbeiter/innen müssen sich als Entwickler/innen begreifen.

Diese Drei sind genug.

Das Tablet.

Seit fünf Jahren experimentiere ich mit unterschiedlichen digitalen Möglichkeiten, um meinem Arbeitsalltag gerecht zu werden. Der Schritt vom mobilen Laptop zum Tablet war der Elementarste hat mir Zeit, Geld und Ressourcen einspart.

Es ist sicher eine Gewohnheitssache, aber ich lese mittlerweile fast alles auf dem Tablet. Die Papierzeitungen sind abbestellt. Es ist umweltfreundlicher und preiswerter. Und das gleiche gilt für Broschüren, größere Dokumente und Präsentationen.

tipp: Ich empfehle die App File Manager zum Transport von Sitzungsunterlagen. Dieser Dateimanager ist wie ein Aktenplan aufgebaut.

Apps.

Die Grundlagen einer funktionierenden digitalen Arbeit sind neben der Hardware gute Programme, sprich Apps. Da es zig verschiedene Apps gibt, empfehle ich, ruhig ein wenig zu experimentieren. Wer noch wenig Erfahrungen mit Apps hat, kann sich vorher mal eine Liste machen, was er normalerweise im Alltag auf seinem Schreibtisch oder an seinem Arbeitsplatz braucht. In der Regel gibt es auch eine entsprechende App dafür.

Am besten die Apps mit treffsicheren Namen in wenigen Ordnern sortieren.

tipp: Nicht zu viele Apps downloaden, sondern lieber experimentieren und auch wieder löschen und andere ausprobieren.

Eine Kladde.

Zusätzlich zu meinem Ipad benutze ich eine DIN A 5 Kladde. Manch eine/r wird sich wundern, das ginge doch auch alles elektronisch. Ja, stimmt. Ich habe da auch Einiges ausprobiert.

Für Notizen und insbesondere Ideenskizzen eignet sich die Kladde einfach besser. Aber es geht auch elektronisch.

tipp: Sehr beliebt ist zum Beispiel die App Evernote. Der Kollege Thomas Mampel gibt wertvolle Hinweise, wie er mit ihrer Hilfe seine Arbeit managet.

Soziale Netzwerke.

Das Blog.

Heutzutage ist es keine große Kunst mehr, seine eigene Webseite zu erstellen und zu pflegen. Mit Plattformen wie wordpress lassen sich mit ein wenig Übung wohldesignete Blogs und anderes kreieren. Dabei ist das bei einem Blog überhaupt nicht nötig, denn ein Blog ist ja nichts anderes als eine schlichte Aneinanderreihung von Textbeiträgen, Fotos, Podcasts oder Videos und mehr, neudeutsch Posts. Grundsätzlich ist Bloggen auch auf anderen sozialen Netzwerken wie Facebook (Notizen) oder Linked In möglich. Der eigene Blog birgt allerdings die Möglichkeit, ihn zum Ausgangspunkt crossmedialer Kommunikation zu machen.Die Abkürzung Blog kommt von Logbuch. Für Einrichtungen der sozialen Arbeit ist es eine gute Möglichkeit über ihre Arbeit und besondere Events zu berichten.

tipp:  Die einfachste Möglichkeit ist, wöchentlich einen Wochenrückblick zu schreiben und ein Foto beizufügen.

Twitter.

Ich schwöre auf Twitter. Es ist mittlerweile mein Informationskanal Nummer 1. Durch die Echtzeitkommunikation und durch seine Vielfalt sind dort Informationen als erstes und auch diversifiziert und zu allen möglichen Themen zu finden. Twitter ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Deswegen habe ich dazu einen separaten Beitrag geschrieben.

tipp: Eine Liste anlegen mit den Themen und Kontakten (Usern), die aktuell für Deine Projekte und Interessen von besonderer Bedeutung sind.

Linked in/Xing.

Beide Netzwerke dienen mir persönlich als Adressverzeichnis. Beiträge aus dem Blog veröffentliche ich dort ebenfalls und auch die Expertengruppen erreichen eine immer höhere Beliebtheit. Auch im Zusammenhang von Personalgewinnungsstrategien sind diese Netzwerke von Bedeutung.

tipp: Wem Facebook oder Twitter zu gewöhnungsbedürftig sind, findet hier eine gute Einstiegsmöglichkeit, sich in Foren zu beteiligen oder Unternehmensnews zu abonnieren.

Facebook.

Facebook arbeitet mit Seiten, Gruppen und persönlichen Profilen. Es gibt mittlerweile viele Gruppen, die für Studierende der sozialen Arbeit und Sozialarbeitende von Interesse sind. Fachspezifische Gruppen und auch Gruppen für Stellensuchende.

tipp: Für soziale Organisationen kein Profil sondern eine Seite einrichten.

Instragram.

Generell erfreuen sich Bilder und Videos zunehmender Beliebtheit. In Instagram werden Fotos und Videos veröffentlicht. Es verlangt ein wenig Kreativität, da über die Fotografie zum Ausdruck kommt, welche Botschaft ich habe.

tipp: Instagram für Beginner: 10 Tipps für den Start.

Wissensmanagement ist easy.

Guter Content ist King. Guter Content zeugt von Qualität. Da hat sich zwischen früher und heute wenig geändert. Aber früher war es hauptsächlich eine Sache der Journalisten. Heute ist es Aufgabe jedes Einzelnen. Auch in der sozialen Arbeit.

Und der Unterschied zu früher ist, jede/r Einzelne kommuniziert, produziert und verarbeitet die Inhalte selbst. Das hat verrückte Auswirkungen auf die in der analogen Welt wirksamen Arbeitsstrukturen. Auch in der sozialen Arbeit hält das Einzug. Learning by doing ist Prinzip. Nichts ist mehr zu Ende gedacht, alles kann und muss ständig weiter entwickelt werden.

Ich benutze ein paar wenige Apps, um mich auf dem Laufenden zu halten. Dabei lese ich neben den klassischen Zeitungen, die ich in der Regel über Twitter konsumiere, gerne andere Blogs, die es mittlerweile zu den vielfältigsten Themen gibt.

Wenn ich kurzfristig Informationen sammeln will, speichere ich die entsprenchende Seite auf meiner Tabletoberfläche in einem entsprechend benannten Ordner, z.B. Blogartikel XY. Was ich länger aufheben möchte, lege ich in OneNote ab.

tipp: Halte Dein Tablet oder Smartphone übersichtlich. Ich benutze einen Feedreader, eine App, die Dir ermöglicht Blogs zu abonnieren und immer, wenn sie einen neuen Beitrag eingestellt haben, erscheinen sie im Reader. Meine App hierfür heißt Newsify.

Produzieren.

Als Social Media Akteur wirst Du schnell zum Produzenten. Du schreibst, fotografierst, drehst kleinere oder größere Videos oder vertonst Deine Texte. Das ist das Neue. Als Experte für Deinen Inhalt wirst Du Teil einer Weiterentwicklung und entwickelst sie auch mit.

Im Rahmen dieses Blogs beobachte ich neue Entwicklungen, lerne im Austausch mit anderen und entwickle auch wieder weiter. Und das kann in der sozialen Arbeit insgesamt geschehen.

Eine App ist mehr oder weniger schnell entwickelt und wenn wir unser Know-How miteinbringen, kann sie sinnvoll genutzt werden: für die Flüchtlingshilfe, als Obdachlosenzeitung, als Wegweiser, zur Übersetzung, als Lernhilfe für Kinder und Jugendliche, die andere Herangehensweisen an Bildung brauchen als es sie klassischerweise gibt. Gamification ist gefragt. Wie können wir Menschen durch spielerische Aktionen an Lernprozessen beteiligen?

tipp: Probiere Dich aus. Es ist Learning by doing. Das wichtigste ist: Trau Dich! Es wird Dich weiterbringen.

Influencing.

Wenn Du so agierst, wirst Du feststellen, dass Du zum Influencer wirst. Du wirst gelesen, wahr genommen. Und das promotet auch Deine Einrichtung. Aber wichtig ist eigentlich, dass die Marke oder die Einrichtung nicht im Vordergrund stehen und auch nicht vordergründig von Interesse sind. Das Neue an der Kommunikation 4.0 ist, dass Du von Bedeutung bist. Deine Meinung, Deine Persönlichkeit, Dein Stil, Deine Interessen. Ohne Dich funktioniert es nicht. Das ist die neue Qualität: Nicht mehr wenige Journalisten oder Politiker entwickeln unsere Gesellschaft medial miteinander weiter, sondern wir alle. Und wir sind Botschafter/innen unserer eigenen Ideen und Werte.

tipp: Suche Dir Themen, Kampagnen, Aktionen, die Dich wirklich interessieren, dann wirst Du wichtige Beiträge zu deren Weiterentwicklung leisten können.

Die Community.

Du bildest ganz automatisch eine Community. Das sind die Leute, die Dir auf den unterschiedlichen Kanälen folgen. Wenn es Dir wichtig ist, dass die Community ausgewogen ist, dass verschiedene Experten und Expertinnen mit dabei sind, dann folge ihnen, gehe ins Gespräch, schreibe Kommentare. Im Vordergrund steht das Thema, das Euch verbindet und das Du weiterbringen willst.

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