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Warum Twitter so wertvoll für die soziale Arbeit ist.

Vor ein paar Monaten haben wir auf Instagram das Projekt Caritasjobs gestartet.

Das soziale Netzwerk Instagram arbeitet hauptsächlich mit Fotos und neuerdings auch ähnlich wie Snapchat mit Videos.

Fotos und Videos, das zeigen die neusten Social Media Trends , erreichen die meisten Nutzer und insbesondere junge Menschen fühlen sich durch sie angesprochen.

Dabei geht es weniger darum, Stellenanzeigen zu posten, als vielmehr aus dem Berufsalltag zu berichten und zu vermitteln wie es sich anfühlt, wenn man bei der Caritas arbeitet.

Mir gefallen persönliche Kleinigkeiten am Arbeitsplatz! #sozialearbeit #Arbeiten #Arbeitsplatz #caritas #caritasjobs

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Die Unterhaltsamkeit weckt die Kreativität und macht Freude. Wir arbeiten in einem kleinen Team von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe, das in unterschiedlichen Einrichtungen unterwegs ist. Jedes Teammitglied hat einen festen Tag, an dem er oder sie fotografiert und filmt.

Wenn die Technik funktioniert, lässt sich die Arbeit fast nebenbei erledigen. Ein neues Smartphone mit guter Kamera sollte es schon sein.

Twitter

Bei unserem letzten Meeting haben wir festgestellt, dass es Sinn macht, ein weiteres digitales Netzwerk mit ein zu beziehen, damit wir auch konkrete Stellenanzeigen verlinken können, was in Instagram nicht möglich ist.

Wir haben uns für Twitter entschieden, weil sich hier viele User aus dem Kontext soziale Arbeit tummeln. Was mich gleichzeitig zu der Frage geführt hat, warum Twitter für die soziale Arbeit so wertvoll ist.

Aber wie funktioniert Twitter eigentlich genau und wie lässt es sich sinnvoll einsetzen?

… für Anfänger

1. Registrieren

Wie bei allen Netzwerken besteht der erste Schritt darin, dass man sich anmeldet.

Also: Mailadresse, Nutzernamen und Passwort eingeben. Der Nutzername will gut gewählt sein, damit jede/r sogleich versteht, worum es geht. Zum Beispiel Caritasjobs.

2. Bio einrichten

Das Kürzel Bio steht für Biographie und meint eine Kurzbeschreibung des Profils. Dazu gehört das Profilfoto, ein Hintergrundbild und die Verlinkung zur Webseite.

Es können Hashtags auf spezielle Themen hinweisen, die die Auffindbarkeit deutlich erleichtern.

3. Folgen

Twitter lebt wie andere Netzwerke von der Kommunikation und der Interaktion. Hier kommt es besonders darauf an, nicht im eigenen Dunstkreis zu verharren, sondern Kontakte auszumachen, mit denen sich eine thematische Vernetzung lohnt.

4. Teilen

Twitter ist dafür bekannt, dass es die 140 Zeichen Begrenzung eingebaut hat, was viele abschreckt. Es ist wirklich nicht ganz einfach in 140 Zeichen auf den Punkt zu bringen, was gesagt werden soll.

Es ist jedoch nicht zwingend nötig eigene Inhalte zu produzieren, sondern gerade auf Twitter lassen sich besonders gut auch Links teilen. Sogar direkt vom Web aus. Vom Smartphone oder Tablet aus gibt es häufig eine Weiterleitungsfunktion nicht nur per mail, sondern auch per Twitter oder in andere soziale Netzwerke.

Das Teilen anderer Tweets gehört bei Twitter mehr als bei allen anderen sozialen Netzwerken zur Essenz. Es heißt bei Twitter „retweet“ und wird über die Funktion unter dem Tweet neben dem Herzchen/Stern bedient.

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5. Liken

Was dem einen die Herzen sind, sind den anderen die Sterne. Unterschiedliche Twitter Apps bieten da verschiedene Varianten an.

Seit den Anfängen von Facebook wird die Funktion des Likens kontrovers diskutiert. Es gibt dem Nutzer aber wertvolle Hinweise, ob eine Information brauchbar ist oder nicht, daher bitte beherzt mittun.

6. Hashtags

Ein Markenzeichen von Twitter sind die hashtags, die dadurch entstehen, dass man die Raute vor ein Stichwort setzt. Darüber ist es möglich alle Informationen zu einem Thema  zu sammeln, z.B. #sozialeArbeit oder #Flüchtlinge.

Die Hashtags setzen sich zwar auch langsam in anderen Netzwerken durch, sie machen aber gerade Twitter zu einem hervorragenden Instrument des Wissensmanagements, da hier eine Fülle von unterschiedlichen Texten, Links, Studien u.ä. zum Thema recherchiert werden kann.

Ein Beispiel ist aktuell der hashtag #SGBVIII, der Informationen und Aktionen zur SGB VIII Novelle bündelt.

…. für Fortgeschrittene

1. Listen anlegen (öffentlich & privat)

Twitter erlaubt das Anlegen von Listen. Zu welchem Thema ich die Liste anlege, bleibt mir selbst überlassen. Der Liste kann ich Nutzern, denen ich folge, hinzufügen.

Ich muss den Nutzern gar nicht offiziell folgen, wenn ich sie der Liste hinzugefügt habe, lese ich ihre Tweets, wenn ich die Liste öffne. Listen lassen sich öffentlich oder privat anlegen. Die öffentlichen Listen sind von anderen einsehbar und sie könnten sie auch abonnieren.

Die Listen sind neben den hashtags eine zweite gute Möglichkeit Themen zu sortieren und sind im Unterschied zu Facebook, das diese Funktion vor einiger Zeit auch nachgerüstet hat, deutlich übersichtlicher.

2. Zitieren

Wenn ich den Tweet eines anderen Nutzers retweete, habe ich die Wahl zwischen reinem Retweet und dem Hinzufügen eines Kommentars. Der Kommentar ermöglicht mir die Ergänzung von Bewertungen oder einem hashtag, z.B. #sozialeArbeit, damit andere das Thema leichter finden können.

3. Diskutieren

Die digitalen Medien leben wie andere sozialen Netzwerke von Beteiligung. Gerade Twitter lebt von der Interaktion und vom Diskurs, der ja auch ein Garant für die Qualität der sozialen Arbeit ist..

4. Gemeinsamer Account

Organisationen arbeiten häufig mit mehreren Personen unter einem Profil wie wir das mit Caritasjobs auch machen. Ich empfehle mit Kürzeln vor dem Tweet zu arbeiten, damit man erkennt, wer gerade kommuniziert.

Digitale Medien leben von der persönlichen Kommunikation. Es kann nicht oft genug gesagt werden.

5. Mehrere Profile benutzen

Jedes Profil hat eine eigene Mail-Adresse. Wer mehrere Mailadressen nutzt, kann auch mehrere Profile anlegen. In der App lässt sich im Unterschied zum Browser einfach zwischen den verschiedenen Profilen hin und her wechseln, wenn sie einmal angelegt sind.

6. Tweets in den Blog integrieren

Wer einen WordPress – Blog nutzt, die software ist auf wordpress.com kostenlos, kann mit Hilfe eines Widgets Tweets in den Seitenrand integrieren. Es werden automatisch die letzten Tweets angezeigt.

7. Gruppenarbeit

Ähnlich wie bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken gibt es bei Twitter die Möglichkeit, Direktnachrichten zu schreiben. Wenn man verschiedene User gleichzeitig anschreibt, bildet sich ein Gruppenchat.

8. Statistiken

Jeder Tweet hält eine Statistik bereit, der durch ein Diagramm kenntlich gemacht ist. Die Statistik gibt Aufschluss darüber, wie häufig der Tweet angeschaut wurde, ob und welche Art von Interaktionen es gab. Neben den Herzchen/Sternen ist das eine weitere Evaluationsmöglichkeit.

9. Storify

Manche Events bieten so viel Stoff, dass es sich lohnt, live zu twittern. Dann kommen unter einem hashtag viele Informationen zusammen. Wer sie bündeln und sortieren will, kann Storify benutzen.

 

10. Stammtisch

Ein Stammtisch auf Twitter scheint mir noch Seltenheitswert zu haben. Beim Stammtisch twittern User 1x wöchentlich zu einer bestimmten Uhrzeit eine Stunde lang zu einem bestimmten Thema. Strukturiert wird das Thema durch 5 – 6 Fragen. F plus Nummer wird der Frage vorangestellt, so dass der User weiß, um welche Frage es sich handelt. Mit A plus Nummer wird geantwortet.

Ich kenne bisher zwei: #RN8 (Reisenacht) montags zwischen 20 Uhr & 21 Uhr und für die soziale Arbeit interessanter der #EdchatDE (Education Chat Deutschland) dienstags zwischen 20 Uhr & 21 Uhr.

Sie werden beide gut vorbereitet und moderiert, das macht ihre Qualität aus.

Ich hätte Lust, einen Stammtisch zur sozialen Arbeit einzurichten, wenn sich ein Team aus 5 – 6 Leuten findet, das mitmachen will. Ich denke, ich werde beim BarCamp soziale Arbeit hierzu eine Session anbieten.

Mein Fazit: Es geht um gute Inhalte, wertvolle Informationen & Interaktion, reines Marketing ist absolutes NoGo auf Twitter. Auch eine Standardweiterleitung von Facebook. Nichts ist so ermüdend wie 10 Tweets hintereinander mit der Aussage: „Ich habe ein Foto auf Facebook gepostet.“

Twitter wird so samt der hashtags und unterschiedlichsten User aus Wissenschaft, Politik und Praktikern zu einem Fundus an relevanten Informationen.

Jetzt Du! Was gefällt Dir an Twitter? Was nicht? Was fehlt hier im Beitrag? Schreibt Eure Meinung gleich unten in die Kommentare!

 

 

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Veröffentlicht in SozialCamp

Who is Who des BarCamps (Teil III)

 

Roland Knillmann

roland-knillmann-ausschnit_webt„Wenn ich als Öffentlichkeitsarbeiter eines Caritasverbandes von Digitalisierung rede, dann wollen sich viele mit mir über Social Media, WhatsApp oder Employer Branding bei YouTube unterhalten.

Digitalisierung bedeutet jedoch viel mehr. Die Caritas definiert sich als Dienstleisterin, Anwältin und Solidaritätsstifterin. Der digitale Wandel betrifft diese drei Dimensionen im Kern.

Ein paar Spots: Wir werden unsere Dienste anders, auch in den digitalen Medien, organisieren müssen. Die Hilfesuchenden werden mit ganz neuen Problemlagen zu uns kommen. Wir werden langfristig vor ganz neuen sozial-und gesellschaftspolitischen Fragestellungen stehen und zu allem müssen wir eine kompetente Haltung haben. Medienkompetenz gehört sicher dazu, genauso aber die Frage, ob wir zum Beispiel Geschäftsmodelle auf der Basis von Big Data entwickeln wollen oder Fachkräftemangel im Bereich der Pflege über intelligente Haushaltstechnik (also „Smart Homes“) oder den Einsatz von Robotern auffangen wollen.

Ein Riesenprogramm! Und ein unglaublich spannendes dazu. Wir stehen am Beginn einer Zeitenwende und haben die Möglichkeit mit zu gestalten. Wenn wir uns trauen, zu experimentieren, Neues zu denken, alte Raster zu verlassen – und auch Fehler zu machen –, dann haben wir eine Riesenchance, dem Wandel etwas hinzuzufügen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir das können.

Und ich glaube, dass wir das als Caritas auch müssen. Das Barcamp hilft, nicht vor Ehrfurcht und Schrecken zu erstarren, sondern sich Schritt für Schritt mit der ein oder anderen Frage zu befassen. Wir werden dabei Spaß haben! Ich freue mich schon sehr auf interessante Diskussionen, Impulse, neue Bekanntschaften und auf das Wiedersehen mit lieben KollegInnen.“

Roland Knillmann leitet die Stabsstelle Verbandskommunikation beim Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V. U.a. hat er auf dem Blog Caritas-digital.de eine Artikelserie zum digitalen Wandel veröffentlicht.

Sandra Prüfer

sandra-prufer-bw„Seit Mitte der 90er Jahre beschäftige ich mich intensiv mit der digitalen Medienwirtschaft und Internet Industrie.  Ich habe für diverse Startups in der San Francisco Bay Area und Europa, deutsche und amerikanische Medienunternehmen und im non-profit Bereich gearbeitet.

Mein Interesse gilt der digitalen, sozialen und wirtschaftlichen Teilhabe, Chancengleichheit, Diversity, Civic & Social Tech und Social Entrepreneurship. Ich habe bei einer Reihe von social startups und Entrepreneurship Initiativen mitarbeitet, darunter als Senior Advisor für Ampion , eine von der Bundesregierung (BMZ, BWE) und GIZ geförderte Pan-Afrikanische non-profit Initiative.

Derzeit arbeite ich als freiberufliche Journalistin (u.a. für NewsDeeply) und Beraterin (media & digital relations) für Organisationen, die sich mit internationaler Zusammenarbeit und nachhaltiger Entwicklung beschäftigen. NewsDeeply ist eine new media company mit Sitz in New York, die online Plattformen mit vertiefter Berichterstattung zu globalen Themen betreibt (z.B. RefugeesDeeply, Women & Girls Hub).

Zuvor war ich für Rotary International in den USA und der Schweiz tätig als Senior Media Relations Specialist für Europa, Afrika und dem Mittleren Osten.

Ich bin Mutter zweier Kinder, engagiere mich ehrenamtlich bei V-Day (globale Bewegung zum Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen), für gender equality (UN SDG5) und in der lokalen Flüchtlingshilfe.

Zusammen mit einer Gruppe von Neuankömmlingen und Einheimischen (mit und ohne Migrationshintergrund) habe ich Anfang des Jahres die Bonnections Initiative gegründet. Sie beinhaltet einen interkulturellen Buchclub und einen mehrsprachigen Blog.

Unser Ziel ist, Neu- und Altbonner und die analoge und digitale Welt miteinander zu verbinden und einen interkulturellen Austausch auf Augenhöhe zu fördern. Wir verfolgen dabei einen partizipatorischen Ansatz und organisieren gemeinsam kulturelle Veranstaltungen.

Zudem entwickeln wir Projektideen zur digitalen Bildung und Integration in den Arbeitsmarkt durch mentoring und on-the-job training in Kooperation mit Partnern (z.B. Kiron).“

Sandra Prüfer ist  Journalistin, Kommunikationswissenschaftlerin (M.A.) und internationale PR und digital media Expertin, die über 15 in den USA gelebt hat. Vor vier Jahren ist sie mit ihrer Familie nach Bonn gezogen.

Wer sonst noch kommt, lest ihr hier:

WHO is WHO des BarCamp Soziale Arbeit Teil I

Hier geht es zur Anmeldung!

 

Veröffentlicht in SozialCamp

Das Who´s Who des BarCamps Soziale Arbeit – #Sozialcamp (Teil 1)

Im letzten Beitrag habe ich Euch angekündigt, dass sich zum Barcamp Soziale Arbeit am 28./29.11.2016 in Bonn schon ein interessanter Teilnehmer/innenkreis angemeldet hat. Einige Teilnehmer/innen habe ich gefragt:

„Warum interessiert Euch das BarCamp Soziale Arbeit eigentlich?“ Hier sind ihre Antworten!

Stephanie Braun

„Für mich sind Psychologie und Soziale Arbeit enge Verwandte. In vielen Beratungsstellen arbeiten Sozialarbeiter und Psychologen eng zusammen.
Ich freue mich auf einen interdisziplinäen Austausch auf dem Socialcamp über soziale Themen und Social Media.“

Stephanie Braun, Psychologin M.Sc., Doktorandin zur Entwicklung von Frühchen, Bloggerin, Stellvertretende Vorsitzende der Landesgruppe NRW des Berufsverbandes deutscher Psychologen (Twitter #LgNrwBdP) und bald auf Jobsuche.

Ihre Blogs: Frühchen und Theorie of Mind & Kleiner Komet

Helen Knauf

„Das Barcamp bietet die Chance, über Soziale Arbeit mal jenseits eingefahrener Diskurse zu sprechen, quer zu denken und neueren Themen (z.B. Digitalisierung!) Raum zu geben – deshalb hoffe ich auf ein offenes und inspirierendes Barcamp!“

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Prof. Dr. Helen Knauf lehrt an der Hochschule Fulda im Fachbereich Sozialwesen frühkindliche Bildung und Erziehungswissenschaft.

Ihr Blog: Rund um die frühkindliche Bildung 

 

Anna Schmidt

„Als ich vor ein paar Jahren ein Facebook-Seminar besuchte, erzählte eine Kursteilnehmerin, dass ihr Chef gefragt hätte was sie mit einer Facebook-Seite will. Der Seminarleiter antwortete, dass die Frage nicht sein dürfe, was sie damit wolle, sondern warum sie noch keine Facebook-Seite für diese soziale Einrichtung eingerichtet hätte.

Ich denke, heute hat man langsam erkannt und akzeptiert, dass es ohne Social Media in der sozialen Arbeit nicht mehr geht. Trotzdem merke ich oft noch Vorbehalte und Skepsis. Auch im privaten Bereich stoße ich oft auf die Angst, dass man den Menschen nur noch digital begegnet.

Darum geht es aber nicht, sondern darum Informationen mehr Menschen zur Verfügung zu stellen, das Miteinander einfacher zu organisieren und Arbeitsabläufe effektiver zu strukturieren. Eine neue Qualität des Meinungsaustausches zu fördern und soziale Prozesse zu verändern.

Ich wünsche mir oft bei den Älteren, die Selbstverständlichkeit mit der meine Kinder diese Medien in ihr Leben integriert haben. Die Frage, ob wir soziale Medien nutzen, stellt sich uns nicht mehr. Wie uns diese Medien verändern und wie wir gesellschaftliche Prozesse damit beeinflussen können, ist für mich eine Fragestellung, die ich ins Barcamp tragen und erläutern möchte. Den Schritt zurück gibt es nicht mehr und so heißt es die Chancen zu erkennen und zu nutzen, die uns die digitale Welt bietet – beruflich wie privat.“

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Anna Schmidt macht die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Stadtteilzentrum Steglitz e.V. in Berlin.

Ihr Blog: Bunt und farbenfroh

 

 

Wenn ihr auch Interesse habt, Euch hier vorzustellen, schreibt einfach einen kleinen Text, warum ihr das Thema wichtig findet.

Danke denen, die sich bis hier hin schon bereit erklärt haben! Ich freue mich auf Euch im November!

Liebe Grüße,

Sabine

 

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Hier geht es zur Anmeldung für´s BarCamp Soziale Arbeit – und:

Sozial wird digital – Bist Du dabei?

Das WHO’s WHO (Teil 2)

 

 

 

 

Veröffentlicht in Tagebuch

re:publica & soziale Arbeit #rpTEN

Ich bin eine von 4000, die noch nie bei der re:publica waren.

Insgesamt sind 8000 Menschen im Raum als Deutschlands größte Internetmesse am Montagmorgen eröffnet wird.

Die Moderatorin trägt ein funkelndes Glitzerkleid.

Es wird Geburtstag gefeiert. Die re:publica wird zehn Jahre alt.

Es wird darüber gesprochen wie damals alles so war.

Beim ersten Mal waren es mal gerade 700 Teilnehmer/innen.

Facebook war im zarten Alter von drei Jahren und Twitter gerade erst geboren. Es gab kein Internet und es war auch keine Internetmesse, sondern eine Blogger/innenkonferenz.

Das Programm.

Das Programm ist gigantisch. Und man muss es auch erstmal verstehen.

„Bereits seit ihrer ersten Ausgabe in 2007 wird der mediale Wandel und seine Themen in einem Rahmen von drei Konferenztagen diskutiert.Bei den Besucher_innen der ersten re:publica handelte es sich insbesondere um Blogger_innen, Internetaktivist_innen und Netz-Intellektuelle und 80 Prozent der insgesamt 700 Teilnehmer_innen gaben an, selbst Inhalte im Netz zu publizieren.

Seit ihren Anfängen als ‚Klassentreffen von Blogger_innen‘ hat sich die re:publica jedoch zu einer ‚Gesellschaftskonferenz‘ mit zuletzt 7000 Teilnehmer_innen im Mai 2015 entwickelt: „Hier vermitteln die VertreterInnen der digitalen Gesellschaft Wissen und Handlungskompetenz und diskutieren die Weiterentwicklung der Wissensgesellschaft. Sie vernetzen sich mit einem heterogenen Mix aus AktivistInnen, WissenschaftlerInnen, HackerInnen, UnternehmerInnen, NGOs, JournalistInnen, BloggerInnen, Social Media- und Marketing-ExpertInnen und vielen mehr. Dadurch entstehen Innovationen und Synergien zwischen Netzpolitik, digitalem Marketing, Netz-Technologie, der digitalen Gesellschaft und (Pop-)Kultur.“

heißt es in Neue Konferenzformate im digitalen Zeitalter.

Ich bin hin- und hergerissen zwischen Programmplanung und Treibenlassen. Die re:publica bietet so viel – vom praktischen Ausprobieren über prominente Keynotespeaker hin zu Networkingmöglichkeiten.

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Als ich das Programm studiere, begebe ich mich auf die Suche nach Themen, die den sozialen Bereich betreffen. Und werde schnell fündig.

Gesundheit (Health)

Bei Gesundheit geht es um mehr als nur Telemedizin. Aber auch. Es geht um Depressionen und Social Media. Es geht um Apps, die Therapien unterstützen. Es geht um Spiele, die die emotionale und mentale Gesundheit fördern.

Bildung (Learn)

Natürlich geht es um digitale Bildung. Es geht aber zunächst vor allem darum, was Jugendliche wollen, wie Bildung sich weiterentwickeln und verändern soll. Diese Veranstaltung ist total überlaufen. Es geht darum wie Spiele das Lernen vereinfachen. Es geht um Medienprojekte mit jungen Flüchtlingen und wie Spiele Politik gestalten.

Flüchtlinge (Refugees)

Es verwundert nicht, dass bei einer Konferenz, die sich zentralen digitalen Themen in der Gesellschaft widmet, das Thema Flüchtlinge einen breiten Raum einnimmt. Hier ergibt sich die größte Schnittmenge zwischen der klassischen sozialen Arbeit und der Re:Publica. Was auch daran liegt, dass die Kompetenz der Flüchtlinge im Umgang mit digitalen Medien deren Einzug in die soziale Arbeit beschleunigt hat.

Das sind die Programmpunkte, die offensichtlich etwas mit sozialer Arbeit zu tun haben. Aber auch in den anderen „Tracks“ stecken viele Zusammenhänge. So etwa bei „Hate it“, wo es um den Umgang mit Hasstiraden geht. Bei FinTECH, wo es um neue Finanzmodelle geht (z.B. hacking the Fördersystem). Bei Call it work, wo es um das Thema „Arbeiten 4.0“ geht. Letztlich in allen Themen (z.B. Virtuelle Realität), denn sie alle haben mit der Veränderung der Gesellschaft in einem digitalen Zeitalter zu tun.

Veranstaltungsort.

Als ich am Tag Zero die Re:Publica erreiche und den Veranstaltungsort sehe, denke ich: Bingo! Genauso muss es sein. Dabei findet die Re:Publica erst seit 2012 auf diesem Gelände statt.

„Damit ein Event glaubhaft ist und Interaktion entstehen kann, müssen Thema und Veranstaltungsziele auch räumlich erfahrbar werden.“ heißt es bei Neue Konferenzformate im digitalen Zeitalter.

Die Station Berlin ist der ehemalige Postbahnhof Luckenwalder Straße im Berliner Bezirk Kreuzberg.

Der Vorteil an diesem Veranstaltungsort: Es gibt Platz für viele Foren. Eine Halle für Ausstellungen. Und es ist doch nicht so weitläufig wie auf manchen riesigen Messen, sondern irgendwie ist auch alles nah beieinander. Unschlagbar ist der Innenhof, der bei diesem schönen Wetter prima zu nutzen ist.

„Die Entwicklung von innovativen Formaten, die Interaktion und Partizipation ermöglichen, ist zentral, um bedeutungsvolle Events im digitalen Zeitalter zu gestalten. Um nachhaltig Communities zu bestimmten Themen im Umfeld eines Events zu entwickeln, müssen neben diesen physischen Räumen jedoch auch die entsprechenden digitalen Räume entstehen.“ (aus: Neue Konferenzformate im digitalen Zeitalter)

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Praktische Tipps

Das Programm studieren.

Es macht Sinn, sich im Vorfeld mit dem Programm zu beschäftigen. Auch, wenn man sich nachher nicht sklavisch dran hält. Das Programm verschafft einen Eindruck über die Thematiken und auch die Formate (Makerspace etc.)

Sich treiben lassen.

Steht nicht im Widerspruch: Es lohnt, sich treiben zu lassen und nicht von einem Forum zum anderen zu hetzen. Das Gesamtformat der Konferenz gibt einen Eindruck von modernen Veranstaltungsorten: Viel Raum für Begegnung. Sammelpunkte mit ausreichend Steckdosen, Relaxzonen, Speakerscorner.

Hashtags, Hashtags, Hashtags.

Sich über Themen verbünden. Twittern. Hashtags nutzen: #rpTEN vor allem. Aber auch andere, z.B. #SozialeArbeit, damit Themen gefunden werden.

Fremdgehen.

Innovationen entstehen dadurch, dass sich neue Verknüpfungen ergeben. Das passiert schon allein dadurch, dass sich das Thema Soziale Arbeit und Digitales miteinander verknüpfen. Es lohnt sich aber bei anderen Institutionen ausserhalb der sozialen Arbeit zu lernen. Einen interessanten Eindruck gab beispielsweise die Deutsche Bahn und ihre Innovationslabs. Räume, in denen kreativ, lustvoll und unabhängig quergedacht werden kann.

Umdenken.

Allein das Studium des Programms setzt schon ein Andersdenken voraus, um die Themen zu identifizieren, die für die Soziale Arbeit von Interesse sind. Dieses Umdenken ist gleichbedeutend mit der Kulturveränderung, die eingeleitet werden muss, um die Digitalisierung tatsächlich in der sozialen Arbeit einziehen zu lassen. Es sind viele kleine Kulturbrüche, die hier gewagt werden müssen, damit ein  digitaler Transformationsprozess gelingen kann.

Fazit.

re:publica und soziale Arbeit gehören zusammen. Denn re:publica als Gesellschaftskonferenz ist soziale Arbeit. Und die Digitalisierung ist in der sozialen Arbeit angekommen.

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Veröffentlicht in Soziale Arbeit 4.0

Nichts wird mehr wie vorher sein: Wie die aktuelle Krise die soziale Arbeit verändert.

Oh Gott, sie hat das Wort Krise in den Mund genommen. Das soll man doch nicht, ist doch nicht politisch korrekt. Wie konnte sie das nur tun! Aber was bedeutet das Wort Krise eigentlich? „Höhepunkt, Wendepunkt einer gefährlichen Lage; entscheidender Abschnitt einer schwierigen Situation“ steht im Duden. Also, alles ist gut. Denn jetzt befinden wir uns wahrscheinlich, hoffentlich, am Wendepunkt. Krisenhaft sind nicht die Zuwanderer, die in unser Land kommen. Krisenhaft sind unsere gesellschaftlichen Voraussetzungen und unsere gesellschaftlichen Systeme, die nicht ausreichend schnell auf die Veränderungen reagieren können.

Was ist passiert? Täglich erreichen viele tausend Menschen das Land. Menschen auf der Flucht. Zuwanderer. Junge Menschen und ihre Familien. Angesichts der Demografie Deutschlands eigentlich gar nicht so schlecht. Und Deutschlands junge Menschen zeigen ein wohltuendes Gesicht einer freundlichen Willkommenskultur! Denn sie sind engagiert, gebildet, kennen sich durch Auslandsaufenthalte in der Welt aus. Sie sind neugierig und offen und die vermeintlichen Fremden sind gar nicht so fremd, da die Welt globaler, näher aneinander gerückt, schlicht bekannt ist.

Diese jungen Menschen zeigen uns, wo es lang geht. Die ganze Theorie über die Generation Y wird plötzlich zur erfolgreichen Praxis.

Das aber hat Auswirkungen auf unsere Systeme, denn die schleppen da noch etwas hinterher. Die Unkompliziertheit des jugendlichen Welcomes, der damit einhergehende Schwung, hat die Systeme, die die Krise zu bewältigen haben, noch nicht erreicht. Hier herrschen noch andere Kulturen. Aber von einem Tag auf den anderen müssen wir, schon länger in Deutschland Lebenden, uns umstellen, insbesondere die Systeme, die gerade dabei sind, in der aktuellen Notsituation professionelle Hilfe zu leisten, und die Systeme, die dabei sind, den Inklusionsprozess vorzubereiten. Gerade in der Kinder- und Jugendhilfe sind hier gute Gelingenschancen. Denn Kinder- und Jugendliche betrachten einander als Kinder- und Jugendliche ungeachtet ihrer kulturellen Herkunft.

Von jungen Menschen lernen

Jetzt müssen nur noch die Systeme hinter her kommen. Und wie? Tja, da gilt es wohl ein paar Versäumnisse auf zu holen.

  • Sich thematisch real und virtuell vernetzen.
  • Interreligiöse und interkulturelle Kompetenzen ausbilden.
  • Arbeitsfeldübergreifend zusammen arbeiten.
  • Neue Formen von adhoc Treffen beflügeln
  • Menschen zusammen bringen, die zusammen arbeiten wollen.

Soziale Arbeit der (nahen) Zukunft

Und wie wird also die Zukunft aussehen? So wie es manche Experten schon länger voraussagen, aber alles wird ein wenig schneller gehen.

  • Bildung wird modularer, digitaler und individueller.
  • Organisationen werden bunter.
  • Soziale Arbeit wird vernetzter und projektierter.
  • Qualitätssicherung wird eine Renaissence erleben.
  • Kreative Lernende Organisationen werden Change Maker.

Die deutschen Jugendhilfe- und Bildungsstrukturen sind gerade jetzt der Garant und der Erfolgsfaktor. Ohne sie wird der notwendige Inklusionsprozess nicht gelingen. Die erfahrenen Mitarbeitenden werden gebraucht, die mit einer gewissen Ruhe Ordnung hereinbringen können und, wenn sie sich gleichzeitig dem Schwung der Jüngeren öffnen, wird ein frischer Wind durch die Organisationen wehen, der aus der Krise eine gelingende Zukunft, anders, moderner und wohlmöglich noch effizienter, wachsen lässt.