Veröffentlicht in Soziale Arbeit

Was die soziale Arbeit in Deutschland auszeichnet.

Hier im Blog geht es um den digitalen Wandel in der sozialen Arbeit. Um Veränderung, soziale Innovationen und Kulturwandel.

Da klingen Namen wie Wärmestuben, Armenküchen und Fürsorge vergleichsweise altmodisch.

Für den Menschen, der frierend auf der Straße lebt, aber nicht.

Für den jungen Flüchtling ohne Eltern auch nicht.

Für den Menschen, dessen Schulden ihm über den Kopf wachsen, nicht.

Für sie bedeuten sie das, was sie brauchen: Wärme, Beheimatung, Verständnis.

Viele wissen nicht, dass die Hilfen der sozialen Dienste, die soziale Marktwirtschaft in Deutschland auszeichnen.

Daher ein kurzer Blick in die Geschichte.

Die großen Social Entrepreneure des 19. Jahrhunderts

„Der Wunsch, als Social Entrepreneur aktiv zu werden, gründet sich nicht in den Unterstützungsmöglichkeiten, sondern vielmehr in dem wachsenden Bewusstsein für gesellschaftliche Missstände und das persönliche Bedürfnis nach sozialer Veränderung und sinngebender Beschäftigung.“ (Fachartikel Social Entrepreneurschip)

Es waren damals wie heute jung-dynamische Persönlichkeiten wie beispielsweise Lorenz Werthmann, der Gründer des Deutschen Caritasverbandes, die Vereine gründeten, um der Not begegnen zu können.

Was den Jungunternehmern damals gelungen ist, ist die Verknüpfung der sozialen Arbeit mit der Sozialgesetzgebung und der Verankerung in der Verfassung.

Dieses Modell kennt in Europa kein anderes Land in einer vergleichbaren Form. Es ist ein Garant für sozialen Frieden, für hohe Qualität und eine vergleichsweise geringe Armutsquote.

Katholische Sozialpolitiker fanden sich Ende des 19. Jahrhunderts zusammen und waren der festen Überzeugung, dass man für „Saisonarbeiter, Seeleute, Tippelbrüder, Trinker, Körper- und geistig behinderte Menschen, Geschlechtskranke ebenso wie für Kindergärten, Fürsorgeerziehung, Mädchenschutz, Krankenpflege und Frauenfragen“ (Geschichte der Caritas) dringend etwas tun müsse.

„Diese organisatorische Zusammenfassung von privaten Einzelhilfen geschah in einer Zeit, die auch geprägt war durch Massennotstände und Kriege, vor allem aber durch die negativen sozialen Folgen der ersten Industrialisierungsphase. In dieser Zeit entwickelte sich die staatliche Armenpflege (kein Rechtsanspruch) hin zur Fürsorge (gesetzlich geregelt). Die Freie Wohlfahrtspflege trug in erheblichem Maße zur Herausbildung eines demokratischen Gesellschaftsbewusstseins bei. In der Weimarer Verfassungswirklichkeit ist folgerichtig die Freie Wohlfahrtspflege Grundbestandteil freiheitlicher Sozialordnung.“ (aus: Geschichte der Freien Wohlfahrtspflege)

Grundlegender Baustein ist hierbei das Subsidiaritätsprinzip (Artikel 23 GG), das zentrales Element und Garant des ordnungspolitischen Konzepts der sozialen Marktwirtschaft ist.

Es trug uns durch die Wiedervereinigung, durch die Wirtschafts- und Finanzkrise und durch die Flüchtlingszuwanderung. Die soliden Strukturen der freien Träger mit ihrer Personalkontinuität leisteten hier einen wesentlichen Beitrag.

Im Artikel 23 des Grundgesetzes ist nicht nur das Subsidiaritätsprinzip verankert, sondern auch der ausdrückliche Wille, in der Europäischen Union darauf hinzu wirken, dass diese Standards dort auch Anwendung finden. Dafür setzen sich Caritas und andere Verbände der Freien Wohlfahrtspflege ein, in dem sie europaweit für das sozialrechtliche Dreiecksverhältnis werben.

Die soziale Arbeit wird sich verändern, wandeln, weiter entwickeln.

So wie sie es schon immer getan hat.

Schon seit mehr als 100 Jahren.

Neue Ideen, Formen und Techniken tun da gut. Sie werden sie inspirieren und

nötige Veränderungen beschleunigen.

Die verfassungsrechtliche Verankerung darf dabei nicht verloren gehen. Sie ist eine wesentliche Säule unserer Demokratie.

Veröffentlicht in SozialCamp

Sozial wird digital. – Bist Du dabei? #SozialCamp

„Was hat das mit mir zu tun?“

ist eine Frage, die engagierte Menschen der sozialen Arbeit ärgert, besonders dann, wenn sie angesichts der offensichtlichen Not von Mitmenschen gestellt wird.

„Was hat das mit mir zu tun?“

ist eine Frage, die engagierte Menschen der sozialen Arbeit schon mal gerne stellen, wenn es um soziale Netzwerke, digitale Alltagshilfen und Social Media & Co. geht.

Sozial wird digital.

Dabei trifft die soziale Arbeit mittlerweile tagtäglich auf das Digitale: Kinder und Jugendliche, die in sozialen Netzwerken unterwegs sind, Senioren, die mit ihren Enkeln in Kontakt bleiben wollen, Menschen mit Behinderung, die digitale Medien im Alltag unterstützt.

„Was hat das mit mir zu tun?“

Menschen, die sich ihre Fluchtwege nach Deutschland organisiert haben, haben uns gezeigt, wie überlebensnotwendig Apps & Co. im Alltag sein können.

Ehrenamtliche haben uns gezeigt, dass sie sich unabhängig von den sozialen Verbänden im Netz in Gruppen organisieren.

Per Chat und Onlineberatung Menschen zu erreichen, gehört nunmehr seit Jahren zu neuen Dienstleistungsangeboten.

Fachkräfte zu gewinnen, läuft über Instragram, Twitter & Co.

Junge Bewegungen entstehen.

Politik, Kirchen und Gesellschaft sind im Netz vernetzt.

Wer sozial etwas bewegen will, Menschen helfen will, findet dafür zahlreiche verschiedene Möglichkeiten und Verbündete im Netz.

Die soziale Arbeit verändert sich. Der digitale Wandel verändert unsere Welt. Und damit auch unsere Gesellschaft. Die Art wie wir miteinander kommunizieren, wie wir miteinander umgehen, wie wir zusammen arbeiten. Die Angebote, die wir machen.

Was ist ein BarCamp?

Lest hierzu:  BarCamps – klassisch oder nicht.
Das BarCamp lebt von Euren ganz praktischen Fragestellungen und ich kann Euch versprechen, der illustre Kreis von Personen aus Wissenschaft und Praxis, der jetzt bereits seine Teilnahme zugesagt hat, ist vielversprechend mit Blick auf die Ergebnisse. Die Teilnehmer/innen werden mit konkreten Tipps und Ideen nach Hause gehen.

Wie wir Solidarität und das Soziale in unserer Gesellschaft halten und bewegen, hat etwas damit zu tun, wie es uns gelingt, das Digitale in den Dienst des Menschen zu stellen und es für das Soziale nutzbar zu machen.

Du hast Lust, Dich sozial zu engagieren und an zukunftsfähigen Konzepten für die soziale Arbeit mit zu wirken? Dann ist das SozialCamp genau richtig für Dich.

 

Melde Dich doch gleich hier an!

Das könnte Dich auch interessieren: Soziale Arbeit 4.0.

Das Who’s Who des Barcamps Soziale Arbeit.

Veröffentlicht in Jugendhilfe

SGB VIII Reform – Die Knackpunkte. #Sommerserie

Spätestens seit dem  14. Kinder- und Jugendbericht gibt es eine fachliche Diskussion und ein Ringen darum, wie die Umsetzung der „Großen Lösung“ (alle Kinder und Jugendlichen unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe) bzw. der „Inklusiven Lösung“ (Zusammenführung der Hilfen zur Erziehung und der Leistungen der Eingliederungshilfe als einem Leistungstatbestand) gelingen kann.

Bevor ich zu den Knackpunkten komme, sei gesagt, dass es grundsätzlich sehr erfreulich ist, dass das Vorhaben angepackt wird und es auch absolut zeitgemäss ist.

Was ist zu begrüßen?

  • Alle Kinder und Jugendlichen werden unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe zusammengeführt und in erster Linie als Kinder und Jugendliche betrachtet.
  • Kinder und Jugendliche sollen stärker beteiligt und Ombudschaften besonders gefördert werden.
  • Stärkung der Pflegekinder und ihrer Eltern.
  • Der Kinderschutz soll durch eine verstärkte Heimaufsicht sicher gestellt werden.
  • Medienbildung und -kompetenz werden gesetzlich verankert.

Was sind die Knackpunkte?

In einer Entwurfsfassung von Juni 2016 zeichnen sich einige Knackpunkte der Reform ab, die zu einem Paradigmenwechsel in der Kinder- und Jugendhilfe führen würden, wenn sie wie vorgeschlagen realisiert werden.

Zusammenführung der Erziehungs- und Eingliederungshilfe in einem Tatbestand.

Im zukünftigen  § 27 SGB VIII soll der Tatbestand für alle Minderjährigen einheitlich gefasst werden.  Man spricht dann hier von einem „Entwicklungs- und Teilhabebedarf“. Das Wort „Erziehung“ entfällt.

Es ist äußerst fraglich, ob ein Leistungstatbestand, der auch eine entsprechende Finanzierungsleistung nach sich zieht, den differenzierten Hilfebedarfen gerecht wird.

Gefahr der Aushöhlung des individuellen Rechtsanspruchs.

„Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.“ § 1 Kinder- und Jugendhilfegesetz

Üblich ist, dass im Hilfeplanverfahren eine individuelle Leistung bewilligt wird, für die eine Leistungsvereinbarung besteht und, die in der Leistungsvereinbarung mit einem freien Träger definiert ist.

Zukünftig soll es im Ermessen des Jugendamtes liegen, eine individuelle Hilfe oder Regelsysteme bzw. infrastrukturelle Angebote im Sozialraum zu nutzen. Wie kann so der individuelle Rechtsanspruch, der bisher zu den Grundfesten der deutschen Kinder- und Jugendhilfe gehörte, gewahrt bleiben?

Hilfeplan soll Leistungsplan werden.

Die Abkehr von dem Begriff „Hilfe“ wird damit begründet, dass hiermit eine ungleiche Beziehung impliziert sei: Bedürftiger und Helfender.

Orientiert an der Systematik des SGB XII, in dem von Leistungstatbeständen ausgegangen wird, wird aus dem Hilfeplan ein Leistungsplan.

Ist das wirklich das richtige Wort? Oder geht hier nicht das kooperative Ringen um den bestmöglichen Weg verloren? Dabei ist dies gerade für die Effizienz der Hilfen von besonderer Bedeutung.

Sozialrechtliches Dreiecksverhältnis vs. Ausschreibung.

Die Jugendämter sollen zukünftig zwischen verschiedenen Finanzierungsarten wählen können. Als eine dritte Finanzierungsart wird die Ausschreibung nach Vergaberecht in Aussicht gestellt. Das bedeutet nichts anderes, als dass Kommunen zukünftig aus dem sozialrechtlichen Dreiecksverhältnis aussteigen. Frühere Erfahrungen wie die Zusammenlegung der Sozial- und Arbeitslosenhilfe in 2002 zeigen, dass derartige Verfahren mittelfristig zu einem Qualitätsverlust bzw. zu einer Zerschlagung von Trägerstrukturen führen.

„Manches erinnert an die Anfänge einer Debatte, die viele längst hinter sich glaubten.“ Prof. Dr. Karin Böllert, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe in die Neue Caritas.

Elternanspruch nur als Annexleistung.

Im zukünftigen Gesetz haben die Minderjährigen den Leistungsanspruch und nicht die Eltern. Eltern können nur dann Leistungsansprüche erwerben, wenn das Kind einen Bedarf entwickelt. Das führt dazu, dass Symptome aber nicht Ursachen kuriert werden. Ein Rückschritt in der Kinder- und Jugendhilfe. Moderne Bildung und Erziehung arbeitet systemorientiert.

Angst vor der Kostenexplosion.

Das Budget von 2,4 Milliarden Euro für rund 260.000 Kinder und Jugendliche mit (drohender) geistiger und körperlicher Behinderung des SGB XII  wandert von den Sozialämtern zu den Jugendämtern. Somit stehen insgesamt 11,1 Milliarden Euro zur Verfügung und das Jugendamt wird neben den Sozialämtern der größte Kostenträger. Dennoch fürchten Experten eine Kostenexplosion, da Kinder mit (drohender) geistiger und körperlicher Behinderung  bisher keinen Rechtsanspruch auf Hilfen zur Erziehung hatten.  Freie Träger hingegen befürchten aus dem gleichen Grund eine Einschränkung der bisherigen Leistungen.

Die sogenannten Careleaver.

Grundsätzlich werden junge Menschen, die das 18. Lebensjahr erreicht haben, gestärkt, denn, wenn sie vor ihrer Volljährigkeit einen Hilfebedarf hatten, sollen sie zukünftig weiter gefördert werden können.

Das gilt nicht für junge Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Hier endet der Leistungsbezug.

Es gilt auch nicht für junge Menschen bei denen ein Bedarf möglicherweise erst nach der Vollendung des 18. Lebensjahres festgestellt wird.

Hier sollte grundsätzlich die Altersgrenze auf das 21. Lebensjahr angehoben werden.

Übergangsphase und Umbau der Jugendämter.

Für die Zusammenführung der Leistungssysteme ist eine Übergangsphase von fünf Jahren vorgesehen, so dass die Umsetzung tatsächlich erst zum 1. Januar 2023 abgeschlossen sein muss.

Dennoch ist zu befürchten, dass mit dem Start der Phase im Jahr 2017 mancherorts bereits entsprechend verfahren wird. Viele Jugendämter sind aber ohnehin überlastet. Hier gilt es besonders achtsam zu sein.

Klaus Peter Lohest, Abteilungsleiter Familie, Kinder und Jugend im rheinland-pfälzischen Familienministerium und Mitglied der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur SGB VIII Reform fordert daher in der Neuen Caritas:

„Die Prinzipien der Kinder- und Jugendhilfe, die unter anderem durch die Begriffe Rechtsanspruch, Wunsch- und Wahlrecht, Beteiligung, Aushandlungsprozess, Kooperation, einheitliche, nicht zwischen Personen differenzierte, Leistungsansprüche, Fachlichkeit, Leistungsplanung und -steuerung zum Ausdruck kommen, dürfen nicht verletzt oder in Frage gestellt werden.“

Weiterführende Links:

Position des Deutschen Caritasverbandes.

Synopse Novelle SGB VIII (Diakonie)

Florian Gerlach / Knut Hinrichs:
Eine erste Analyse des Entwurfs eines Reformgesetzes zum SGB VIII (Stand 06.07.2016)

Prüfsteine der Erziehungshilfefachverbände (u.a. BVKE)

Positionierung des Deutschen Caritasverbandes zu der Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung

Subsidiaritätsprinzip – Welfare mix – neue Subsidiarität (Norbert Wohlfahrt, Mai 2015)

Der § 35a als Leistungstatbestand der Jugendhilfe – Diplomarbeit 

Teil 1: Wie kam es zu dieser Reform?

 

 

Veröffentlicht in Bildung 4.0

Hat Snapchat das Potential, die neue Sesamstrasse zu sein?

Das ist ja mal eine ganz besonders „fromme“ Osterlektüre, die ich mir da ausgesucht habe.

Vor mir liegt das Buch „Silicon Valley“ von Christoph Keese. Als ich den Titel las, dachte ich, oh weia, wie will das Buch jemals diesem Titel gerecht werden.

Und es tut es doch. Das kann ich jetzt nach der Hälfte der Lektüre schon sagen.

Je mehr ich mich darin vertiefe, umso mehr begreife ich, was der Lesestoff mit Ostern zu tun.

Er bedeutet Aufbruch. Neuanfang. Zukunft.

So wie vielleicht das soziale Netzwerk Snapchat auch. Es steht für eine neue Generation von social media.

In Social Media in der sozialen Arbeit habe ich eine Einführung geschrieben wie soziale Netzwerke in der sozialen Arbeit genutzt werden können.

Sozialarbeit 4.0 gibt Beispiele wie das Digitale die soziale Arbeit verändern wird. Vielleicht fangen einige gerade an, sich an dieses Neue zu gewöhnen, da kommt das Nächste um die Ecke.

Bei dem Event Rock the Blog  im Rahmen der Cebit konnte ich erleben, dass Snapchat in der Szene in Deutschland als der neuste Hit schlechthin gewertet wird und youtube mittlerweile in den Schatten stellt. Youtube Stars und Sternchen wechseln bzw. haben längst zu snapchat gewechselt.

<a data-pin-do=“embedPin“ href=“https://de.pinterest.com/pin/133700682663075276/“></a&gt;

Warum ist Snapchat so trendy?

Facebook, Instagram und Co. rücken ein wenig in den Hintergrund. Sie wirken im Vergleich wie starre Webseiten aus dem Zeitalter 1.0.

Snapchat hingegen ist leicht, lustig und unterhaltsam. Außerdem verschwinden die Snaps nach spätestens 24 Stunden wieder.

Andere sehen nicht die Anzahl Deiner Follower. Es gibt keine für alle sichtbaren Likes und Kommentare und Du selbst rückst ganz schön in den Fokus.

Ich war eigentlich überhaupt nicht der Selfietyp und wollte das gerne der jüngeren Generation überlassen, aber mit Snapchat habe ich gelernt, dass persönlich gesprochene Videos, in denen Du selbst zu sehen bist, einen Unterschied machen. Es wird ganz schön authentisch – noch mehr als im Blog.

Der Harvard Professor Clayton M.Christensen, Jahrgang 1952, dessen Hauptwerk „The Innovators Dilemma“ von 1997, das laut Christoph Keese (Silicon Valley) zu den einflussreichsten Wirtschaftsbüchern der Nachkriegszeit gehört, hat gesagt:

„Nicht die stärkste Art überlebt, auch nicht die intelligenteste, sondern die wandlungsfähigste.“

Was aber wird dies alles für die soziale Arbeit bedeuten?

Häh? Warum Sesamstraße?

Die Sesamstrasse ist ein Symbol für eine frühe Form medialer Lerntools für Kinder, die nur geringe Zugänge zu Bildung hatten.

Snapchat ist das Symbol für den Kulturbruch, der sich auch in Deutschland langsam Bahn bricht. Der Kultur des Silicon Valleys, die die neue Leitkultur des digitalen Zeitalters sein wird.

„Der freie, ungehemmte Austausch von Menschen auf kleinstem Raum“, so beschreibt Keese die Arbeits- und Lernkultur im Valley. Räumliche Distanz behindert Kreativität, ebenso steifer gesellschaftlicher Umgang oder soziale Konventionen.

Darin liegt das Potential von Snapchat & Co. für die soziale Bildungsarbeit. Wir brauchen in der Bildung neue Ansätze. Es scheint, dass sich seit den medienpädagogischen Anfängen wie der Sesamstraße die Tools und Konzepte für Kinder und Jugendliche, für die das System Schule nicht die geeigneten Bildungszugänge bereit hält, wenig getan hat.

Potentiale von Snapchat in Bildung & Erziehung.

Die Pflänzchen sind sicher noch zart, aber treiben doch schon ein paar schöne Blüten wie diese Beispiele und Anregungen zum Einsatz von Snapchat in der Bildung hier zeigen:

Das Blog Kulturfritzen hat mit einer Serie über berühmte Frauen eine Woche lang täglich eine berühmte Frau herausgestellt und am Ende einen Katalog verlost.

Die Firma REWE nutzt Snapchat als Instrument zur Fachkräftegewinnung, in dem es gerade die jungen Menschen ansprechen und interessieren will.

Per Snapchat-App live dabei im Duisburger Praktikanten-Alltag

Das Blog Medienpädagogik Praxisblog hat im Rahmen einer kleinen Serie den Nutzen beschrieben.

Im Englischen gibt es auch ein paar Beispiele z.B. Teachers Guide für Snapchat  und den Einsatz von Snapchat als Vokabeltrainer.

Das Bistum Münster nutzt als erstes Bistum Snapchat, um unter dem Nutzernamen ,BistumMS_digi‘ unkonventionell über Kirchenthemen zu plaudern, verfasst Rätsel und nimmt Nutzerinnen und Nutzer mit zu Veranstaltungen.

Unter dem Nutzername Presseschau geben Volontäre aktuelle Titelstorys der Tageszeitungen an und bewerten sie. Ziel: Den Followern kurz und einprägsam einen Überblick über die wichtigsten News des Tages zu geben. Sie geben auch hilfreiche Erfahrungswerte weiter.

Auch das europäische Parlament gibt interessante Infos über Snapchat, Benutzername europarl .

Sehr unterhaltsam auch die fundierten juristischen Ratschläge von Rechtsanwalt Thomas Schwenke auf Snapchat.

Fazit

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich mir für dieses Jahr so einiges vorgenommen habe, was das Thema Digitalisierung und soziale Arbeit betrifft.

Ich besuche mehr oder weniger systematisch Events der digitalen Szene und bekomme ein Gespür dafür, wie sehr analoge und digitale Welt noch getrennt von einander zu sein scheinen.

Ich möchte Konzepte entwickeln und diskutieren, wie der Transfer zwischen den beiden Welten gelingen kann, damit soziale Arbeit auch auf dem neusten Stand bleibt und das tut, was sie am besten kann: die Probleme derjenigen zu lösen, die in Not geraten sind.

Und mein Fazit: ja, absolut! Snapchat hat viel Potential, die neue Sesamstrasse zu werden.

Mehr noch, es steht symbolisch für eine neue Lern- und Arbeitskultur, die das Valley gewollt oder ungewollt auf uns überträgt.

 

Das könnte Dich auch interessieren: Snapchat – ein Selbstversuch.

Veröffentlicht in Arbeiten 4.0

Die Zeit ist reif: Gründen wir doch einfach ein #lab!

Im Rahmen einer Blogparade der Bertelsmannstiftung habe ich letztes Jahr über das Thema „Von der Sesamstraße zur EdTech“ gebloggt und dabei die alte Lernpyramide, die aktives und passives Lernen auf verschiedenen Stufen hintereinander schaltet, in Frage gestellt.

Weil Social Media den Lernenden völlig neue Zugänge zu Wissen und Wissenschaft in der gleichzeitigen Verarbeitung und des Experimentierens erlaubt.

Und so muss sich auch die Arbeitswelt in sozialen Organisationen weiter entwickeln. Damit der Kulturwandel aber gelingt, gilt es eine Organisationsform zu kreieren, die ihn schon lebt.

Learning by doing. Zum Beispiel meine Herangehensweise an Snapchat: Habe ich zuerst das Handbuch im Trockenen studiert und dann das Smartphone eingeschaltet?

Nein. Ich hätte ewig gebraucht, um die neue App zu begreifen. Ich habe zuerst eingeschaltet, als ich nicht weiter wusste, im Internet recherchiert und wieder probiert, dann vertieft, wieder probiert und Details kennen gelernt.

Diese Chance haben Menschen jeden Alters. Aber Kinder tun sich hier ganz besonders leicht und daher müssen Lernkonzepte sich an ihnen ausrichten, denn wenn sie im berufstätigen Alter sind, wird die (Arbeits-) Welt gar nicht mehr anders zu bewältigen sein.

Für die mittelalterlichen Lehrenden eine echte Herausforderung.

Und hier an dieser Stelle passiert damit auch genau der Kulturbruch – von einem Wandel ist leider immer noch nicht zu sprechen.

Lebenslanges Lernen heißt gleichzeitig auch lebenslanges Experimentieren. Wie wir von den klügsten Köpfen der Welt wissen, auch sie haben sich geirrt. Neue Erkenntnisse können zu neuen Konsequenzen führen und alles Bisherige in Frage stellen. Damit müssen wir in immer kürzeren Zyklen leben lernen.

Im Internetzeitalter geht vieles sehr viel schneller.

Gleichzeitig führt das prozesshafte Lernen auch zu einer neuen Verhaltenskultur.

  • Menschen verbinden sich aus Interesse an einem Thema.
  • Communities bilden sich digital und analog.
  • Wissen wird geteilt.
  • Wissen ist in Fülle und für alle vorhanden.
  • Sozial- und Medienkompetenz sind Schlüsselvoraussetzungen für den Zugang zur digitalen Welt.
  • Kollaboratives Lernen und Arbeiten ersetzt Wissenshoheit.

 

Digitales Lernen in der Bildung und Wissenschaft.

Digitales Lernen oder Bildung 4.0 ist mehr als der Einsatz von Social Media im Unterricht, aber es ist ein erfolgsversprechender Weg kollaboratives Lernen und Arbeiten zu praktizieren.

Das hat zum Beispiel André Sprang mit seinem Ipad-Projekt an der Kaiserin-Augusta-Schule in Köln bewiesen. Das Blog zum Unterrichtseinsatz der iPads an der Schule startete bereis am 17. Januar 2011.

Insgesamt hat das Projekt fünf Jahre gedauert und hat eine enorme Breitenwirkung entfaltet. Das Blog diente dabei als Bericht aus den Erfahrungen und Möglichkeiten des Einsatzes, gab aber auch Anleitungen und Hilfestellungen.

Die Liste dessen, was sich in dieser Zeit entwickelte, ist lang:

Apps, Wikis, Open sources für Education, Makerspaces, iBooks und mehr. Die Produkte entwickelten sich aus dem Lernen heraus.

Die Lehrenden haben, initiiert durch André Spang, eine Art Twitter Stammtisch eingerichtet, wo sie sich dienstags abends zwischen 20 Uhr und 21 Uhr immer zu einem anderen Thema virtuell treffen.

Und auch in der Wissenschaft sind die User von Social Media auf dem Vormarsch. Dennis Fink hat gerade die Plattform Snap4Science eingerichtet.

 

 

Gründen wir doch einfach ein #LAB!

Die Einführung neuer Technologien in die soziale Arbeit (Sozialarbeit 4.0) bedeutet mehr als nur neue hard- oder software für den Arbeitsplatz. Es bedeutet einen kulturellen Wandel zu gestalten, dessen Fahrt nicht mehr aufzuhalten ist.

Das Anhängsel Lab wie etwa bei Betterplace lab kommt vom englischen Begriff Labor. Es ist vielleicht die Antwort auf die Frage, die ich vor ein paar Monaten hier gestellt habe:

Ist es nicht Zeit für einen Club of Rome der sozialen Arbeit?

Es braucht digital und analog einen Ort, wo Trends beobachtet, neue Technologien entwickelt und soziale Innovationen erprobt und erforscht werden.

Erste Eckpunkte könnten sein:

  • ein Ort, der als Raum für Austausch, Schulungen, Experimente, Beratung, Probierstätte zur Verfügung steht. Vielleicht eine Art Co-Working Space, wo sich Menschen treffen und austauschen können.
  • ein regelmäßiger Chat-Stammtisch mit abwechselnden Themen.
  • ein Barcamp veranstalten, das erste Projekte und Ideen einbringt und der Vernetzung der Szene dient.
  • Kooperationsparter/innen finden und Sponsoren.
  • einen Think-Tank gründen, der die Initiative begleitet.

Die Initiative könnte zunächst virtuell starten und dann eine Organisationsform und Räumlichkeiten finden. Idealerweise wird es von verschiedenen Kooperationspartnern getragen.

Das neue Institut muss nach neuen Regeln arbeiten können, damit es in der digitalen Welt, in der es hauptsächlich agieren wird, erfolgreich wird.

Plan ist, das Vorhaben in unterschiedlichen Kontexten zu diskutieren und zu planen. So soll es auf dem Caritas Kongress im März in Berlin vorgestellt werden. Auch die Re:Publica im Mai ist ein Ort, der der Weiterentwicklung dienen kann.

Es braucht digital und analog einen Ort, wo Trends beobachtet, neue Technologien entwickelt und soziale Innovationen erprobt und erforscht werden. Die Zeit ist reif.

Packen wir es an!

 

Links & Tools

The ten common mistakes in setting up a social lab

 

 

Das könnte Dich auch interessieren: Sozialarbeit 4.0.