Veröffentlicht in Spiritualität

Zusammen sind wir Heimat.

Manches versteht man erst, wenn man es am eigenen Leib erfährt.

So wie ich jetzt.

Ich wechsle die Heimat.

Die Heimat wechseln?

Geht das denn überhaupt?

„Ja,“ erzählte eine Vertreterin einer Migrantenorganisation anlässlich einer Fachtagung des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn e.V. „Das geht.“ Sie habe ihren Kindern von Anfang erzählt, dass da wo sie ihre Wurzeln hätten, aber auch an anderen Orten Heimat sein kann. Es könne mehrere Wahlheimaten geben.

Und tatsächlich regte mich dieser Gedanke an, darüber nachzudenken, wo ich mich bereits im Leben beheimatet gefühlt habe. An welchen Orten, bei welchen Menschen, in unterschiedlichen Wohnungen und Häusern.

Ich war eingeladen worden, etwas über digitale Lebenswelten zu erzählen. Viele Familien und Freunde überbrücken regionale Räume mittlerweile mit digitalen Netzwerken und bleiben so in Kontakt. Großeltern skypen, netzwerken und chatten ebenso fleißig mit. Grenzen lassen sich also einfach überwinden in einer globalen Welt. Der oder das Fremde ist gar nicht mehr so fremd.

Es ist weiss Gott etwas völlig anderes, ob ich aus freien Stücken während des Studiums, wegen einer Berufstätigkeit oder aus anderen Gründen, jedenfalls freiwillig, den Ort verlasse, wo ich mich bisher beheimatet fühlte und den Wohnort wechsle.

Menschen, die aus welchen Gründen auch immer auf der Flucht sind, haben es da viel schwerer. Sie treibt häufig über lange Zeit eine tiefe Sehnsucht dort hin zurück, wo sie sich einst beheimatet fühlten.

Und ich erinnere mich auch an frühere Kolleginnen und Kollegen, die aus anderen Herkunftsländern kamen und darunter litten, dass zwei Herzen in ihrer Brust schlagen und sie sich hin und her gerissen fühlten. Es war dann wie ein Zwang mal in beiden Heimaten gelebt zu haben, um für sich heraus zu finden, wo die gefühlte Heimat ist. Wenn das überhaupt möglich ist.

Ich erinnere mich aber auch daran, dass ich in den neunziger Jahre bei Reisen in die Türkei überrascht war, dass es dort Stadtteile gab, in denen nur Deutsch gesprochen wurde. So wie das in den USA bei den unterschiedlichsten Communities aus Polen, China und Deutschland auch üblich ist.

Meine eigene Familie war sehr bodenständig und heimatverbunden. Als Bauern buddelten sie quasi täglich in ihren eigenen Wurzeln. Mein Großvater hatte das Dorf lediglich verlassen, um im ersten Weltkrieg in die Marneschlacht zu ziehen und erzählte trotz der Leiden, denen er dort begegnet war, häufig von dieser einzigen „Auslandserfahrung“. Obwohl der Ort aus dem ich stamme, nur noch wenig mit dem Ursprungsdorf zu tun hat, ist er doch in meiner Seele meine Heimat.

In den letzten Jahren galt aber auch „Home is where the dog is“, umso mehr überraschte es mich, dass ausgerechnet dieser in den Turbulenzen des Stellenwechsels verstarb. Mein erster Gedanke war eine kleine Überraschung: „Aha, er soll also nicht mitgehen.“ bevor mich die Traurigkeit um diesen Verlust überkam.

Durch meine Berufstätigkeit und auch privat hatte ich das Glück viele schöne Reisen zu machen und unterschiedlichste Länder kennen zu lernen. Ich bin vielen Menschen und Kulturen begegnet, um zum einen festzustellen, dass Menschen überall auf der Welt ähnlich ticken und dann aber kulturell wieder ganz unterschiedlich sein können.

Und, dass auch ein Verband Heimat bedeutet. Ein Netzwerk von Menschen, denen man sich über Jahrzehnte im Engagement um die gemeinsame Sache verbunden fühlt.

Wie die Caritas, für die ich seit über zwanzig Jahren leidenschaftlich gerne arbeite, weil das, was die Dienste und Einrichtungen tun, für unsere Gesellschaft elementar wichtig ist.

Ich tue jetzt nur den kleinen Sprung vom Rhein an die Ruhr. Aus dem Rheinland in den Pott. Mitten ins Herz der alten Dame North Rhine-Westphalia.

Nun denn:

Glück auf!

Denn hier gilt insbesondere:

Zusammen sind wir Heimat.

Materialien zum Thema gibt es hier.

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Über Amt, Aufgabe & Beruf.

Wie einige wissen, befinde ich mich in einem Übergang von einer Aufgabe zu einer anderen, von einer Organisation in eine andere, von einer Region zu einer anderen.

Viele, viele Menschen haben mir gratuliert. Ich wurde sehr herzlich willkommen geheißen und erntete auch viel Bedauern, dass ich die alte Funktion verlasse.

Das ist außerordentlich wohltuend.

Und gibt starken Rückenwind.

Die Zahl hat mich überrascht  und überwältigt und gab mir gleichzeitig eine Bestätigung, dass ich die richtige Wahl getroffen habe.

In einem Kommentar hieß es:

„Da bist Du ja genau richtig.“

Und je mehr ich mich in die Rolle bewege, um so mehr erkenne ich:

Ja…

…genau da bin ich richtig.

Warum eigentlich?

Und die schlichte Antwort ist:

Weil die Aufgabe passt.

„Bist Du denn nicht furchtbar aufgeregt angesichts der Verantwortung?“

Und ich musste feststellen:

Nein.

Bin ich nicht.

Warum?

Weil die Aufgabe passt.

Die Aufgabe passt zu dem, was ich gelernt habe und zu meinen Erfahrungen und zu dem, was ich gerne tue.

Karrieresprung, sagen einige.

Ja, klar, ist es auch und freut natürlich ebenso.

Und gleichzeitig weiß ich, dass ich nicht in irgendetwas springen würde, nur der Karriere wegen.

Die Aufgabe muss spannend sein.

Und warum dann genau das?

Einfache Antwort:

weil sie jemanden gesucht haben.

Vor dem Hintergrund meines Glaubens aber auch:

es ist offensichtlich mein Weg.

Caritasarbeit im Ruhrbistum.

Wenn nicht dort…,

…wo dann?

Und das Amt?

Ein Amt ist nicht nur einfach so ein Wort. Ein Amt ist eine Verantwortung.

Alle getroffenen Entscheidungen haben Auswirkungen. Vor allem auf Menschen.

In erster Linie. Ein Amt ist eine große Verantwortung.

Davor habe ich Respekt.

Aber keine Angst.

Ist es also mehr als ein Beruf?

Sollte man tatsächlich das große Wort Berufung bemühen?

Nein.

Aber…

…wenn ein Weg stimmig ist, stimmt, ist es wirklich eine göttliche Fügung.

Es sind diese Momente,

wo man aufschaut und denkt:

„Ach,

…das sollte es sein…“