Veröffentlicht in Führung

Gute Führung.

Lernende Organisationen und agiles Management brauchen schlichte Werkzeuge, um gute Führung zu ermöglichen.

Selbst auf der Suche nach Handwerkszeug, das kommunikatives Miteinander unterstützt und gleichzeitig Zeit und Raum lässt, Knackpunkte zu identifizieren und zu lösen, stieß ich dieser Tage auf die Information, dass Google seine Führungstools ins Netz gestellt hat.

Auf der Suche nach der Antwort, was gute Führungskräfte ausmacht und wie Organisationen zu guten Führungskonzepten kommen, stellt Google im so genannten Re:Work Blog diese Informationen zur Verfügung.

Googles Führungstools

  • 8 zentrale Führungsmerkmale
  • Feedbackfragebogen zur Beurteilung von Vorgesetzten
  • Leitfragen für Mitarbeiter/innengespräche
  • Unterlagen für interne Fortbildungen
  • Anleitungen zur Zielformulierung
  • Merkmale für ein gutes Vier-Augen-Gespräch

Da es sich um eine Organisation handelt, deren zentrale Mission der digitale Wandel und das digitale Lernen ist, bin ich neugierig und gehe in die Tiefe.

Was macht bei Google eine gute Führungskraft aus?

1. ist ein guter Coach

2. ermutigt und befähigt das Team ohne klein-klein zu managen

3. drückt sein Interesse am Erfolg und Wohlsein der Mitarbeitenden aus

4. ist produktiv und ergebnisorientiert

5. ist ein guter Kommunikator – hört und teilt Informationen

6. unterstützt die berufliche Entwicklung

7. hat eine klare Vision und Strategie für das Team

8. hat Schlüsselqualifikationen, die ihr oder ihm helfen, das Team zu führen

Schon in einem früheren Beitrag „Was ist eigentlich ein Traumjob oder was wir von Google lernen können“  hatte ich Larry Page zitiert:

Überzeugungen von Google Gründer Larry Page

  • Mitarbeitende wollen an einer wirklich wichtigen Sache gerne mitarbeiten.
  • Die größte Aufgabe von Führungskräften ist es, den Mitarbeitenden eine bedeutungsvolle Aufgabe zu geben, an der sie wachsen und sich entfalten können
  • alle Informationen im Unternehmen sollten allen Mitarbeitenden zugänglich sein.
  • Führungskräfte sollen führen können, bevor sie einen Titel dafür bekommen.
  • Bei guten Chefs werden die Mitarbeitenden besser, bei schlechten Chefs bringen gute Mitarbeitende weniger Leistung.

Diese Haltung lässt sich durchaus in den Tools wieder finden.

Sicherlich tun wir uns an der ein oder anderen Stelle schwer mit der amerikanischen Kultur, die sich in den Fragebögen ausdrückt und doch gefällt mir deren Einfachheit. Wie dieses Tool beispielsweise:

Leitfaden für Mitarbeiter/innengespräche

  1. Was sind die Ziele des Beschäftigten?
    U. a. verknüpft mit der Frage: Wenn Geld keine Rolle spielen würde, was wäre Deine Traumaufgabe im Unternehmen? Oder Was sind Deine Leidenschaften? Was motiviert Dich?
  2. Wie sieht die aktuelle Situation aus?
    Was sind Störfaktoren? Was frustriert Dich?
  3. Welche Fortbildungen o.ä. könnten interessant sein?
  4. Welche Projekte oder anderen Ziele stehen als Nächstes an?

Die Klärung dieser Fragestellungen sind wichtig. Was stört die Arbeit? Was macht Lust? Was kann unterstützen? Und gleichzeitig ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, sich zu begegnen und vielleicht ist der Leitfaden gar nicht immer nötig.

Werteorientierte Führung

Forscht man in den Schulungsunterlagen, findet sich auch das Thema „Werte“ wieder. Die Rolle von Werten ist in einer Führungskultur nicht zu unterschätzen. Gerade im kirchlichen Kontext und generell bei Non-Profitorganisationen sicher ein Faktor, der keine untergeordnete Rolle spielt.

Dabei geht es nicht um eine besondere Form von Kirchlichkeit oder ein Parteibuch, sondern Überzeugungen, die das Handeln eines Menschen, häufig auch unbewusst, bestimmen.

Im Vortrag von Prof. Peter Fischer von der Universität Regensburg gibt es gute Hinweise zu diesem Thema, u.a. zur Frage, was humanistische Führung ist:

  •  3Vs: Vorbild, Verpflichtung, Verantwortung
  • 4Ms: Man muss Menschen mögen
  • 3Ks: Kommunikation, Kooperation, Kompetenz

In diesem Sinne beobachten, lernen und handeln wir weiter, um vernetztes und doch geordnetes Miteinander gekonnt hin zu bekommen. Dabei spielt natürlich auch die Aufbauorganisation eine Rolle, die neben der Linienhierarchie eine brauchbare Matrixorganisation benötigt. Hierzu später mehr.

 

Veröffentlicht in Tagebuch

Agile Wohlfahrt? Kein Widerspruch.

Hinter mir liegen fünf bis zum Rand gefüllte erste Wochen im neuen Amt.

Ich lerne viel.

Ich lerne das Team kennen.

Unsere Mitglieder.

Die Mitglieder der Hauptabteilungsleiterkonferenz im Bistum.

Viele, viele Einzelgespräche, die mir wertvolle Hinweise für meine Arbeit geben.

Ich mache meine täglichen Erfahrungen als Vorstandsvorsitzende.

Und meine Erfahrungen als Diözesan-Caritasdirektorin.

Zwei verschiedene Ämter, die jeweils ihre Bedeutung haben.

Die Geschäftsstelle.

Die Geschäftsstelle eines Spitzenverbandes der Freien Wohlfahrtspflege ist eine organisatorische Einheit. Sie ist das Zentrum der Aktivitäten eines Verbandes im jeweiligen Einzugsgebiet. In diesem Fall des Ruhrbistums.

Dabei ist das Ruhrbistum eine Region mit besonderen Herausforderungen.

Als Freie Wohlfahrtspflege stehen wir heutzutage vor besonderen Herausforderungen.

Wir haben es mit knapper werdenden Mitteln zu tun, mit Strukturen, die sich fragen müssen, ob sie auf aktuelle Entwicklungen noch zeitgemäss agieren. Mit Kulturen, die tradiert sind und sich nicht von heute auf morgen ändern wollen. Mit technologischen Entwicklungen, die eine mittelalte Belegschaft älter aussehen lassen als sie ist.

Wir haben satzungsgemäße Anforderungen zu erfüllen, deren Prioritäten uns unsere Mitglieder vorgeben und deren erstes Anliegen berechtigterweise die sozialpolitische Interessenvertretung ist und qualifizierte Beratung.

Darüber hinaus ist es aber auch unser Anspruch, neue Entwicklungen vorzudenken und entsprechende Projekte und Fortbildungen anzubieten.

Das Team.

Um hier eine gründliche Kenntnis der Menschen und Kompetenzen in unserem Haus zu erhalten, führe ich Kennenlerngespräche. Sie dauern in der Regel bis zu 2 1/2 Stunden und folgen einem Leitfaden. Sie bringen tatsächlich das, was der Name sagt: sich kennenzulernen.

Zu sprechen. Zuzuhören. Fragen zu klären. Vertrauen herzustellen. Es ist ein Mammutprogramm, das sich absolut lohnt.

Wir müssen gegenseitig wissen, mit wem wir es zu tun haben.

Ein wenig vergleichbar mit einer Mannschaft in einem U-Boot. Man muss sich gegenseitig aufeinander verlassen können, wenn man zusammen auf große Fahrt geht.

Ich lerne bei diesen Gesprächen am meisten. Ein besseres Einarbeitungsprogramm ist wohl kaum denkbar.

Und die Gespräche sind echte Begegnungen, die mir gleichzeitig zeigen, wieviel Kompetenz in der Geschäftsstelle sitzt.

Unsere Mitglieder.

Das Gleiche gilt für die Vor-Ort-Besuche.

Mir hilft es am meisten, wenn ich die praktischen Herausforderungen unmittelbar erlebe und weiss, wofür wir uns einsetzen müssen.

Hier gab es dieser Tage eine sehr anschauliche Begegnung in einem Arbeitsprojekt von Menschen mit psychischer Behinderung, das nach der sogenannten Teachmethode arbeitet und die Beschäftigten in sehr kleinschrittigen Prozessen Aufträge von Wirtschaftsunternehmen erledigen lässt.

Ich war beeindruckt, wie viel Zeit sich der Vorstand für meinen Besuch genommen hat und zu welchen guten Kooperationsvereinbarungen der zukünftigen Zusammenarbeit wir gekommen sind.

 

Kirche vor Ort.

Dort wo Menschen in Suppenküchen, im Arbeitsprojekt für Psychisch Kranke, in der Bahnhofsmission zusammen kommen und Nächstenliebe erfahren, erlebt Kirche ein hohes Ansehen wie eine Studie jüngst wieder zeigte.

Gerade die Dienste, wo wir als Kirche mit ihrer Caritas besonders gebraucht werden, erhalten die wenigsten staatlichen Zuschüsse: allgemeine Sozialberatung, Kleiderkammern, Arbeitsprojekte, Suppenküchen.

Ein wichtiges Anliegen ist uns daher, dafür Sorge zu tragen, dass Kirchensteuermittel, die der Caritas zugewiesen werden, insbesondere diese Angebote unterstützen.

Innovationen.

Einerseits bietet die solide Struktur der Geschäftsstelle ein gutes Gerüst, um die täglichen Anforderungen zu bearbeiten, andererseits erlebe ich bei den Gesprächen Engagement und Eifer auch neue Wege zu gehen, weil die aktuellen Formate nicht immer den aktuellen Herausforderungen genügen. Wir müssen schneller und agiler handeln. Es gibt bald ständig neue Themen, die anzugehen sind.

Das Leitungsteam kommt wöchentlich zusammen, um die aktuellen Herausforderungen zu benennen, zu diskutieren und anzugehen. Hierbei arbeiten wir mit neuen Formaten, in denen u.a. Teams gebildet werden, um anstehende Fragen zu beantworten bzw. zu bearbeiten.

Wo digitale Medien helfen können, werden virtuelle Gruppen gebildet. Die Erfahrung zeigt, dass sozialpolitische Interessenvertretung längst nicht mehr ausschließlich über Gremien läuft, sondern vielfältige Wege sucht. So hat sich Twitter hierfür als ein mögliches Instrument herausgebildet, da sich Politik hier auch gerne aufhält.

Ein Organisationsnetzwerk ähnlich Facebook soll zeitnah eingeführt werden und die verbandsinterne Netzwerkarbeit unterstützen.

Das InnovationsLAB ist Kür und Pflicht, da es Kernstück unserer Fort- und Weiterbildung werden soll und gleichzeitig die Heranführung an digitale Entwicklungen in der sozialen Arbeit sicher stellt, ohne die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege heutzutage nicht mehr auskommen.

Als Vorstandsvorsitzende unserer Geschäftsstelle trage ich Verantwortung dafür, dass wir zeitgemäß und gut aufgestellt auf die Anfragen unserer Mitglieder reagieren.

Als Diözesan-Caritasdirektorin ist es mir ein Anliegen, die Entwicklung der caritativen Arbeit in Verbindung mit der Kirchenentwicklung insgesamt im Blick zu haben, zu fördern und mit zu entwickeln.

Beides wirkt aufeinander ein.

Und ist mehr als spannend.

 

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Zwischen Vision und Wirklichkeit – #InnovationsLabore

Es ist jetzt etwas über ein Jahr her, dass ich in meinem Blog schrieb:

Gründen wir doch einfach ein LAB!

Ja, aber was heißt das?

Und wie geht das?

Und macht das überhaupt Sinn?

Und im Anschluss ergab sich auch ein kontroverser Diskurs, der der Diskussion sehr gut getan hat.

Hendrik Epe und Hannes Jähnert haben sich gerade noch zu dem Thema geäußert und mich wiederum inspiriert, mal den aktuellen Stand einer Praktikerin aufzuschreiben.

Denn die einfache Frage ist, was wird gebraucht?

Ein Raum.

Seit dem ich in den neunziger Jahren meine Diplomarbeit über Wohnen im Alter geschrieben habe, lässt mich die Faszination von Räumen nicht mehr los. In der Pädagogik spricht man ja von dem Raum als dem dritten Erzieher. Die Gestaltung von Räumen hat Auswirkungen auf das, was dort geschieht. Kreativität braucht Freiraum und Farbe. Geeignete Möbel. Architektur. Design.

Ich kann nicht verschweigen, dass Google-Offices eine gewisse Faszination auf mich ausüben. Gewisse Retroelemente erinnern vielleicht an die offene Jugendarbeit und sind auch wieder neu gemischt mit Spielecken wie man sie von großen Warenhäusern kennt. Egal wie.

Möbel, Farbe, Raum wirken sich auf das was geschieht aus.

Das Haus der Caritas im Bistum Essen, das schon asymetrisch gebaut ist, hat auch innen Elemente, die die Fantasie wecken und Potentiale für neue Lern- und Arbeitsräume darstellen.

Vor dem geistigen Auge werden nicht nur bei mir, auch bei Besucher/innen, solche Bilder wach.

Ein Konzept.

Räume alleine genügen nicht. Es braucht ein Konzept. Die Beiträge von Hendrik und Hannes haben meine alte Vision abgelöst, dass InnovationsLabore sich fern ab von der eigentlichen Organisation befinden müssen, die sie beflügeln wollen.

Können sie nicht Teil der Organisation sein?

Seit ich mich mit dem Thema „Digitales Lernen“ und „neue Lern- und Arbeitsformen“ befasse und gleichzeitig die Gelegenheit habe, im Caritashaus des Ruhrbistums, den Aufgabenbereich Fort- und Weiterbildung mit weiter zu entwickeln, erkenne ich immer mehr Verbindungen zwischen den neuen Lern- und Arbeitsräumen, dem neuen Arbeiten grundsätzlich und den sozialen Innovationen, die wir dringend benötigen, denn

Das Einzige, was bleibt, ist die Veränderung.

Soziale Innovationen sind also das Gebot der Stunde.

Eine Strategie.

Strategisch werden die Fort – und Weiterbildung mit Makerspaces, Coworkingarealen und Innovationslaboren verknüpft.

Davon leben sie aber noch nicht. Sie leben durch neue Organisationsformen und kleinen Kompetenzzentren innerhalb der Organisation. Hier kommen diejenigen zusammen, die den Spirit ebenso fühlen und Lust haben, an der Sache zu arbeiten.

Sie kommen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen, beleben das eigene Arbeitsfeld und entwickeln es weiter. Gleichzeitig bringen sie die Bedarfe in die Labore und die Fort- und Weiterbildung.

Eine Vision.

So bilden sich neue Netzwerke, die sich in die herkömmlichen Strukturen einweben. Nicht nur innerhalb einer Organisation, sondern auch innerhalb eines Verbandes und/oder der Verbände und anderer Akteur/innen der Sozialwirtschaft.

Auf diese Weise entsteht die neue Arbeits- und Organisationskultur im hier und jetzt von Menschen, die inspiriert sind und andere weiter begeistern. Das Digitale ist das Hilfsmittel, das der Unterstützung dient.

Auf diese Weise entsteht die …

Zukunft!

Gleich im hier und jetzt!

 

Der Rohdiamant.

 

Und wer Lust hat, mit zu wirken…wir suchen gerade Verstärkung!

 

 

 

 

Veröffentlicht in Soziale Arbeit

NRW 2017 – 2022 Das Soziale bildet das Schlusslicht. #Koalitionsvertrag

Die neue Koalition hat einen Vertragsentwurf vorgelegt, der jetzt noch von den Parteitagen abzustimmen ist. Es ist jedoch kaum davon auszugehen, dass es hier noch zu großen Überraschungen kommt. Armin Laschet wird am 27. Juni zum Ministerpräsidenten gewählt werden und die Ministerien werden gemäß der verabredeten Vorschlagsrechte (FDP: Familie, Schule, Integration, Wirtschaft und Digitalisierung; CDU: Finanzen, Arbeit, Gesundheit, Inneres, Justiz, Umwelt, Landwirtschaft, Verkehr, Bau, Wissenschaft, Kommunales, Bundes- und Europaangelegenheiten) besetzt werden. Die wenigen Ministerinnen werden sich um Familie, Schule und Umwelt kümmern, die Minister um die restlichen Themen.

Da sich dieses Blog im Schwerpunkt mit dem digitalen Wandel (in der sozialen Arbeit) befasst, ist grundsätzlich zu begrüßen, dass das Thema Digitalisierung als Querschnittsthema nicht nur im Blick, sondern mit Strategien hinterlegt, ist.

NRW war auch bereits unter der Vorgängerregierung Vorreiter bei diesem Thema. Der erste Kongress zum Thema dieser Art unter der Überschrift Bildung 4.0 wurde im vergangen Jahr unter Beteiligung des halben Kabinetts veranstaltet.

Die Programmatik der neuen Koalition erschließt sich bereits aus den Überschriften. Die Reihenfolge könnte auch eine Prioritätensetzung sein. Das würde bedeuten, dass Gesundheit und Soziales das Schlusslicht bilden.

  • Bildung
  • Innovation und starke Wirtschaft
  • Sicherheit und Freiheit
  • Vielfältige Regionen
  • Sozialer und gesellschaftlicher Zusammenhalt

 

Bildung

Es fragt sich schon, warum die Familienpolitik unter Bildung subsumiert wird. Geht es hier in erster Linie, um die Heranziehung neuer Kräfte für den Arbeitsmarkt?

Das ist zu begrüssen:

  • die in Aussicht gestellten zusätzlichen Landesmittel und gehobenen Qualitätsstandards für Kitas und den Offenen Ganztag (Sofortprogramme)
  • die Entbürokratisierung der Beantragung der Mittel im Bildungs- und Teilhabepaket
  • die vernetzten Beratungs- und Bildungsangebote in Familienzentren sollen weiterentwickelt werden
  • die (200) Schwangerschaftsberatungsstellen werden wie gehabt gefördert werden
  • niedrigschwellige Familienbildung und -beratungsangebote sollen gefördert werden
  • Schulen sollen sich im Sozialraum mit ausserschulischen Partnern vernetzen
  • Programme wie Teachfirst sollen ausgebaut werden (informelles Lernen/ Praxislernen)
  • Es sollen 30 Talentschulen in Stadtteilen mit den größten sozialen Herausforderungen auf hohem (technologischem) Niveau eingerichtet werden
  • Das Förderschulkonzept bleibt erhalten. Kann aber mit allgemeinbildenden Schule kombiniert werden. (Förderschulgruppen)
  • Sonderklassen für Flüchtlinge und spezielle Ausbildungsplatzangebote sowie die Schulpflicht für nicht mehr schulpflichtige Flüchtlinge
  • Kinder sollen Grundkenntnisse im Programmieren erlernen
  • Digitales Lernen wird Bestandteil der Lehrerausbildung
  • Digitale Lernzentren (Smart Factorys) werden eingerichtet.
  • das Fachkräftgebot wird gelockert: für Leitungskräfte im Kitabereich und Lehrer/innen
  • In der Fort- undWeiterbildung wird ein Schwerpunkt bei der Digitalisierung gelegt. Die Förderung durch den Bildungsscheck bleibt.

 

Innovation und Wirtschaft

Hier will ich ein paar Aspekte kritisch herausheben:

  • Die Hoffnung, dass NRW zum Land der Entwicklung der Industrie 4.0 wird, ist schön und gut, aber zu kurz gegriffen. Industrie 4.0 geht nicht ohne Soziale Arbeit 4.0. Das gilt insbesondere für das Ruhrgebiet, wo die neue Regierung (zurecht!) einen Schwerpunkt legen will. Da hätten wir auch gleich gute Konzepte.
  • Es ist zu begrüßen, dass die Digitalstrategie mit den Zielen des Europäischen Strukturfonds verbunden werden soll und zu hoffen, dass damit die Verknüpfung der sozialen Ziele gelingt.
  • Arbeit und Soziales wird unter Innovation und Wirtschaft subsumiert. Nicht unter sozialem Zusammenhalt. Das birgt die Gefahr, (langzeit-) arbeitslose Menschen nur nach ihrem Mehrwert für den Arbeitsmarkt abzustempeln.
  • Es ist zu begrüßen, dass Arbeitsmarktpolitik, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe besser miteinander verzahnt werden sollen, solange es dabei nicht zu einer Aushöhlung der einzelnen Gesetze kommt.

Vielfältige Regionen

Das Wort Vielfalt bezieht sich auf die Unterschiedlichkeit der Ballungsgebiete und des ländlichen Raums, nicht auf die Vielfalt der Menschen, die dort leben.

  • Das Kapitel „ländlicher Raum“ ist ähnlich dimensioniert wie vorher das Kapitel „Ruhrgebiet“. Wenn nicht sogar etwas größer. Es soll ja sogar ggf. ein eigenes Landwirtschaftsministerium geben. Da macht sich doch bemerkbar, dass die Federführenden aus den Rändern NRWs kommen.
  • Es geht in diesem Teil u.a. um die überregionale Zusammenarbeit der Kommunen, die von der Wohlfahrtsarbeit nachvollzogen werden müsste.
  • Zu begrüßen sind die Weiterentwicklung der sozialen Wohnraumförderung und der Städtebauförderung.

Sozialer und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Das Kapitel beginnt mit Kultur und Medien.

Aber dann kommen die gesellschaftlich wichtigen Themen dann doch noch.

  • Sofortprogramm für Krankenhäuser: Investitionsprogramm
  • Altersmedizin und Gerontopsychiatrie sollen besondere Schwerpunkte werden
  • Telemedizin/Digitalisierung soll wohnortnahe Versorgung sicher stellen
  • Weiterentwicklung nicht-akademischer Gesundheitsberufe
  • Hebammen sollen gestärkt werden
  • Pflegestärkungsgesetz soll umgesetzt werden
  • Das Alten- und Pflegegesetz NRW und die Durchführungsverordnung im Hinblick auf die Benachteiligung stationärer Einrichtungen soll überarbeitet werden.
  • Die Assistenzausbildung in der Pflege soll gestärkt und weiterentwickelt werden.
  • Der Kinder- und Jugenförderplan soll dauerhaft verbessert werden.
  • Es soll ein direkt gewähltes Jugendparlament geben.
  • Schul- und Jugendhilfeentwicklung sollen miteinander verknüpft werden. (Kann Auswirkungen auf die örtlichen Schul- und  Jugendhilfeausschüsse haben)
  • Ehrenamtliche, besonders junge Menschen, sollen gestärkt werden.
  • Für Senioren sollen Zugänge zur digitalen Welt geschaffen werden.
  • Familienzentren sollen mit Seniorenpolitik verknüpft werden.
  • Fortführung des Bundes-Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser ab 2020
  • Spezielle Förderung älterer und alter Migranten
  • Das Bundesteilhabegesetz soll zügig und im Zeitrahmen umgesetzt werden.
  • Solide Finanzierung für Frauenhäuser
  • Kultursensible Alten- und Gesundheitspflege
  • Förderung des interrelligiösen Dialogs / Ethikkurse in Schulen
  • Spezielle Programme für Flüchtlinge (Sprache, Bildung, Arbeitsmarkt, Ehrenamtliche)
  • Ausbau der nordrhein-westfälischen Landespolitik in Brüssel zur Mitgestaltung der europäischen Angelegenheiten

 

Soweit die Liste der Vorhaben der Regierung 2017 bis 2022. Ich bin gespannt, was davon wie umgesetzt wird.

Weitere Infos:

Der Koalitionsvertrag (Gesamttext)

Interview mit dem Leiter des katholischen Büros NRW 

 

Veröffentlicht in Spiritualität

Zusammen sind wir Heimat.

Manches versteht man erst, wenn man es am eigenen Leib erfährt.

So wie ich jetzt.

Ich wechsle die Heimat.

Die Heimat wechseln?

Geht das denn überhaupt?

„Ja,“ erzählte eine Vertreterin einer Migrantenorganisation anlässlich einer Fachtagung des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn e.V. „Das geht.“ Sie habe ihren Kindern von Anfang erzählt, dass da wo sie ihre Wurzeln hätten, aber auch an anderen Orten Heimat sein kann. Es könne mehrere Wahlheimaten geben.

Und tatsächlich regte mich dieser Gedanke an, darüber nachzudenken, wo ich mich bereits im Leben beheimatet gefühlt habe. An welchen Orten, bei welchen Menschen, in unterschiedlichen Wohnungen und Häusern.

Ich war eingeladen worden, etwas über digitale Lebenswelten zu erzählen. Viele Familien und Freunde überbrücken regionale Räume mittlerweile mit digitalen Netzwerken und bleiben so in Kontakt. Großeltern skypen, netzwerken und chatten ebenso fleißig mit. Grenzen lassen sich also einfach überwinden in einer globalen Welt. Der oder das Fremde ist gar nicht mehr so fremd.

Es ist weiss Gott etwas völlig anderes, ob ich aus freien Stücken während des Studiums, wegen einer Berufstätigkeit oder aus anderen Gründen, jedenfalls freiwillig, den Ort verlasse, wo ich mich bisher beheimatet fühlte und den Wohnort wechsle.

Menschen, die aus welchen Gründen auch immer auf der Flucht sind, haben es da viel schwerer. Sie treibt häufig über lange Zeit eine tiefe Sehnsucht dort hin zurück, wo sie sich einst beheimatet fühlten.

Und ich erinnere mich auch an frühere Kolleginnen und Kollegen, die aus anderen Herkunftsländern kamen und darunter litten, dass zwei Herzen in ihrer Brust schlagen und sie sich hin und her gerissen fühlten. Es war dann wie ein Zwang mal in beiden Heimaten gelebt zu haben, um für sich heraus zu finden, wo die gefühlte Heimat ist. Wenn das überhaupt möglich ist.

Ich erinnere mich aber auch daran, dass ich in den neunziger Jahre bei Reisen in die Türkei überrascht war, dass es dort Stadtteile gab, in denen nur Deutsch gesprochen wurde. So wie das in den USA bei den unterschiedlichsten Communities aus Polen, China und Deutschland auch üblich ist.

Meine eigene Familie war sehr bodenständig und heimatverbunden. Als Bauern buddelten sie quasi täglich in ihren eigenen Wurzeln. Mein Großvater hatte das Dorf lediglich verlassen, um im ersten Weltkrieg in die Marneschlacht zu ziehen und erzählte trotz der Leiden, denen er dort begegnet war, häufig von dieser einzigen „Auslandserfahrung“. Obwohl der Ort aus dem ich stamme, nur noch wenig mit dem Ursprungsdorf zu tun hat, ist er doch in meiner Seele meine Heimat.

In den letzten Jahren galt aber auch „Home is where the dog is“, umso mehr überraschte es mich, dass ausgerechnet dieser in den Turbulenzen des Stellenwechsels verstarb. Mein erster Gedanke war eine kleine Überraschung: „Aha, er soll also nicht mitgehen.“ bevor mich die Traurigkeit um diesen Verlust überkam.

Durch meine Berufstätigkeit und auch privat hatte ich das Glück viele schöne Reisen zu machen und unterschiedlichste Länder kennen zu lernen. Ich bin vielen Menschen und Kulturen begegnet, um zum einen festzustellen, dass Menschen überall auf der Welt ähnlich ticken und dann aber kulturell wieder ganz unterschiedlich sein können.

Und, dass auch ein Verband Heimat bedeutet. Ein Netzwerk von Menschen, denen man sich über Jahrzehnte im Engagement um die gemeinsame Sache verbunden fühlt.

Wie die Caritas, für die ich seit über zwanzig Jahren leidenschaftlich gerne arbeite, weil das, was die Dienste und Einrichtungen tun, für unsere Gesellschaft elementar wichtig ist.

Ich tue jetzt nur den kleinen Sprung vom Rhein an die Ruhr. Aus dem Rheinland in den Pott. Mitten ins Herz der alten Dame North Rhine-Westphalia.

Nun denn:

Glück auf!

Denn hier gilt insbesondere:

Zusammen sind wir Heimat.

Materialien zum Thema gibt es hier.