Hervorgehoben

Ausgebildet?!

„Es hat den Anschein, als hätten wir eine Art sozialen Wendepunkt überschritten. Die Menschen beginnen, ihre Stimme zu finden, zu verstehen, dass sie tatsächlich etwas bewirken können.“

Greta Thunberg

Das Thema Bildung bewegt mich seit mehr als drei Jahrzehnten und ist mit meinem Lebensweg eng verknüpft. Dabei begann die Liebesgeschichte eigentlich erst nach der Schule als ich lernte, dass Wissensfüllung nicht gleich -erfüllung und schon gar nicht gleich Bildung ist.

Mein Vater wollte eigentlich, dass ich Informatik studiere. Das war Anfang der 90er Jahre noch gar keine so selbstverständliche Empfehlung. Und wäre aus heutiger Sicht ein durchaus sinnvoller Weg angesichts meiner Leidenschaften für digitale Themen gewesen. Aber ich studierte Jura. Weil sich in meinem Kopf ein Berufsbild festgesetzt hatte. Zu der Zeit war es ja noch so, dass eine*r einen Beruf fürs leben erlernte.

Jura habe ich nur ein Semester studiert, weil mir die Paragraphen zu stupide und ich auf der Suche nach kreativeren Umgebungen war. Aber auch die Paragraphen haben mich später wie das Digitale wieder eingeholt.

Fakt ist: Es gibt nicht das eine Berufsbild. Nicht die eine Aufgabe. Nicht den einen Arbeitgeber. Nicht die eine Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Die Welt ist bunt!

Ausgebildet?!

So fand ich meinen Weg zu meinem Studium: der Pädagogik. Ich lernte, dass Erziehung und Bildung zwei Seiten einer Medaille sind und sie deswegen im Englischen auch nur den einen Begriff education kennen. Pädagogik, die Erziehungswissenschaft, ist also auch die Bildungswissenschaft und daher ein allumfassendes Thema, das von der Lehre, dem Lernen, der frühkindlichen bis zur Bildung im Alter, von der Didaktik und der Forschung bis hin zur sozialen Arbeit reicht.

Aber was genau ist Bildung? Bildung passiert ein Leben lang. Der Mensch wird schon als Säugling von seiner Umgebung geformt, passt sich an, entwickelt sich weiter, lernt. Lernt nie aus. Ist nie ausgebildet.

Das zählt zu meinen wichtigsten Lebenserkenntnissen. Als Mensch bewegen wir uns auf einem Lebensweg, der uns immer wieder vor neue Herausforderungen stellt, an dessen Rand Versprechungen stehen, die aber möglicherweise nichts mit unseren Talenten zu tun haben, die uns verlocken und anlocken und sich als Irrwege herausstellen.

Darum finde ich es so wichtig, immer wieder neu in sich hinein zu hören und zu fragen, was sind Deine Talente, Interessen, Themen? Was möchtest Du tun? Wie möchtest Du gerade jetzt die Welt verändern?

Sozialarbeiterin, Animateurin, Bildungswissenschaftlerin, Pionierin, Künstlerin, Sozialmanagerin …

Wie wird eine*r etwas? Was bedeutet das eigentlich? Wann bin ich wer? Was ist Karriere? Wenn eine*r möglichst viel Geld verdient? Oder einen entscheidenen gesellschaftlichen Beitrag leistet? Etwas zuhause in der Familie oder der Pflege der Eltern oder im Ehrenamt tut? Was ist Arbeit, was ist Erwerbsarbeit? Ist Kunst auch Arbeit? Ist meine Berufung das, was ich bin?

Das sind Fragen, die uns gleich am Anfang unserer Ausbildung beschäftigen, aber auch während des ganzen Lebens. Talente entwickeln sich. Interessenbildung ist nicht im Kindesalter abgeschlossen. Im Gegenteil: sie nehmen zu im Laufe des Lebens.

Karriere passt dabei als Begriff nicht mehr in die moderne Zeit. Denn wie wollte eine*r sonst das Werk der Umweltaktivistin Greta Thunberg beschreiben? Geht es nicht viel mehr um Talente? Es gilt unsere Talente zu finden und einzusetzen und neue zu entwickeln und zu fördern und auszubilden. Wir werden damit nie fertig sein. Wir werden niemals ausgebildet sein.

Nicht von ungefähr war das Talent im antiken Griechenland eine Währungseinheit, das durch reines Silber aufgewogen wurde. Talente sind wertvoll. Und wenn Du das Richtige tust, wird das Geld auch kommen.

Und so war ich während meiner Tätigkeiten in der sozialen Arbeit bereits Theaterpädagogin, Sozialmanagerin, Bildungswissenschaftlerin, Aktivistin, Animateurin, Pionierin, Lehrende und Lernende und noch viel mehr.

Was ist aktuell gerade dein Weg?

Was mich am meisten begeistert ist, dass es immer wieder (Neu-) Anfänge gibt. Den Blick über den Tellerrand zu werfen und die Möglichkeit, sich und seine Talente neu zu entdecken. Das verlangt auch unsere Zeit, gerade auch in der sozialen Arbeit, da wir beständig vor neue Herausforderungen gestellt werden.

Als ich Mitte der 90er Jahre zum Caritasverband kam, wollte ich max. drei Jahre bleiben. Ich war neugierig auf die Arbeitswelt und wollte so viele unterschiedliche Organisationen wie möglich kennen lernen. Ich blieb lange. Auch deswegen, weil die Aufgaben kreativ und abwechslungsreich waren. Und ich die Gelegenheit hatte, in vielen unterschiedlichen Arbeitsfeldern tätig zu sein. Aber auch, weil es anders als heute keinen Fachkräftemangel sondern Überhang gab und ein sicherer Job einen hohen Wert hatte.

Während dieser Zeit war die soziale Arbeit lange meine Berufung. Bis ich auf das Thema digitales Lernen stieß und zur Bildungswissenschaft zurück fand.

Plötzlich taten sich damit verbunden neue Themen auf: die richtige Lernumgebung. Der Raum ist dritte Erzieher*in, sagt eine*r nicht nur in der frühkindlichen Pädagogik . Das Lernen überhaupt. Wie funktioniert Lernen. Ist Lernen nicht ein Spiel? Wie halte ich Menschen bei Lust und Laune? Und sind Arbeitsumgebungen nicht auch Lernumgebungen?

Wie wünsche ich mir selbst die richtige Lern- und Arbeitsumgebung? Wer inspiriert mich so, dass ich mich als Teil eines großen Ganzen fühle? Wann muss ich aber auch gehen, um mich persönlich weiter entwickeln zu können? Es kann sein, dass ich über mich selbst hinaus wachse und ein neues Umfeld brauche, das mir geben kann, was ich gesucht habe.

Ich persönlich habe mich Anfang dieses Jahres gefragt, wird dieses Jahr mein Leben nachhaltig verändern? Angesichts der Herausforderungen von Pandemie, Krieg und Klima hat mich die Frage beschäftigt, was möchte ich gerade aktuell am allerliebsten tun? Eine Antwort war, ich hätte gerne mehr Zeit zum Innehalten. Das klingt paradox angesichts der Herausforderungen. Aber sich im Hamsterrad verrückt zu laufen, hilft auch nicht weiter. Wir müssen inne halten und uns fragen, wie sollte soziale Arbeit und gesellschaftliches Handeln angesichts dieser Herausforderungen gestaltet werden.

Eine glückliche Fügung und tolle Gespräche mit Wegbegleiter*innen haben mir einen Pfad aufgezeigt, der in diese Richtung weist und den ich jetzt probieren werde: Lehre und Forschung.

Darauf freue ich mich sehr. Und kann nur jede*n ermutigen, ihren und seinen Weg zu finden, immer aufs Neue die eigenen Themen und Interessen zu ergründen

Denn mittlerweile geht es um sehr viel mehr als nur die Frage Was ist eigentlich ein Traumjob?

Um es mit Greta Thunberg zu sagen:

„Ich bin nicht so besonders. Ich kann nicht jeden überzeugen. Ich werde einfach das tun, was ich tun will und was die größte Wirkung hat.“

Wer Personalverantwortung hat, sollte ein guter Feminist sein.

Frauen gehören überall dorthin,

wo Entscheidungen getroffen werden.

Ruth Bader Ginsburg
US-amerikanische Juristin und Richterin am Supreme Court

Wer einen Beitrag zum Thema Feminismus schreibt, kann damit rechnen, dass die Hälfte der Leser nach den ersten Zeilen abschaltet.

Dabei ist dieser Begriff schlicht der Oberbegriff für Bewegungen, die sich für Gleichberechtigung, Menschenwürde und Selbstbestimmung einsetzen. Laut Wikipedia beschäftigen sich in diesem Kontext politische Philosophien mit der „Gesamtheit gesellschaftlicher Verhältnisse, einem grundlegenden Wandel der sozialen und symbolischen Ordnung und der Geschlechterverhältnisse.“

Zunächst möchte man meinen, dass hiergegen doch eigentlich niemand etwas haben kann. Und doch ist für viele der Begriff negativ besetzt.

Bei manchen mag das Bild einer kampflustigen Suffragette vor Augen erscheinen. Suffragetten, die ersten Frauenrechtlerinnen Anfang des 20. Jahrhunderts, waren frühe Aktivistinnen, die Veranstaltungen gestört haben, um sich für das Frauenwahlrecht einzusetzen.

Und so ist es bis heute geblieben: Das Thema Gleichberechtigung wird als Störung empfunden. Besonders in der Welt jener, die sich eingerichtet haben in bestehenden Seilschaften, oberhalb von gläsernen Decken und festgefahrenen Haltungen.

Ich beobachte in der Arbeitswelt eher einen Kampf gegen Frauen als ein Engagement für mehr Gleichstellung.

Die fortdauernde Diskriminierung von Frauen ist menschenunwürdig.

Dabei ist unsere Gesellschaft darauf angewiesen, dass Frauen arbeiten. Die Einschränkungen des Arbeitskräftemangels beeinflussen mittlerweile unseren Alltag. Einrichtungen des täglichen Bedarfs und der Daseinsvorsorge wie Kliniken, öffentlicher Nahverkehr, Kitas, Schulen, Restaurants oder der Handel reduzieren ihre Öffnungszeiten und Angebote, weil es nicht genügend Beschäftigte gibt.

Betrachtet man verschiedene Studien, die sich mit der Arbeitszeit von Frauen (und Männern) in Deutschland befassen, wird deutlich, dass viele Frauen ihre Erwerbstätigkeit erhöhen möchten. Männer hingegen arbeiten fast immer in Vollzeit (plus Überstunden) und wollen ihre Arbeitszeit häufig reduzieren.

Quelle: Was junge Frauen wollen, Berlin 2016

Durch die Pandemie hat sich die Situation drastisch verschlechtert: Frauen stecken beruflich zurück und werden in alte Rollenbilder gedrängt.

Welche Rahmenbedingungen brauchen Frauen, damit sie erwerbstätig sein können? Um das zu entwickeln, braucht es Frauen in Entscheidungspositionen, die sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf engagieren und den erforderlichen Rahmen schaffen.

Es ist auffällig, dass in allen Schichten und Milieus das Thema „Frauen in Führungspositionen“ eine hohe symbolische Bedeutung aufweist. Obwohl die meisten Frauen von dem Quotengesetz selbst nicht betroffen sind und keinen eigenen Nutzen davon haben, ist es für sie ein Ausweis dafür, wie ernsthaft die Politik, die Parteien und der Gesetzgeber bestrebt sind, die Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen, die gleich gut wie Männer qualifiziert sind, aufzulösen

Quelle: Was junge Frauen wollen, Berlin 2016

Gleichzeitig braucht es Männer, die sich mit Gleichstellungsstrategien befassen. Im Schnitt wollen Frauen und Männer 30 bis 35 Stunden arbeiten. Sie verschaffen sich selbst damit wertvolle Zeit mit der Familie und der Gesellschaft eine sinnvolle Lösung für mehr Arbeitskräfte. Die gesteigerte Zufriedenheit mit der Familienarbeitszeit könnte zusätzlich zu einer Steigerung der Geburtenrate führen.

Klinikalltag: Von Früchten, Früchtchen & der hohen Politik.

Ernte Dank! Vor der Klinik liegen Heuballen und Kürbisse eingerahmt von Milchkannen. Die Ostsee ist tiefblau und die Wellen schlagen jetzt geräuschvoll gegen das Ufer. Anders als im Sommer, wenn eher still ruht die See. Buntes Laub raschelt, wenn die Kinder spielend über das Gelände laufen.

Die Sommerkuren sind sehr beliebt, aber mir persönlich gefällt die Herbst- und Winterzeit besser. Denn jetzt kehrt Ruhe ein. Es ist nicht mehr möglich, einfach alles zu machen, sondern Besinnung ist angesagt. Der Heilungserfolg ist jetzt sogar nachhaltiger.

Die Langzeitwirkungen von Kuren sind ohnehin belegt. Studien zeigen, dass „sechs Monate nach Beendigung der stationären Maßnahmen die Mütter deutlich weniger von Schmerzen und Schlafstörungen beeinträchtigt waren, entsprechend reduzierte sich der Medikamentenkonsum. Die Krankheitstage verringerten sich von vorher 10,7 auf 6,5 Tage, auch die Arztbesuche nahmen ab. Besonders verbesserte sich die Beziehung zum Kind. Die Patientinnen stammten überdurchschnittlich häufig aus unteren Einkommensverhältnissen oder bezogen Sozialhilfe. Als Schwerpunktindikation wurde bei 74 Prozent das „Erschöpfungssyndrom“ gestellt. Bei den Kindern standen mit 49 Prozent Atemwegserkrankungen an der Spitze, gefolgt von Verhaltensauffälligkeiten.“

In dieser Woche hatten wir die Landtagsabgeordnete Sophia Schiebe von der SPD zu Gast. Sie ist u.a. für Familiengesundheit zuständig. Sie war sehr interessiert, unsere Klinik kennen zu lernen und wir konnten deutlich machen, dass unser Angebot ermöglicht, mit einem interdisziplinären Team medizinisch-physiotherapeutisch, psychosozial und pädagogisch auf die Familien zu schauen. Beobachtungen, Diagnosen und Beratung helfen dabei, für die Familie einen Weg zu zeichnen, der nach der Kur aus der Erschöpfungsspirale helfen kann.

Aktuell sind wir dabei, unser Klinikkonzept zu überarbeiten, um die Herausforderungen der Pandemie zu berücksichtigen. Wir stellen fest, dass nicht nur Erschöpfungssyndrome zugenommen haben, sondern auch soziale und Erziehungskompetenzen gelitten haben sowie Bildung in allen Lebensbereichen zu kurz kam.

Hier anzusetzen verstehen wir als unseren Auftrag. Dabei gehen uns die Ideen nicht aus: Lasst Euch überraschen!

Unsere Wartelisten geben ein Bild davon wie dringend die Kuren gebraucht werden. Gleichzeitig stehen wir als Klinik ähnlich wie viele Institutionen vor den wirtschaftlichen Herausforderungen der Energie- und Inflationsprobleme.

Wir arbeiten daran, in dem wir digitale Transformationsprozesse vorantreiben, uns als Team beständig weiter entwickeln, um die Standards einer modernen Organisation zu halten.

Früchte der Arbeit zeigen sich. Ernte Dank!

Es ist gerade wie Pest & Cholera zusammen.

Die Themen, die uns in den vergangenen Jahren beschäftigt haben, scheinen zu dem Punkt, an dem wir heute stehen, vergleichsweise moderat. Obwohl Ökonomisierung und Digitalisierung die Systeme mehr als herausgefordert haben, erleben wir aktuell eine Zeit, die wir höchstens aus der Geschichte kennen. Manches kommt uns unwirklich weit weg, ja mittelalterlich, vor.

Wie Pest und Cholera zusammen!

Und das betrifft nicht nur die Pandemie. Es herrscht Krieg, Inflation, Armut, Mangel, Flutkatastrophen, Bildungsmangel, Hunger, Kälte.

Der französische Philosoph Michel Foucault meinte dazu:

Die Menschen wissen was sie tun; häufig wissen sie, warum sie das tun, was sie tun; was sie aber nicht wissen, ist, was ihr Tun tut.

Michel Foucault

Durch unser Tun zerstören wir unsere Umwelt. Nicht nur das Klima, sondern existentielle Rahmenbedingungen.

Aber was bedeutet das für die soziale Arbeit?

Die Einrichtungen, die gerade mit den Belastungen der Pandemie ringen, stehen jetzt wieder vor einem Krisenjahr, so wie die Menschheit selbst. Besonders betroffen sind gerade die Menschen, denen sie dienen. Die Katze beißt sich in den Schwanz.

Umdenken. Aber richtig.

Während sich die tägliche Agenda mit immer mehr Aufgaben und Fragen füllt, ist wenig Zeit wirklich innehalten zu können und nachzudenken. Gerade auch über diese zentral wichtigen Fragen.

Wie auch? Und in welcher Form?

Der Club of Rome hat vor 50 Jahren mit seinem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ wegweisende Erkenntnisse veröffentlicht. Die Zusammenhänge zwischen globalem Wirtschaften, Klima und Lebensqualität waren bahnbrechend.

Genau fünfzig Jahre später veröffentlicht der Club of Rome wieder einen Bericht und ein ungeduldiger Geist mag denken: WARUM? Warum nur sind wir nicht schon viel weiter?

In diesem aktuellen Bericht „Earth for All“ geht es um den Zustand der Erde, vor allem aber auch darum, was genau getan werden muss und zwar nicht morgen oder übermorgen, sondern heute. Jetzt!

Die Eckpunkte sind keine Unbekannten und dennoch immer noch keine Handlungsmaxime:

  • Beendigung der Armut 
  • Beseitigung der eklatanten Ungleichheit 
  • Ermächtigung der Frauen
  • Aufbau eines für Menschen und Ökosysteme gesunden Nahrungsmittelsystems 
  • Übergang zum Einsatz sauberer Energie

Warum nur braucht es so lange?

Die Menschen wissen nicht, was ihr Tun tut, um es mit Michel Foucault zu sagen. Wir sind uns über die Wirkung unseres Handels in der Regel zu wenig bewusst.

Das heißt, wir müssen eben genau bei uns anfangen.

Vielleicht ist es heutzutage nicht mehr das Ziel, zu entdecken, wer wir sind, sondern das zurückzuweisen, was wir sind.

Michel Foucault

Wer bin ich und wer will ich eigentlich sein? fragen wir mit dem französischen Philosophen, der sich der Subjektanalyse verschrieben hatte. Zu Beginn des Jahres habe ich mich das auch selbst gefragt: Wird dieses Jahr nachhaltig mein Leben verändern? Es wird besser. Bewußter. Nachhaltiger. Aber warum erst jetzt? Warum nicht damals schon Anfang der neunziger als ich mich schon mal intensiv mit den Themen befasst habe. So geht es wahrscheinlich vielen Menschen.

Es braucht auch deswegen so lange, weil das Leben dazwischen kommt. Weil wir uns in unserem täglichen Hamsterrad festfahren, weil es wichtige Aufgaben zu tun gibt: Familie, Kinder, Beruf.

Was bedeuten die Herausforderungen für die soziale Arbeit?

Auch die soziale Arbeit scheint in diesem Hamsterrad gefangen. Es bleibt kaum Zeit, nachzudenken. Es bleibt keine Zeit, nachhaltiger zu werden. Es ist zu teuer. Die Einrichtungen haben gerade ganz andere finanzielle Sorgen. Ja, hätten wir mal früher das Solardach angeschafft, aber damals hatten wir eben auch andere Sorgen.

Armut, Krieg, Inflation, Flucht, Hunger. Jetzt ging es uns doch ein paar Jahre gut und jetzt fängt es wieder von vorne an. Die Kreisläufe, in denen wir uns bewegen, sind ungesund.

Wir brauchen einen Haltepunkt. Ein Stopp. Um nachzudenken. Um uns neu aufzustellen. Gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen. Welchen Wert messen wir den sozialen Organisationen bei? Sind sie kurzfristig systemrelevant und dann auch nicht mehr finanzierbar? Wie geht es weiter?

Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz. Wie schon vor fünfzig Jahren vom Club of Rome zusammengefasst. Alles hängt mit allem zusammen. Und die 5 Handlungsmaxime müssen auch die gesellschaftliche Arbeit leiten.

Es braucht einen gesellschaftlichen Konsens, dass es nicht um immer mehr Wachstum geht, sondern, das, was wir haben, zu schützen. Es müssen nicht noch mehr Ressourcen geborgen werden, sondern wir müssen lernen mit dem auszukommen, was wir haben und zwar weltweit.

Die soziale Arbeit kann dabei helfen, die Symptome zu lindern, aber genauso ist es ihre Aufgabe, sich dafür einzusetzen, dass Armut und Ungleichheit ein Ende haben. Weltweit. Dass Lebensbedingungen der Menschen hier und anderswo gesundheitsfördernd sind, beispielsweise auch in dem Ungleichheit abgebaut wird.

Es gibt im Leben Augenblicke, da die Frage, ob man anders denken kann, als man denkt, und auch anders wahrnehmen kann, als man sieht, zum Weiterschauen und Weiterdenken unentbehrlich ist. 

Michel Foucault: Quelle der Weisheit

Also raus aus dem mittelalterlichen Denken und rein in die echte, die nachhaltige, Moderne!

Philosophierend aus dem Fediversum.

Die digitale Revolution ist Geschichte.

Zumindestens, wenn man durch die Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn geht, wo sie zwischen der Wiedervereinigung, dem Klimawandel und den Fluchtbewegungen im Jahr 2015 zu finden ist. Genauer gesagt ein Roboter namens CareRob, der einen Beitrag leisten soll beim Leben im Alter.

Mein Einstieg in das Thema Digitalisierung gelang über Social Media. Über die Erkenntnis, dass Wissen einfach zu teilen ist. Dass Bildung neu gedacht wird und Kinder durch spielerische Tools Zugänge erhalten können.

Von Beginn an gab es kritische Stimmen ob der Kommerzialisierung der Medien. Wem gehören die Inhalte, die sichtbaren Inhalte bestimmt ein Algorithmus oder Zuckerberg gar selbst.

Diese Stimmen haben mich nicht abgehalten, die Medien zu nutzen. Langezeit galt Twitter auch gerade als Vorzeigemedium, weil hier Schlichtheit und Diskurs gepflegt wurden.

Diese Zeit ist zu einem Ende gekommen. Ich habe mich 2x von Facebook verabschiedet, von WhatsApp und ganz neu jetzt auch von Twitter.

Es gibt Alternativen, in denen das, was ich mir ursprünglich von Social Media gewünscht hatte, noch oder gerade zu finden ist: Zeit nachzudenken und die Möglichkeit zu einem sachlichen Diskurs.

Das Fediversum.

Das Fediversum bzw. Fediverse ist ein Zusammenschluss, eine Föderation, verschiedener Microblogging Dienste und kann etwa über die App Mastodon genutzt werden. Es gleicht in seiner Schlichtheit den Anfängen von Twitter und hat mittlerweile eine Reihe ähnlicher Funktionen. Hier gibt es eine Kurzanleitung für den Gebrauch der Twitteralternative.

Dieses für mich neue „Universum“ ist mehr als eine weitere Social Media App.

Es lässt mich nach- und umdenken.

Mir fällt auf, dass ich die Polarisierung, das Marketing und die individuell zugeschnittenen Themen nicht mehr ertrage.

Warum?

Weil wir nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre an einem Punkt stehen, wo das alles nicht mehr zeitgemäß ist.

Philosophieren.

Früher saß ich mit meiner besten Freundin manchmal auf der Schaukel und wir haben in den Nachthimmel über Gott und die Welt philosophiert. Vielleicht steht das wieder an.

Also, wo stehen wir?

Wir stehen an einem Punkt, wo die Ereignisse uns überrollen: die nicht enden wollende Pandemie, die Klimakrise, der Krieg, eine neue Armut.

Was tun? Einfach weiter machen? Polarisieren, dramatisieren, vermarkten?

Nein. Stopp! Aufhören!

Ich möchte (nach-) denken.

Welche Welt braucht es? Wie muss das gesellschaftliche Miteinander organisiert sein? Welche Institutionen müssen wie finanziert sein?

Das sind Fragen, die können wir nicht heute und morgen beantworten. Hierfür brauchen wir Zeit, nachzudenken. Wir brauchen einen Diskurs. Einen Diskurs, der frei ist von Sachzwängen und Marketingstrategien.

Wir brauchen eine neue Qualität der Kommunikation. Es geht mir nicht darum, das Fediversum zu hypen. Es geht mir darum, Plattformen zu finden, die das Nachdenkliche erlauben, die nicht nach Marktwerten filtern und einen Diskurs ermöglichen, bei dem Polarisierung keinen eigenen Wert darstellt.

Irgendwo dort hinten ist der Wendepunkt.

Noch ist nicht deutlich, wohin wir uns bewegen.

Aber ein paar Puzzlestücke deuten sich schon an. Es geht um eine neue Lebensqualität, die mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Noch ist die Kurzatmigkeit der Politik hierfür hinderlich. Aber manche zeigen auch die notwendige Weitsicht.

Die Pandemie lehrt uns, das Thema Wohlbefinden und Gesundheit neu zu betrachten. Kann das ein Oberbegriff für unser gesellschaftliches Miteinander werden? Fairer Umgang? Neue Zugänge? Das 9 Euro Ticket zeigt hierfür beispielhaft Wege auf.

Was brauchen wir in unserer Gesellschaft, damit die einzelnen Gruppe sich wohl befinden? Familien, junge Menschen, die Alten? Was ist gesund?

Ein paar Fragen, die nicht beantwortet sind. Und nicht alles abdecken, was zur Zeit gedacht werden sollte.

Aber die digitale Revolution ist vielleicht tatsächlich auch irgendwann in Deutschland Geschichte und hat den Wendepunkt hinter sich gebracht. So dass der Hype, der die nötige Stoßkraft brachte, abklingen kann und eine neue Lebensqualität gelingen kann.

Philosophierend. Im Fediverse. Oder anderswo.

Netzwerke in Organisationen nutzen!

Es kommt meistens anders als man denkt.

Geht Euch das auch so mit Organisationsprozessen?

Kluge Menschen sitzen am Reißbrett und malen eine Organisationsstruktur auf, die augenscheinlich mehr als Sinn macht.

Und dann zeigt sich nach einer Weile, dass es doch nicht wie aufgemalt funktioniert.

Die Struktur treibt ihre eigenen Stilblüten. Und zwar teils sehr schöne.

So wie die Natur es uns vormacht, wenn wir an den natürlichen Bedarfen vorbeigeplant haben.

Irgendwo verschafft sich ein Pflänzlein einen Durchbruch und verändert das System.

Dabei ist eine Organisationsstruktur sehr hilfreich. Wenn es sie nicht gibt, herrscht Chaos.

Eine Struktur regelt Zuständigkeiten und Verantwortung. Sie erleichtert den Arbeitsalltag ungemein und fördert die Gesundheit und das Miteinander.

Struktur bedeutet Ordnung.

Organisationen haben lebendige Knotenpunkte ausserhalb ihrer Struktur.

Eine Struktur ist aber nicht gleich Systemverhalten. Systeme verlebendigen sich. Zum Glück.

Systeme bilden neue Knotenpunkte, die Eigengewächse sind. Sie haben einen eigenen Weg gefunden, der mit dazu beiträgt, dass das System besser funktioniert.

Diese Knotenpunkte machen eine lebendige Organisation aus und fördern ihre Weiterentwicklung.

Wie entstehen diese Knotenpunkte?

Durch Kompetenz, Talente, gemeinsame Werte, Netzwerke. Wer kann gut mit wem und warum könnten wir auch fragen. Es ist nicht nur eine Frage der Chemie, sondern auch des Nutzen, den die Knotenpunkte für das Unternehmen haben.

Das gilt für das Unternehmen im Inneren, aber auch im weiteren Umfeld. Hier entstehen Eigendynamiken. Bei der Steuerung der Unternehmen können sie sehr wertvoll sein, auch wenn sie manchmal als Störfaktor in der Struktur erlebt werden.

Diese Stilblüten bzw. Strukturbrüche stellen häufig innovative Durchbrüche dar, von denen das Unternehmen profitiert.

Persönlichkeiten bilden Organisationen.

Wenn Unternehmen sich heute häufig und zurecht die Frage stellen wie gewinnen und binden wir Fachkräfte, dann ist die Antwort nicht zwingend eine sensationell originelle Ausschreibung oder ein Gesundheitsbudget, wenn auch beides das Anliegen sehr unterstützen kann.

Im Wesentlichen kommt es darauf an, den einzelnen Menschen in seiner Gesamtpersönlichkeit in den Blick zu nehmen

Den Menschen in seiner Persönlichkeit mit seinen Vorlieben, Talenten, Interessen, familiären Hintergründen, Problemen, Bedürfnissen, Werten und Qualifikationen.

Denn auf diesen Menschen kommt es an, wenn er zum System hinzu kommt. Wie wird er oder sie das System beeinflussen? Welche Wirkung wird er oder sie erzielen? Was bewegen? Einbringen? Und genauso wichtig, was nach außen tragen?

Wofür wir als Unternehmen, als Organisation, stehen, wird in den Menschen deutlich.

Welche Steuerungs-Methoden passen zu diesem Organisationsverhalten?

Wenn die Knotenpunkte ein System, vielleicht mehr als seine Struktur, prägen, wenn persönliche Netzwerke und Persönlichkeiten eine bedeutende Rolle spielen, wozu braucht es dann noch Führung oder anders: wie kann das System dann gesteuert werden?

Schluss mit dem Schubladendenken!

So sehr es wichtig ist, dass ein Mensch weiß, was seine Zuständigkeiten und Verantwortungen in einem System sind, so wichtig ist es auch, systemübergreifend zu denken und zu handeln.

Lösungen finden sich in Zeiten rasant wachsender Komplexität nicht mehr in einzelnen Fachbereichen sowie es uns auch in Politikfeldern nicht hilft, nur auf einzelne Fachgebiete zu schauen, wenn wir nachhaltig gut sein wollen.

Um Lösungsansätze für komplexe Herausforderungen zu entwickeln, braucht es Expertisen unterschiedlicher Disziplinen innerhalb einer Organisation und das fördert auch gleichzeitig den Zusammenhalt.

Probier es mal mit Fuzzy Logic.

Fuzzy Logic ist der englische Begriff für Unschärfelogik. Je näher ich auf ein System schaue, um so mehr verliere ich mich in Details. Wenn ich mit Abstand darauf blicke, erkenne ich das Muster des Systems und habe ein besseres Verständnis für die Systemlogik.

Fuzzy Logic ist die Ermutigung das ganze System in den Blick zu nehmen und Zusammenhänge, Muster und Talente zu nutzen.

… und mit Kybernetik.

Kybernetik ist die Steuerung und Regelung von Systemen durch Kommunikation und Beobachtung.

Je ganzheitlicher Organisationsbetrachtung gelingt, umso mehr gelingt auch der Blick unter die Oberfläche. Die weichen Faktoren rücken in den Mittelpunkt.

Prozesse, Struktur, Führungsverhalten – das sind Komponenten, die sichtbar sind.

Im Verborgenen sind häufig Mindsets wie Persönlichkeitsentwicklungen, Veränderungsbereitschaft, Kommunikationskultur und Räume für Kreativität und Innovationen.

Wahrnehmung und Kommunikation führen hier zu Wertschöpfenden Neuentdeckungen.

Die persönliche Kommunikation rückt wieder in den Mittelpunkt. Mit wem bin ich unkompliziert schell in Verbindung? Sicher ist die eMail ein wichtiges Informationsinstrument, aber sie ersetzt nicht die persönliche Kommunikation. Da ich viel im Auto unterwegs bin, telefoniere ich wieder viel häufiger als früher. Aber auch Messengersysteme schaffen gute 1 zu 1 Verbindung.

Neben der persönlichen Kommunikation sind strukturierte Kommunikationswege nicht weg zu denken. Wenn sie fehlen, führt das zu Intransparenz.

Hybride Kommunikationswege können helfen, die Personen besser kennen zu lernen und sich miteinander zu vernetzen. Technologie allein ist nicht der Schlüssel, aber sie kann ein Hilfsmittel sein.

Sich zu sehen, gemeinsam Themen und Projekte zu bearbeiten und zur Förderung des Ganzen beizutragen, fördert neue Rituale und den Zusammenhalt.

Ein Organisation besteht aus Persönlichkeiten, die ihre eigenen Fähigkeiten, Werte und Talente mitbringen.

Sie ist damit eine soziale Bewegung in dem Sinne, dass die Menschen gemeinsam unterwegs sind.

Gesucht werden Steuermänner und – frauen.

Organisationen haben ein Eigenleben neben dem, was als Strukturen aufgemalt ist.

Sie agieren häufig selbst organisiert, sind ein Netzwerk ihrer Persönlichkeiten und brauchen eine neue Form von Führung.

Weg vom Behördendenken hin zum dynamischen Systemverhalten, dessen lebendige Knotenpunkte neue Chancen für Fokussierung, Innovationen & Weiterentwicklung bieten.

Führungskräfte sind nicht mehr im klassischen Sinne Vorgesetzte, sondern Steuermänner und -frauen, die Chancen erkennen und nutzen, damit das Profil klar ist, Fachkräfte Lust haben mitzuwirken und der Unternehmensspirit lebt.

Jetzt bin ich gespannt auf Eure Meinung! Schreibt es einfach in die Kommentare, wenn ihr mögt.

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*Inspiriert durch die Lektüre von Frederic Vesters Buch „Die Kunst vernetzt zu denken – Ideen und Werkzeuge für einen neuen Umgang mit Komplexität (Ein Bericht an den Club of Rome)

Wird dieses Jahr das Leben nachhaltig verändern?

Neues Jahr – neue Ziele!

Aber welche?

Ein Thema, das mich seit meiner Jugend beschäftigt, ist das Thema Ökologie.

Nicht, dass ich darauf besonders stolz sein könnte. Mein ökologischer Fußabdruck lässt (sehr) zu wünschen übrig.

Trotzdem bin ich an dem Thema nie vorbeigekommen – im Gegenteil: ich wurde hinein geboren.

Warum?

Das waren bewegte Zeiten als im Nachgang zur 68er Studierendenrevolte soziale Bewegungen entstanden, darunter auch Umweltbewegungen, von denen es ein Zusammenschluß in den 80er Jahren dann auch in den Bundestag geschafft hat.

Grund genug, sich mit dem Thema Umweltbewusstsein zu befassen. Ganz ehrlich, es waren nicht die Grünen, die in mir die Flamme entzündeten.

Es war meine (katholische) Kirche.

In den 1990er Jahren gaben die katholische und evangelische Kirche das Wort „Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ heraus: eine Zusammenfassung von Diskussionsergebnissen, dem ein bisher nie dagewesener Partizipationsprozess vorangegangen war.

Die Kirchengemeinden waren aufgefordert, sich mit dem Papier auseinander zu setzen und zu fragen, wie das sogenannte Sozialwort die Gemeindearbeit bereichern kann.

Neben der Einzigartigkeit des Konsultationsprozesses zeichnet sich das Sozialwort auch dadurch aus, dass die Zusammenhänge, die heute manchmal außer Acht gelassen werden, verbunden betrachtet wurden: der (dringend erforderliche) sozial-ökologische Wandel.

Interessanterweise verpufften diese Ergebnisse damals leider sehr schnell und verschwanden in der Schublade.

Statt dessen rückte das Thema Sparzwänge in den Vordergrund und zwang nicht nur die Kirchen andere Prioritäten zu setzen, sondern auch die gesamte soziale Arbeit, da die handelnden politischen Parteien, auch die mit den Attributen „sozial“ und „grün“ im Namen, mit einer weitreichenden Fehlentscheidung, der Einführung der sogenannten „Hartz-Gesetze“, zu einem Paradigmenwechsel in der sozialen Arbeit beigetragen hatten. Im Vordergrund standen jetzt keine volkswirtschaftlichen oder gar ganzheitlichen Betrachtungen, sondern einzelne Instrumente wurden auf ihren Kostennutzen hin geprüft.

Das ist nicht grundsätzlich schlecht.

Aber es ist auch nicht grundsätzlich gut.

Denn alles hängt mit allem zusammen.

Und diese „neue“ Erkenntnis rückt uns erst jetzt wieder so richtig ins Bewusstsein.

Hierfür sorgen Klimaaktivisten und vielleicht auch die Erfahrungen während der Pandemie.

Warum jetzt?

Die Pandemie lehrt uns, dass alles mit allem zusammen hängt.

Es sind die gemeinnützigen Einrichtungen, die unser Überleben sichern, während Unternehmen in hohem Maße auf staatliche Hilfen angewiesen sind. Gleichzeitig tragen neue Technologien zu einem reduzierten Co2 Ausstoß bei. Wohingegen Schulen und Bildung neue Konzepte brauchen, denn Armut und Ungleichheit wächst.

„Ökosystem ist ein Fachbegriff der ökologischen Wissenschaften. Ein Ökosystem besteht aus einer Lebensgemeinschaft von Organismen mehrerer Arten und ihrer unbelebten Umwelt, die als Lebensraum, Habitat oder Biotop bezeichnet wird.“ heißt es bei Wikipedia.

Das Thema Klimaschutz ist in aller Munde. Aber es wird noch zu wenig mit einem nachhaltigen Gesellschaftssystem zusammen gedacht.

Aktivisten, politische Parteien, Initiativen und sogar Wohlfahrtsverbände wie die Caritas engagieren sich und wollen klimaneutral werden.

Die dringliche Notwendigkeit der Ziele steht angesichts des drastischen Klimawandels, den Menschen hautnah erleben, außer Frage. Die Hochwasserkatastrophe in der Eifel im vergangenen Jahr, Waldbrände, Eisschmelze, Meeresspiegelanstieg, Verschiebung des Niederschlagsmusters und andere extreme Wetterereignisse schreien nach Veränderung.

Und dabei bleibt es nicht. Der Klimawandel birgt Gefahren für die menschliche Gesundheit, wirkt sich auf soziale und wirtschaftliche Kosten aus und birgt Gefahren für die Tier- und Pflanzenwelt.

Damit wird deutlich: Ökologie ist nicht nur ein Teilthema der Biologie.

Es geht um die ungestörten wechselseitigen Beziehungen der Lebewesen und ihrer Umwelt. Es geht also um eine nachhaltig gesunde Gesellschaft. Damit sind genauso soziale Fragen verbunden wie wir aktuell an der politischen Diskussion um die Erhöhung der Lebensmittelpreise erfahren.

Es ist ein Thema eines notwendig anstehenden Veränderungsprozesses: der sozial-ökologischen Transformation.

Warum eigentlich nicht?

Für mich stellt sich die Frage: Wie kann der/die Einzelne, wie kann ich, wirklich zum Klimaschutz beitragen. Und wie können wir uns als Gesellschaft, gerade auch mit unseren Erfahrungen während der Pandemie, gesund und nachhaltig aufstellen?

Was braucht ein Mensch wirklich, um gut leben zu können?

Und was auch nicht?

Was braucht eine Gesellschaft an sozial-ökologischen Veränderungen?

Diesen Fragen möchtet ich in diesem Jahr, auch im Selbsttest, auf die Spur kommen.

Und bevor ich meinen alten Öko-Knigge, das Buch von Rainer Grießhammer, mit der Erstauflage aus dem Jahr 1990 wieder heraushole, habe ich meinen ökologischen Fußabdruck auf andere Weise getestet und gleich konkrete Vorschläge erhalten wie ich meinen Fußabdruck pro Jahr um 2 Tonnen reduzieren kann.

Beispiele:

  • innereuropäischen Flug durch eine Reise mit Auto, Zug, Bus oder Fähre ersetzen (–0.4 Tonnen )
  • Auto durch ein Elektrofahrzeug ersetzen (–0.6 Tonnen)
  • Mehr zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren (–0.1 Tonnen)
  • Häufiger vegan essen (–0.1 Tonnen)
  • Lebensmittelabfälle vermeiden (–0.2 Tonnen)
  • Produkte vermeiden, die Palmöl enthalten (–0.1 Tonnen)
  • eine Plastik-Diät machen (–0.1 Tonnen)
  • weniger Dinge kaufen (–0.3 Tonnen)
  • bevorzugt Produkte aus Holz und Bambus kaufen (–0.1 Tonnen)
  • möglichst viel recyceln (–0.1 Tonnen)

Wie sieht es aus?

Bist Du dabei?

Mach doch gleich den Test

… und poste Deine Vorsätze unten in die Kommentare!

Was sind Game Changer?

Das Leben ist kein Spiel.

Oder vielleicht doch?

Gerade jetzt in der Zeit zwischen den Jahren wagen wir gerne ein Spielchen: Karten, Brett, Computer … egal was.

Spiele sind spannend.

Warum?

Wegen der Game Changer.

Game Changer sind unerwartete Events, die Deine Prioritäten verändern.

Ist das Leben also vielleicht doch ein Spiel?

Wenn wir auf unser Leben blicken: sind es nicht die überraschenden Wendungen, die neue Spannung in unser Leben bringen?

Ist das Leben nicht wie ein riesiges Brettspiel mit vielen Wegen, Kurven, Kreuzungen, Weggabeln, Hindernissen, Fortschritten, Punkten, Zielen?

Es gibt die äußerlichen Wendungen, auf die wir wenig Einfluß haben und die selbst gewählten. Es gibt weltpolitische Game Changer, klimatische, gesundheitliche, private und berufliche.

Große und kleine Game Changer.

Denken wir an die Pandemie. Die krankmachende Lage hat uns einen neuen Lebensstil aufgezwungen. Und dachten wir zunächst, es sei vorübergehend, müssen wir uns jetzt darauf einrichten, dass pandemische Lagen ein Teil der Normalität werden können.

Lange wollten wir es nicht wahr haben. Wann können wir endlich Weihnachten wieder mit allen zusammen feiern? Wann die Masken ablegen? Wann zur Normalität zurückkehren?

Diese Denke hält uns davon ab, notwendige Veränderungen anzugehen.

Wir reagieren immer nur.

Zögerlich.

Übervorsichtig.

Wie machen es die anderen?

Wir klammern uns an das Früher. Aber es geht nicht mehr um die kleinen Fortschritte.

Es geht um den großen Wurf!

Hybride Strukturen und lernende Teams sind die neue Normalität.

Wenn wir etwas aus diesen pandemischen Zeiten gelernt haben, dann doch das: uns lernend nach vorne zu bewegen.

Also, Game Change: setzen wir neue Prioritäten!

Das Spiel nimmt eine Wendung. Es gilt, neue Strategien zu entwickeln, neue Lösungen zu finden, neue Methoden zu erproben.

Lassen wir uns doch das Spiel nicht aus der Hand nehmen. Gestalten wir es lieber.

Wir müssen uns umstellen. Gesellschaftlich, privat, beruflich. Wir müssen uns neu ein- und ausrichten.

Eine ganze Gesellschaft muss umdenken.

Traditionen müssen über Bord geworfen werden.

Alles braucht ein neues Kleid.

Die Zeit der alten Normalität ist vorbei. Es braucht jetzt für alles neue Konzepte. Für das Private, die Freizeit, die Arbeit, für die ganze Gesellschaft.

Also, verändern wir unsere Prioritäten und gehen neue Wege!

Mit Spirit durch die Pandemie.

Sonnenaufgänge, tiefblaues Meer, weisser Sandstrand. Diesen Anblick erleben Mitarbeiter*innen und Patient*innen im Caritas Westfalenhaus, unserer Mutter-Kind-Klinik am Timmendorfer Strand, tagaus tagein.

Ein schöner Arbeitsplatz. Eine traumhafte Umgebung, um sich zu erholen. 

Damit das gelingt, sind viele Kräfte am Werk. Wenn ich die Hauswirtschaft um halb zehn auf einen Kaffee treffe, um mal in die Organisation rein zu hören, haben viele schon ihre erste Schicht hinter sich. Die Nachtschwester ist lange nach Hause gegangen. Die Kinder der Patientinnen tollen durch den Garten, die Mütter sind in ihren Anwendungen verschwunden.

Die Verwaltung öffnet den Empfang, um Patient*innen zu beraten und Wäschemarken auszugeben. Die Belastung hat für viele Mütter extrem zugenommen: Homeschooling und Homeoffice auf beengtem Wohnraum hat viele Familien gefordert, belastet, an die Grenzen der Erschöpfung oder darüber hinaus gebracht.

Natürlich haben auch Mitarbeiter*innen Ängste, sich anzustecken. Die Hygienebelastungen, Testungen und immer neuen Erlasse zügig umzusetzen, belasten. Zwei Tage in der Spülstraße haben mir gezeigt, was es heißt, diese Arbeit mit Schutzmaske zu tun.

Was trägt, ist ein Team, das weiß, worauf es ankommt, gute Leitungskräfte, eine hohe Identität mit dem Auftrag. Eine kleine Kapelle im Obergeschoss der alten Villa ist liebevoll für Kinder und Erwachsene eingerichtet und lädt zu einer kleinen Auszeit ein.

Ein solches Haus durch die Pandemie zu führen, ist eine Herausforderung. Es offen zu halten, um den Auftrag zu erfüllen, ist das Gebot der Stunde. Not sehen und handeln. Damit das gelingt, braucht es politische Unterstützung wie den Rettungsschirm, aber wir sind auch auf Spenden angewiesen.

Durch die Benefizaktion Hand in Hand für Norddeutschland können wir Müttern und ihren Kindern, die während der Kur auf manches Angebot verzichten müssen, Alternativen bieten: neue Spielzeuge für den Garten anschaffen, einen Grillplatz einrichten, einen Kräutergarten anlegen. Eine Erbschaft erlaubt uns, ab Herbst die digitale Schule umzusetzen und damit Kindern unserer Patient*innen zu helfen, bei denen unzureichende Beschulung während der Pandemie Bildungslücken verursacht hat.

Danke allen Freund*innen und Förderern, die in der Not helfen und den Geist mit leben.

Den Caritasspirit eben. 

Die Maria im Caritas Westfalenhaus – im Hintergrund die Lübecker Bucht.