Veröffentlicht in Bewegte Frauen

Die heitere Elisabeth. #Caritas

Als Mädchen und junge Frau fand ich es immer unglaublich schwer, diese mittelalterlichen Frauen zu verstehen, ganz besonders, weil sie schon von Geburt an heilig schienen, während ich ständig mit meinen ganzen Unzulänglichkeiten und Fragen zu kämpfen hatte. Mit einigen von ihnen geht es mir auch heute noch so, zum Beispiel mit der Schutzpatronin der Caritas, der heiligen Elisabeth, deren Namenstag wir heute am 19. November feiern. 

Der nachfolgende Film zeichnet ein sehr schönes Bild von ihr und es wird deutlich, dass sie besondere Stärken hatte, ein ausgesprochen fröhlicher Mensch war und konsequent ihren Weg gegangen ist. Ähnlich wie Katharina von Bora, der Lutherin, lebte sie ein sehr partnerschaftliches Verhältnis mit ihrem Mann, was für die damalige Zeit ungewöhnlich war. 


Elisabeth engagierte sich für die Armen und gab alles, was sie besaß, her, um es mit ihnen zu teilen. Nach dem Tod ihres Mannes zog sie von ihrer Burg hinunter ins Dorf zu ihnen, wo sie bereits mit 21 Jahren ein Hospital hatte bauen lassen.

Sie starb im Alter von 24 Jahren, aber sie hatte wohl ein erfülltes Leben. Wenn es Young Caritas damals schon gegeben hätte, wäre Elisabeth vielleicht ein Teil der Bewegung gewesen. Die Botschaft, die sie uns mitgibt, ist, dass es darum geht, die Menschen heiter zu machen.

„Seht, ich habe es immer gesagt,
man muss die Menschen froh machen.“
Elisabeth Landgräfin von Thüringen,
deutsche Nonne und katholische Heilige.

 

 

 

Veröffentlicht in Bewegte Frauen, Kirche

Was Martin Luther uns für das Zeitalter des digitalen Wandels lehrt. #Reformation

Dieser Tage jährt sich der 500. Jahrestag, an dem Luther seine Thesen in Wittenberg angeschlagen haben soll. Die Medien, das Fernsehen, die Buchläden sind voll von Neuigkeiten über diesen ehemaligen Mönch, der über Jahre grübelnd in seinem Turmzimmer verbracht hat, weil ihm nichts wichtiger war als seiner römisch-katholischen Kirche zu dienen.

Muss es da also tatsächlich auch noch einen Blogbeitrag geben in einem Blog, der thematisch scheinbar doch so gar nichts mit der Zeit zu tun hat, in der Luther gelebt hat?

Nein, muss es nicht.

Bis vor einen paar Tagen wäre mir das auch nicht in den Sinn gekommen. Denn unsere heutige Zeit ist ja überhaupt nicht mit dem Mittelalter zu vergleichen.

Oder vielleicht doch?

Europa und die Welt.

Martin Luther lebte in einer Zeit, die sich in einem Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit befand. Einem Epochenwechsel, an dem er maßgeblich beteiligt war, ohne es jemals gewollt zu haben oder es in seiner Tragweite Zeit seines Lebens zu erfassen.

Dabei war Martin Luther ein Gelehrter. Ein Professor an der neuen Universität zu Wittenberg. Das Zusammenwirken verschiedener Ereignisse und zeitgenössischer Strömungen hat seine Mission gefördert und die Reformation beschleunigt. Eine Veränderung, die bis heute unser Menschenbild, Gottesbild, unsere Bildungssysteme und das christliche Europa prägen. Das Bild des liebenden Gottes, dessen Sehnsucht Nächstenliebe ist. Unsere europäischen Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit resultieren aus diesem für damalige Verhältnisse grundlegenden anderen Verständnis von Kirche. Einer Kirche, die sich wieder auf ihre Ursprünge konzentriert. Auf Jesus Christus.

Auch Martin Luther lebte bereits in europäischen Strukturen: im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (allerdings ohne einheitliche Währung). Nationalstaatlichkeit war den Deutschen zu jenem Zeitpunkt eher noch fremd. Und ähnlich wie heute gab es viele Krisenthemen in diesem großen Reich zu beackern, Probleme, die häufig mit Kriegen gelöst wurden.

Der Kontinent Europa stand zu jenem Zeitpunkt vor einem epochalen Wandel, der aber noch nicht abzusehen war.

 

Schreiben, Bildung und einfache Sprache.

Gleichzeitig mit Martin Luther lebten drei andere Männer, die mit ihren Forschungen und Erfindungen einen entscheidenden Einfluss auf den Wandel gehabt haben: Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, Christoph Kolumbus, der Entdecker Amerikas und Nikolaus Kopernikus, Lehrer des heliozentrischen Weltbildes.

Martin Luther soll sich für die Entdeckung Amerikas und die Erfindung des Buchdrucks wenig interessiert haben und doch haben diese Entwicklungen seine Reformation verbreitet und ihm sogar wohl den Hals gerettet, denn als Ketzer sollte er eigentlich getötet werden. Aber zu dem Zeitpunkt war die neue Idee schon so verbreitet, dass sie nicht mehr aufzuhalten war.

Er konzentrierte sich auf sein Lebensthema, die Verbreitung des Wortes und seiner Überzeugungen. Er schrieb seine Überzeugungen konsequent auf. Hätte es damals schon das Internet gegeben, wäre er sicher einer der ersten Blogger geworden.

Er traf dabei auf ein Volk, das hungrig war nach Veränderung. Dass diese alte mittelalterliche Welt nicht länger ertragen wollte, in dem der überwiegende Teil der Menschheit in unsäglichen Verhältnissen lebte.

Er erreichte das Volk deswegen, weil es ihm gelang, eine Sprache zu sprechen, die das Volk verstand. Zum einen, weil er die Texte der Bibel in die deutsche Sprache übersetzte und, weil er eine einfache Sprache benutzte.

Auf diese Weise revolutionierte Martin Luther die Welt. Er wählte zielgruppengerechte Methoden, um Bildung zu vermitteln. Und brachte die Menschheit zu einem neuen Bild von Wirklichkeit. Die neuen Bilder bildeten den Geist und formten damit die Menschheit neu. Was wiederum Auswirkungen auf gesellschaftliche Veränderungen und Strukturen hatte.

Der erste Bestsellerautor Martin Luther bewegte durch sein Wort und die Sprache die Welt in einer durch Buchdruck beschleunigten Schnelligkeit, die an den vielen vorhandenen alten Strukturen, so auch der römisch-katholischen Kirche, vorbeieilten, ohne von dieser wahrgenommen zu werden oder deren Auswirkungen im Entferntesten zu erahnen.

Wenn Du die Welt verändern willst, nimm einen Stift und schreib.

Martin Luther

Glauben, Gott und die Rolle der Kirche.

Martin Luther war der festen Überzeugung, dass es auf Gott allein ankommt.

Aufgrund der mittelalterlichen Erfahrungen seiner Zeit mit Ablasshandel und der Verweltlichung der Kirche, die sich nur um Macht, Geld und Gier zu drehen schien, war ihm diese Erkenntnis heilsrettend für seinen Glauben. Seine Erkenntnis, dass allein das Wort (Evangelium) entscheidend war und es keine Autoritäten brauchte, die es dem Glaubenden auslegten, wenn er es selbst zu lesen verstand, führte letztlich zu den Auswirkungen der Reformation, die in blutigen Glaubenskriegen ausgefochten wurden.

Es hat aber auch viele Mystiker/innen inspiriert und so auch im katholischen „Lager“ seinen Weg gefunden.

In einer Zeit wie heute, in der wieder die Rolle der Kirche(n) gesellschaftlich stark in Frage gestellt wird, ist ein Umdenken angesagt. In der Nähe des Geburtsortes von Martin Luther sprach der zuständige Bischof des Bistums Magdeburg kürzlich davon, dass heutzutage nur noch wenige Menschen Gott in den Köpfen hätten, geschweige denn im Herzen, was Luther ein Anliegen gewesen ist. Gott sei einfach in Vergessenheit geraten.

Das sind die Fragen der heutigen Zeit. Und das, obwohl das neue Gottes- und Menschenbild, das von Luther im Sinne der Urkirche wieder ans Tageslicht geholt wurde, massgeblich die Werte Europas mitbestimmt und bewirkt hat.

Heutzutage steht Kirche also wieder vor gravierenden Veränderungen. Heute wie damals ist es wieder wichtig, den Menschen zuzuhören, sich auseinanderzusetzen, mit den Zeichen der Zeit zu gehen. Das Bistum Essen arbeitet hierfür an einem neuen Zukunftsbild. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer publizierte hierzu gerade einen Beitrag in der Herder Korrespondenz.

Die Rolle der Frau.

Katharina von Bora, besser bekannt als die Lutherin, war die Ehefrau von Martin Luther. Ein ehemaliger Mönch und eine entflohene Nonne heiraten. Das war natürlich damals mehr als eine Schlagzeile wert und der Skandal schlechthin.

Martin Luther ging sehr offensiv mit diesem Thema um. Er ließ ein Gemälde von sich und seiner Frau anfertigen, das sie als Ehepaar zeigte. Martin Luther und seine Frau Katharina pflegten ein für damalige Verhältnisse ausgesprochen partnerschaftliches Miteinander. Sie saß mit am Tisch, wenn diskutiert wurde. Er hörte auf ihre Meinung und musste sich nachsagen lassen, dass sie ihn zu stark beeinflusste. Sie leitete das häusliche Wirtschaftsunternehmen, das ihnen die Existenzgrundlage sicherte. Übersetzte ebenfalls Bibeltexte und in seinen Briefen nannte er sie in der Anrede liebevoll Herr Käthe, Doktorin, Lutherin, Predigerin zu Wittenberg.

Luther: „Einem freundlichen, lieben Herrn, Frau Katherinen Lutherin von Bora, Doktorin, Predigerin, Brauerin, Gärtnerin, und was sie mehr sein kann. Gnade und Friede, liebe Käthe. Wie reich hat mich Gott beschenkt. Nicht mit irdischen Gütern, nicht mit Geld und Land und Hausrat. Denn wenn ich in der Welt nichts hätte, besäße ich doch den größten Reichtum. Meine Frau und meine Kinder … denn ich liebe Euch mehr als mich selbst. Du, Katharina, wurdest mir von Gott gesandt, zum Vorbild und zum Wegweiser. Dein Glaube wurzelt tief im Leben. Deine tätige Liebe trägt reiche Früchte. Was du für mich getan hast, und für die Kinder, darin steckt mehr Glaube als in jedem Gebet. Andere beten um Gottes Hilfe. Du aber bist Gottes Hilfe. In Liebe, dein Martinus Luther.“

Katharina von Bora (Film)

Und dennoch verlor sie nach seinem Tod alle Rechte. Auf das Erbe, auf ihre selbständige Existenz und ihren Status.

In der heutigen Zeit haben wir spätestens (oder erst!) seit den 1970er Jahren gesetzliche Regelungen in Deutschland und in der westlichen Welt, die eine Gleichstellung von Mann und Frau sichern. Die Frau muss ihren Mann etwa nicht mehr fragen, wenn sie einen Beruf ergreifen will u.ä.

Und dennoch bleibt die Frage der Rolle der Frau ein kontinuierliches gesellschaftliches Thema. Manche würden es am liebsten ganz vom Tisch fegen, da sie um ihre eigenen Entwicklungsoptionen fürchten, wenn zu viele Frauen in die gesellschaftlich spannenden öffentlichen Aufgaben drängen.

Auch in der öffentlichen Wahrnehmung sind es häufig weiterhin Männer, die Themen voran bringen. Das liegt teilweise an der medialen Darstellung oder einfach daran, dass andere Rollen zugedacht werden: Assistentinnen, Moderatorinnen, Back office.

Bei diesem Post handelt es sich natürlich um eine rhetorische Frage, denn gerade Frauen sind in der Online-Kommunikation kompetent vertreten. Wenn es aber offiziell wird, tritt das namentlich noch zu selten in Erscheinung.

Das partnerschaftliche Zusammenwirken von Martin Luther und Katharina von Bora, der Lutherin, war für die damalige Zeit mehr als ungewöhnlich. Es ist also zu hoffen, dass man 500 Jahre später in deutschen Landen hier ein entsprechendes partnerschaftliches Bewusstsein entwickelt, das nicht nur, aber auch medial, deutlich wird.

Die Reform(ation).

Der digitale Wandel, das spüren allmählich viele, wird unsere Welt auf den Kopf stellen. Das Lernen und damit die Bildung verändern, vielleicht auch das Menschenbild, wenn wir an den Einsatz von Robotern (Alexa, Siri & Co.) denken, die schon jetzt ganz selbstverständlich zu unserem Alltag dazu gehören.

Die Reformation setzte sich durch, weil bestimmte Bedingungen zusammen kamen: Martin Luther lehrte an einer neugegründeten, jungen Universität, es gab keine verkrusteten Strukturen, alles war noch offen, formbar. Keine Platzhirsche, die das Feld bereits beherrschten.

Der gerade erfundene Buchdruck beschleunigte die Verbreitung des Wissens und diente der Volksbildung und freien Meinungsäußerung.

Die Epoche der Reformation lehrt uns, dass Innovationen bestimmte Rahmenbedingungen brauchen, Förderer, kreative Räume, vielleicht auch eine Unbeobachtetheit in der Pionierphase.

Gleichzeitig zeigt die blutige Seite der Reformation aber auch, welche Auswirkungen Veränderungen haben können, wenn sie nicht ordentlich gemanaget oder begleitet werden.

Was uns die Epoche Martin Luthers lehrt:

  • Wie unmerklich klein die großen Dinge begonnen haben.
  • Die Welt, die im Wandel ist, ahnt häufig selbst nicht, dass eine neue Zeit anbricht.
  • Reformer sind selten die Selbsternannten, sondern die, die sich mit aller Kraft für Themen eingesetzt, sich darauf konzentriert und damit letztlich etwas bewegt haben.
  • Es braucht Zweifler, die plötzlich die Regeln in Frage stellen und etwas Neues ausprobieren.
  • Er war ein mittelalterlicher Blogger, denn sein Leitsatz war: „Durch Schreiben kann man etwas bewegen.“
  • Wenn man die Menschen erreichen will, muss man ihre Sprache sprechen.
  • Der Buchdruck war damals, was heute die Online-Kommunikation ist. Ein Beschleuniger des Wortes und ein wesentlicher Zugang zu freier und einfacher Bildung.
  • Bildung besteht aus Bildern. Neue Bilder formen den Geist um. Der umgebildete Geist bildet neue gesellschaftliche Strukturen.
  • Aus einem ängstlichen eher schüchternen Menschen kann ein Starker werden, wenn die Berufung stimmt.
  • Rückzüge, Natur und Stillezeiten (Offline-Zeiten) fördern Fortschritt, Kreativität und Qualität.
  • Verkrustete Strukturen verhindern eher, während neue, offene, noch formbare Lernstätten innovatives Denken und Arbeiten fördern.

 

Inspiriert zu diesem Beitrag wurde ich durch die Lektüre des Buches „Martin Luther und Katharina von Bora“ von Petra Gerster und Christian Nürnberger.

 

 

Veröffentlicht in Soziale Arbeit

BarCamp als Beitrag zur Organisationsentwicklung – #SozialCamp 2017

Einen Raum schaffen, um eine Brutstätte für (soziale) Innovationen zu ermöglichen.

Einen Raum schaffen, um die nötigen Kulturbrüche zur Weiterentwicklung der sozialen Arbeit zu bewirken.

Eine Vision haben und sehen, dass sie … einfach … so … Wirklichkeit … wird.

Das waren meine Gefühle beim SozialCamp der sozialen Arbeit.

In Essen gibt es nach meinem Amtsantritt ganz viel zu tun. Meine Stimme versagt ab und an, weil ich so viel spreche. Kommunikation ist (gerade) die Führungsaufgabe Nr. 1. Kennenlerngespräche mit dem Team der Geschäftsstelle, Besuche bei den Mitgliedern vor Ort, Kirchenpolitik, akute gesellschaftliche Herausforderungen der sozialen Arbeit …

Die Digitalisierung der sozialen Arbeit ist die Kür all dessen, was ich tue. Immer mal zwischendurch, wenn Zeit ist. Und so habe ich mir ausnahmsweise mal drei Tage abgezweigt und auf Einladung des DiCV Osnabrück Netzpolitik.org und den Digitalverband BitCom in Berlin besucht.

Und das SozialCamp. Bei dem wir als Caritasverband im Bistum Essen Sponsor sind zusammen mit den Diözesan-Caritasverbänden Aachen, Köln, Limburg, Münster, Osnabrück, Paderborn und Speyer. 8 Diözesan-Caritasverbände, die sich die Digitalisierung der sozialen Arbeit auf die Fahne geschrieben haben. Grasrootarbeit. Wie früher zu Zeiten der Gründung der ersten Caritasverbände.

Ich komme als Gast. Als Gast ins Erzbistum Köln. Als Gast in ein Tagungshaus, das gerade erst von einem Ort an einen anderen transferiert wurde, den ich noch ganz anders in Erinnerung habe.

Veränderung. Dafür steht dieser Ort. Und dafür steht auch das Veranstaltungsformat.

Kulturbrüche geschehen lassen.

Beim BarCamp duzt man (und frau) sich. Das ist nichts weltbewegendes und nur wir Deutschen und ein paar andere verkomplizieren unser Leben mit einer Runde Du`s oder einem formalen Sie, wobei die Anrede keinen Hinweis darauf gibt, wem ich wirklich nahe bin. Aber darum geht es ja auch gar nicht.

Beim BarCamp duzt man sich. Diese Tatsache gibt einen Hinweis auf den Charakter der Veranstaltung. Das „Du“ ist ein Hinweis auf die Art und Weise wie wir zusammen arbeiten wollen. Augenhöhe. Das Du ist ein Symbol für Augenhöhe, daher passt es gut.

Es ist eine Freude zu sehen wie Start ups, Wissenschaft, eine kreuz und quer Mischung von Qualifikationen und Kompetenzen geschieht und dabei neue Kooperationen, Produkte und Geschäftsmodelle entstehen.

Ein BarCamp ist Organisationsentwicklung.

DiCV Essen vollzählig angetreten? twittert Stephanie Braun kess am ersten Tag in meine Richtung. An dieser Stelle ein tausendfaches Danke schön an Stephanie, ohne sie wäre der Hashtag #sozialCamp auf Twitter sicher unter gegangen, mein storify nur halb gefüllt und die Fleißige hat auch dafür gesorgt, dass blitzschnell der erste Blogbeitrag plus Folgebeiträge veröffentlicht war.

Aber nun die Antwort auf die Frage: Vollzählig nicht. Aber mit Fachkräften quer durch alle Arbeitsfelder.

Für uns Essener war das BarCamp ein kleiner Organisationsentwicklungsprozess nebenher. Synergieeffekt(e). Vernetzung. Ausrichtung. Strategie.

Hinzu kam, dass ich eigentlich selbst gar keine Session anbieten wollte, dann aber durch Hannes Jähnert vom Deutschen Roten Kreuz und Benedikt Gyer von IWMM eingeladen wurde, unsere Bloggeraktivitäten zu vermitteln. Wir waren kürzlich als Blogger/innen für die Sozialwirtschaft in „Wohlfahrt intern“ publiziert worden.

Dass ich damit auch Teil eines „Frauenförderprogramms“ wurde, will ich kurz erzählen, weil es mich bei dem Veranstaltungsformat überraschte. Denn die Sessiongeber waren sehr vielfältig: Menschen mit Behinderung, Migrationserfahrung etc. Nur Frauen trauten sich am ersten Tag nicht so recht an den Pitch wie man die Präsentation der eigenen Sessionidee nennt. Und so war die lange Schlange überwiegend männlich.

Nach dem ersten Abend als Hannes und ich beim Bier unsere Session für den nächsten Tag vorbereiteten, ergab sich ein Gespräch zum Thema, in dem ich erwähnte, dass es mir unverständlich sei, dass auch die zuletzt anstehenden höheren Positionen (Direktorenstellen bei der Caritas) in schöner Selbstverständlichkeit mit Männern besetzt worden sind. Ich hatte eine wage Hoffnung, dass nach Essen nun auch andere sich ein Beispiel nehmen würden. Sozialpolitik, das traut man den Frauen noch zu, aber, wenn es kaufmännisch wird, dann doch besser ein männlicher Vorstandsvorsitzender oder Generalsekretär.

Und so kam es, dass ich unsere Session mit dem schönen Titel „Einladung zum Tanz …“ präsentieren (musste).

Was hat das mit dem BarCamp zu tun? Nun, das sind Themen, die aufploppen und vielleicht auch gerade, weil die Caritas nicht in ihrem Brei campt, sondern aufmerksame Kooperationspartner anderer Organisationen mitmischen. Eine echte Bereicherung in vielerlei Hinsicht.

Warum sich der zweite Tag eines BarCamps so sehr lohnt.

Klar ist der erste Tag schön. Wir treffen uns auf der weitläufigen Terrasse des KSI mit atemberaubenden Blick über Siegburg wahlweise nach Bonn oder Köln. Es ist ein fröhliches Wiedersehen oder Erkennen, weil man und frau sich ja schon eine Weile auf Twitter oder anderen Kanälen folgen.

Es ist Neugierde. Welche Themen werden wohl angeboten. Was wird entstehen?

Meine Erfahrung vom letzten BarCamp ist, dass am zweiten Tag eigentlich das Große entsteht. Die Verknüpfung des Gehörten. Die Bewegung. Eine soziale Bewegung für die Digitalisierung in der Sozialwirtschaft.

Auch, wenn ich selbst nicht an vielen weiteren Sessions teil genommen habe, da ich am nächsten Tag ungeplant (aber so ist ein BarCamp) und spontan selbst zwei anbot, war das Kribbeln in der Luft. Das Flimmern. Das Zusammenführen und Kommen der neuen Ideen.

In meiner zweiten Session ging es um das InnovationsLabor. Ein Thema, das ich bereits beim ersten SozialCamp vorgestellt hatte, allerdings mit deutlich weniger Konzept. Jetzt ist die Vision klarer, zu Mal wir in Essen bereits Raum dafür gefunden haben. Und auch eine Strategie dahinter steht. Wir wollen den Fortschritt in der Digitalisierung der sozialen Arbeit mit unserem Fort- und Weiterbildungszentrum verknüpfen.

Die Ideen sprudelten. Und die FlipChart Seiten füllten sich schnell. Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammen setzen und beschließen, welche Schritte wir nun konkret angehen. Eines ist sicher: Wir machen es nicht alleine, sondern mit den Partnern, die wir hierfür beim SozialCamp gefunden haben. Auf diese (neuen) Freunde /Kooperationen für die Sozialwirtschaft freue ich mich.

Was möchte ich vom BarCamp mit in den Alltag nehmen?

Die kreative, quirlige Atmosphäre.

Die Begeisterung und Leidenschaft für Themen.

Den wertschätzenden, respektvollen Umgang.

Das vielfältige Miteinander.

Die neuen Netzwerke für soziale Innovationen.

 

Weitere Rückblicke und Eindrücke findet ihr hier.

 

 

Veröffentlicht in Führung

Gute Führung.

Lernende Organisationen und agiles Management brauchen schlichte Werkzeuge, um gute Führung zu ermöglichen.

Selbst auf der Suche nach Handwerkszeug, das kommunikatives Miteinander unterstützt und gleichzeitig Zeit und Raum lässt, Knackpunkte zu identifizieren und zu lösen, stieß ich dieser Tage auf die Information, dass Google seine Führungstools ins Netz gestellt hat.

Auf der Suche nach der Antwort, was gute Führungskräfte ausmacht und wie Organisationen zu guten Führungskonzepten kommen, stellt Google im so genannten Re:Work Blog diese Informationen zur Verfügung.

Googles Führungstools

  • 8 zentrale Führungsmerkmale
  • Feedbackfragebogen zur Beurteilung von Vorgesetzten
  • Leitfragen für Mitarbeiter/innengespräche
  • Unterlagen für interne Fortbildungen
  • Anleitungen zur Zielformulierung
  • Merkmale für ein gutes Vier-Augen-Gespräch

Da es sich um eine Organisation handelt, deren zentrale Mission der digitale Wandel und das digitale Lernen ist, bin ich neugierig und gehe in die Tiefe.

Was macht bei Google eine gute Führungskraft aus?

1. ist ein guter Coach

2. ermutigt und befähigt das Team ohne klein-klein zu managen

3. drückt sein Interesse am Erfolg und Wohlsein der Mitarbeitenden aus

4. ist produktiv und ergebnisorientiert

5. ist ein guter Kommunikator – hört und teilt Informationen

6. unterstützt die berufliche Entwicklung

7. hat eine klare Vision und Strategie für das Team

8. hat Schlüsselqualifikationen, die ihr oder ihm helfen, das Team zu führen

Schon in einem früheren Beitrag „Was ist eigentlich ein Traumjob oder was wir von Google lernen können“  hatte ich Larry Page zitiert:

Überzeugungen von Google Gründer Larry Page

  • Mitarbeitende wollen an einer wirklich wichtigen Sache gerne mitarbeiten.
  • Die größte Aufgabe von Führungskräften ist es, den Mitarbeitenden eine bedeutungsvolle Aufgabe zu geben, an der sie wachsen und sich entfalten können
  • alle Informationen im Unternehmen sollten allen Mitarbeitenden zugänglich sein.
  • Führungskräfte sollen führen können, bevor sie einen Titel dafür bekommen.
  • Bei guten Chefs werden die Mitarbeitenden besser, bei schlechten Chefs bringen gute Mitarbeitende weniger Leistung.

Diese Haltung lässt sich durchaus in den Tools wieder finden.

Sicherlich tun wir uns an der ein oder anderen Stelle schwer mit der amerikanischen Kultur, die sich in den Fragebögen ausdrückt und doch gefällt mir deren Einfachheit. Wie dieses Tool beispielsweise:

Leitfaden für Mitarbeiter/innengespräche

  1. Was sind die Ziele des Beschäftigten?
    U. a. verknüpft mit der Frage: Wenn Geld keine Rolle spielen würde, was wäre Deine Traumaufgabe im Unternehmen? Oder Was sind Deine Leidenschaften? Was motiviert Dich?
  2. Wie sieht die aktuelle Situation aus?
    Was sind Störfaktoren? Was frustriert Dich?
  3. Welche Fortbildungen o.ä. könnten interessant sein?
  4. Welche Projekte oder anderen Ziele stehen als Nächstes an?

Die Klärung dieser Fragestellungen sind wichtig. Was stört die Arbeit? Was macht Lust? Was kann unterstützen? Und gleichzeitig ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, sich zu begegnen und vielleicht ist der Leitfaden gar nicht immer nötig.

Werteorientierte Führung

Forscht man in den Schulungsunterlagen, findet sich auch das Thema „Werte“ wieder. Die Rolle von Werten ist in einer Führungskultur nicht zu unterschätzen. Gerade im kirchlichen Kontext und generell bei Non-Profitorganisationen sicher ein Faktor, der keine untergeordnete Rolle spielt.

Dabei geht es nicht um eine besondere Form von Kirchlichkeit oder ein Parteibuch, sondern Überzeugungen, die das Handeln eines Menschen, häufig auch unbewusst, bestimmen.

Im Vortrag von Prof. Peter Fischer von der Universität Regensburg gibt es gute Hinweise zu diesem Thema, u.a. zur Frage, was humanistische Führung ist:

  •  3Vs: Vorbild, Verpflichtung, Verantwortung
  • 4Ms: Man muss Menschen mögen
  • 3Ks: Kommunikation, Kooperation, Kompetenz

In diesem Sinne beobachten, lernen und handeln wir weiter, um vernetztes und doch geordnetes Miteinander gekonnt hin zu bekommen. Dabei spielt natürlich auch die Aufbauorganisation eine Rolle, die neben der Linienhierarchie eine brauchbare Matrixorganisation benötigt. Hierzu später mehr.

 

Veröffentlicht in Tagebuch

Agile Wohlfahrt? Kein Widerspruch.

Hinter mir liegen fünf bis zum Rand gefüllte erste Wochen im neuen Amt.

Ich lerne viel.

Ich lerne das Team kennen.

Unsere Mitglieder.

Die Mitglieder der Hauptabteilungsleiterkonferenz im Bistum.

Viele, viele Einzelgespräche, die mir wertvolle Hinweise für meine Arbeit geben.

Ich mache meine täglichen Erfahrungen als Vorstandsvorsitzende.

Und meine Erfahrungen als Diözesan-Caritasdirektorin.

Zwei verschiedene Ämter, die jeweils ihre Bedeutung haben.

Die Geschäftsstelle.

Die Geschäftsstelle eines Spitzenverbandes der Freien Wohlfahrtspflege ist eine organisatorische Einheit. Sie ist das Zentrum der Aktivitäten eines Verbandes im jeweiligen Einzugsgebiet. In diesem Fall des Ruhrbistums.

Dabei ist das Ruhrbistum eine Region mit besonderen Herausforderungen.

Als Freie Wohlfahrtspflege stehen wir heutzutage vor besonderen Herausforderungen.

Wir haben es mit knapper werdenden Mitteln zu tun, mit Strukturen, die sich fragen müssen, ob sie auf aktuelle Entwicklungen noch zeitgemäss agieren. Mit Kulturen, die tradiert sind und sich nicht von heute auf morgen ändern wollen. Mit technologischen Entwicklungen, die eine mittelalte Belegschaft älter aussehen lassen als sie ist.

Wir haben satzungsgemäße Anforderungen zu erfüllen, deren Prioritäten uns unsere Mitglieder vorgeben und deren erstes Anliegen berechtigterweise die sozialpolitische Interessenvertretung ist und qualifizierte Beratung.

Darüber hinaus ist es aber auch unser Anspruch, neue Entwicklungen vorzudenken und entsprechende Projekte und Fortbildungen anzubieten.

Das Team.

Um hier eine gründliche Kenntnis der Menschen und Kompetenzen in unserem Haus zu erhalten, führe ich Kennenlerngespräche. Sie dauern in der Regel bis zu 2 1/2 Stunden und folgen einem Leitfaden. Sie bringen tatsächlich das, was der Name sagt: sich kennenzulernen.

Zu sprechen. Zuzuhören. Fragen zu klären. Vertrauen herzustellen. Es ist ein Mammutprogramm, das sich absolut lohnt.

Wir müssen gegenseitig wissen, mit wem wir es zu tun haben.

Ein wenig vergleichbar mit einer Mannschaft in einem U-Boot. Man muss sich gegenseitig aufeinander verlassen können, wenn man zusammen auf große Fahrt geht.

Ich lerne bei diesen Gesprächen am meisten. Ein besseres Einarbeitungsprogramm ist wohl kaum denkbar.

Und die Gespräche sind echte Begegnungen, die mir gleichzeitig zeigen, wieviel Kompetenz in der Geschäftsstelle sitzt.

Unsere Mitglieder.

Das Gleiche gilt für die Vor-Ort-Besuche.

Mir hilft es am meisten, wenn ich die praktischen Herausforderungen unmittelbar erlebe und weiss, wofür wir uns einsetzen müssen.

Hier gab es dieser Tage eine sehr anschauliche Begegnung in einem Arbeitsprojekt von Menschen mit psychischer Behinderung, das nach der sogenannten Teachmethode arbeitet und die Beschäftigten in sehr kleinschrittigen Prozessen Aufträge von Wirtschaftsunternehmen erledigen lässt.

Ich war beeindruckt, wie viel Zeit sich der Vorstand für meinen Besuch genommen hat und zu welchen guten Kooperationsvereinbarungen der zukünftigen Zusammenarbeit wir gekommen sind.

 

Kirche vor Ort.

Dort wo Menschen in Suppenküchen, im Arbeitsprojekt für Psychisch Kranke, in der Bahnhofsmission zusammen kommen und Nächstenliebe erfahren, erlebt Kirche ein hohes Ansehen wie eine Studie jüngst wieder zeigte.

Gerade die Dienste, wo wir als Kirche mit ihrer Caritas besonders gebraucht werden, erhalten die wenigsten staatlichen Zuschüsse: allgemeine Sozialberatung, Kleiderkammern, Arbeitsprojekte, Suppenküchen.

Ein wichtiges Anliegen ist uns daher, dafür Sorge zu tragen, dass Kirchensteuermittel, die der Caritas zugewiesen werden, insbesondere diese Angebote unterstützen.

Innovationen.

Einerseits bietet die solide Struktur der Geschäftsstelle ein gutes Gerüst, um die täglichen Anforderungen zu bearbeiten, andererseits erlebe ich bei den Gesprächen Engagement und Eifer auch neue Wege zu gehen, weil die aktuellen Formate nicht immer den aktuellen Herausforderungen genügen. Wir müssen schneller und agiler handeln. Es gibt bald ständig neue Themen, die anzugehen sind.

Das Leitungsteam kommt wöchentlich zusammen, um die aktuellen Herausforderungen zu benennen, zu diskutieren und anzugehen. Hierbei arbeiten wir mit neuen Formaten, in denen u.a. Teams gebildet werden, um anstehende Fragen zu beantworten bzw. zu bearbeiten.

Wo digitale Medien helfen können, werden virtuelle Gruppen gebildet. Die Erfahrung zeigt, dass sozialpolitische Interessenvertretung längst nicht mehr ausschließlich über Gremien läuft, sondern vielfältige Wege sucht. So hat sich Twitter hierfür als ein mögliches Instrument herausgebildet, da sich Politik hier auch gerne aufhält.

Ein Organisationsnetzwerk ähnlich Facebook soll zeitnah eingeführt werden und die verbandsinterne Netzwerkarbeit unterstützen.

Das InnovationsLAB ist Kür und Pflicht, da es Kernstück unserer Fort- und Weiterbildung werden soll und gleichzeitig die Heranführung an digitale Entwicklungen in der sozialen Arbeit sicher stellt, ohne die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege heutzutage nicht mehr auskommen.

Als Vorstandsvorsitzende unserer Geschäftsstelle trage ich Verantwortung dafür, dass wir zeitgemäß und gut aufgestellt auf die Anfragen unserer Mitglieder reagieren.

Als Diözesan-Caritasdirektorin ist es mir ein Anliegen, die Entwicklung der caritativen Arbeit in Verbindung mit der Kirchenentwicklung insgesamt im Blick zu haben, zu fördern und mit zu entwickeln.

Beides wirkt aufeinander ein.

Und ist mehr als spannend.